Dieter Zetsche wird im Mai 2019 sein Amt als CEO der Daimler AG an den bisherigen Vorstand Entwicklung, Ola Källenius, abgeben. Zetsche wechselt dann nach der gesetzlich vorgeschriebenen Pause 2021 in den Aufsichtsrat. Der Wechsel ist jetzt keine Sensation, das hatte sich seit zwei Jahren angekündigt, als man Ola Källenius in den Vorstand befördert hatte.
Man kann die Leistung von Zetsche bei Daimler kaum hoch genug schätzen, wobei man sein Wirken in zwei Abschnitte einteilen muss. Als der den Vorstandsitz 2006 übernommen hatte, steckte Daimler noch in der chaotischen Ehe mit Chrysler und kämpfte an verschiedenen Fronten. Die Qualität stimmte nicht, die Modelle waren altbacken und technisch oft nicht auf dem neusten Stand. Audi und BMW setzten die Marke unter Druck und verwiesen Daimler im Premium-Segment auf den letzten Platz. Zetsche räumte intern auf und schaffte neue Managementstrukturen. So ab 2011 konnte man spüren, dass diese Änderungen griffen.
Zetsche verstand als einer der ersten, dass die Digitalisierung die Branche auf den Kopf stellen würde. Er verstand auch, dass der Konzern den Wandel hin zum Mobilitätsdienstleister nicht alleine schaffen würde. Also initiierte er eine Welle von Beteiligungen an etlichen Startups (Flixbus, MyTaxi, Blacklane um nur ein paar zu nennen) und er entwickelte mit seinem Team die CASE-Strategie, die den Konzern auf die neuen Gegebenheiten einstellen sollte. Mit dem Ergebnis, dass Daimler weltweit in Sachen Digitalisierung und Mobilitätsdienstleistungen zur Zeit führend ist.
Ein bisschen später fing Zetsche auch damit an, sein Image zu verändern. Jeans, statt Anzughose, die Krawatte verschwand. Je mehr er und Daimler die Digitalisierung verstanden, desto lockerer gab sich Zetsche auch nach außen. Hinzu kam seine offene Art in Gesprächen mit Journalisten. Ich habe ihn mehrfach erlebt. Selbst bei kritischen Fragen wirkte er locker und souverän, sehr selten aggressiv oder gar unfreundlich. Allerdings sollte man seine offene, freundliche Art nicht zum Anlass nehmen, ihn zu unterschätzen. Auch Zetsche ist ein knallharter Manager, der dir Vorteile für seinen Konzern suchte. Die Affäre um den Wechsel von Eckart von Klaedens aus dem Bundeskanzleramt zur Daimler AG führt sogar zu einem fruchtlosen Ermittlungsverfahren gegen ihn.
Sein Nachfolger Ola Källenius tritt ein schweres Erbe an. Die Lage des Konzerns ist gut, aber die Aussichten ungewiss. Der Wandel zur Elektromobilität ist dabei noch überschaubar. Aber was passiert mit dem US-Handel, wenn der Handelskrieg zwischen der USA und Europa komplett ausbricht? Was wird mit dem Geschäft in China? Und wie schafft man es, aus Daimler einen Softwarekonzern zu machen? Wie wird man die Automatisierung der Arbeitsprozesse umsetzen, die vermutlich viele Arbeitsplätze kosten wird? Das sind alles Aufgaben, vor denen der neue CEO stehen wird. Und natürlich müssen weiter attraktive Fahrzeuge her.
Dazu kommt: Zetsche brilliert auf der Bühne, er ist ein Showman, einer, der sich dort wohlfühlt. Källenius, gebürtiger Schwede, ist da anders. Etwas steifer vielleicht, nicht ganz so der Showman. Aber auch das, was Daimler vielleicht gerade benötigt. Ein Techniker mit einer Bilderbuch Karriere im Konzern. Er kennt Daimler seit 1994, war nie woanders, hat im Controlling gesessen, war aber auch mal Chef von AMG und eben zu letzt Leiter der so wichtigen Entwicklung. Sein Nachfolger wird im übrigen Markus Schäfer, der bisher bei Daimler für Produktion und Supply Chain Management bei Mercedes zuständig war.
In der neuen Konzernstruktur dürften zwei CEO-Posten extrem wichtig sein. Zum einen der von Daimler Mobility AG (Ex-Financal Services), die von Klaus Entenmann geleitet wird. Die sind verantwortlich für die ganzen Beteiligungen (Startups usw.) und die des Bereichsvorstands CASE under Sajjad Kahn, die die ganze Digitalisierung der Fahrzeuge vorantreiben sollen. Da entscheidet sich auf lange Sicht die Zukunft des Konzerns.
Man wird Zetsche vermissen, keine Frage. Gegenüber dem verbissenen VW-CEO Herbert Diess und dem sehr blassen BMW Vorstand Harald Krüger wirkt Zetsche bei seinen Auftritten immer locker, weltmännischer und erfahrener. Auch seine Auftritte sorgten dafür, dass der Marke Daimler neues Leben eingehaucht wurde. Källenius wird eine andere Sprache sprechen.
Bilder: Daimler AG


