Ich will Papst*

Theoretisch kannja jeder unverheiratete, zum Priester geweihte Katholik Papst werden. Ich zum Beispiel, das mit dem Weihen kann ja im Notfall schnell gehen. Ich bin sogar noch Mitglied in dem Verein und unverheiratet. Sogar ohne uneheliches Kind. Welcher Kardinal kann das schon von sich behaupten. Ich hab eben auch mal auf der Vatikanseite geschaut, ob es vielleicht einen kleinen Link mit “Verfügbarer Arbeitsplatz” gibt, aber nichts dergleichen. Also dachte ich, vielleicht muss man sich über sein Erzbistum bewerben und das habe ich gerade gemacht.

Von: Don Dahlmann
An: presse@erzbistumberlin.de
Betrifft: Meine Bewerbung zum Papst

Sehr geehrte Eminenz Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki,

mit großem Bedauern habe auch ich vom Rücktritt von Papst Benedikt erfahren. Ich habe dass Wesen und Wirken seiner Amtszeit immer mit viel Interesse beobachtet. Vor allem imponierte mir seine Kraft und seine Stärke, mit der er noch im hohen Alter sein Amt ausübte. Aber genau dort, in seinem hohen Alter, sah ich auch die damit verbundenen Probleme. So schnellte mir die Frage durch den Kopf: “Bei den vielen Reisen, Empfängen, Audienzen und Seligsprechungen ist das bestimmt ganz schön anstrengend, ob das ein jüngerer nicht besser könnte?”
Natürlich ist das jetzt sicher erstmal eine vielleicht ungebührliche Frage, aber die Sache mit der Kirche muss ja weiter gehen: Kontinuität wird ja in der Kirche ganz groß geschrieben, das wissen ja alle. Daher meine Überlegung, ob es nicht besser wäre, einfach mal einen Papst zu wählen, der etwas jünger ist. Zum Beispiel mich.

Ich bin gerade mal 46 Jahre alt, relativ gesund und zeitlich sehr flexibel. Wenn man den medizinischen Fortschritt so betrachtet, dann könnte ich sicher noch 50 Jahre leben. 50 Jahre! Stellen Sie sich das bitte mal vor! Ein Papst, der 50 Jahre regiert! Was sie da an Geld sparen! Sind wir doch mal ehrlich. Diese ganzen Beerdigungen alle paar Jahre, wo Sie diese ganzen Kardinäle einfliegen lassen und den Bundeskanzler und den US-Präsidenten, und die ganzen Absperrungen, von den Blumenornamenten gar nicht zu sprechen, das kostet doch ein Heiden… Entschuldigung, ein ganzes Vermögen kostet das! Und das alle paar Jahre. Da kann man sich doch mal die Frage stellen: Muss das sein? Brauchen wir das Geld nicht auch anderer Stelle? Mal neue Uniformen für die Schweizer Garde vielleicht. Ich meine, wie lange laufen die damit jetzt schon rum? 500 Jahre doch bestimmt. Da wird am falschem Ende gespart, denn wie sollen die Gardisten mit ihren Hellebarden einen dieser irren Islamisten, von denen man in letzter Zeit so viel hört und die immer mit dem Flugzeug direkt vor Ort landen, abwehren. Jetzt sagen Sie, verehrte Eminenz mal selber, so geht das doch nicht.

Jaja, werden sie sagen, aber kennt der auch die Bibel? Also, ich gebe zu, ich hab da ein paar Lücken, gerade im alten Testament. Aber in dem anderen, dings, sie wissen schon, da nicht so sehr. Außerdem ist mir aufgefallen, dass man die Bibel ja gar nicht auswendig kennen muss. Wie ich bei meinem verstorbenen Vorgänger oft sehen konnte, steht bei der Predigt immer einer daneben und blättert auf die richtige Seite. Und vorlesen kann ich, das kann ich ihnen versichern. Ich lese ab und bei der Kaffeesatzlesung in Hamburg und gerade heute auch in Berlin. Leider werden sie ja keine Zeit habe, mal reinzuschauen, aber ich mach ein paar Fotos, die schicke ich Ihnen.

Sie machen sich vielleicht ein wenig Sorgen darüber, wie ich die Kirche führen würde. Das kann ich verstehen. Ich sag mal so: Es wird vieles bleiben, aber manches besser werden. Ich kann sie in der Sache mit den Frauen schon mal beruhigen. Ich würde auch nur ungern Frauen zum Priesteramt zulassen. Das haben die Evangelen, diese rückgratlosen Fahnenflüchtigen, ja probiert, und das Ergebnis war Uta-Ranke Heinemann.

Alle anderen Themen würden jetzt hier den Rahmen meiner Bewerbung sprengen, aber ich hab da noch eine Idee in Sachen Kondome. Ich weiß, dass das nicht ganz unproblematisch ist, von wegen Samen aufhalten und überhaupt vorehelicher Sex, das geht ja nicht so richtig gut mit den Geboten und den ganzen Sachen zusammen. Aber lassen wir doch mal alle sieben Ordensschwestern gerade sein: die machen das ja doch. Dauernd. Immer. Da kann man nix machen und das war auch schon immer so. Der Herr hat uns eben auch das mitgegeben und kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, das ist nicht immer schön, aber Spaß macht es doch. Das ist so wie mit dem… tja wie kann ich das für Sie am besten vergleichen… Also, das ist so wie mit Ihren schönsten Bibelstellen. Die kennen Sie alle auswendig, aber es macht doch immer wieder einen komischen Spaß die noch mal zu lesen. Und das, obwohl man ja genau weiß, wie die Geschichte am Ende ausgeht.
Also, ändern kann man das mit dem Sex und den Leuten nicht, aber sterben sollen sie ja auch nicht. Deswegen hier meine Idee: In Zukunft verteilt die Kirche die Kondome selber! Gegen einen kleinen Obulus, versteht sich. Damit das auch funktioniert verdammen wir alle Kondome, die nicht von der Kirche kommen und erstellen ein Dogma, dass ein reiner Katholik nur dann frei von Sünde bleibt, wenn er ein geweihtes Kondom benutzt. Stellen Sie sich diese Einnahmen mal vor! Lassen Sie doch mal jemanden recherchieren, wie viel Umsatz die Kondomhersteller der Welt so machen. Das sind Milliarden! Wir würden drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: erstens hätten wir bei vielen echt einen Stein im Brett, zweitens gäbe es da das schöne Geld (die Schweizer Garde!) und drittens ein tolles PR Instrument. Was man alles machen könnte! Kondome mit Kreuzaufdruck in Noppen. Kondome, die nach Weihrauch schmecken. Und! Und! Und!

Gut, ich bin sicher, ich habe sie überzeugt. Deswegen hier meine förmliche Bewerbung als Papst. Ich bin katholisch, unverheiratet, habe keine Kinder und mal ein Semester Theologie studiert. Bitte teilen Sie mir doch mit, wo ich mich in Rom vorstellen muss.

Vergelts Gott
Don Dahlmann

P.S. Ein berühmter Zeichner hat das schon mal etwas verdeutlicht, damit Sie vielleicht einen besseren Eindruck haben, wie das aussehen könnte:
habemus
(Bild: SvenK)

*Diese Bewerbung erschien schon einmal, und zwar am 07.04.2005, und wurde nur ein wenig angepasst.

Blogger oder Branded Content Autor?

Sven Wiesner hat diese Woche einen kleinen Rant losgelassen. Er beschwert sich, dass sich Blogger von Unternehmen instrumentalisieren lassen und blind deren Marketingkampagnen hinterher laufen, ohne eigene Akzente setzen zu können. Gemeint waren vor allem Fashion-, Reise- und Autoblogger, die für eine kleine Reise an einen netten Ort das Netz mit den passenden Hashtags und Blogeinträgen vollhauen. Das ist gut fürs SEO der Marken, aber führt seiner Meinung nach dazu, dass die Unternehmen Blogger nur als billiges Contentvieh ansehen.

Das ist in der Tat nicht so ganz falsch. Natürlich gibt es unabhängige Blogger, die sich von hübschen Reisen nicht beeindrucken lassen und denoch kritisch schreiben. Doch wenn man ehrlich ist, dürfte dies eine Ausnahme sein. Die meisten Blogger schreiben aus Spaß, so eine Reise ist meist sehr luxeriös, dann kann man auch mal nett drüber berichten. Darunter leiden aber die semi- und vollprofessionellen Blogger, die die Dinge gerne anders angehen würden.

Ich teile meine Gedanken zum besseren Verständnis mal auf.

1. Blogs/Blogger/Content Marketing

Ein Blog ist zunächst einmal, unabhängig vom Inhalt, eine technische Beschreibung für einen Medienkanal im Netz. Aber es gibt Unterschiede, was die Autoren angeht.

Es ist nötig, die Definition “Blogger” zu schärfen, denn so kommt man nicht weiter. Man sollte zwischen “Blogger” und “Branded Content Autor” unterscheiden.

Ein Blogger berichtet aus einer subjektiven Perspektive über unterschiedliche Dinge. Oder ist monothematisch aufgestellt. Da kann es um Medienpolitik gehen oder um Katzen. Es geht nicht im Marken oder Markenbildung, mal abgesehen von der eigenen Marke.

Ein Autor, der über Produkte schreibt, ist unweigerlich in der Marken- und Imagebildung eingebunden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man positiv, neutral oder kritisch über eine Marke berichtet. Der Produktname ist unweigerlich in meinem Artikel eingebunden, die Erwähnung ist schon eine Werbung. Wie bei den meisten Mediaauswertungen machen Unternehmen oft keinen Unterschied mehr, ob man die Erwähnung positiv oder negativ ist. Zwar zeigen Monitoringsysteme negative Erwähnungen an, dies aber meist nur unscharf. Was man Ende zählt, ist die Reichweite.

In dem Moment, in dem ich eine Marke erwähne, betreibe ich “Branded Content Marketing” für ein Unternehmen. Das ist die Gegenleistung für die Einladung usw. Ob das immer als Gegenleistung reicht, ist dann wieder eine andere Frage. Hier greifen dann zukünftige Finanzierungsmodelle (Brand Ambassador usw.), das würde aber jetzt zu weit führen.

Der Unterschied zwischen “Blogger” und “Branded Content Autor” ist von außen nur schwer zu erkennen, hier kommt es dann wohl eher darauf an, wie man sich je nach Blog selber betrachtet und dies auch kommuniziert. Die Unterscheidung macht es zumindest klarer, wo man steht. Sie hat aber nichts damit zu tun, dass man deswegen seine Kritikfähigkeit verlieren sollte, sondern dient einer besseren Positionierung des Autors gegenüber Unternehmen und Agenturen.

Denn als Blogger hat man nicht nur eine Marke, sondern ist eben auch Verteiler und ebenso wie Printangebote sollte man sich das honorieren lassen.

Teil 2: Konzepte und Contentstrategie

Sven beklagt auch, dass die Autoren selber zu wenig Aktivität zeigen würden, was die Art der Veranstaltungen angeht. Tatsächlich ist es so, dass die meisten Unternehmen ihre Medienarbeit nicht verändert haben. Statt ein paar freier Journalisten lädt man jetzt eben Blogger ein. Die Kosten ändern sich nicht, dafür deckt man das Internet ab. Für die Firmen eine Win-Win Situation. Denken sie zumindest, aber das stimmt nicht. Denn Blogger benötigen auf Dauer anderen Content als Printmagazine.

Nehmen wir das Beispiel Auto: Printmagazine haben einen beschränkten Platz, was Text und Bilder angeht. Blogs bekanntermaßen nicht. Für Fotos gibt es keine Beschränkung, ebenso für Videos usw. Mit den Möglichkeiten kann man also anders arbeiten, dafür benötigt man aber viel Zeit. Und Zeit hat man auf den meisten Fahrevents nicht. Wenn man Glück hat, kommt man auf eine Fahrzeit von vier bis fünf Stunden. In der Zeit muss man eine Location suchen, Fotos machen, das Auto kennenlernen usw.

Vielen Autoren geht es aber darum, eine Geschichte zu erzählen. Reine Spaltmaße von Autos oder wie groß der Kofferraum ist, interessiert nicht. Die Informationen holen sich Leser sowieso woanders. Man kauft Mode und Autos nur noch selten nach dem Aussehen, sondern nach dem Image. Was Mode- und Autohersteller auch schon längst verstanden haben, sonst würden sie nicht in der Werbung auf reine Image-Kampagnen setzen. Komischerweise setzen Autohersteller dass in ihrer Arbeit mit dem Netz, wo es um nichts anderes als Image geht, nicht mehr um.

Eine weitere Sache: Unternehmen (und da sind nicht nur Autohersteller gemeint) stellen nur das fertige Produkt vor, was zu kurz gedacht ist. Apple und andere Hersteller zeigen seit Jahren, dass nicht auf die Produktvorstellung ankommt, sondern auf den Buzz, den man schon vorher erzielt. Aber es ist noch kein Unternehmen auf die Idee gekommen einen solchen Prozess einzuleiten.

Auf der anderen Seite hören Unternehmen selten zu. Can Struck hat Dilemma auf Facebook schön zusammengefasst:

“Auf die Hersteller zugehen bringt oft nix weil sie ihre Agenturen für Marketing haben. Auf die Agenturen zugehen bringt nix weil Agenturen an sich genau dafür bezahlt werden: Marketingkampagnen und Ideen aus dem Hut zaubern. Die werden sich nicht die Blöße geben jemanden anderen um Ideen zu fragen.”

Das, was Sven fordert, selber Ideen zu entwickeln funktioniert nur selten, weil es in den Unternehmen in der Ablage “P”, landet. Die wenigsten Unternehmen haben eine zentrale Onlinesteuerung, die Aufgaben werden auf unterschiedliche Abteilungen verteilt (Marketing, PR. Special Marketing, Lifestyle), die wiederum unterschiedliche Agenturen beauftragen.

Eine Lösung des Problems wird nicht um “Hau-Ruck-Verfahren” gehen. Beide Seiten müssen umdenken. Autoren müssen sich ihrer Rolle als “Branded Content Autor” besser bewusst sein. Was bedeutet, dass ihre Position für sich und gegenüber den Unternehmen genauer definieren. Unternehmen müssen wiederum umdenken, was ihr Content-Vermarktungskonzept angeht. Events müssen anders gestaltet werden, die Strategie im Unternehmen besser koordiniert werden. Unternehmen wie Autoren müssen sich dann im nächsten Schritt auch über zukünftige Finanzierungsmodelle Gedanken machen.

Bookmarks vom 25.01.13 bis 06.02.13

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

Best of Twitter – Januar 2013


im fernsehen wird live übertragen, wie die leute am brandenburger tor das feuerwerk mit handyblitz fotografieren.


“50 Shades of Gey” ist ein Roman über zwei Menschen, die sich keine Katze zugelegt haben, als sie es besser hätten tun sollen.
@Wondergirl
Wondergirl


„Ihr seid als allererste dran, wenn die Evolution kommt!“
@mainwasser
Grübelmonster


“natürlich hab ich das jetzt getwittert. darf ich noch ein foto dazu machen?”
@beck_zoe
Zoë Beck


Vernissagen: kostenloser Sekt und Snacks bis die Kunst gefällt.
@milch_honig
milchhonig


Ich fühl mir unter Trollen wohl, da weiß man wenigstens, woran man ist.
@plomlompom
@plomlompom


No particular occasion….but I’m still going to buy this sparkling wine at 4 pm and drink it as soon as it’s cold enough.
@TheAnnikaAmour
Annika Amour


Oh fuck it, I’ll just pour it over ice.
@TheAnnikaAmour
Annika Amour



Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: 98% aller deutschen Hauskatzen sind russische Spione.
@_miel
Euer Gnaden


Gibt es die blaue Pille danach?
@laprintemps
Julia Schramm


Hallo, BILD. Was bitte ist so außergewöhnlich an “Helmut Berger besoffen am Flughafen”?
@svenk
Sven Knoch


Miete uns Erwachsenen E-Bikes und den Kindern normale Fahrräder. Dieses Jahr wird der Sommerurlaub super.
@dasnuf
Patricia Cammarata


Dauernd allein im Homeoffice vor sich hinarbeiten und auf einmal steckt man mitten in einer Diskussion über Corporate Blogs mit der Katze.
@Frau_Elise
Daniela Warndorf


In jeder Person über 70 steckt ein junger Mensch, der sich fragt, wann genau das eigentlich passiert ist.
@Ingeborch
Ingeborch


Es würde uns allen Zeit und Mühe sparen, wenn es ein Emoticon für “Gelangweilt und leicht betrunken” gäbe.
@Afelia
Marina Weisband


Ich war gerade gleichzeitig mit schätzungsweise 50 Schülern bei REWE und verspüre jetzt Bedürfnis, eine Pillenpackung auf einmal zu nehmen.


Wir hätten das Usenet nie verlassen dürfen.


Die YouPorn Videos sind mir zu aggressiv. Die lieben sich ja gar nicht richtig.
@irgendniemand
Tweet des Jahres:


15 Stationen U-Bahn: 3 Musikgruppen, 2 “Motz”-Verkäufer, 1 Fahrscheinkontrolle, 1 Mann, der alle Fahrgäste “segnen” will. #Berlin
@ve_mayer
Verena Mayer


Mit 13 habe ich mal ein Hot-Dog gegessen, dabei gelacht und dann hatte ich ein großes Stück Wurst mit Ketchup in der Nase. Das war schön.
@eingenickt
eingenickt


“Das Leben ist schön. Die Berge sind schön. Deine Möpse sind schön. Hossa!”- Volksmusik
@hoch21
Roman Held


Hat der @ gestern mit Sarah Silverman gefeiert und Amazon unsicher gemacht?!? #timelinecoincident http://t.co/Vc4X3ri1
@Zufall
Diana


“Das schmeckt ja furchtbar!”"Es ist mit Liebe gekocht!”"Dann müssen wir dringend zu einer Paartherapie.”
@meterhochzwei
quadratmeter


Ich habe ein Buch über das Stockholm-Syndrom gelesen. Es fing ziemlich mies an. Aber am Ende hat es mir sehr gut gefallen.
@PLambertBerlin
Paula Lambert


Dieser Tunnelbau zu der Bank ist wohl mal eindeutig der Beweis, dass in Berlin doch noch Bauprojekte pünktlich fertig werden.
@343max
Max Winde


Wählerwanderung. Bei dem Wetter!
@mainwasser
Grübelmonster


Hab mich gerade beinahe in die Frau verliebt die nackt in der Umkleide stand, Telefon in der Hand, und sich ein Steak nach Hause bestellte.


Erotik hat viele Gesichter. Leider sehen sie häufig aus wie das von Schäfer Heinrich.


Wenn Sie wissen wollen, wie die Stimmung im Führerbunker war, besuchen Sie doch mal den Mann, wenn die Formatierung in Word verrückt spielt.
@orbisclaudiae
ⒸⓁⒶⓊⒹⓘⒶ


Übrigens sind die meisten zwischenmenschlichen Probleme entweder psychopathologisch bedingt oder Unterformen mangelhafter Etikette.
@hightatras
Hightatras


es gibt eine app, um sich mit facebookfreunden zum sex zu verabreden? sind die leute mittlerweile zu faul, um betrunken sms zu schreiben?
@katjaberlin
katjaberlin


Ich gehe Karneval einfach als Hipster. Ja, ihr Berliner schüttelt mit dem Kopf, aber hier in Köln kennt die keine Sau.
@function
Stefan Graunke

Sehen und Wegsehen

Was mich in den letzten Wochen stark verwundert hat, ist die Tatsache, wie viele Menschen bestimmte TV-Sendungen schauen. Also Formate wie das “Dschungelcamp” oder “Bauer sucht Frau” oder “Bachelor” oder “Deutschland sucht den Superstar” oder “Popstars” oder dieses Topmodeldings. Und ich meine jetzt nicht die Einschaltquoten, sondern das jene Menschen, die ich eigentlich für geistig rege, intelligent und lustig halte ihre Freude über derartige Formate in meiner Timeline zum Ausdruck bringen.

[Ich kürze hier an dieser Stelle mal den ganzen "Aber warum" und "Es gibt doch so viel andere schöne Programme" Sermon ab und antworte direkt auf den geschätzten Lukas Heimser, der in dieser Diskussion schrub: "Ich kann nur für meine Stimme bei der (einstimmigen) Entscheidung sprechen, aber ich fühle mich vom Dschungelcamp gut unterhalten. Vielleicht nicht so gut wie von einigen der anderen nominierten, die jetzt leider völlig untergehen, aber doch mehr als ausreichend, um mit "Ja" zu stimmen. Wer im "Dschungelcamp" Menschenverachtung sieht, kommt bei "Bauer sucht Frau" um einen Hitlervergleich wohl kaum noch vorbei.]

Wenn man sich das Format des Dschungelcamps anschaut, geht es darum, dass ein paar ehemalige, meist mit peinlichen Affärchen behaftete bekannte Menschen in einem Camp gehen, gefilmt werden und ein paar eklige Dinge tun müssen. Das machen sie freiwillig, sie bekommen (wie man so hört) je nachdem wie das ehemalige Star-sein gelagert ist, eine sechstellige Summe dafür. Womit dann jedes Argument in Richtung “Ist das vielleicht nicht ein wenig widerlich?” meist auch totgeschlagen wird.

Doch bei allen essbaren Hoden und Maden dieser Welt – mich stören derartige Formate, weil sie nur ein Thema zum Inhalt haben: niederträchtige Schadenfreude. Um mal Goethe zu entstauben “Wenn die Menschen recht schlecht werden, haben sie keinen Anteil mehr als die Schadenfreude.”

Natürlich kann man beim “Dschungelcamp” auch argumentieren, dass es eine Art Sozialstudie ist, denn das Leben im Camp, die aufeinanderprallenden Charaktere und deren Eitelkeiten werden ja auch (genüsslich) gezeigt und ins Programm geschnitten. Aber sind wir doch mal ehrlich: Niemand würde sich auch nur eine Folge anschauen, wenn es nur um die psychologischen und sozial-gesellschaftlichen Verwicklungen der Teilnehmer gehen würde. Es geht um die dramaturgisch inszenierten “Prüfungen”, die halt meist irgendetwas leicht Ekliges beinhalten. Ansonsten könnte es ja auch bei “arte” laufen.
Ähnliches gilt, wenn auch anders gelagert, bei scripted reality Shows wie “Bauer sucht Frau”. Niemand will einen halbwegs normal aussehenden Bauern dabei beobachten, wie er Monat um Monat verzweifelt Kontaktanzeigen schaltet und deprimierende Dates in Cafés aushält, die seit den 70er Jahren nicht mehr renoviert wurden. Die Kombination von “schräger Typ”, meist wegen des Aussehens und “schräge Frau”, meist wegen ihrer Art Dinge auf dem Hof zu tun, macht die Sache interessant. Man lacht darüber. Man lacht über Menschen, die man nicht kennt, die sich mehr oder weniger freiwillig in die Maschinerie des Privatfernsehens begeben haben, die dank Schnitt und Drehbuch gerne mal als Volltrottel dargestellt werden.

Das ist reine Schadenfreude, die es an Bösartigkeit nicht missen lässt. Damit ich nicht falsch verstanden werde, mein Mitleid für die Teilnehmer hält sich in Grenzen. Zum einen bekommen sie Geld, zum anderen werden sie nicht gezwungen. Aber das Wort “Unterhaltung” fällt mir dazu eher nicht ein.

Es geht um die Art, wie Menschen dargestellt werden, die mich stört. Und die Reaktion der meisten Beobachter. Statt sich leicht angewidert und von Fremdscham geschüttelt abzuwenden, propagieren viele das auch noch auf Twitter usw. Es entsetzt mich nicht, dass es einzelne Shows gibt, die mit der Schadenfreude oder Moment spielen, in dem der Protagonist sich sichtbar im Fernsehen schämt. Das hat es immer gegeben. Aber dieses Lachen über diese Menschen hat etwas Hämisches, etwas Gemeines. Es kommt nicht aus Freude oder weil jemand etwas spielt. Es kommt aus der Schmuddelecke der Schadenfreude. Dort, wo man lacht, wenn jemand anderem etwas Blödes passiert und man denkt „Endlich bin nicht mehr nur ich es, der auf die Fresse kriegt“. Es ist ein wenig das Lachen des Diederich Heßling, dem Untertan aus dem Buch von Heinrich Mann.

Es entsetzt mich, dass es mittlerweile so viele Shows sind, die es zu diesem Thema gibt und das sie auch noch erfolgreich sind. Ein vor der Kamera und der Gesellschaft seelisch wie körperlich entblößter Mensch ist nicht lustig. Das Argument, er macht das freiwillig, hilft da auch nicht weiter. Ich mag so etwas nicht sehen, deswegen schaue ich es auch nicht. Die belustigten Reaktionen auf solche Formate befremden mich aber noch mehr. Und das sich offenbar niemand fragt, über was und warum er gerade lacht.

Bookmarks vom 20.01.13 bis 23.01.13

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Daily Dot | German court to decide the future of Technoviking – Fritsch let the video collect dust on his personal website for six years, until he finally uploaded it to YouTube in 2006, where it continued to exist in obscurity for months. It took until 2007 for it to really take off. Fritsch has traced the origins of its viral path to an obscure Central American porn site, where the name "Technoviking" was first coined.
  • Sprachpolizeiakademie – zoon politikon – Das sich ereifernde Kommentariat belegt Wörter schlicht mit einer anderen Bedeutung als ich ihnen zuordne. Als humoristischen Sonntagsbeitrag zum Weltfrieden meinerseits möchte ich darum ein kleines Glossar anbieten und hoffe so etwas zur Völkerverständigung beizusteuern. Seien wir nicht dümmer als es die Sprachpolizei erlaubt.
  • Internet-Law » Meine Stellungnahme zum Leistungsschutzrecht für den Rechtsausschuss des Bundestages – Nach meiner Ansicht ist es zweifelhaft, ob das geplante Leistungsschutzrechts mit europarechtlichen, völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Vorgaben vereinbar ist. Das Gesetzesvorhaben würde – entgegen anderslautender Behauptungen – auch die Möglichkeit der Linksetzung und Auffindbarkeit von Inhalten im Internet erschweren. Der Gesetzesentwurf weist außerdem eine Reihe handwerklicher und regelungstechnischer Mängel auf.
  • Lügen fürs Leistungsschutzrecht (3) « Stefan Niggemeier – Die deutschen Zeitschriftenverleger erfinden im Kampf für ihr eigenes Gesetz ein parlamentarisches Votum, das es nicht gibt, um die angeblichen Unwahrheiten und die Demokratiefeindlichkeit von Google anzuprangern.
  • Die “Westfälische Rundschau” wird vor dem Tod schon stumm gemacht « Stefan Niggemeier – Auch der Hinweis, dass eine Berichterstattung die Chancen von Mitarbeitern gefährden könnte, übernommen zu werden, lässt tief blicken. Was vordergründig wie Sorge um die Kollegen klingt, bedeutet letztlich nur, dass die Angst und Resthoffnung der Redakteure genutzt wird, selbst in den letzten Tagen der Existenz ihrer Redaktion noch Wohlverhalten und Schweigen zu erkaufen.

DLD vs. Internet

Ich widerspreche Martin Weigert ja nur ungern, aber er hat Unrecht, wenn er meint, dass das LSR und die Aktivitäten der Verlage im Netz und rum um digitale Innovationen sich widersprechen. Für die Verlage existiert da kein Unterschied, weil digitale Innovationen schon lange Teil des Geschäftsfeldes sind und in Zukunft auch weiter ausgebaut werden sollen. Die Verantwortlichen in den Verlagen sind ja nicht blind, was Investitionen angeht und sehen durchaus, dass sich in dem Bereich Geld verdienen lässt. Strategische Investitionen in Startups gibt es schon seit Langem, auch aus Inkubatoren heraus. Wenn es Geld bringt, warum nicht? Springer selber hat eine ganze Liste von bekannten Beteiligungen an Webunternehmen wie Stepstone, Immonet usw., dazu kommen Investitonen, die über Axel Springer Digital Classifieds oder AS Venture laufen. Man verdient schon gutes Geld im Netz.

Die andere Seite ist das LSR, dass im Grunde auch nur eine weitere Investition darstellt. Die soll dazu dienen, das Geschäftsmodell von der Werbung auf die Einnahme über Links und Zitate zu verlagern, bzw. die Verluste aus den fallenden Werbepreisen auszugleichen. Es ist nur konsequent, dass Verlage sich nett per DLD präsentieren, dort aber keine Diskussion über das LSR stattfindet, selbst wenn man Kritiker wie Jeff Jarvis und Katharina Borchert eingeladen hatte. Der gesamte Themenkomplex LSR oder wie sich Medien finanzieren sollen wird ja interessanterweise weg gelassen. Aber da sehe ich auch keinen Widerspruch zum DLD, der sowieso nur das Warm-up zu Davos ist und der noch nie was mit Innovationen, denn mehr mit “State of the internet” zu tun hat. Der DLD ist die werbewirksame Plattform für “Schaut her, wir mögen das Internet doch, wenn man es vernünftig macht”.

Für die Verlage entscheidend ist die Frage, welche Form von Internet in Zukunft regieren soll. Das (momentan noch halbwegs) freie Netz, oder eine Art Internet, dass von den alten Medien (Verlage, Entertainmentfirmen etc.) über zentrale Schnittstellen, Firmen und Investitionen zumindest in Deutschland kontrolliert wird. Die letztere Option ist die vermutlich angenehmere für “old media” und die Investition in das richtige Startup bietet eventuell weitere Möglichkeiten, Kontrolle zurückzugewinnen.