Month: Juli 2012

Bookmarks vom 27.07.12 bis 28.07.12

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Engere Kreise

So gegen Ende der 80er Jahre verband mein Freund Christoph einen Akkustik-Koppler mit einem Telefonhörer, wählte ein lange Nummer in die USA und nur wenige Sekunden Minuten später waren wir mit einem BBS (Bulletin Board System) aus dem Fido-Net verbunden. Große Welt, für wahr. Die wenigen Momente, die wir gebannt auf einem fremden Rechner verbrachten kosteten ihn dann später ein Monatstaschengeld und etwas Ärger mit den Eltern. Wir schwärmten davon, wie toll es doch wäre, wenn es sehr, sehr viele dieser BBS geben würde. Wie toll man dann kommunizieren könnte.

Das erste Internet bekam ich dann 1994 in meine Wohnung. 14.400er Modem, mehr gaben die Leitungen der Telekom nicht her. Eingewählt habe ich mich über das BTX-System der Post, abgerechnet wurde im Stundentakt, ich glaub so 1000 5 Mark die Stunde. Meine erste Telefonrechnung samt Internet belief sich dann auf über 700 Mark. Ich wollte schnell zu AOL, denn da gab es “richtiges” Internet zu deutlich günstigeren Konditionen. Aber wie toll dass doch ist, dachte ich, plötzlich kann man ja im Internet schreiben und alle können es lesen. Also die paar Hunderttausend mit Internet-Anschluss. Sehr stolz war ich auch auf meine Mail-Adresse bei Compuserve, deren Postfach allerdings monatelang leer blieb, weil ich niemanden kannte, der auch eine Mailadresse hatte.

Dann kamen ISDN, DSL, Google, Blogger, Antville und all die anderen Sachen und der Horizont erweiterte sich tatsächlich explosionartig. Die Fülle an Quellen, die Fülle an Menschen, die Fülle an kleinen, unabhängigen Programmierern schien eine Revolution auszulösen. Was das Internet ja auch getan hat, aber darum geht es mir jetzt nicht.

Denn zum ersten Mal seit dem Tag, an dem Christoph den Akkustik-Koppler anschloss, habe ich seit einiger Zeit das Gefühl, dass die Kreise, in denen man sich im Internet bewegt und bewegen kann nicht größer, sondern kleiner werden.

Neulich habe ich mein Smartphone resettet. Irgendeine App hatte Android zerschossen. Bei der Neueinrichtung habe ich dann bewusst mal geschaut, was für Apps ich eigentlich wirklich brauche. Raus kam: Twitter (Hootsuite auf dem Smartphone), Foursquare (Warum auch immer), Instagram (Neuer Liebling), Yammer (Internes Twitter für die Racingblog Redaktion), Shazam (Für einmal im Quartal), Browser, die interne Racingblog-App. Whats App, Qype, barcoo (einmal im Quartal) und Advance Task Killer zur Akku-Schonung.

Daraufhin habe ich mal beobachtet, was ich am heimischen Rechner im Netz so nutze. Angepinnte Taps: Mail, Facebook, Racingblog, der neue Racingcarz-Ableger, diese Seite, Prismatic, Google Reader, Sponline. Twitter läuft über Tweetdeck, dazu Skype, Yammer und Trillian. Mein Internet-Universum reicht aber natürlich weiter. Der Reader, Twitter und Prismatic sind nur drei Einfallstore in die Tiefen des Netzes, allein die knapp 900 RSS-Feeds führen mich da zielsicher und schnell zu den Seiten, die mich interessieren könnten.

Auf dem iPad tummeln sich zwar mehr Apps, meist genutzt sind aber Twitter (Tweetbot), Browser, Instagram, Kindle und die dämliche Facebook App.

Im Grunde bekomme ich heute mehr Information, finde über Buzzfeed und Hackernews mehr Seiten, als ich mir habe träumen lassen. Und dennoch: Das Gefühl, dass die Kreise enger werden, will nicht so recht fortgehen.

Vielleicht liegt es daran, dass es seit einiger Zeit keinen “neuen heissen Scheiss” mehr gibt. Die in den letzten Jahren entstandenen Dienste sind mehr oder weniger Abwandlungen dessen, was es schon gab. Wenn Flickr nicht Yahoo gehören würde, hätten sie vielleicht Instagram erfunden (oder früh gekauft), der neue Dienst Zurker ist die unverhohlene Ansage, fremde Daten noch intensiver abgreifen zu wollen, als Facebook. Dinge wie Paste-Bin hatten wir auch schon mal und neulich berichtete man mir, dass man IRC wieder entdeckt hat (IRC!).

Facebook, Twitter und so weiter sind unverzichtbare Dienste geworden, sie erdrücken das Internet aber auch, weil sie die Wahlmöglichkeiten einschränken. Man kann seinen Account natürlich löschen, mir würde das allein aus dem Grund schwer fallen, weil ich in einigen geschlossenen Gruppen bin, die ich für die Arbeit brauche. Was AOL nie gelungen ist, nämlich mit ihrer weichgewaschene Version eines eigenen Internets, das Internet zu verdrängen, scheint im Moment von Facebook, Google und Co erledigt zu werden. Dienste so einzurichten, dass es keinen Platz und keine Zeit mehr für andere Dinge gibt.

Die Wahlmöglichkeiten werden, so mein Eindruck, immer kleiner. Vernünftige Twitter-Clients, die mehrere Accounts und Facebook verwalten? Seesmic, Hootsuite, Tweetdeck. Bilderdienst? Flickr, Photobucket, Ipernity. Social Network: Facebook, Twitter, Google+. Blogplattform: WordPress. Die Sachen, die man häufigsten benutzt, gibt es deswegen nur in geringer Stückzahl, weil das Internet eine Massenbewegung geworden ist. Da, wo sich die meisten Menschen tummeln, da geht man dann hin, Konkurrenz entsteht so kaum., Wahlmöglichkeiten aber auch nicht. Und nervigerweise verhalten sich alle Anbieter auch noch gleich in Sachen Datensammelwut und ängstlichen US-AGBs. Seit Jahren warte ich darauf, dass Microsoft und Yahoo diese Dinge erkennen und genau das Gegenteil von Facebook, Apple und Google machen.

Zu den mangelnden Alternativen gesellt sich dann auch noch die wachsende Überwachung, die einen manche Seite und manche Suchwortkombination nicht ohne kaskadierende VPNs eingeben lässt. Und neulich hatte ich, nach knapp 18 Jahren im Netz, dann auch die erste dreiste Abbuchung auf meinem Konto. Ein Kleckerbetrag, 39,99 für AdultFriendFinder, dabei suche ich gar keine Adult Friends, die habe ich ja schon. Der Anwalt, der mir ein paar Tage die Mahnung schickte, weil ich die Lastschrift zurück geholte habe, will dann 98 Euro. Mich kostet es 40 Euro einen Anwalt zu beauftragen, der die Sache beendet.

Das sind alles Kleinigkeiten, aber die Summer der Kleinigkeiten macht es vielleicht aus. Natürlich – man kann immer noch alles machen, wenn man die eigene Filter Bubble mal verlässt. Für jedes Hobby gibt es eine Seite, für jede noch so seltene Krankheit ein hilfreiches Forum und wenn man Google einigermaßen bedienen kann, findet man sogar auch die Sachen, die man gesucht hat.

Dennoch bleibt bei mir grundsätzlich das Gefühl, dass die Kreise im Netz enger werden. Und das man dagegen etwas tun muss, bevor man in einem “Nanny” Netz endet, in dem alles vorgegeben ist, oder die AOLisierung komplett ist.

Bookmarks vom 20.07.12 bis 24.07.12

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Bookmarks vom 17.07.12 bis 19.07.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • 39 Olympic Logos From 1924 to 2012 | Webdesigner Depot – London 2012 hat wirklich das bescheuerste Olympia-Logo ever.
  • Reflections of a Newsosaur: What’s next for newspapers? – Determine that even the most proficient management cannot overcome the fundamental changes in the marketplace that have been cutting readership and revenues since the Internet arrived two decades ago. Instead of retreating, however, you leverage the waning strengths of the legacy business and invest aggressively in new digital products to reposition it for the future.
  • How Becoming CEO of Yahoo! Boosted Marissa Mayer’s Klout Score « The Official Klout Blog | Klout – 1. Man muss CEO von Yahoo werden, will man seinen Klout-Score um 10 Punkte anheben. 2. Marissa Mayer hatte einen Klout-Score von 60. Ich hab 58. Das sagt wohl alles über Klout und dessen Fähigkeiten, einflussreiche Personen im Netz zu identifizieren.
  • Dialoge aus Gaga-Land – Nächster Anlauf – ich will nämlich auch noch was Herzhaftes essen: “Ich nehme noch eine Leberkässemmel. Haben Sie auch scharfen oder mittelscharfen Senf?“. Als Düsseldorfer kommt mir dieses braune, grieselige Zeug, das die Bayern unerklärlicherweise für Senf halten, nicht aufs Brötchen. Ich ahne, dass ich die junge Frau mit der Frage schon wieder überfordert habe. Sie stottert: “Wir haben nur normalen Senf”. Ich reihe das still in die “Top 5 der unproduktivsten Antworten, die ich je bekommen habe” ein. Ich hake mit einer Hilfestellung nach: “Was ist denn bei Ihnen der normale Senf – eher so braun oder gelb?“. Sie greift in eine Schublade, zieht eines dieser verschweißten Portionstütchen hervor: “Keine Ahnung, da kann man ja nicht rein gucken“. Auf dem Tütchen steht “Löwensenf, mittelscharf”. Ich glaube, ich gehe ihr auf die Nerven.
  • Jörg Fauser: Der Rohstoff Leben | Medien – Berliner Zeitung – All time hero

Bookmarks vom 14.07.12 bis 16.07.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • That’s Not My Phone, It’s My Tracker – NYTimes.com – Most doubts about the principal function of these devices were erased when it was recently disclosed that cellphone carriers responded 1.3 million times last year to law enforcement requests for call data. That’s not even a complete count, because T-Mobile, one of the largest carriers, refused to reveal its numbers.
  • Former Pentagon analyst: China has backdoors to 80% of telecoms | ZDNet – The Chinese government reportedly has "pervasive access" to some 80 percent of the world's communications, thanks to backdoors it has ordered to be installed in devices made by Huawei and ZTE Corporation. That's according to sources cited by Michael Maloof, a former senior security policy analyst in the Office of the Secretary of Defense
  • Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte? « ClipHead – "Platten bieten bessere Qualität" Wolfgang Petry
  • Herzlich willkommen Tätervolk! | VICE – Das Festival hingegen steht unterdessen ganz offen unter dem Motto „Demokratie? Nicht mit uns.“ und folgt man den Redebeiträgen, ohne ununterbrochen die Augen zu verdrehen, wird einem klar, was für ein seltsames Selbstbild die Nazis von sich haben. Vor Selbstmitleid vergehend, sehen sie sich als die Unterdrückten und Verfolgten in Deutschland.
  • 20 Things That Are Way Better In Slow Motion – Slow-Motion geht immer.

Standbilder

Ich fotografiere ja eigentlich recht gerne, aber irgendwie fehlt dann doch die Zeit. Meine mitterlerweise etwas betagte Olympus E-520 ist nicht nur wegen der Sensorgröße etwas aus der Mode gekommen, es häufen sich auch die Ausfälle. Ist das Licht zu schlecht, gibt es Focus Hunting, der eingebaute Blitz nebst dem Hilfslicht geht auch nicht. Letzteres kann ich dann wenigstens noch mit einem Metz-Blitz überbrücken. Aber dauernd schleppt man die Kamera ja eh nicht mit und viel praktischer ist da dass Smartphone. Und seit dem es Instagram dann auch mal für Android gibt, macht die ganze Sache auch mehr Spaß. Auch wenn einen die Kamera an meinem HTC Sensation ob ihrer Bildqualität auch nicht gerade in verzückte Euphorie ausbrechen lässt, für Instagram reicht es dann doch immer noch. Das nicht verhandene Webinterface bei Instagram nervt, aber es gibt ja Plugins wie Instapress, mit denen man seinen eigenen Stream ins Blog basteln kann. Ich hab diesen auf die Unterseite „Instagram“ gepackt, er aktualisiert sich selbst. Leider kann man keinen RSS-Feed anbieten, da die Bilder eingebettet sind und von Instagram direkt kommen (Jedenfalls hab ich keine Lösung gefunden). Man kann sich aber mit dem RSS-Feed von Followgram behelfen (Direkter RSS-Link)

Bookmarks vom 06.07.12 bis 11.07.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Illuminated Tyres, 1961 – Es hat offenbar schon wirklich alles gegeben.
  • Die Verleger schwächen die Verbreitung ihrer eigenen Produkte: Ins eigene Knie – taz.de – Der Tagesspiegel ist gerade mit Hilfe eines Geldeintreibers gegen den Regisseur Rudolf Thome vorgegangen, weil der Rezensionen seiner Filme, die 2003 und 2006 in der Zeitung erschienen waren, auf seine Website gestellt hatte. Formaljuristisch ist der Tagesspiegel im Recht, aber wenn man den banalen Umstand bedenkt, dass eine Zeitung über Kultur nur berichten kann, weil diese jemand produziert hat, ist so ein Verhalten gegenüber einem Künstler natürlich schäbig.
  • Apple zensiert Joachim Lottmann und zehn weitere Autoren des Czernin Verlages – Eine genauere Begründung erfolgte praktisch nicht. Man läßt durchblicken, das Werk sei so, wie es heißt, nämlich Pornographie. Daß sich die Autoren aber gerade gegen die Pornographisierung von Staat und Gesellschaft stark machen, wurde da wohl übersehen. Thomas Glavinic: “Da ist doch sogar ‘Madame Bovary’ pornographischer.” Stimmt – und deshalb wird Flauberts Roman vielleicht als nächstes zensiert.
  • Man Has Argument with His 12-Year Old Self Courtesy of an Old VHS Tape – When he was 12, Jeremiah McDonald made a video message for his future self. Now, 20 years later, he sticks the tape into his VCR and has a conversation with himself. Both are kind of disappointed with each other.
  • Nach dem Instagram-Boom: Polarfox bringt Fotofilter auf den Desktop – Instagram für den Desktop, nur dass man die Bilder nicht zu Instagram hochladen kann und die Software nicht Indstagram heisst. Oder so.