Kommunikationskonflikte

Ich will gar nicht erst auf die Streitigkeiten der letzten Wochen in verschiedenen Social Media Bereichen eingehen. Die gegenseitigen Vorwürfe, egal ob von “Femtrollen” oder “Masku-Arschlöchern” gesprochen wird, oder “Spaßlose Körnerfresser” und “Tiermörder” sich an den Hals gehen oder ob sich Menschen beschimpfen, die bei einem internationalen Konflikt Partei für die eine oder andere Seite einnehmen – bei all diesen Vorfällen kam mir immer der Gedanke auf: Geht es nicht auch eine Empörungsstufe niedriger?

Es scheint so, als gäbe es, zumindest in Online-Medien, nur noch zwei Zustände. Latent angespannt oder Empörungslevel auf Anschlag. Dazwischen gibt es nichts mehr. Es mag mit dem Medium zu tun haben, dass man einem, so vor dem Bildschirm, jegliche Form von Empathie abhanden kommen lässt.

Wer länger in diesem Medium unterwegs ist, und selber schon mal den ein oder anderen Shitstorm am eigenen Leib erfahren hat, kennt es vermutlich. Die Wucht, mit der plötzlich der Hass auf einen einschlägt, ist enorm. Und sehr verstörend. Es scheint manchmal so, als habe die Person, die einem da eine Mail, Kommentar oder Tweet schreibt, nur darauf gewartet, dass man genau diese Formulierung, diesen Satz, diesen Wortfetzen benutzt, um einem dann endlich mal zu sagen, was eigentlich von ihm/ihr, dem Lebensstil, der Einstellung den Gedanken hält. Schmerzhaft ist es auch, weil man nicht damit rechnet.

Natürlich ist Wut etwas, dass man nicht verhindern kann. Ärger staut sich an, ebenso Frust über ganz andere Dinge. Es bildet sich eine Kette aus Frustrationen verschiedenen Ursprungs und irgendwann passiert eben diese Kleinigkeit, die das Fass zum überlaufen bringt und man explodiert. Dann lässt man es halt an jemanden aus, der nichts dafür kann. Ist uns allen schon mal passiert.

Aber im richtigen Leben sieht man das Gesicht des/derjenigen, den man da unfair angeht. Man sieht den Moment des Erschreckens, der Verwirrung und der Verletzung. Und wenn es einem auch im in dem Moment völlig egal ist, es brennt sich doch das Gefühl ein, dass man einen Fehler begangen hat. Manche Menschen können sich dann entschuldigen, manche nicht. Aber auch jene, die sich nicht entschuldigen wissen, dass sie über das Ziel hinaus geschossen sind, dass bei einem anderen Menschen zu weit gegangen sind.

Online scheint diese menschliche Eigenschaft völlig zu fehlen. Selten liest man nach einer lautstarken Auseinandersetzung, dass der eine oder andere zu weit gegangen sei, dass es ihm leid tut. Was auch daran liegt, dass viele anonym unterwegs sind, weil sie einfach verletzen wollen. Eine Art Sadismus, bei dem man seine eigenen erlittenen Verletzungen vermeintlich abbauen kann.

Es ist nur allzu bekannt, dass sich das Online-Medium für gepflegte Auseinandersetzungen nur so mittel eignet. Was der eine nett ironisch meint, kommt beim anderen als schlimmste aller Beleidigungen an. Der innere Flammenwerfer wird aktiviert – und damit ist jegliche Diskussion beendet. Es ist dabei egal, ob man schreibt “Vielleicht hat Israel ja auch ein bisschen Mitschuld an dem Schlamassel” oder “Nicht jeder Mann, der mal einen Witz über Frauen macht, ist ein unkontrollierbarer Triebtäter” oder “Print ist Online halt doch überlegen”. Die Reaktion ist, wenn man das richtige Wespennest erwischt hat: Empörung und sofortige Absage an jedwede Kommunikation.

Es gibt selbstverständlich Momente, bei denen die Einstellung der Kommunikation richtig ist. Ich diskutiere nicht darüber, ob Ausschwitz existiert hat, um mal ein Beispiel zu nennen. Mir scheint aber, dass die Kriterien für die Einstellung immer kleiner werden. Ein müder Witz und zack – gesperrt. Warum soll man sich auch Internet mit Dingen auseinandersetzen, die einen a) nicht interessieren oder b) aufregen?

Das Problem dabei ist nur, dass man dabei Gefahr läuft sich nur noch in Filterblasen zu bewegen, die der eigenen Meinung entsprechen. In der es keine Widerworte mehr gibt, höchstens das gemeinsame Aufregen über eine Person, die irgendwas gesagt/behauptet hat und die man nun sperren/blocken löschen kann. Um sich danach darüber aufzuregen und zu fordern, dass “solche” Leute ja eigentlich wegen “so einer Meinung” ins Gefängnis gehören. Oder nach Sansibar. Und die Online-Medien helfen dabei die Filterblase aufrecht zu erhalten. Wenn ich Facebook einen Post einer Person mit einer mir passenden Meinung/Aussage like, bekomme mehr von dieser Person angezeigt. Die Chance, dass jemand, den ich oft like, etwas schreibt, mit dem ich nicht einverstanden bin, sinkt dementsprechend. Taucht dann in meiner Timeline etwas auf, was meinen Überzeugungen, Meinungen oder Gedanken nicht entspricht, rege ich mich a) darüber auf und b) empfinde ich die Meinung als abseitig und gehe mit gewaltvoller verbaler Empörung dagegen vor. Dann gibt es auch keine Zwischentöne mehr, sondern nur die komplette Breitseite, bestehend aus Attacken, Sperrung und Beschimpfung.

Dabei kann man tatsächlich etwas lernen, wenn man auch mal Sachen und Meinungen liest, die nicht dem eigenen Überzeugungen entsprechen. Was im übrigen ein großer Vorteil von Zeitungen ist, zumindest von jenen, die das Wort “Meinungsvielfalt” auch noch genau so verstehen. Der leider verstorbene Frank Schirrmacher war so einer, der die Diversität von Meinungen, und zwar einer eigenen, durchdachten Meinung, immer wieder unter Beweis gestellt hat. Mal monierte er die Gefahren der Schwarmintelligenz, mal postulierte er, dass das Netz das einzige ist, was die Postdemokratie in ihre Schranken weist. Die Empörungswellen schwappten dann eben mal auf der einen, mal auf der anderen Seite hoch.

Es ist unbequem, wenn man etwas liest, was einem gegen den Strich geht. Ich habe nicht wenige Zeit damit verbracht wutschnaubend einen Artikel zu lesen um danach zum Schreibtisch zu stapfen um eine Replik in mein Blog zu schreiben. Was mir dabei aber immer wieder auffiel: Im Prozess des Schreibens setzte eben auch die Reflektion ein. Manchmal verstand ich plötzlich besser viel besser, aus welcher Position ein Text geschrieben wurde, manchmal erkannte ich die zwischen den Zeilen verborgenen Intentionen. Und selbst wenn ich damit immer noch einverstanden war, so setze dann zumindest der Prozess des Verstehens ein. Nicht des Akzeptieren, aber des Verstehen dessen, was der oder die Autor/in aus ihrer Überzeugung da schreibt. Und damit entstand dann auch oft (nicht immer) ein gewisse Sanftheit, weil ich zumindest oft (nicht immer) die Welt, die hinter dem Text stand, ein wenig besser verstanden habe. Was dann folgte, was nicht mehr die Empörung, der ich in Versalien Ausdruck geben wollte, sondern die fragende, manchmal auch mahnende Auseinandersetzung mit einer anderen Meinung, einem anderen Gedanken. Und sehr gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, so einen Text dann mal einen Tag liegen zu lassen, statt ihn wutschnaubend online zu stellen. Aber das nur nebenbei.

Kommunikation dieser Tage scheint aber oft nur noch auf den Konfliktfall herauszulaufen. Eben noch ein Katzenfoto gepostet, dann einen dümmlichen Tweet gelesen – zack – Empörungslevel auf Anschlag. “Sie lesen von meinem Anwalt, aber vorher aktiviere ich noch meine Filterblase, die jetzt wie ein Berserker über sie herfällt. Danke für nichts. Arschloch.” Vielleicht liegt es daran, dass man nicht mehr zwischen den Zeilen lesen kann, sondern nur noch die Buchstaben betrachtet. Und man dem Schreiber sofort die schlimmsten aller denkbaren Absichten unterstellt, die dann nur noch eine Reaktion Marke “Stalinorgel” als einzig mögliche Konsequenz erscheinen lässt.

Mich stört diese zunehmende Aggressivität immer mehr. Ironischerweise merke ich selber, dass mein Empörungslevel in Richtung Bluthochdruck anschwillt, wenn ich merke, dass bei anderen wegen irgendwelcher Nichtigkeiten das Empörungslevel auf “Atomkrieg” ausschlägt. Und deswegen habe ich beschlossen, mich aus derartigen Diskussionen komplett heraus zu halten. Vor allem auf Twitter. Die Erfahrung sagt mir, dass es keinen Sinn macht als eine Art Diplomat aufzutreten, ein Supertopcheckerbunny, das sagt “Das kann man so oder so sehen, beides ist richtig, aber auch falsch.”

Ich würde mir nur wünschen, dass man merkt, dass man gerade auf Twitter immer nur winzige Ausschnitte aus einem Leben, aus der Gedankenwelt und dem Gefühlen eines Menschen sehen kann. Und das man sich auch einfach mal fragt, ob das, was da steht, auch so gemeint war. Ob der eigene Ironie-Detektor vielleicht falsch kalibriert ist. Oder man einen schlechten Tag hat. Oder vielleicht der andere. Und ebenso sollte man überlegen, ob die Formulierung oder Witz vielleicht auch mal schief angekommen kann. Und das man sich keinen Zacken aus der Krone bricht, wenn man sagt “Sorry”. Oder tief durchatmet und ein Katzenfoto postet.

Bookmarks vom 25.07.14 bis 29.07.14

Gesammelte Links:

  • “Wie Google mich von meiner SD-Karte aussperrte” | heise online – Denn danach war es vorbei mit der Freiheit. Android 4.4 entzieht Apps und dem User das Recht, auf seine eigene SD-Karte zu schreiben. Warum Google das macht? „Die Schreibrechte zu beschneiden, ermöglicht es dem System Dateien aufräumen zu können, wenn Apps deinstalliert werden“, heißt es schnöde in der Android-Dokumentation von Google. Willkommen in Absurdistan. Der wahre Grund dürfte wahrscheinlich gewesen sein, dass die Hersteller – inklusive Google – gerne mehr teuren internen Speicher und Cloudspace verkaufen möchten.
  • Facebook’s privacy pivot: Mark Zuckerberg’s plan to win back trust. – One of the things that we focus on the most is creating private spaces for people to share things and have interactions that they couldn’t have had elsewhere. So if you go back to the very beginning of Facebook—rewind 10 years—there were blogs and things where you could be completely public, and there were emails so you could circulate something completely private. But there were no spaces where you could share with just your friends.
  • Urheberrecht: Spanien besteuert Hyperlinks – Golem.de – "Die spanische Regierung hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das selbst kleinste Textzitate unter Urheberrecht stellt. Von der Neufassung des Gesetzes zum geistigen Eigentum sind sogar Hyperlinks betroffen. Wer gegen das Urheberrecht verstößt, dem drohen künftig bis zu 300.000 Euro Geldstrafe oder sechs Jahre Gefängnis."

    Ich habe nichts dagegen, wenn sich ein Land ins digitale Steinzeitalter begibt. Es ist deren Entscheidung. Wenn sich Politiker an der Nase herumführen lassen, wenn sie nicht sehen, dass die digitale Wirtschaft ebenso wichtig ist, wie die analoge, wenn sie nicht sehen, dass die Dinge sich ändern, dann haben sie halt Pech gehabt. Was mich stört ist allerdings die Tatsache, dass die Medien ihre veraltete Sicht der Dinge darstellen können ohne der Pflicht der Objektivität nach zu kommen. Und die Bevölkerung auch noch darauf reinfällt. Pressefreiheit nennen die Verlage das.

  • Irrwitziges Handbuch der US-Geheimdienste – Die Zahlen sind explodiert – Politik – Süddeutsche.de – Unter der Flagge der Terrorismusabwehr wuchert ein geheimes zweites Justizsystem, das ohne rechtsstaatliche Kontrolle arbeitet und sich für seine wilden Zukunftsprognosen auf all das stützt, was seit der Aufklärung aus der Rechtsprechung verbannt ist: Spekulation, Hörensagen, Verdacht.
  • Treffen mit Motörhead-Sänger Lemmy: Eine Legende trinkt Limo – Kultur – Tagesspiegel – Ehrlich gesagt, nein. Lemmy verhält sich zu Fitness wie ein Papst zu einem Kondomautomaten. Seine Hände zittern leicht, ein Pflaster, wohl von einer Spritze oder einer Infusion, klebt auf dem tätowierten Unterarm. Statt seines Lieblingsgetränks Jack & Coke trinkt er Diätlimo. Wie geht’s, Lemmy? „Es geht mir besser. Aber ich bin noch dabei, mich zu erholen. Drei Mal musste ich letztes Jahr ins Krankenhaus. Es dauert eben alles ein Weilchen.“

Foursquare – Selbstmord oder geniales Konzept?

Ich bin zwar relativ spät auf den Foursquare-Zug aufgesprungen (ca. 2 Jahre her) und täglich nutze ich es auch nicht, es sei denn, ich bin außerhalb von Berlin unterwegs. Aber Spaß hat mir der Dienst dennoch gemacht. Vor allem, seit dem auch die Datenbanken mit Restaurants, Bars usw. in Deutschland gut gefüllt war. Ich habe Foursquare vor allem wie folgt genutzt:

– Einchecken
– Tipps für Bars, Restaurants suchen
– Listen anlegen oder abonnieren
– Fotos von neuen Location hochladen
– Mayor in meiner Lieblingsbar sein (Hat mir einen Wodka eingebracht, danke Natalia)
- Leute stalken

Die Kombination aus Gamification (Mayor, Badges) und interessanten Hinweisen in einer App war für mich perfekt. Tatsächlich hat sie sich, nach anfänglichen Zögern, in die Top 5 meiner Lieblingsapps hochgearbeitet. Nun stellt Foursquare sein Geschäftsmodell um. Das alte basierte zum Teil auf dem Verkauf von Badges (die waren teuer), teilweise auf Werbung, Userdaten usw. Das neue Geschäftsmodell basiert einerseits auf Userdaten andererseits will man Yelp Konkurrenz machen. Um das zu erreichen, hat man die App aufgespalten. Für Restaurantkritiken, Fotos und Listen gibt es weiter Foursquare, für Checkins mit sozialer Interaktion gibt es Swarm.

Man kann jetzt zwar auf Swarm einchecken, aber keine Fotos hinterlassen oder Tipps geben. Auf Foursquare kann man dafür nicht mehr einchecken und der Gamification-Krempel ist weg. Laut dem Unternehmen hat man sich die Nutzerdaten angeschaut und festgestellt, dass die User sowieso entweder nur das eine, oder das andere machen. Entweder nutzen sie die App für Tipps oder sie checkten ein. Die Trennung mache also Sinn, weil man sich schärfer positionieren kann, vor allem mit Foursquare. Man erwartet, dass User-Located-Search (Hyperlocal) in den nächsten zwei Jahren einen Sprung machen wird. Den Hintergrund dafür liefert die Technologie namens iBeacon, im Grunde eine Bluetooth Sache. Ist iBeacon auf meinem Smartphone installiert, sendet es ein “Hallo hier bin ich” Signal. iBeacons in Geschäften senden dafür ein “Huhu, ich bin iBeacon 342004rkklf44″ und speichert dabei Erkennungsmerkmale des Handys. Komme ich beim nächsten Mal am Geschäft vorbei, sagt es “Huhu, ich bin iBeacon 342004rkklf44 und wenn Du jetzt einen Kaffee kaufst, bekommst Du 20% Rabatt”. Grob erklärt, genauer habe ich das mal hier aufgeschrieben.

Es geht darum personalisierte Angebote zu erstellen und die Theorie ist, dass jedes Geschäft daran ein Interesse hat. Dazu kommt, dass Einzelhändler dann so langsam auch begreifen, dass hyperlocal Werbung durchaus etwas bringen kann. Foursquare, die immerhin über laut eigenen Angaben knapp 50 Millionen User weltweit haben, will über diesen Markt Yelp angreifen. Vielleicht nicht, was die Userzahlen angeht, aber was den Umsatz betrifft.

So weit so verständlich, zu mal das bisherige Geschäftsmodell des Unternehmens, sagen wir mal, nebulös war. Unverständlich ist allerdings, warum einen Großteil der User nun mit der Aufsplittung der App verschreckt. Noch unverständlicher ist es, warum die Dienste überhaupt aufteilt. Warum zwei Apps, wenn man beides bequem in einer App erledigen kann? Die Aufteilung von Apps scheint im Moment ein Trend zu sein. Google macht es. Facebook hat gerade den Messenger von der Hauptapp getrennt. Bei Facebook kann man die Aufteilung in einem gewissen Rahmen nachvollziehen. Die Userdaten werden ergeben haben, dass viele User (den ja mittlerweile teilweise eh nutzlosen) Nachrichtensstream sowieso nicht nutzen und stattdessen chatten. Vielleicht überlegt man bei Facebook auch auf lange Sicht den Messenger mit WhatsApp zusammenzulegen. Google bietet wiederum so viele Dienste an, dass es wenig Sinn macht, diese alle in eine App zu quetschen.

Doch die Aufteilung in viele Apps hat einen großen Nachteil. Die Displaygröße der Smartphones mag zwar gewachsen sein, womit dann auch mehr Apps auf eine Seite passen, doch der Durchschnittsuser hat gerade mal 23 Apps installiert, von denen er elf wirklich sehr häufig nutzt. Es ist also recht eng auf dem Smartphone und wie jeder weiß, ist die Liste der Apps, die man nie bis selten nutzt, relativ lang. Schaue ich meine eigene App-Nutzung an, stelle ich fest, dass ich lieber Apps mit einem großen Funktionsumfang nutze, als welche, die mir nur einen Dienst erfüllen.

Foursquare war, zumindest für mich, auf dem Weg eine dieser “Eierlegendenwollmichsäue” zu werden. Tipps, Vorschläge, soziale Interaktion, Fotos, Checkins, Gamification – alles da. Quasi ein “Facebook fürs Ausgehen”. Aber jetzt nicht mehr. Ich nutze Swarm zwar, aber bei weitem nicht mehr mit dem gleichen Spaß, den ich an Foursquare hatte. Im Grunde hat man für mich das Herz aus Foursquare gerissen und es zu einer langweiligen App gemacht, die mir nichts mehr bringt.

Das Unternehmen geht ein hohes Risiko ein in dem man einerseits die bisherigen User verschreckt, andererseits auf eine Technologie setzt, von der man nicht mal ansatzweise weiß, ob sie sich durchsetzen wird. iBeacon ist eine Datenkrake und das wird vor allem im eher sensiblen Europa schnell ein Thema werden. Will ich, dass mir irgendein Geschäft wegen 5% Rabatt auf irgendwas eine Push-Notification schickt und gleichzeitig meine Daten sammelt, die dann sonst wo verteilt werden? Und: ist der Markt für Hyperlocal wirklich in so einem Umfang vorhanden, dass sich die Investition lohnt? Bisher fehlt es da noch an allem. An der technischen Umsetzung, Agenturen, die das Modell vertreiben und an Usern, die das überhaupt haben wollen.

Meine Befürchtung ist, dass sich Foursquare mit der Aufspaltung sein eigenes Grab gräbt. Statt die Checkins usw. vielleicht auf die zweite Ebene zu verschieben, hat man sie ganz rausgeschmissen. Sie waren aber für viele genau der Grund, warum sie Foursquare genutzt haben. Jetzt ist die App nichts anderes als Yelp. Yelp wiederum ist langweilig, müht sich aber gerade lokal besser verankert zu sein. Man hat in allen großen deutschen Städten “Botschafter” eingestellt, die wiederum eine Mischung aus CRM, BizDev und Marketing machen. Während Yelp also an einer engen Verzahnung mit den Einzelhändern, Tourismusverbänden usw. arbeitet, hofft Foursquare darauf, dass die Community das erledigen wird. Die man gerade mit der Trennung der Apps vor den Kopf gestossen hat. Ich habe schon deutlich bessere Ideen gesehen.

Bookmarks vom 11.07.14 bis 23.07.14

Gesammelte Links:

  • Dear Foursquare — Medium – Der Abschiedsbrief eines sehr enttäuschten Foursquare-Users. Und ich kann das verstehen. Nicht, weil bei mir Swarm dauernd abstürzt, das jetzt nicht. Ich verstehe es, weil ich die Trennung der Dienste nicht verstehe. Der Spaß bei Foursquare war ja, dass man beides machen kann: Einchecken UND einen Tipp hinterlassen. Jetzt soll ich beides immer noch machen, aber in zwei Apps. Das ist grober Schwachsinn und scheint die User reihenweise zu vertreiben. Ich nutze Swarm selten, Foursquare habe ich auf dem Arbeits-iPhone gar nicht erst installiert. Warum auch, wenn ich Tipps haben will, kann ich auch Yelp nehmen. Foursquare hat sich selbst die Seele aus dem Körper gerissen und wundert sich jetzt, dass die Leute reihenweise weglaufen. Was die Sache aber noch schlimmer macht: Selbst wenn Foursquare beide Apps wieder zusammenlegen würde – die Leute kommen nicht wieder. Das Vertrauen ist hin. Auch weil die Kommunikation so miserabel war. Und weiterhin ist.
  • Werbesprech: Lufthansa – oder wie man seine Marke zerstört – Dienstleister – Unternehmen – Wirtschaftswoche – Was Marketing-Experten an dieser Umpositionierung zweifeln lässt: Dass Lufthansa seinen über Jahrzehnte hinweg aufgebauten Markenkern, seinen wohltuend hochwertigen Standard und sein Image als Qualitätsmarke bewusst verwässert und sich in den Preiskampf der Billig-Carrier begibt. Über kurz oder lang wird aus einem Flaggschiff unter den deutschen Marken eine Aldi-Hansa.
  • Leistungsschutzrecht: Google soll zahlen, Facebook nicht – Nun wird es richtig absurd: Während die Verlage derzeit Google für die automatisierte Verlinkung ihres Content zur Kasse bitten wollen, bittet Facebook die Verlage dafür zur Kasse, dass sie ihre Fans in dem Online-Netzwerk überhaupt mit ihren Snippets erreichen können.
  • Sollen Journalisten Autos testen? | MoJomag – Der DJV ist mehr die Edelnutte aus biodynamischem Anbau, die dich voll versteht und so, während der VdM ganz hemdsärmelig Mundverkehr am Straßenstrich anbietet. Ist ja nix verkehrt dran. Aber wieso sollte der VdM seine Dienste Autobloggern verwehren? Schon der erste Satz ist nüchtern betrachtet falsch. Autoblogger sind immer Journalisten, wenn sie das wollen.
  • Restaurant Watches Old Surveillance And Shares Shocking Results On Craigslist – Grossartig!

    A busy NYC restaurant kept getting bad reviews for slow service, so they hired a firm to investigate. When they compared footage from 2004 to footage from 2014, they made some pretty startling discoveries. So shocking, in fact, that they ranted about it on Craigslist!

  • Troll-Kommentare: Meine Tage im Hass – Medien – FAZ – Stellen Sie sich vor, Sie sind Bäcker. Und jeder Kunde, der Ihren Laden betritt, teilt Ihnen in ziemlich deutlichen Worten mit, dass Ihre Brötchen nun wirklich das Letzte seien, dass jedes Kind bessere Brötchen hinbekäme, dass Sie unqualifiziert seien, für diese Arbeit ganz und gar ungeeignet, die Preise vollkommen überzogen, dass Sie ja ohnehin Mitglied der Bäckermafia seien und sich alle Bäcker verschworen hätten, das Volk mit miesen, pappigen, gesundheitsschädlichen, überteuerten Brötchen zu vergiften, weshalb das gesamte Bäckerhandwerk es verdiene, gefälligst unterzugehen. Z

Bookmarks vom 04.07.14 bis 10.07.14

Gesammelte Links:

  • Ich reise pauschal | Kleinerdrei – Zwischenfazit am Abend: ja, man kann von täglich 8 Stunden Loungemusik wahnsinnig werden. Meine letzten drei nicht von der Sonne verbrannten Gehirnzellen haben sich untergehakt und schunkeln ganz langsam im Takt. Intellektuell fühle ich mich, als würde ich den ganzen Tag Aufzug fahren.
  • Wirtschaft von Morgen: Bald entscheidet das Netzprofil über die Kreditwürdigkeit: Der Deutsche Innovationspreis – Die Vordenkerin der Collaborative Consumption Bewegungen glaubt an eine neue Währung im Netz: Die Reputation. Dabei denkt Sie nicht nur an die Bewertungen eines einzelnen Profils, sondern an eine umfassende Glaubwürdigkeitsüberprüfung der Person. Diese beruft sich auf Kundenbewertungen bei Amazon und Ebay, Interessensabgleichen bei Facebook und Twitter und überhaupt allen im Internet hinterlassenen Spuren. Eine Art Schufa 2.0 sozusagen.
  • Nielsen’s Law of Internet Bandwidth – Nielsen's Law is similar to the more established Moore's Law. Unfortunately, comparing the two Laws shows that bandwidth grows slower than computer power. Moore's Law says that computers double in capabilities every 18 months: this corresponds to about 60% annual growth. As shown in the table, bandwidth will remain the gating factor in the experienced quality of using the Internet medium.
  • Ultra-rich man’s letter: “To My Fellow Filthy Rich Americans: The Pitchforks Are Coming” – But the problem isn’t that we have inequality. Some inequality is intrinsic to any high-functioning capitalist economy. The problem is that inequality is at historically high levels and getting worse every day. Our country is rapidly becoming less a capitalist society and more a feudal society. Unless our policies change dramatically, the middle class will disappear, and we will be back to late 18th-century France. Before the revolution.
  • 60 Stimmen: “Liebe Brigitte, ich hasse dich!” – BRIGITTE – Und immer habt Ihr hilfreiche Tipps zur Hand: es ist nicht nötig, sich mit 40 schon unters Messer zu legen, wenn man mit 20 schon anfängt Botox zu benutzen. Das ist ja toll!
    Mein Leben wäre so viel einfacher gewesen! Hätte mir einfach jemand mal die Wahrheit gesagt: Cellulite ist nur eine Frage der Beleuchtung! Mehr nicht!

Bookmarks vom 18.06.14 bis 01.07.14

Gesammelte Links:

  • Geiler Content ist wie Flaschenpost – Abgesang auf die Marketing-Technokraten | Ich sag mal – "Das Onlinemarketing habe seine besten Zeiten bereits hinter sich. Und so toll sind selbst die Erfolge der Datenspuren-Leser nicht. Die Profiling-Jünger sind bei der Analyse und Prognose des Kundenverhaltens so erfolglos wie die Hirnforscher beim Nachbau des Gehirns von Fröschen. Es gelingt einfach nicht."

    Jo. Der Zahlenfetisch in vielen Unternehmen ist schon schlimm. Aber wie soll man "dieses Internet" auch messen? Da werden Millionen an Euro ins Netz gekippt, das muss man ja irgendwie rechtfertigen. Produkt Manager wollen Zahlen und müssen Zahlen weitergeben. Und es sieht schlecht aus, wenn die Zahlen mal nicht die Zielvorgaben erreichen. Also rechnet man jede Möglichkeit des Scheiterns heraus. So weit es eben geht. Es ist oft pure Verzweiflung, an der bestimmte Agenturen gut verdienen. Denn zur Not kann man den Misserfolg ja dann auf die Agentur schieben.

    Das gilt auch für die ganzen SEO Esoteriker. Was man nicht so alles machen soll. Artikel dürfen nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein. Keywords – immer wichtig, aber nicht immer. Vielleicht ein paar, oder weniger. Man weiß es nicht. Viele Links bitte, oder vielleicht auch nicht, jetzt, wo es das neue Google Update gibt. Lustigerweise ist das alles völlig egal, wie ich (ich gebe zu mit einem gewissen Amusement) feststelle, wenn ich mal die Keywords beim Racingblog google. Unsere Artikel sind viel zu lang, Keyword interessieren uns nicht, Links haben wir selten drin und vermutlich machen wir sonst auch alles falsch. Aber bei bestimmten Veranstaltungen wie den am Wochenende des 24H Rennen von Le Mans, liegen wir irgendwo zwischen Platz 1 und 5 auf der ersten Seite der Suchergebnisse. Ich nehme das immer zum Anlass zu behaupten, dass es völlig wurscht ist, wie lang Texte sind usw. Es geht nur darum, dass man guten Content hat, den Leute mögen. Und guten Content erstellt man nicht mit Zahlen im Kopf sondern mit Leidenschaft im Herzen.

  • 60 Stimmen: “Stop the press!” – Die Angst vor der Geburt – BRIGITTE – Wer auf eine Geburt vorbereitet sein möchte, sollte vorab ein Baby bekommen. Gewisse Logikfehler machen dies für die erste Geburt unmöglich, also empfehle ich ab dem 4. Monat mit wilden Berggorillas oder Wölfen zu leben. Oder sich im Alltag abzuhärten: Bitten Sie zwei Ihnen nur wenig bekannte Menschen, Ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich nackt in Hockstellung erleichtern und dabei aus vollen Halse brüllen.
  • Hermes Phettberg: Der Elende aus Gumpendorf | ZEIT ONLINE – Doch Phettberg verreckt ums Verrecken nicht, er geht bei gutem Wetter jeden Tag auf die Straße, besucht Wirtshäuser und Cafés, sabbert, stottert, lässt sich Texte vorlesen, begegnet seinem gigantischen Leid mit jener stoischen, katholischen Geduld, die man ihn auf dem Land lernte: Du hast deine Last zu tragen. Du hast deine Last zu ertragen. "Wenn länger keine Sonne scheint, will ich sterben", sagt Phettberg. Und: "Schön langsam wird's mir fad."
  • One Woman, 17 British Accents – Anglophenia Ep 5 – YouTube – Ich habe ja eine heimliche Schwäche englische Dialekte. Es gibt da einen, der mich, wenn von einer Frau gesprochen, regelmäßig … sagen wir mal… erfreut. Klappt auch mit Frauen, die den Wiener Dialekt beherrschen.
    Außerdem fällt mir gerade ein, dass ich selber mal mehrererere deutsche Dialekte beherrschte. Als Jugendlicher hatte ich viel Zeit und irgendwann mal eine Faszination für Dialekte entwickelt, ink. Ost-Preussisch. Alles wieder vergessen. Ich habe geburtsbedingt einen mittelmäßig ausgeprägten rheinischen Dialekt, kann ein wenig Hessisch und Sächsisch. Aber Ost-Preussisch würde ich gerne wieder können.
  • Heute in der SZ, vollständiger Text: DIE ROLLING STONES IN WIEN | Auf der Borderline nachts um halb eins. – Auch der bitterböse Satz „Frank Schirrmacher mußte sterben, und Mick Jagger lebt immer noch“, den mir ein Kollege entrüstet nachrief, als ich zum Stadion fuhr, geht in die falsche Richtung („Dafür ist Michael Schumacher aufgewacht“, gab ich gallig zurück). Nein, die Zeit der Missgunst, des Neides, der ewigen Häme gegenüber den Stones ist vorbei. Sie haben nicht nur ihre Gegner, sondern den Zeitgeist eines halben Jahrhunderts ausgesessen. Nicht nur wie Helmut Kohl durch Ignoranz und Sitzfleisch, sondern durch Kraft und Intelligenz.
  • 84. – Als wir im Jahr vor Fannys Geburt in New York gewesen waren, hatten wir noch in eine tiefe Grube gesehen, an den Zäunen Zettel, Flugblätter, Blumen. Nun, am gegenüberliegenden Ufer, schämte ich mich, weil ich bei meinen Versuchen, mir den 11.September vorzustellen, immer die Fähren vergessen hatte, die an jenem Tag Davongekommene aufgenommen und über den Hudson River nach Jersey City evakuiert hatten. An der Waterfront erinnerte eine Tafel an die Feuerwehrmänner, die ums Leben gekommen waren: You went in, when we came out. Ein verbogener Stahlträger, um dessen Nieten Menschen Freundschaftbänder gewickelt hatten, ein Block weiter ein Denkmal für die in Katyn von der Roten Armee ermordeten polnischen Offiziere.

24 Stunden Rennen am Nürburgring

Ich war am Wochenende beim 24H Rennen am Nürburgring. Wie immer, ein tolles Erlebnis und da ich ein wenig Zeit hatte, konnte ich mit der Kamera mal ein wenig rumstreunen. Das Rennen wird zwar von den Profis gewonnen, aber getragen wird das Rennen von rund 140 Teams, alles Amateure, Privatfahrer, die teilweise ihr Erspartes für dieses eine Rennen ausgeben. Nicht um zu gewinnen, sondern um dabei zu sein. Also mal ein Blick auf diejenigen, die hinter den Kulissen unterwegs sind und die das Rennen zu einer Familienfeier machen.

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