Tsunami im Wasserglas

Nur kurz ein paar Anmerkungen zu dem “Tsunami”, den Sascha Pallenberg meint ausgelöst zu haben. Zur Erklärung: Es geht darum, dass einige, nicht genannte Blogs, offenbar gegen Geld Links zu bestimmten Seiten eingebaut haben.

1. SEO war und ist meiner Meinung nach in vielen Bereich Quatsch und ein Tummelfeld von halblegalen Aktivitäten. Mein Blog hier hat ein Pagerank von 5, und ich mache nichts in Sachen SEO. Nicht mal vernünftige URLs. Das Racingblog, dass ich mit kleinen SEO-Tricks (Überschriften, XML usw) mal versuchsweise getunt habe, hat PR4. Ja, ich weiß, das Pagerank nicht gleich Positionierung ist. Ich bin aber weiterhin der Meinung, dass man eine Seite bei Google am besten damit promotet, in dem man regelmäßig lesenswerte Sachen schreibt oder anbietet. Scheiße wird nicht besser, wenn man Zucker in Form von gekauften Links drauf streut. Mittlerweile hat sich um den ganzen SEO-Bereich eine quasi-esoterische Industrie entwickelt, die offenbar nicht davor zurückschreckt, ihre Kunden zu halb- oder illegalen Handlungen zu bewegen.

2. Die Blogs nicht zu nennen mag rücksichtsvoll sein, hilft der Sache aber nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der “Tsunami” ausschließlich kleine Nischenblogs betrifft, die kaum jemand kennt. Damit kann man natürlich nicht so doll angeben, das verstehe ich. Wäre eines der wirklich großen Blogs dabei gewesen, hätte Sascha Pallenberg vielleicht weniger Skrupel. So arbeitet das Netzwerk weiter, ohne das etwas passiert.

3. Links gegen Geld in ein Blog zu nehmen ist dumm. Vor allem, wenn es so lächerliche Summen sind (Wobei 50 Euro mehr oder weniger für sehr viele im Monat viel ausmachen kann). Sein Blog zur Linkschleuder zu machen, hilft auch nicht wirklich. Allerdings:…

4. Viele kleinere Blogbetreiber haben ein völlig anders Verständnis von “Blog” als diejenigen, die ihre Blogs als Kommunikationszentrale und Reputationsfahne betreiben. Für die meisten kleineren Blogger ist ihr Seite nicht mehr als eine bequeme Homepage, um die man sich technisch nicht kümmern muss. Vor allem betrachten sie ihr Blog auch als “Ihre Seite” auf der sie tun und lassen können, was sie wollen. Manche Leute stellen sich Telefonmasten auf ihr Haus und bekommen dafür Geld. Andere packen nicht als Werbung gekennzeichnete Links in ihre Texte und lassen sich bezahlen. Die denken nicht mal ansatzweise darüber nach, dass Blogs eventuell eine neue Medienform sind, die die Verlage bedrohen (und haben damit Recht). Diese Diskussion findet bei den “Alpha-Bloggern” statt, nicht bei der großen Masse der kleinen Blogs mit ein paar hundert Besuchern im Monat.

5. Pallenberg macht erstaunlicherweise den Fehler, den viele aus der Verlagsbranche machen. Er spricht von “den Bloggern” als eine homogene Einheit. Die gibt es aber schon lange nicht mehr. Es gibt A-Blogger, Strick-Blogger, Mobblogger usw. Genauso gut hätte er hinschreiben können, dass das Internet korrupt ist. Es ist offenbar allerhöchsten ein Skandal in einem Bereich der Blogs, die kaum gelesen werden. Was die illegale Werbung allerdings nicht besser macht und bestimmten Leuten wieder nur als Vorwand dient, wenn man Stimmung gegen Blogs macht.

Ich will die Sache nicht klein reden, unkennzeichnete Werbung ist inakzeptabel, ein Hinweis unter einem Text tut nicht weh und ein bezahlter Link stört vermutlich die wenigsten Leser der betroffenen Blogs. Dennoch ist es vermutlich Alltag. Dass die Urheber dieses Netzwerks bekannt sind, ist nett, deckt aber nur einen Teil auf. Wenn ich jedes Angebot für “bezahlten Linktausch” usw. das ich bekomme veröffentlichen würde, hätte ich viel zu tun. Das Problem sind nicht mal die kleinen Blogger, die für 50 Euro einen Link auf ihre Blogs setzten, sondern die dahinter stehende SEO-Industrie, deren Machenschaften man sich genauer ansehen sollte.

Siehe auch: (höhö)
Felix
Netzpolitik
Jakblog

Nachtrag 17:44 Uhr
Sponline behauptet, dass Pallenberg die Sache auch aus eigenem Interesse angegangen ist.

SPIEGEL ONLINE legte Pallenberg diese und andere Behauptungen vor. Der lehnte jede Kommunikation zu dem Thema ab: “Die ‘Qualitaet’ des Contents (von SPIEGEL ONLINE, Red.) laesst mich einfach nicht ueber meinen Schatten springen, um sie bei ihrer Recherche auch nur annaehernd zu unterstuetzen.”

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es gibt neben gutem Content noch etwas, das Leute fernab allen SEO-Klimbims auf eine Seite zieht: Glaubwürdigkeit.

    In dem Moment, wo ich weiß, dass jemand, der z.B. über Kaninchen schreibt, sein Blog für Geld mit inhaltlich irrelevanten Links anreichert, Werbekunden die Themenagenda diktieren lässt oder für die Objekte seiner Berichterstattung gleichzeitig als Medienberater oder PR-Mann arbeitet, dann verliert der für mich an Glaubwürdigkeit.

    Damit macht man sich sein Ding langfristig kaputt. Egal ob es ein Blog ist oder eine Tageszeitung. Immer schön trennen. Immer schön disclosen.

  2. Pingback: bezahlte Blogeinträge - Trigami ohne Kennzeichnung |

  3. “Mittlerweile hat sich um den ganzen SEO-Bereich eine quasi-esoterische Industrie entwickelt (…)” Mit Esotherik hat meine Arbeit nun wirklich nichts zu tun, weder Handauflegen noch Hypnose helfen den Webseiten im Google Ranking. Als SEO sorgt man in erster Linie dafür, dass die Inhalte für User und Suchmaschine möglichst gut strukturiert und lesbar übermittelt werden, steht für ein offenes, nutzerfreundliches (barrierefreies) und mit Mehrwert behaftetes Portal (Webseite) ein. Ein Großteil der Zeit räumt man den hippen Agenturen ihren Datenmüll hinterher. Das ist alles. Dass auch Links gekauft, getauscht und gemietet werden ist zwar richtig, aber es geht für einen Großteil der Seiten auch ohne. Sicher, Kredite werden sie ohne Links nicht verkaufen…

    Schön zu sehen, dass auch Sie Herr Dahlmann, die Entscheidung Pallenbergs kritisieren, nicht Ross und Reiter genannt zu haben. Das ist auch das Einzige, was ich ihm wirklich vorwerfen kann. Ich bin zwar in der Lage die Blogs selbst zu finden – und habe auch schon einige entdeckt – aber das öffentliche Anprangern der LinkVERkäufer hätte erst zu einem echten Sturm in der Bloggosphäre führen können. Diese Chance hat Herr Pallenberg vertan und das ist auch der Grund warum ich SPON zustimme: Ein “Geschmäckle” bleibt, denn bisher ist er der einzige Nutznießer der Aktion.

  4. Pingback: Die kleine Bloggergate Welle und der Diskussions Tsunami - Maingold

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