Native Advertisment rettet die Welt?

Ein interessanter Artikel von Matze Hilscher zum Thema „Zukunft des Journalismus“ der vor allem die Frage des „Native Advertisment“ tangiert.

„Während die New York Times und Washington Post sich auch an sponsored Posts probieren, wird diese Werbeform in Deutschland mit hochgezogenen Augenbrauen beäugt. Redaktioneller Inhalt und Werbung sollen bitte strickt voneinander getrennt sein. Glaubt wirklich jemand, dass die jährlichen Uhren-Specials in Magazinen ein persönliches Anliegen des Chefredakteurs sind?“

Ich betreibe Native Advertisment drüber im Racingblog auch ab und an. Immer gekennzeichnet. Aber ich versuche auch den Artikel für die Leser interessant zu machen. Es kommt kein Artikel rein, den ich nicht selber geschrieben habe. Und suche für alle Artikel den Dreh, den interessanten Punkt für mich und meine Leser. Wenn mich die Geschichte beim Lesen langweilen würde, kommt sie nicht rein.

Die Idee, Content Marketing und Native Advertisment zu verbinden trage ich potentiellen Werbekunden schon seit mehr als einem Jahr vor, aber das Interesse daran ist schmal. Ich habe komplette Content Marketing und Sponsoring Pakte mit langen Laufzeiten geschnürt, aber ich merke oft, dass einfach nicht verstanden wird, dass Content Marketing ein Tool ist, mit dem ich eine Menge erreichen kann. Für mich als Betreiber einer durchaus gut laufenden Nischen-Webseite ist das manchmal frustrierend. Weniger des Geldes wegen (auch) sondern weil ich es nicht so recht verstehe, warum Unternehmen weiterhin auf Werbeformen setzen, die schon so langsam streng riechen.

Aber ich habe ein kleines Blog, keine renommierte Tageszeitung und ich sehe sehr klar die Problem, die durch NA entstehen können, ganz besonders bei Tageszeitungen. Ist es ethisch in Ordnung eine Liste mit „Die besten Hühnchenrezepte“ von einer Firma bezahlen zu lassen, von der man weiß, dass sie die Tiere schlecht behandelt? Wohl eher nicht. Auch der politischen Einflussnahme wird eine Tür geöffnet, die die Positionierung von Themen viel leichter macht. Das Problem der Tageszeitungen in Sachen NA ist aber auch, dass die Redaktion nicht immer entscheiden kann, was da als „sponsored Post“ reingenommen wird, weil die Anzeigenabteilung ganz andere Vorstellungen haben kann. Die Konflikte sind da schon vorprogrammiert. Auf der anderen Seite ist NA in sehr, sehr vielen Magazinen schon heute gang und gäbe. Der „Stern“ macht auch kein Special über „Garten“, wenn die Anzeigenkunden das nicht interessiert. Und wie oft sieht man gerade in den Beauty Postillen eine großflächige Anzeige für ein Produkt auf Seite 20, dass zufälligerweise auf Seite 89 dann noch mal redaktionell vorgestellt wird. Bestimmt ein Zufall.

Ironischerweise sind Blogger da besser aufgestellt, weil sie Vermarktung und Redaktion in einer Person sind. Kommt der Hühnchen-Züchter, kann er sagen „Nö, Du nicht.“ Nimmt er ihn das Posting trotzdem rein, kommen die Leser und sagen „Ne, so nicht“. Er muss genauer abwägen, was er tut, auch weil seine Leserbasis kleiner ist und schon geringe Abweichungen nach unten eine ernsthafte Gefahr für das Einkommen bedeutet. Allein aus diesem Grund wägen viele Blogger-Kollegen sehr genau ab, was sie wann reinnehmen.

Für Redaktionen bedeutet NA, dass sie sehr genaue Spielregeln aufstellen müssen, die sich an der Reputation eines Unternehmens im Netz ausrichten. Wie die Spielregeln aussehen, muss dann wieder jede Redaktion selber entscheiden. Problematisch ist dabei halt mal wieder, dass es keine Erfahrungswerte gibt.

Verändern muss sich aber auch die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Werbung zum Teil betreiben wollen. Banner sind, dass sehe ich wie der Buzzfeed-Chef, tot. Banner sind der Mailspam der frühen 2000er. Ob Native Advertising die Lücke alleine wird füllen können, ist auch fraglich, zumal eben noch nicht alle Stellschrauben gefunden wurden. Aber im günstigsten Fall kann NA alle glücklich machen. Den Journalisten/Blogger, weil er Geld bekommt, die Leser, weil sie was spannendes zu lesen bekommen haben und den Unternehmer, wenn seine Kampagne oft und viel geteilt und gelesen wird.

2 Kommentare zu „Native Advertisment rettet die Welt?“

  1. Es stellt sich natürlich auch die berechtigte Frage: Ist NA nicht bereits dann der Fall, wenn mir ein Hersteller sein Gerät oder Produkt für einen Testbericht zur Verfügung stellt?

    Damit würde doch die größte (geistige) Hürde fallen … oder hocken die Damen & Herren „QualitätsJournalie“ so sehr auf ihren selbsterklärten Pfründen, dass sie sich durch die Bezeichnung „Native Advertisment“ persönlich angegriffen fühlen?

    cu, w0lf.

  2. Dann wäre bei NA aber auf jeden Fall wünschenswert, dass sehr genau gekennzeichnet wird wo der Artikel her stammt. Ein undefinierbarer Name oder gar Namenskürzel finde ich dann nicht mehr ausreichend.
    Der Artikel muss deshalb nicht besser oder schlechter sein, nur weil er aus der Feder eines Unternehmens stammt, welches dieses oder jenes Produkt verkaufen will, nur will ich schon auch wissen, wie weit die vertretene Meinung denn „gefärbt“ ist, auch wenn mir klar ist, dass ein „unabhängiger“ Journalist/Blogger auch nicht völlig objektiv ist (sein kann)