Month: Mai 2012

Bookmarks vom 15.05.12 bis 24.05.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Internet-Law » LG Hamburg: Haftung eines Bloggers wegen eines Verweises auf ein YouTube-Video – Das Landgericht Hamburg gesteht zwar zu, dass der Blogger nur als sog. mittelbarer Störer anzusehen ist, erlegt ihm dann aber Prüfpflichten auf, die nicht mit der Rechtsprechung des BGH und des BVerfG in Einklang stehen. Das Hauptargument des Landgerichts lautet nämlich, dass der Blogger nicht auf die Rechtmäßigkeit des Beitrags des ZDF vertrauen durfte, sondern die Rechtmäßigkeit hinterfragen und eigene Recherchen anstellen hätte müssen, weil er bereits wusste, dass der Arzt gegen den ZDF-Beitrag gerichtlich vorgeht. Er hätte deshalb insbesondere bei dem Betroffenen nachfragen müssen.
  • Höchste Zeit – Was die Polizei “Ausschlussverfahen” nennt, ist in Wirklichkeit die Abschaffung der rechtsstaatlichen Regel, nach der man nicht seine Unschuld beweisen muss. Um an diesem Grundsatz wenigstens formal festhalten zu können, sind die Tests offiziell noch “freiwillig”. Aber eben nur auf dem Papier, wie das Verhalten der Polizei in Halle nun gerade wieder zeigt.
  • Local newspapers‘ crisis: what hyperlocal means, and why it works | Media | guardian.co.uk – Journalists at a community level, fusing the power of communication granted by the internet and its many tools with rich, valuable local content, will be able to thrive.

    The quality of reporting certainly cannot be undervalued, mainly due to the fact that for many local reporters this is the gap in the market they will be attempting to exploit.

  • Augstein-Kolumne: Sarrazin diskutiert mit Steinbrück über den Euro – SPIEGEL ONLINE – Zur Erinnerung: Erst haben sich die Banken verzockt. Dann haben die Staaten sie gerettet. Und dann haben die Banken diese Rettung durch steigende Zinsen für die Staaten immer teurer gemacht. Dieses System ist pervers.
  • E-Type Jaguar Launch Brochure, 1961

Klout-Falle

Bei Score-Dienst Klout wird man auch dann bewertet, wenn man gar nicht Mitglied ist. Ein Kafkaeskes-System.

Ich melde mich ja gerne bei jedem neuen Scheiss interessanten neuen Social Media Dingsen an. Davon mal abgesehen, dass ich nicht mehr so richtig weiß, bei wem ich so alles angemeldet bin und warum Kosmar immer schon vor mir da ist, stosse ich in letzter Zeit gerne und oft auf Apps bzw. Startups, die sich entweder das Data-Mining oder die Zusammenfassung von Daten zur Aufgabe gemacht hat. Die meisten wollen meine/deine/unsere Daten. Das ist auch in Ordnung, sollen sie bitte schön haben, zumindest in dem Umfang, in dem ich zulasse. Und so lange es nur um meine Daten geht, ist es eh mehr oder weniger mein Problem.

Was anderes ist es jedoch, wenn die Daten meiner Freunde, Bekannten und Social Media Verknüpfungen rein geraten. Jede auch nur halbwegs klug programmierte App erlaubt sich bei Facebook zu schauen, mit wem ich so verbandelt bin und wieso. Und man kann mit den Daten schon jede Menge machen. Zum Beispiel rauslesen, ob man schwul ist, Kinder hat, wo die Interessen liegen usw. Aber auch hier gilt, wie gesagt, kann man regulieren, vor allem das fortlaufende Data-Mining, in dem man Apps zwischen drin mal wieder rauskickt. Dennoch erlebt ja immer wieder die ein oder andere Unverschämtheit, wie zum Beispiel neulich bei Instagram, als kleinlaut zugeben musste, dass die hochgeladenen Adressbücher der User noch irgendwo auf den Servern rumflogen.

An derartigen Quatsch hat man sich ja schon gewöhnt, was allerdings „Klout“ macht, ist eine ganze andere Nummer.

Nur zur Erinnerung: Klout ist dieses Bemessungssystem, mit dessen Hilfe man angeblich erkennen kann, ob jemand im Netz gut oder weniger gut vernetzt ist und wie viel Einfluss er hat, also ob die Frau/der Mann wichtig ist, oder nicht. Niemand kennt die Bemessungsgrundlage von Klout, aber offenbar hat es was mit der eigenen Aktivität, der Retweet-Zahl, Likes usw. zu tun. Ein Score von mehr als 50 gilt als wichtig. Das kann einem eigentlich egal sein, wäre da nicht Tendenzen zu erkennen, dass der Klout-Score zu einem wichtigen Faktor für Personalabteilungen wird. Eine Meldung gab es da schon aus den USA und neulich berichtete mir eine Headhunterin, dass sie für Pöstchen im Internet keine Menschen mehr einlädt, deren Klout-Score unter 30 liege.

Gut – kann man machen, muss man aber nicht. Die „Score“ Werte sind ungefähr so aussagekräftig, wie die RTL2-Nachrichten. Zum Beispiel haben Regierungssprecher Steffen Seibert und ich ungefähr den gleichen Score. Er 62, ich 58. Im Notfall dürfte Seibert deutlich einflussreicher sein, als ich es bin. Das viel erstaunlichere ist aber – Steffen Seibert ist gar nicht auf Klout angemeldet. (Screenshot)

Und wie kommt Seibert jetzt da rein? Natürlich wie alle anderen auch: Über die Adressbucheinträge und Freundeslisten, wenn man sich bei Klout anmeldet. Denn einen eigenen Account gibt es dort nicht, man kann sich ausschließlich über Twitter und Facebook anmelden. Und gibt damit Klout die Listen frei.

Das perfide an der Sache ist aber, dass man auch dann einen Klout-Score hat, wenn man dort gar nicht angemeldet ist oder den Dienst gar nicht kennt. Noch perfider ist: Man kann Klout auch aus Personensuchmaschine nutzen und findet Namen von Menschen, die gar nicht angemeldet sind und den Dienst nutzen. Man läuft also Gefahr, dass man nach einer Bewerbung von einer Personalabteilung dort gesucht wird und die Chancen, wegen eines niedrigen Scores, sich dementsprechend verringern.

Klout vergleicht offenbar die hoch geladenen Adressbücher und Freundeslisten und sucht Übereinstimmungen. Taucht ein Name, zum Beispiel der von Steffen Seibert, öfter in Listen auf, wird er höher bewertet, als Namen, die nur selten drin stehen. So kommen Menschen, die zum Beispiel auf Twitter nicht sehr aktiv sind, zu einem extrem niedrigen Score, obwohl sie eigentlich gut vernetzt sind. Als Beispiel dient eine Bekannte, die in einer großen Agentur arbeitet, Twitter aber auch aus Zeitgründen nur als Newskanal nutzt. Deren Score liegt bei 22, damit also weit unter dem, was die eben angesprochene Headhunterin für wichtig erachtet, in Sachen Vernetzung.

Man ist also in einem Bewertungssystem drin, ohne dass man es will und auch ohne dass man es ändern könnte. Denn um an seine Daten ran zu kommen, müsste man sich bei Klout einloggen, was ja wieder nur geht, in dem man es mit Facebook oder Twitter koppelt.

Anders gesagt: Klout legt Scores fest, die man nicht beeinflussen kann und von denen die meisten nicht mal eine Ahnung haben, dass sie überhaupt bewertet werden. Um den Score zu sehen muss ich mich anmelden. Was dann wieder meinen Score beeinflusst. Immerhin könnte ich nach der Anmeldung meinen Account dann „löschen“, was aber nichts bringt, weil ich trotzdem über die Freundeslisten meiner Verknüpfungen wieder rein rutsche.

Das ist ein unschönes System, um es mal vorsichtig zu formulieren. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es nach deutschen Datenschutzgesetzen überhaupt rechtlich in Ordnung ist. Auf der anderen Seite: Wirtschafts/Kreditscore-Systeme wie die Schufa arbeiten ja nach einem ähnlichen Prinzip.

Unwohl kann einem aber dennoch sein. In den USA wurden die ersten Bewerber schon abgelehnt, weil der Klout-Score nicht stimmte, Hotels vergeben bessere Zimmer, wenn der Score hoch ist. Man kann sich leicht ausmalen, dass den Klout-Score auch nutzen kann, um Zugang zu bestimmten Seiten zu bekommen. Passt der Score, kommt man in „Elite-Club“, passt er nicht, bleibt man eben draussen. Und das alles mit einem instransparenten System in dem man mehr oder weniger zwangsangemeldet ist.

Bookmarks vom 11.05.12 bis 13.05.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Urheberrechtsdebatte: Schluss mit dem Hass – Feuilleton – FAZ – Wenn wir mit kleinen Schritten beginnen wollen, dann wäre der erste, dass den Protagonisten der Abmahnindustrie ein Name gegeben und ihnen die Grundlagen ihres Handelns nicht nur juristisch, sondern auch moralisch streitig gemacht würde. Sie sind das, was die Steuereintreiber des Ancien Régime waren. Sie tauchen plötzlich auf und fordern Abgaben je nach Lust und Laune und wie es ihnen gefällt.
  • Google’s head of news: Newspapers are the new Yahoo — Tech News and Analysis – But consumers never did pay the true costs. The Wall Street Journal pulls their paywall off because it publishes information that is perceived to have high value and is written for business audiences, whose subscriptions are paid for by their employers. News companies must disambiguate their content and business models and devolve from the generalist approach, which is hemmoraging both readers and revenue.
  • Aus dem Maschinenraum: Die neuen Hilfssheriffs des Internets – Aus dem Maschinenraum – FAZ – Über zweihunderttausend kostenpflichtige Abmahnungen mit einem Durchschnittsbetrag von knapp tausend Euro wurden im Jahr 2011 verschickt. Das ergibt eine Gesamtsumme von mehr als 190 Millionen Euro, die den Besitzer gewechselt haben. Da rollt der Rubel. Doch wohin? Wie viel davon ist bei den Künstlern angekommen?
  • […] Mek Wito – ich zog an den ungewohnt straffen Bremsen meines niegelnagelneuen Fahrrads, das sich quälend langsam überschlug, während ich mit einer akrobatischen Bewegung auf der Motorhaube aufpolterte. Ich blieb einen Augenblick an der Frontscheibe kleben und ich schaute in des Fahrers käsefarben ausgebleichtes Gesicht, wie ich selber aussah, weiß ich nicht.
  • law blog» Archiv » Ihr seid nicht systemrelevant – Die heute noch so stolzen Urhebern müssten dann die bittere Erfahrung machen, dass das freie Netz wichtiger ist als ihr unbestrittener Beitrag zur Kultur. Das Motto wäre dann: Besser jeder kann frei online seine Meinung sagen, als dass alles den Bach runtergeht, bloß weil ein paar Schriftsteller meinen, sie hätten den unbedingten Anspruch an die Gesellschaft auf ein solides Auskommen pro Essay oder Roman. 

Bookmarks vom 08.05.12 bis 11.05.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

Bookmarks vom 27.04.12 bis 07.05.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Walt Disney World Pre-opening brochure, 1970
  • Mär Beteiligung? – Der Antrag nimmt sich des wohl nicht bei wenigen Prenzlauer Bergern bekannten Gefühls an, schlecht über große Bauvorhaben informiert zu sein – und wenn doch, erst dann, wenn es zu spät ist. Verwiesen wird auf den Pfefferberg, wo Anwohner erst erfuhren, dass die jahrelange vorgesehene Grünfläche nun doch nicht verwirklicht und stattdessen ein Bürohaus gebaut werden soll, als es schon entschieden war.
  • Editorial: Liebes Google, liebe GEMA | c’t – Die durch die Argumentation beider Seiten scheinende Geldgier trübt mein Verständnis für beide Positionen. Google hat einen Kuchen, den es behalten will. Die GEMA will möglichst viel von diesem Kuchen abhaben. Googles Reaktion darauf: Dann backen wir halt gar keinen Kuchen mehr.
  • New York, New York – Ich war in New York. Jetzt kenne ich mich besser aus und ich sage: Da muss man nicht hin. Im Grunde ist das eine größere Version von Frankfurt, nur, dass bei denen Offenbach im Norden liegt.
  • Klout: Umstritten, aber unausweichlich » netzwertig.com – Auch die Tatsache, dass der US-Jungstar Justin Bieber mit einer Klout Score von 100 nach Erkenntnis des kalifornischen Startups einen größeren Einfluss hat als Barack Obama (Klout Score 93), stellt die Validität der Klout-Algorithmen in Frage

Geschnitten oder am Stück?

Eines der Dinge, die ich nie verstehen werde, sieht so aus:

CC Lizenz Washington & Jefferson College

Die Rede ist von dem, was man in Deutschland Aufschnitt nennt. An Meterlangen Wursttheken haben findige Wurtstthekenfachverkäuferinnenhände stundenlang abgeschnittene Wurstscheiben drapiert. Lagenweise hat man rohen Schinken auf Zellophanpapier geschnitten, lustige Sülzwursttürme gebastelt und ein paar Kilo  Teddywurst vorbereitet. Will man seinen Aufschnitt haben, greifen die Damen und Herren hinter der Theke nur beherzt zur Fleischgabel und spießen die passende Menge auf. Die aufgeschnittene Menge soll mindestens über den Tag reichen, gerne auch länger. Bei manchen Bergen hat man den Eindruck, wahnsinnige Aufschnittschneider hätten Montagsmorgens um 5 Uhr einen Wochenvorrat angelegt, so hoch türmt es sich. Dementsprechend sieht das dann auch irgendwann auf. Schon Abends rollt sich die Wurst, der gekochte Schinken schwitzt verzweifelt, das Roastbeef ist ganz blass geworden und der rohe Schinken trocknet traurig vor sich hin. Und das gilt nicht nur für den „Kaisers“, sondern mittlerweile auch für viele Bio-Läden. Das ist alles sehr Deutsch, weil es sehr effizient ist. Aber wie so üblich: Effizienz führt meist nicht zur Schönheit. Oder zu Dingen, die man essen will.

Zu den großen Mutproben im Leben gehört es daher auch, den Damen und Herren hinter der Theke den Satz „Können Sie mir das bitte frisch aufschneiden?“ entgegen zu bringen. „Hamwa nich mehr am Stück“ oder „Maschine is kaputt“ oder „Dit jeht jrad nüscht“ oder „Häh?“ sind noch die höflichen Antworten. Der Gedanke, dass man halt seine Sachen frisch möchte, scheint abwegig zu sein. Das gilt auch für die Fleischtheke, wo sich zwischen mir und einem Verkäufer mal folgende Diskussion entspannte:

Ich: „Hallo, ich hätte gerne zwei frische Entrecôte“.

Verkäufer greift in die Theke und will gerade ein mit braunen Stellen übersähtes Stück Fleisch aufspießen.

Ich: „Ähm, nein, das bitte nicht. Können sie mir das frisch abschneiden?“

Verkäufer: *verständnislos schaut* „Wieson ditte?“

Ich: „Ich mag keine brauche Stellen am Fleisch und auch nicht, wenn es am Rand schon trocken ist.“

Verkäufer: „…..aber…. das hamwa doch aufgeschnitten, dass muss doch auch gegessen werden“

Ich: „Aber nicht von mir“.

Verkäufer: „Also wenn da jeder kommen würde, sone Wünsche, von wegen aufschneiden.“

Neulich in Italien. Ich stehe in einem Supermarkt und suche Parmaschinken. Vor allem aber suche ich, durch deutsche Supermärkte konditioniert, die Aufschnitttheke, die ich aber nicht finden. Dabei war der Lebensmittelmarkt nicht mal sonderlich groß. Erst nach ein paar Momenten dämmert es mir, dass die kleine Ecke mit den riesigen und vor allem ganzen Schinken usw., das ist, was ich suche. Mein Schinken wurde einfach frisch abgehobelt. Die Beinscheiben fürs Ossobucco selbstverständlich ebenso. Das war auch alles kein Problem, auch wenn der Laden voll war und ich hatte nicht den Eindruck, dass es auch noch länger dauerte.

Und ja – man schmeckt den Unterschied. Deutlich sogar. Beim Fleisch, beim Aufschnitt, beim Käse. Und nein, ich brauche keine riesigen Aufschnitttürme, die mir Frische suggerieren wollen, letztlich aber stundenlang vor sich unter der Dampfbeleuchtung schwitzen. Ich frage mich, warum das in Deutschland oft so schwer ist, warum man nicht einfach die Lebensmittel am Stück präsentiert und dem Käufer dann seine 5 Scheiben irgendwas abschneidet. Daher: totales Verbot für vorgeschittenen Aufschnitt! Das muss es doch bei der EU eine Regelung für geben, die man nur raussuchen muss.

Best of Twitter – April 2012

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