Diese IAA wird nicht gerade in die Geschichte eingehen. Da half auch die eher schmale E-Offensive der Hersteller nichts. War die Ausgabe von 2017 schon nur so ein Zwischending, eingeklemmt zwischen Dieselskandal (2015) und Wandel zur E-Mobilität, konnte diese Ausgabe die Erwartungen nicht erfüllen. Die meisten ausländischen Hersteller waren gar nicht erst angereist, was bedeutete, dass die Messe nur wenige Hallen hatte, in denen überhaupt neue Autos gezeigt wurden. Das schlug sich auch in den Besucherzahlen der Pressetage nieder. Es war so leer, wie noch nie.
Flops
Die Messe:
Das Konzept der klassischen Automesse neigt sich seinem Lebensende zu. Das liegt nicht daran, dass es keine interessanten Autos gab. Aber die komplizierte Technik lässt sich nicht mehr vermitteln, in man ein paar Autos hinstellt. So lassen sich weder die Errungenschaften eines Infotainmentsystems noch die Sicherheitsfeatures erklären oder darstellen. Schon gar kann man die Mobilitätsangebote begreifbar machen. Zwar hatte die Messe eine Halle für Startups reserviert, aber selbst die Hersteller klagten „Warum sitzen die in Halle 5 und wir hier? Das geht bei der CES anders.“ Überhaupt wurden die großen Tech-Messen CES, MWC, SXSW und der WebSummit häufig exemplarisch erwähnt. Tatsächlich könnte es die letzte IAA dieser Art gewesen sein. Der Vertrag zwischen dem VDA und der Messe Frankfurt ist ausgelaufen.
It is obvious so let’s say it explicitly: The #IAA2019 is a huge fail. It’s just a sad shadow of what it used to be. There will not be an #IAA2021. End of story. \KTN
— Karl-Thomas Neumann (@KT_Neumann) September 11, 2019
VW Halle und Marketing des ID.3
Zum neuen vollelektrischen Auto von VW kommt noch was bei den Tops. Aber das Marketing des ID.3 ist leider (bisher) völlig in die Hose gegangen. Den Wagen als „Golf Klasse“ des Elektrozeitalters zu verkaufen, ist leider völliger Quatsch. Das merkt jeder Käufer, der sich den spartanischen Innenraum anschaut. Da findet man weniger Golf und mehr VW Käfer. Warum sich die Marketingabteilung von VW diese Vorlage nicht genommen hat, war den meisten anwesenden Experten ein Rätsel. Tatsächlich passt das Attribut „der neue Käfer“ für dein ID.3 deutlich besser. Ein tolles, zuverlässiges Auto, das genug Platz für vier Personen bietet und ansonsten nüchtern und unaufgeregt ist. Hier hat man die Chance verpasst, eine spannende Geschichte zu erzählen, die man mit der Historie des Konzerns hätte verbinden können.
Die Ausstellungshalle von VW war fürchterlich. Die Stände der Hauptmarken hat man an die Wände der riesigen Halle 3 geworfen, zwischen den Ständen in der Mitte gab es eine dunkle Leerfläche von der gefühlten Größe eines Fußballplatzes. Es gab kein gemeinsames Konzept, keine Verbindungen zwischen den Marken. Eine gigantische dunkle Halle ohne Charme, auch wenn einzelne Stände (Audi) gefallen konnten.
Internet
Zwar bot die Messe Frankfurt ein kostenloses Internet an, das war aber a) sehr langsam und b) funktionierte die meiste Zeit (vermutlich überlastet) nicht. Ich verstehe, dass man Geld verdienen muss. Aber wenn man einfach 5 Euro für ein stabiles, schnelles WLAN verlangt würde, hätten das die meisten Anwesenden gerne bezahlt. Dass die Bereitstellung des Internets 2019 immer noch ein Thema ist, sagt auch viel über die Messe aus.
BMW
Man kann über Design streiten, keine Frage. Aber was macht BMW da eigentlich mit dem Kühlergrill? Mit den Witzen über die völlig überdimensionierten Dinger an den Autos hätte man einen gesamten Abend füllen können. Gefallen hat das in Frankfurt niemanden, mit dem ich gesprochen habe. Am besten kam noch der 3er BMW weg. Ansonsten beklagten die Kollegen das völlig aufgeblähte Produktportfolio und den neuen 1er BMW, der jetzt mit Frontantrieb daher kommt. „Da kann ich mir ja gleich einen Golf kaufen“, meinte ein TV-Kollege. Die eher lieblos in eine Ecke gepferchte Ausstellung in Halle 11 war jetzt auch nicht sonderlich einladend. Ausgerechnet die Hausmarke Mini zeigte genau gegenüber, dass es auch anders geht.
Tops
Ausstellungskonzept Audi und Daimler
Fast alle Hersteller haben das gemacht, was sie immer machen. Eine Fläche mieten, Autos daraufstellen, fertig. Nur Audi und Daimler haben sich etwas anders einfallen lassen. Bei Audi spielen die in den letzten zwei Jahren veröffentlichten vier Designstudien eine zentrale Rolle, da diese die Entwicklung der Ideen und des Designs darstellen. Wer genau hinschaut, kann entdecken, wie der Audi der Zukunft aussieht. Da wird eine sehr schöne Geschichte erzählt.
Bei Daimler gibt es zwar noch Autos, aber ein großer Teil der Ausstellung dreht sich um das Markenerlebnis und Themen wie Sicherheit, Luxus oder Elektrifizierung. Die drei Kernthemen der Marke werden aber nicht nur mit Autos vorgestellt, sondern auch durch Projektionen auf den riesigen Bildschirmen In der Festhalle. Gleichzeitig bietet der Stand einen kleinen Moment der Ruhe. Man kann sich hinsetzen und Strom für die Smartphones gab es auch. Das ist insgesamt deutlich besser als das, was die anderen Hersteller gemacht haben. Einfach nur Autos hinstellen ist langweilig geworden.
Honda E

Das Lieblingsauto von vielen Kollegen und auch von mir auf der Messe. Knuffig, praktisch, durchdacht, super Innenraum, tolles, über die gesamte Wagenbreite reichendes Display und ein Wendekreis von 4,30 Meter. Quasi ein Luxus-Smart von Honda. Da störten in der ersten Euphorie dann auch nicht die geringe Reichweite (220 Kilometer) und der hohe Preis (30.000 Euro, schon inklusive der E-Förderung). Das so ein Auto von Honda kommt, die bisher noch nicht mal in Sachen Plugin-Hybrid weiter aufgefallen sind, war aber nicht überraschend, schließlich wissen die Japaner dank der Kei-Cars, wie man so Autos baut. Der Honda E leitet bei den Japaner auch einen radikalen Wechsel ein. Bis zum Jahr 2025 sollen in Europa 100 Prozent aller Honda Neuzulassungen von Honda aus Hybrid-, Plug-in-Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen bestehen.
VW ID.3
Auch wenn man meiner Meinung nach beim Marketing eine Chance verpasst hat – der ID.3 ist ein sehr, sehr gutes Auto und er macht fast alles richtig. Die Reichweite stimmt, man kommt bis 550 Kilometer weiter. Dazu kann man den Akku in 20 Minuten um weitere 260 Kilometer aufladen. Reichweitenangst? Das war mal. So denn ein Schnelllader in der Nähe ist. Platz gibt es im ID.3 genug. Vier Personen bekommt man in den Wagen, auch durchaus mit deren Gepäck. Im Fond ist genug Platz, die Sitze scheinen stramm, aber bequem zu sein. Das Infotainmentsystem wurde komplett neu aufgesetzt und ist sehr leicht zu bedienen. Das alles bekommt man ab 30.000 Euro. Der ID.3 geht schon deutlich in Richtung Massenmobilität und deckt die wichtigsten Punkte ab. Den minimalistischen Innenraum muss man allerdings mögen. Aber wer einen VW Käfer (das Original) mochte, dem wird der ID.3 auch gefallen.
Hyundai Nexo

Das Wasserstoffauto von Hyundai ist nicht nur ziemlich hübsch, es ist auch technisch ziemlich erstaunlich. Ich konnte mich mit einem Entwickler der Brennstoffzelle von Hyundai unterhalten. Der erklärte, dass man die Effizienz der Zelle (2. Generation) deutlich erhöht habe. Die Reichweite beträgt nun statt 450 Kilometer deutlich über 600 Kilometer. Obwohl die sperrigen Tanks im Heck untergebracht sind, gibt es aber noch genug Platz für die Koffer. Für die dritte Generation der Brennstoffzelle verspricht man, dass den Platin-Anteil auf die Menge zu reduzieren, die man heute bei einem Verbrenner verwendet. Zudem lasse sich das bisher verwendete Platin zu 100 Prozent wiederverwenden. Mit etwas mehr als 70.000 Euro ist der Nexo etwas teuer, aber ein tolles Auto. Warum gab es sowas nicht bei den deutschen Herstellern zu sehen?
Fotos: Nicole Scott, Don Dahlmann
(Hinweis: Daimler hat meine Reise- und Hotelkosten übernommen.)

