Die Daten schauen nicht gut aus. In China bricht der Automarkt ein und befindet sich weiter im freien Fall. In Deutschland laufen die Verkäufe auch nicht. Ist das jetzt die groß angekündigte Krise der Autowirtschaft?
Eben noch Rekordmeldungen, jetzt Jammertal. In Deutschland gab es zuletzt nur schlechte Nachrichten für die Hersteller. Der Januar war der sechste Monat in Folge, in dem weniger Autos als im Vorjahr verkauft wurden. Alle deutschen Hersteller mussten weiter Verluste einstecken, auch wenn der Januar ein eher schlechter Monat für Autoverkäufe ist. Der Anteil der neu verkauften Dieselautos fiel von 48 Prozent auf zuletzt 35 Prozent. Das ist in sofern schlecht, als man schon produzierte Diesel Fahrzeuge, die nicht Euro 6d temp haben, nicht los wird. Gleichzeitig muss man die Lieferketten ändern, was ebenfalls Geld kostet. Dazu kam, dass die Hersteller die Umstellung auf den neuen WLPT-Zyklus verschlafen hatten. Das führte dazu, dass große Teile der Modellpalette nicht lieferbar waren. Bei Porsche betraf das fast alle Modelle. Aber auch VW und Daimler mussten riesige Flächen anmieten, da sie schon gefertigte Fahrzeuge mangels WLPT-Zertifizierung nicht ausliefern konnten. Dadurch verloren alle Hersteller im letzten Jahr deutlich an Einnahmen. Hinzu kam ein immer schwächer werdendes Konsumklima in China, was sich vor allem auf den Autoverkauf niederschlug.
Deutschland
Eigentlich hoffte man, dass sich das zum Jahreswechsel alles erledigt haben sollte. Doch die Sache sieht weiterhin nicht gut aus. Im Gegenteil, die Gesamtlage verschlimmert sich weiter. Im Januar konnte nur Audi, die eh aus einem ungewöhnlich schwachen Jahr kommen, leichte Zuwächse verzeichnen (+3,7 % ggü. Januar 2018). BMW schrumpfte um 7.5 %, Mercedes um 4.3 %, Porsche um 53,8 % (nein, das Komma ist nicht verrutscht) und VW verkaufte 6.5% weniger Autos als noch vor einem Jahr. Gewinne gab es bei Ford (+14,6 %), Dacia (13,9 %), Hyundai (11,7 %), Citroen (10 %). Ein paar Hersteller wie Volvo, Suzuki und Tesla legen ebenfalls deutlich zu.
USA
Ein Blick in die USA verrät, dass die Zahlen da auch nicht besser aussehen. Dort sind die Zahlen im Januar ebenfalls zurückgegangen, wenn auch nur leicht (2 %). Während die US-Marken Ford, GM, FCA und auch die US-Division von Toyota leicht zulegen konnten, brach der Verkauf bei den deutschen Hersteller (die dort im Luxussegment geführt werden) ein. Mercedes büßte 14 % gegenüber dem Vorjahr und vertiefte damit die Krise, die das Unternehmen seit 2018 in den USA hat. VW verlor 6.7 %, BMW 1.8 %. Nur Porsche konnte um 13 % zulegen.
Dass die Verkäufe in den USA in kalten Januar eher mau sind, ist nicht neu. Gleichzeitig spricht die wirtschaftliche Entwicklung in den USA dagegen. Der Aufschwung hält an, die Zinsen sind weiter moderat, das Geld vorhanden. Das beweisen auch die Zuwächse bei den US-Herstellern. Nicht ganz klar ist, ob die im letzten Jahr erhobenen Zölle der Trump-Regierung die deutschen Hersteller in den USA mehr schwächen, als die Konkurrenz. Sicher ist, dass die angedrohten Zölle auf Importfahrzeuge nicht mehr so leicht weg zustecken sind.
Nachtrag, 20.02.2019: Neuste Zahlen aus den USA sprechen von einer „Car Loan Babble“ in den USA. 1,7 Billionen Dollar Schulden haben sich angehäuft, mehr als 7 Millionen Schuldner hängen mehr als 90 Tage mit den Ratenzahlungen hinter her. Damit hat man fast den Stand von 2007/2008 erreicht. h
China
Zwar könnte man ein sich verlangsamendes US-Geschäft mit weiteren Zuwächsen in China zumindest ausgleichen, aber da bricht auch gerade der Markt zusammen. Analysten vermuten hier auch die Ursache unter anderem beim Handelsstreit zwischen den USA und China, der China offenbar mehr schmerzt, als die Amerikaner. Allerdings verlangsamte sich der Verkauf von Neuwagen in den letzten Monaten auch schon vor dem Streit mit Trump. Hier liegt der Grund wiederum auch in der restriktiven Zulassungspolitik der Chinesen. Denn ein Auto kann man nur kaufen, wenn man auch ein Kennzeichen hat und die werden in den Großstädten nur verlost. Von 1000 Chinesen bekommen nur drei ein Kennzeichen und damit die Möglichkeit, ein Auto zu kaufen. Damit möchte man die eh schon verstopften Städte entlasten.
Die Zahlen sehen nicht gut aus. Nicht nur, weil die Gesamtzulassungen im China gegenüber des Vorjahres um 17,7 % zurückgegangen sind, sondern weil das ein Trend ist, der schon seit Juli 2018 anhält. 2018 war auch das erste Jahr seit knapp 20 Jahren, in dem der Neuwagenverkauf niedriger lag, als im Vorjahr.
Fazit
Das wird auf jeden Fall ein hartes Jahr für die Autoindustrie. Der Handelsstreit mit den USA droht zu eskalieren, der Brexit wird vor allem die deutsche Autoindustrie treffen und die Verluste können nicht in China ausgeglichen werden. Parallel steht die Industrie vor weiteren Herausforderungen. Man muss Milliarden in die E-Mobilität stecken, aber ein ROI wird sich verzögern, so lange die Politik die E-Mobilität nicht so fördert, wie das zum Beispiel in Norwegen der Fall ist.
Dazu kommt, dass das Geschäftsmodell der Autoindustrie zunehmend von Car- und Ridesharing Unternehmen angegriffen wird. Metropolen, die unter dem Verkehr leiden, fördern diese neuen Mobilitätslösungen, was wiederum zu Lasten der Autos passieren wird.
Aber sind wir noch weit von einem Peak Autoindustrie entfernt. China wird sich erholen, in Indien, Malaysia und vor allem in Afrika warten neue, riesige Märkte. Dazu kommt, dass ein Großteil der jetzt auf der Straße befindlichen Fahrzeuge bis 2030 gegen E-Autos ausgetauscht werden. Alleine in Deutschland sind über 44 Millionen Autos registriert, von denen vermutlich knapp die Hälfte bis 2030 ausgetauscht werden können. Auf lange Sicht sieht es also nicht so schlecht aus, aber ich vermute mal, dass die nächsten zwei Jahre schwer werden. Eventuell auch länger, je nach dem wie sich der Streit mit den USA und der Brexit entwickelt.
Bilder: Daimler, VW

