Was machst Du da eigentlich?

Eine der schwierigen Fragen im Leben, die es zu beantworten gilt wenn man sein Geld im Netz verdient, ist „Was machst Du da eigentlich?“ Meine Eltern stellen sie schon nicht mehr, Freunde, die nicht so sehr im Netz aktiv sind, schauen mich schon mal komisch an. So wie man einen Menschen anschaut, der ein „Import-Export“ Geschäft hat. Aber die Frage ist zum einen schwer zu beantworten, weil ich es oft selber nicht so richtig weiß, zum anderen scheint für sehr viele Menschen die Heisenbergsche Unschärferelation leichter vorstellbar zu sein, als der Umstand, dass man mit Sachen im Netz Geld verdienen kann, die man offensichtlich umsonst weg gibt.

Tatsächlich ist das eine der Haupthürden, die mir bei meinen Schulungen immer wieder begegnet. „Warum,“ so die Frage in fast allen Berufsgruppen,“ warum soll ich etwas umsonst ins Netz stellen, wenn ich es verkaufen könnte?“ Gerade bei Journalisten taucht die Frage als erstes auf, gerne mit der Abwandlung: „Aber wenn ich es ins Netz stelle, kann ich es doch nicht mehr verkaufen.“ Der Gedanke ist natürlich nicht grundsätzlich falsch, zeugt aber auch [oft] von einer immer noch erstaunlich tief verankerten etwas angestaubten Arbeitsmentalität, die im Netz nicht mehr völlig aufrecht haltbar ist.

So wie ich das sehe, besteht diese Mentalität aus zwei Seiten. Zum einen ist da der Gedanke, dass Arbeit ein „Muss“ ist, in dessen Umfeld dass Wort „Spaß“ nur in homöopathischen Dosen vorkommt. Man kann über den Gedanken der „digitalen Bohème“ den Kopf schütteln, aber zumindest implementiert sie in den Arbeitsbegriff auch die Überlegung, dass man besser arbeitet, wenn man etwas macht, was man sich a) selber ausgesucht hat und dass einem b) Spaß macht. Dass das innerhalb der meisten Angestelltenverhältnisse nicht immer so aussieht, ist auch kein Geheimnis. Aber das ist nur die eine Seite.

Die andere, wichtigere, Seite ist der Grundgedanke, dass man eine Arbeit abliefert und dafür auch bezahlt wird. Ich schreibe dir einen Text, du gibst mir dafür Geld. Ich bekomme kein Geld, also schreibe ich keinen Text.

Im Netz ist es halt etwas anders, und das gerade für Onlinejournalisten und ganz besonders dann, wenn man frei arbeitet. Denn wichtig ist nicht mehr nur die Qualität der gelieferten Texte, sondern auch die Vernetzung der eigenen Person. Oder anders ausgedrückt: wie bekannt man ist. Wenn man mich keiner kennt, wenn keiner mein Blog kennt, dann ist es auch für mich schwerer, meine Texte zu verkaufen. Davon ausgehend, dass der zentralistische Verlags-Journalismus teilweise einem dezentralen Netz-Journalismus weicht, wird der freie Journalist, bzw. der Autor, der in einem losen, dezentralen Redaktionsverbund arbeitet, immer wichtiger. Funktioniert für den einzelnen Journalisten aber nur, wenn er im Netz (bzw. seines Arbeitsfeldes im Netz) bekannt ist. Also muss ich mich vernetzen und dabei hilft mir, wenn ich als Journalist arbeite, mein Blog.

Denn mein Blog ist das Rückgrat meiner virtuellen Existenz. Es ist persönliches Logbuch, Werbeplattform für meine Texte und Gedanken und Anlaufstelle für Freunde und mögliche Auftraggeber. Es ist, zumindest im Moment, der Platz, an dem die verstreuten Fäden meiner Online-Existenz zusammenlaufen können. Wenn ich also hier etwas schreibe, kommuniziere ich es einmal quer durchs Netz. Anders herum gilt das natürlich auch, wenn ich über Twitter, Facebook oder andere Netzwerke kommuniziere, und die Meldungen, dann wie hier in der rechten Spalte, wieder ins Blog einlaufen lasse.

Ähnlich wie das teilweise ja schon jetzt existierende Cloud-Computing, betreibe ich im Netz eine Art von „Cloud-Kommunikation“. Ich hauche meinem virtuellen Ego Leben ein, in dem ich es über die diversen Kanäle befülle. Das macht mir persönlich eine Menge Spaß, sorgt aber eben auch für eine bestimmte Präsenz im Netz. Die dann, je nach Qualität meiner Arbeit, auch dafür sorgt, dass andere auf meine Arbeit aufmerksam werden. Ich habe zum Beispiel in den letzten drei oder Jahren mein Geld mehr und mehr damit verdient, weil a) entweder andere auf mich zu gekommen sind und auf Grund meines Blogs oder anderer Netzaktivitäten die Idee hatten, mich in ein Projekt einzubinden, oder weil sich b) auf Grund der vielfältigen und teilweise lange anhaltenden Vernetzungen eben hier und da Gespräche und Projekte ergeben, die dann in 90% 0.04% aller Fällen dann auch mal zu was werden.

Die Frage: „Was machst Du da eigentlich?“ lässt sich also leichter damit beantworten, wenn man sagt: „Ich mache das, was mir Spaß macht und nutze ziemlich viele Kommunikationskanäle um das allen zu sagen“. Damit kann man auch die noch viel gemeinere Frage beantworten, warum man eigentlich twittert.

12 Gedanken zu “Was machst Du da eigentlich?

  1. So im Bekanntenkreis finde ich das noch ganz lustig. Wenn man allerdings eine Wohnung sucht und schlimmer behandelt wird als ein Hartz IV Empfänger (deren Miete kommt ja zuverlässig vom Amt) ist das schon übel.

    „Ahh… ja, Internet. Okay.“

    … danach durfte ich mich dann „nackig“ machen, dabei hasse ich es, wenn andere in meine „Karten“ gucken dürfen.

    Viele Grüsse vom Wannsee,

    Sebastian

  2. Als Freiberufler hat man es bei der Wohnungssuche immer etwas schwerer. Einer wollte ernsthaft mal eine Kopie meiner Steuererklärung aus dem letzten Jahr sehen damit ich meine Einnahmen beweisen kann.

  3. Die Frage: “Was machst Du da eigentlich?” lässt sich also leichter damit beantworten, wenn man sagt: “Ich mache das, was mir Spaß macht und nutze ziemlich viele Kommunikationskanäle um das alles zu sagen”

    du musst, aber bei dieser darstellung noch ergänzen, dass du mit dem was dir spaß macht, auch noch geld verdienst. und anscheind gar nicht schlecht, da du dir ja davon eine wohnung leisten kannst.

    aber wir wollen hier jetzt nicht über die finanzen des herrn dahlmann spekulieren

  4. Man könnte einen sehr, sehr langen Artikel darüber schreiben, dass man im Leben darauf achten sollte, dass man mehr das macht, was einem Spaß macht. Das würde aber vermutlich dazu führen, dass man einen Lebensratgeber mit dem Titel „Sprengen Sie die Ketten“ oder so schreibt. Zu dem sollte man nicht vergessen, dass man sich den Spaß auch mit lächerlichen Arbeitszeiten, wie zum Beispiel dieser gerade jetzt, erkauft. Hat alles zwei Seiten, aber mir ging es ja auch um mehr um eine andere Frage.

  5. Toll! Diesen Blogeintrag trage ich absofort in ausgedruckter Form mit mir herum, um Muttern und Co. zu erklären, was ich da eigentlich den ganzen Tag mache. Danke!

  6. Die “Was machst Du da eigentlich?” Frage haben mir meine Eltern auch immer gestellt und bis vor 18 Monaten konnte ich sie sich noch souverän beantworten…

    dsadh – Investmentspezialist für strukturierte Veranlagungsprodukte

  7. Interessanter ist doch die Frage, die danach immer kommt: „Kann man davon leben“. Das ist es schwieriger dies souverän zu beantworten.

  8. @dampfbadbiber: Hah, stimmt. Meine Antwort: Meist schon. Mittlerweile ist die Arbeit im Netz genauso on/off gefährdet, wie jede andere auch. Ich würde sogar den Schritt weiter gehen und sagen, dass man als Freier, der nur für Print arbeitet, schnell mehr Probleme haben kann.

Comments are closed.