Google, das eigene Auto und Waymo – Was ist die Strategie?

Den Markt der Mobilität hat Google schon lange im Auge. Bisher sah es so aus, als würde man ein eigenes Auto produzieren wollen. Doch das ist vom Tisch. Stattdessen hat sich der Konzern mit der Marke Waymo neu ausgerichtet. 

home-where

Google/Alphabet hat also beschlossen, dass man die kleinen Wägelchen, die man zur Zeit als autonome Fahrzeuge ausprobiert, nicht in großer Stückzahl bauen möchte. Das erscheint überraschend, ging man doch bisher davon aus, dass Google demnächst die Städte mit den Dingern fluten würde um billige Fahrleistungen anzubieten. Bedeutet dies das Ende der Pläne von Google? Bedeutet dies, dass die „alte“ Autoindustrie den Angriff der Tech-Industrie abgewehrt hat? Die Antwort lautet: Nein. Denn gleichzeitig hat Google eine eigene Plattform für Mobilitäts-Dienste gegründet: Waymo.

Waymo soll die Angebote rund um die Mobilität neu bündeln. Man spricht davon, dass man auch im Bereich der autonomen Mobilitätsangebote unterwegs sein will. Dazu kommt Ridesharing. In letzterem ist Google schon gut, wenn auch unsichtbar aufgestellt. 2013 hatte man den Anbieter „Waze“ gekauft, die in Israel seit diesem Jahr schon mit privaten Ride-Hailing Diensten experimentieren. Waze selber ist eine Plattform, die sich bisher auf Staumeldungen und Bewegungsdaten konzentriert hat. Das man Waze mit wenigen Updates und Blockchain Technologien schnell zu einer gigantischen Ride-Sharing Plattform umbauen lässt, hat Google schon mehrfach angedeutet.

/center>
An Uber ist Google seit 2013 beteiligt, nachdem man über Google Ventures 250 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt hat. Allerdings ist das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen in letzter Zeit etwas schwierig. In wie weit Waymo die nächste Eskaltationsstufe im kalten Krieg zwischen beiden Firmen darstellt, ist schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall wird man Geld brauchen, um den Kampf auf dem Markt der neuen Mobilität zu gewinnen.

Dabei deckt man schon viele Bereiche ab, die man jetzt nur bündeln muss. Eigene A.I. Forschung, Waze, Android Car, Google Maps/Streetview für hochauflösende Karten, Erfahrung mit eigenen Ridesharing, Ride-Hailing, Abrechnungssysteme usw.

Und da stört das eigene Auto eher. Den kleinen Wagen, der ohne Lenkung und Pedale auskommt, hat Google in Eigenregie entwickelt. Den Prototypen hatte man tatsächlich per Hand gebaut, die Fertigung dann aber später ausgelagert. Gebaut werden die Fahrzeuge von einem Zulieferer der US-Industrie, Roush Enterprises.

Roush stellte den Wagen in einer Kleinserie her. Das ist teuer, weil die Autos mehr oder weniger auf einer kleinen Linie per Hand gebaut werden. Es war klar, dass Roush nur eine Zwischenlösung sein würde. Um tausende der winzigen Autos zu bauen, hätte man sich auf einer Produktionslinie eines Herstellers einkaufen müssen. Was ebenfalls teuer ist und viel Zeit kostet, dass die Linien erstmal auf die Herstellung eines neues Autos umgestellt werden muss.

Ein weiteres Problem für Google: würde man die Autos zu Tausenden auf die Strassen schicken, müsste man früher oder später ein eigenes weltweites Servicenetz aufbauen müssen, oder man muss sich in eines einkaufen. Das kostet ebenfalls Geld und bindet viele Ressourcen. Für den freien Verkauf war das Auto zwar nie gedacht, aber auch Carsharing Autos müssen gepflegt werden. Die Kosten dafür sind immens.

Natürlich hätte man sich in ein bestehendes Carsharing-Netz einkaufen können, aber realistisch gesehen gibt es nur vier: Car2Go von Daimler, DriveNow von BMW, Maven/Lyft von GM und Gett von VW. Der Rest ist zu klein. Eine andere Variante, die auch nicht vom Tisch ist: man kauft sich bei einem Ridesharing Dienst ein, was Google bei Uber schon gemacht hat.

Mal abgesehen vom Produktions- und Serviceaufwand, stand Google vor einem weiteren Problem: die Behörden. Auch im eher innovationsfreundlichen Kalifornien waren die Behörden nicht davon zu überzeugen Autos ohne Lenkrad und Pedale im Regelbetrieb auf die Strasse zu lassen. Das hat das Projekt am Ende erschwert, weil man den gesamten Wagen hätte neu konstruieren müssen.

Google scheint sich jetzt für den Moment auf die Arbeit mit Fiat-Chrysler (FCA) zu konzentrieren. Die von Google angestrebten Level 4 und Level 5 Autos werden eh noch ein paar Jahre benötigen, bis fertig entwickelt sind und die Freigaben für den Verkehr haben. Also was ist der Plan von Google in Sachen eigner Fahrzeuge?

Sie werden auf Dauer eine Kooperation mit einem Hersteller anstreben. Ich weiß von zwei Herstellern und einem großen Zulieferer, die in den letzten zwei Jahren von „Tech-Firmen“ angesprochen wurden, die ihrerseits wissen wollten, was die Entwicklung eines gemeinsames Autos denn so kosten würde.

Dabei spielen große Zulieferer wie Magna, Continental und auch ZF durchaus eine große Rolle. Zum einen stellen die einen großen Teil der Sensoren für das autonome Fahren her, zum anderen werden sie bemüht sein, den drohenden Auftragsrückgang aus der klassischen Autoindustrie zu kompensieren. Die genannten Unternehmen sind in der Lage dazu eigene Fahrzeuge herzustellen und haben dies auch schon gemacht.

Google ist also weit davon entfernt aus dem Spiel zu sein. Im Gegenteil. Die Entscheidung, das eigene Fahrzeug zunächst nicht mehr weiter zu entwickeln, setzt im Konzern Ressourcen frei, die man jetzt anders bündeln kann. Was da genau passieren wird, dazu äußert sich Google auch nach der Gründung von Waymo nicht. Google ist aber nicht aus dem Spiel, nur weil man das eigene Fahrzeug für den Moment nach hinten stellt. Der Angriff hat gerade erst begonnen.

Bild: Google/Waymo

Ein Gedanke zu “Google, das eigene Auto und Waymo – Was ist die Strategie?

Comments are closed.