Die IAA zieht nach München – Ein falsches Signal

Die IAA wandert also von Frankfurt nach München. Berlin galt als Favorit, weil die Hersteller hier alle ihre Mobility und Digital Offices haben. Dazu das Angebot an Carsharing, Ridesharing etc. Dazu die ganzen Startups und NGOs, die sich mit dem Thema „Zukunft der Mobilität“ beschäftigen. Von der Nähe zu Politik mal ganz zu schweigen. Die zeitliche Nähe zur IFA wurde auch eher als Vorteil gesehen, da man beide Messen mit einem Abstand von einer Woche abhalten könnte. Die wachsende, enge Verbindung von Tech- und Autoindustrie hätte viele Aussteller dazu bewogen auf beiden Messen anwesend zu sein.

Das München nun den Zuschlag bekommen hat, ist also etwas überraschend. Aber wenn BMW so weit geht, dass man während der IAA das eigene Logo auf dem Headquarter mit dem der IAA ersetzen will, dann erkennt man, wie weit München und BMW zu gehen bereit war. Dazu kommen 15 Millionen Euro, die die Stadt München bereit ist zu zahlen. Ein derartiges Entgegenkommen gab es in Berlin nicht.

Für München spricht dazu der Flughafen mit seinen internationalen Verbindungen. Selbst wenn der BER im Oktober 2020 eröffnen sollte, fehlen Berlin diese Direktverbindungen, weil kein großer Carrier in Berlin ein weiteres zentrales Hub neben Frankfurt aufmachen will.

Das Messegelände in München ist neu und sehr groß, dazu einigermaßen gut erreichbar. Riem ist nicht gerade zentral, hat aber einen direkten U-Bahnanschluss. Der Verkehr zur Messe dürfte in der verkehrsmäßig schon am Limit arbeitenden Stadt München bei der IAA aber eine Katastrophe werden.

München ist also keine schlechte Lösung. Was mich allerdings stört, ist der Umstand, dass München im Gegensatz zu Berlin nicht gerade als fortschrittlich in Sachen „New Mobility“ ist. Sicher, es gibt mit Microsoft, Amazon, Google und Siemens große Player in der Tech-Branche. Aber die kommen eh dahin, wo es spannende Messen gibt. Die CES in Las Vegas ist ein gutes Beispiel dafür. Aber München wird nicht gerade an erster Stelle genannt, wenn das Thema „Future of Mobility“ aufgerufen wird. Berlin gilt mit seinen Experimenten und Startups dagegen eher als fortschrittlicher eingestuft.

Der VDA hatte angekündigt, die IAA deutlich modernisieren zu wollen. Darunter sollten auch die digitlen Geschäftsmodelle der Hersteller und neuen Player in der Branche eine Rolle spielen. Nun signalisiert man mit München gegen alle Ankündigungen dann doch eher ein „Weiter So“. Es ist ein Umzug in eine neue Stadt, die traditionell als konservativ gilt. Da wäre sogar Hamburg eine progressivere Wahl gewesen.