Warum Hillary Clinton verloren hat

Tja, wie konnte das passieren? Clinton hat in den Metropolen genau die Ergebnisse geholt, die sie hätten holen müssen. Sie war teilweise sogar stärker als Obama in den letzten beiden Wahlen. Aber Trump hat mehr Leute auf den Land mobilisiert, als viele dachten und vor allem in den wirtschaftlich verunsicherten Vorstädten ebenfalls mehr Stimmen geholt als McCain oder Romney. Es hilft nicht, dass Clinton dank der Wähler in Kalifornien insgesamt mehr Stimmen als Trump holen konnte. Wie schon 2000 haben andere Gruppen die Wahl entschieden.

Dazu beigetragen haben die von der Globalisierung überrollten klassischen Arbeiter, deren Arbeitsplätze vom Neoliberalismus weg gefegt wurden, und um die sich keiner mehr gekümmert hat. Michael Moore hatte im Sommer schon darauf hingewiesen, dass der Sieg von Trump im „rust belt“ entschieden wird, also die ehemaligen Stahl- und Industriezentren in Michigan, Ohio, Iowa usw. Und genau da hat Trump die Wahl unter anderem gewonnen. Dabei hat man das das Drama um diese Staaten sogar kommen sehen. Im letzten März hat Bernie Sanders die Vorwahlen in Michigan gewonnen, im übrigen auch gegen alle Vorhersagen. Da hätte man sehen können, dass die Demokraten mit einer Politikerin, die für das Establishment steht, Probleme haben könnten.

Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass sich hinter Trump nur weiße rassistische Kreationisten verstecken. Es sind viel mehr jene, die früher der unteren und mittleren Mittelschicht angehört haben, die nach 2008 in den USA stärker erodiert ist, als in vielen anderen Ländern. Die Bevölkerung in den kleinen Städten, weit weg von den Metropolen. Da wo die mittelständische Wirtschaft erodiert ist, weil Technologiefirmen eben in den großen Städten sitzen und nicht in Iowa. Es sind Menschen, die mit dem Rücken zur Wand stehen, die Hypotheken nicht mehr zahlen können, die sich seit Jahren fragen, wie es weitergehen soll.

Wie beim Brexit haben viele Menschen ihr letztes Geld auf die Karte „Lass uns mal was anderes ausprobieren“ gesetzt. Wenn man nichts zu verlieren hat, dann macht man so was. Das mag auf lange Sicht dumm sein, aber wenn man das Gefühl hat, dass es nur noch schlechter werden kann, wenn alles so weiter geht, dann schaut man nicht auf das, was in 10 Jahren ist, sondern auf das, was jetzt ist.  Allein dass Bernie Sanders während der Vorwahlen Clinton das Leben ausgerechnet in den klassischen Staaten der Demokraten so schwer gemacht hat, musste man als in Nachhinein als Warnung sehen. Auch innerhalb der Demokraten gab es offenbar genug Wähler, die keine Lust mehr auf das „Weiter so…“ hatten, die nach einer starken Alternativen suchten und sie ausgerechnet in einem Mann fanden, der sich als Sozialist versteht. Was in den USA fast so was wie ein Schimpfwort ist. Aber man dachte wohl, dass man gegen einen „Clown“ gewinnen würde, dass die Wähler in den Metropolen und die Minderheiten Trump verhindern werden.

Clinton und die Demokraten haben Trump völlig unterschätzt. Auch nachdem er alle Kandidaten der Republikaner weg gefegt hatte. Aber Trump ist ein kein Idiot. Er mag ein Psychopath sein, ein Egomane, eine außer Kontrolle geratene, cholerische Mittelstreckenrakete. Aber er ist kein Idiot. Er hat sich die richtigen Leute für seine Kandidatur ausgesucht, er hat darauf vertraut, dass er mit der „Ich bin halt so…“ Attitüde gegen die glatte, oberflächliche und Phrasen-dreschende Polit-Prominenz durchkommt. Er und seine Berater haben eine geniale Strategie entworfen und sie hat funktioniert.  

Erstaunlicherweise hat Trump die Republikaner damit gerettet, jedenfalls für den Moment. Aber mit Mitt Romney, Paul Ryan und vor allem Marco Rubio hat man drei hervorragende Kandidaten in petto, selbst wenn Trump während seiner Präsidentschaft scheitern sollte. Was ja bei den Fettnäpfchen, die er so gerne trifft, nicht unmöglich ist.  Die Demokratische Partei in den USA steht dagegen vor einem Scherbenhaufen. Man hat sich komplett der Familie Clinton ergeben und man hat alles verloren. Präsidentschaft, Senat, Repräsentantenhaus, Supreme Court. Und da ist im Moment niemand zu sehen, der in vier Jahren das Ruder rum reissen kann.

8 Gedanken zu “Warum Hillary Clinton verloren hat

  1. Meine Meinung ist, dass Trump die Stimmen geholt hat, weil die USA sich von der Präsidentschaft unter George W. Bush und den Folgen der Immobielienblase, nicht erholt hat. Viele Menschen scheinen das weltweit vergessen zu haben.

  2. [Dazu beigetragen haben die von der Globalisierung überrollten klassischen Arbeiter, deren Arbeitsplätze vom Neoliberalismus weg gefegt wurden..]

    Kannst du das belegen? Aus den Analysen geht hervor, dass die einkommensschwachen eher Clinton gewählt haben. Deine These klingt plausibel, zugegeben und ich würde sie gefühlt unterstützten. Aber einen Beleg habe ich noch nicht gesehen.

  3. Kleine Ergänzung: Trump hat imho auch deswegen gewonnen, weil Clinton prozentual bei Schwarzen, Lations, Asiaten und auch bei Frauen schlechter abgeschnitten hat als Obama 2012. Ich selber bin ziemlich sicher, dass Sanders möglicherweise besser abgeschnitten hätte.

  4. Das ist eine Frage, die sich vermutlich einige in der Demokratischen Partei stellen: Wären wir mit Bernie besser dran gewesen. Schwierig. Sanders hätte sicher die Minderheiten und die enttäuschten Linken (die vermutlich bei Hillary eher zu Hause geblieben sind) besser eingefangen. Aber die „Reagan-Democrats“, also die eher konservativen Demokraten und die konservativen Wechselwähler hätte er nicht angesprochen, das kann Hillary besser. Hätte Bernie verloren, hätten dann jetzt alle gerufen „Hillary hätte Trump leicht kalt gestellt, wie irrsinnig, einen Sozialisten gegen einen Populisten aufzustellen.“ Zu dem: Hillary hat die Vorwahlen gewonnen.

  5. Klar, Hillary hat die Vorwahlen gewonnen, aber unter nicht ganz so fairen Bedingungen: https://heise.de/-3278814. Ob es trotzdem für Sanders gereicht hätte ist eine andere Frage.

    Dein Einwand mit den konservativen Demokraten ist richtig. Die hätten sich mit Sanders sehr schwer getan um es vorsichtig auszudrücken. Aber die Frage bleibt (ich weiß, ist Spekulation) ob er nicht bei den Leuten im sog. „Rust Belt“ nicht deutlich besser abgeschnitten und dadurch die „verlorenen“ konservativen Demokraten kompensiert hätte.

    Naja, wir werden es nie erfahren.

  6. Nehmen wir an, dass Bernie Pennsylvania (20 Wahlstimmen), Michigan (16) und Wisconsin (10) geholt hätte. Waren alles knappe Ergebnis, Hillary ist hier wohl gescheitert, weil nicht genügend Demokraten zur Wahl gegangen sind. Das hätte tatsächlich für Bernie gereicht. Aber hätte Bernie die konservativen Demokraten in Colorado (9) Virginia (13) oder New York (29) erreicht? Schwer zu sagen.

    Aus der Sicht der Demokraten war Bernie ein Risiko, zumal man ja auch lange mit Ted Cruz oder Marco Rubio gerechnet hatte. Gegen die hätte Bernie es wiederum schwer gehabt.

    Aber hätte, hätte, Fahrradkette… :)

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