Viel los bei Daimler. Die Zahlen des zweiten Quartals waren nicht gut, dafür hat man angekündigt, den gesamten Konzern in drei neue Einheiten aufzuteilen. Der Reihe nach:
– Quartalszahlen
Die Zeiten des gnadenlosen Wachstums sind vorbei. Im Einzelnen sieht das im Vergleich zum 2. Quartal 2017 so aus:
Umsatz bei 40,8 (2017: 41,2) Mrd. €
Konzern-EBIT in Höhe von 2,6 (2017: 3,7) Mrd. €
Konzernergebnis von 1,8 (2017: 2,5) Mrd. €
Free Cash Flow im Industriegeschäft im ersten Halbjahr bei 1,8 (2017:3,0) Mrd. €
Das sieht nicht hübsch aus. Immerhin konnte man die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge im Gesamtkonzern um 1% auf 833.000 Stück steigern. Schaut man auf Daimler Cars, so sind die Zahlen um 1% rückläufig. In Europa wurden von April bis Juni 7% weniger Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und smart verkauft. In Deutschland ging der Absatz um 4% zurück. Besser lief es in China mit einem Zuwachs von 11%. Gründe für den schleppenden Absatz in Europa sind die neuen WLPT-Richtlinien. Wie bei allen anderen Hersteller auch, hat Mercedes Probleme die Zertifizierung für die Modelle zu bekommen. Zur Zeit lassen sich nicht alle Modellvarianten bestellen, das drückt auf den Absatz. Das sind aber nur temporäre Einschränkungen, die man im Laufe des Jahres abstellen wird. Der fehlende Absatz dürfte auch etwas mit dem Modellwechsel der A-Klasse zu tun haben, die erst ab Ende April / Anfang Mai ausgeliefert wurde.
Sorgenkind bei Daimler ist Bus-Abteilung. Zwar hat die mit einem Umsatz von 66 Millionen Euro im zweiten Quartal nur einen kleineren Anteil am Gesamtumsatz, aber die Verluste in diesem Quartal sind schon arg. Statt 78 Millionen wie im letzten Jahr, setzte man im zweiten Quartal 2018 eben nur 66 Millionen Euro um. Daimler führt unter anderem einen „ungünstigen Produktmix“ für die Verluste an. Das kann man auch so ausdrücken: Daimler Bus hat den Umstieg zum E-Bus verpasst. Vor allem der chinesische Anbieter BYD mit seinen E-Bussen schnappt Daimler massiv Marktanteile weg. Mittlerweile sogar im eigenen Land. Zwar kommt ein E-Bus von Daimler, aber erst Anfang 2019.
Generell geht Daimler aber davon aus, dass man die Umsatzprognosen auch im laufenden Geschäftsjahr wird halten können. Das wird aber auch sehr davon abhängig sein, wie sich der Handelsstreit zwischen der EU und den USA entwicklen wird.
– Konzernumbau
Vorstand und Aufsichtsrat haben einen umfassenden Konzernumbau beschlossen. Es wird künftig drei eigenständige Konzertbereiche geben: Mercedes-Benz AG (Cars & Vans), Daimler Truck AG (Truck & Bus) und Daimler Mobility AG. Hinter letzter steckt die alte Daimler Financial AG (Moovel, Car2Go etc.), die man schon umbenannt hat. Die drei Einheiten laufen alle unter dem Dach der Daimler AG, die als Holding agieren wird. Sie hat auch die gesamte Kontrolle über die Strategie und sonstige Steuerungsfunktionen des Konzerns. Mehr als 700 Gesellschaften in über 60 Ländern werden so neusortiert. Der ganzen Sache müssen die Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2019 noch zustimmen.
Warum macht Daimler das?
Die Aufteilung hat für Daimler den Vorteil, dass man die Untereinheiten einzeln verwalten lassen kann. Das soll, so Daimler, den Konzern flexibler machen. Ganz neu ist die Idee ja nicht. Monolithische Konzernstrukturen sind in Zeiten von Startups aus der Mode gekommen. Alphabet, die Holding unter der Google seine Dienste aufgeteilt hat, ist ein Beispiel für eine moderne Konzernstruktur. Die Idee, dass kleinere Einheiten schneller agieren können und somit auch profitabler sind, hat sich in vielen Wirtschaftszweigen durch gesetzt. Daimler reagiert also auf einen Trend. Wie im übrigen auch Continental, die eine ähnliche Umstrukturierung angekündigt haben.
Die Umstrukturierung kostet Daimler sehr viel Geld. Daimler rechnet mit Kosten in einem dreistelligen Millionenbereich. Mit den nachfolgenden Kosten dürften knapp eine Milliarde Euro erreicht werden. Eingerechnet dabei sind auch die Kosten für die Beschäftigungssicherung bis zum Jahresende 2029 und die Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen. Dazu kommt eine Zusage für Investitionen in die deutschen Standorte in Höhe von 35 Milliarden Euro von 2018 bis 2024. Die wären auf Grund der Umstellung auf die E-Mobilität auch ohne den Umbau erfolgt.
Fazit:
Eine Umstrukturierung ist immer eine gefährliche Unternehmung, da man verhandene Arbeitsstrukturen auseinander reißt. Gleichzeitig müssen aber die bisherigen Synergie-Effekte der gemeinsamen Produktion beibehalten werden. So nutzt Daimler Trucks zum Beispiel viele Entwicklungen aus der Mercedes Benz AG. So ein Umbau ist also eine echte Mammutaufgabe.
Auf der anderen Seiten muss sich Daimler neu aufstellen. Die letzte Neuorientierung erfolgte nach der Trennung von Chrysler, in der Zwischenzeit hat sich allerdings die Welt massiv verändert. Vor allem die Digitalunternehmen setzten die Schwergewichte der Industrie unter Druck. Zu dem bietet die neue Struktur der Daimler AG leichter die Möglichkeit, unrentable Untereinheiten leichter abzustossen. Das ist laut Daimler nicht geplant, aber technisch natürlich dann möglich.
Fotos: Daimler AG

