Bookmarks vom 21.08.14 bis 15.09.14

Gesammelte Links:

  • charliemcculloch | Early thoughts on designing for the iPhone 6 Plus – And lastly, don’t buy an iPhone 6 Plus unless you feel happy running about with chipolata sausages sellotaped to your fingers, trying to lose the pack of hungry little dogs that constantly chase you from A to B, hampering your efforts as you fumble about with your phone. Maybe a little far-fetched.
  • Ask the Past: How to Keep Your Cat, c. 1470 – "If you have a good cat and you don't want to lose it, you must rub its nose and four legs with butter for three days, and it will never leave the house."

    The Distaff Gospels

    This trick will certainly prevent your cat from running away. It's less clear whether the cat will stick around because of adoration or poor traction.

    (Bester Blog Fund seit langem!)

  • 20 Jahre Online-Journalismus – Ein noch nie da gewesener Kampf um Aufmerksamkeit ist entbrannt, ein Kampf, dessen Dimension dem mahnenden „Postman“ Anfang der Neunziger nicht ansatzweise bewusst war. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen klassischen Medien und neuen, selbstkonfigurierten Informationskanälen. Anspruchsvoller Journalismus bedeutet heute nicht mehr allein die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot. Anspruchsvoller Journalismus muss sich vor allem auch Gehör verschaffen im kakophonischen Informationslärm der neuen Meinungswelt. Nur so wird es den klassischen Medien gelingen, neue Leser zu gewinnen und die alten zu halten.
  • Digitale Wirtschaft: Nennen wir es doch Neuland – Wirtschaft – Tagesspiegel – Es gibt im Moment kaum ein Thema, das politischer Gestaltung so dringend bedarf wie das der Digitalisierung. Sie verändert alle Lebensbereiche, ob es uns gefällt oder nicht.

    Sie ist kein Randthema, im Gegenteil, sie steht im Zentrum des gesellschaftlichen Fortschritts.

  • Sozialismus: Was macht die Linke falsch? – Kultur – Stuttgarter Zeitung – Entgegen einer solchen Perspektive, die allem Widerstand gegen den ungezügelten Kapitalismus pauschal Totalitarismus unterstellt, müsste die Linke den Wert der Solidarität hochhalten und gegen die Angleichung der Lebensstandards nach unten Stellung beziehen. Diese stellt nämlich die größte Gefahr für die Demokratie dar, weil soziale Spannungen immer schon Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit befördert haben.
  • Hass im Netz: Ich bin der Troll – Medien – FAZ – „Provozieren, das ist wie ein Orgasmus.“ In seinen grauen Augenhöhlen funkelt es hellblau, sein Gesicht verzieht sich zum Lächeln. „Wenn sich jetzt jemand aufregt, dann ist das mein Ejakulat.“
  • Warum ich die Petition gegen Amazon nicht unterschreibe – Kultur – Süddeutsche.de – Der Deutsche Buchmarkt geht an der eigenen Arroganz zugrunde

Twitter macht den Laden dicht

Das ist natürlich eine maßlos übertriebene Überschrift, denn so schnell macht Twitter den Laden nicht dicht. Was sie aber dicht machen, ist das Ökosystem, das Twitter in den letzten Jahren überhaupt in die Postion gebracht hat, in der sie jetzt sind. Es ist schon erstaunlich, was Twitter in den letzten Monaten alles verändert hat. Manche Veränderungen waren subtil, manche trafen nur wenige Menschen, andere, und vor allem die jetzt angekündigten Maßnahmen betreffen aber dann alle.

2012 kam die damals neue Twitter API 1.1, die mehr oder weniger dazu führte, dass der Markt der externen Twitter-Clients zusammenbrach. Twitter sprach davon, dass man “den Usern nicht den Kern ihrer Twitter-Erfahrung” zerstören wollte, was minus das PR-Gewäsch schlicht weg bedeutete: der User soll bei uns bleiben, nicht bei euch. Eingeleitet hatte Twitter die ganze Sache durch den Kauf von Tweetdeck einige Monate zuvor, der als der beliebteste Twitter-Client für Desktop und Mobile galt. Dem Schritt lag also zweierlei zu Grunde. Zum einen wollte man die User stärker an die eigenen Produkte binden, zum anderen wollte man nicht, dass andere Entwickler mit den Inhalten von Twitter Geld verdienen würden. Was durchaus nachvollziehbar ist.

Das Problem ist nur, dass Twitter ohne diese Entwickler und ohne deren Arbeit und Investitionen in Sachen Marketing und PR gar nicht so weit gekommen wäre. Die Twitteroberfläche war jahrelang ein Fanal der Ödnis und Unflexibilität. Clients lösten Twitter aus der selbstgewählten Isolation im Netz und brachten Twitter auf die Smartphones. Und erst durch die Verbreitung auf Telefonen konnte Twitter überhaupt so erfolgreich werden. Bis Twitter die erste eigene App entwickelt hatte, verging sehr viel Zeit.

Twitter war ein leeres Gerüst. Es war schneller als jedes andere Medium, es hatte die Kraft sehr viele Menschen sehr schnell zu erreichen, aber es fehlten etliche Funktionen. Ein gutes Beispiel dafür waren Bilder. Man konnte auf Twitter keine Bilder teilen. Der erste Dienst, der das dann für Twitter übernahm, war Twitpic, die 2008 starteten. Berühmt wurden Twitter und Twitpic dann durch dieses Bild:

hudson

Weil Janis Krums das Bild auf Twitpic und auf Twitter teilte, wurden plötzlich sehr viele Menschen auf beide Dienste aufmerksam. Warum ich das Bild als Screenshoot reinstelle und nicht verlinke? Weil Twitpic Ende September 2014 dicht macht. Twitpic mach deswegen zu, weil man sich seit Jahren mit Twitter in den Haaren liegt. Es geht um die Verwendung des Kürzels “Twit” im Namen, gegen Twitter seit Jahren massiv vorgeht. (Vergl. die Umbenennung von UberTwitter in UberSocial). Twitpic hatte offenbar alle Auseinandersetzungen gegen Twitter bisher gewonnen, was das Unternehmen dann dazu bewogen hat, Twitpic den API-Zugang massiv zu beschränken, bzw. zu entziehen. Man zerstört damit die Geschäftsgrundlage von Twitpic.

Natürlich kann man argumentieren, dass Twitter seine Marke schützen muss und wenn es, aus welchen Gründen auch immer, keine Einigung gibt, dann greift man eben zu härteren Maßnahmen. Auf der anderen Seite ist das Beispiel von Twitpic sehr gut dazu geeignet, die sehr unangenehme Seite des Unternehmens Twitter zu beleuchten. Waren Entwickler zu Beginn willkommene (und unbezahlte) Helfer, so sind sie mittlerweile lästige Begleiter, die das “Twittererlebnis des Users” stören. Twitter wäre ohne Twitpic, ohne die vielen kleinen Twitterclients usw. nie dahin gekommen, wo man jetzt ist. Das kann man dann durchaus als undankbar empfinden, auch wenn die Welt halt manchmal so ist.

Twitter hatte schon immer das Problem, dass sie als offene Plattform gestartet sind, gleichzeitig aber profitabel sein mussten. Übernahmeangebote gab es zu Hauf, offenbar wollten die Investoren und Inhaber aber keinen Verkauf. Eine Überführung in eine Stiftung wie bei Mozilla kam wohl auch nicht Frage. Also war Twitter zu Beginn auch abhängig von der Leistung freier Entwickler. Im Gegensatz zu Facebook, die von Anfang an auf ein hermetisches System setzten und immer die Kontrolle darüber hatten, dass die Inhalte die Plattform nie verlassen würden, sah es bei Twitter anders aus.

Doch was hätte Twitter machen sollen? Schon 2009 gab es Ideen, ein Freemiumsystem einzuführen. Ein paar Dollar/Euro im Moment für einen erweiterten Zugang – warum nicht. Aber genau in die Zeit fällt auch das massive Wachstum von Facebook. Man musste damals schon kein Hellseher sein um festzustellen, dass Twitter nach und nach User verloren hätte. Warum für etwas zahlen, was man bei Facebook in ähnlicher Form umsonst bekommt? Vermutlich würde man heute nette Nachrufe mit der Überschrift “Das supertolle Netzwerk das keiner wollte” schreiben.

Twitter hat sich das System Facebook genau angeschaut. Und neigt wohl gerade dazu, dieses zu kopieren. Seit ein paar Wochen kursieren Gerüchte, dass Twitter an seinem Timeline Algorithmus schrauben will. Statt der strengen chronologischen Sortierung soll die Timeline in Zukunft, ähnlich wie bei Facebook, so gefiltert werden, dass “für den User relevante” Informationen angezeigt werden. Ein Schritt, der viele Twitter-User geradezu empört.

Zusammengefasst:

1. Schließung der bisher offenen API
2. Ausdünnung des vormals lebendigen Öko-Systems von Dritt-Anbietern und Entwicklern
3. Umleitung der User auf Apps & Clients von Twitter
4. Änderung der Timeline und weiterer Funktionen ohne Möglichkeit, dem zu Entkommen

Die Idee von Twitter lautet offenbar, eine nicht zu ersetzende Plattform zu sein, die in einer Liga mit Facebook und anderen spielt. Auch in dem Bereich “Wir wissen, was für dich gut ist”. Ähnlich wie bei Facebook glaubt man offenbar, dass man nur dann erfolgreich sein kann, wenn man über komplizierte Algorithmen dem User einen vorgekauten Timeline-Brei vorsetzt. Doch das verscheucht genau die Menschen, die Twitter am Leben erhalten.

Anders, als bei Facebook, ist die “Top -> Down Conversation” bei Twitter viel stärker. Die reichweitenstarken Accounts sorgen für die Retweets und die Verbreitung von Information und Unterhaltung. Doch die Accounts mit den hohen Reichweiten liegen bei Twitter meist immer noch bei den Early Adoptern (EA). Die versorgen die “Late Majority”, die wiederum die Informationen in ihre kleineren Netzwerke verteilt. Das hat auch damit zu tun, dass die Gesamtreichweite von Twitter wegen der geringeren Userzahl viel kleiner ist, als bei Facebook (plus ein paar andere Gründe, aber das führt in dem eh zu langem Text zu weit).

Die überwiegende Mehrzahl von EAs sind bisher trotz aller Änderungen bei Twitter geblieben, auch weil es keine Konkurrenz zu Twitter gibt. (Leider hatte Pownce ja viel zu früh aufgegeben). Die überwiegende Mehrheit wird auch dann bei Twitter bleiben, wenn die Timeline ähnlich unsteuerbar wird, wie bei Facebook. Allerdings auch nur so lange, wie es keine Alternative gibt. Wenn die Meinungsführer, wenn die Unternehmen wegen mangelnder Reichweite usw. von Twitter verschwinden, dann zieht die Karawane hinter her.

Passenderweise gibt es aber gerade einen Kandidaten, der zumindest vielversprechend aussieht “ello“. Das Ding ist noch in der Beta-Phase, es kann noch nichts. Keine Kommentare, keine Retweets, keine DMs, keine Favs. Aber ello hat die Anmutung, dass sich da durchaus etwas entwickeln könnte. Da das Twitter-Universum viel, viel kleiner ist, als jenes von Facebook, vor allem in Deutschland, ist ein Exodus der User von Twitter nicht so unwahrscheinlich, wie es klingt. Ich rede hier nicht von Monaten, aber von den nächsten zwei bis drei Jahren.

Das Dilemma von Twitter ist einfach, dass man eine offene Plattform nur schwer wieder geschlossen bekommt. Und das Twitter im Moment scheinbar alles falsch macht, was man falsch machen kann. Darüber hatte ich im April auch schon mal eine Analyse geschrieben. Seit dem ist es noch schlimmer geworden.

Native Advertisment rettet die Welt?

Ein interessanter Artikel von Matze Hilscher zum Thema “Zukunft des Journalismus” der vor allem die Frage des “Native Advertisment” tangiert.

“Während die New York Times und Washington Post sich auch an sponsored Posts probieren, wird diese Werbeform in Deutschland mit hochgezogenen Augenbrauen beäugt. Redaktioneller Inhalt und Werbung sollen bitte strickt voneinander getrennt sein. Glaubt wirklich jemand, dass die jährlichen Uhren-Specials in Magazinen ein persönliches Anliegen des Chefredakteurs sind?”

Ich betreibe Native Advertisment drüber im Racingblog auch ab und an. Immer gekennzeichnet. Aber ich versuche auch den Artikel für die Leser interessant zu machen. Es kommt kein Artikel rein, den ich nicht selber geschrieben habe. Und suche für alle Artikel den Dreh, den interessanten Punkt für mich und meine Leser. Wenn mich die Geschichte beim Lesen langweilen würde, kommt sie nicht rein.

Die Idee, Content Marketing und Native Advertisment zu verbinden trage ich potentiellen Werbekunden schon seit mehr als einem Jahr vor, aber das Interesse daran ist schmal. Ich habe komplette Content Marketing und Sponsoring Pakte mit langen Laufzeiten geschnürt, aber ich merke oft, dass einfach nicht verstanden wird, dass Content Marketing ein Tool ist, mit dem ich eine Menge erreichen kann. Für mich als Betreiber einer durchaus gut laufenden Nischen-Webseite ist das manchmal frustrierend. Weniger des Geldes wegen (auch) sondern weil ich es nicht so recht verstehe, warum Unternehmen weiterhin auf Werbeformen setzen, die schon so langsam streng riechen.

Aber ich habe ein kleines Blog, keine renommierte Tageszeitung und ich sehe sehr klar die Problem, die durch NA entstehen können, ganz besonders bei Tageszeitungen. Ist es ethisch in Ordnung eine Liste mit “Die besten Hühnchenrezepte” von einer Firma bezahlen zu lassen, von der man weiß, dass sie die Tiere schlecht behandelt? Wohl eher nicht. Auch der politischen Einflussnahme wird eine Tür geöffnet, die die Positionierung von Themen viel leichter macht. Das Problem der Tageszeitungen in Sachen NA ist aber auch, dass die Redaktion nicht immer entscheiden kann, was da als “sponsored Post” reingenommen wird, weil die Anzeigenabteilung ganz andere Vorstellungen haben kann. Die Konflikte sind da schon vorprogrammiert. Auf der anderen Seite ist NA in sehr, sehr vielen Magazinen schon heute gang und gäbe. Der “Stern” macht auch kein Special über “Garten”, wenn die Anzeigenkunden das nicht interessiert. Und wie oft sieht man gerade in den Beauty Postillen eine großflächige Anzeige für ein Produkt auf Seite 20, dass zufälligerweise auf Seite 89 dann noch mal redaktionell vorgestellt wird. Bestimmt ein Zufall.

Ironischerweise sind Blogger da besser aufgestellt, weil sie Vermarktung und Redaktion in einer Person sind. Kommt der Hühnchen-Züchter, kann er sagen “Nö, Du nicht.” Nimmt er ihn das Posting trotzdem rein, kommen die Leser und sagen “Ne, so nicht”. Er muss genauer abwägen, was er tut, auch weil seine Leserbasis kleiner ist und schon geringe Abweichungen nach unten eine ernsthafte Gefahr für das Einkommen bedeutet. Allein aus diesem Grund wägen viele Blogger-Kollegen sehr genau ab, was sie wann reinnehmen.

Für Redaktionen bedeutet NA, dass sie sehr genaue Spielregeln aufstellen müssen, die sich an der Reputation eines Unternehmens im Netz ausrichten. Wie die Spielregeln aussehen, muss dann wieder jede Redaktion selber entscheiden. Problematisch ist dabei halt mal wieder, dass es keine Erfahrungswerte gibt.

Verändern muss sich aber auch die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Werbung zum Teil betreiben wollen. Banner sind, dass sehe ich wie der Buzzfeed-Chef, tot. Banner sind der Mailspam der frühen 2000er. Ob Native Advertising die Lücke alleine wird füllen können, ist auch fraglich, zumal eben noch nicht alle Stellschrauben gefunden wurden. Aber im günstigsten Fall kann NA alle glücklich machen. Den Journalisten/Blogger, weil er Geld bekommt, die Leser, weil sie was spannendes zu lesen bekommen haben und den Unternehmer, wenn seine Kampagne oft und viel geteilt und gelesen wird.

Bookmarks vom 31.07.14 bis 19.08.14

Doof, das Plugin für pinboard (postalicious) reagiert nicht mehr, obwohl die täglichen Updates eingestellt sind. Normalerweise sammelt es fünf Links und postet dann automatisch. Oder eben auch nicht, deswegen sind jetzt ganz schön viele Links. Man, man, man – alles muss man selber machen, selbst im Internet.

Gesammelte Links:

  • Local News Caught Red Handed Smearing 4 Year Old Child – YouTube – Klassischer Fall von Rassismus. Ein 4jähriger Afro-Amerikaner wird interviewt, das Interview dann so zusammengeschnitten, dass der Eindruck erweckt wird, er wolle Waffen besitzen. Das ist jetzt sehr auffällig, aber ich möchte nicht wissen, wie oft in Deutschland Interviews so zusammen geschnitten werden, dass es der Redaktion passt.
  • Bullshit im Sekundentakt — BILDblog – „Focus Online“ ist der Ein-Euro-Laden des deutschen Journalismus. Die ramschige Resterampe, auf der man alles findet, was selbst Klickfängern wie Bild.de zu billig war. „Focus Online“ haut alles raus. Raus, raus, raus, irgendwer wird schon draufklicken.
  • Bitte gehen Sie!: “Tilo Jung ist 27 Jahre alt, Studienabbrecher und Model.” – "Leider zieht Tilo Jung es vor, in gleichen Teilen mit Körper und Geist zu glänzen und äußert sich regelmäßig zu tagespolitischen Themen. Dem geneigten Internetpublikum (sprich seinen Twitter- und Facebook-Followern) ist er vor allem durch sein eigenes Youtube-Format Jung und Naiv bekannt. Dort rückt er Politikerinnen und Politikern (buchstäblich) auf die Pelle und spielt (?) den Ahnungslosen. Zu seinen USP zählen u.a. das lässige Rausblitzen der Zunge und eine Mimik, die erschreckend an einen relativ bekannten Buchautoren, Journalisten und ehemaligen ZDFneo-Moderatoren, der natürlich längst kein Kokainproblem mehr hat, erinnert. "

    Jau. Tilo Jung nervt mich auch schon länger. Wobei ich aber gleichzeitig sagen muss, dass seine Ideen dann gut sind. Wie zum Beispiel durch Spanien zu fahren um dort arbeitslose Jugendliche zu interviewen. Das ändert aber nichts daran, dass ich seine streberhaft-spießige Art nur selten ertragen kann.

  • I Visited Pirate Bay’s Peter Sunde in Prison, Here’s What he Had to Say | TorrentFreak – Peter is now hoping for his prison sentence to eventually be transformed into house arrest, which would allow him to see his critically ill father and spend less time in isolation. Whether that happens will largely depend on whether the Swedish state will continue to view a file-sharing activist as a serious threat to the public. In a society where the majority of young people routinely break copyright law simply by sharing culture, that view seems entirely unsustainable.

    /via wirres.net

  • Offener Brief der Selfpublisher an den Buchhandel – PhantaNews – Nicht erst in den letz­ten Mo­na­ten wer­den Self­publis­her und ihre Bü­cher im ge­sam­ten Buch­han­del (off­line wie on­line) boy­kot­tiert, ihre Bü­cher nicht auf La­ger ge­legt und auf Le­ser­an­frage noch nicht ein­mal be­stellt, selbst wenn es gän­gige Werke oder gar Best­sel­ler sind. Die Bü­cher wer­den GAR NICHT AN­GE­BO­TEN, man hat als Self­publis­her keine Mög­lich­keit seine Bü­cher in die Lä­den oder On­line­shops zu be­kom­men, wenn man sich nicht den ur­al­ten, an­ge­sichts des In­ter­nets längst ob­so­let ge­wor­de­nen, Tra­di­tio­nen der Bran­che un­ter­wirft und ein Hei­den­geld da­für ab­drückt, in ir­gend­wel­che ok­kul­ten Ka­ta­loge auf­ge­nom­men zu werden.
  • 16 Before-And-After Photos Of Rescued Dogs | Bored Panda – Immer wieder erstaunlich. Diese "Before/After" Fotos machen erst seit einigen Monaten die Runde. Offenbar haben ein oder zwei Tierrettungsvereine damit angefangen. Die Fotos sind dann über reddit, imgur, 9gag usw. viral gegangen. Geplant war sicherlich, dass man damit in den jeweiligen Ländern Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit erreichen wollte, an die ganze Welt hatte man sicher nicht gedacht. Wenn man gleichzeitig sieht, wie die Webseiten von Tiervereinen in Deutschland aussehen… nun ja.
  • I Know Where Your Cat Lives [cat 0a27feab7e] – Na ja, na ja. na ja. Meine sind nicht dabei. Dafür dieses Kunstwerk, was wohl um die Ecke ist. Aber lustiges Projekt. Und: Katzen!!!
  • Pepperoni Pizza Spaghetti Casserole – It’s like a deep-dish spaghetti pie with pepperoni in every bite, is perfectly cheesy, and has a thick pizza-like crust of spaghetti noodles.  

    Jetzt habe ich Hunger.

  • 30 Years of Music Industry Change, In 30 Seconds or Less… | Digital Music NewsDigital Music News – Verkaufsanteile verschiedener Tonträger durch die Jahre in einem gif
  • new york city – wirres.net – baut ein eigentümer auf seinem grundstück aber nur 5 etagen mit jeweils 100 qm nutzfläche, obwohl er 10 etagen hoch bauen dürfte, hätte er luftrechte für 500 quadratmeter übrig. der witz in new york ist jetzt aber, dass der eigentümer diese luftrechte verkaufen kann, allerdings nur an eigentümer die an sein grundstück angrenzen.
  • Now You Can Truly Appreciate the Size of Comet Churymov-Gerasimenko – Much stone. Very wow.
  • Philipp Winterberg: So funktioniert die Librisperre – Vor einigen Tagen wurde bestätigt, dass der deutsche Großhändler Libri zigtausende Bücher pauschal sperrt. Diese Form der Vorzensur, bei der ganze Verlagsprogramme komplett gesperrt werden, weil eventuell rechtliche Schwierigkeiten bei einzelnen Neuerscheinungen zu erwarten sind, ist nicht angemessen und darf so nicht fortgesetzt werden.
  • The Islamic State (Full Length) – YouTube – Sehenswerte VICE Doku über IS im Irak. Es ist schon immer wieder erstaunlich, was VICE so hinbekommt. Vermutlich ne Mischung aus Irrsinn und Mediengeilheit. Aber die gefeierten "Alten" wie Peter Scholl-Latour haben das auch nicht anders gemacht.
  • Scientist: Cats think you are just a big, stupid cat – CNET – Anthrozoologist John Bradshaw insists that cats really aren't terribly domesticated and think that humans are the same species as them, but oddly "non-hostile."
  • Wer schreibt, der bleibt – Prenzlauer Berg Nachrichten – "Die Parkraumbewirtschaftung ist vordergründig nicht als Einnahmequelle gedacht, sondern dafür da, den fließenden und ruhenden Verkehr in der Stadt vorm Kollaps zu bewahren. Wehrle weiß das und kann darüber nur schmunzeln. Die Bezirksverordneten wollen Geld sehen, meint er, den Druck gebe das Bezirksamt weiter an die Parkraumbewirtschaftung. Und deswegen würde dort auch erfasst, wie viele Zettel die Kollegen jeden Tag verteilen. "

    Die lächerliche Entscheidung der Berliner Bezirke, überall "Parkraumbewirtschaftung" einzuführen, führt auch dazu, dass immer mehr Menschen auf das Auto verzichten. Das ist ja eher eine gute Entscheidung, denn Autos in der Stadt lohnen eh kaum noch. Auf der anderen Seite – damit gehen dem Stadt dann wieder Einnahmen flöten, man erreicht das Gegenteil von dem, was man wollte. Aber vermutlich setzt man die Denun… die Kontrolleure dann dafür ein auszumessen, ob die Stühle der Außengastronomie nicht drei Millimeter über die vereinbarte Grenzen stehen.

  • Ein Jahr Leistungsschutzrecht: Außer Spesen bislang nichts gewesen – WSJ.de – „Unverändert erachten wir das Leistungsschutzrecht als Verbotsrecht für wertvoll", heißt es dazu vom Spiegel-Verlag. Nach einer genauen Analyse, wie eine „kaufmännische Verwertung sinnvoll stattfinden kann", habe sich der Verlag aber gegen eine Mitgliedschaft in der VG Media entschieden, sagt Sprecherin Anja von Hinst. Ein Sprecher des Zeitverlags, Herausgeber der Wochenzeitschrift Die Zeit, sagt, man stehe dem „Ansatz der VG Media nach wie vor positiv gegenüber", habe sich aber zunächst gegen eine Mitgliedschaft entschieden.
  • Werbung im Internet – Netzpiloten.de – Die klugen Köpfe der Online-Werbung halten uns anscheinend für geistig umnachtete Netzsurfer, die froh sein müssen, überhaupt Angebote im Internet nutzen zu können. Lustig wird es, wenn solche Nervensägen dann auch noch Siegeshymnen über ihre gelungenen Feindattacken anstimmen. D
  • Demokratieverachtung des spießigen linken Mainstreams – "Sie protestieren gegen Chlorhühnchen, aber nicht gegen Putin. Während sie ihre eigene Verbürgerlichung leugnen, halten sie sich für eine kritische Minderheit. Dieser spießige linke Mainstream in unserem Land verachtet die Demokratie."

    Ein teilweise sehr polemischer, teilweise aber auch lesenswerter Beitrag von Richard Mohr über die merkwürdige Strömung in der Gesellschaft, Dinge zu hassen, sie aber nicht a) nicht zu ändern und b) daraus abzuleiten, dass es irgendwo anders besser ist. Es vermutlich die Suche an einem Ideal-Zustand und der Frustration darüber, dass dieser Ideal-Zustand nicht zu erreichen ist. Teilweise erstreckt sich der Wunsch in utopische Gefilde in denen man sehnsuchtsvoll hofft, dass nicht erreichbares erreichbar wird. Zum Beispiel im Wunsch, keinerlei kriegerische Auseinandersetzung mehr führen zu müssen. Wird es vermutlich nicht geben, genauso wenig, wie man die Unterschiede zwischen den Menschen aufheben kann.

  • Warum niemand niemals nie nach Brandenburg fahren sollte – JUST TRAVELOUS – Brandenburg ist das Stück Pizza, das niemand mehr haben will, weil wirklich nichts mehr reinpasst. Der mittlere Sitz im Flugzeug. Die orangen (ersetze orange mit der Farbe deiner Wahl) Gummibärchen. Die krümeligen Salzstangenreste am Ende des Abends. Die Montage nach einem schönen Wochenende. Die einzelne bunte Socke.

Kommunikationskonflikte

Ich will gar nicht erst auf die Streitigkeiten der letzten Wochen in verschiedenen Social Media Bereichen eingehen. Die gegenseitigen Vorwürfe, egal ob von “Femtrollen” oder “Masku-Arschlöchern” gesprochen wird, oder “Spaßlose Körnerfresser” und “Tiermörder” sich an den Hals gehen oder ob sich Menschen beschimpfen, die bei einem internationalen Konflikt Partei für die eine oder andere Seite einnehmen – bei all diesen Vorfällen kam mir immer der Gedanke auf: Geht es nicht auch eine Empörungsstufe niedriger?

Es scheint so, als gäbe es, zumindest in Online-Medien, nur noch zwei Zustände. Latent angespannt oder Empörungslevel auf Anschlag. Dazwischen gibt es nichts mehr. Es mag mit dem Medium zu tun haben, dass man einem, so vor dem Bildschirm, jegliche Form von Empathie abhanden kommen lässt.

Wer länger in diesem Medium unterwegs ist, und selber schon mal den ein oder anderen Shitstorm am eigenen Leib erfahren hat, kennt es vermutlich. Die Wucht, mit der plötzlich der Hass auf einen einschlägt, ist enorm. Und sehr verstörend. Es scheint manchmal so, als habe die Person, die einem da eine Mail, Kommentar oder Tweet schreibt, nur darauf gewartet, dass man genau diese Formulierung, diesen Satz, diesen Wortfetzen benutzt, um einem dann endlich mal zu sagen, was eigentlich von ihm/ihr, dem Lebensstil, der Einstellung den Gedanken hält. Schmerzhaft ist es auch, weil man nicht damit rechnet.

Natürlich ist Wut etwas, dass man nicht verhindern kann. Ärger staut sich an, ebenso Frust über ganz andere Dinge. Es bildet sich eine Kette aus Frustrationen verschiedenen Ursprungs und irgendwann passiert eben diese Kleinigkeit, die das Fass zum überlaufen bringt und man explodiert. Dann lässt man es halt an jemanden aus, der nichts dafür kann. Ist uns allen schon mal passiert.

Aber im richtigen Leben sieht man das Gesicht des/derjenigen, den man da unfair angeht. Man sieht den Moment des Erschreckens, der Verwirrung und der Verletzung. Und wenn es einem auch im in dem Moment völlig egal ist, es brennt sich doch das Gefühl ein, dass man einen Fehler begangen hat. Manche Menschen können sich dann entschuldigen, manche nicht. Aber auch jene, die sich nicht entschuldigen wissen, dass sie über das Ziel hinaus geschossen sind, dass bei einem anderen Menschen zu weit gegangen sind.

Online scheint diese menschliche Eigenschaft völlig zu fehlen. Selten liest man nach einer lautstarken Auseinandersetzung, dass der eine oder andere zu weit gegangen sei, dass es ihm leid tut. Was auch daran liegt, dass viele anonym unterwegs sind, weil sie einfach verletzen wollen. Eine Art Sadismus, bei dem man seine eigenen erlittenen Verletzungen vermeintlich abbauen kann.

Es ist nur allzu bekannt, dass sich das Online-Medium für gepflegte Auseinandersetzungen nur so mittel eignet. Was der eine nett ironisch meint, kommt beim anderen als schlimmste aller Beleidigungen an. Der innere Flammenwerfer wird aktiviert – und damit ist jegliche Diskussion beendet. Es ist dabei egal, ob man schreibt “Vielleicht hat Israel ja auch ein bisschen Mitschuld an dem Schlamassel” oder “Nicht jeder Mann, der mal einen Witz über Frauen macht, ist ein unkontrollierbarer Triebtäter” oder “Print ist Online halt doch überlegen”. Die Reaktion ist, wenn man das richtige Wespennest erwischt hat: Empörung und sofortige Absage an jedwede Kommunikation.

Es gibt selbstverständlich Momente, bei denen die Einstellung der Kommunikation richtig ist. Ich diskutiere nicht darüber, ob Ausschwitz existiert hat, um mal ein Beispiel zu nennen. Mir scheint aber, dass die Kriterien für die Einstellung immer kleiner werden. Ein müder Witz und zack – gesperrt. Warum soll man sich auch Internet mit Dingen auseinandersetzen, die einen a) nicht interessieren oder b) aufregen?

Das Problem dabei ist nur, dass man dabei Gefahr läuft sich nur noch in Filterblasen zu bewegen, die der eigenen Meinung entsprechen. In der es keine Widerworte mehr gibt, höchstens das gemeinsame Aufregen über eine Person, die irgendwas gesagt/behauptet hat und die man nun sperren/blocken löschen kann. Um sich danach darüber aufzuregen und zu fordern, dass “solche” Leute ja eigentlich wegen “so einer Meinung” ins Gefängnis gehören. Oder nach Sansibar. Und die Online-Medien helfen dabei die Filterblase aufrecht zu erhalten. Wenn ich Facebook einen Post einer Person mit einer mir passenden Meinung/Aussage like, bekomme mehr von dieser Person angezeigt. Die Chance, dass jemand, den ich oft like, etwas schreibt, mit dem ich nicht einverstanden bin, sinkt dementsprechend. Taucht dann in meiner Timeline etwas auf, was meinen Überzeugungen, Meinungen oder Gedanken nicht entspricht, rege ich mich a) darüber auf und b) empfinde ich die Meinung als abseitig und gehe mit gewaltvoller verbaler Empörung dagegen vor. Dann gibt es auch keine Zwischentöne mehr, sondern nur die komplette Breitseite, bestehend aus Attacken, Sperrung und Beschimpfung.

Dabei kann man tatsächlich etwas lernen, wenn man auch mal Sachen und Meinungen liest, die nicht dem eigenen Überzeugungen entsprechen. Was im übrigen ein großer Vorteil von Zeitungen ist, zumindest von jenen, die das Wort “Meinungsvielfalt” auch noch genau so verstehen. Der leider verstorbene Frank Schirrmacher war so einer, der die Diversität von Meinungen, und zwar einer eigenen, durchdachten Meinung, immer wieder unter Beweis gestellt hat. Mal monierte er die Gefahren der Schwarmintelligenz, mal postulierte er, dass das Netz das einzige ist, was die Postdemokratie in ihre Schranken weist. Die Empörungswellen schwappten dann eben mal auf der einen, mal auf der anderen Seite hoch.

Es ist unbequem, wenn man etwas liest, was einem gegen den Strich geht. Ich habe nicht wenige Zeit damit verbracht wutschnaubend einen Artikel zu lesen um danach zum Schreibtisch zu stapfen um eine Replik in mein Blog zu schreiben. Was mir dabei aber immer wieder auffiel: Im Prozess des Schreibens setzte eben auch die Reflektion ein. Manchmal verstand ich plötzlich besser viel besser, aus welcher Position ein Text geschrieben wurde, manchmal erkannte ich die zwischen den Zeilen verborgenen Intentionen. Und selbst wenn ich damit immer noch einverstanden war, so setze dann zumindest der Prozess des Verstehens ein. Nicht des Akzeptieren, aber des Verstehen dessen, was der oder die Autor/in aus ihrer Überzeugung da schreibt. Und damit entstand dann auch oft (nicht immer) ein gewisse Sanftheit, weil ich zumindest oft (nicht immer) die Welt, die hinter dem Text stand, ein wenig besser verstanden habe. Was dann folgte, was nicht mehr die Empörung, der ich in Versalien Ausdruck geben wollte, sondern die fragende, manchmal auch mahnende Auseinandersetzung mit einer anderen Meinung, einem anderen Gedanken. Und sehr gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, so einen Text dann mal einen Tag liegen zu lassen, statt ihn wutschnaubend online zu stellen. Aber das nur nebenbei.

Kommunikation dieser Tage scheint aber oft nur noch auf den Konfliktfall herauszulaufen. Eben noch ein Katzenfoto gepostet, dann einen dümmlichen Tweet gelesen – zack – Empörungslevel auf Anschlag. “Sie lesen von meinem Anwalt, aber vorher aktiviere ich noch meine Filterblase, die jetzt wie ein Berserker über sie herfällt. Danke für nichts. Arschloch.” Vielleicht liegt es daran, dass man nicht mehr zwischen den Zeilen lesen kann, sondern nur noch die Buchstaben betrachtet. Und man dem Schreiber sofort die schlimmsten aller denkbaren Absichten unterstellt, die dann nur noch eine Reaktion Marke “Stalinorgel” als einzig mögliche Konsequenz erscheinen lässt.

Mich stört diese zunehmende Aggressivität immer mehr. Ironischerweise merke ich selber, dass mein Empörungslevel in Richtung Bluthochdruck anschwillt, wenn ich merke, dass bei anderen wegen irgendwelcher Nichtigkeiten das Empörungslevel auf “Atomkrieg” ausschlägt. Und deswegen habe ich beschlossen, mich aus derartigen Diskussionen komplett heraus zu halten. Vor allem auf Twitter. Die Erfahrung sagt mir, dass es keinen Sinn macht als eine Art Diplomat aufzutreten, ein Supertopcheckerbunny, das sagt “Das kann man so oder so sehen, beides ist richtig, aber auch falsch.”

Ich würde mir nur wünschen, dass man merkt, dass man gerade auf Twitter immer nur winzige Ausschnitte aus einem Leben, aus der Gedankenwelt und dem Gefühlen eines Menschen sehen kann. Und das man sich auch einfach mal fragt, ob das, was da steht, auch so gemeint war. Ob der eigene Ironie-Detektor vielleicht falsch kalibriert ist. Oder man einen schlechten Tag hat. Oder vielleicht der andere. Und ebenso sollte man überlegen, ob die Formulierung oder Witz vielleicht auch mal schief angekommen kann. Und das man sich keinen Zacken aus der Krone bricht, wenn man sagt “Sorry”. Oder tief durchatmet und ein Katzenfoto postet.

Bookmarks vom 25.07.14 bis 29.07.14

Gesammelte Links:

  • “Wie Google mich von meiner SD-Karte aussperrte” | heise online – Denn danach war es vorbei mit der Freiheit. Android 4.4 entzieht Apps und dem User das Recht, auf seine eigene SD-Karte zu schreiben. Warum Google das macht? „Die Schreibrechte zu beschneiden, ermöglicht es dem System Dateien aufräumen zu können, wenn Apps deinstalliert werden“, heißt es schnöde in der Android-Dokumentation von Google. Willkommen in Absurdistan. Der wahre Grund dürfte wahrscheinlich gewesen sein, dass die Hersteller – inklusive Google – gerne mehr teuren internen Speicher und Cloudspace verkaufen möchten.
  • Facebook’s privacy pivot: Mark Zuckerberg’s plan to win back trust. – One of the things that we focus on the most is creating private spaces for people to share things and have interactions that they couldn’t have had elsewhere. So if you go back to the very beginning of Facebook—rewind 10 years—there were blogs and things where you could be completely public, and there were emails so you could circulate something completely private. But there were no spaces where you could share with just your friends.
  • Urheberrecht: Spanien besteuert Hyperlinks – Golem.de – "Die spanische Regierung hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das selbst kleinste Textzitate unter Urheberrecht stellt. Von der Neufassung des Gesetzes zum geistigen Eigentum sind sogar Hyperlinks betroffen. Wer gegen das Urheberrecht verstößt, dem drohen künftig bis zu 300.000 Euro Geldstrafe oder sechs Jahre Gefängnis."

    Ich habe nichts dagegen, wenn sich ein Land ins digitale Steinzeitalter begibt. Es ist deren Entscheidung. Wenn sich Politiker an der Nase herumführen lassen, wenn sie nicht sehen, dass die digitale Wirtschaft ebenso wichtig ist, wie die analoge, wenn sie nicht sehen, dass die Dinge sich ändern, dann haben sie halt Pech gehabt. Was mich stört ist allerdings die Tatsache, dass die Medien ihre veraltete Sicht der Dinge darstellen können ohne der Pflicht der Objektivität nach zu kommen. Und die Bevölkerung auch noch darauf reinfällt. Pressefreiheit nennen die Verlage das.

  • Irrwitziges Handbuch der US-Geheimdienste – Die Zahlen sind explodiert – Politik – Süddeutsche.de – Unter der Flagge der Terrorismusabwehr wuchert ein geheimes zweites Justizsystem, das ohne rechtsstaatliche Kontrolle arbeitet und sich für seine wilden Zukunftsprognosen auf all das stützt, was seit der Aufklärung aus der Rechtsprechung verbannt ist: Spekulation, Hörensagen, Verdacht.
  • Treffen mit Motörhead-Sänger Lemmy: Eine Legende trinkt Limo – Kultur – Tagesspiegel – Ehrlich gesagt, nein. Lemmy verhält sich zu Fitness wie ein Papst zu einem Kondomautomaten. Seine Hände zittern leicht, ein Pflaster, wohl von einer Spritze oder einer Infusion, klebt auf dem tätowierten Unterarm. Statt seines Lieblingsgetränks Jack & Coke trinkt er Diätlimo. Wie geht’s, Lemmy? „Es geht mir besser. Aber ich bin noch dabei, mich zu erholen. Drei Mal musste ich letztes Jahr ins Krankenhaus. Es dauert eben alles ein Weilchen.“

Foursquare – Selbstmord oder geniales Konzept?

Ich bin zwar relativ spät auf den Foursquare-Zug aufgesprungen (ca. 2 Jahre her) und täglich nutze ich es auch nicht, es sei denn, ich bin außerhalb von Berlin unterwegs. Aber Spaß hat mir der Dienst dennoch gemacht. Vor allem, seit dem auch die Datenbanken mit Restaurants, Bars usw. in Deutschland gut gefüllt war. Ich habe Foursquare vor allem wie folgt genutzt:

– Einchecken
– Tipps für Bars, Restaurants suchen
– Listen anlegen oder abonnieren
– Fotos von neuen Location hochladen
– Mayor in meiner Lieblingsbar sein (Hat mir einen Wodka eingebracht, danke Natalia)
- Leute stalken

Die Kombination aus Gamification (Mayor, Badges) und interessanten Hinweisen in einer App war für mich perfekt. Tatsächlich hat sie sich, nach anfänglichen Zögern, in die Top 5 meiner Lieblingsapps hochgearbeitet. Nun stellt Foursquare sein Geschäftsmodell um. Das alte basierte zum Teil auf dem Verkauf von Badges (die waren teuer), teilweise auf Werbung, Userdaten usw. Das neue Geschäftsmodell basiert einerseits auf Userdaten andererseits will man Yelp Konkurrenz machen. Um das zu erreichen, hat man die App aufgespalten. Für Restaurantkritiken, Fotos und Listen gibt es weiter Foursquare, für Checkins mit sozialer Interaktion gibt es Swarm.

Man kann jetzt zwar auf Swarm einchecken, aber keine Fotos hinterlassen oder Tipps geben. Auf Foursquare kann man dafür nicht mehr einchecken und der Gamification-Krempel ist weg. Laut dem Unternehmen hat man sich die Nutzerdaten angeschaut und festgestellt, dass die User sowieso entweder nur das eine, oder das andere machen. Entweder nutzen sie die App für Tipps oder sie checkten ein. Die Trennung mache also Sinn, weil man sich schärfer positionieren kann, vor allem mit Foursquare. Man erwartet, dass User-Located-Search (Hyperlocal) in den nächsten zwei Jahren einen Sprung machen wird. Den Hintergrund dafür liefert die Technologie namens iBeacon, im Grunde eine Bluetooth Sache. Ist iBeacon auf meinem Smartphone installiert, sendet es ein “Hallo hier bin ich” Signal. iBeacons in Geschäften senden dafür ein “Huhu, ich bin iBeacon 342004rkklf44″ und speichert dabei Erkennungsmerkmale des Handys. Komme ich beim nächsten Mal am Geschäft vorbei, sagt es “Huhu, ich bin iBeacon 342004rkklf44 und wenn Du jetzt einen Kaffee kaufst, bekommst Du 20% Rabatt”. Grob erklärt, genauer habe ich das mal hier aufgeschrieben.

Es geht darum personalisierte Angebote zu erstellen und die Theorie ist, dass jedes Geschäft daran ein Interesse hat. Dazu kommt, dass Einzelhändler dann so langsam auch begreifen, dass hyperlocal Werbung durchaus etwas bringen kann. Foursquare, die immerhin über laut eigenen Angaben knapp 50 Millionen User weltweit haben, will über diesen Markt Yelp angreifen. Vielleicht nicht, was die Userzahlen angeht, aber was den Umsatz betrifft.

So weit so verständlich, zu mal das bisherige Geschäftsmodell des Unternehmens, sagen wir mal, nebulös war. Unverständlich ist allerdings, warum einen Großteil der User nun mit der Aufsplittung der App verschreckt. Noch unverständlicher ist es, warum die Dienste überhaupt aufteilt. Warum zwei Apps, wenn man beides bequem in einer App erledigen kann? Die Aufteilung von Apps scheint im Moment ein Trend zu sein. Google macht es. Facebook hat gerade den Messenger von der Hauptapp getrennt. Bei Facebook kann man die Aufteilung in einem gewissen Rahmen nachvollziehen. Die Userdaten werden ergeben haben, dass viele User (den ja mittlerweile teilweise eh nutzlosen) Nachrichtensstream sowieso nicht nutzen und stattdessen chatten. Vielleicht überlegt man bei Facebook auch auf lange Sicht den Messenger mit WhatsApp zusammenzulegen. Google bietet wiederum so viele Dienste an, dass es wenig Sinn macht, diese alle in eine App zu quetschen.

Doch die Aufteilung in viele Apps hat einen großen Nachteil. Die Displaygröße der Smartphones mag zwar gewachsen sein, womit dann auch mehr Apps auf eine Seite passen, doch der Durchschnittsuser hat gerade mal 23 Apps installiert, von denen er elf wirklich sehr häufig nutzt. Es ist also recht eng auf dem Smartphone und wie jeder weiß, ist die Liste der Apps, die man nie bis selten nutzt, relativ lang. Schaue ich meine eigene App-Nutzung an, stelle ich fest, dass ich lieber Apps mit einem großen Funktionsumfang nutze, als welche, die mir nur einen Dienst erfüllen.

Foursquare war, zumindest für mich, auf dem Weg eine dieser “Eierlegendenwollmichsäue” zu werden. Tipps, Vorschläge, soziale Interaktion, Fotos, Checkins, Gamification – alles da. Quasi ein “Facebook fürs Ausgehen”. Aber jetzt nicht mehr. Ich nutze Swarm zwar, aber bei weitem nicht mehr mit dem gleichen Spaß, den ich an Foursquare hatte. Im Grunde hat man für mich das Herz aus Foursquare gerissen und es zu einer langweiligen App gemacht, die mir nichts mehr bringt.

Das Unternehmen geht ein hohes Risiko ein in dem man einerseits die bisherigen User verschreckt, andererseits auf eine Technologie setzt, von der man nicht mal ansatzweise weiß, ob sie sich durchsetzen wird. iBeacon ist eine Datenkrake und das wird vor allem im eher sensiblen Europa schnell ein Thema werden. Will ich, dass mir irgendein Geschäft wegen 5% Rabatt auf irgendwas eine Push-Notification schickt und gleichzeitig meine Daten sammelt, die dann sonst wo verteilt werden? Und: ist der Markt für Hyperlocal wirklich in so einem Umfang vorhanden, dass sich die Investition lohnt? Bisher fehlt es da noch an allem. An der technischen Umsetzung, Agenturen, die das Modell vertreiben und an Usern, die das überhaupt haben wollen.

Meine Befürchtung ist, dass sich Foursquare mit der Aufspaltung sein eigenes Grab gräbt. Statt die Checkins usw. vielleicht auf die zweite Ebene zu verschieben, hat man sie ganz rausgeschmissen. Sie waren aber für viele genau der Grund, warum sie Foursquare genutzt haben. Jetzt ist die App nichts anderes als Yelp. Yelp wiederum ist langweilig, müht sich aber gerade lokal besser verankert zu sein. Man hat in allen großen deutschen Städten “Botschafter” eingestellt, die wiederum eine Mischung aus CRM, BizDev und Marketing machen. Während Yelp also an einer engen Verzahnung mit den Einzelhändern, Tourismusverbänden usw. arbeitet, hofft Foursquare darauf, dass die Community das erledigen wird. Die man gerade mit der Trennung der Apps vor den Kopf gestossen hat. Ich habe schon deutlich bessere Ideen gesehen.