Dann halt ohne

Bisher ist es nur ein Referentenentwurf des Leistungsschutzrecht der vorliegt (pdf). Es ist also noch nichts beschlossen oder in ein Gesetz geflossen, Änderungen sind noch jederzeit möglich. Dennoch ist der Ärger an verschiedenen Stellen schon groß. Kai Biermann weist in der “Zeit” darauf hin, dass die Verlage von ihrer ursprünglichen Aussage, Blogs nicht mit ins Leistungsschutzrecht einzubeziehen, offenbar abgerückt sind. Udo Vetter schreibt:

Einzige Voraussetzung: Die Netzpublizisten sind gewerblich tätig. Das ist laut Entwurf schon dann der Fall, wenn irgendwelche Einnahmen erzielt werden. Ausdrücklich ausreichen sollen Werbebanner oder Micro-Bezahldienste, etwa Flattr.

Im Grunde würde dies bedeuten, dass man nicht mal mehr Überschriften aus einem Verlags-Artikel übernehmen darf, ohne dass man Rechnungen zu befürchten hätte.

Die Verlage, namentlich Springer, bauen also weiter an einer Trutzburg, in die sie sich zurückziehen können. Wenn der Leser so frech ist, sich an anderer Stelle über Dinge zu informieren, dann wird diesen Info-Quellen eben der Saft abgedreht. Dann müssen Leser eben wieder mehr auf Verlagsseiten unterwegs sein, so vermutlich der Gedanke. Das Links und Zitate eine Währung sind, die den Verlagen nutzt, ist offenbar nicht aufgefallen. Das Verbot müsste sich eigentlich auch Facebook-Links erstrecken, wo mittlerweile ein relativ großer Teil der Links zu Verlagsangeboten herkommt. Denn Facebook ist ja nun eher gewerblich, viele nutzen ihre Accounts nicht allein primär zur Kommunikation mit Freunden, sondern zum Selbstmarketing.

Eine weitere Frage ist, wie man mit Links und Zitaten umgehen soll, die vor der möglichen Einführung des LSR gepostet wurden. Muss ich jetzt 11 Jahre meiner Bloggeschichte durchwühlen, um nicht abgemahnt zu werden? Gespannt bin ich an dieser Stelle auch, ob zum Beispiel “Spiegel Online” beim LSR mitmachen wird. Bisher schwamm man immer gegen den Strom, was sich im Laufe der Jahre auch für den Verlag als vorteilhaft erwiesen hat.

Auf der anderen Seite denke ich seit längerem: Sollen sie doch. In der Anfangszeit meines Bloggens hatten die wenigsten Verlage eine brauchbare Webseite. Was dazu führte, dass man sich Links und interessante Meinungen aus anderen Blogs geholt hat. Was wiederum dazu führte, dass man sich stärker vernetzte und gegenseitig kommentierte. Genau daran krankt die momentane deutsche Blogszene, die mehr als Einzelkämpfer besteht. Es mag ein Wunschgedanke sein, aber vielleicht führt ein mögliches Leistungsschutzrecht dazu, dass die Blogszene wieder ein wenig auflebt. Gute Autoren gibt es genug, die thematisch ist man mittlerweile auch so weit gewachsen, dass man alles abdeckt. Dazu kommen, gerade für internationale Themen, genügend andere Quellen.

Das wirklich ärgerliche an der Sache ist aber, dass die Leidtragenden jene sein werden, die sich nicht permanent in den Medien über den neusten Stand der Rechtssprechung interessieren. Homepage-Betreiber und kleinere Blogs werden vermutlich ein paar Jahre in die Falle laufen und einigen Anwaltskanzleien gute Umsätze bescheren, weil sie im guten Glauben an das Zitatrecht weiter fleissig aus Verlags-Artikeln Inhalte übernehmen werden.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich frage mich immer, was ist, wenn die glauben, ich würde sie zitieren obwohl ich sie gar nicht zitiere, weil ich nämlich schon ganz alleine so platt denken und schreiben kann?

  2. Nicht zu vergessen, dass man auch unliebsame Inhalte wegklagen könnte, wenn nicht mehr zitiert werden darf. Aber mal schauen, wer so ein Recht alles in Anspruch nehmen darf.

  3. Ich finde das alles sehr bedenklich, viele Politiker haben Ihre Doktorarbeiten angeschrieben und wir springen alle bald über die Abmahnwelle. Dislike!
    Reini

  4. Pingback: Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 21. Juni 2012

  5. Das ist doch alles Humbug eh. Die sollen das einfach knicken und gut ist. Ich unterstütze das in keinster weise!

  6. Pingback: Too much information - Papierkorb - Lesezeichen

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