Month: August 2013

Verstehe ich nicht

Vielleicht wirst Du ja alt, dachte ich neulich, als ich mich einer Online/Offline Diskussion gegenübersah, deren Inhalt und Personen mich mal so gar nicht interessierten. (Mattusek vs. Dings… Krömer). Der letzte Talkshowskandal, an den ich mich erinnern kann, war der, als Nina Hagen mal in den 70ern ihre Mastrubationstechnik öffentlich vorführte. Und das habe ich nicht mal live gesehen (so alt bin ich dann auch nicht), sondern später, als der Skandal mehrfach, als herausragender Skandal der Fernsehgeschichte gezeigt wurde, um zu beweisen, was für ein ungeheuerlicher Skandal das war. Aber ist Mattusek, der sich von einem schlechten Troll vorführen lässt, irgendeine Aufregung wert? Jetzt mal ernsthaft?

Dabei fiel mir dann auf, dass ich wahnsinnig viele Dinge gerade nicht verstehe.

Verlage. Erst das LSR durchboxen. Dann ausgerechnet der Firma gegenüber darauf verzichten, die das meiste Geld mit dem LSR zahlen müsste. Vielleicht ging es den Verlagen ja nur darum mal zu zeigen, wer den Längsten hat. Aber ich dachte, das sei seit dem Kunstwerk am taz-Gebäude geklärt. Verstehe ich nicht.

Tageszeitungen. Eigentlich schon seit 2004, mit Ausnahme des „Tagesspiegel“, komischerweise. Verstehe ich auch nicht.

Parteien. 2010 war ich mal kurz davor bei den „Piraten“ einzutreten. Der Antrag war eingetütet und sogar frankiert. Abgehalten hat mich ausnahmsweise mal nicht meine notorische Postwegbringschwäche, sondern eine innere Stimme die mir „Don’t believe the hype“ zuflüsterte. Ein Satz, der mich schon in den 80er Jahren vor schlimmen Frisuren gerettet hat, warum ihm also nicht vertrauen. Und womit? Mit Recht. Die Selbstzerstörungsorgie der Piraten verstehe ich nicht. Alle anderen Partien siehe -> Regierung

Politiker. Ich habe Wehner, Strauss, Schmidt, Lambsdorff reden hören. Jetzt beleidigt Pofalla meine Intelligenz. Ich verstehe nicht, wie Journalisten und Bevölkerung eine derartige Figur seit knapp einem Jahrzehnt anhören können. Als Chefredakteur einer Zeitung wäre mir schon längst die Headline „Könnte bitte jemand diesen Trottel entfernen“ raus gerutscht. Mir unverständlich, warum das noch keiner gemacht hat.

Regierung. Die SPD hat mehr umstrittenen „Sicherheitsgesetzen“ zugestimmt, als die FDP. Die Grünen haben der Entfesselung der Banken und Hartz IV zugestimmt. Über die CDU mag ich nicht reden. Oder anders gesagt. Ich habe genug Wahlkämpfe samt anschließender Legislaturperiode mitbekommen, um sagen zu können: Sie lügen alle. Immer. Jederzeit. Um es später als „Sachzwang“ darzustellen. Eine permanente Lüge, die ich nicht verstehe. Nicht die Lüge als solche, aber die Hartnäckigkeit mit der jede Partei zu jeder Zeit, seit Jahrzehnten damit fast konsequenzlos durchkommt. Verstehe ich nicht.

F.J Wagner. Whaaaaaaaat?

IT/Tech-Blogs. Die meisten IT-Blogs bestehen aus unscharfen Fotos von Plastiknupsis, die eventuell, mit ein wenig Fantasie, vielleicht zum nächsten iPhone/Android Smartphone gehören könnten, dass in sechs Monaten erscheinen wird und in weiteren 12 Monaten keine Sau mehr interessiert, weil das nächste Plastiknuspsi auf unscharfen Fotos gezeigt wird. Wie man mittlerweile weiß, liefern fast alle Unternehmen Beta-Ware an die Erstkunden aus, schlecht getestete, unausgereifte Geräte, die nach zwei Jahren automatisch auseinanderfallen. Wegen des nächsten Plastiknupsi. Ich glaube, da gibt es nichts zu verstehen.

Smartphoneuser & Internetaktivisten. „Jajajajaja, ich will den neuen heißen Scheiß. Siri ist so toll. Und wow, endlich nicht mehr stundenlang Kontakte per Hand ins Telefon eingeben.“ vs. „Wie, ihr gebt mir was umsonst und wollt dann Geld verdienen, in dem ihr mein Surfverhalten protokolliert? Und ihr speichert meine Kontakte? Auf Servern in den USA? Wo die ganze NSA drauf schauen kann? Skandal!“ Und auch „Waaaaas ‚WhatsApp‘ soll 80 Cent pro Jahr kosten, damit ich es auf meinem 700 Euro Smartphone installieren kann?“ Verstehe ich nicht.

– Verkauf von staatlicher Infrastruktur. Ein Land verkauft seine Wasser- Strominfrastruktur, die über Jahrzehnte mit Steuergeldern aufgebaut wurden. Die Käufer sind Unternehmen, die börsennotiert sind. Börsennotierte Unternehmen sind gezwungen jedes Jahr mehr Geld zu erwirtschaften, damit der Aktienkurs steigt oder zumindest stabil bleibt, um die Dividende an die Aktionäre auszahlen zu können. Weil die Dividende aber stärker steigen muss, die Unternehmen die Steigerung aber nicht komplett auf die Preise für die Konsumenten aufschlagen können und sie gleichzeitig die Kredite bedienen müssen, die nötig waren, um die Infrastruktur zu kaufen, müssen sie sparen, in dem sie Angestellte entlassen und den Ausbau der Infrastruktur vernachlässigen. Weil der Ausbau der Infrastruktur aber wichtig ist, damit der Staat als Ganzes auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig bleibt, gewährt der Staat den Unternehmen Subventionen und Steuernachlässe, die dann nur teilweise in den Ausbau fließen, weil das gesparte Investionsgeld in die Dividende fließt. Gleichzeitig dienen die Subventionen dazu, den Strom/Wasserpreis für die Verbraucher zu stabilisieren, weil die Aufschläge, wegen der Dividende, noch höher wären. Verstehe ich nicht. Wäre es nicht billiger, der Staat würde das Geld direkt in seine eigene Netze investieren?

Amerika. Ich bin ein Kind aus Westdeutschland. Damals war die UdSSR böse. Gulag, und so. KGB – ganz schlimm. Die Amis dagegen. Nett. Gut, manchmal ein bisschen deppert (Vietnam, Grenada), aber im Grunde recht liebenswert. So ein bisschen, wie der Onkel, der auf den Familienfeiern nach vier Schnäpsen immer etwas peinlich wird. Aber im Grunde mag man ihn. Heute scheint es mir, dass aus dem netten Onkel ein muskelbepackter, hysterischer paranoider ADHS-Jugendlicher geworden ist, der permanent vor der nächsten Panikattacke steht. Ich verstehe immer noch nicht, was genau in den letzten 20 Jahren in der amerikanischen Gesellschaft schief gelaufen ist, wie diese „Die sind alle hinter uns und wollen uns zerstören“ Paranoia entstehen konnte. Habe aber den leisen Verdacht, dass das schon immer so war. (Vietnam, Grenada).

Es gibt noch deutlich mehr, das ich nicht verstehe (Privatfernsehen, Parkraumbewirtschaftung, Master/Bachelor Studium, modernen Joghurt mit probiotischen Dingsen, Probiotische Dingse, mein Kontostand) aber dafür müsste ich ein Buch schreiben.

Image Branding vs. PR

Mercedes war einer der ersten Hersteller, der in Sachen Blogger Relation in Deutschland eine sehr umfassende Strategie gewählt hat. Während andere Hersteller (zum Beispiel BWM oder VW), sich in Sachen Blogger noch etwas schwer tun, ist man in Stuttgart schnell auf den Online-Zug aufgesprungen. Dass etliche Hersteller mittlerweile Blogger zu ihren Fahrveranstaltungen einladen, ist nichts Neues. Den meisten ist aufgefallen, dass Blogs durchaus hilfreich sein können, wenn es um die Position der Marke im Netz geht. Klug ist auch, dass Mercedes die Arbeit durch ein eigenes Team erledigen lässt, während viele andere Hersteller oft noch auf die Arbeit von Agenturen setzen. Was nicht immer die beste Idee ist, macht man sich in Sachen Kontakte abhängig. Und gerade die persönlichen Kontakte sind es, die am Ende auch im Netz zählen.

Mittlerweile sieht man bei Daimler auch, dass die „Top-Down“ Kommunikation auch nicht mehr alles ist. Nur Autos hinzustellen und zu sagen „Dann produziert mal schön“ hilft da nicht weiter. Blogger haben etwas andere Anforderungen als Printmagazine, allein was Produktionszeiten und die Orte angeht. Während einem Tageszeitungsredakteur oft die Testfahrt und zwei, drei eigene Fotos reichen, produzieren Blogger ganze Video- und Fotostrecken. Viele Hersteller haben in dem Punkt schon reagiert, und räumen Bloggern mehr Zeit ein, als den Kollegen vom Print.

Interessant ist, dass Hersteller wie Mercedes mittlerweile ihr Verständnis für die Onliner deutlich erweitern wollen. Round-Table mit Bloggern (Was wollt ihr? Was können wir?) finden durchaus regelmäßig statt, Mercedes hatte neulich eine Horde einflussreicher Blogger zu einem „Bloghouse“ eingeladen, um mal einen Tag über all die Dinge zu sprechen, die den Blogger auf den Herzen liegen. Dabei gab es auch den interessanten Einwurf einiger Blogger, dass die Inhouse-Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen innerhalb eines Konzerns durchaus verbesserungswürdig ist.

Das Problem sind dabei die Strukturen der großen Konzerne, insbesondere die Problematik, wo die Kommunikation mit Blogs eigentlich stattfindet. Bei den einen ist die Marketingabteilung zuständig, bei den anderen die PR. Und wie man weiß, ist die Kommunikation zwischen beiden Abteilungen nicht immer die Beste. Letztlich kann es dem Blogger egal sein, welche Abteilung da mit ihm kommunizieren will, auf der anderen Seite macht die zunehmende Onlinekommunikation den Marken Probleme. Denn was genau ist das eigentlich? Branding? Presseinformation? Wo ist da die Grenze? Die Frage gilt nicht nur für die Autoindustrie, sondern für alle Marken, die im Netz unterwegs sind.

Die Modeindustrie hat klar auf den Punkt „Branding“ gesetzt. Und behandelt die Blogautoren auch dementsprechend. Teils werden sie für ihre Artikel direkt bezahlt, teils gibt es Vergütungen über Banner und andere Dinge. Was dann, im Falle der Autoindustrie, zur Frage führt, ob ein Auto nicht auch ein Modeartikel ist, wo ein Image-Branding mehr bringt, als ein Testbericht.

Womit man dann wieder beim Punkt der Monetarisierung wäre. Es gibt mittlerweile Ansätze, dass man das Marketing selbst in die Hand nimmt, zur IAA wird ein neues Vermarktungsnetzwerk vorgestellt, hinter dem ein nicht ganz unbekannter deutscher Verlag steht. Ob und wie das funktioniert, ist dann wieder eine andere Frage. Blogs haben meist nicht die Reichweite, um auf dem Radarschirm der großen Vermarkter zu landen, dazu kommen unnütze Auflagen, wie die (für Blogger) teure Anmeldung bei der IVW oder der AGOF. Mal abgesehen davon, dass sich IVW und AGOF in dem Bereich auch mal bewegen könnten, bringen beide Institutionen den Bloggern nichts, weil sie von Klickriesen erdrückt werden. Auf der anderen Seite weigern sich viele Hersteller standhaft, direkt Werbung in Blogs zu schalten. Der Grund: Man hat Angst, dass man in den Verdacht gerät die Berichterstattung in Blogs zu kaufen. Dass man 50 Jahre lang die gesamte Autopresse mit Anzeigen genährt hat, ist ein im Raum stehender rosa Elefant.

Ich hab vor ein paar Monaten schon mal was zum Thema „Blogger vs. Branded Content Autor“ geschrieben und mittlerweile reift in mir die Überzeugung, dass es im Endeffekt auch für Marken, die sich online betätigen wollen, genau auf diese Frage raus läuft.

Zumindest hat der Round-Table mit Mercedes gezeigt, dass sich innerhalb des letzten Jahres viel bewegt hat in der Autoindustrie. Man ist offener für neue Ideen, man versteht, das Imagebranding manchmal wichtiger ist, als ein mit Zahlen gefüllter Autotest. Wenn man schaut, wie schnell sich die Dinge gerade in einer als konservativ und starr bekannten Industrie gerade verändern, dann sollten auch andere Industrien langsam aufmerksam werden.

(Ein längerer Artikel zum Thema Autoindustrie/Blogger erscheint demnächst an anderer Stelle)

Die Zeitung ist nicht tot

Es wird ja gerade wieder viel über die Zukunft der Zeitung gesprochen, vor allem angestoßen durch die Artikelserie bei Spiegel Online. Da wird einiges Richtiges geschrieben, zum Beispiel, dass die Verlage zu langsam auf den digitalen Wandel reagiert haben, dass zu wenig für an eigenen Konzepten gearbeitet wurde, und das vor allem regionale Tageszeitungen sich mit ihren Portalen oft einen Bärendienst erweisen, weil sie mehr dpa als eigene Meldungen produzieren, die dann zudem auch noch mit hässlicher Werbung vollplakatiert werden. Oft hat man den Eindruck, die Geschäftsführer wollen die Portale möglichst schlimm gestalten, damit die Besucher dann doch lieber die Printausgabe kaufen.

Ich denke, dass man bei der ganzen Diskussion überhaupt einen Unterschied zwischen denn überregionalen Tageszeitungen, regionalen Tageszeitungen und Magazinen machen sollte. Es ist ja nicht so, dass die gesamte Printbranche vom Aussterben bedroht ist. Allerdings merkt man auch in Nischen wie der IT/PC Berichterstattung oder den Automobilmagazinen der Druck aus dem Netz so groß geworden ist, dass es die ersten Opfer gibt.

Aber zurück zu den Tageszeitungen. Der Verkauf etlicher Zeitungen des Springer Konzerns an die Funke-Gruppe ist schon ein wenig überraschend. Vor allem, weil es vermeintliche „Cash-Cows“ wie die „Hörzu“ oder das „Hamburger Abendblatt“ betraf. Dass TV-Magazine in ihrer bisherigen Form eine aussterbende Gattung sind, ist keine Überraschung. Immer mehr Menschen stellen sich ihr Fernsehprogramm selber übers Netz selber zusammen, dabei spielt es keine Rolle, ob das auf legalen oder illegalen Weg geschieht. Am Ende bleibt, dass keiner mehr ein gedrucktes und meist wegen der vielen Sender extrem unübersichtliches TV-Programm braucht. Der Titel „Hörzu“ sagt ja schon einiges über den Medienwandel aus.

Was den Verkauf des „Hamburger Abendblatt“ und der „Berliner Morgenpost“ angeht, so wird der meist als ein Abgesang auf die regionalen Tageszeitungen gesehen. Wenn selbst der reiche Springer-Konzern seine Traditionsblätter abstößt, wer sonst kann sich regionale Berichterstattung auf Dauer noch leisten? Die Funke-Gruppe wird (vermutlich) mit beiden Zeitungen das machen, was man mit allen anderen Zeitungen in NRW gemacht hat: Mantel zentral produzieren, regional nur das wichtigste von kleinen Redaktionen vor Ort erstellen lassen.

Und genau das scheint mir der falsche Weg zu sein. Ich hatte Anfang des Jahres für den „Journalist“ schon mal eine kleine Einschätzung geschrieben, wo ich die Zukunft der regionalen Tageszeitungen sehe. Hier der Text dazu, an dem ich nichts geändert habe:

—schnipp—

Wäre ich Verleger einer lokalen Tageszeitung, würde ich die lokale Berichterstattung wieder in den Vordergrund stellen. Ein Großteil der Leser braucht die tagesaktuelle Berichterstattung in Form von dpa-Meldungen nicht, da sie diese eh schon zuvor im Netz oder im Fernsehen konsumiert haben. Wenn man über nationale oder internationale Dinge berichtet, sollte man diese mehr unter Blickwinkel der Einordnung betrachten. Den Leser also Hintergründe und Meinungen liefern, nicht nur die reine Information, mit dem der Leser alleine stehen bleibt.

So bleibt mehr Platz für die regionale und lokale Berichterstattung. Komplett lokale Portale zeigen sich im Netz immer erfolgreicher, selbst in Großstädten. Das deutet daraufhin, dass ein großes Interesse an dieser Form des Journalismus gibt, der durch die Verlage häufig nicht mehr abgedeckt wird. Auch das Interesse an Lokalpolitik ist groß, betrifft es doch den eigenen, engeren Lebensraum.

Lokaljournalismus muss wieder seine Wurzeln finden, nicht nur der Bericht, sondern die Hintergründe müssen klar gemacht werden. Eine Berichterstattung über die lokale Politik sollte nicht nur aus dem Abdruck der Gemeindebeschlüsse bestehen, sondern die Beschlüsse und Hintergründe kritisch begleiten.
In der Ausbildung muss klar gemacht werden, dass guter Lokaljournalismus genauso rechercheintensiv ist, wie jede andere Form des Journalismus auch. Es geht nicht nur um Vereinsfeste, sondern um das soziale wie politische Zusammenleben der Menschen in einer Region. Volontäre müssen angeregt werden, selber aktiv zu werden, eigene Geschichten zu entdecken und das es wichtig ist, sich ein eigenes Netzwerk aus Kontakten aufzubauen.

Die Redaktionen müssen stärker die Leser einbinden. Das kann über eigene Communitys geschehen, oder über eine Facebook-Seite, auf der man die Stimmen der Bevölkerung sammeln kann. Online-Communities können auch eine sinnvolle Ergänzung für die Berichterstattung darstellen. Fotowettbewerbe und das Sammeln historische Fotografien der Leser bringen nicht nur eine stärkere Bindung zum Leser, sondern schaffen auch einen Mehrwert, der die Zeitung stärker im Bewusstsein der Region verankert.

—schnipp—

Ich sehe eine große Chance für regionale Tageszeitungen, wenn sie einen solchen Weg einschlagen, gerade in Großstädten. Denn „Kiezberichterstattung“ ist wichtig. In Berlin macht das keine der ansässigen Zeitungen mehr. Hier geht es nicht um lokale Projekte, Bauvorhaben, Skandale oder auch mal positive Entwicklungen, sondern nur noch um das, was in Berlin Mitte passiert, bzw. um Themen, die aus dem Senat der Stadt kommen. Die kleinen Geschichten werden oft liegen gelassen. In Hamburg bietet das „Abendblatt“ ein ähnliches trauriges Bild.

Aber warum sollte ich eine Tageszeitung lesen, die a) aus Meldungen besteht, die ich am Vortag schon dreimal im Netz gelesen habe und die b) ansonsten keinen lokalen Mehrwert bietet? Da muss man sich über den Auflagenschwund nicht wundern. Tageszeitungen sollten das Rückgrat der journalistischen Berichterstattung einer Stadt sein. Sie sollten kritisch sein, sie sollten genug Redakteure haben, die Lust an und auf lokale Berichterstattung haben. Sie sollten zu den Menschen gehen, nicht zur Politik in den Senat.

Der Trend, dass sich in Großstädten eine neue, Kiez-orientierte Berichterstattung durchsetzt, ist ja schon da, auch wenn es außerhalb der „Prenzlauer Berg Nachrichten“ bisher kaum weitere Beispiele gibt. Die Leser haben nicht die Lust an lokaler Berichterstattung verloren, sie haben nur die Lust auf eine Tageszeitung verloren, die den Bezug zum Lokalen verloren hat. Von daher ist der Weg der Funke-Gruppe, Lokalredaktionen zu schließen, genau der Falsche.

Ich bin davon überzeugt, dass eine gutgemachte Tageszeitung mit einem breiten Lokalteil keine Angst vor der Zukunft haben muss.

Nie wieder HTC

Zugegeben, taufrisch ist das Smartphone nicht mehr. Es wurde im Mai 2011 in Deutschland veröffentlicht, im August 2011 habe ich dann gekauft. Kostenpunkt damals: 479 Euro. Ich behandle das Ding relativ normal. Bin ich unterwegs, steckt es in der Hosentasche oder in einem Fach im Rucksack. Da ich von zu Hause aus arbeite, liegt es eher die meiste Zeit rum.

Nach zwei Jahren ist das HTC fast unbrauchbar. Es will einfach nicht mehr. Jeder Transistor schreit mir „Lass mich in Ruhe“ entgegen. Trotz mehrfachen komplett Reset und Wipe-Out. Die Liste der Mängel ist mittlerweile sehr, sehr lang.

Nur zur Info: Ich habe an dem Gerät oder der Software nichts verändert. Es laufen keine inoffiziellen Apps. Es sind überhaupt nur wenige Apps installiert. 22 um genau zu sein. Alles auf dem Gerät ist, so wie es HTC ausgeliefert hat. Selbst die SMS-App ist nicht verändert.

Und das ist die Mängelliste.

– Das Telefon klingelt nicht mehr
Klingelton ist aus der voreingestellten Liste von HTC übernommen. Aber manchmal mag es einfach nicht klingeln. Auch der Vibrationsalarm mag dann nicht. Vielleicht ist es ein verstecktes HTC-Feature, vielleicht hat man sich gedacht: „Die Leute reden eh zu viel“. Man weiß es nicht. Aber ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass das die mobile Telefoniefunktion der zentrale Vorteil eines Smartphones ist.

– Das Telefon klingelt, aber es entsperrt sich nicht
Da habe ich mich besonders gefreut. Endlich höre ich einen Anruf, aber dann lässt mich das Gerät nicht telefonieren. Da kann man noch so oft auf „Annehmen“ drücken. Irgendwann ist der Anruf dann halt weg.

– Das Telefon klingelt, ich kann abheben, aber der Anruf wird beendet
Gut, kann auch an O2 liegen. Aber ich habe da so meine Zweifel.

– Es hängt sich auf
Auch das passiert den neusten Smartphones. Das ist nicht schlimm. Dann startet das Telefon von alleine neu und man wundert sich nur, dass man den PIN eingeben muss. Das HTC Sensation hingegen hängt sich gerne auch mal einfach so auf. Nur es startet dann nicht neu. Still und leise liegt es da, stundenlang, weil man ja nicht dauernd aufs Handy schaut, und ist mehr oder weniger tot. Das macht es gerne über Nacht, wenn es so rum liegt. Um es wieder zum Leben zu erwecken, muss man den Akku rausnehmen.

– Ach ja, der Akku
Die Leistung war nach knapp einem Jahr auf 60 % runter. Eigentlich hätte ich einen eigenen Stromgenerator auf einem Bollerwagen hinter mir herschleppen müssen. Ein neuer Akku war dann die bessere Lösung. Positiv sei vermerkt, dass man den Akku immerhin auswechseln kann, nicht wahr HTC One.

– Kamera
Die Kamera hatte nach dem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen zunächst die Angewohntheit, dass ein Foto das Handy zum Absturz brachte. Das war sehr, sehr lustig. Hat sich merkwürdigerweise nach einem erneuten Reset erledigt. Jetzt bleibt sie nur noch alle paar Wochen mal hängen.

– Kamera 2
Nach einem halben Jahr dachte ich: Oh, ich habe ein unentdecktes Tier fotografiert. Oder ein UFO. War aber nur Staub auf dem Sensor der Kamera. Das sind mittlerweile ganz schön viele unentdeckte Tiere, die ich jedes Mal fotografiere.

– Lautstärkeregler
Der fiel mir vor ein paar Wochen einfach entgegen. Das ist natürlich etwas doof, weil man ohne das Plastikdings die Lautstärke nur schwerlich regulieren kann. Immerhin habe ich es geschafft, das Dings mit Panzerband irgendwie festzukleben. Funktioniert sogar noch zwischen den Lautstärken „Echt laut“ und „Hörschaden“.

– Updates
Ach ja. Das letzte große Update, das HTC an seine User geschickt hat, war Android 4.0.1. Dann kam noch mal 4.0.3. Das war es. Zu weiteren Updates hat HTC gesagt „Hamwa nich, kommt auch nich mehr rein“. Wie viele andere User darf ich also mit einem Smartphone rumlaufen, dem die letzten zwei Android-Updates fehlen. Dabei geht es gar nicht um neue Funktionen, sondern um die Sicherheit, denn mit jedem Update werden Sicherheitslöcher gefixt. Also für alle, die sie nicht für ein HTC-Gerät entschieden haben.

– Updates 2
Die fehlenden Updates machen sich auch so langsam bei den Apps bemerkbar. Richtig lustig ist das bei Instagram im Zusammenhang mit der spinnenden Kamera. Entweder stürzt die App bei der Aufnahme des Fotos ab, oder wenn der Filter hinzugefügt wird. Dabei wird dann ein kompletter Neustart des Gerätes ausgelöst, der ca. 5 Minuten dauert.

– Browser
Der interne Browser hat eine Startzeit, über die mich Nokia N70 Besitzer auslachen. Das gilt auch für Opera und Chrome, die, wenn sie schlecht gelaunt sind, das Gerät komplett einfrieren. Einziger Browser der geht ist Firefox, wenn man etwas Geduld mitbringt und einen der Soft-Reset des gesamten Handys nach Beenden des Browsers nicht stört.

– SMS schreiben. Überhaupt schreiben.
In meiner Vermessenheit habe ich mal gedacht, ich könnte Swype installieren. Ja, das kann ich, aber dann startet das Keyboard nur, wenn es will. Das eingebaute Keyboard startet dafür immer. Nachteil: Es reagiert auch gerne einfach mal nicht. Man muss dann das Telefon ausschalten und wieder anmachen. Dann geht es. Vielleicht.

-Allgemeine Performance
Ich sag mal so. Ich hab das Display jetzt so eingestellt, dass es erst nach 60 Sekunden ausgeht. Dann reicht die Zeit gerade so, dass die meisten Apps starten können.

Update 09.05.2013: Gestern dann die nächste lustige Meldung. Das Telefon vermeldete, dass es nicht aufladen mag, weil es mehr Strom verbrauchen verbraucht, als es geliefert bekommt. Dabei hing es am Ladegerät. Wechsel des Ladegeräts brachte auch keine Änderung, die Ladefunktion ging dann erst wieder, nachdem ich das Gerät neugestartet habe.

Wie gesagt, ich hab schon alles gemacht, um das Telefon zu entlasten. Standard-Skin, Standard-Apps, neuer Akku, neue Speicherkarte. Worauf ich keine Lust habe, ist ein das komplett gesperrte Smartphone mittels einer fünfseitigen Anleitung zu flashen.

Anders ausgedrückt – nach zwei Jahren mittelmäßiger Beanspruchung ist das HTC Sensation relativ teurer Elektroschrott. Man erwartet ja mittlerweile nicht mehr, dass ein Gerät nach zwei Jahren so richtig in Ordnung ist, aber dass es derartig viele Ausfälle hat, ist dann schon unschön.

Die ganzen Fehler sind nicht auf einmal aufgetreten, sondern nach und nach. Los ging es nach knapp sieben Monaten. Aber die Masse der Fehler und eingestellten Funktionalitäten sagt zumindest mir einiges über die Qualitätskontrolle bei HTC. Dazu kommt, dass HTC seine Käufer nach einem knappen Jahr mit einem veralteten Betriebssystem zurücklässt.

Das im übrigen fast zeitgleich erworbene iPad 2 ist komplett frei von Fehlern, selbst der Akku liefert noch eine ordentliche Leistung ab.

Vielleicht bin ich ja konservativ, aber ich dachte, dass ein Gerät in der Preisklasse etwas länger hält, als dieses HTC. Die Erfahrung mit HTC reicht mir. Es war mein letztes Gerät der Firma. Eine schlimmere User-Experience bieten im Moment vermutlich nur US-Fluggesellschaften und das Finanzamt.