Eine Notfall Ad-hoc Meldung ist selten und verheisst selten Gutes. Gestern kam so eine Meldung vom Fiat-Chrysler Konzern (FCA). Dort wurde mitgeteilt, dass der bisherige CEO des Konzerns, Sergio Marchionne sein Amt nach einer OP und darauffolgenden Komplikationen nicht mehr ausüben kann. Mittlerweile gibt es die traurige Nachricht, dass Marchionne verstorben ist. Für ihn übernimmt Michael Manley. Präsident von FCA bleibt aber weiter John Elkann, Enkel des Firmengründers Giovanni Agnelli. Der 42-jährige kontrolliert schon länger die Geschicke des Konzerns, vor allem als Vorsitzender der Exor Holding, die das Familienvermögen der Agnellis kontrolliert. Exor kontrolliert knapp 30% von FCA und 22% der Ferrari Holding „Ferrari NV“.
In einem besonders guten Zustand befindet sich FCA gerade nicht. Das Unternehmen hat die Digitalisierung komplett verschlafen und profitiert nur am Rande davon, dass Google den Chrysler Van „Pacifica“ als Trägerfahrzeug für deren autonome Technologie auserkoren hat. Zugriff auf die Daten von Google hat FCA nicht. Der hausinterne Zulieferer Magneti Marelli hat immerhin mittlerweile einige strategische Zukäufe bei Lidar-Sensoren getätigt. Ankündigungen in Sachen E-Autos und Plattformen gibt es auch nicht.
Die Cash-Cows von FCA ist die Marke Jeep und mit Abstrichen Dodge dank des Pick-up „Ram“. Letztes Jahr musste FCA einen Rückgang von 8% bei der Menge der verkauften Fahrzeuge hinnehmen, allerdings gelang es dem Konzern gleichzeitig die Einnahmen zu steigern. Das hatte vor allem mit einer größeren Marge bei der Produktion der Bestseller zu tun. Ebenfalls gut läuft die Marke Maserati, die aber nur 50.000 Fahrzeuge pro Jahr absetzt.
Das Juwel des Konzerns war mal Ferrari, die einerseits atemberaubende Margen aufweisen, andererseits den Konzern nach außen vertreten und einer der wichtigsten und bekannten Marken der Welt ist. Marchionne und Elkann haben Ferrari aber schon Anfang 2016 vom Konzern abgespalten und eine neue Holding namens Ferrari NV gesteckt. Fiat hatte 90% der Anteile von Ferrari, die man aber mittels Börsengang abgegeben hat. 10 % hat FCA selber behalten, 80 % sind an die Aktionäre des Konzerns gegangen. Die Kontrolle bei Ferrari hat mit 22,9% die genannte Exor-Holding, 10% kontrolliert die Agnelli Familie über den FCA-Konzern, weitere 10% liegen Pietro Ferrari. Der Rest ist in kleine Anteile aufgespalten, so dass die Agnelli Familie das nun mehr wieder unabhängige Unternehmen Ferrari kontrolliert.
Dass man Ferrari aus dem Konzern abgespalten hat, stieß allgemein auf Verwunderung und ließ schon 2015 Gerüchte aufkommen, dass der FCA-Konzern verkauft werden sollte. Antreiber eines Verkaufs der gesamten Automobilsparte ist John Elkann selber, der das Vermögen der Familie lieber über Exor vermehren will. Wie erwähnt, hat FCA die Digitalisierung und die Umstellung auf die E-Mobilität verschlafen. Das R&D Budget des gesamten Konzerns beträgt mickrige 1.6 Milliarden Euro. (Zum Vergleich: BMW investiert 7 Milliarden Euro). Damit ist auch klar, dass der Konzern seine Bemühungen deutlich verstärken muss, wenn er in Zukunft weiter mithalten will. Doch Elkann und Marchionne hatten sich wohl schon früh darauf verständigt, dass man lieber einen anderen Weg geht: den gesamten Verkauf oder Merger mit einem Konkurrenten.
Tatsächlich versuchte Marchionne zwischen 2014 und 2017 immer wieder FCA mit anderen Konzernen zusammenzuführen. So soll er sogar General Motors ein Angebot unterbreitet haben. Weitere Gespräche gab es mit Opel (deren Zustand selbst FCA zu desolat erschien) und mit VW. Die Wolfsburger hatten, vor dem Dieselskandal, wohl Interesse an den Marken Fiat und Alfa-Romeo, aber FCA wollte den Konzern wenn nur komplett verkaufen oder mit einem anderen Unternehmen zusammenwerfen.
Sehr hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Hyundai das Geschäft von FCA übernehmen will und man sich schon handelseinig sei. Was natürlich auch dementiert wird. Dabei macht das durchaus Sinn. Die Koreaner könnten zum einen auf einen Schlag im Kleinwagensektor in Europa Volkswagen auf die Pelle rücken, in den USA würde man dank Jeep und Dodge im SUV und Pickup Markt profitieren. Dazu kämen die Produktionsstätten in den USA, die angesichts des schwelenden Handelskrieg ebenfalls einiges Wert sind.
Marchionne sollte diesen Deal bis zu seinem Vertragsende im März 2019 unter Dach und Fach bringen. Sein Nachfolger Michael Manley muss das jetzt übernehmen. Der Brite gilt wie Elkann als knallharter Pragmatiker. Wie es mit dem FCA nun weitergeht, dürfte eine der spannendsten Fragen in den nächsten zwei Jahren sein.
Bei Ferrari, deren CEO Marchionne ja auch wahr, übernimmt der ehemalige CEO von Philipp Morris, Louis Carey Camilleri den Posten. Eine interessante Entscheidung, denn Camilleri ist erst seit 2015 als Senior Non Executive Director an Bord. Allerdings sind die Verbindungen zwischen Ferrari und dem Philipp Morris Konzern seit Jahrzehnten sehr tief. Bis heute ist Philipp Morris einer der Hauptsponsoren des Formel Eins Teams von Ferrari und dessen Leiter, Maurizio Arrivabene, ist ehemaliger Marketing Chef von Philipp Morris. Präsident von Ferrari wird allerdings John Elkann. Und damit hat die Agnelli Familie im vielleicht wichtigsten Teil des Imperiums weiter das Sagen.
Bilder: Ferrari, Fiat
