Die E-Petition und die Medien

Die Zeichnung der E-Petition gegen die Netzsperren läuft recht gut, wie man hier ablesen kann. Das ist schon mal nicht schlecht.

Bei der ganzen Diskussion hat mich von Anfang an gestört, dass die „klassischen“ Medien kaum bis gar nicht auf das Thema eingegangen sind. Sind Zeitungen nicht dafür da, komplexe Sachverhalte vernünftig zu erklären? Und steht da nicht gerne mal „überparteilich“ und „unabhängig“ über einem Blatt? Und wehrt man sich gegen den Netzjournalismus mit dem Argument, die subjektive Bewertung von Dingen durch einen Autor entspräche nicht den hehren Zielen des Journalismus? Demnach würde ich eigentlich zumindest erwarten, dass man die Kritiker, bzw. eine kritische Petition zu einem Thema ebenso beachtet.

Man muss nun aber nicht unbedingt eine Position zum Thema beziehen. Es reicht ja schon, wenn man generell über den Protest berichtet. Immerhin haben in den letzten 24 Stunden rund 23.300 (Stand 18:30 Uhr) Menschen die Online Petition unterzeichnet, was ja jetzt nicht so wenig ist.

Da ich nun nicht alle Print- und Onlinemedien verfolge, habe ich heute einfach mal ein paar Zeitungen und Onlineportale per Twitter befragt, ob da schon was berichtet wurde, oder ob da noch was kommt. Befragt wurden von mir folgende Twitter Accounts (die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit), die Antworten, so fern erfolgt, habe ich darunter gepostet.

Die Anfrage erfolgte am 05.05.09 um ca. 14.40. Stand der Antworten am 06.05.09 10:00 Uhr. Über Hinweise in anderen Publikationen in den Kommentaren würde ich mich freuen.

06.05.09: Ich habe die Liste neu sortiert, damit sie etwas übersichtlicher ist, und man sieht, wann auf die Anfrage reagiert wurde.

Antwort am 05.05.09

http://twitter.com/tagesspiegel_de
Antwort: nein. aber wir geben die idee gern in die redaktion weiter.
[Weitere Antwort siehe @zeitonline]

http://twitter.com/focusonline
Antwort (Via Heiko Hebig): siehe @focusonline http://is.gd/wH7T #zensursula

http://twitter.com/sternde
Hat nicht geantwortet, aber heute einen Text online gestellt. Danke an Jens für den Hinweis in den Kommentaren.

http://twitter.com/zeitonline
Antwort: (kam von @tagesspiegel_de, die haben eine gemeinsame Redaktion mit zeit.de) so jetzt ist’s online. netterweiser von den kollegen von @zeitonline #epetition [http://is.gd/wUJq]

http://twitter.com/weltkompakt
Antwort: Ja. Kommt morgen [Mittwoch, DD] im Politikteil

http://twitter.com/derwesten
Antwort:Ja, haben wir: Gestern das hier http://www.derwesten.de/954fXg und heute dies http://www.derwesten.de/955aHv #Petition
Zusätzlich hatte Lyssa Katharina Borchert schon früh in einem Kommentar Stellung bezogen [Via @Heiko]

http://twitter.com/HAZde+
Antwort: Die E-Petition nehmen wir Donnerstag ins Blatt #Computerseite

http://twitter.com/N24_de
Antwort: #Zensursula 20.000 User unterzeichnen Petition gegen Netzsperren http://bit.ly/hSwPs #News

Antwort am 06.05.09

http://twitter.com/rponline
Antwort: Wir haben was gemacht. Hier der Link http://tinyurl.com/cekrxm

Keine Antwort

http://twitter.com/weltonline

http://twitter.com/mopo

http://twitter.com/maz_aktuell

http://twitter.com/NN_Online

http://twitter.com/ntvde

http://twitter.com/express24

http://twitter.com/StN_News

http://twitter.com/mainpost

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wie sieht es mit CNN aus? Wäre doch auch vielleicht ne interessante Geschichte für die.

  2. Volle Zustimmung. Aber das Bedenkliche ist ja eigentlich nicht erst die Ignoranz gegenüber der Petition jetzt, sondern schon das weitgehende Schweigen, mit dem der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ auf die massiven Grundreichtseingriffe selber und die hanebüchenen Vorwände zu ihrer Durchführung reagiert bzw. genau nicht reagiert hat.

    „Die etablierte Presse, die sich so gerne, in durchaus selbstgerechtem Ton, als „vierte Macht im Staat“ und als einzige Quelle objektiver Nachrichtenvermittlung und Weltinterpretation geriert, hat angesichts der beispiellosen Demontage von Grundrechten leider komplett versagt.

    Das Recht auf Informations- und Meinungsfreiheit wird wesentlich eingeschränkt, aus Gründen, die entweder schlichtweg erfunden oder manipuliert sind, mit Mitteln, die weder transparent noch demokratisch kontrollierbar oder legitimierbar sind, unter unsachlicher und geschmackloser Diffamierung jeglicher Kritiker – Na und?
    Kein Anlaß, in den Redaktionsbüros unserer sog. „Qualitätspresse“ kritische Worte zu finden! Kein „J’accuse!“ in den Zeitungen, keine investigativen Recherchen, ob das, was Frau von der Leyen mantraartig wiederholt, auch irgendeine Referenz auf die Wirklichkeit hat.

    Im Gegensatz zu den Personalien von Sportvereinen, der Schweinegrippe oder dem eigenen Nabelschaukongreß scheint die Beschneidung von Grundrechten und die Einführung eines unkontrollierbaren Zensurinstrumentariums eine Petitesse für die Presse zu sein.“
    (Auszug aus einem längeren Kommentar, den ich gestern bei der taz hinterließ: http://bit.ly/uewvQ)

    Man stelle sich hingegen die Empörung vor, die bei einem vergleichbaren Angriff auf die Freiheit der (traditionellen) Presse selber geherrscht hätte…

    Doch Honi soit qui mal y pense: ist es sehr abwegig, sich vorzustellen, daß der Umstand, daß die Zensur „nur“ das ohnehin ungeliebte und mehrheitlich als Bedrohung empfundene Internet treffen soll, eine Rolle spielt für die merkwürdige Teilnahmslosigkeit der Holzmedien? À la: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“? Und „Endlich unternimmt mal jemand was gegen dieses schreckliche Internet“?
    Aber wie gesagt: nur ein Schelm würde derart Böses denken…

    Sollte man also in den verschlafenen Redaktionsstübchen der Republik doch noch aufwachen und sich für solche Petitessen wie Grundrechtseingriffe interessieren: wäre es schön. Wenn nicht wäre es allerdings auch nicht weiter schade. Offensichtlich gibt es eine kritische Öffentlichkeit, die gegebenenfalls Protest artikulieren und mobilisieren kann, inzwischen auch jenseits der alten Medien. Möglicher- und traurigerweise gibt es sie inzwischen (oder zumindest bald) sogar nur noch jenseits der alten Medien…

    Der Erfolg der Petition stimmt jedenfalls hoffnungsvoll und läßt mich gespannt sein, ob sich in der Zukunft auch bei anderen relevanten Themen eine derart breite aufgeklärte Gegenöffentlichkeit zusammenfinden wird.

  3. hey don,

    dafür, dass die petition erst gestern vormittag durch das netz getrieben wurde, obwohl sie schon am 22.4. startete und fast alle medien von gestern bis morgen darüber berichten, finde ich das schon ok. oder liege ich falsch?

  4. Bei Stern und Frankfurter Rundschau leider auch nur die reine Übernahme der inhaltlich sehr dürftigen DPA-Meldung – bislang zumindest.

  5. Die Süddeutsche hat m.W. von Anfang an auch sehr wohlwollend bis zustimmend über die Kritik an Zensursula berichtet.

  6. @Peter T. Lenhart: Folgendes spielt wohl auch eine Rolle: Nicht allzu viele Journalisten wollen sich gern (auch wenn es objektiv nicht zutrifft) oberflächlich betrachtet auf die Seite der Kinderpornographen stellen. Deshalb ist ja auch dieser Anfang (aus politischer Sicht) so „klug“ gewählt. Und die traditionelle Printpresse hat doch „Vergleichbares“ sehr wohl schon mit der Indizierung hinter sich. Deshalb: Die Notwendigkeit, das Netz gegen die Sperren schon an dieser Stelle zu verteidigen, muss erst einmal deutlich gemacht werden. Ginge es nur um die Kinderpornographie, wäre es auch mir wirklich sch…egal.

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