Döpfner vs. Google

Mathias Döpfner hat also Angst vor Google. Apple wollte er dagegen noch auf Knien danken. Aber seine Argumente sind teilweise nicht von der Hand zu weisen. In der Tat konzentriert sich die Macht von Google in derartig vielen Bereichen, dass es immer schwieriger wird, dem Konzern aus dem Weg zu gehen. Nun kann man argumentieren, dass der Springer Konzern sich im Grunde auch über den eigenen Machtverlust beklagt, vor allem im Bereich der Werbung. Da ist sicher auch was dran. So wie die Regionalfürsten im 19. Jahrhundert die aufstrebende Macht Preußens fürchteten und sich bemühten, Bismark auszubremsen, so stehen jetzt auch Unternehmen wie Springer vor dem Problem, dass sie in einer globalisierten und zunehmend technisierten Ökonomie kaum eine Chance gegen einen Großkonzern wie Google haben. Die Warnung von Döpfner, dass Google in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens Macht gewinnt, ist aber gerechtfertigt. Selbst notorische Google-Vermeider werden es in den nächsten Jahren schwer finden, der Firma ausweichen zu können.

Das ist allerdings ein Gefängnis, dass man sich selbst gewählt. Und mit „man“ meine ich alle Internetnutzer. Es geht nicht (nur) um Gmail oder Android, das ist noch etwas anderes. Es geht um etwas mehr Grundsätzliches: die Suche.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste „Boaaaah“ Erlebnis, als ich Ende der 90er Jahre Google das erste Mal nutzte. Während alle anderen Anbieter bestenfalls von betrunkenen Waschbären ausgewürfelte Suchergebnisse schafften, die sich bei jeder neuen Anfrage auch wieder änderten, gelang es Google von Anfang an meist das zu liefern, was man auch wirklich suchte. Oder es war zumindest weniger unscharf, als die Konkurrenz. Nachdem ich lange Suchmaschinen wie „Altavista“ genutzt hatte, dauerte der Wechsel zu Google nur ein paar Stunden.

So dürfte es jedem gegangen sein, denn sonst wäre Google kaum in wenigen Monaten so erfolgreich geworden. Und es gab auch keine Konkurrenz. Alle Suchmaschinen, egal von wem, waren über Jahre immer schlechter.

Google nutzte diese Position schon früh aus, in dem sie die User aufforderten, ihre Webseiten und Artikel so zu gestalten, dass sie klarere Suchergebnisse auswarfen. Das Argument lautet noch immer „Wenn Du auf den ersten drei Seiten der Suche auftauchen möchtest, dann muss Du uns helfen.“ Es gibt seitenlange Beschreibungen, wie man seine Inhalte für den Google Bot besser aufbereiten kann und es hat sich eine milliardenschwere SEO-Industrie entwickelt, die teils mit echten Hilfen, teils mit manipulativen Techniken die Suchergebnisse beeinflussen möchte. Aber am Ende bleibt die Tatsache, dass Google das Internet und seine User dazu erzogen hat, für Google zu arbeiten.

Schön sichtbar ist das bei Artikeln und deren Überschriften. Man hat sich daran gewöhnt, dass sie nach einem bestimmten Schema aufgebaut sind, dass man auf jeden Fall in Headline und Beschreibung die Keywörter platziert und diese auch schön immer wieder im Text verteilt. Die Konzentration auf die Googlesuche ist komplett, was dazu führt, dass man überhaupt nicht mehr darüber nachdenkt, dass es auch andere Suchmaschinen gibt (Bing, DuckGoGo).

Das Ignorieren der Konkurrenz eröffnet einen Teufelskreis, denn weil man nur für Google arbeitet, sind die Ergebnisse woanders schlechter, was dazu führt, dass von dort weniger Besucher kommen. Die Konkurrenz ist deswegen gezwungen, die Technologie von Google zu kopieren, was nicht funktionieren kann, da sich die Suchergebnisse bei Google auch aus anderen Dingen als nur der reinen Suche speisen. Die Konkurrenz bleibt schlechter und somit alle bei Google. Ein Win-Win-Win Situation für Google.

Am Ende landet man dann in der bekannten „Filterbubble“, bestehend aus Cookies, Suchwortspeicherung, behaviour related search und für Google optimierten Einträgen. Das ist für bestimmte Recherchen so schlimm geworden, dass Google selber dazu rät bestimmte Suchen in einem „privat tab“ auszuführen, damit man wieder ungefilterte Ergebnisse hat.

Im Grunde tragen wie also alle mit dazu bei, dass Google seine Macht weiter ausbaut, weil die User willfährig alles machen, was Google von verlangt, nur damit die eigene Seite in den Suchergebnissen möglichst weit vorne auftaucht.

Und hier greift dann auch meine Kritik wieder an Mathias Döpfner und den deutschen Verlagen. Man kann über das Leistungsschutzrecht eine Menge Schlechtes sagen, aber im Endeffekt bot es den Verlagen eine Chance, entweder mit einer Zuwendung zu anderen Suchmaschinen oder im Aufbau einer eigenen, regionalen Lösung, Alternativen zu schaffen. Die Verlage haben nun ihr LSR, nutzen es aber nicht, weil es ihnen nur als Instrument diente, von Google etwas mehr Geld zu kassieren. Auch wenn der Wunsch vielleicht da gewesen sein mag, die Abhängigkeit von Google zu verringern, man hat ihn nicht weitergedacht. Im Gegenteil – weil man sich von Google nun bezahlen lässt, ist die Abhängigkeit von Google nur noch größer geworden. An der Feststellung „Die Verlage brauchen Google, Google aber nicht der Verlage“ hat sich nichts verändert. Was auch wieder damit zu tun hat, dass Google wegen der breiten Unterstützung durch seine User, genügend Alternativen hat.

Die Warnung von Döpfner vor Google hat also durchaus seine Berechtigung, ist allerdings auch ein wenig schizophren, weil die Verlage in ihrer eigenen Suchmaschinenpolitik und Optimierung nichts verändert haben. Döpfner beklagt die Macht von Google, sein Konzern füttert das US-Unternehmen aber weiter fleißig mit. Gleichzeitig sollte sich jeder User aber mal an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob man weiter in der Tretmühle der Googlesuchmaschine stecken möchte. Und welche Alternativen man hat.

5 Gedanken zu “Döpfner vs. Google

  1. Moment. Die Prämisse mit der Optimierung kommt aber nicht ganz hin. Was auch immer eine konkurrierende Suchmaschine sonst noch machen wollen würde, diese Signale (Schlüsselwörter im Titel etc.) würde sie auch verwenden wollen — und können, da sie offen sind.

    Das Problem ist erstmal einfach nur, dass es schwer ist, mit der Größe von Google’s Index zu konkurrieren, und deren Informationen über Suchverhalten.

  2. @ClaudiaBerlin

    Das steht im Artikel von Döpfner bei der FAZ: Google Adwords läuft auch auf den Internetangeboten der Totholzmedien.

Comments are closed.