Das lassen wir uns nicht bieten!

Auf der Tagung des VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) hat sich die Branche gegen Angebote gewehrt, die die Inhalte der Verlage nutzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. “Es kann nicht sein, dass wir teuren Qualitätsjournalismus betreiben, und andere einfach abkassieren”, beklagte sich Hubert Burda, Vorsitzender des VDZ. Seit Jahren liegt die Organisation mit dem Verband der Deutschen Kioskbesitzer im Streit. Diese würden zwar auch für eine Verbreitung der Inhalte sorgen, hätten aber auf Grund ihrer quasi-monopolistischen Stellung in Deutschland einen zu großen Einfluss auf den Absatzmarkt. “Die können sich ja quasi aussuchen, ob sie unseren Qualitätsjournalismus verkaufen und wie sie mit unseren Zeitungen umgehen.” Fast alle Zeitungen leiden in den letzten Jahren unter einem massiven Rückgang bei der Zahl der Abonnenten. Man habe zu spät auf die Angebote der Kioske reagiert, teilweise auch falsch. Man wolle sich aber nicht aus der Hand nehmen lassen, wie die Druckerzeugnisse zum Kunden gelangen. Das Abonnement sei weiterhin die sicherste Variante für den Kunden. Kioske würden die Kunden mit ihrem unübersichtlichen Angebot nur verwirren. “Wir brauchen Edelmetall, den Schrott gibt es am Kiosk”, so der Schweizer Verleger Michael Ringier in seiner Rede.

Zu dem beklagt der VDZ die “Gratis-Kultur” im Kiosk- und Zeitschriftenhandel. “Dort werden Zeitungen offen auslegt, so dass jeder Mensch, der zufällig vorbei kommt, einfach darin lesen kann, ohne zu bezahlen. Teilweise werden diese illegalen Angebote von den Kioskbesitzern nicht mal kontrolliert sondern sogar hingenommen.” Der Verband der Deutschen Kioskbesitzer reagierte auf die Vorwürfe mit Unverständnis. “Es steht jedem Verlag frei, seine Zeitungen und Magazine aus dem Sortiment zu nehmen. Wir liefern unseren Kunden auch nur die Schlagzeilen und die Titelblätter. Ein Missbrauch der offen angelieferten Druckexemplare durch einzelne Kunden liegt weder in unserer Verantwortung, noch wollen wir jeden Kunden ohne Verdacht überwachen.” Der Sprecher des Verbandes führte weiter aus, dass die kurzzeitige Betrachtung einzelner Zeitungen und Magazine auch ein Kaufanreiz darstellen kann. “Letztlich muss aber der VDZ wissen, wie er seine Kunden behandelt”, sagte der Sprecher.

Gleichzeitig kündigte der VDZ an, gegen die weitverbreitete Zweitleserschaft vorgehen zu wollen. “Wir freuen uns natürlich, wenn unsere Produkte in der Familie oder am Arbeitsplatz gerne gelesen werden. Aber wenn es Alltag wird, dass man eine Zeitung oder ein hochwertiges Magazin einfach weiter gibt, dann wird uns die Lebensgrundlage entzogen.” Burda machte deutlich, dass die Verlage, wenn auch nach langem Zögern, Angebote für Familien geschaffen haben. “Fast alle unsere Mitglieder haben in den letzten Monaten ein Familienangebot gestartet. So bekommt man zu einem attraktiven Preis zwei Ausgaben der Druckerzeugnisse nach Hause geliefert. Kinder unter 16 Jahren können natürlich umsonst mitlesen.” Das illegale Zweitlesen von Zeitungen stellt laut VDZ eine große Gefahr für die Pressefreiheit dar. “Die sinkenden Einnahmen haben schon zu einem Abbau innerhalb der Redaktionen geführt, einige unserer Mitglieder stehen quasi mit dem Rücken an der Wand.” Ein Angebot für Firmen gibt es zurzeit noch nicht. “Da ist der Arbeitgeber gefragt, ” so Hubert Burda, “er muss darauf achten, dass seine Angestellten die Zeitungen und Magazine nicht einfach weiterreichen.”

Weiterhin im Streit liegt der VDZ auch mit den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten. Hier beklagt man sich, dass vor allem im Radio teilweise ganze Passagen bestimmter Artikel öffentlich zitiert werden. “Es kann ja wohl nicht sein, dass wir die Arbeit machen, und die Damen und Herren vom Radio die Füße auf dem Tisch legen. Sie tragen ihren Hörern das vor, was sie in unseren Qualitätserzeugnissen für interessant befunden haben, weil ihnen selber nichts eingefallen ist”, so Burda wörtlich. Der Ärger des VDZ richtet sich vor allem gegen die Sendung “Presseschau”. In ihr werden lange Zitate aus Kommentaren und Artikeln verschiedenster Zeitungen vorgelesen, darunter auch aus ausländischen Blättern. Der VDZ sieht hier das Zitatrecht angegriffen. Eine Überschrift zu erwähnen sei in Ordnung, doch ganze Sätze würden den Rahmen sprengen, so verschiedene Verlagsvertreter. ARD und ZDF wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück. Es gehöre zum Bildungsauftrag der Sender, inländische wie ausländische Meinungen weiter zu geben. Der VDZ will vor dem Bundesgerichtshof nun gegen ARD und ZDF vorgehen.

54 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Ganz großartig, Don, danke dafür!
    Am schlimmsten finde ich, wenn man tatsächlich nicht mehr zwischen Realität und Satire unterscheiden kann.

  3. Ist heute der 1. April? – das mit der Zweitleserschaft in der Familie und auf dem Arbeitsplatz ist doch ein Witz oder?

  4. ich habe letztens illigalerweise eine im zug liegende zeitung zweitgelesen und schäme mich zutiefst dafür

  5. Hab erst ab dem Zweitleserzeug gemerkt, dass es Satire ist. Woah, sagt einiges über mich aus. Oder über die das permanente Geheule der Verleger.

  6. Ich versteh Euch nicht. Genau sowas traue ich jedem Verleger zu. Menno – bei uns gibt es sogar drittleser und meine ausgelesenen Computerheft verschenke ich an Nachbarn…

    Was ist da erst mit den Herden von “Altpapier – Schmarotzern”!

    Ernst gemeint.

  7. Sehr schöner Artikel. Ich finde nur, es wurden die Friseure und Ärzte vergessen bei denen man auch Umsonst in den Genuss von Printerzeugnissen kommt. Nirgendwo auf der Welt gehen sie Leute so oft zum Arzt wie in Deutschland und da dies ja keiner gerne macht, müssen die Leute ja wohl wegen der Zeitschriften dort hingehen. Und ohne Lesestoff für Umsonst würden wir uns ja auch alle die Haare wachsen lassen.

  8. Und was ist mit dem berüchtigten Lesezirkel, der schon seit Jahren in Praxen und Friseursalons sein Unwesen treibt? Da werden unschuldige Magazine und Zeitschriften quasi zwangsprostituiert – und wöchentlich kommt neuer Nachschub, teilweise 50% unter Kioskpreis.

    Da muss man doch was gegen machen!

  9. schöner Text, besonders lachen musste ich beim Teil zu den Zweit- und Drittlesern. Lustigerweise sind ja gerade die Merhfachleser indirekt dafür verantwortlich, dass die Verlage über Jahrzehnte die völlig überzogenenen Preise für Printanzeigen verlangen konnten, weil in den Reichweitenerhebungen für jede Publikation natürlich auch 4-7 Mitleser eingerechnet waren. Kein Wunder, dass dann online nur “lausige Peanuts” zu verdienen sind.

  10. Hui, bis zum Zweitleserkrimskrams habe ich es geglaubt. Spricht das jetzt gegen mich oder die Verlage/Verleger, die ständig am motzen sind? Gut gemacht!

  11. Sehr gut geschrieben… authentisch. Auch die Zweitleserschaft könnte man so abnehmen, mit dem Intergrund der gesperrten Inhalte.

    Gruß

  12. Ich habe ein bisschen die Retourkutsche der Fernsehanstalten vermisst. Immerhin bedienen sich die Zeitungen schamlos bei deren Programmvorschauen, um damit täglich ihre Medienseiten zu füllen (sog. “Fernsehprogramm”).

    [Vom schamlosen Abschreiben der Waschzettel mal abgesehen, aber das ist ja real und wäre keine Satire mehr.]

  13. Nette Satire :)
    Aber mei oh mei, wieso bringt ihr die Verleger nun auf solche Ideen? Ich sehe es kommen, dass mit Kauf jeder Zeitung zukündtig AGBs vorgelegt werden zur Abzeichnung, wonach es mir verboten wird, die Zeitschrift weiterzureichen. “Nicht übertragbar”, “Nicht für Vorführungen bestimmt” wird zukünftig auf allen Zeitschriften in großen Lettern stehen.

  14. Pingback: Guten Morgen | Too much information

  15. Vielen Dank für diesen Spaß am Morgen (für mich zumindest). Bin auch erst später auf den Witz gekommen. Aber den Sinn, der hinter erst “Hubert Burda” und später “Helmut Burda” steckt, habe ich nicht ergründen können.

  16. Guten Morgen.

    Was wäre denn jetzt mit dem Thema GEZ? Wenn sich schon der VDZ über die Radiomacher beklagt, dann wäre es doch auch denkbar, eine Zwangsabgabe für jeden potenziellen Zeitungsleser zu erheben, der mindestens ein funktionierendes Auge hat.
    Oder die GEZ erhebt keine Gebühr mehr auf Geräte, sondern auf Ohren.

  17. @Guibar: Kein Witz, ein kleiner Fehler, der korrigiert ist.

    Danke für das viele Lob von allen – mir ist beim Schreiben auch aufgefallen, dass man sich nicht mehr sicher sein, ob so eine Satire am Ende nicht doch von der Realität eingeholt wird.

  18. Spätestens zu diesem Zeitpunkt könntest du dir ungefähr ausmalen, welche Zeitschriften/Zeitungen lieber im Regal liegen bleiben sollten…

  19. Ach, die Ansagen wurden gar nicht so gemacht? Ohne die Kommentare hätt ich das ganze Ding jetzt tatsächlich für voll genommen. Irgendjemand im Raum, der dem VDZ solche und ähnliche Ansagen nicht zutrauen würde?

    Danke für den Text!

  20. aaargh, ich habs geglaubt und weitererzählt :D
    peinlich, peinlich…

    Sehr guter “Artikel”, danke!

  21. Argl, erwischt. Ich musste es mehrfach durchlesen, weil ich beim ersten Mal sofort gedacht habe, dass das so stimmt. Sehr gut gemacht, VDZ und Burda großartig porträtiert.

  22. Ich gebe es zu: Ich bin wohl auch ein Krimineller. Wenn ich mich selbst Anzeige, darf ich dann schon nach 2 Jahren wieder lesen?

    Aber mal ehrlich – es ist doch seit Jahren bekannt, dass Abos subventioniert werden und jedem eine Zeitung oder ein Magazin an den Kopf geworfen wird, der nicht bei drei auf dem Baum ist, um die Absatzzahlen für Werbeeinnahmen oben zu halten. Das Ganze hinkt also ein wenig, aber dennoch sehr amüsant und man ist geneigt dem glauben zu schenken um sein Hassbild weiter auszubauen. ;)

  23. Wunderbar erschreckend! :-) Ich bin voll drauf reingefallen: Weil das Ding so glaubhaft und saugut geschrieben ist. Erschreckend ist: Ich hätte es für möglich gehalten!

    “… pühhh, also dann in Zukunft: NEIN, liebe Ehefrau Du kriegst meine “Eltern” nicht, das ist illegal. Kauf Dir gefälligst eine eigene. Da drüben ist der Kiosk und geh …”

    … so manche Satire ist schon Real geworden *duckandrun*

  24. Ja, das ist alles hochgradig absurd.

    Ich wußte zwar von vornherein, daß es eine Parodie ist; aber der Text ist tatsächlich so verfaßt, daß man den Inhalt als seriös wahrnehmen kann.

    Was mir beim Lesen gerade einfiel: Das Schimpfen auf die “Zweitleser” steht in krassem Gegensatz zum Verhalten eines berüchtigten deutschen Revolverblattes, das sich seit langem aus 3 bis 4 Millionen Käufern ca. 12 Millionen Leser zurechtzaubert. Es würde mich aber letztlich nicht mal besonders wundern, wenn bei dieser indoktrinierten und immer ungebildeteren Nation 12 Millionen Deppen zusammenkämen, die dieses Schmierenblatt tagtäglich ohne ein Wimpernzucken konsumierten.

  25. Pingback: EffJot - D’accord

  26. Hat mal jemand überhaupt an all die mittelosen Online-Dienste gedacht? Nein natürlich nicht! Denen werden seit Jahren die Leser abgezogen, durch diese sog. “Printmedien”, und das noch gegen Kohle, wo kommen wir denn da hin?

    Wie kann man was kostenloses wie Worte, Bilder und Artikel schamlos gegen Geld verhökern? Vor lauter Geldgier und Geschäftssinn werden alte Werte wie “Die Informationen sind frei” mit Füßen getreten. Diese Geld- und Machtgier derer aus der VDZ ist kaum mehr zu überbieten!

    Gelobt seien all jede, die uneigennützig weiter dafür sorgen, dass das geschriebene Wort, so jungfräulich wie aus der Feder geflossen, an alle Menschen verteilt werden – für jdermann zugänglich, ohne Profitgedanken sog. Verleger und ähnlichem unsozialen Abzockern des Informationszeitalters.

    Freie Texte, freie Zugänglichkeit und freier Journalismus – das gehört zusammen, das sollte nicht durch schnöden Mammon getrennt werden!

    Forderung: Alle VDZ-Mitglieder müssen ihre Artikel zwei Wochen vor Abdruck an einem – für alle kostenlos zugänglichen – Online-Portal ihrer Wahl abliefern. Nieder mit dem Kommerz mit Worten!

    Die Fleischtaube

  27. Pingback: Lesezeichen | Too much information

  28. Bei meinem Hausarzt liegen hochwertigste Frauenmagazin einfach so aus, dann kann jeder Patient ohne Zuzahlung drauf zugreifen – und hat auch noch Zeit! Und beim Café am Platze hängen sie in Zeitungsleisten an der Gardrobe, und davon bekommen die Verlage keinen Cent.

  29. Es wird online, wie offline Zeit, dass sich Content nach einmaligem Lesen selbst vernichtet!

    Depublizieren von ARD und ZDF-Onlinematerial tut mehr als weh und erschwert Studenten, Journalisten und jedem interessiertem Bürger die Meinungsbildung über vergangenes, dass auch heute wieder aktuell ist.

    Generell aber auch praktisch, wenn das Netz in einigen Jahren nur noch gegen Bezahlung offenbart, dass mal ein Atomausstieg geplant war oder Verlage gut aufgearbeitet Beiträge der öffentlich-rechtlichen, die mittlerweile repupliziert wurden kostenpflichtig anbieten können.

    Seltsame Wege geht das Land….

  30. Der Text ist super.

    Dass es sich hierbei um Satire handelt, lässt sich jedoch leicht herausfinden. Zwar könnten die Aussagen durchaus real sein, aber solange es Google und das Internet ist, brauchen sich Kioskbesitzer, Firmen und Zeitungs-Weitergeber keine sorgen machen.
    Obwohl… die Spieleindustrie geht ja über die vorgeschobene Internetpiraterie mit ihren Kopiererschwerungssystemen aktiv gegen Weitergabe und -verkauf vor; parallel zum Internet.
    Glücklicherweise haben Verlage von all dem keine Ahnung und hängen allgemein 20-30 Jahre hinterher.

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  33. Pingback: Zentrum des Wahnsinns » Linklager – 22. November 2010

  34. Ich werd da gleich mal auf Kapitalgebersuche gehen für ein E-Paper mit:

    – Eingebautem Fingerabdruck/DNA/Irisscanner + angebundener Datenbank und Bezahllösung. Frei nach dem Moto U-Touch/Read->U-Buy….

    – Wenn man jemand Anderen die Zeitung in die Hand drückt, wird automatisch die Auflösung reduziert, überall “Diesen Artikel jetzt kaufen!” Overlays eingeblendet und nach 30 Sekunden Preview wird das Papier schwarz.

    – Und dass man nur für 48 Stunden auf die Inhalte zugreifen kann und danach die Artikel aus dem Archiv nochmal kaufen muss versteht sich ja von selbst.

    Ich glaub damit ist mir der Titel “Held-des-VDZ” sicher.

  35. Boa, ist das gut. Ich habe das tatsächlich eine Weile für echt gehalten. Schlimm, wie weit es gekommen ist.

  36. Bin zu unwissend, als dass ich in dieser “Satire” irgendeine sinnhafte Überspitzung der sich (anscheinend/angeblich?) beklagenden Verleger sehen würde. Alleine von anfänglicher Glaubwürdigkeit auf guten Sarkasmus zu schließen, liegt mir an sich aber fern. Liegt wie gesagt aber vielleicht nur an meiner Unwissenheit.
    Irgendeiner echte Beispiele? Lasse mich gern überzeugen :)

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