Die fehlende Brücke

Könnte ja jetzt auch darauf rumhacken, aber wie immer gibt es da ein Missverständnis. Den meisten geht die „Oberflächlichkeit“ und das eher redundante Dings im Manifest auf die Nerven. Das sei doch alles klar, das wisse man doch schon seit Äonen, heisst es da. Das ist aber genauso eine Fehlinterpretation, wie der Gedanke, dass sich die Vodafone-Werbung an Blogger gerichtet habe. So ein Manifest / Papier / Gedankensammlung richtet sich ja per se nie an die, die von einer Sache was verstehen. Sonst hätte Luther seine Thesen auch direkt auf Latein in Rom bei einer Kommission abgeben können.

Nein, es richtet sich an Menschen, die keine Ahnung davon haben. „Huch, Internet? Also, ich les Zeitung“ usw. Denen man also die Sache erklären möchte. Denen man zeigen möchte, was sich so in der Parallelwelt, die sie selten betreten, so abspielt.

Deswegen ist die Bezeichnung natürlich bescheuert. Manifest. Die Dinger sind spätestens seit dem Dada-Manifest nicht mehr so richtig ernst zu nehmen. Ich kann verstehen, wenn man das Wort „Erklärung“ nicht so recht nutzen mag, weil das ja etwas abgenutzt ist. Vielleicht Thesen?

Aber – so nett die Idee ist, so sinnlos ist es, wenn „nur“ die üblichen Verdächtigen drunter stehen. Die – seien wir mal ehrlich – außerhalb der Netzwelt keiner kennt, wenn man mal von Niggemeier* und Bunz* absieht. Wofür aber braucht es aber so ein Dings, wenn es keine Verknüpfung auch zu jenen gibt, an die man sich auch wenden möchten? Also all die Printredakteure, CvDs und Chefredakteure der großen Zeitungen? Wo ist deren Unterschrift? Mit der Unterschrift von 20 Chefredakteuren wären die Adressaten auch erreicht worden.

Ich weiß, dass man die nur schwer bekommt – also kein pauschaler Vorwurf an die Initiatoren, aber die Frage, warum zum Beispiel Thomas Knüwer nicht seinen Chef mal wegen einer Unterschrift angepingt hat, kann man doch schon mal stellen.

So bleibt der im Moment oft formulierte Verdacht, dass ein paar wenige sich mit ein paar Thesen in den Vordergrund schieben möchten, was natürlich auch Quatsch ist. Denn die, die da unterschrieben haben, stehen ja eh schon in der ersten Reihe. Eher, finde ich, bleibt die Enttäuschung, dass es nicht mehr Namen unter dem Manifest gibt. Das die Printler komplett fehlen oder sich nicht haben anschliessen wollen. Denn der Journalismus verändert sich gerade nicht nur im Netz, sondern auch auf anderen Gebieten. Ebenso, wie sich die Aufgaben des Journalismus gerade ändern und wie man erkennt, dass es einen Unterschied zwischen dem Verlag gesteuerten und dem freien Journalismus gibt, der sich den Postdemokratischen Bewegungen entzieht.

Dies klar zu machen, ist keine leichte Aufgabe, weil man gleichzeitig auch eine Neudefinition des Journalismus betreiben müsste, aber genau das wäre ja auch mal zu begrüßen. Dann auch gern mit einem Manifest.

*zufällig ausgewählte Namen

11 Gedanken zu “Die fehlende Brücke

  1. Den Hinweis, dass sich so eine Schrift vor allem an diejenigen richtet, die _nicht_ so intensiv im Thema sind, finde ich in der Diskussion wirklich klug und erfrischend. Ändert für mich selbst allerdings nichts daran, dass diesen 17 Thesen jeder innovative Gedanke fehlt.

  2. Mir fehlt es an ehrlicher Analyse. Die Behauptungen sind sehr oft nur reine Wunschvorstellungen. Der aufgeklärte Mensch ist auch durch die Umgehung von Medienkonglomeraten nicht entstanden.

  3. Ich habe es nebenan bei mir so formuliert:

    Fast noch schlimmer als all die Spinner, die immer die anderen sind und mit denen wir uns Tag für Tag herumschlagen, empfinde ich zuweilen die Oberlehrer und Besserwisser, die nimmermüde darüber philosophieren wie das Netz ist, wer im Netz ist und wie das Netz sein müßte und könnte, wenn man es nur endlich in Ruhe gedeihen ließe. Davon gibt es mindestens 15.

  4. Ich denke, gut wenn solche Gedanken nicht nur gedacht, sondern auch ausformuliert und aufgezeichnet werden. Aber solche Ansätze sind lediglich der erste Schritt in die Richtung und vielleicht überschätzt man zu schnell Wirkung dessen, was für die eigenen Ohren sicherlich grandios klingen mag. Weitere Schritte in diese Richtung halte ich für notwendig.

  5. ich möchte mal erwähnen, dass aus meinem familien-, freundes-, bekannten- und berufskreis dem nach meinen outlook einträgen min. 800 personen angehören allerhöchsten 4 personen Niggemeier* und Bunz* kennen. ich kenne also genau 4 personen, die in der medienwelt zuhause sind. und bei denen bin ich mir bzgl. ihrer kenntnisse noch nicht mal ganz sicher. ich kenne trotz hoher und langer internetaffinität bunz überhaupt nicht und niggemeier nur vom quergelesenen hörensagen. mal gelesen, aber interessiert mich nicht wirklich. ebenso wußte ich garnicht wer der bunte schleimer in dem seltsamen vodafone video ist, das allerorts beschimpft wurde. noch weniger wußte ich, was der mir dort wirklich mitteilen wollte.

    an wen soll das „manifest“ also bitte gerichtet sein? ich kenne das mit der nabelschau im elfenbeinturm ja zu genüge aus meinem eigenen genre, aber bei euch jounalisten nimmt das für außenstehende mitunter echt sehr pathologische formen an. davon ab finde ich das manifest superschlimm peinlich weil sprachlich total verkrampft. sowas liest sich kein normaler mensch ernsthaft durch.

  6. Meine bescheidene Meinung:

    Für ich wirkt das wie ein versuchter Selbstschutz einer selbsternannten „elitären“ Gemeinschaft. Kein normaler Mensch wird davon erfahren und auch am Großteil der Netzgemeinde wird die Geschichte relativ spurlos vorübergehen. Soll heißen, die Welt des Internet ist viel größer als bei dieser Aktion bedacht, so dass man ein Thema wie dieses, welches ja eine spezielle Gruppe der Netzwelt betrifft, nicht mit „Internet Manifest“ verallgemeinern kann.

    Die Idee dahinter mag gut und auch sinnvoll sein, allerdings lässt die Art und Weise der Umsetzung und der Kommunikation zu wünschen übrig.

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