Month: Februar 2014

Facebook: Es fehlen Innovationen

Ich hatte letzte Woche einen Artikel angefangen, der im Tenor so war: Facebook mag das „Google“ der privaten Vernetzung sein, aber es ist nicht mehr innovativ. Dann hat Facebook für diese absurde Summe WhatsApp gekauft. Was mich zum erneuten Nachdenken gezwungen hat. Mittlerweile haben auch Luebue und Nico zum Thema was geschrieben, ich glaube aber, das beide den Punkt „Innovation“ übersehen.

Mir ist der Sinn hinter dem Kauf von WhatsApp immer noch nicht so richtig klar. Sicher, das Argument, Facebook besetze da gerade durchaus erfolgreich bestimmte Ecken der Kommunikation ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Instagram beherrscht man den Bilder-Sharing Markt, gleiches könnte mit WhatsApp in Sachen Privatkommunikation laufen. Ich rechne im Übrigen auch nicht damit, dass Facebook WhatsApp in den nächsten Jahren ins eigene Angebot integrieren wird. Hat man mit Instagram auch nicht gemacht, was eine kluge Entscheidung war. Dazu kommt, dass von 450 Millionen WhatsApp Nutzern vermutlich sowieso mindestens 80 % auf Facebook vertreten sind und dort den Messanger nutzen. Mag sein, dass eine Opt-In Variante geben wird, mit der man WhatsApp und FB-Nachrichten irgendwann mal vereinen kann. Womit wir dann schon beim grundlegenden Problem von Facebook sind: Innovation.

Facebook ist nicht innovativ. Außer, wenn es darum geht, die Reichweiten von Fanseiten so weit zu reduzieren, dass deren Betrieb kaum noch Sinn macht. Wenn man nicht bezahlt. Oder den Usern vorzuschreiben, was sie in ihrer Timeline sehen dürfen, ohne die Möglichkeit zu schaffen, dass man das selber entscheiden kann. Ansonsten herrscht seit Jahren bei Facebook Stillstand in Sachen Innovation. Zwei Beispiele:

Suche
Die Suche auf Facebook ist eine Katastrophe. Alte Beiträge verschwinden im Orkus der Vergessenheit und lassen sich nur durch gefühltes jahrelanges Scrollen wieder an die Oberfläche bugsieren. Die „Social Graph“ Suche steht den meisten Usern immer noch nicht zur Verfügung, sie orientiert sich zudem auch nur daran, den erweiterten Freundeskreis zu durchleuchten. Interessante Beiträge, Links usw. lassen sich nur schwer finden und filtern. Im Grunde ist Facebook ein großes, schwarzes Loch, in das man seine Beiträge wirft. Die taumeln dann innerhalb von Minuten nach unten und werden nicht mehr gesehen.

Gifs
Es mag ein wenig lächerlich klingen und es soll auch nur als ein Beispiel dienen, aber das Facebook auch nach Jahren immer noch nicht in der Lage ist, gifs anzuzeigen ist schon erstaunlich. Immerhin haben Tumblr, imgur und Buzzfeed in den letzten Jahren ihre Reichweite zum einem nicht unerheblichen Teil genau darauf aufgebaut. Das man darauf nicht reagiert hat zeigt mir, dass man wichtige Trends im Netz nicht mehr erfolgreich umsetzen kann.

Checkins
Erinnert sich jemand an Gowalla? Der Foursquare-Klon hatte durchaus das Potenzial zum zweiten Player neben Foursquare zu werden, immerhin gewann man 2010 den South by Southwest Interactive Award. Facebook kaufte den Dienst Ende 2011 und schloss ihn drei Monate später. Eine Integration in Facebook fand nicht statt. Zwar gibt es Facebook Places, aber wer nutzt das? Statt den durchaus lukrativen Markt der Local Advertisments zu erschließen, hat Facebook das einfach ignoriert. Auch im Sinne der Userdaten fehlt etwas, auch wenn Foursquare sich in Facebook anzeigen lässt.

Überhaupt ist das Verständnis von Content irgendwie im Jahre 2008 stehen geblieben. Es besteht weiterhin nur die Möglichkeit längere Texte in einer fürchterlichen 11 Punkt Schrift zu veröffentlichen, die Kommentare, vor allem lange, zu lesen ist eine Qual. Es gibt keinen „Rich Content“ Editor, die Bildfunktionen sind ungefähr auf dem Niveau von Flickr aus dem Jahr 2007. Statt Autoren die Möglichkeit zu bieten, Facebook auch wie einen Tumblr zu nutzen, steht immer noch die kurze Statusmitteilung im Vordergrund. Doch genau in diesem Punkt hat Twitter schon längst die Herrschaft übernommen.

Ja, auch Twitter kann keine gifs. Sollte es vielleicht besser, aber bei Twitter macht das nichts. Es ist ein schneller Informationskanal, der mir Hinweise gibt. Zu dem funktionieren gifs bei einigen Desktop Clients (Janetter z.B.) durchaus, weil Bilderlinks integriert werden. Was Twitter kann, sollte Facebook schon lange können.

Ich verstehe nicht so richtig, warum man nicht versucht die User a) länger auf der Seite zu halten, in dem ich ihnen mehr und besseren Content anbiete und b) sie von Tumblr & Co wegzulocken in dem ich ihnen bessere Möglichkeiten anbieten würde, eigenen Content zu schaffen. Und ihn findbar zu machen.

Der Innovationsstau bei Facebook ist schon besorgniserregend. Und ärgert mich als Nutzer außerdem. Innovation, der neue heiße Scheiß, ist aber genau das, was Internetuser, vor allem die jungen, gerne sehen. Facebook wird nicht implodieren, wie Wolfgang meint, aber es könnte in eine kleine Krise rutschen, weil man wichtige Teile der Zielgruppe verlieren könnte.

USA – Florida, Georgia, North & South Carolina – Bilder

Eine Woche USA wegen Arbeit (24H Stunden Rennen Daytona) und ein kleiner Roadtrip durch den Süden der USA.

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