Ein bisschen absurd ist es ja schon. Da betrügen die Hersteller mit ihren Dieselmotoren, reißen die EU-Vorgaben und wenn die Politik interveniert, schreien bestimmte Medien, dass die Politik den Menschen nicht ihren schönen Diesel wegnehmen soll. Manche Menschen gehen dafür sogar auf die Straße. Das kann man ein bisschen übertrieben finden, ebenso die Hysterie, mit der die Diskussion mittlerweile betrieben wird. Zwischen Verlust des Vaterlands bei einem Diesel-Verbot und dem Rückfall in DDR-Diktatur, sollte es zu einem Tempolimit kommen, ist alles dabei. Das ist lächerlich, aber bestimmte Medien haben im Moment kein Problem mit extrem zugespitzten Meinungen ihre bröckelnden Auflagen zu konservieren.
Tatsächlich sind sowohl Fahrverbote und Tempolimits völlig überflüssig, weil sie absolut nichts bis wenig bringen. Ein Tempolimit von 130 km/h ist nach Ansicht der meisten Studien in Sachen CO2 Reduzierung zu vernachlässigen (Studie von 2007, pdf). Die Ersparnis liegt bei zwei bis drei Prozent und das ist schon nur geschätzt. Auch was Unfälle angeht, würde ein Tempolimit nicht viel bringen. Vergleichszahlen aus dem EU-Ausland, wo es überall Tempolimits gibt, belegen dass ziemlich gut. Die Menge der Unfälle verändert sich nicht signifikant durch ein Tempolimit, wohl aber die Unfallursache (Überhöhte Geschwindigkeit vs. Unachtsamkeit). Keine verlässlichen Zahlen gibt es allerdings zu der Frage, ob die Unfallfolgen bei einem generellen Tempolimit geringer sind.
Generell kann man zum Thema Tempolimit aber sagen, dass das Fahren auf Autobahnen gefühlt entspannter ist, vor allem auch, weil drängelnde Idioten und Lieferwagen nicht nerven. Das alleine kann schon ein Argument für ein Tempolimit sein. Warum soll man sich von derartigen Trotteln permanent nötigen lassen?
Was die Fahrverbote angeht – da muss man ein bisschen unterscheiden. Die in machen Städten vorgelegten Ideen, dass man nur bestimmte Straßen sperrt, ist kompletter Behörden-Irrsinn. Weil die Messwerte an einer Stelle zu hoch sind, verbieten man also bestimmten Fahrzeugen da entlang zu fahren, damit die Messwerte wieder stimmen. Das ist hochgradig bescheuert.
Städte wie Stuttgart gehen einen Schritt weiter und sperren die gesamte Umweltzone für ältere Diesel. Kann man machen, allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass das insgesamt auch nicht viel bringen wird. Dafür müsste man genau wissen, wie viele Euro 4 Diesel pro Stunde und Tag in die Umweltzone rein- und wieder rausfahren. Dazu gibt es aber keine Zahlen. Man weiß nur, dass an manchen Tagen bestimmte Werte überschritten werden.
Das ist aber nicht allein Schuld des alten VW oder Peugeot Diesel. Zu einem nicht unerheblichen Teil sind Lieferfahrzeuge (Vans und LKW) und vor allem die Busse des ÖPNV an den hohen Werten beteiligt. Deren Abgasreinigung ist technisch oft veraltet, weil vor alle Busse eine Lebensdauer von zehn bis zwölf Jahren haben. Diese alten Fahrzeuge stossen weit mehr CO2 und Feinstaub aus, als jeder Euro 4 Diesel. Schlimmer noch: Lieferfahrzeuge und Busse bewegen sich den ganzen Tag durch die Stadt, während ein Privatauto die meiste Zeit rumsteht.
Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass man die Diesel generell einfach so weiterfahren lassen soll. Es muss allen klar sein, dass alle Diesel, die nicht mindestens Euro 6d temp entsprechen, schnellstmöglich von der Straße gehören. Das gilt dann auch für die CO2 Benzin Schleudern.
Aber das ganze Geld, dass der irrsinnige bürokratische Aufwand von Fahrverboten und deren Überwachung kostet, sollten Land und Kommunen lieber in andere Projekte der Verkehrswende stecken. Städte sollten schleunigst ihre alten Busse aus dem ÖPNV gegen moderne E-Busse oder zumindest neue Busse mit einer vernünftigen Abgasreinigung eintauschen. Sie sollten Liefer- und Taxidienste dazu bewegen, in den nächsten zwei Jahren auf E-Autos umzusteigen. Sie sollten Angebote schaffen, dass es der Bevölkerung leicht macht, auf das Auto zu verzichten. Zum Beispiel mit 365-Euro Tickets im ÖPNV, Verbesserung des E-Carsharing Angebots usw.
Ebenso kann man auch mal überlegen, ob man weiterhin immer mehr Autos in der Stadt haben möchte. Man kann natürlich versuchen bei gleicher Auslastung der Straßen die kritischen Emissionswerte um 20 bis 30% zu senken, in dem man die Emissionen der Autos absenkt. Man kann aber auch einfach versuchen, 20 bis 30% weniger Autos auf den Straßen zu haben und hat am Ende das gleiche Ergebnis. Plus den Vorteil, dass man weniger Lärm und mehr Platz in der Stadt hat. Zumindest würde man so auch die Hysterie aus der Diskussion nehmen und tatsächlich dann auch was ändern.
Bilder: Pixabay, Don Dahlmann
