Month: April 2013

Netzneutralitäten

Die Telekom hat also den ersten Schritt gewagt und klemmt bei Neuverträgen und ab 2016 (wenn es nötig sein sollte) andere Anbieter von ihrem Netz ab. 75 oder auch 100 GB sind in einem Monat schnell verbraucht, vor allem wenn man an Angeboten der diversen Mediatheken folgt. Ein wenig Fernsehen, ein wenig Musikstreaming, und schon steht man da, mit seinen 0,3 Mbit/s für den Rest des Monats. Das trifft im übrigen vor allem auch Freiberufler, wie Fotografen, Grafiker usw. die komplett andere Datenmengen zu verschicken und empfangen haben. Netterweise rechnet die Telekom ja auch Up- und Download zusammen, sonst würde es ihnen vermutlich keinen Spaß machen.

Nun kann die Telekom ja mit ihren Preisen machen, was sie will. Sie sagen, dass nur ein Bruchteil der User überhaupt mehr als 30 GB im Monat verblasen. Was sie nicht sagen ist, wie alt diese Zahlen sind und wie sich der Verbrauch in den nächsten drei Jahren weiterentwicklen wird, wenn noch mehr Streamingangebote (Netflix usw.) und Cloud Dienste den Weg in die Netze gefunden haben. Vermutlich dürfte selbst jemand, der seinen Rechner wenig nutzt, in der Zwischenzeit seinen Datendurchsatz verdoppelt haben. Unverständlich ist auch, warum die Telekom keine gestaffelten Preise anbietet, (zum Beispiel: 75 GB für 20 Euro, 150 GB für 35 usw.) statt direkt mit der Drosselung um die Ecke zu kommen.

Die große Frage ist ja, wie die anderen ISPs reagieren werden. Noch behaupten alle, dass man keine Drosslungen vornehmen werde. Mag sein, dass man dies zunächst nicht plant, man wird aber drüber nachdenken, denn der Schritt der Telekom kommt ja nicht unangekündigt, sondern hatte sich in den letzten zwei Jahren schon angedeutet. Natürlich ist es im Moment ein Vorteil für Neukundenverträge keine Beschneidung der Bandbreite im Programm zu haben. Aber selbst wenn ISPs wie „1und1“ keine Drosslung anbieten wollen, ist die Frage, wann sie es vor allem bei VDSL-Angeboten müssen. Die Telekom hat hier nämlich den Finger drauf und darf Konkurrenzanbieter schlichtweg aussperren. (Die Konkurrenz darf das auch, wenn ihnen die letzte Meile gehört).

Im Grunde bedeutet das, dass die Telekom nicht mehr die letzte Meile vermietet, sondern Pakete anbieten kann, die eben zum Beispiel auch nach Datendurchsatz gestaffelt sind. So kann die Telekom (theoretisch) die Konkurrenz zur Drosslung zwingen, da die Kosten für einen Fremdanbieter sonst entgleisen könnten. Eine Alternative bieten nur jene ISPs, die mittlerweile die letzte Meile mit eigenen Kabeln überbrückt haben oder die auf eine andere Technologie setzen (Kabelnetz).

Interessant dürfte die Frage sein, wie die Netzdienste reagieren werden, hier vor allem Google, Amazon und Apple, deren Angebote alle komplett von einem offenen Netz abhängig sind. Eine logische Schlussfolgerung wäre, dass zum Beispiel Amazon damit beginnt, sich Bandbreite bei der Telekom zu kaufen, um diese an ihre Kunden weiterzugeben. Entweder über das Angebot des „Managed Service“ (Dämliche Wortidee der Telekom) oder in dem sie eventuell selber als ISP auftreten, in dem sie Services von „1und1“ oder „O2“ aufkaufen. Quasi also als Reseller unter eigenen Namen agieren. Man hat also ein „Telekom Netz“ ohne Amazon (Lovefilm, AWS usw.) und ein „Amazon Netz“ ohne Telekom, Mediatheken, Google oder sonstigen Inhalten. Darunter leiden werden Dienste wie „Soundcloud“ usw. deren finanzielle Decke kaum ausreichen wird, um sich den Service von allen ISPs zu leisten. Wie zersplittert die Medienlandschaft aussehen kann, sieht man im TV-Bereich in den USA. Verschiedene Kabel- und Satellitenanbieter bieten unterschiedliche Programme an, nicht alle Zuschauer können alle Programme sehen. Scheinbar möchte die Telekom einen ähnlichen Weg einschlagen. Die Hoffnung, dass zum Beispiel Google mit einem eigenen Glasfasernetz in Deutschland aufschlägt, kann man wohl direkt vergessen, da die Kosten dafür viel zu hoch sind.

Was mich allerdings bei der Sache noch interessiert, ist die rechtliche Frage, also, ob die Telekom eine Bandbreitenbeschränkung überhaupt durchsetzen kann. Es geht hier immerhin auch um die freie Verbreitung von Informationen. Wie werde zum Beispiel die umfangreichen Medienangebote der Ministerien und Ämter behandelt? Bisher sind diese ja nicht im Transfervolumen der Telekom mit einbezogen. Steht man nach drei Tagen „BundestagsTV“ also dann schon ohne Netz da? Eine andere Frage ist auch, wie sehr die neuen Verträge der wirtschaftlichen Entwicklung im Bereich Start-ups entgegen stehen. Dienste wie Soundcloud oder TapeTV wären nie in der Lage, sich innerhalb von Deutschland zu etablieren. Statt die Gründung also in Deutschland vorzunehmen, wäre man gezwungen ins Ausland abzuwandern. Dem Staat entgehen so Steuereinnahmen und er schafft ein investitionsfeindliches Klima. Deutschland hat in den letzten Jahren, dank schlechter Verfügbarkeit von Breitbanddiensten, international hier sowieso an Boden verloren. (http://cloudscorecard.bsa.org/2013/)

Der Schritt der Telekom ist also nicht nur eine Ohrfeige für die Netzneutralität, sondern gefährdet auch den Internetstandort in Deutschland.

Update aus meinem Leben – Auf der Reise Editon

# Das Blut kann ja nur von Alkohol oder Sehnsucht verdünnt werden. Dann ist es wie eine Welle, die durch die Adern rauscht, die einen mitnimmt, die einen reinwäscht, fort trägt, die Zeit vergessen lässt. Man wird aufgebrochen, ist wehrlos, egal was man macht, egal, wie weit man Abstand sucht. Alles andere wird klein und man selbst auch. Wären da nicht diese Krallen, die man im Rücken spürt, die am Hinterkopf schaben, immer den Nacken entlang und einen warnen. „Zur Hölle“, ruft man dem Raben entgegen, der seine Krallen an einem wetzt.

# Wenn man also alles vergisst und brutal dann wieder vom Leben auf den Boden geholt wird. Von den ordinären Dingen des Lebens, nicht mal von der elenden Kälte, die dann doch ein Vorbote ist. Immerhin bekommt man Käsekuchen und Gnocchi, während man sich in seinem Elend ein wenig windet und darauf wartet, dass es besser wird. Und die Stelle im Nacken wird langsam wund.

# Also bewegt man sich, erst in größeren Schritten, dann in kleineren, möglichst still und leise. Die Hände strecken sich immer weiter aus, die Grenzen werden weiter verschoben in unentdeckte Länder. Die Worte wollen gewählt sein, sie sind roh, sie gefährden Fragiles. Jede Silbe ist ein Geflecht, setzt einen Samen, der Böses bergen kann. Der Kopf ist nur noch damit beschäftigt, die Worte zu entkleiden, sie sanft zu machen, sie ihrer Schärfe zu berauben. Dabei ist man selber in ein Spinnennetz aus fremder Angst verfangen.

# In wenigen Momenten geht es, da ist alles klar, weil man konzentriert ist. Blaue Stunden sind das, solche, die man nicht vergisst. Man sitzt auf harten Stühlen und schaut sich in die Augen. Man sucht etwas und findet für einen Lidschlag den Blick, an dem man sich festhalten kann. Man findet es im weißen Rauschen, auf Fensterbänken, in Bars zwischen zwei Gin-Tonics. Das sind Chimären, am Ende senkt sich auch der Kopf in den eigenen Nebel hinein und schaut, was da eigentlich genau vor sich geht. Man wühlt im eigenen Morast, in vergessenen Albträumen, die man schon längst lachend zur Seite geschoben hatte. Also noch mehr Dinge, die man abarbeitet, im Kopf sieht es aus, wie das Bild eines alten Fernsehers, der verzweifelt einen klaren Empfang sucht.

# Wenn der kurze Moment des Seins vorbei ist, kommt die Wahrheit und sie scharf wie ein frisch geschliffenes Messer. Alles, was bleibt, ist die Erinnerung, dass es schön ausgesehen hat, dass man sich darin verlor, selbstvergessen, getragen von den brüchigen Flügeln des Ikarus. Dionysischer Rausch versus Apollinische Klarheit. Und dann taucht man auf und weiß, dass das Leben eben nicht nur ein Moment ist, sondern dass es der einzige Moment ist, dem man hat. Dass es keinen zweiten Moment geben wird, keine zweite Chance. Dass wir nur eine Chance haben, alles zu erwarten, alles zu nehmen, mehr zu erwarten, als die Idee eines Momentes.

# Am Ende der Zeit schaut man Heinrich Heine im Theater, hat in sechs Wochen zehn Kilo abgenommen, isst einen Teller schlechter Linsensuppe und zittert. Ein paar Stunden später liegt man im Krankenhaus, der Notarzt war da und jemand weint am Bett, aber aus ganz anderen Gründen. Später sitzt man wieder in der Küche, redet, und die Kreuzungen scheinen zu verschwinden. Aber der Nebel im Kopf lichtet sich, auch die Trugbilder werden klarer und sie können einem nichts mehr anhaben. Man ist gewachsen.

# Aber das Leben ist ja gar nicht so. Das Leben kann ja auch anders. Selbst wenn man desolat Käse-Schinken-Sandwiches in sich rein stopft, Sachen murmelt und danach denkt „Ach herrje“ kann sich in all dem Chaos aus Angst, Verletztheit und Schwäche, in all den dunklen Räumen, durch die man gelaufen ist, in denen man sich verirrt hat, plötzlich eine Tür öffnen.

# Wir sammeln unsere Erinnerungen, bringen Ordnung hinein, legen ab, sortieren und sagen, dass wir verstanden haben. Und vergessen doch wieder alles. Wir machen einen Schritt und es ist jedes Mal der Erste. Wir berühren eine Haut und es ist immer eine andere. Wir nehmen uns vor, nicht mehr zu lieben, und werden überrannt. Wir laufen im Kreis und wollen zu den Sternen. Wir haben Sehnsucht, die Leerstellen in unser Leben stanzt und vor der Sehnsucht haben wir Angst. Wir sind auf der Flucht, fortwährend, und wollen doch gefangen werden. Wir suchen Grenzenlosigkeit um die eigenen Grenzen zu finden, und wenn wir da sind, beginnen wir von vorne. Wir schauen in Augen und suchen uns selbst. Wir schreiben und reden viel, weil wir befürchten, dass uns die Worte fehlen. Und am Ende ist das alles gar nicht so kompliziert. Wir haben uns nur selber die Augen verbunden, den Mund verboten und die Hände in den Taschen gelassen.

# Dann findet man sich an einem alten Tisch, Augen suchen ein Echo und finden es zwischen der verstreuten Asche der letzten Stunden, Wochen und Monate. Es ist wie ein Spaziergang in ruheloser Nacht, wenn man durch den grauen Schnee stapft, wenn die Fenster dunkel sind und man sich nicht vorstellen kann, dass dahinter irgendwann mal Leben war. Leben ist. Und dann biegt man um die Ecke und aus einer kleinen Bäckerei dringt der Duft von frischgebackenen Croissants. Die Tür ist nur angelehnt und man geht mit einer Tüte voller frischem warmem Glück auf dem direkten Weg nach Hause.

# Man trinkt Wein (biologisch), rührt spät am Abend in einem Risotto oder isst nachts die Reste einer kalten Bolognese, man schaut Heinz Rühmann Filme und taucht in ein anderes Leben. Man sieht fremde Schatten an der Wand, hört die Straßenbahn vorbei rumpeln und alte Uhrwerke laufen, die nachts beruhigend ticken und einem sagen, dass man wieder atmen kann. Und wenn man es nicht glaubt, dann muss man sich nur ein wenig umdrehen und sieht es. Dass die Momente kristallklar am Horizont leuchten und den Weg der Reise wie tanzende Lichter begleiten. Das sie Ziel und Weg zugleich sind. Die Wärme strahlt und man mit ihr.

# Keine Umwege mehr.