Irgendwas ist ja immer – Reloaded Rotating Header Image

Best of Twitter – August 2010

danahiro
jetzt kommen auch noch die empfindlich gestörten durch die tür. gebt mir alkohol. schlagt mir was auf den kopf.

i_need_coffee
wohnungsanzeige: “bitte keine hartz 4 + arbeitslosen!! am liebsten akademiker!” ja, was denn jetzt?

UntoterOstgote
“Mit 28 geht nur noch BDSM und Fisting” ist auch nicht, was Germanistinnen auf “Zur Not werde ich eben Pornostar!” hören möchten.

hubertsrevier
Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können.

UteWeber
Demenz 2.0 Früher: Was wollte ich hier im Keller holen? Heute: Wofür hatte ich das neue Browserfenster aufgemacht?

miabernstein
Männer behaupten immer zu wissen, wie die perfekte Frau sein soll. Kaum einer hat den langen Atem, sie bis zum Schluss aufzublasen.

Wondergirl
Jedes Mal wenn jemand einem öffentlichen Verkehrsmittel hinterherrennt, stagniert irgendwo die Evolution.

wikipeter
Sinnloses Trinken heißt, nach dem zweiten Bier aufzuhören.

elsebuschheuer
ich hab schon in berlin-prenzlberg gewohnt, da wart ihr noch in pforzheim im waldorf-kindergarten.

HilliKnixibix
H.A.Schult vor mir am Kassenband. Eier, Plätzchen, Bananen, Lachs, Watte, Reis, Focus, Zahncreme. Wir dürfen gespannt sein!

apreussler
Fliegen! Sie schaffen es durch den kleinsten Spalt rein, aber nicht durch die offene Tür wieder raus!

rudelbildung
ach, männer! putzig sind se ja.

siepert77
@Buddenbohm wer ist die lachende frau auf dem bild?

Buddenbohm
@siepert77 Die Kindesmutter. Lacht, wenn das Kind hinfällt. So sind sie, in Nordostwestfalen.

siepert77
@Buddenbohm die person kam mir bekannt vor, der gesichtsausdruck nicht. so klärt sich alles auf.

Buddenbohm
@siepert77 Hab ich neulich beim Sex auch gedacht.

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It’s the end of the world as we know it

Google hat ein merkwürdiges Abkommen mit dem US-Provider Verizon getroffen. Zwar will man für das bestehende, kabelgebundene Internet weiter die Netzneutralität beibehalten, aber das gilt a) nicht für neue Dienste, in diesem Netz auftauchen und b) nicht für das mobile Internet, also alle Daten, die nicht kabelgebunden durch den Raum schwirren (UMTS/HSDPA/LTE/WIMAX). Darüber kann man sich zu Recht aufregen, denn es teilt das Internet in zwei Klassen. Zum einen das freie Internet, so wie man es kennt, zum anderen das mobile Internet, das bisher zumindest teilweise frei war.

Dabei muss man allerdings sehen, dass das sogenannte “Peering” im Mobilnetz schon lange existiert. Fremde Daten, vor allem von Providern, die keine Abkommen miteinander haben, werden langsamer übertragen, als die eigenen. Dazu kommt, dass die Provider das mobile Netz sowieso kastrieren. Dienste wie Skype oder Torrents, werden gesperrt, und sind wenn überhaupt und durch eine Zuzahlung zu bekommen. Man kann für die Provider ein gewisses Verständnis im mobilen Netz aufbringen. Die UMTS-Lizenzen waren teuer, die Netze sind schnell ausgelastet, also muss man schauen, dass alle einen Teil abgekommen und nicht Gigabyte große Downloads das Netz für jene verlangsamen, die nur ihre Mails abrufen wollen. Auch steigen die Innovationskosten. LTE (auch G4 genannt) wird der neue Standard, allerdings muss man dafür auch wieder die Infrastruktur teilweise komplett Neuaufbauen.

Der Sündenfall besteht also nicht in der Regulierung der Datenpakete, sondern darin, dass ein Content-Anbieter wie Google sich erstmals auf die Seite eines Providers stellt, und den Abbau der Netzneutraliät unterstützt. Die Priorisierung der Dienste kann dann zu merkwürdigen Dingen führen. So mag man last.fm auf seinem Rechner zu Hause ohne Einschränkungen hören können, auf dem Handy geht es aber nicht, bzw. nur in schlechter Qualität, weil last.fm die Mittel und die Lust fehlen für die Bevorzugung im Netz zu zahlen. Es geht aber noch weiter, denn es könnte ja sein, das last.fm einen Deal mit Vodafone schließt, mit O2 aber nicht handelseinig wird. Während Vodafone Kunden last.fm in HQ hören können, bekommen O2 Kunden dann nur eine Version, die nicht so gut funktioniert.

Der Deal zwischen Google und Verizon ist auf den ersten Blick nicht schädlich für den Konsumenten, weil die gar nicht finanziell belastet werden. Stattdessen werden die Content-Anbieter und vor allem Startups belastet, die ihre Dienste an den Mann bringen wollen. Wenn last.fm bei meinem Provider nicht verfügbar ist, muss ich entweder den Provider wechseln (was schwierig ist) oder den Dienst. Würde Spotify also einen Deal mit O2 haben, wäre mein Entschluss klar.

Warum Google diesen Schritt gewagt hat? Einerseits haben sie eine Menge Dienste, die das mobile Netz stark belasten. Android mit seinen Hintergrunddatenabgleich, Google Maps & Navigation und natürlich You Tube. Die in den Startlöchern stehenden Plattformen Google TV und Google Games sind zwei weitere wichtige Wachstumsfelder. Gleichzeitig sichert sich Google eine Monopolstellung auf dem Markt. Denn wenn, wie in der Presserklärung nebulös angedeutet, auch im Breitbandnetz neue Dienste oder Webseiten ab einem gewissen Traffic auch unter die Lupe genommen werden können, dann hätte ein YouTube Konkurrent keine Chance mehr. Es sein denn, Endverbraucher zahlt für dieses “Internet Plus”. Faktisch würde mir dem Deal das freie Internet eingefroren, um ein neues, in dem nicht die User, sondern die Content-Anbieter und ISPs das Sagen haben, einzuführen.

Zu dem setzt der Schritt eine weitere nationaliserung der Angebote in Kraft. Wegen der bekannten Probleme beim Urheberrecht ist es zum Beispiel nicht möglich (zumindest nicht ohne Tricks) Dienste wie hulu.com oder den BBC iPlayer aus Deutschland abzurufen. Geo-IP-Blocking lässt sich aber einigermaßen schnell umgehen und die Content-Anbieter kommen mit dem Blocken von VPNs und Proxys nicht hinterher. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Werden die Datenpakete, bzw. deren Abruf, vom Provider kontrolliert, sieht das wieder anders aus. Kann ich mich zum Beispiel nicht mit einer Verizon IP ausweisen, könnte mir der komplette Zugang zu Diensten verwehrt bleiben. Noch schlimmer wird es mit dem obengenannten Peering. Theoretisch könnte Verizon einen YouTube Konkurrenten aus Russland oder China blocken, bzw. verlangsamen, weil die keinen Deal mit dem Provider haben. Peering wäre also nicht nur ein Kontrollelement für Inhalte, es wäre auch ein Hebel, um den nationalen Markt zu “schützen”. Quasi moderne Zollabgaben.

Das einzige Zugeständnis, das Google und Verizon machen wollen, ist eine gewisse Transparenz, welche Dienste gedrosselt werden, und welche nicht. Das müssen sie allerdings auch machen, sonst hätte die FCC (US Aufsichtsbehörde) den ganzen Deal vermutlich einkassiert (was sie allerdings immer noch machen können).

Ein weiterer interessanter Punkt, ist die damit möglicherweise verbundene “AOLisierung” des Internets. Das findet man schon innerhalb der Mobile Apps bei Apple, wo der Hardwarelieferant bestimmt, was für Programme auf meinem Handy laufen dürfen. Apple entscheidet, ob eine Applikation in der App-Store kommt, oder ob man sie zurückweist. Das ist gleichzeitig ein schönes Geschäftsmodell, denn Content-Anbieter (zum Beispiel Verlage) könnte man dafür zur Kasse bitten, wenn sie ihre Applikation online stellen wollen. Bei Android sieht das (noch) anders aus, aber auch hier gibt es erste Bestrebungen aus Qualitätsgründen (Malware, Trojaner etc.) den Markt stärker zu regulieren. Das bestehende Internet, in dem alle Daten gleichbehandelt wurden, ist also gleich von drei Seiten bedroht: den Providern, den Hardwarelieferanten und seit Neuestem auch durch monopolistische Content-Anbieter, die nationale wie internationale Konkurrenz aus dem Feld räumen wollen. Am Ende bleibt das uns bekannte Internet in seinen Grundzügen zwar bestehen, das “neue” Internet Plus sieht allerdings komplett anders aus.

Allerdings hat das Netz eine solche Transformation schon einmal mitgemacht. Das Usenet der 80er Jahre unabhängig, unkontrolliert und frei. Als das “neue” http-Netz aufkam, übernahmen kurzzeitig Firmen wie AOL und Compuserve das Ruder, die einem nicht das Netz anboten, sondern kasernierte Contentangebote auf den eigene Plattformen. Das hat sich allerdings auf Dauer nicht halten können, wie die Geschichte gezeigt hat. Es waren ausgerechnet Dienste wie die von Google, die dem AOL-Netz den Todesstoß versetzt haben. Der Unterschied zu heute ist allerdings, dass die Provider damals in der ganzen Sache keine Rolle gespielt haben. Ob das Netz, sollte es zu weiteren Übereinkommen wie zwischen Google und Verizon kommen, stark genug ist, um sich gegen die Provider durchsetzen zu können, ist dann wieder eine andere Frage. Die ISP sind, dank ihrer Infrastruktur, das Nadelöhr des Netz. Es gibt da nur einen Weg, wie man das offene Netz retten kann. Die Politik setzt die Netzneutralität unter allen Umständen und für alle Netze (Kabel und Mobil) per Gesetz fest. Doch selbst das reicht nicht, wenn dieser Entschluss auf einer nationalen Ebene fällt, da andere Länder es anders sehen können.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Ende des Netz, so wie ich es kenne, nur eine Frage der Zeit ist. Zu viele wirtschaftliche und politische Interessen hängen mittlerweile am Netz, als dass man es seiner Unabhängigkeit überlassen würde. Die Liste derjenigen, die am Netz rumregulieren, ist lang und sie wird mit jedem Tag länger. Ob das die GEMA ist, die Landesmedienanstalten, die Politiker mit dem neuen Jugendschutzgesetz, die ISPs mit dem Verlangen mehr Geld zu verdienen oder Content-Anbieter, die der Konkurrenz einen Schritt voraus sein wollen. Ich sehe im Moment nicht, wie die User sich gegen auf Dauer gegen diesen Beschuss wehren können.

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Mehr Jazz I

Als ich 26 war saß ich mit einem der großem A&R der damaligen Zeit zusammen. Einer der Angestellten der Musikindustrie, die alles, wirklich alles mit gemacht hatten. Ein Mensch, der in den 60ern mit den Beatles, den Rolling Stones und den Doors groß geworden war war, einer der wenigen, die den Aufstieg von Led Zepplin und Roxy Music hautnah, weil im Business beschäftigt, erlebt hatten. Er war damals bei einem leider schon lange untergegangenen Label angestellt und seine Vinyl-Sammlung war legendär. Es hieß, dass er alle B-Seiten, alle Sonderdrucke und alle, der damals sehr seltenen Radio-Edits seiner Zeit gesammelt hatte. Seine LP-Sammlung war angeblich so groß, dass das Haus, in dem er damals lebte, dem Einsturz nahe war, weil er die schweren Vinyls alle im ersten Stock sammelte. Nach dem das Haus Risse zeigte, empfahl ihm ein Statiker seine Sammlung teilweise auszulagern, was er dann schweren Herzens in einer angemieteten Garage tat.

Ich hatte das Vergnügen einmal bei ihn zu Besuch zu sein, das war nachdem er die Garage schon gemietet hatte, und nur noch seine größten Schätze im Haus waren. Wir sprachen viel über die Doors, Richie Blackmoore und andere Größen, aber irgendwann meinte er, völlig unvermittelt, dass man nichts, aber auch gar nichts, von Musik verstehen würde, wenn man nicht Miles Davis, John Coltrane oder Art Blackey gehört habe.

Für mich war damals Jazz, egal welcher Epoche, ein unhörbares, langweiliges, teilweise schreckliche atonales Gespiele. Unhörbar, unempfindbar und völlig unpassend in mein damaliges Musikgefühl. Es stand überhaupt nicht zur Debatte, dass ich mich jemals, auch nur annähernd mit dem Thema Jazz auseinandersetzen würde. Deutscher Schlager, Easy Listening, Jazz. Das war für mich damals ein und dasselbe.

Aber wenn man wirklich ein Ohr für die Musik hat, wenn man immer wieder neue Künstler sucht, die genau das ausdrücken, was man empfindet, und die das viel besser ausdrücken als all die Popstars, die die Industrie so hervor bringt – wenn man vermeintlich alles gehört hat, wenn man durch die Epochen gesprungen ist, wenn man Pink Floyd, Beirut, Kaiser Chiefs, Blumfeld, Genesis, Kings of Leon, Led Zeppelin, Calexico, Jimi Hendrix, die Doors, die Pixies, Beatles, Guru, Tom Waits, Air, Bauhaus und durchaus auch Coldplay gehört hat, dann stellt man fest, dass dahinter eine Leere bleibt, Es wiederholt sich, in modernisierten Zyklen alles, was man so kennt. Und wenn auf den Grund gehen möchte, wenn man verstehen möchte, was all die großen Menschen, die die Popkultur geprägt haben, einmal angetrieben hat, wenn man die Wurzeln entdecken möchte, dann landet man bei Jazz der 50er und frühen 60er Jahre. Bebop ist so ein Schlagwort, im wahrsten Sinne des Beats, das viele angetrieben hat. Und schon ist man bei Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk, Dave Brubeck oder Sonny Rollins. Es gibt viele Namen aus der Zeit, viele davon sind in Vergessenheit geraten, aber sie alle waren und sind dafür verantwortlich, dass wir heute R&B, Blues, Rock und Pop hören.

Der A&R hat am Ende Recht behalten. Ich bin irgendwann beim Jazz gelandet. Nicht weil er mich interessiert hat, sondern weil ich wissen wollte, wo die Musik her kommt, die ich heute höre. Man findet Jazz Anleihen im Pop, im Country, im Techno und in vielen anderen Bereichen der Musik. Man muss den “puren” Jazz nicht mögen, aber er ist da, man hört ihn überall, gerne und viel auch im Rap. Aber einer der Punkte, die mich zum Jazz gebracht haben war, dass die Musiker wirklich Musiker waren. Sie beherrschten damals ihre Instrumente perfekt. Egal ob man Davis, Monk, Brubeck, Coltrane, Hancock, Tjader oder anderen zuschaut, es ist ein unfassbar großer Schritt, den man beobachtet. Sie alle haben ein Instrument klassisch gelernt, das heißt auf Grund der Vorlagen der klassischen Musik – aber was haben sie selber, aus eigenem Antrieb daraus abstrahiert, wie schwer muss gewesen sein, die Improvisation zur Kunst zu erheben.

Ich will niemanden bekehren. Jazz ist am Ende wie eine Religion, von der man weiß, dass man sie nicht erklären kann, sondern dass man sie für sich selbst entdecken muss. In der Überschrift steht eine Zahl, vielleicht wird aus dem Artikel eine Reihe, mal sehen. Erst einmal zwei Stücke, die einen guten Einstieg bieten.

Miles Davis – All Blues – 1964

September 1964 in Los Angeles

Miles Davis – trumpet
Wayne Shorter – tenor sax
Herbie Hancock – piano
Ron Carter – bass
Tony Williams – drums

Thelonious Monk: Blue Monk

Oslo, April 1966

Thelonious Monk – Piano
Charlie Rouse – Tenor Sax
Larry Gales – Bass
Ben Riley – Drums.

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Best of Twitter – Juli 2010

fraeulein_tessa
der mann schwafelt etwas von torschützen und potenziellen kindernamen. was bin ich froh, dass kevin zuhause ist. #ger

Puppenhaft
“Sterb!” “Imperativ, mit ‘i’!” “Achja. Sterbi!”

furukama
.@foebud Brechts Radiotheorie würde ganz anders aussehen, wenn er sich nur ein bisschen mit iTunes und dem Appstore befasst hätte

gebenedeite
Nicht das Verrücktsein ist das Problem, sondern das Verrücktwerden.

giardino
Weißt du, Excel, ich hab auch einen “Kompilierungsfehler im verborgenen Modul”. Beschwer ich mich deswegen ständig?

Madame_Chapeau
wenn man sich orangen auf die oberschenkel tätowieren lässt, sieht man auch die cellulits gar nicht mehr so.

kathrinpassig
Nicht so kompatibel: Vegetarier und vergesslich sein. Schon wieder versehentlich Huhn statt Tofu bestellt, bevor es mir wieder einfiel

kass_andra
frage mich, was noch so kommt. und, ob ich unbedingt dabei sein muss. #lebensogenerell

meterhochzwei
Guten Tag, ich würde mich gerne für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle “entfesselter Axtmörder” bewerben.

Anousch
Ich flirte nicht. Ich manipuliere.

Janine1974
Ich brauch so ein #iPhone für meine Eltern. #empfangsprobleme #Apple

luzilla
das wach hat berührungsängste und kauert verstört in der ecke.

_jrg
scheiss postmoderne, scheisss ironie.

gebenedeite
Je länger ich mir diese Beziehungsgeschichte anhöre, desto reizvoller erscheint mir Objektsexualität.

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Update aus meinem Leben – Limited Juli Edition

# Mal wieder für zwei Wochen im Rheinland, diesmal mit vollem Programm. Die Frau besuchen, Eltern besuchen, Formel Eins Rennen in Hockenheim besuchen, Wiesbaden besuchen.

# Kaum war ich letzte Woche angekommen, ging ein Drama los. Der gerade mal sieben Monate alte Kater der Frau lag/war im Krankenhaus. Seit drei Tagen fummelten die Ärzte dort an dem Kater rum, ohne das was passierte. Verdacht darauf, dass er was verschluckt hatte, aber Röntgen und Ultraschall zeigten nichts. Letzte Möglichkeit: Bauch öffnen, abtasten. Nach der OP verstarb der Kater. Es gibt einige Beweise, die darauf hindeuten, dass die Klinik – muss man so sagen – amateurhafte Scheiße gebaut hat. Dazu folgt vielleicht noch mal ein eigener Eintrag.

# Trotzdem zum Formel Eins Rennen gefahren, ich war eingeladen und konnte schlecht absagen. Mich ablenken lassen und dann doch amüsiert. In der Zwischenzeit Ersatz-Katzenbaby gesucht und fündig geworden.

# Fassunglos die Sache mit der Loveparade wahr genommen. Mal davon abgesehen, dass es meine Abneigung für Massenveranstaltungen weiter verstärkt hat, fiel meine Kinnlade in Folge der Ereignisse im Sekundentakt nach unten. Nur ein Zugang, ein Tunnel als Eingang, kaum Schleusen davor. Man muss kein Ingenieur sein um schon vorher zu sehen dass das problematisch werden kann. Ich war in den 90ern auf einigen großen Raves, Konzerten etc., aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Dazu hat niemand das Rückgrat die Verantwortung zu übernehmen, was mehr als einen bitteren Beigeschmack hat. Wenn die Leute, die zumindest alleine durch ihren Job eine Mitverantwortlichkeit für solche Dinge haben, als Kapitän auf einem Schiff arbeiten würden, wären sie vermutlich die ersten, die in den Rettungsbooten säßen. Der Mangel an eigenem Ehrgefühl ist bei manchen fast noch abstoßender, als das Unglück selber.

# Noch fassungsloser war ich allerdings über die Berichterstattung in den Boulevardmedien. Unter dem Deckmantel ekelhafter und falscher Betroffenheit wurden Fotos der Opfer hervor gekramt und an die Öffentlichkeit gezerrt. Hätten die dafür Verantwortlichen tatsächlich eine Nuance Betroffenheit verspürt, dann wäre es vielleicht nicht zu so einer Zurschaustellung gekommen, weil das Gefühl, etwas zu tun, was nicht richtig ist, zumindest eine Hürde dargestellt hätte. Die Medien, die das verbrochen haben, hatten danach auch noch die Dreistigkeit, sich den Mantel der Pressefreiheit umzuhängen. In dem Zusammenhang schämt man sich immer öfter, dass man Journalist ist. Das Wort “Journalist” ist ein Schimpfwort geworden, ein Beruf, der manchmal schon unterhalb von “Banker” und “Gebrauchtwagenhändler” rangiert. Aber dann lese ich dann auch mal wieder so was und ich frage mich, in welchem Zustand Staat und Kommunen wären, wenn es solche Journalisten nicht geben würde.

# Überhaupt kreisen gerade ein paar unausgegorene Gedanken zum Thema Netz, Medien und Journalismus im Kopf rum. Die konzertierten Angriffe der Verleger und der privaten Fernsehsender auf ARD und ZDF, die undurchsichtige Rolle von Wikileaks. Vor allem Wikileaks beschäftigt mich. Es reicht mittlerweile nicht mehr, Wikileaks als Helden der Presse- und Informationsfreiheit zu feiern. Was sie machen ist gut, aber, das weiß jeder, der sich mit brisanten Informationen beschäftigt, sie stellen nicht die Fragen, die man angesichts des Materials stellen müsste. Im Falle der Afghanistan-Dossiers wäre das: “Cui bono” und wer ist der Informant, bzw. aus welcher Ecke kommt er? Als der Journalismus die Aufgaben von Wikileaks noch selber stemmen konnte, wussten die Reporter zumindest ungefähr, woher die Sachen kamen. Der Informant “Deep Throat” aus dem Watergate-Skandal hat sich zumindest (der Sage nach) gegenüber den beiden Reportern der “Washington Post” so weit zu erkennen zu geben, dass man die Dokumente einschätzen konnte. Es reicht nicht, ein paar brisante Texte in einem toten Briefkasten oder bei wikileaks zu finden, man muss auch wissen, aus welchem Umfeld sie stammen. Das gehört eigentlich zu den Aufgaben eines Journalisten, der mit verdeckten Quellen arbeitet. Deswegen gab es mal einen umfassenden Informantenschutz und auch Journalisten waren vor staatlicher Überwachung geschützt. Das gibt es nicht mehr, wie diverse Beispiele aus Europa und den USA belegen. Wenn aber Informanten keine andere Möglichkeit mehr als Wikileaks bleibt, sind die Journalisten von einem direkten Zugang zum Informant abgeschnitten. Was bleibt, sind die “Brotkrumen”, also die Dokumente. Allerdings kann man nicht mehr prüfen, aus welcher Quelle sie stammen und damit kann man auch nicht mehr überprüfen, zu welchem Zweck sie veröffentlicht werden. Handelt es sich, wie bei “Deep Throat” um einen frustrierten, aufrechten Angestellten einer Behörde? Oder wird einem das Material von jemanden in die Hände gespielt, der für einen anderen Staat arbeitet und völlig andere Ziele hat? Warum gerade dieses Material? Alles offene Fragen, die mir so durch meinen Hinterkopf schwirren.

# Wie andere auch mal BlackVPN ausprobiert. Ich spiele seit einem Jahr mit dem Gedanken, mir einen VPN-Provider zuzulegen. Verlangsamt zwar ein wenig das Netz, kostet auch noch Geld, aber dann wäre da der Vorteil der Sicherheit. Zum einen, was die eigene Verfolgbarkeit angeht, zum anderen traue ich dem Braten in Sachen Datenvorratsspeicherung nicht.
Fazit nach ein paar Stunden. Geht erstaunlich flott, ein schneller Speedtest zeigte, dass die Performance Einbußen zwar da sind, aber die HD-Streams, die ich damit geschaut habe, gingen problem los. Mit der UK-VPN geht auch Spotify, für Hulu und andere US-Sender nimmt man den US-VPN.
Wer es ausprobieren will: 3 Monate kosten mit dem folgenden Ref-Code 10 Euro (statt 27 Euro) für den “global service”. Mein Benefit dabei: wenn sich zwei User mit dem Code anmelden, bekomme ich 1 Gratismonat. Ref-Code: PEUNTZN

# Auf der anderen Seite gedacht: Ist es also so weit. Man überlegt, seine Festplatten zu verschlüsseln, man nutzt einen VPN. Irgendwie ist es schizophren. Man entblättert sich bei Facebook und Twitter, aber gleichzeitig verbirgt man seine digitalen Spuren hinter VPNs und anderen Dingen. Man trennt freiwillige Datenfreigaben von jenen, die man nicht kontrollieren kann. Oder anders gesagt – man vertraut Google, Twitter und Facebook mehr, als dem Staat.

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Oderberger

Neulich. Im Sommer.

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Die Zukunft des Abos

In meiner Heimatstadt Bad Godesberg hat auch das gar nicht mal so schlechte Regionalblatt “General Anzeiger” ein Außenbüro. Das gibt es schon, seit dem ich denken kann und es ist schon immer ein irgendwie gutes Gefühl gewesen, dass in dem kleinen Stadtteil der Ableger einer Zeitung sitzt und für die Bürger ansprechbar ist. Natürlich sitzen da keine Journalisten mehr, eher Mitarbeiter, die sich um die Abos und die Annahme von Kleinanzeigen kümmern. Aber die Präsenz einer Zeitung in einem Ort hatte doch immer etwas Beruhigendes. Früher machte man in diesem Büro etwas, was heute fast undenkbar ist. Statt großer Schaufenster, durch die man die Mitarbeiter beobachten kann, hingen draußen Schaukästen, in denen wiederum die gesamte, aktuelle Zeitung seitenweise aufgehangen war. Irgendein Mitarbeiter machte sich jeden Tag die Mühe, mehrere Exemplare des “General Anzeiger” auseinander zu rupfen, um die Seiten faltenlos und bügelglatt mittels ein paar Stecknadeln in die Schaukästen zu pinnen. Die aktuelle Ausgabe hing da also, komplett umsonst und für jedermann lesbar. Und erstaunliche viele Menschen standen vor diesen Kästen, warfen mal einen langen, mal nur einen kurzen Blick auf die Artikel.

Die Zeitung hing dort umsonst, weil man einerseits auch jenen den Zugang zu einer Tageszeitung geben wollte, die vielleicht kein Geld für ein Abo hatten, und natürlich auch aus einem anderen, viel wichtigeren Grund: Man wollte Werbung machen. “Schau, Du kannst hier stehen und die Zeitung lesen, aber ist es nicht viel besser, du abonnierst das Ding und kannst es jeden Morgen zu Hause in Ruhe lesen? Und du hast noch was, worin du die Kartoffelschalen einpacken kannst.”

Für Rupert Murdoch scheint es undenkbar zu sein, dass man so etwas überhaupt macht. Er hat die altehrwürdige “Times”, nebst des wundervollen Archivs, hinter einer Pay-Schranke versteckt, und wenn man sich die Zahlen bei Alexa so anschaut, oder diesen Artikel liest, dann kann man den Eindruck bekommen, dass die Online-Redakteure nur noch für sich selbst schreiben. In einem Monat 50% seines Traffics zu verlieren, ist schon heftig. Nun kann man mit dem Argument kommen, dass 50% weniger nicht zahlende Kunden ok sind, wenn der Rest halt ein Online-Abo hat. Lieber weniger Zugriffe, aber dafür zahlende User. Aber so funktioniert das nicht, denn ein Großteil der Leser der Times zahlt gar nicht extra für die Onlineausgabe, sondern bekommt den Zugriff auf die Seite “geschenkt” weil man ein Print-Abo hat. Anders ausgedrückt – diejenigen, die ein Print-Abo der Zeitung haben, interessieren sich nicht für die Onlineausgabe, diejenigen, die gerne die “Times” online lesen würden, schauen halt woanders rein. Wie es aussieht, wenn man schon etwas länger eine Online Pay-Wall aufzieht, kann man hier am Beispiel einiger lokaler US-Zeitungen nachlesen. Die Zahlen sind nicht schön.

Interessanterweise haben Verlage den Erfolg ihrer Publikationen schon lange nicht mehr nur in den reinen Verkaufszahlen (heute Onlineabos) gemessen, sondern auch mittels “Leserzahlen”. Man ist irgendwann mal auf den Trichter gekommen, dass ja in einem Haushalt gleich mehrere Menschen die Zeitung lesen. Man hat ein Abo, aber morgens wird die Zeitung je nach Interesse dann in unterschiedlichen Ressorts zerrupft und am Frühstückstisch an die Familie verteilt. Oder auf der Arbeitsstelle, wo die ausgelesene Zeitung im Kollegenkreis rum gereicht wird. Listigerweise habe die Verlage die Zahl der zusätzlichen Leser, die nicht dafür zahlen, auf ihre Verkaufszahlen addiert. Mal um den Faktor 2.5, mal 3.5, sodass sich (nur über den Daumen gepeilte) enorme Reichweiten errechnen lassen, die man dann in bare Münze (Anzeigenpreise) umrechnen kann. Dass man Content umsonst weggab, war also lange eine Strategie, die man bewusst gewählt hat. Sie brauchte (kaum nachvollziehbare oder messbare) Reichweite, die brachte aber auch Werbung. Niemand wäre auf die Idee gekommen, mein Abo zu sperren, nur weil ich einen Freund mitlesen lasse.

Bei einer Pay Wall geschieht aber genau das. Ich bekomme als Gegenleistung für meine gezahlten Abo-Gebühren einen Zugang, den ich, so sagen es die meisten AGBs, mit keiner anderen Person teilen darf. Theoretisch nicht mal mit meiner Frau oder meinen Kindern. Natürlich kann ich meiner Familie mein Passwort weitergeben, aber rechtlich gesehen darf ich es nicht, weil ich für die Weitergabe meiner Login-Daten verantwortlich bin. Stellt der Verlag mehrere, gleichzeitige Zugriffe unter meinem Login fest, kann er den Zugang sperren lassen. Bei Applikationen fürs iPhone/iPad wird es noch komplizierter. Hier kann ich zwar mein Tablet an meine Familie weiterreichen, aber ich kann keine “Kopie” meines Abos auf das Tablet oder den E-Reader meines Sohnes erstellen.

Schafft man sich eine Pay-Wall, jedenfalls nach den bisherigen Modellen, dann schottet man sich ab. Man kann den Content nicht mehr umsonst weggeben, man verschreckt Familien, die vielleicht gerne auf Papier verzichten wollen, nicht aber auf die gemeinsame Lektüre einer Zeitung und man bewirbt online das eigene Blatt nicht mehr. Woher soll ich wissen, ob was Brauchbares in der “Times” zu lesen ist, wenn ich erst zahlen muss? Der Verkauf eines “Times” Abo an einen Gutverdienden Single mit iPad mag ja funktionieren, aber wie viele gibt es davon? Vermutlich nicht genug, um wirklich Geld zu verdienen.

Was einige ausländische Verlage mit der momentanen Politik in Sachen Paid-Wall aber machen, ist purer Selbstmord. Sie verschließen sich der Masse zugunsten eines einzelnen Lesers und ignorieren dabei Familien, Kollegen, zufällige Mitleser oder größeren Wohngemeinschaften. In Deutschland wollen die Verlage auch mittels des Leistungsschutzrechtes so weit gehen, dass man nicht mal mehr winzige Textfragmente oder Überschriften zitieren darf, ohne das man dafür zahlen muss. Und Firmen sollen gefälligst ein Abo abschließen, damit die Angestellten nicht mehr “umsonst” die Online-Ausgaben lesen können. Das kann nicht funktionieren, schon gar nicht mit einem breit aufgestellten System der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, die sich als Anlaufstation eignen, weswegen die Verleger es gerne sehen würden, wenn ARD und ZDF gar nichts Netz machen dürften. Siehe den sinnlosen Streit um die Tagesschau App.

Die Verlage müssen sich Gedanken machen, wie sie in Zukunft ihre Abo-Modelle im Netz gestalten wollen. Sie haben schon den Fehler gemacht zu glauben, sie könnten ihr bisheriges Printmodell ins Netz übertragen, jetzt versuchen einige ansatzweise Selbiges mit den Abo-Modellen zu machen. Das kann aber angesichts der neuen Strukturen, in denen der Zugang zu Informationen einen hohen Freiheitswert besitzt, nicht funktionieren. Das Einzelabo in Form einer Applikation oder eines nur für einen User gedachten Zugang, kann im Netz nicht funktionieren. Nicht nur, weil es Seiten wie bugmenot gibt, und es vermutlich sehr schnell, sehr viele mehr davon auftauchen werden, auch weil die Außenwirkung dieser restriktiven Einzelabos nicht gut ist. Es ist also nicht einfach damit getan, eine Bezahlschranke einzurichten und das altbekannte Abo-System zu übertragen. Man muss flexible Abo-Strukturen schaffen, darüber nachdenken, wie man Familien und Wohngemeinschaften einbindet usw. So lange davon nichts zu sehen ist, werden die Pay-Walls nur Schaden anrichten. Bei den Verlagen, weil sie zu wenig Geld einnehmen und bei den Verbrauchern, die sich über den Tisch gezogen fühlen.

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