Month: Januar 2014

Von der Kirche bis zum Internet

Ich kann den Frust von Sascha Lobo verstehen. Ich habe das ähnlich empfunden, als mir im Sommer klar wurde, dass die Überwachung des Netzes derartig weit fortgeschritten ist. Man fühlt sich etwas ratlos, stumpf und hilflos, zumal die Überwachung ja nicht spürbar ist. Aber sie nistet sich wie ein unsichtbarer Nebel im Kopf ein und der innere Zensor springt vielleicht hier und da schon früher an, als es vor Snowden der Fall war. Aber ich stimme nicht mit Sascha überein, wenn es um die Frage geht, ob das Internet „kaputt“ ist.

Als Johannes Gutenberg um 1450 die beweglichen Lettern und damit den modernen Buchdruck erfand, gab es eine Menge Leute, die echt sauer waren. Vor allem innerhalb der katholischen Kirche. Aber nicht sofort. Zunächst war man recht angetan von der Sache, diente das neue Druckverfahren doch auch dazu, dass man die Bibel schneller und kosteneffizienter verbreiten konnte. Denn zuvor waren ganze Klöster monatelang damit beschäftigt auch nur ein Exemplar handschriftlich zu erstellen. Die Mühe konnte man sich jetzt sparen. Womit die Kirche aber nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass nicht nur jeder mit ein bisschen Geschick drucken konnte, sondern auch dass jeder den Inhalt der Bibel verändern konnte. Prominentestes Beispiel war dann später Luther, der seine Fassung der Bibel dank der Druckwerkzeuge unters Volk bringen konnte.

Doch bevor Luther überhaupt auf seine Ideen kam, hatte die Kirche mit anderen Problemen zu kämpfen. Denn plötzlich neigten Hinz und Kunz dazu, sich eine Variante der Bibel drucken zu lassen, die gerade ihnen in Kram passte. Oder mit der man viel Geld verdienen konnte. Im Grunde ein früher Urheberrechtsstreit zwischen Rechteinhaber und Kopierern. Man löste das Problem elegant, in dem man sich europaweit bemühte Druck auf Staaten, Stadtstaaten, Bürgermeister usw. auszuüben und man führte ein Lizenzsystem ein. Nur wer „die echte“ Bibel drucken wollte, der bekam auch eine Lizenz zum Buchdruck. Teilweise wurde pro Stadt nur eine Lizenz vergeben, die praktischerweise bei der Kirche landete. Alle Druckereien wurden überwacht und stichprobenartig überprüft. Hat es deswegen das Buch kaputt gemacht? Eher nicht. Und auch als die Kirche sich mit allen Mitteln gegen die Verbreitung der Luther-Bibel wehrte, änderte das nichts. Weder konnte die Überwachung der Druckereien, noch konnten Strafen die Verbreitung verhindern. Mitte des 17. Jahrhunderts stand die Luther-Bibel in 40 % aller deutschsprachigen Haushalte.

Im Grunde war durch den vehementen Kontrolleingriff der Kirche der Buchdruck zunächst einmal so gut wie tot. In manchen Gegenden durften die Druckereien gar nichts anderes mehr als die von der Kirche sanktionierte Bibel mehr drucken. Manche Staatsfürsten verboten den Buchdruck gleich ganz. Geholfen hat es am Ende nichts.

Denn gewisse Dinge lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Ideen und Technologien gehören dazu, wenn sie denn einmal eine gewisse Verbreitung erlangt haben. Man kann sie temporär eingrenzen, verbieten, aber nicht aus der Welt schaffen. Im Fall des Buchdrucks wanderten die Druckereien einfach in die Keller der Wohnhäuser, oder man druckte in den deutlich schwerer zu kontrollierenden ländlichen Gebieten. Am Ende war das Buch der große Befreier der Menschen, denn ein Buch verbreitet Gedanken, Ideen, Träume, Möglichkeiten und schafft Hilfe.

Auf jede Aktion erfolgt eine Reaktion. Dieser physikalische Grundsatz gilt auch für disruptive Technologien, die eine Bedrohung für den Status quo darstellen. Nach einem Jahrzehnt des fast unkontrollierten Wachstums des Netzes erleben wir seit Anfang der 2000er Jahre nach und nach stärkere Kontrollen durch die Industrie und staatliche Organisationen. Die Unterhaltungsindustrie überwacht sämtliche Torrentnetzwerke, die NSA den ganzen Rest. Aber die Technologien und die Möglichkeiten des Internets haben sich durch die Überwachung nicht verändert. Auch die mit dem Netz verbundenen, immer noch etwas diffusen Utopien in Sachen Mitbestimmung usw. sind deswegen nicht verloren, noch fallen sie auf einen Status quo ante zurück.

Veränderungen benötigen Zeit. Von Guttenberg bis Luther waren es knapp 100 Jahre. Von Luther bis zur Französischen Revolution noch mal weitere 250 Jahre. Das Internet als neues Medium, das alle bisherigen Medienkanäle vereint und die Demokratisierung der medialen Produktion und der Kommunikation in den Bereich der Anarchie getrieben, ist gerade mal 20 Jahre alt. Das ist ein so kleiner Zeitraum, dass man ihn historisch kaum messen kann. Was wir gerade erleben, ist der Versuch, die Büchse der Pandora zu schließen. Was man auch teilweise verstehen kann, wenn man über Bedrohungsszenarien nachdenkt. Aber zum einen bekommt man diese Büchse nicht mehr zu, zum anderen lag auf dem Boden der Büchse noch was anderes als Schmerz und Leid: Hoffnung.

Und ich habe die Hoffnung, dass sich die Gewichte im Laufe der Zeit wieder neu verteilen werden. Dass digitale Bürger- und Freiheitsrechte akzeptiert werden, dass die Überwachung und die Speicherung privater wie wirtschaftlicher Daten eingeschränkt wird. Wir erleben einen solche Verschiebung der Gewichte interessanterweise vielleicht gerade in der EU in Sachen Vorratsdatenspeicherung. Das Internet ist also nicht kaputt, es durchlebt nur gerade eine Wandlung und es zerren ganz schön viele Leute an allen Seiten. Wie die Wandlung am Ende aussehen wird, bestimmen aber auch die Menschen, die die guten Seiten des Internet leben, lieben und weiter ausbauen. Die Strategien dafür sind vorhanden, es geht wie in all den Jahren zuvor darum, sie nach und nach umzusetzen. Und daran verändert die Überwachung, so wie sie sich jetzt darstellt, auch nichts.

Las Vegas – Bilder Januar 2014

Knapp 36 Stunden Aufenthalt in Las Vegas und ein Besuch bei der CES. Da bleibt nicht viel Zeit für Fotos. Da bleibt überhaupt wenig Zeit für irgendetwas. Die meisten Bilder habe ich mit dem Lumia 920 gemacht. Wenn es noch ein bisschen bessere Fotos machen würde, dann hätte ich die DSLR zu Hause gelassen.

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CES – Autonomes Fahren & das Auto redet

Vor ein paar Wochen habe ich für das c’t Magazin schon mal über den Stand der Dinge im Bereich „autonomes Fahren“ berichtet. Probleme mit der Umsetzung gibt es viele. Zum einen die Frage, wie man die Kartendaten Tages- und Stundenaktuell hält. Neue Baustellen usw. müssen ja schnell im System vorhanden sein. Ein anderes Problem ist das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“, eine Art EU-Regelung, die des den Autos verbietet, komplett autonom unterwegs zu sein. Um so interessanter ist es, dass Mercedes nun ankündigt, dass man in cirka 5 Jahren autonom auf Autobahnen unterwegs sein kann. Eventuell, je nach Lage mit den Gesetzen, soll es sogar noch schneller gehen. Das ist insofern überraschend, weil man vor drei Monaten noch das Jahr 2020 angekündigt hatte.

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Das klingt erst einmal nach einer „Ok, das ist ja sehr nett, aber auch nicht so spannend“ Geschichte. Allerdings ist die Tatsache, dass Fahrzeuge in Zukunft autonom unterwegs sein können, ein „Gamechanger“, nicht nur für die Autobranche oder die Fahrer. Denn in den Autos steckt nicht nur jede Menge Software, das Auto sendet auch Daten raus. Zwischen dem Fahrzeug und dem Hersteller besteht eine permanente Datenverbindung, ähnlich wie bei einem Smartphone. Und ähnlich wie Smartphones Daten versenden, sendet auch das Fahrzeug jede Menge Daten nach außen. Das sind vor allem GPS-Daten und schon allein das mag manchen Fahrer schon stören. Mercedes verspricht, dass die Daten anonymisiert werden und weist auch darauf hin, dass heutige Navigationsgeräte verschiedener Hersteller die Daten sammeln und zum Beispiel zur Stauwarnung verwenden.

Doch ein Auto sammelt ja noch mehr Daten und auch diese werden permanent übermittelt. Diese Daten interessieren vor allem Versicherungen. Denn mittels der Daten lassen sich Unfälle und damit verbundene Ansprüche leichter klären. Positiv ausgedrückt: Lügner werden schneller erkannt. Die ersten Versicherungen bieten schon Tarife an, die den Einbau einer „BlackBox“ voraussetzen. Die Daten sollen nach einem halben Jahr gelöscht werden. Durchaus vorstellbar, dass Versicherungen in Zukunft auch Zugriff von den Datenstrom der Fahrzeuge hat. Mercedes lehnt das zu diesem Zeitpunkt ab. Und überhaupt will man die Daten unbedingt anonym empfangen, denn man ist sich bewusst, dass es früher oder später Begehrlichkeiten geben wird. Polizei und andere Behörden werden gerne Zugriff auf die Daten nehmen, vor allem, wenn sie mit einem bestimmten Fahrer verbunden sind. Theoretisch ist es möglich, dass ein Hersteller sein Fahrzeug auch fremdsteuern und lahmlegen kann. In der Verträgen der Käufer des neuen Elektroauto „Renault Zoe“ ist die Passage sogar verankert. Kann der Käufer die Leasinggebühr für das Fahrzeug nicht mehr zahlen, kann Renault das Auto über den Akku lahmlegen. Man kann jetzt schon Sicherheitsbehörden hören, die den Zugang zu einem solchen „Kill Switch“ fordern.

Eine andere interessante Entwicklung ist etwas, was Mercedes „Predictive User Experience“ nennt. Im Grunde soll das Auto erkenne, wer da gerade eingestiegen ist und stellt Sitz, Heizung, Radio usw. auf die gewünschten Einstellungen ein. Das geht schon heute, soll in Zukunft aber noch einen Schritt weiter gehen. Vor allem über die Verzahnung mit dem Smartphone wird da eine große Rolle spielen. So soll das Auto in der Lage sein Verspätungen durch Staus an ausgewählte Empfänger weiterzuleiten, ohne das der Fahrer etwas machen muss. Auch hier stellt sich die Frage, wie viele Daten da über die Netzwerke laufen und von wem sie eventuell gesammelt werden können.

Zu dem Thema kommt von mir später noch etwas mehr in der c’t und hier im Blog. Vor allem das Thema Datensicherheit wird eine Rolle spielen.

Reisen 2013

Letzer Teil der Rückblicks. Wieder in Bildern. War dieses Jahr gar nicht soooo viel unterwegs.

Februar
Barcelona (Mercedes)
Text Mercedes E-Klasse. Vor allem der E63 erfreute die anwesenden Blogger und Journalisten. Kunststück, bei 585 PS.
Reisen_01
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