Streams und das Copyright

Wer Webseiten oder gar das Internet blockiert, der handelt nicht im Sinne der Freiheit. So die allgemeine Meinung, die dieser Tage in Richtung Ägypten gerne auch von Regierungsstellen erwähnt wird. Nun wird man das bei Wikileaks sicher gerne hören, nachdem deren DNS-Hoster plötzlich und natürlich ohne jede Beeinflussung durch eine Regierung festgestellt hatte, dass man die Seite doch nicht so gerne mag, aber es gibt nicht nur Wikileaks, die abgeschaltet werden.

Diese Woche erwischte es etliche Webseiten, die Links zu Sportveranstaltungen ins Netz stellen, bzw. diese mittels iframe auf der Webseite selber anbieten. Derartige Streaming Angebote haben in den letzten Jahren dramatisch an Beliebtheit zugenommen. Allein die Zahl derjenigen, die sich Samstags vor den Rechner setzen und sich die Bundesliga live im Netz anschauen, ohne etwas dafür zu bezahlen, dürfte um sechsstelligen Bereich liegen. Einen Stream aufzusetzen ist auch nicht sonderlich schwer. Man braucht eine TV-Karte, ein kleines Programm und einen Hoster. Letztere sind schon etwas schwerer zu finden, aber es geht schon mit etwas Geduld. Manche Programme wie Sopcast die auf die p2p Technologie setzen, machen den Hoster überflüssig.

Natürlich ist das Streaming, also das Bereitstellen eines TV-Signals im Netz, illegal. Besonders dann, wenn es sich um Sportveranstaltungen handelt. Deren Ausstrahlungsrechte werden meist teuer erkauft, wenn die Kunden wegbleiben, weil die im Netz die Sachen auch umsonst bekommen, entsteht ein wirtschaftlicher Schaden. Ansehen kann man sich die Streams im Übrigen völlig gefahrlos, hier gibt es keinerlei rechtliche Einschränkungen.

Die meisten Streams im Netz drehen sich um Sportveranstaltungen. Fußball aus England, Deutschland, Frankreich, Italien usw. stehen weit oben auf der Liste, danach folgen die US-Sportarten wie Football, Baseball oder die NBA. Doch die Streams werden nicht allein von Menschen betrachtet, die “schwarz sehen” wollen. Deutlich größer dürfte die Zahl derjenigen sein, in deren Heimatländern eine Fußballliga aus dem Ausland nicht zu sehen ist. Deutsche sehen von der spanischen Liga so gut wie nichts, die NBA vermisst man hier komplett. Wenn die jeweiligen Ligen kein Livestreamangebot für Ausländer haben, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als eben zu den Angeboten der Streamer zu greifen.

Das zeigt zum einen, dass das auf lokale Märkte beschränkte Lizensierungsmodell kurz davor ist, auseinander zu fallen, zum anderen dass die Verbände völlig überrollt werden und in einer Zwickmühle stecken. Einerseits ist der Zustrom neuer internationaler Fans begrüßenswert (Merchandising), andererseits steht man gegenüber den Rechteinhabern in der Pflicht, die viel Geld für das Wort “exklusiv” bei den TV-Übertragungen gezahlt haben.

Die Streamer haben in den letzten vier Jahren diese Lücke entdeckt und sind, ähnlich wie Napster Ende der 90er, auf einen Markt gestoßen, der nur auf sie gewartet hat. Aus kleinen, minimalistisch zusammen gebastelten Webseiten, ist ein richtiges Geschäft geworden. Es gibt Streaming Webseiten, die nur die Links zu Inhalten weitergeben, es gibt aber richtige Hoster, auf denen man die Streams direkt sehen kann. Letztere kosten dann auch Abogebühren, aber halt deutlich weniger, als man für den TV-Anbieter zahlen würde. Legal sind solche Angebote natürlich erst recht nicht, aber die meisten sind vorsichtig genug sich nur für eine kleine Zuschauermenge zu öffnen und gleichzeitig setzt man auf dezentrales Netz von Streamern, dass jederzeit zu einer anderen Webadresse umziehen kann.

Natürlich sind diese Streams den Rechteinhabern ein Dorn im Auge. Wobei man sagen muss, dass es oft unterschiedliche Interessen gibt. Während einige Sportarten die illegale, wenn auch wachsende internationale Begeisterung ihr sie begrüßen, sehen die TV-Anstalten ihre Rechte gefährdet. Bekannt ist, dass einige Verbände bei Streams ein Auge zudrücken. Die NASCAR, die MLB, die NHL und die NBA sollen, so heißt es, zwar offiziell die Streams verdammen, inoffiziell beschränkt sich die Mühe in der Verfolgung der kostenfreien Streams aber auf ein paar Briefe.

Umso überraschender war die Woche die Meldung, dass etliche Webseiten, die Links zu Streams anbieten, nicht mehr erreichbar waren. Die USA hatten über die Homeland Security Behörde, einfach deren Domains beschlagnahmt. Dass die USA so etwas machen, ist kennt man aus der Torrent-Szene, wo ebenfalls gerne mal Domains beschlagnahmt werden. Warum ausgerechnet Homeland Security die Beschlagnahme angewiesen hat, ist allerdings eine andere Frage. Der Arm der Rechteindustrie reicht offenbar sehr weit.

Problematisch wird es allerdings bei der Seite Rojadirecta aus Spanien. Die hatte, in einem drei Jahre währenden Rechtsstreit im eigenen Land, mehrfach Gerichtsprozesse gewonnen, betreibt also ein in Spanien völlig legales Angebot. Dennoch wurde die Seite abgeschaltet, weil die verwendete .org Domain von den USA verwaltet wird. Ob und wie weit die Rojadirecta überhaupt US-Interessen, sagen wir mal, beschädigt hat, ist nicht klar, Tatsache ist, dass die USA über die spanische Rechtsprechung hinweg der Seite ihre Legalität abgesprochen hat.

Mal abgesehen von der rechtlichen Bewertung, muss man sich die Frage stellen, was solche plötzlichen Beschlagnahmungen bedeuten. Wenn also auch nur ansatzweise eine Webseite einen Copyrightverstoss aus der Sicht der USA begeht, kann dann einfach die Domain, sofern sie eine .com oder .org Adresse hat, beschlagnahmt werden? Ich stelle mir die Frage, in wie weit der Ruf nach Einhaltung des Copyrights zu einem vorgeschobenen Argument werden kann, wenn es darum geht Webseiten ohne weitere rechtliche Prüfung abzuschalten. Und wann man in Deutschland auf ähnliche Ideen kommt.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Seit etlichen Jahren halte ich die amerikanische Regierung, aufgrund der von ihr zu verantwortenden Handlungen, für eine Bande von Staatsterroristen. Deshalb fahre ich auch nicht mehr in dieses Land. Und ich kann nicht verstehen, wieso immer noch aufgeklärte Leute aus D in dorthin reisen. Das alles hat aber nichts damit zu tun, daß ich an den USA dennoch vieles schätze (und das war auch früher schon so).

  2. Pingback: Berliner Blogs im Wikio-Ranking Februar 2011 – Von Stefan Stahlbaum

  3. Pingback: Too much information » Guten Morgen

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