Month: März 2012

Bookmarks vom 16.03.12 bis 21.03.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • and the trees, too – Was es mit dem "geistigen Eigentum" eigentlich auf sich hat und wie unsinnig das Leistungsschutzrecht ist, das die Verlage fordern, erläutert Thomas Hoeren, Professor für Informations-, Kommunikations- und Medienrechtler an der Universität Münster, sehr anschaulich im hörenswerten Interview der Woche im Deutschlandradio.
  • Lifechanging Twitter Hacks – Just about everything you've ever wanted to make better about Twitter : Digging up old tweets, silencing loudmouths, finding better stuff to read, and a bunch of other tweaks is easy like Sunday morning with this guide
  • Business & Technology | Employers ask job seekers for Facebook passwords | Seattle Times Newspaper – When Justin Bassett interviewed for a new job, he expected the usual questions about experience and references. So he was astonished when the interviewer asked for something else: his Facebook username and password.

    Via dem Herrn Schirrmacher ihm sein Twitteraccount @fr_schirrmacher

  • Leistungsschutzrecht: Im Räderwerk der Suchmaschinen – Medien – FAZ – Der Ausstieg von Google News hatte sich im deutschen Markt sofort bei den Online-Leserzahlen bemerkbar gemacht. Die ohnehin nur spärlichen Werbeeinnahmen im Netz hatten sich insbesondere bei Tageszeitungen weiter dezimiert. Die Einnahmen aus der Leistungsschutzvergütung konnten den Rückgang nicht ausgleichen. Nach ein paar Wochen war das Wort Zeitungskrise in aller Munde.
  • National Geographic – Face off with a lion – Photographer Mattias Klum experiences a face-to-face encounter with a lioness… a little too comfort.

Mein Internet, mein Haus

(Der Text lag schon was länger halbfertig auf dem Rechner rum. Er kommt etwas spät in Sachen ACTA, SOPA usw., aber es geht um das Grundgefühl, das meinen Widerstand gegen die massiven Eingriffe in die bürgerlichen Freiheitsrechte im Netz auslöst.)

Jeder nutzt "sein" Internet so, wie er mag, setzt andere Schwerpunkte, integriert das Netz so in sein Leben, wie es eben am besten passt. In den vergangen anderthalb Jahrzehnten hat das Internet mein Leben natürlich massiv verändert. Ich arbeite in einem Bereich, den es vor 5 Jahren schlichtweg nicht gab, ich mache Dinge, von denen ich vor 10 Jahren nicht mal geträumt habe. Es hat technische Entwicklungen gegeben, die nicht mal zu ahnen waren. Mein aktuelles Smartphone mit seiner Dual-Core CPU ist leistungsstärker als das Notebook, dass ich vor sieben Jahren mal gekauft habe und das nun in einem Regal verstaubt. Ich habe damit (theoretisch) einen schnelleren Download, als ich noch vor vier Jahren mit meiner DSL-Leitung hatte. Ich höre Musik aus einer riesigen Bibliothek, ich finde in fremden Städten meinen Weg und auch ein passendes Restaurant in wenigen Sekunden. Und dann ist da der wichtigste Punkt überhaupt: Ich habe mehr Freunde durch das Internet gefunden, als jemals zu vor. Ich habe mehr Menschen mit ähnlichen Interessen kennen gelernt, als ich mir das jemals hätte träumen lassen. Das Internet hat mein Leben reichhaltiger, abwechslungsreicher, freundlicher und spannender gestaltet, als ich mir das damals, als ich den knarzenden Modem-Eimwahlton (Der 56k Modem Klang – The 56k dialup modem sound) lauschte, hätte vorstellen können.

Und so geht es wohl vielen, die in den letzten 10 Jahre oder mehr das Internet für sich entdeckt haben. Aber während viele (ich auch) romantisierend in ihren Gedanken und Blogs übers Internet nachdachten, hat das Netz auch andere erreicht. Und manche haben etwas andere Vorstellungen vom Internet, als ich das habe, wenn ich so mit dem Netz rumspiele.

Die Rechteverwerter-Industrie, Verleger, Kriminelle, Politiker und Status-Quo-Ante-Apologeten, um nur mal ein paar zu nennen, verstehen das Internet anders. Einige sehen eine hübsche Einnahmequelle, andere haben, oft gleichzeitig, Angst, dass das, was sie nicht verstehen, eine Bedrohung für die Welt ist, in der sie Leben darstellt. Und dann fangen sie an, sich in "mein" Internet einzumischen.

Sie wollen Regeln, die ich nicht verstehe, sie wollen Überwachung, weil sie denken, ich könnte evtl. gegen die Regeln, die ich nicht wollte, verstossen. Sie mischen sich einen Teil meines Lebens ein, der sie a) nichts angeht und von dem sie meiner Meinung nach b) dringend die Finger lassen sollen.

Es fühlt sich ein wenig so, als würde man einen netten Haus mit netten Nachbarn leben. Man kennt sich, oder lernt sich kennen, es gibt ein paar Deppen, aber die kann man ignorieren. Man tauscht Musik aus, oder auch mal ein Buch, man redet, trinkt, lacht, man entdeckt durch andere noch mehr Etagen im Haus, aber vor allem fühlt man sich sehr wohl. Und dann kommt zum Beispiel jemand, der einem vorschreiben will, dass man keine Musik oder Bücher mehr tauschen darf. Wenn man das machen würde, dann würde man dafür sorgen, dass man nach dem dritten Mal aus dem Haus geworfen wird. Oder man muss horrende Summen zahlen. Dann kommt jemand, der sagt, dass man sich gefälligst ausweisen soll, wenn man im Haus rumläuft. Dann einer, der sagt, dass man dem Nachbarn nicht mehr berichten darf, was man eben in der Zeitung gelesen hat. Jedenfalls nicht kostenlos.

Natürlich ist das alles ein wenig verkürzt dargestellt. Ich habe nichts gegen ein vernünftiges Urheberrecht, dass dann auch die Urheber, also die Künstler, tatsächlich schützt. Ich habe nichts dagegen, dass der Staat im Notfall schaut, was einzelne so treiben. Es geht um das Gefühl, das meiner Erfahrung nach im Moment viele haben. Dass bestimmte Kräfte scheinbar etwas dagegen haben, wie ich mein Leben mit meinen Freunden gestalte. Es ist ein wenig so, als ob sehr viele schlecht gelaunte Hausmeister täglich durch den Hausflur marodieren und das Leben unerträglich machen, um mal beim gewählten Bild zu bleiben.

So etwas geht nicht ohne Spuren an jenen vorbei, die in dem Haus leben. Interessanterweise ziehen die wenigsten aus (i.e. kappen ihre Internetleitung), sondern sie werden sauer. Sie werden so sauer, dass sie sich wehren. Zum Beispiel mit einer eigenen Partei. Und der Frust über Gängelung durch Industrie- und Lobbyzweige, die offenbar den Verstand verloren haben und tollwütig mit Schaum vor dem Mund ihre Lügen verbreiten, sitzt so tief und ist offenbar so weit verbreitet, dass so eine Partei innerhalb von wenige Monaten zu einem kleinen, aber echten Machtfaktor wird. Gleichzeitig wundern sich Politiker und Wirtschaftsvertreter, wo der scharfe Gegenwind plötzlich herkommt.

Ich kann es Euch sagen: Ihr habt nicht nur mein Haus betreten. Sondern das vieler, vieler Menschen. Die "ihr" Internet haben, für die es ein Teil des Lebens geworden ist, das mit einem lebt, liebt, feiert, trauig ist, lacht, weint und immer da ist, wenn man es braucht. Das will ich mir nicht mehr nehmen lassen. Deswegen werde ich mich im Rahmen meiner rechtlichen Möglichkeiten dagegen wehren, zum Beispiel, in dem ich mir Menschen und Parteien suche, die meinem Internet, diesem sehr wichtigen Teilbereich meines Lebens, Schutz versprechen.

Es ist mein Haus, mein Leben und ein Stück eben "mein" Internet.

Google+: Reshared 68 times
Google+: View post on Google+

Spotify ändert viel

Spotify ist jetzt nicht so neu in meinem Leben. Per VPN hatte ich mir mal vor mehr als einem Jahr einen Free-Account besorgt, den ich aber selten genutzt habe, weil es mir zu nervig war, immer den UK-Proxy anzuwerfen um wieder ein bisschen Musik zu hören.

Meist höre ich auch gar nicht so bewusst Musik. Sie dient beim Arbeiten schon mal als Hintergrund, also bediene ich mich aus der dann doch sehr reichhaltigen eigenen Bibliothek. Entweder per Playlist oder einfach im Shuffle-Modus, der dann immer für interessante Entdeckungen sorgt, frei nach dem Motto: "Ach, das habe ich auch?" oder auch "WTF?". Wenn mich meine Musik langweilt, greife ich auf einen der 213443 Fantastrilliarden Radio-Sreams im Netz zurück. Mal ein wenig College-Radio, mal ein wenig lokales aus Los Angeles, ein Klassiksender oder halt Jazz. Warum zum Teufel soll man also 5 Euro im Monat zahlen, um Spotify zu nutzen, um darüber Musik zu hören, die man entweder selber auf der Festplatte hat, mit zwei Klicks gekauft ist, oder per Radio ins Haus kommt?

Seit ein paar Wochen habe ich, an der Stelle vielen Dank an die Agentur, einen, nun nicht mehr Beta, Premium-Account von Spotify, der noch bis Ende April oder so läuft. Im Zuge dessen habe ich den Dienst mal wieder intensiver genutzt und dabei festgestellt, dass Spotify durchaus eine nützliche Erweiterung sein könnte. Dafür gibt es natürlich Gründe:

1. Zentrales Streamingangebot
Meistens hört man Musik, weil man gerade jetzt in der Stimmung dazu ist. Letzte Woche hatte plötzlich ein altes Stück von Blancmange (Blancmange – Living on the Ceiling – Official Complete Uncut High Quality video .flv) im Ohr. Die Suche auf You Tube gestaltete sich nicht schwierig, wohl aber dann nach anderen Stücken der Kombo. Bei Spotify bekomme ich nach der Suche ein paar "Best of" plus die letzten Alben angeboten, deren Stücke ich dann alle hören kann. Und so geht das mit sehr vielen, nicht mal sonderlich bekannten Künstlern. "The The"? Fast die gesamte Diskografie vorhanden und sofort hörbar. Branford Marsalis? Tonnenweise, jedenfalls genug, um sich durch verschiedene Schaffensperioden zu hören. Eine Bristol-Postpunk Band wie "Blood Red Shoes" ist ebenso zu finden, wie Schätze von Labeln wie 4AD (Wolfgang Press usw.) Selbst leicht absurde Sachen wie "Caspar Brötzmann Massaker", "Three Mile Pilot" oder "Band of Susans" sind fast komplett zu hören. Das ist einfach sehr, sehr großartig.

Denn meist handelt es sich beim "Oh, lange nicht mehr gehört" Dings um eine recht kurzlebige Idee. Ich benötige nicht zwingend das gesamte Album auf der Festplatte, das ich dann alle 5 Jahre mal höre. Bei neueren Sachen, wie dem neuen Springsteen Album, geniesse ich es sehr, dass man erst mal in Ruhe reinhören kann. Gekauft habe ich es dann doch, aber da macht es einem Spotify leider nicht sehr leicht. Dazu gleich noch was.

2. Entdeckungsreise
Spotify hat es geschafft, die Sache mit den öffentlichen Playlisten hinzubekommen. Durch die Verknüpfung mit Facebook und der dann noch mal durch einen selber gefilterten Freundesliste bei Spotify, kann man ziemlich flott und bequem sehen, bzw. hören, was andere so hören. Die komplett öffentlichen Playlisten erweitern den eigenen musikalischen Horizont dann noch mal gewaltig. Ein Beispiel: Neulich einfach mal "Jazz" in die Suche eingegeben, mir dann dann ein paar Playlisten angeschaut, ein wenig durch geshuffelt und gleich zwei, drei Sachen gefunden, die mir so gut gefallen haben, dass ich sie dann auf Spotify genauer angehört habe. Daraus resultierte dann ein Einkauf. Wäre halt ohne das Angebot nicht passiert.

3. Verfügbarkeit der eigenen Musik
Spotify hat sich durch meinen Katalog gefräst. Rund ein Drittel fand ich dann als Stream auf einem Bürorechner wieder. Warum nicht alles, ist mir noch ein kleines Rätsel, aber ich war bisher zu faul mich mit dem Matching/Streaming von Spotify zu beschäftigen. Was auch meine Verwirrung erklärt, warum bestimmte gekaufte oder legal gerippte Alben nicht zu finden sind, andere jedoch schon. Jedenfalls: Nette Überraschung. Geht mit iTunes Match zwar auch, aber damit hatte ich nicht gerechnet.

Aber es ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt.

1. Keine lokale Speicherung
Man kann zwar Stücke und Playlisten auch offline verfügbar machen, aber ein klassisches Speichern ist es nicht. Ich hab ein paar Playlisten auf dem iPad offline verfügbar gemacht, mal sehen, wie das im Urlaub funktioniert. Kleine Randbemerkung: Eine eigene iPad App wäre wirklich schön. Dennoch, lokal wird im klassischen Sinne nichts gespeichert, was nerven kann. Vielleicht ist dieses Offline/Online bzw. lokal/cloud Denken sowieso Quatsch. Das Internet hat sich mittlerweile so im Leben verankert, wie die Stromversorung. Man macht sich ja auch keine Gedanken mehr um den Strom und kauft lieber Lebensmittel, die man nicht kühl lagern muss. Stream/Cloud ist, zumindest für unwichtige Daten, sicher die praktikabelste Lösung. Ein wenig schade ist es, dass die Offline-Variante zudem ausschließlich in der Premium-Variante angeboten wird. 10 Euro/Monat sind da schon ein gefühlt happiger Preis, eine Abstufung nach unten wäre nett.

2. Keine Kaufoption
Jetzt habe ich gerade geschrieben, wie sinnvoll die Cloudsache ist, und dann muss ich mich doch über die fehlenden Offline-Verfügbarkeit auslassen. Denn irgendwie will man manche Alben dann doch zu Hause im Schrank stehen haben, aus welchen Gründen auch immer. Und leider bietet Spotify keinen Link zu Amazon oder sonst wem an. Das ist ärgerlich, das schaffen ja auch andere Programme. Warum Spotify darauf verzichtet? Ist mir nicht bekannt, vielleicht aus Performance, vielleicht aus Handling-Gründen. Wäre ein mir durchaus wichtiger Punkt, denn vielleicht möchte man Künstler nicht nur mit ein paar Zehntel-Cent Streaminglizenz beglücken, sondern gleich mit etwas mehr. Kann ich zwar immer noch machen, aber aus der Anwendung heraus wäre es netter. Aber gut, dafür gibt es auch das nervige iTunes, vielleicht bin ich da auch einfach nur zu faul.

3. Teuer
5 Euro für den einfach Zugang sind ja ok, 10 Euro für die Premium-Variante finde ich (auch wenn es vermutlich halt der üblich gefühlte Blödsinn ist) etwas viel. Aber vielleicht muss man es so sehen: Für meinen ungenutzten Xing-Account, der mir nichts bis gar nichts bringt, zahle ich auch 5 Euro im Monat. Da kündige ich den doch lieber, lege 5 Euro drauf und nehm den Premium Account.

Eine Frage finde ich dann aber schon noch interessant: Kauft man nun in Zukunft mehr Musik, oder weniger, weil man halt alles im Stream hört? Ich vermute ja fast letzteres und dann bin ich mal gespannt, wie sich das auf die Einnahmesituation der Künstler auswirken wird. Verbessern dürfte die sich vermutlich nicht. Ändern lässt sich das aber auch nicht. Spotify, Simfy, rdio usw. haben eine Büchse der Pandora aufgemacht, Apple und Google werden da nicht lange auf sich warten lassen.

Google+: Reshared 3 times
Google+: View post on Google+

Bookmarks vom 13.03.12 bis 15.03.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

Bookmarks vom 11.03.12 bis 12.03.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

Vom Aufräumen

Der Mensch sortiert ja gerne Dinge in Schubladen ein. Schubladen sind auch praktisch. Man stopft Sachen rein, die sonst sinnlos rumliegen und vergisst dann, dass es diese Sachen gibt. Es existiert vielleicht ein leichtes Erinnerungsglimmen im Hinterkopf, dass man diese eine Sache in irgendeiner Schubalade irgendwann mal untergebracht hat, aber welche war das? Dennoch  – Schubladen sind enorm hilfreich, weswegen wir sie nicht nur beim Aufräumen einsetzen, sondern auch beim Denken. Das ist nämlich genauso praktisch, es erspart einem lästiges Nachdenken, Differenzieren und andere Dinge, die einem von angenehmen Dingen abhalten.

Ich für meinen Teil nutze Schubladen ungern. Zum Beispiel beim Aufräumen. Sehe ich einen sehr hohen, bedrohlich wankenden Papierstapel, kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sich dort die ungeöffnete Post der Kalenderwochen 5 bis 8, zwei ungelesene Ausgaben einer Zeitung, ein paar Rezensionsexemplare und diverse, vermutlich sehr wichtige Steuerbelege befinden. Würde ich diesen Stapel nehmen und eine Schublade werfen, ich wäre verloren, denn ich würde vermutlich innerhalb von Sekundenbruchteilen vergessen, dass dieser Stapel jemals existiert hat. Damit wären dann alle Unterlagen für die nächsten Jahre hoffnunglos verloren und tauchen erst wieder auf, wenn ich versuche, den nächsten Stapel unterzubringen. Wenn bei mir riesige Papier-, Bücher und DVD-Stapel in der Gegend rumstehen, dann hat das also einen gewissen Sinn für mich. Ohne diese Stapel wäre ich quasi verloren, denn es gilt sehr klar die Devise „Was ich nicht sehe, existiert auch nicht.“ Zumindest gilt das für Sachen in meiner Wohnung.

Die Stapel-Neigung hatte ich schon immer, ganz schlimm war es im Studium. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt viele kleine Stapel in der Wohnung zu verteilen, was die meine Stapel-Verwirrung allerdings erhöht. Auf der anderen Seite zwingt es mich dazu, bei Besuch aus den vielen kleinen Stapeln einen Großen zu machen, den ich dann, bei Gelegenheit, auch mal abarbeite.

Ich bewundere Menschen, die zu Hause eine Ablage beherrschen. Ich frage mich ernsthaft, wie die das schaffen. Komplizierte String-Theorien scheinen mir leichter zu bewältigen, als Sachen ausdrucken, abheften, eintüten und wegräumen. „Aber das ist doch ganz einfach,“ erklären mir manche Menschen freudestrahlend, „man muss es nur einfach machen und dann geht alles wie von selbst.“ Das ist natürlich in meinen Augen Unfug. Nichts geht „von selbst“, das wäre ja dann auch leicht, dann würde man der Ablage einfach befehlen, dass sie sortieren soll, zum Beispiel in „müsste ich anschauen, aber wenn ich lange genug warte, hat es sich vielleicht von alleine erledigt“ und „Sollte man anschauen, jetzt wirklich“ und „Also das ist echt wichtig, das lege ich mir mal nach oben.“

So ist es bekanntermaßen aber nicht, stattdessen muss man alles selber machen. Aber mit zunehmenden Alter wird man ja auch ein wenig klüger. Mittlerweile ist mein häusliches Chaos bei weitem nicht mehr so schlimm, wie früher. Das liegt zum einen an einer klaren Verweigerungstrategie, was Neuankäufe angeht. Die meisten Anschaffungen kann ich mit einem „Und dann? Wohin damit? Und der Karton ist auch zu klein, als dass man in ihn wochenlang auf Erde stehen lassen kann und als Entschuldigung ‚Die Katzen spielen damit‘ gelten lässt.“ Gedanken abwehren. Viele Dinge kaufe ich einfach nur Digital (Bücher, Musik, Zeitungen).

Zum anderen helfen zwei weitere Dinge ungemein. Menschen, die man nicht sooo gut kennt in die Wohnung einzuladen und eine Putzfrau. Letztere ist die wahre Heldin meines Alltags. Vor ca. 12 Jahren habe ich meine erste Haushaltshilfe bestellt. Es war ein Frühlingstag, vom Sonnenlicht erreichten mich ca. 12%, Staub hatte sich quasi über Nacht zentimeterdick in der Wohnung verteilt, dazu die üblichen Stapel, Flaschenansammlungen, Kartonagensiedlungen und Klamottenberge. Ich betrachtete das Chaos und beschloss, dass ich alt genug sei um einzusehen, dass es in meinem Leben Dinge gibt, die mich nicht interessieren, niemals interessieren werden und mein Leben viel leichter sei, wenn ich diese Dinge in kompetente Hände lege. Man vertraut bei Zahnschmerzen ja auch einem Arzt und greift nur dann zur Zange, wenn man mitten in Patagonien von einem eiternden Zahn überrascht wird, den dann ein runzeliger Bergführer aus dem Kiefer zieht. Auch den Blinddarm lässt man von Fachkräften wegschnippeln und nicht von Tante Susanne, die früher mal Hühner ausgenommen hat. Warum also sollte man sein Chaos nicht von jemanden eingrenzen lassen, der sich damit auskennt?

Eine unfassbare glückliche Entscheidung, denn zumindest sind so die größeren Probleme verschwunden. Natürlich nicht die Papierberge. Aber dafür gibt es zur Not ja Schubladen.

Bookmarks vom 01.03.12 bis 05.03.12

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Journalist: Leistungsschutzrecht – Es ist nicht ganz frei von Ironie, könnte man meinen, dass ausgerechnet eine Branche nach Erlösbeteiligung an fremden Leistungen ruft, die selbst ganz wesentlich von fremden Leistungen lebt – ohne dafür zu bezahlen. Dass ein Interviewpartner etwa ein Honorar dafür bekommen könnte, dass er einem Journalisten Zeit und vor allem Know-how zur Verfügung stellt und damit den Inhalt des Presseerzeugnisses liefert – um Gottes Willen, nein! 
  • Art Deco K.J Henderson Motorbike, 1936 – Wow. Warum gibt es sowas heute nicht mehr. Opulenz ist schnöder Effizienz gewichen.
  • Famous Letterheads, 1900-1997 – Briefpapier berühmter Persönlichkeiten
  • BrandTweet by Benedikt Koehler – Markenerwähnungen auf Twitter visualisiert
  • FBI anti-terrorism expert: TSA is useless – Another time, I was bypassing screening (again on official FBI business) with my .40 caliber semi-automatic pistol, and a TSA officer noticed the clip of my pocket knife. "You can't bring a knife on board," he said. I looked at him incredulously and asked, "The semi-automatic pistol is okay, but you don't trust me with a knife?" His response was equal parts predictable and frightening, "But knives are not allowed on the planes."…