Es reicht!

Die Aktivitäten der Musikindustrie und Rechtevertreter zur Wahrung eines total überkommenen Geschäftsmodelles, haben langsam eine Phase erreicht haben, in der sie gefährlich werden. Gefährlich für die Bürger, gefährlich für die Künstler. Wenn ich lese, das man nun hofft, die neue Regierung solle

…das Urheberrecht und die damit im Zusammenhang stehenden anderen gesetzlichen Vorschriften der technischen Entwicklung so an(zu)passen und durch(zu)setzen, dass die angemessene wirtschaftliche Beteiligung der Urheber an der Nutzung ihrer kreativen Leistungen sichergestellt ist.

Und damit gemeint ist, dass man gerne auch so ein hübsches Hadopi-Gesetz mit der Three-Strikes-Lösung nebst eines wirtschaftlichen Ausgleichs hätte, dann muss ich sagen: Gehts noch?

Seit wann ist es eigentlich Usus, dass eine Industrie, die ihr Geld zum größten Teil damit verdient, dass sie Wegwerf-Produkte herstellt, in das Leben aller Bürger eines Staates eingreifen kann? Seit wann ist der Download eines Songs einen Eingriff ins Fernmeldewesen wert? Die Kappung des Netzanschlusses ist mittlerweile mehr als eine kleine Bestrafung, es ist ein Eingriff in die private Kommunikation. Hat man Raubkopierern in den 80er etwas das Telefon abgestellt?

Das Raubkopien ein Problem sind wird nicht bestritten. Wohl aber der Umfang des wirtschaftlichen Schadens, der entsteht. Mal abgesehen davon, dass die Industrie und die Rechteverwerter teilweise immer noch versuchen, ein altes Geschäftsmodell zu retten, und mal abgesehen davon, dass man seit 10 Jahren (!) die Zeit dazu gehabt hätte, ein eigenes Vertriebssystem für Musik im Netz auf den Markt zu bringen, ist es höchst umstritten, dass die von den Verbänden genannten Zahlen überhaupt so stimmen, weil sie diverse Faktoren ausser acht lassen. Und das ist nicht erst seit gestern bekannt.

Tatsächlich ist es aber wohl so, dass die Absatzprobleme der Industrie, wie in anderen Branchen auch, einem Zyklus unterliegen. Peter Tschmuck weißt in einem interessanten Blogeintrag draufhin, dass es schon früher massive, jahrelang anhaltende Gewinneinbrüche in der Industrie gegeben hat. Und zwar in den 70er Jahren. Dazu kommt, dass die Industrie nicht nur die Erneuerung der Vertriebswege verschlafen hat, sondern auch nicht mit den Single-Track Verkäufen klar kommt. Früher waren Singles Anwärmer für das Album, heute sind sie das, was überhaupt verkauft wird. Warum einen Sack Äpfel kaufen, wenn ich nur einen haben will?

Das Verschlafen von gleich zwei wichtigen Trends, die Dummheit, die eigenen Verkäufe zu analysieren, ist schon lächerlich genug, nun aber genau deswegen massiv in die Rechte einzelner Bürger eingreifen zu wollen, ist eine Unverschämtheit.

Die Verschäfungen des Urheberrechtes haben schon dafür gesorgt, dass die legale Privatkopie so gut wie verschwunden ist. Man hat es zu dem mit Rootkits versucht und seit neustem nutzt man die Abmahnkeule, wenn man auf Seiten verlinkt, die Mixtapes streamen.

Man muss den Interessenverbänden der Musikindustrie Einhalt gebieten. Es ist schon schlimm genug, dass man mittels Abmahnungen eine ganze Generation von Kunden kriminalisiert – der mit Sicherheit in den nächsten Monaten startende Versuch, auch ein Deutschland zu einer “Three-Strikes-Lösung” zu kommen, ist vermutlich im Kern genauso gefährlich, wie das Zugangserschwernisgesetz der letzten Bundesregierung

Denn wenn eine privatwirtschaftliche Interessengruppe mittels einer Kanzlei das Gesetz in die Hand nimmt, kann man sich von der Unschuldsvermutung gleich verabschieden. Das ist ja heute schon beim Thema Abmahnungen so. Es kann wirklich nicht sein, dass eine vor sich hinsterbende Industrie in meinem Bürgerrechten rum fummeln darf, nur weil sie mich unter einen Generalverdacht stellt. Und es kann auch nicht sein, dass das Thema bisher (nach meinen Wissen) nicht einmal kritisch von einer dieser Dings aufgegriffen wurde, die immer sagen, sie würden “Qualitätsjournalismus” betreiben.

Um es klar zu sagen: Ich möchte nicht, dass eine Firma auf Verdacht IP-Ranges scannt, Deep Packet Inspection macht und Provider ohne rechtsstaatliche Intervention und Überprüfung anweisen kann, eine Adresse heraus zu geben. Es ist bis heute völlig unklar, nach welchen Methoden illegale Downloads überhaupt aufegespürt werden. Nicht wenige behaupten, die Rechteinhaber würden sich eigener Seedingagenturen bedienen, was allerdings nie nachgewiesen wurde. Aber zutrauen würde man es ihnen ja, genauso, dass sie jede Rechtstaatlichkeit über den Haufen werfen, nur um das eigene Vertriebsmodell zu retten.

24 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  6. “Seit wann ist der Download eines Songs einen Eingriff ins Fernmeldewesen wert?” ist wohl der entscheidende Punkt.

    Ansonsten könnte man sich auch darüber aufregen, dass die öffentlichen Verkehrbetriebe mit ihrer Forderung, Schwarzfahrer verfolgen zu dürfen, in das Leben aller Bürger dieses Staates eingreifen.

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  8. Ich mache seit rund einem Jahr gute Erfahrungen mit napster, wobei ich dort noch keinen Song gekauft habe. Wenn mir Musik so gut gefällt, dass ich sie behalten will, kaufe ich mir die CD (und zwar das Album – Single-CDs halte ich für rausgeschmissenes Geld. Warum Geld für einen Song bezahlen, wenn man für den doppelten Preis 8 bis 10 Songs bekommt?), ziehe mir davon selbst mp3s und stelle die CD ins Regal. Kommt aber eher nur bei Lieblingsbands vor.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Eine bezahlbare Flatrate für Musikdateien plus qualitativ geldwerte CDs (aufwändiges Booklet, mehr als ein guter Song auf der Scheibe), da müsste dann doch für jeden was dabei sein? Leider ist beides nicht übermässig häufig anzutreffen.

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  13. Wo liest Du aus dem Zitat die Three-Strikes-Lösung heraus? Für mich liest sich das eher wie etwas, was auch jeder Pirat sofort unterschreiben würde: Anpassung des Urheberrechts an technische Veränderungen, dessen Durchsetzung und eine angemessene Vergütung der Künstler.

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  16. Ich glaube wir sind uns alle einig. Diejenigen die das Sagen haben oder sollte ich sagen, die das Geld haben diktieren den Politikern die Gesetze in die Feder. Das war so, das ist so und das wird immer so sein.

    Bernd Helmut Frank

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  20. Ich kann dem Artikel zustimmen und finde die Art und Weise, wie sich die Musikindustrie versucht ihr Überleben zu sichern, nicht in Ordnung! Andererseits aber würde ich das Thema sicher nicht ganz so scharf verurteilen, wenn man mal die Personifizierung als großes unbekanntes Ungetüm (die bös Musikindustrie) betrachtet. Sicher verdienten ein paar wenige Künstler und andere Macher unermesslich viel Geld. Dennoch ist die Musikindustrie, wie der Name schon sagt, eine Industrie, an der abertausende Arbeitsplätze hängen. Und sicher verdienen nur die wenigsten, die letztendlich für diese Musikindustrie arbeiten, eine goldene Nase.

    Dennoch finde ich den Artikel gut. Liebe Grüße aus Stuttgart –
    Dirk / Musikredakteur

  21. Also, eine bezahlbare Flatrate für gute mp3 & Co plus hochwertige CDs mit einem designeten Booklet, dort könnte dann doch für jeden was dabei sein? Aber leider ist beides nicht übermässig häufig anzutreffen.

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