VW hat einen neuen Service vorgestellt. Statt Kauf, Kredit oder Leasing, kann man ein Auto jetzt im Abo erhalten.
Dass jemand heute ein Auto kauft, gehört zu den eher selten gewordenen Dingen. Die Leasing/Kreditquote liegt, je nach Modell und Hersteller, zwischen 60 und 80 Prozent. Dementsprechend entscheiden sich die meisten Menschen dafür, einen Wagen nur für zwei bis vier Jahre zu behalten. Die Sache hat für beide Seiten Vorteile. Der Kunde bekommt nach relativ kurzer Zeit wieder einen Neuwagen und muss nicht die volle Kaufsumme bezahlen. Der Hersteller bindet den Kunden stärker an die Marke und kann auch besser in die Zukunft planen. Die meisten Käufer sind Marken-treu zudem machen die Hersteller beim Auslauf des Leasing- oder Kreditvertrages gute Angebote, bei denen man Geld sparen kann.
Allerdings ist man mit den Verträgen sehr langfristig an ein Auto gebunden. Die Hersteller überlegen schon länger, wie man die Bindung an die Marke einerseits aufrecht erhalten kann, andererseits Kunden aber auch mehr Flexibilität bietet. Abo-Modelle sollen die Antwort bringen. Der Kunde schließt ein Abo ab und kann dann alle paar Wochen das Auto wechseln. Audi hatte so ein Angebot mit „Audi Select“ (eingestellt), Porsche bietet ein Testabo in den USA an. Und nun versucht es also VW mit fünf unterschiedlichen Tarifen:
Mini: VW Up, Seat Mii
City: VW Polo, Skoda Fabia, Seat Ibiza
Basic: VW Golf, Skoda Rapid Spaceback, Seat Leon, Seat Arona
Urban: VW Golf Variant, Skoda Octavia Kombi, VW T-Roc, Seat Leon ST, Seat Ateca
Family: VW Passat Variant, Skoda Superb Combi, VW Tiguan, VW Touran, Seat Alhambra
Das günstigste Paket (Mini, mit 12 Monaten Laufzeit) startet zur Zeit mit einem Rabatt von 10 Prozent bei 359,10 Euro. Eingeschlossen sind dabei: die Versicherung, Wartung, Winterreifen und 2.000 Kilometer pro Monat. Will man in der Golf-Klasse unterwegs sein, zahlt man schon 602,10 Euro im Monat. Tauschen kann man das Auto aber nur innerhalb der gebuchten Klasse, oder wenn man eine Klasse höher geht. Man kann also während der Vertragslaufzeit nicht runter stufen.
600 Euro für einen Golf sind nicht gerade wenig. Bei Sixt gibt einen vergleichbaren Wagen im Leasing (4 Jahre, 15.000 km/Jahr) mit allen Versicherungen und der Wartung für etwas mehr als 300 Euro im Monat. Allerdings kommen dazu noch etwas mehr als 1.000 Euro für die Überführung und sonstige Kosten. Die fallen im VW Abo weg. Hier wird nur eine Kaution von 250 bis 1000 Euro einbehalten, die aber nach Rückgabe des Fahrzeugs wieder ausbezahlt wird.
Die finanzielle Belastung ist im Abo-Modell also sehr hoch. Wenig Sinn macht auch die Begrenzung auf 2.000 Kilometer pro Monat in den höheren Tarifen. Eine längere Urlaubsreise für Familien wird so unmöglich oder sehr teuer, denn jeder Kilometer über der vereinbarten Grenze muss bezahlt werden. In den beiden kleinen Tarifen hat man wiederum das Problem, dass ein Autotausch nichts bringt. Man landet in baugleichen Modellen, die einen anderen Namen haben.
Sinn macht ein Abo-Modell aber nur dann, wenn ich auch unterschiedliche Fahrzeuge bekommen kann. Im Sommer ein Cabrio, im Winter einen SUV mit Allrad, zwischendurch ein Kombi für die Urlaubsfahrt. All das bietet VW nur ansatzweise und nur in den sehr teuren Tarifen. Dabei gibt es durchaus Konkurrenz, die jetzt schon auf dem Markt ist. Zum Beispiel die Startups Cluno oder Faaren. Cluno bietet einen Corsa ab 259 Euro an, einen Astra ab 319 Euro. Deutlich teurer, und auf VW Niveau liegt die Konkurrenz von Faaren, die einen Golf ab 599 Euro im Angebot haben.
So praktisch die Abo-Modelle auch sind, für die meisten Kunden machen sie nur wenig Sinn. Für Firmen, die einem Mitarbeiter kurzfristig ein Fahrzeug stellen möchten, gibt es Angebote von Mietwagenunternehmen, die meist im gleichen preislichen Rahmen nehmen. Für Privatkunden gilt das auch. Das Angebot wäre für Privatkunden sicher deutlich interessanter, wenn an quer durch die Fahrzeugpalette wechseln könnte. So ist es einfach eine sehr teure Form des Leasings.
Besonders traurig an dem Angebot: Ist kein einziges E-Auto dabei. Nicht mal ein Hybrid. Gut, der E-Golf ist ausgelaufen, ebenso der E-Up. Aber bis der I.D. auf dem Markt kommt, hätte man zumindest die Restbestände noch anbieten können. Immerhin schmeisst VW genau diese beiden Autos demnächst ins Carsharing auf dem Berliner Markt.
Bild: VW AG
