Bloggen & Geld

Im Moment tobt mal wieder eine Diskussion zum Thema „Blogs“ durchs Internet. Mit ausgelöst hat sie die Auflistung einer Bloggerin, was sie denn der Betrieb ihres Blogs kostet. Die Auflistung ist teilweise hanebüchen. Man kann schlecht den eigenen Internetanschluss als „Blog Kosten“ angeben. Es sei denn, man würde ohne Blog erst gar nicht im Internet sein wollen, was ja nun auch Quatsch ist. Auf der anderen Seite stimmen gewisse Dinge wie Serverkosten usw. natürlich schon. Aber auch hier muss man sich die Frage stellen, ob die Auflistung Sinn macht. Hobbys kosten nun mal Geld und weil es Spaß macht, rechnet man nicht weiter herum.

Etwas anderes ist es, wenn ich meine Webseite dazu nutzen möchte um meinen Lebensunterhalt ganz oder teilweise zu verdienen. Natürlich steigen dann die Kosten etwas. Eine Kamera, ein Stativ, ein Bildbearbeitungsprogramm usw. Aber welcher Unternehmer kommt schon ohne Investitionen aus? Und ja, wenn ich vor habe von meinem Blog zu leben, starte ich eine unternehmerische Tätigkeit. Das ist mit Risiken und mit Investitionen verbunden. Es ist keine Festanstellung, wo man mir alles kostenlos in die Hand drückt, damit ich meinen Job machen kann. Wenn ich mein eigenes Geschäft starte, muss ich halt auch selber für die Ausstattung sorgen.

Zu diesen Investitionen zählt natürlich auch der Faktor Zeit. Wenn ich nicht jeden Tag ein Advertorial schreibe, erbringe ich immer eine unbezahlte Vorleistung. Jeder Text, den ich schreibe, kostet Zeit, erbringt aber im ersten Schritt erst einmal kein Geld. Ich muss mir überlegen, ob und wie viel Zeit ich investieren möchte, und wie viel Stundenlohn am Ende dabei rauskommt. Dazu gehört auch (erneut) dass ich erst in eine zeitliche Vorleistung treten muss, damit am Ende (sehr vielleicht) eine Summe X auf meinem Konto landet.

Wie hier an anderer Stelle schon mal erwähnt, sind die Verdienstmöglichkeiten für Nischenblogs beschränkt. Mode, Lifestyle und, mittlerweile mit Abstrichen, Tech sind die Sektoren, in dem sich mit ein wenig Glück und Fleiß ein brauchbares Ergebnis (+ 3.000 brutto/Monat) einfahren lässt. Diese Summen sind auch nicht sicher, nicht mal für sehr erfolgreiche Blogger, denn wie alle Dinge, unterliegen auch Blogs einer gewissen Aufmerksamkeitsökonomie. Agenturen und Industrie beobachten sehr genau, welches finanzielle Engagement sich wo lohnt. Vor ein paar Jahren waren das allein Blogs, mittlerweile verlagert sich viel Geld in Bereiche wie YouTube oder Instagram. Nur weil meine Seite ein Jahr prächtig läuft, heißt das noch lange nicht, dass das im Folgejahr genauso ist.

Im Moment gibt es nur zwei Wege, wie man mit seinem Blog zumindest längerfristig erfolgreich sein kann.

1. Ich nutze das Blog als mein persönliches Vermarktungsinstrument in bestimmten Nischen. Ich besetze mit guten Texten Themenfelder, sorge für eine gute Verbreitung in den sozialen Netzwerken und bekomme so nach einer Zeit und aktiven Anbieten externe Aufträge. Zum Beispiel als Consultant, als Leiter von Schulungen, Autor usw. Ich investiere also mein Kapital (mich, meine Zeit plus ein paar weitere Investitionen wie Kamera, Software etc.) um mehr Kapital daraus zu machen. Es gibt ein paar Beispiele von Autoren, bei denen das so recht erfolgreich läuft, darunter zum Beispiel Robert Basic.

2. Ich baue ein redaktionelles Angebot auf. Mit anderen Worten, ich sorge für Wachstum (Reichweite in spezifischen Zielgruppen) und erhöhe mein unternehmerisches Risiko in dem ich eine Redaktion aufbaue. Irgendwann reicht die eigene Zeit nicht mehr aus, um das nötige Wachstum in Form von Artikeln, Bildstrecken usw. zu leisten. Entweder sage ich an dem Punkt: Ok, reicht mir. Oder ich gehe halt ins Risiko und suche mir Autoren, die entweder das Risiko mittragen oder die bezahlt werden. Alternativ kann ich auch versuchen mein Blog in ein Verlagsnetzwerk zu integrieren oder ich suche mir eine Vermarktungsagentur. Beides ist nicht leicht und hat wieder eigene Risiken, wie man gerade beim Streit zwischen Mediakraft und deren YouTube-Stars sehen konnte.

Dazwischen gibt es im deutschsprachigen Raum kaum Möglichkeiten. Wenn ich drei Ratschläge für Blogger geben soll die unbedingt und sofort vom Bloggen leben wollen, wären das diese:

1. Schreib zweisprachig oder direkt in Englisch. Der deutsche Markt ist meist zu klein. Ich bereue es zum Beispiel, dass ich das Racingblog nicht von Anfang an in Englisch geschrieben habe. Es gibt knapp 100 Millionen Menschen, die Deutsch verstehen, aber knapp 3 Milliarden, die mehr oder weniger Englisch können.
2. Verlass Dich nicht auf eine Einnahmequelle wie Advertorials, Werbung etc. Und binde Dich nicht exklusiv an einen Sponsor. Wenn der den Stecker zieht, ist es meist vorbei. Einen „Sicherheitsjob“ und sei es für einen Tag die Woche, ist immer besser.
3. Überlege, wie Du Dein Thema für YouTube umsetzen kannst und probiere es aus. Wenn Du das nicht kannst, magst oder willst, baue Dir starke Auftritte in anderen Medienbereichen auf. (Fotos, Podcast etc.)

Ach ja: Und hör auf zu jammern und zu rechnen. Wenn Du das machst, nimm lieber eine Festanstellung.

36 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auf den Punkt gebracht.Als ich auf diese seltsame Auflistung gestoßen bin,konnte ich auch nur verwundert schauen.Hobbies kosten Geld und nach (sehr kurzer) Verweildauer auf betreffender Seite handelt es sich auch sicher nicht um mehr als ein Hobby.

  2. DANKE!
    Ich hab den Blogpost auch gelesen und war ziemlich verwundert über so manche Fixkosten.

    Die Internetflatrates für Daheim und Unterwegs mit einzurechnen finde ich persönlich absurd. Das sind heutzutage eigentlich Standards die man einfach hat, egal ob man bloggt oder nicht.

    Btw. wenn ich eine Seite aufrufe und ohne zu scrollen nur den Blogtitel und ein riesiges Bild sehe, dann mag ich am liebsten schon wieder wegklicken. Ist vielleicht auch eher ein Blog für visuell-begeisterte die lieber Bilder gucken anstatt zu lesen.

  3. Stimmt alles. Aber im ursprünglichen Post von Frau Gourmetguerilla ging es ja darum, mal aufzulisten, was sie alles investiert und warum sie es deswegen okay findet, wenn sie sich manchmal bezahlen lässt oder Kooperationen eingeht. Vielleicht hat sie dabei etwas schief gerechnet, aber es ging gar nicht darum, mit dem Bloggen Geld zu verdienen.

  4. Ich fand die Auflistung mehr als Fragwürdig. Wie bereits schon sehr oft erwähnt, die Kosten für Internet,Handy,Computer, Nahrungsmittel,Benzin usw sind Fixkosten die fast jeder hat,egal ob Blog oder nicht…ebenfalls die Selbstberechnung der investierten Zeit nach Mindestlohn..
    Keiner zwingt die gütige Frau,ein Blog zu betreiben…Meiner Meinung nach beträgt der finanzielle Aufwand nur die direkten Kosten für die Blogserver…
    Die betragen 30 Euro.
    Interessant wie manche es schaffen daraus dann 1300 Euro zu machen.

  5. Die leicht zu erkennende Intention der Bloggerin war = wie bekomm‘ ich am Ende meiner Aufzählung der Kosten eine möglichst hohe Summe, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erheischen?
    q.e.d.: das Bildblog hatte zugegriffen.

  6. Wenn ich dich recht verstehe, meinst du wer ein Unternehmen gründet oder sich selbstständig mache, müsse mit Kosten rechnen, dürfe diese aber nicht in seine Ausgabenkalkulation aufnehmen. Das erscheint mir nicht logisch.

    Dabei macht es keine Unterschied ob ich das jetzt monatlich kalkuliere auf x Jahre oder jährlich auf x Jahre (so macht es die Steuer) oder einmalig. Die Summe bleibt die gleiche. Daher ist das völlig legitim was die Bloggerin da macht.

    Im Gegenteil würde ich sogar sagen, dass das runterbrechen auf monatliche Raten eine gute Strategie ist, wenn man frisch selbstständig ist. Allzuoft wird das nämlich vergessen, mit dem Resultat dass man zwar monatlich über die Runden kommt, aber jährliche anfallende Posten nicht bezahlen kann. Ebensowenig wie man sich einen neuen Computer leisten kann, weil man in der Kalkulation das Sparen vergessen hat.

  7. @ Jens & Jennifer:
    naja, ich weiß nicht so recht – aber wenn dieser Hobbyblock ein Nebenerwerb ist (was ich glaube, da sie ja gesponsort wird), dann kann sie die Kosten für Internetflatrates & Co anteilig (also private vs. berufliche Nutzung) in ihrer Kalkulation mit einrechnen.

    PS: wagt mal einen Blick auf http://www.gourmetguerilla.de/presse_und_projekte/ von Frau Mel Buml – für wen die schon alles gekocht hat bzw aufgetreten ist – ARD & ZDF, Ikea, Women‘ s Health, Radio rbb etc.

    @ Don Dahlheim:
    Natürlich muss ich als Unternehmer in Vorleistung gehen, aber diese Kosten will ich wieder „reinholen“, entweder durch Sponsorengelder oder über zahlende Kunden (odere habe ich ihren Beitrag mißverstanden ) ?

    Gruß an alle

  8. Es ist eine Frage der Herangehensweise.
    Wenn man sein Blog als Hobby betrachtet, ist die Kalkulation von Arbeitsstunden nach Mindestlohn sicher etwas albern. Wenn man es aber als seinen Beruf ansieht – und das scheint mir bei dem genannten Blog der Fall zu sein – dann ist es legitim seine eigene Arbeitskraft preislich abzubilden.
    Denn sonst würde man ja in der Zeit woanders arbeiten. Dann zählen auch Dinge wie Handykosten, weil die Grundlogik hinter der Auflistung dann wechselt von „was bezahle ich nur für mein Hobby Bloggen“ hin zu „was gebe ich bei meiner Steuererklärung an“.

  9. @Walter @Torsten Natürlich muss ich die entstehenden Kosten berechnen und schauen, wie ich sie wieder reinbekomme, wenn ich mit dem Blog meinen Lebensunterhalt verdienen muss. Hier geht es aber vor allem um den Faktor Zeit. Also wie viel Zeit verbringe ich mit dieser Arbeit, wie viel Geld bekomme ich raus. Das kann man, gerade am Anfang, nicht auf einer monatlichen Basis rechnen, bzw. wenn man es macht, dann sieht die Rechnung gerade am Anfang eher mau aus.

    Natürlich gehören die anderen laufenden Kosten (MIete, Essen usw.) auch dazu. Die Frage war aber, was es mich kostet, wenn ich nur vom Blog leben möchte. Auch sollte man nicht vergessen, dass auch Angestellte Kosten haben. Zum Beispiel die Monatsfahrkarte, das Auto, Mittagessen usw.

    Ich finde es in Ordnung, wenn man die Serverkosten benennt, evtl. zu tätigende Investitionen. Aber wenn ich ein Kochblog habe, gehört der Einkauf von Lebensmitteln nun mal dazu.

  10. „Also wie viel Zeit verbringe ich mit dieser Arbeit, wie viel Geld bekomme ich raus. Das kann man, gerade am Anfang, nicht auf einer monatlichen Basis rechnen“

    Das halte ich für einen großen Trugschluss. Ja, es ist bei Freiberuflern und generell bei Projekten in der Medienbranche relativ üblich, dass (interner) Aufwand und Ertrag nicht gegenüber gestellt werden. Aber das macht es IMHO nicht weniger falsch. Ich finde den aktuellen Grundtenor der Diskussion fatal stellvertretend für das „gefühlte Wirtschaften“, das Medienmacher gerne betreiben.

    Das führt (IMHO) mit dazu, dass es in der ganzen Kette von Freiberuflern bis hin zu den fertigen Medienprodukten kaum ein sprichwörtliches Selbst-Wert-Gefühl gibt. „Ok, ich habe für die Geschichte, für die ich drei Tage gearbeitet habe, nur 80 Euro bekommen. Aber immerhin ist es im Heft und es stützt meine Reputation.“ Bis zu: „Oh, wir zahlen bei 80% unserer Produkte drauf, aber das wird sich langfristig sicher auszahlen“ Oder: „Lasst uns jetzt jeden Tag ein Video produzieren“ (mit der Kostenkalkulation = Null, weil ‚die Leute sind ja eh da‘.

    Jeder Tonassistent hat einen festen Tagessatz, aber professionelle Medienmacher wirtschaften in sehr vielen Fällen weitaus unprofessioneller als jeder Kioskbetreiber. In einem normalen Unternehmen ist es völlig unvorstellbar, dass Projekte ohne Kostenaufstellung auch nur geplant werden. Bei Medien völlig normal.
    Selbstverständlich kann man alles als Hobby deklarieren oder auch auf indirekte positive Effekte hoffen. Den Aufwand dennoch einmal aufzustellen, ist deshalb trotzdem kein Fehler.

  11. @Don Nee, wenn ich ein Kochblog habe, gehört der Einkauf von Lebensmitteln und Geschirr für meine Posts selbstverständlich zu den Kosten. Was soll das aus unternehmerischen Sicht denn sonst sein?

  12. Ich habe mich bei der Auflistung der Dame v. a. über zwei Dinge gewundert: Warum fehlt die Angabe der Frühstückskosten (Brunch im Carlton: 30 € / Tag ), denn als Bloggerin muss sie doch auch essen?
    Und Internetkosten von 100 € pro Monat? Ist sie Griechin und wurde sie da von Goldman Sachs beraten?

  13. @Patrick: Oh je, wenn ich als freier Autor wirklich immer den gesamten Zeitaufwand berechnen würde… wäre ich reich. Oder hätte keine Aufträge mehr. Ich stimme Dir völlig zu, dass man eigentlich wie ein Elektriker seine Arbeitszeit inkl. angefangener Stunden berechnen müsste. Aber das funktioniert schon lange nicht mehr. Verlage zahlen meist einen festen Satz, der sich nach der Länge des Textes richtet, und selten nach dem Aufwand. Das Problem dabei ist auch, dass viele Verlage aber auch Unternehmen am Ende sagen „Was? So teuer? Haben wir keinen Praktikanten… “ usw. Während man wohl kaum einen Praktikanten an seine Elektrik lassen würde. Aber das ist schon seit bestimmt 15 Jahren so in der Branche.

    @Walter Da haben wir uns missverstanden. Natürlich sind das Kosten. Ich muss aber in den Einkauf investieren, sonst kann ich das Blog ja nicht füllen. Ich bekomme die Investition halt (hoffentlich) später dann wieder raus.

  14. @Don: Ich fürchte, dass eine realistische Kostenaufstellung auch ein wenig vermieden wird. Weil sie (sowohl bei den Freiberuflern als auch den Medienunternehmen) vermutlich sehr deutlich zeigen würde, dass die Branche ökonomisch ziemlich hinüber ist und (bis auf wenige Ausnahmen) eigentlich niemand mehr auf einem soliden Standbein steht, sondern langsam kippt/sinkt/fällt.
    Momentan spart man man im Wettlauf gegen die sinkenden Einnahmen. Da gibt es aber irgendwann einen Grenzwert, an dem sich z.B. der Heftdruck oder der Betrieb einer bestimmten Plattform nicht mehr lohnt und das ganze fragile Gebilde in sich zusammenbricht.
    :-/

  15. Es ist natürlich wahr, dass man in einigen Branchen nicht nach Aufwand abrechnet. Ebenso wahr ist, dass das alles andere als gerecht und ebensowenig gerechtfertigt ist.

    Deshalb verwundert es mich umso mehr, dass hier die Bloggerin deswegen kritisiert wird. Im Prinzip macht sie es doch genau richtig, indem sie ihren Aufwand in die Kalkulation mit aufnimmt.

    Auf mich macht das einen etwas komischen Eindruck: Alle jammern, aber wenn jemand aus der Herde ausbricht, wird er sofort zurück gepfiffen.

  16. Pingback: Blogwatch 03/15: Was kostet ein Blog?

  17. „Auf mich macht das einen etwas komischen Eindruck: Alle jammern, aber wenn jemand aus der Herde ausbricht, wird er sofort zurück gepfiffen.“

    Das ist exakt mein Gedanke.

    „Ach ja: Und hör auf zu jammern und zu rechnen. Wenn Du das machst, nimm lieber eine Festanstellung.“

    Die Dame hat an keiner Stelle „gejammert“. Ich möchte wirklich mal wissen wo alle das her haben.

    „…Aber im ursprünglichen Post von Frau Gourmetguerilla ging es ja darum, mal aufzulisten, was sie alles investiert und warum sie es deswegen okay findet, wenn sie sich manchmal bezahlen lässt oder Kooperationen eingeht.“

    Genau. Darum ging es, was 90% der Kommentare geflissentlich unterschlagen haben. Kooperationen die klar offengelegt sind und helfen die Aufwendungen des Blogs, egal ob nun Hobby oder Beruf zu tragen und die Problematik, dass manche Leser dies als persönlichen Angriff interpretieren, vielleicht auch, weil sie sich nicht über den finanziellen und zeitlichen Aufwand der dahinter steht Gedanken machen.

    Es ist nicht „jammern“ wenn man klarstellt, dass bloggen, egal ob als Hobby oder als Beruf, Kosten verursacht und es ist richtig seinen Lesern gegenüber zu begründen warum man bezahlte Kooperationen eingeht, wie man sie transparent macht und warum sie helfen den Blog zu erhalten.

    „Ich habe mich bei der Auflistung der Dame v. a. über zwei Dinge gewundert: Warum fehlt die Angabe der Frühstückskosten (Brunch im Carlton: 30 € / Tag ), denn als Bloggerin muss sie doch auch essen?
    Und Internetkosten von 100 € pro Monat? Ist sie Griechin und wurde sie da von Goldman Sachs beraten?“

    Und wie genau hilft jetzt Häme der Diskussion?

    Vielleicht ist es in einer Branche in der prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Scheinselbständigkeit und Selbstausbeutung die Regel sind, einfach unangenehm überhaupt mal mit Zahlen konfrontiert zu werden und schlicht leichter auf dem Nebenschauplatz „das-geht-auch-billiger.de“ zu diskutieren.

    Ich fand den original Blogbeitrag jedenfalls hilfreich und mutig und sichtlich notwendig.

  18. Von euch hat offensichtlich der Großteil nicht verstanden, worum es in diesem Text ging und hat gleich zur Liste gescrollt. Peinlich.

  19. Auch meine laufenden Kosten sind pro Monat deutlich geringer als im erwähnten Artikel. Ich gehöre aber zu denen, bei denen der DIY-Blog erstaunlicherweise inzwischen das Nähhobby komplett finanziert und nach einem ziemlich langen Anlauf auch die 200 Euronen Marke pro Monat übersprungen hat. Das ist nicht die oben erwähnte Katagorie, aber ich bin damit mehr als zufrieden. Dazu gibt’s bei mir jeden Monat einen ausführlichen Transparenzbericht und ein Teil wird gespendet – der Januarbericht kommt erst Ende der Woche http://www.amberlight-label.blogspot.de/p/blogeinnahmen.html

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    Man kann schlecht den eigenen Internetanschluss als „Blog Kosten” angeben. Es sei denn, man würde ohne Blog erst gar nicht im Internet sein wollen, was ja nun auch Quatsch ist.
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    Ich wäre ohne meine Selbstständigkeit auch im Internet. Dennoch darf ich meinem Finanzamt zufolge 80 Prozent meiner Internetkosten als Betriebsausgabe betrachten. Warum der durchschnittliche Blogleser darauf besteht, hier pingeliger zu sein müssen wie das Finanzamt, verstehe ich nicht.

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    Hobbys kosten nun mal Geld und weil es Spaß macht, rechnet man nicht weiter herum.
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    Das geht nun völlig am Kernpunkt des Blogbeitrags von Mel vorbei. Mel stört sich nicht daran, dass ihr Blog Geld kostet, sondern daran, dass ihr Vorwürfe gemacht werden, wenn sie versucht, mit ihrem Blog Geld zu verdienen, um die Kosten wieder einzubringen.

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    Etwas anderes ist es, wenn ich meine Webseite dazu nutzen möchte um meinen Lebensunterhalt ganz oder teilweise zu verdienen.
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    … also wenn man genau das macht, worüber Mel schreibt (nämlich mit einem Blog Geld verdienen), ist das etwas ganz anders als das, worüber Mel schreibt? :-)

    Gruß,
    Max

  21. Eine wichtige Investition ist das eigene „ich“. Du hast Robert Basic erwähnt. Der versteht es seit Jahren, eben dieses „ich“ gut einzusetzen. Und das ohne penetrant zu wirken.
    Heute ist es noch einfacher. Soziale Netzwerke machen es leicht möglich, die eigene Person und das Produkt dahinter, bekannt zu machen.

    Auch diese Mel von „gourmetguerilla“ hat es eigentlich clever gemacht. Eine Auflistung ihrer Kosten – ob hanebüchen oder nicht, spielt keine Rolle – und schon ist Ihr Blog für acht oder zehn Tage das Thema in der Bloggerszene und eben in sozialen Netzwerken. Genau das fördert Bekanntheit.

    Nebenbei hat sie für eine der mittlerweile selten gewordenen blogübergreifenden Diskussionen gesorgt. Schon dafür sollte man „Danke“ sagen :-)

  22. Ich hatte beim Lesen des Beitrages auch ein komisches Gefühl. Ein Punkt war auch, dass sich ihre Leser wegen der Werbung abwenden. Das muss man einfach akzeptieren und da hilft so eine Auflistung nun gar nicht. Ich schaue mir Blogs, die Werbung wegen der Werbung machen auch nicht mehr an. Wenn es passt, kein Problem. Aber wenn dann auf allen Blogs plötzlich über eine ganz spezielle Farbenfirma gepostet wird (mit immer den gleichen Pressefotos) oder unvermittelt Tee und Kaffeeautomaten ins Bild rücken. Noch schlimmer, auf Buchblogs wird für den eReader geworben. Ich klicke es nicht mehr an, aber mich dann zu „belehren“. Nein danke.

  23. @Heike: Es geht hier nicht um Häme. Wenn jemand völlig zu Recht genervt ist, wenn Leute alles nur abstauben wollen und beim ersten Zeichen von Sponsoring und ähnlichem meinen, sie hätten ein Recht sich zu beschweren, dann finde ich das sehr verständlich.

    Allerdings erweist man sich selber und der Sache einen Bärendienst, wenn man dann eine vermeintlich transparente Rechnung aufstellt, die an jedem zweiten Punkt ebenso völlig zu Recht angreifbar und hinterfragbar ist. Hanebüchen trifft es da meiner Ansicht nach sehr gut.

    Ich sage vermeintlich transparent, weil zu einer wirklich transparenten Rechnung auch die andere Seite, nämlich die Eingaben gehören. Darüber schweigt sie sich – vermutlich aus gutem Grund – aber aus. Geht mich auch nichts an, genauso lässt mich die Ausgabenseite dann aber auch kalt. Wenn man 130 Euro allein für Hosting und Internet oder z.B. 60 Euro für den Steuerberater komplett als Kosten fürs Bloggen anrechnet, dann kann ich halt auch den Rest der Rechnung nicht mehr ernst nehmen. Das ist künstlich hochgerechnet, da lacht dich jeder Steuerberater aus.

    Hätte sie gesagt: Hey, ich investiere hier zig Stunden in der Woche in dieses Blog und gebe auch Geld für Posten A bis X aus, dann wäre das vollkommen in Ordnung gewesen und die Message wäre immer noch rübergekommen.

    Zudem macht sie zwei weitere Fehler: Sie geht zumindest gefühlt irgendwie davon aus, dass es Blogger und Leser gibt. Sie als Bloggerin rechnet hier den Lesern was vor. Man muss aber davon ausgehen, dass unter den Lesern auch eine Menge Leute sind, die selber bloggen, denen man sowas nicht vorrechnen muss und die dann auch entsprechend schlecht gelaunt reagieren.

    Zweiter Fehler: Wenn ich Bloggen als Hobby sehe, dann rechne ich anderen nicht vor, was mich das kostet und erwarte Anteilnahme. Viele Hobbys kosten Geld. Mein Mann macht hobbymäßig Musik (ich auch), wenn ich die Zeit und den Aufwand ausrechne, die da so reinfließt, kann ich über Mels Rechnung nur müde lächeln. Es ist natürlich völlig legitim, Bloggen zum Beruf machen zu wollen. Dann habe ich aber hoffentlich ein Geschäftsmodell, dass über gelegentliches Sponsoring hinausgeht. Wenn ich Bloggen als Beruf sehe und dann so eine semi-transparente Ausgabenliste ausgebe, die erstens falsch ist und die zweitens die Einnahmenseite außer Acht lässt, dann fühle ich mich als Leserin und Bloggerin doch etwas verarscht.

    Es gibt selbstverständlich Zwischenstufen. Bei mir reicht das Geld, dass ich von der VG Wort kriege zum Beispiel locker, um das Hosting zu finanzieren und es bleibt noch was übrig.

  24. Wie kommt’s eigentlich, dass jedes Mal, wenn irgendjemand einen reinen Informationsbeitrag darüber schreibt, was er eigentlich in seine Arbeit investiert (sei es Zeit oder Geld) oder welche Schwierigkeiten überwunden werden müssen, die der Kunde/Leser so gar nicht mitbekommt, irgendeine Pappnase aus dem Gebüsch kriecht und das als „Jammern“ abtut?

    Ich fand die Rechnung in Teilbereichen auch etwas merkwürdig, aber so zu tun, als wäre das ein Wehklagen gewesen, ist ja nun gewollt missgünstig.

  25. Die Frage ist: Was ist ein/e Blogger/in? In diesem Fall ist das Blog doch nur Teil der Gesamtstrategie einer freiberuflich Tätigen.

  26. Pingback: Kolumne: “Das ist kein Bloggen mehr, das ist Kapitalismus!” › NewsCouch.de

  27. @Anne
    Ich verstehe nach wie vor nicht was dich (und andere) so ärgert.

    Sie hat eine Liste aufgeschrieben wie sie ganz persönlich ihre eigenen Aufwendungen sieht und wertet. Sie hat nicht behauptet das wäre allgemeingültig oder für den Steuerberater.

    Zwischen reinem Hobby, ambitioniertem Hobby und dem Vollbeschäftigungs-Blogger-Beruf liegen wahrscheinlich tausende von ganz persönlichen Abstufungen, Wertungen und Lebens- / Geschäftsentwürfen.

    Deine Rechnung sieht anders aus, du wertest die Aufwendungen anders, gut, auch kein Problem.
    Noch schöner wäre eine Aufstellung wie du deine Kosten / Einnahmen siehst, dich zwischen Hobby und Beruf als Blogger einordnest.

    Warum du dich „verarscht“ fühlst, erschließt sich mir kein bischen, warum gerade Blogger sich darüber ärgern sollten auch nicht, zumal du ja schreibst dass du prinzipiell nichts dagegen hast dem Leser aufzuzeigen dass bloggen auch Aufwendungen verursacht.

    @amberlight-label Danke für die Einnahmen – Transparenz, war interessant zu lesen

    @Kerstin
    Ich habe kein Problem mit bezahlter Werbung wenn diese denn auch als solche gekennzeichnet wird. Problematisch sind die „Geschenke“ und Einladungen zu Produktvorstellungen etc. über die man als Leser oft nichts erfährt und die Blogger beeinflussen positiv über bestimmte Produkte zu berichten. Das muss nicht einmal bewußt geschehen. Für die Werbebranche ist das ein ganz großes Thema, für mich als Leser ein Ärgernis, vor allem wenn ich auf einen Produkttest eines Bloggers vertraue und dann im nachhinein erfahre, dass der noch von „der tollen Party“ des Herstellers ganz verzückt war, beim Schreiben des Blogposts. Also mir ist der Blogger lieber der offen Werbung macht und damit Geld verdient, aber dann die beworbenen Produkte nicht bespricht.

  28. @Heike Nein nein nein, das siehst du falsch. Es geht hier nicht um persönliche Ansichten. Ich wiederhole mich ungern, aber wer 130 Euro für Hosting und Internet komplett als vermeintliche Kosten fürs Bloggen aufrechnet, der betrügt sich selbst und seine Leser. Punkt.

    Und da Bloggen für mich Hobby und kein Beruf ist, rechne ich da auch nichts rum. Genauso wenig eben, wie ich ausrechne, was mich Klavierspielen als Hobby kostet.

  29. @Anne
    Wer ganz offen schreibt dass er „130 Euro für Hosting und Internet komplett als…Kosten fürs Bloggen aufrechnet“ BETRÜGT niemanden. Er stellt lediglich seine Sicht der Dinge dar und dem kann man nun zustimmen oder auch nicht.
    Du stimmst dem offensichtlich nicht zu, dein gutes Recht. Manch einer hätte vielleicht eine Summe für private Nutzung wieder abgezogen, für die Steuer muss man das sogar. Wahrscheinlich kann man die Aufstellung beliebig weiter differenzieren und immer genauer machen, wenn man will. Hat die Schreiberin aber nicht, was wiederum ihr gutes Recht ist. Die Leser sind keine Idioten und können sich ebenfalls ein eigenes Bild machen, die dargebotene Rechnung mit eigenen Wertungen / Berechnungen vergleichen.

    „Und da Bloggen für mich Hobby und kein Beruf ist, rechne ich da auch nichts rum. Genauso wenig eben, wie ich ausrechne, was mich Klavierspielen als Hobby kostet.“

    Die Autorin des original Blogs gibt an dass sie ca. 20 Stunden pro Woche an Zeit aufwendet, was für ein bloßes Hobby schon ziemlich viel ist. Wo sie sich nun zwischen Hobby und Vollzeit-Beruf einordnet weiß ich nicht, auf jeden Fall, im Gegensatz zu dir, wohl eben in einem Bereich in dem sie sich über Kosten und notwendige Einnahmen Gedanken macht.

    Du bist bei deinem Hobby/Blog nicht an diesem Punkt? Fein. Es gibt keinen Zwang irgend etwas zu berechnen.

    Ich bleibe dabei, dass ich deinen Ärger nicht nachvollziehen kann und schon garnicht Häme oder gar die Notwendigkeit jemandem Betrug vorzuwerfen. Ich nehme deinen Ärger aber zur Kenntnis und denke wir lassen es vielleicht dabei bewenden, dass wir uns einig sind uneins zu sein?

    Hab einen schönen Tag!
    Heike

  30. Es wurde viel über die Kosten diskutiert und darüber, ob die realistisch sind. Aber ich glaube, der Konflikt rührt daher, dass sich Gourmetguerilla als persönliches, privates Blog präsentiert und dann ganz unerwartet mit Einnahmen und Kosten um die Ecke kommt.

    Die Über-Mich-Seite heißt „Püppi am Herd“, und da steht: „Ich bin Mel. und ich koche auf diesem Blog. Tagsüber führe ich ein (halbwegs) seriöses Leben als strategische Beraterin in einer Hamburger Werbeagentur. Meine Abende und die Wochenenden gehören dann dem Mann, dem Kind, den Freunden und meiner winzigen Küche.“ Und das dürfte den Eindruck vermitteln, dass man ihr im Blog über die Schulter schaut, direkt in ihr privates Leben, das sie nach Feierabend in der intimen Küche hat. Wo sie mit ihren Freunden sitzt, darf man via Blog auch dabei sein.

    Jetzt kann man entweder die Bloggerin naiv nennen oder die Leser, die angeblich zuviel oder das Falsche erwarten, aber das ändert alles nichts daran, dass ein Missverständnis im Spiel ist. (Und was Leser besonders von einer Frau so alles an Echtheit erwarten können, haben wir Fossilienblogger einst im Belledejour-Skandal gelernt.)

    Blogs sind halt nicht nur ein monetarisierbares Dingsbums für effektiven Contentabwurf im Internet, sondern auch ein Beziehungsnetz und ein kulturelles Phänomen. Für diese Sichtweise hat mir heute ein PR-Berater auf Facebook fehlende Medienkompetenz unterstellt. Hihi.

  31. Das „Problem“ der Rechnung von gourmetguerilla.de ist, dass die Blogbetreiberin Mel zu ihren Einnahmen keine Angabe macht. Wie soll der Leser beurteilen, ob die € 706,85 Fixkosten verhältnismäßig sind oder nicht. Auch gibt es keinen Link zu dem Blog ihrer Freundin, der die merkwürdige E-Mail erhielt.

  32. Pingback: Wochendiskussion: Was kosten Blogs & dürfen Blogger Geld verdienen? › Chefblogger

  33. Danke für den Beitrag zum Thema! Der wichtigste Satz steht meiner Meinung nach ganz am Schluss:

    Ach ja: Und hör auf zu jammern und zu rechnen. Wenn Du das machst, nimm lieber eine Festanstellung.

    Mein Credo lautet ähnlich: Höre auf an Geld zu denken, dann wirst Du erfolgreich!

    Und was das Vorrechnen der Kosten für das Bloggen betrifft: an dem Tag, wo ich meinen Lesern aufliste, welche Kosten das Bloggen verursacht, höre ich damit auf und mache eine Pommesbude auf. Versprochen!

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