Das Lieblingskind der Digitalministerin ist das Flugtaxi. Dabei löst das Flugtaxi keines der drängenden Probleme.
Wenn man Dorothea Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, in den Medien sieht, dann geht es meist um das Thema Flugtaxi. Seit Beginn ihrer Arbeit setzt sich für das System ein, obwohl es gerade in Deutschland nur wenig Einsatzmöglichkeiten für das System gibt. Glaubt wirklich jemand, dass man demnächst zum Preis eines S-Bahn Tickets vom Münchner Flughafen in die Innenstadt schweben kann? So stark die Ministerin sich für die Flugtaxi einsetzt, so wenig hört man von ihr zum Thema autonomes Fahren. Die letzten Äußerungen von ihr dazu stammen aus dem Frühjahr 2018.
Das Flugtaxi in Deutschland kaum bis gar keinen Sinn machen, hatte ich für die Gründerszene schon mal aufgeschrieben.
Das Problem ist der Luftkorridor, in dem man unterwegs ist. In Deutschland gilt für private Luftfahrzeuge eine Mindestflughöhe von 300 Metern über bebautem Gebiet. Ausnahmen gibt es nur für Segelflieger und die Hubschrauber der Polizei bzw. Krankentransporte. Senkrecht startende Transportfluggeräte müssen also diese Höhe erreichen. Das ist bei Ultra-Kurzstreckenflüge eher hinderlich und kostet Zeit. Natürlich muss auch jeder Flug angemeldet sein. Es gibt in Deutschland keinen unregulierten Luftraum, schon gar nicht über Städten. Flugpläne müssen erstellt und eingereicht werden. So eben mal spontan von Berlin-Mitte nach Spandau fliegen, wird nicht funktionieren. Das ist auch einer der Gründe, warum weder in Berlin, noch New York, Schanghai oder London der Himmel mit Helikoptern voll ist.
Ja, Flugtaxi haben durchaus ihre Einsatzbereiche. Zum Beispiel in Ländern, in denen mittlere Entfernungen bis nur schwer zu überwinden sind, weil es zum Beispiel an einer Infrastruktur in Sachen Hochgeschwindigkeitsbahnen fehlt. Auch im Bereich der Logistik können elektrische Fluggeräte eine Rolle übernehmen. Man kann also damit tatsächlich Geld verdienen.
Aber die Probleme, die wir hier vor Ort und vor allem in unseren Innenstädten haben, sind deutlich dringender. So langsam setzt sich immerhin die Erkenntnis durch, dass es so mit dem Autoverkehr nicht mehr weitergehen kann. Lösungen werden gesucht, wie man die private Nutzung des Autos einschränken kann. Dazu benötigt man aber vor allem auch schnelle, bequeme und günstige Alternativen.
Und hier kommen die Robotaxi ins Spiel. Vollautonome, elektrisch betriebene Taxi können, neben dem ÖPNV, das Rückgrat der zukünftigen Mobilität in einer Metropole sein. Dabei spielen die Kosten pro Kilometer eine entscheidende Rolle. Herkömmliche Taxi kosten rund (je nach Tarifgebiet) bis zu 2 Euro pro Kilometer. Laut interner Schätzungen von Uber können diese Kosten mit vollautonomen Fahrzeugen auf bis zu 50 Cent pro Kilometer gesenkt werden. Statt 20 Euro für eine Strecke belaufen sich die Kosten dann nur auch auf 5 Euro.
Doch das autonome Fahren steckt noch in den Kinderschuhen. Zwar fahren die ersten Level 4 Fahrzeuge schon in den USA und China schon in einem Testeinsatz mit Passagieren, doch alle Hersteller sehen keinen großflächigen Einsatz vor 2025. Daran ist zum einen die noch nicht ausgereifte Technik Schuld. Zum anderen hapert es aber auch mit der Regulierung.
Die jetzige Koalition hat beschlossen, dass man bis zum Ende der Legislaturperiode eine Gesetzgebung für Level 5 auf den Weg bringen will. Doch die Sache hat zwei Haken. Es handelt sich dann nur um einen Entwurf, der dann erst noch in einem langwierigen Prozess in ein Gesetz gegossen werden muss. Viel wichtiger ist zudem, dass man eine Regulierung für den gesamten EU-Raum benötigt. Der Einsatz für autonome Taxi lohnt sich für die Hersteller nicht, wenn man in jedem Land anderer technische Vorgaben erfüllen muss.
Die Bundesregierung, das Verkehrsministerium und auch die Staatsministerin für Digitalisierung täten also gut daran sich weniger, um utopische Flugtaxi zu kümmern, sondern die Einführung von autonomen Autos zu beschleunigen.
Bilder: Daimler AG
