Bookmarks vom 18.04.14 bis 22.04.14

Gesammelte Links:

  • Gesellschaft ? Der gescheiterte Kapitalismus — der Freitag – "Piketty bemerkt, dass die Reichen gut darin sind, ihre Vermögen der Besteuerung zu entziehen, und dass der Anteil am gesatmen Steueraufkommen, der von den mittleren Einkommen getragen wird, immer weiter ansteigt."

    Jetzt mache ich mal einen auf Krawall-Rentner: Sag ich doch seit Jahren. Die Steuerprogression zwischen 30 und 50.000 Euro ist enorm. Und liegt genau im Gehaltsbereich der meisten Mittelständler. Während das "früher" ausreichte um zu sparen, ein Haus zu bauen usw. reicht es heute gerade aus, die Familie zu ernähren. Alles andere: Sie die Links weiter unten.

  • The print vs digital revenue-split: where does the balance lie? – Siehe eins drunter.
  • Fragmentation & Branding – The future of media | Shane O Leary – Zwei interessante Links zum Thema, wie sich die Finanzierung der Medien in Zukunft entwickeln könnte. Und das Display-Ads dank Adblock ziemlich kaputt sind. Die Tage schon auf Facebook eine kurze Diskussion darüber geführt, dass die Diskrepanz zwischen den Kosten einer Anzeige in Print verglichen mit Online in keinem Verhältnis stehen. Wobei die Rechnung auch so aussehen kann, das Online Werbung, in egal welcher Form, einfach zu günstig ist. Auf der anderen Seite: Im folgenden Link sieht man zumindest für die ausgewählten Beispiele, dass die hohen Preise im Print die Onlinemedien noch eine ganze Zeit finanzieren werden.
  • How Underpaid German Workers Helped Cause Europe’s Debt Crisis – NYTimes.com – Interessante Analyse aus der NYT. Die Überschrift sagt schon einiges. In den Grafiken kann man sehen, wie sich die Löhne in Deutschland entwickelt haben. Wenn man die Inflation, gestiegene Abgaben usw. mit einbezieht, hat die Mittelklasse in den letzten Jahren drauf gezahlt. Auf der anderen Seite haben die niedrigen Löhne dafür gesorgt, dass die bestimmte Industriebereiche massiv profitiert haben. Das gilt insbesondere für die Teile der Autoindustrie, die noch hier fertig. (Viel ist es nicht mehr). Die Klagen der Nachbarländer, dass Arbeitnehmer aus Deutschland auf den eigenen Markt strömen, sind ja auch nicht gerade neu. Der Vorwurf, dass Deutschland auf dem Rücken der Nachbarländer seine Wirtschaft hegt und pflegt, ist nicht von der Hand zu weisen, auf der anderen Seite zahlt Deutschland auch für die Auswirkungen dieser Politik. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es in Europa einfach an einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik fehlt und die Nationalstaaten weiter an eigenen Lösungen basteln.
  • „Bild“-Chef Diekmann über taz-Geburtstag: „Sie verkaufen zu wenige Zeitungen“ – taz.de – Wenn ich meine Inhalte verschenke, macht eine Social-Media-Strategie nur Sinn, wenn ich auf Reichweite, Reichweite, Reichweite aus bin, wie beispielsweise die Huffington Post oder Buzzfeed. Wenn du aber die Reichweite nicht monetarisierst oder von den Besuchern direkt Geld bekommst, dann verabschiedest du dich von deiner Zukunft. Das ist eine Sache, die mich echt umtreibt: Wir sind alle Journalisten geworden, weil die Neugierde Teil unserer DNA ist, weil wir das Neue einfordern, weil wir den notwendigen Wandel in vielen anderen Branchen einfordern. Ich sehe fassungslos dabei zu, wie schwer sich ausgerechnet unsere Branche mit den Veränderungen tut.

Bookmarks vom 10.04.14 bis 18.04.14

Gesammelte Links:

  • sad desk lunch – Das ist wirklich sehr, sehr traurig. Und vielleicht sollte man sich die Seite nicht in der Mittagspause anschauen
  • The Rise and Fall of AIM, the Breakthrough AOL Never Wanted – Kaum schreibe ich im Techniktagebuch über die verwirrende Anzahl von Chat-Clients (http://techniktagebuch.tumblr.com/post/82790057343/1994-2014) gibt es bei Mashable einen Artikel über AIM.
  • Why Pinterest Is The Google Competitor You Weren’t Expecting – ReadWrite – Oh, das ist in der Tat überraschend, aber hat eine gewisse Logik. Nach der allerdings auch Instagram demnächst zum Google Maps Konkurrenten auflaufen könnte. Oder Foursquare. Ich finde Pintrest ja ganz lustig und nutze es zur Sammlung von ein paar Bildchen, die ich so zum Thema "Auto" finde. Ich habe aber auch gemerkt, dass, ähnlich wie einem Tumblr, schnell eine gewisse Sucht einsetzt. Ich würde liebend gern einen Ordner wie "Berlin 20er Jahre" aufmachen, aber ich habe die vermutlich völlig richtig eingeschätzte Angst, dass ich mir ein riesiges Prokrastinationstool schaffe, dass mich dazu zwingt, Archive zu durchsuchen und winzige 50px große Bilder anzusehen, deren größere Version ich dann wieder wochenlang suche. Nein, nein, das wollen wir nicht.
  • TL;DR Wikipedia – Das ist wirklich sehr, sehr lustig. Und praktisch, auf eine Weise. Mir sind die Wikipedia Einträge ja manchmal auch zu lang und vor allem zu speziell. Gerade bei komplexen Themen vermisse ich manchmal die "Hier, für Leute wie Dich, die keine Ahnung haben" Zusammenfassung. Bei medizinischen Themen zum Beispiel.
  • Passwords are Obsolete — Cyber Security — Medium – Man kann Passwörter auch ersetzen. Und zwar nicht mit Fingerabdrücken und sonstigen Quatsch. Der Autor hat die wunderbar einfache Idee: Mehr Mails. Mails werden schon genutzt, wenn man das PW vergessen hat. Man bekommt eine "Einmal-URL" zum einloggen. Warum das nicht jedes Mal machen und die Sache mit den Passwörtern vergessen?
  • Windows Phone 8.1 review: A magnificent smartphone platform | Ars Technica – Ars Technica über das neue Windows Phone 8.1. Man lobt es in den höchsten Tönen und ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, dass die neue Version auf meinem 1020er landet (Developer Version ist mir auf einem Arbeitstelefon zu wackelig). Spannend an der ganzen Sache ist aber, wie Microsoft sich gerade verändert, wie stark man im Mobile und Cloud Bereich wird (Office 365). Wie einige vorhergesagt haben: Man sollte Microsoft nicht unterschätzen. Sie kämpfen immer noch auf einer Ebene mit Apple und Google. Und im Mobilbereich könnten sie beide Firmen richtig Marktanteile abknöpfen. 30% halte ich für keine unrealistische Annahme.
  • Social Media Marketing für KMUs: Der Kunde – das bekannte Wesen – computerwoche.de – Das Problem für KMUs wird immer dasselbe sein: Kein Budget, kein Lust extra dafür Leute einzustellen, keine Lust eine Agentur zu bezahlen. Und die Frage, ob regional operierende KMUs Social Media überhaupt benötigen, da das ganze Hyperlocal Zeugs ja wohl noch was auf sich warten lässt.
  • The State of In-Car UX | Teehan+Lax – Ja, Userinterfaces in modernen Autos können schon mal schrecklich sein. Wenn man Glück hat, dann kann mann sich immerhin auf der ersten Ebene zurechtfinden. Aber der dritten Ebene ist dann wirklich Schluss. Obwohl ich häufiger in aktuellen Autos sitze, kommt sehr oft die "Wo war das noch mal?" Frage auf. Ich habe schon gestandene Autojournalisten weinen sehen, ob der Suche nach der Spracheinstellung für irgendwas. Löbliche Ausnahme bisher: das neue System von Mercedes in der S-Klasse. Aber selbst hier klickt man irgendwann einfach mal rum, um so sehen, was passiert. Es ist aber auch schwer, denn die Systeme werden immer komplexer und bieten immer mehr an. Woher will man wissen, was Frau/Mann im Auto denn nun wieder wollen. Tatsächlich experimentieren einige Hersteller aber genau mit derartigen Prophezeihungen, in dem sie versuchen Verhaltensmuster zu analysieren. Dazu demnächst dann mal was ausführlicheres.

Döpfner vs. Google

Mathias Döpfner hat also Angst vor Google. Apple wollte er dagegen noch auf Knien danken. Aber seine Argumente sind teilweise nicht von der Hand zu weisen. In der Tat konzentriert sich die Macht von Google in derartig vielen Bereichen, dass es immer schwieriger wird, dem Konzern aus dem Weg zu gehen. Nun kann man argumentieren, dass der Springer Konzern sich im Grunde auch über den eigenen Machtverlust beklagt, vor allem im Bereich der Werbung. Da ist sicher auch was dran. So wie die Regionalfürsten im 19. Jahrhundert die aufstrebende Macht Preußens fürchteten und sich bemühten, Bismark auszubremsen, so stehen jetzt auch Unternehmen wie Springer vor dem Problem, dass sie in einer globalisierten und zunehmend technisierten Ökonomie kaum eine Chance gegen einen Großkonzern wie Google haben. Die Warnung von Döpfner, dass Google in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens Macht gewinnt, ist aber gerechtfertigt. Selbst notorische Google-Vermeider werden es in den nächsten Jahren schwer finden, der Firma ausweichen zu können.

Das ist allerdings ein Gefängnis, dass man sich selbst gewählt. Und mit “man” meine ich alle Internetnutzer. Es geht nicht (nur) um Gmail oder Android, das ist noch etwas anderes. Es geht um etwas mehr Grundsätzliches: die Suche.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste “Boaaaah” Erlebnis, als ich Ende der 90er Jahre Google das erste Mal nutzte. Während alle anderen Anbieter bestenfalls von betrunkenen Waschbären ausgewürfelte Suchergebnisse schafften, die sich bei jeder neuen Anfrage auch wieder änderten, gelang es Google von Anfang an meist das zu liefern, was man auch wirklich suchte. Oder es war zumindest weniger unscharf, als die Konkurrenz. Nachdem ich lange Suchmaschinen wie “Altavista” genutzt hatte, dauerte der Wechsel zu Google nur ein paar Stunden.

So dürfte es jedem gegangen sein, denn sonst wäre Google kaum in wenigen Monaten so erfolgreich geworden. Und es gab auch keine Konkurrenz. Alle Suchmaschinen, egal von wem, waren über Jahre immer schlechter.

Google nutzte diese Position schon früh aus, in dem sie die User aufforderten, ihre Webseiten und Artikel so zu gestalten, dass sie klarere Suchergebnisse auswarfen. Das Argument lautet noch immer “Wenn Du auf den ersten drei Seiten der Suche auftauchen möchtest, dann muss Du uns helfen.” Es gibt seitenlange Beschreibungen, wie man seine Inhalte für den Google Bot besser aufbereiten kann und es hat sich eine milliardenschwere SEO-Industrie entwickelt, die teils mit echten Hilfen, teils mit manipulativen Techniken die Suchergebnisse beeinflussen möchte. Aber am Ende bleibt die Tatsache, dass Google das Internet und seine User dazu erzogen hat, für Google zu arbeiten.

Schön sichtbar ist das bei Artikeln und deren Überschriften. Man hat sich daran gewöhnt, dass sie nach einem bestimmten Schema aufgebaut sind, dass man auf jeden Fall in Headline und Beschreibung die Keywörter platziert und diese auch schön immer wieder im Text verteilt. Die Konzentration auf die Googlesuche ist komplett, was dazu führt, dass man überhaupt nicht mehr darüber nachdenkt, dass es auch andere Suchmaschinen gibt (Bing, DuckGoGo).

Das Ignorieren der Konkurrenz eröffnet einen Teufelskreis, denn weil man nur für Google arbeitet, sind die Ergebnisse woanders schlechter, was dazu führt, dass von dort weniger Besucher kommen. Die Konkurrenz ist deswegen gezwungen, die Technologie von Google zu kopieren, was nicht funktionieren kann, da sich die Suchergebnisse bei Google auch aus anderen Dingen als nur der reinen Suche speisen. Die Konkurrenz bleibt schlechter und somit alle bei Google. Ein Win-Win-Win Situation für Google.

Am Ende landet man dann in der bekannten “Filterbubble”, bestehend aus Cookies, Suchwortspeicherung, behaviour related search und für Google optimierten Einträgen. Das ist für bestimmte Recherchen so schlimm geworden, dass Google selber dazu rät bestimmte Suchen in einem “privat tab” auszuführen, damit man wieder ungefilterte Ergebnisse hat.

Im Grunde tragen wie also alle mit dazu bei, dass Google seine Macht weiter ausbaut, weil die User willfährig alles machen, was Google von verlangt, nur damit die eigene Seite in den Suchergebnissen möglichst weit vorne auftaucht.

Und hier greift dann auch meine Kritik wieder an Mathias Döpfner und den deutschen Verlagen. Man kann über das Leistungsschutzrecht eine Menge Schlechtes sagen, aber im Endeffekt bot es den Verlagen eine Chance, entweder mit einer Zuwendung zu anderen Suchmaschinen oder im Aufbau einer eigenen, regionalen Lösung, Alternativen zu schaffen. Die Verlage haben nun ihr LSR, nutzen es aber nicht, weil es ihnen nur als Instrument diente, von Google etwas mehr Geld zu kassieren. Auch wenn der Wunsch vielleicht da gewesen sein mag, die Abhängigkeit von Google zu verringern, man hat ihn nicht weitergedacht. Im Gegenteil – weil man sich von Google nun bezahlen lässt, ist die Abhängigkeit von Google nur noch größer geworden. An der Feststellung “Die Verlage brauchen Google, Google aber nicht der Verlage” hat sich nichts verändert. Was auch wieder damit zu tun hat, dass Google wegen der breiten Unterstützung durch seine User, genügend Alternativen hat.

Die Warnung von Döpfner vor Google hat also durchaus seine Berechtigung, ist allerdings auch ein wenig schizophren, weil die Verlage in ihrer eigenen Suchmaschinenpolitik und Optimierung nichts verändert haben. Döpfner beklagt die Macht von Google, sein Konzern füttert das US-Unternehmen aber weiter fleißig mit. Gleichzeitig sollte sich jeder User aber mal an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob man weiter in der Tretmühle der Googlesuchmaschine stecken möchte. Und welche Alternativen man hat.

Passwortverwaltung – Variante Dahlmann

Jaja, Heartblöd. Also Passwörter ändern. Das sollte man ja eh öfter machen und jedes Passwort sollte anders sein, weil die Kombination Mail + PW schnell mal geknackt wird. Und wenn man ehrlich ist, das nutzt man ja doch ein PW und eine Mailadresse für all die Seiten, bei denen man denkt: “Ach, nicht so wichtig.” Oder man nimmt halt gerade das Übliche PW für eine Seite und denkt: „Das ändere ich dann mal später.” Und im Grunde schleppt man so fünf bis acht Varianten des PWs mit sich rum. Wie unsicher das ist, habe ich selber mal erfahren, als mein Twitter Password, das jetzt auch nicht so einfach war, gehackt wurde.

Was bisher geschah
Ganz, ganz früher hatte ich nur ein Passwort. Das war toll, aber ich kannte noch keine Wordlists. Als Ende der 90er mir mal jemand zeigte, was man mit einer Wordlist und einem BruteForce-Programm anstellen kann, habe ich dann ein paar mehr genommen. Bisher hatte ich 12 oder 15 verschiedene PWs, von denen es wiederum weitere Varianten gab (Mit Unterstrich, Prozentzeichen usw). Für deren Verwaltung nutze ich seit einiger Zeit Lastpass, das mich auch regelmäßig anmeckert, wenn es entdeckt, dass ich auf verschiedenen Seiten das gleiche PW nutze. (“Geh weg, das ändere ich später”).

Ab sofort
Ich habe nun einen Teil der PWs durch solche ersetzt, die Lastpass generiert hat. 12 Zeichen. Vermutlich auch zu kurz, aber schön mit Sonderzeichen und dem ganzen Quatsch. Ich werde das auch konsequent für alle Seiten machen, auf denen LastPass mich anmeckert. Das Problem an der Sache: Ich werde mir die Passwörter, die alle ungefähr so aussehen “U8%dl2s0!_ri”, nicht merken können. Niemals. Vielleicht zwei oder drei, aber beim Rest werde ich komplett von LastPass abhängig sein.

Was im Grunde nicht problematisch ist, auf den Rechnern erledigt LassPass sowieso alles automatisch für mich. Nerviger wird es da schon den mobilen Endgeräten. Die PWs werden meist innerhalb der Apps gespeichert, dagegen kann man sich in den meisten Fällen nicht mal wehren. Ergo kann man da nur hoffen, dass die PWs nicht unverschlüsselt übermittelt werden. Ein anderes Problem sind Webseiten, die man nur selten ansurft. Man kann die PWs im Browser speichern, aber dann kann man sie vermutlich auch gleich per Beamer an eine Wand werfen. Da ich meine nun teilweise nicht mehr weiß, muss ich die PWs aus der LastPass App holen, kopieren und im Browser einfügen. Das ist unbequem, aber vertretbar. Manche Seiten lassen sich auch mit dem internen Browser von LastPass ansurfen.

Was tun im Urlaub?
Zu einem richtigen Problem wird die Sache erst, wenn man an einem fremden Rechner, Smartphone usw. sitzt, zum Beispiel im Urlaub in einem Hotel. Dann müsste ich etwas machen, was extrem unsicher und nervig ist. Das Masterpasswort für LastPass (was ich mir hoffentlich gemerkt habe) auf einem fremden Rechner eingeben. Logischerweise muss ich das Masterpasswort sofort wieder ändern (das aus einem unsinnigen Satz besteht), sonst macht das keinen Sinn. Eine andere Variante ist, eine Liste mit wichtigen PWs an einer sicheren Stelle zu hinterlegen. (Was man eh machen sollte, man weiß ja nie, ob der Passwortmanager nicht mal unerreichbar ist). In diesem Fall liegt meine Liste an zwei Orten, gezippt und mit einem PW versehen.

Natürlich muss diese Liste auch dann wieder aktualisiert werden, wenn die PWs sich ändern, was man regelmäßig machen sollte. Weil das alles sehr unpraktisch ist, habe ich meine PWs in verschiedene Kategorien unterteilt:

1. Wirklich total wichtig
- Facebook, Google, Twitter, Amazon usw.
2. Wichtig
- Seiten, die ich regelmäßig besuche, aber die nicht unwichtig sind wie Flickr,
3. Unwichtiger
- Seiten, die ich selten besuche, die keine wichtige Funktion haben.

PWs der Seiten der Kategorie Eins werden jetzt alle drei bis sechs Monate geändert, der zweiten Kategorie jährlich, der dritten dann wie es gerade passt.

Das wäre alles in der Handhabung deutlich einfacher, wenn man ein System hätte, dass die PWs automatisch alle drei bis sechs Monate ändern würde und dabei eine Liste als Text-File zur Verfügung stellt. Diese Liste könnte man dann einfach halt wieder auf seine geheimen Geheimplätze werfen.

Das ist alles zu kompliziert? Das eigene Leben wird schon nicht einem Hacker anheimfallen? Dachte ich auch, bis mein Twitteraccount geknackt wurde. Und es war unschön, wieder an meinen Account zu kommen.

Warum ich keine Zwei-Wege-Authentifizierung nutze
Man könnte zusätzlich auch noch bei einigen Accounts die Zwei-Wege-Authentifizierung aktivieren, also dass man bei fast jedem Login einen weiteren Code aufs Handy gesendet bekommt. Ich mache das nicht. Das Problem ist bei dieser Art der Authentifizierung entsteht bei einem Verlust des Smartphones. Vertragskunden bekommen ihre alte Nummer wieder, Prepaid-Kunden, und das ist die Mehrheit in Deutschland, schauen meist in die Röhre und bekommen eine neue Nummer. Zwar gibt es ausdruckbare Backup Codes (Google z.B.) aber die hat man vermutlich gerade nicht dabei, wenn das Smartphone weg ist. Im Urlaub zum Beispiel. Theoretisch kann man die Backup-Codes natürlich mitnehmen, aber viel Spaß, wenn die Tasche mit Handy UND Backups-Codes gestohlen wird. Ich verzichte daher auf die Zwei-Wege-Authentifizierung und verlasse mich auf starke Passwörter.

VDS verboten! Was nun passieren wird

- Der rechte Flügel der CDU drückt sein Bedauern aus.

- Die Junge Union warnt vor nicht mehr zu kontrollierenden Dingen im Internet und davor, dass die EU Deutschland schadet.

- Jemand von BKA warnt davor, dass man nun völlig hilflos sei und quasi keine Handhabe mehr gegen gar nichts habe.

- Jemand von einer Polizeigewerkschaft beschreibt Sodom & Gomorra ab genau jetzt und das alles noch viel schlimmer wird.

- Ein Abgeordneter der CDU aus Reihe 53 stellt die Frage, ob das EuGH überhaupt für das deutsche Recht zuständig ist.

- Ein Sprecher des AfD stimmt zu und sagt: „Das haben wir ja immer gesagt.“

- Der Justizminister widerspricht allen, ohne Namen zu nennen und sagt: „Wir müssen das in Ruhe prüfen”

- Der Innenminister wird mit den Worten “Das Urteil interessiert mich nicht” zitiert, streitet gegenüber dpa den Satz aber ab und sagt, dass nun erst mal die Gremien tagen müssen, und dass man den Bürger nicht alleine lassen würde mit der ganzen Terrorgefahr.

- Die “Welt” warnt vor marodierender Internetkriminalität und beschreibt das EuGH in einem Kommentar als “realitätsferne Richter, die den Lauf der Welt nicht mehr verstehen”.

- Udo Vetter wirft ein, dass die VDS im kleinen ja sowieso schon legal betrieben wird und das sich das auch nicht ändern wird, im Gegenteil.

- Sascha Lobo schreibt beim Spiegel, dass das Urteil zwar schön ist, aber im Endeffekt nur Augenwischerei sei, weil es eigentlich um ganz andere Dinge gehe, über die man noch gar nicht gesprochen habe.

- Fefe schreibt einen länglichen Eintrag, in dem er zunächst triumphierend die VDS-Befürworter auslacht um gegen Ende dann doch wieder deprimiert festzustellen, dass “die da oben” sicher einen anderen Weg finden werden.

- Die SPD sucht weiter nach Formulierungen für ein Statement, in dem sie “Wollten wir ja eh nie haben, die VDS” schreiben können. Dafür muss man aber zur Sicherheit alle Reden und Interviews von Sigmar Gabriel lesen, was ein wenig dauert.

- Der gelangweilte Redakteur einer Lokalzeitung in Niedersachsen entdeckt am Abend als Erster die Pressemitteilung der FDP zum Thema und schiebt sie in den Ordner “Saure Gurken Zeit”.

- Franz-Josef Wagner schreibt in seiner “Bild” Kolumne “Du schönes, starkes Gericht. Jetzt hast Du es der Politik gezeigt. Ja, das Recht ist eine Frau, eine gütige Frau, eine starke Frau, die ihre Kinder, also uns, immer gleich behandeln will. Aber auch starke Frauen haben schwache Momente. In denen alles zu viel wird. Wie meine Großmutter, die war eine starke Frau. Und doch habe ich sie weinen sehen. Muss ich jetzt Angst vor den Terroristen haben, die ihr nächstes Flugzeug im Internet kapern? Ich will keine Angst haben. Ich will eine starke Frau. Nudelsuppe.”

Twitter ist nicht kaputt – jedenfalls nicht komplett

Der “European” schreibt, Twitter sei angeschlagen. Holger Schmidt vom “Focus” belegt mit Zahlen, das Twitter ein User/Reichweitenproblem hat. Zumindest in Deutschland. Und aus dem Freundeskreis höre ich öfter “Ach, Twitter, das war früher mal.” Man konzentriert sich jetzt auf Facebook, Instagram oder lässt es gleich ganz.

Auch andere Zahlen belegen, das Twitter vor allem bei der Schaffung von Reichweiten schlicht und ergreifend nichts bringt. Ein paar Beispiele: Mein Racingblog habe ich von Anfang an bei Twitter angemeldet und mich auch auf die Kommunikation dort konzentriert. Facebook habe ich jahrelang ignoriert (auch aus Zeitgründen). Seit Anfang des Jahres machen wir auf Facebook deutlich mehr, das Haupttool für News usw. bleibt aber Twitter. Dort haben wir 1200 Follower auf FB 450. Und in Sachen Traffic sieht dass laut similarweb.com so aus:
twitter1

Allerdings wirft mir Piwik etwas andere Ergebnisse aus:
twitter2

Die Blogrebellen haben vor kurzem festgestellt, dass viele erfolgreiche Webseiten an der schmutzigen Nadel von Facebook hängen. Buzzfeed, Schlecky usw bekommen rund 50% ihres Traffics con Facebook. Twitter spielt überhaupt keine Rolle.

Keine Reichweite, kaum Feedback, wenig User – lohnt sich Twitter überhaupt?

Ich habe das Gefühl, das Twitter einem mittelgroßen Missverständnis aufsitzt. Mit 140 Zeichen ist das mit der Markenbildung schwer, aber es geht. NeinQuarterly ist so ein Beispiel. Aber warum passiert das zumindest in Deutschland so selten? Die Antwort: Weil der Account mit demjenigen steht und fällt, der ihn betreibt und damit stehen die meisten Unternehmen schon vor einem großen Problem. Natürlich lassen sich Profis finden, die eine Marke witzig, gut, interessant, spannend usw. über Twitter repräsentieren. Wenn man sie denn lässt und nicht in ein Korsett aus Guidelines und Compliance steckt. Aber was passiert mit dem Account, wenn der Mitarbeiter die Firma verlässt? Es hat schon einige Firmen gegeben, die unter dem Weggang des Twitter-Experten gelitten haben. Während man bei Facebook die Inhalte relativ formatiert lassen kann, die Autoren also nicht sichtbar werden, ist man bei Twitter aufgrund der Beschränkung auf 140 Zeichen gezwungen anders zu agieren. Entweder man trifft den Ton, oder eben nicht. Da 95% der Unternehmen den Ton nicht treffen, behelfen sie sich mit Links (“Schaut mal, was wir hier haben..”) oder langweiligen “Call-to-Action” Sachen, weil eine Agentur mal gesagt hat, dass die Leser das lieben. (“Bla, bla… was denkt ihr?”)

Twitter funktioniert aber anders und ist vor allem in drei Dingen gut.

- Schnelle Informationsverbreitung
- Soziale Interaktion in kleinen Gruppen
- Private Kommunikation

Twitter ist bei den meisten Usern eine Mischung aus geschlossenem Freundeskreis und Informationshub. Das bedeutet aber nicht, dass es deswegen auch zu Interaktion kommt. Retweets funktionieren erfahrungsgemäß nur bei zwei Dingen:

- Ein aktuelles Ereignis (Erdbeben, tote Promis, Skandale)
- Lustige Tweets

Selbst wenn die Freundeskreise auf Twitter und Facebook gleich sind, ist die Interaktionsrate auf FB höher. Was allein daran liegt, dass Mitteilungen/Postings als eigener, halboffener Raum funktionieren. Die Kommunikation läuft über die Kommentare unter einem Posting, nicht quer durch eine Timeline, in der sich permanent neue Mitteilungen dazwischen schieben. Deswegen gilt ja auch “Hier kein Chat” auf Twitter, während das auf FB funktioniert.

Interessanterweise läuft die Interaktion auf Instagram anders, obwohl sie eigentlich noch eingeschränkter ist. Dort kann für für Katzenfotos, dem Abendessen und Füße jede Menge Likes einsammeln, die Likes stehen dann wiederum für eine Reichweite. Likes heißen bei Twitter “Favoriten”, aber Favs werden bei weitem nicht so oft und leicht vergeben, wie Likes auf ein Bild. Was vermutlich daran liegt, dass die gesamte Kommunikationsebene auf Twitter deutlich persönlicher ist. Gleichzeitig hat es Twitter es nie verstanden hat, die Favoriten stärker in den Vordergrund zu stellen. Es musste erst ein Drittanbieter kommen, der Favlisten erstellte und der es auch möglich machte, dass man auch international nach Favs von Leuten suchen kann, denen man nicht folgt (Bis heute der größte Pool in Sachen Contentklau).

Twitter kann die Welt ändern – ab und zu

Twitter funktioniert als ständiger Informationsfluss, weswegen es für Nachrichtenmedien auch fantastisch funktioniert. Kein System ist schneller, wenn es um die weltweite Verbreitung von “EIL” Meldungen geht. Wie wichtig Twitter für die Informationsverbreitung ist, sieht man auch oft daran, wie oft es in bestimmten Ländern und Situationen gesperrt wird. Im arabischen Frühling, im Iran, in der Türkei – wenn es kracht, ist Twitter eines der wichtigsten Instrumente um Nachrichten weiter zu geben und flugs verboten wird. Aber auch hier gibt es eine Diskrepanz zwischen “aktiven” und “passiven” Nutzern. Die Quote zwischen aktiven und passiven Nutzern dürfte nicht anders sein, als bei Blogs, also ungefähr 10:1. Anders ausgedrückt, neun von zehn Lesern/Usern konsumieren nur. Das schwächt die Zahlen von Twitter, der Userbasis eh schon nicht so groß ist.

Auf der anderen Seite geht es im Bereich Social Media ja nicht nur um die Menge an Followern, sondern auch um deren “Qualität”, was allerdings schwerer messbar ist. Super-Influencer können immer noch mit einem Retweet eine Welle in Bewegung setzen, die dann über alle anderen Kanäle schwappt. Es gibt leider keine Zahlen oder Angaben, ob Influencer eher auf Twitter oder Facebook setzen, aber wenn man nur die Medienaccounts nimmt, dürfte die Zahl der Influencer auf Twitter höher sein. Die bekommt man aber nur selten mit viralen Kampagnen aktiviert. Was wiederum das Problem der kurzfristigen Markenbildung verdeutlicht.

Fehlentscheidungen im Management

Die momentanen Probleme von Twitter (Reichweite, stagnierende Userzahlen) basieren auf etlichen Fehlentscheidungen des Managements. Wenn ich Drittanbieter nutzen muss um eine wackelige, von niemanden überprüfbare Userliste, die nach Interessen sortiert ist, zu bekommen, dann ist das schon mal schlecht. Twitter hat es auch vermieden, wichtige Bestandteile der Seite weiter zu entwickeln. Zum Beispiel die Direktnachrichten. Statt die zu einem privaten Chat auszubauen, wo es keine Begrenzung auf 140 Zeichen gibt, wo man Bilder und Links einfügen kann, oder wo man kleine Gruppenchats erstellt, hat man die Funktionalitäten der DMs immer weiter beschränkt. WhatsApp wäre vermutlich nie so schnell so groß geworden, wenn Twitter sich etwas klüger angestellt hätte. Denn fast alle Funktionalitäten, die WhatsApp hat, hat man auch mit DMs. Und das schon seit acht Jahren. Man hätte es nur ausbauen müssen, die Userbasis wäre ja zudem schon da gewesen. Influencer hätten dafür gesorgt, dass viele folgen.

Auch Bilder sind so eine Sache. Zunächst konnte man gar keine Bilder senden, dann übernahmen Dienste wie Twitpic die Aufgabe. Spätestens, nachdem das Flugzeug in den Hudson River stürzte und das Bild einmal rund um die Welt ging, hätten bei Twitter die Alarmlichter angehen sollen. Statt selber Fav-Listen zu erstellen, statt aktiv mit der Userbasis zu kommunizieren, hat man die Arbeit anderen Seiten überlassen. Und dann ist da noch das Problem mit den Entwicklern, gegen die Twitter lange einen regelrechten Krieg geführt hat. API Beschränkungen und der Tod von fast allen Desktop-Applikationen in den letzten Jahren sind ein schönes Beispiel für eine geradezu dumme Produktpolitik.

Eine weitere Baustelle ist die Startseite. Die sieht nämlich, wenn man nicht eingeloggt ist, so aus:
twitter3

Gut, Facebook sieht auch langweilig aus, aber die können sich das erlauben. Warum nutzt man die Startseite nicht um neuen Nutzern zu zeigen, was sie verpassen. “Da, ein Shakira Foto”, “Schau hier, ein lustiger Tweet”,. “Hier, ne Eil-Meldung und umsonst SMS zu Deinen Freunden schreiben kannst Du auch.”….”Kannst Du alles haben, wenn Du Dich anmeldest.” Die redaktionelle Aufarbeitung war noch die Stärke von Twitter, was den Mangel an kreativen Umgang mit den eigenen Möglichkeiten nur unterstreicht. Auch wird nicht erklärt, was Twitter alles kann, wie es funktioniert, wie man Freunde findet usw. Das kommt alles erst nach der Anmeldung.

Hat Twitter eine Chance, oder ist es das nächste Myspace? Ich will Letzteres nicht ausschließen, weil ich nicht sehen kann, dass das Management die Stärken von Twitter nutzt. Die Aufsplitterung der Aufmerksamkeit der User auf Facebook, G+, Instagram, WhatsApp, Snapchat usw. ist ein weiteres Problem für Twitter. Aber die Basis bei Twitter stimmt immer noch. Die Userzahlen wachsen moderat, die Tools sind da. Man müsste nur mal den nächsten Schritt machen.

tl;dr: Twitter ist toll, leider ist das Management auch ein wenig doof und hat Chancen nicht wahrgenommen.