Facebook will alles, auch meine Seele

So so, Facebook hat seine TOS geändert, und behauptet, dass jetzt alles was ich da veröffentliche ihnen gehört. Bis in alle Ewigkeiten und darüber hinaus. Da ich dort nur Sachen von außerhalb (Twitter usw.) einlaufen lassen, wäre ich dann schon mal gespannt, wie Facebook das dann eigentlich für sich vereinnahmen möchte. Sollen sie sich halt irgendwann in Zukunft mit Twitter um meine unfassbar relevanten Tweets streiten. Ähnlich wie bei Flickr, denen ich wegen ihrer dämlichen Form der Zensur, bzw. Restriktion der deutschen Accounts, den Pro-Account weg genommen habe, ist Facebook für mein Leben ungefähr so wichtig, wie 12Seconds oder Dopplr. Nette Sache, es gibt aber genügend Alternativen.

Was das Elend vieler Web 2.0 Läden damit auch klar macht. Das Problem ist nicht immer die Umsetzung einer guten Idee, sondern dass sie von vielen anderen Seiten geklaut wird. Flickr nervt? Geh ich halt zu Ipernity. Facebook dreht hohl? Kommuniziere ich halt wieder mehr über Xing, LinkedIn und Friendfeed. Twitter ist mir zu gierig? Dann halt identi.ca. Das Eis, auf dem viele Dienste stehen, ist ganz schön dünn, wie ja auch hier und da mal schon fest gestellt wurde. Zum Beispiel, als die User bei Digg Amok gelaufen sind, als dort Einträge verschwanden.

Ähnlich wie bei Flickr habe ich aber auch bei Facebook nicht den leisesten Zweifel, dass der Laden zu groß geworden ist, als dass er noch anfällig für eine User-Rebellion wäre. Flickr hat sich damals nicht mal geschüttelt, als man ein paar Tausend, oder auch nur Hundert, deutsche User verloren hat. Bei Facebook müsste die Zahl der Kündigungen, bzw. Stilllegungen, denn bei Facebook kann man seinen Account nicht vollständig löschen, also die Zahl müsste schon in die Millionen gehen, damit die etwas merken. Selbst eine lang anhaltende schlechte Berichterstattung in den Blogs könnte Facebook verkraften.

Aber wie gesagt – mir egal. Ich habe genug Alternativen und meine Tweets können sie haben, wenn Twitter nichts dagegen hat. Zur Not behaupte ich, es sei Kunst.

P.S. Ich lese nun hier und da eine gewisse Aufgeregtheit, die mit zugeschlagenen Türen und den Worten „Ich kündige“ einher geht. Kann man natürlich machen, aber trotzdem vorher überlegen, ob man es auch wirklich will. Mehr Sinn macht es allerdings der Gruppe People Against the new Terms of Service (TOS) beizutreten. Derartige Protestaktionen haben auch Digg damals in die Knie gezwungen.

20 Gedanken zu “Facebook will alles, auch meine Seele

  1. Die Frage ist für mich genauso, was mit den eingebundenen Inhalten anderer Seite passiert. Um so eine Art Personality-Seite auf FB aufzuziehen, habe ich halt die ganzen schönen Webzwonulldienste dort versammelt: Flickr, Twitter, Blog, StumbleUpon, YouTube etc. Alle sind jetzt erstmal wieder abgeschaltet.

    Ein aus Bequemlichkeit bislang nicht angefangenes Projekt ist, solcherlei Informationsströme auf einer eigenen Seite zu sammeln, die auf *meinem* Server läuft. Wird Zeit, mal damit anzufangen.

  2. Ich bin ja ein bequemer Mensch, deswegen habe ich bei FB nur Streams einlaufen. Am bequemsten wäre eine Intergration mit dem Friendfeed Stream. Ich halte die TOS gerade in Deutschland für komplett irrelevant. Erst recht bei den geltenden Urhebergesetzen (dass ich das mal sagen würde…)… Da FB auch hier in Deutschland aktiv ist, werden sie da meiner Meinung nicht weit kommen.

  3. Pingback: Web 2.0 & Recht
  4. @stefan
    tja, da steht zwar löschen, aber die daten werden nicht gelöscht, sondern nur nicht mehr angezeigt, das war schon immer so. warum sollten sie die daten auch löschen, sind ja deren kapital.
    offiziell werden sie weiter gespeichert, weil doch jeder bei diesem tollen dienst dabei sein muss und wird, und wenn du es dir eben anders überlegst und wieder dabei sein möchtest, musst du all deine daten und kontakte nicht erneut eingeben.

    was ich nicht verstehen kann, ist dass leute all ihre fotos auf facebook laden und facebook alle nutzungsrechte übertragen. irgendwann kommt es noch so weit, dass man facebook fragen muss, wenn man die eigenen fotos außerhalb von facebook verwenden will! ;-)

  5. Naja, das mit den Alternativen gestaltet sich im Fall von Social Networks ja etwas schwieriger, als wenn wir von Online-Bilderbüchern und dergleichen sprechen. Content ist ja bekanntlich King. Und weil ich den entscheidenden Content bei Facebook anders als bei Flickr et. al. nicht selbst mitbringe, sondern er von meinen Kontakten eingeladen wird, fällt mir das Austreten da auch schwerer, als bei anderen Anbietern, die auf halber Strecke ihre TOS geändert haben.

    Neulich wollten schon wegen Beacon alle austreten. Gemacht hat das von meinen Kontakten dann, glaube ich, nur einer. Und der ist mittlerweile auch wieder zurück.

    Insofern: Millionenstreik? Wohl eher nicht.

  6. Nur um das klarzustellen: Das mit dem Nutzungsrecht war ja schon immer Bestandteil der TOS. Was neu ist ist ja nur, dass sie dies auch behalten, wenn ich die Daten lösche. Streiten wird sich wegen der Streams keiner, denn es sind ja nicht-exklusive Lizenzen. Sonst könnten sie ja sogar Dich noch verklagen, wenn Du Dein Profilfoto noch irgendwo anders nutzt.

    Auch ist Facebook nicht alleine, die meisten Dienste halten es so, wenn auch nicht unbedingt mit der unbegrenzten Gültigkeit.

    Dann ist auch das mit dem Umziehen zu einem anderen Service nicht so einfach, denn seine Community nimmt man eben nicht mal eben so schnell nutzt. Dies ist im übrigen auch bei flickr so. Es hängt halt davon ab, wie man die Community nutzt, ob das entscheidend ist oder nicht.

    Das Gute an der Situation ist aber, dass die User vielleicht so langsam verstehen, dass sie nicht Herr ihrer Daten sind. Die meisten Services bekommen das Nutzungsrecht und versuchen dann sogar noch, die Daten auch möglichst gut zu horten, also nicht herauszugeben, auch wenn der User das will. So ja geschehen mit Facebook und deren Weigerung Userdaten an Google Friend Connect weiterzugeben. Da entscheidet der Service für einen mit.

    Was also fehlt ist ein Recht der Users an seinen Daten. Was vielleicht auch fehlt, ist das Ganze herumzudrehen und zu sagen, dass ich der User eine Lizenz an meine Daten packe, die dann dem Dienst vorschreibt, was er damit darf und was nicht. Das mag evtl. nicht kompatibel zu dem sein, was der Dienst braucht, um funktionieren zu können, aber dann muss ich halt entweder meine Lizenz ändern oder mir nen anderen Dienst suchen.

    Auch hier sei im ürigen nochmal die EULA&TOS Taskforce des DataPortability Projects erwähnt, die im Moment über eine einfache Kennzeichnung solcher Dinge einsetzt:

    http://wiki.dataportability.org/pages/viewpage.action?pageId=4490392

  7. Pingback: on3radio
  8. Es wird Zeit auf gemeinnützige Anbieter wie opennetworx.org umzusteigen, die nicht nur absoluten Datenschutz garantieren, sondern auch einen Verkauf der Plattform bzw der Daten rechtlich ausschließen. Da Opennetworx eine gemeinnützige Stiftung ist, wird sie in der Hinsicht auch von der staatlichen Stiftungsaussicht überwacht.

  9. Echt bedenklich, da es leider viel zuwenig mündige User gibt, die es kratzt, wenn Facebook solche Sachen abzieht. Das es einem schon jetzt zum Nachteil gereichen kann, wenn man ein paar Statements abgibt, die nicht konform zur gängigen Meinung sind, ist bekannt. Trotzdem scheint es die Masse nicht zu berühren! Wie Leminge … Naja generell (um ein bißchen schwarz zu malen) ist die derzeitige Entwicklung im Internet zu überdenken!

  10. Facebook – hoffentlich fällt das nicht noch vielen auf den Kopf! Ich kann nur jeden mit etwas Verstand abraten von Facebook. Da müssen noch viele Streiks her um die AGBs von Facebook gerade zu biegen …

  11. Facebook hat eine bestehende Lücke ausgefüllt und ist in dieser sehr erfolgreich. Was mich aber sehr stört, ist die Tatsache, dass man keine Handhabe über seine Daten und Fotos hat. Das kommt schon einer Enteignung gleich. Vielleicht ist dem Facebook Gründer sein Erfolg zu Kopf gestiegen ;-)

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