Genf 2018 – Es geht in die richtige Richtung

Der Autosalon in Genf nimmt in Sachen Messen für die Industrie eine besondere Rolle ein. Es ist die erste und einzige große Autoshow in Europa bis zum Spätherbst. Eine gute Gelegenheit Neuheiten vorzustellen. Gleichzeitig ist Genf ein Eldorado für besonders ausgefallene und teure Sportwagen. Nicht umsonst trifft man in Genf so viele Tuner und Kleinserienhersteller wie auf sonst kaum ein anderen Messe. In den letzten Jahren konzentrierte man sich auf eine reiche, und kaufkräftige Klientel, die Autos schon mal vom Stand weg gekauft haben. In diesem Jahr war es zum ersten Mal etwas anders. Natürlich gab es weiterhin die großen Gran Tourismo Fahrzeuge. Mercedes hat nicht ohne Grund den AMG GT 4 und den AMG G63 in Genf vorgestellt. Gleichzeitig traten Autos mit alternativen Antrieben stärker in der Vordergrund.

Parallel hat Daimler aber auch eine ganze Palette von umweltschonenden Autos mitgebracht. Die elektrischen Smart heißen statt „ED“ in Zukunft „EQ“. Neben der Anpassung der Nomenklatur spendierte Daimler dem auf Monate ausverkauften Fahrzeug auch eine Remote-App. Damit lässt sich der Wagen vorwärmen aber auch über eine Share-App an Familienmitglieder schlüssellos übergeben. Dazu zeigte Mercedes gleich drei neue Hybrid-Fahrzeuge. Die S-Klasse bekommt nach ihrer Modellpflege letzten Sommer endlich wieder einen Benzin-Hybrid. Die C- und E-Klasse bekommen erstmals einen Diesel-Hybrid.

Diesel-Hybrid sind eine komplizierte Sache. Das liegt vor allem an der Abgasreinigung des Diesel, die baulich viel Platz wegnimmt. Der Hybrid braucht auch Platz, vor allem für den Akku. So kommt es dann, dass der Kofferraum beider Fahrzeuge eher den Charakter eines Handschuhfachs hat. Preislich soll der Diesel-Hybrid ungefähr 5.000 bis 8.000 Euro über dem normalen Diesel liegen. Fragt sich, wer den kauft. Einerseits umgeht man mit dem Hybrid alle Fahrverbote, andererseits lohnt sich der höhere Preis dann nur bei enorm hohen Fahrleistungen. Aber immerhin probiert Mercedes da mal was aus um den Diesel zu retten.

Audi hatte, neben den neuen A7 und dem Vertreter-Traumwagen A6, den E-Tron vor Ort. Ein Prototyp, wie man betonte. Der soll allerdings schon serienreif sein. Überhaupt ballerte Audi in Sachen E-Tron PR-technisch aus allen Rohren. Wohl auch um Jaguar und deren I-PACE Konkurrenz zu machen. Bei den Briten war es rund um den I-PACE eng auf den Stand. Der erste Tesla-Konkurrent Europa sorgte in Sachen Design allerdings für unterschiedliche Meinungen. Der E-Tron von Audi kam auf den ersten Blick dann eher wie ein normaler SUV von Audi daher.

Richtig was los war auch bei Hyundai. Die hatten zum einen ihr schon mehrfach gezeigtes Wasserstoff-Auto dabei, aber auch den neuen Kona. Das überraschende des kleinen SUV war vor allem dessen Leistung. Während Premium-Hersteller ihre E-SUV meist weit oberhalb der 300 PS ansiedeln und damit Leistung gegen Reichweite tauschen, setzt Hyundai beim Kona auf moderate 204 PS. Damit kommt der Kona bis zu 470 Kilometer weit. Leider gab es noch keine Angaben zum Preis, der sollte aber so bei circa 40.000 Euro liegen.

Honda hatte außer den schon in Frankfurt und Tokio gezeigten Urban EV Konzept nichts neues in Genf. Allerdings überraschte man mit der Ansage, dass der Golf-ähnliche E-Wagen schon Ende 2019 genauso (minus das Display im Kühler nehme ich mal an) auf den Markt kommen soll. Der Urban EV ist schon jetzt der Liebling vieler Kollegen (meiner auch) und man darf auf den Preis gespannt sein.

Volvo hatten einen der größten Stände in Genf. Vorne zeigte man die sich wirklich gut verkaufende SUV-Flotte, hinten hatte man Platz für die Marke Polestar gemacht. Die ehemalige Tuning Marke von Volvo bringt 2019 ein schickes E-Auto im aktuellen Volvo-Design. Das Auto wird aber in China und nicht in Schweden gebaut. Dürfte auf dem EU-Markt wegen der Importzölle daher nur einen Randerscheinung sein.

VW hatte eine neue Studie der ID-Reihe, die auf den Namen Vizzion hört. Ein Level 5 Auto, ohne Lenkrad, ohne Pedale. VW beharrt darauf, dass man dieses Auto so auf den Markt bringen will. Ich bin da aus verschiedenen Gründen skeptisch. Zum einen sehe ich Level 5 Autos in der Breite nicht vor 2027, zum anderen dürften die Absatzzahlen von Level 5 Autos eher überschaubar sein.

Bei Toyota gab es den neuen Auris Hybrid. Die Japaner machten klar, dass man den Hybrid (und zwar nicht als Plugin, sondern als echter Hybrid) als die richtige Technologie für die Übergangszeit zur E-Mobilität sieht. Gleichzeitig kündigte Toyota an, dass man in Europa keine neuen Diesel mehr anbieten wird (Ausgenommen der Landcruiser). Der Dieselanteil bei Toyota in Deutschland ist eh gering, das schmerzt den Hersteller nicht so sehr, zumal dank der drohenden Fahrverbote viele Käufer eh zum Hybrid greifen werden.

BMW hatte – nix. Na gut, den i8 gibt es jetzt auch als Roadster. Von dem wirklich schönen Plugin-Hybrid mit dem Dreizylinder verkauft BMW ungefähr 2.000 Stück pro Jahr. Nicht schlecht für einen Zweisitzer für 150.000 Euro, aber auch nicht gerade das, was man sich unter der Mobilitätswende vorstellt. Der Mangel an technischen Innovationen, sowohl bei den Autos, als auch im Innenraum, sorgt bei Experten immer mehr für Kopfschütteln. Was genau bei BMW vorgeht, fragt man sich. Zwar soll der rein elektrische X3 Ende 2019 kommen, aber der wird wohl nur 250 km Reichweite haben. Die Hälfte von dem, was der Daimler EQC (Vorstellung Ende 2018) und der Audi E-Tron (Mitte 2018) haben werden. BMW scheint im Rennen um die Innovationen zur Zeit auf dem Standstreifen zu sein.

Bilder: Daimler AG, Don Dahlmann

Ein Kommentar zu „Genf 2018 – Es geht in die richtige Richtung“

  1. Vielen Dank für Deine Zusammenfassung!
    Wenigstens bewegt sich jetzt (endlich) etwas und ich vermute, dass BMW im stillen Kämmerchen etwas „bastelt“. Schauen wir mal… ;)