Month: Mai 2011

Blade Runner


„I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.“

Via dem sehr, sehr großartigen „If we don’t, remember me“ Tumblr.

Anglo-EU Translation Guide

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Spanien und die Medien

In Spanien passiert gerade das, wovor die meisten Regierungen in Europa Angst haben. Die Bevölkerung ist sauer über den Sparkurs. Nicht weil gespart werden muss, das ist eine Sache. Sondern weil es viele Menschen offenbar nicht mehr einsehen, dass man Banken und Versicherungen rettet, dass man Abermillionen in ein System rein steckt, dass man nicht versteht, nicht verstehen kann, während man selber arbeitslos ist, keine Zukunft hat, mit Billig-Löhnen abgespeist wird, die durch die Inflation immer lächerlicher werden und steigende Mieten dafür sorgen, dass man gar nichts mehr hat. Wer geglaubt hat, nur die „faulen Griechen“ seien so uneinsichtig, wird offenbar gerade eines besseren belehrt. Aber das ist ja nicht weiter überraschend. Auch nicht, dass nicht ein paar Leute sind, sondern sehr, sehr viele Menschen.

Überraschend ist hingegen. dass die dann doch massiven Proteste in Deutschland bisher von kaum einem Medium aufgegriffen wurde. Während zum Beispiel in China ein paar Dutzend Menschen vor einem Platz schon als „Demonstration für Demokratie und Freiheit“ gelten, werden die Massendemos in Spanien komplett ignoriert. Das ist mittlerweile sogar Meedia aufgefallen. [Update: Gerade diesen Artikel hier veröffentlicht, da kommt Sponline mit einem Bericht]

Nun kann man sagen, dass die Demonstrationen in Spanien nicht gerade so wichtig sind, das sie in die Tagesschau gehören, die mit ihrem „In 15 Minuten die Welt erklären“ sowieso noch mit einem Konzept unterwegs ist, dass so nicht mehr funktionieren kann. Das aber die Online-Medien an der Stelle ebenfalls kläglich versagen, ist dann doch enttäuschend. Twitter und Facebook sind seit dem Wochenende voll mit Hashtags wie #spanishrevolution (was jetzt auch ein wenig übertrieben ist) oder #acampadasol (die spanische Variante) und immerhin hatte es ein Foto der Demonstrationen schon auf die Titelseite der „Washington Post“ geschafft (pdf). Es kann also kaum sein, dass die Redaktionen es nicht bemerkt haben.

Aber offenbar empfindet man es nicht als wichtig genug, damit es neben Kachelmann, Strauss-Kahn, „Rente mit 69“ und „Aufruhr in Syrien“ bestehen kann. Das ist einerseits verständlich, andererseits auch nicht, denn in Spanien geht es, wie schon vorher in Griechenland im Grund nicht nur um die Sparmaßnahmen alleine, die sich gerade in bestimmten Bereichen der Gesellschaft auswirken. Es geht auch nicht generell gegen Europa. Es geht wohl eher darum, dass man nicht verstehen kann, wieso die Politik nach der Ansicht der Demonstranten ein Jahrzehnt lang ein System unterstützt hat, von dem man zumindest ahnen konnte, dass es auf Dauer nicht gut gehen konnte. Und warum man versucht, dieses System zu retten, statt die Fehler auszutreiben. Die Frage wäre: Würden die Menschen in Griechenland, Spanien, Irland und vielleicht demnächst auch in anderen Ländern wie Portugal oder Italien die Sparmaßnahmen unterstützen, wenn sie das Gefühl hätten, das der wild gewordene Bankensektor umstrukturiert wird? Aber all das wird im Moment nicht diskutiert. Dabei hätten diese Fragen auch durchaus in Deutschland ihren Platz.

Bookmarks vom 11.05.11 bis 16.05.11

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Staatlicher Datenschutz – Mentale Kernschmelze in Wolkenkuckucksheim | The European – Warum laufen diese Angstdebatten in Deutschland eigentlich immer nach dem gleichen Muster ab? Warum setzen die Abgesandten des Sicherheitsstaates in schöner Regelmäßigkeit auf Verbotsschilder, Netzsperren, Muster-Widersprüche und Warnhinweise? Tagesordnung, Gartenkodex und Ordnungsämter stoßen auf einen kleinbürgerlichen Humus. Es ist die deutsche Sehnsucht nach Ordnung und Normen.
  • The Disappearing Face of New York
  • Klickbetrug bei YouTube hat Methode – Das Fälschen von Kommentaren und Manipulieren von Zuschauerzahlen bei Videoplattformen wie YouTube ist längst Methode geworden. Selbst DAX-Unternehmen schrecken vor Manipulationen nicht zurück. Ein Erfahrungsbericht.
  • Die neue Macht – Ratlosigkeit, weil partizipative die alten repräsentativen Prinzipien langsam ablösen. Oder zumindest dort einen gleichberechtigten Platz einfordern, wo bislang mehr oder weniger repräsentative Funktionsträger Problemlösungen untereinander und hinter verschlossenen Türen ausgekungelt haben.
  • Starbuck and Starbuck in Starbucks

Google & Amazon vs. Musikindustrie

Der Launch von Google Music ist nicht weiter überraschend. Auch nicht, dass die Musikindustrie, wie schon bei Amazon, hyperventiliert. Interessant ist aber, dass sowohl Amazon, als auch Google ihr Projekt nicht einfach so online geschoben haben, sondern wohl lange mit den Labels verhandelt haben. Google hat offenbar die Lust verloren, sich weiter mit der Musik-Industrie zu unterhalten. Jamie Rosenberg, der für die Strategie der digitalen Inhalte bei Android zuständig ist, meinte gegenüber dem „Wall Street Journal“ nur trocken:

„Unfortunately, a couple of the major labels were less focused on the innovative vision that we put forward, and more interested in an unreasonable and unsustainable set of business terms,“

Nun gut, Google und die Musikindustrie sind eh zwei Bekannte, die sich gerne in den Haaren liegen. Über die Google Suche konnte man früher recht einfach per mit einer Suche wie „Madonna filetype:mp3“ vor allem offene Seitenindexe abgrasen und gefahrlos mp3s runter laden. Das hat Google nach einigen Beschwerden abgestellt. Neulich forderte die Industrie auch, dass Google Seiten aus dem Index entfernt, über die man Angebote wie „rapidshare“ nach Musik durch suchen kann. Da ist allerdings noch nichts passiert und wenn man eine Suche wie „Madonna filetype:rar“, wird man immer noch fündig. Offenbar hat Google die Lust verloren, weiter an seinem Index herum zu fummeln, damit die Musikindustrie, mit der man jetzt nicht so viel zu tun hat, weiter Ruhe gibt.

Google Music und Amazon Music sind zwei Dienste, die es im Prinzip nur zulassen, dass man mp3s in einen Cloudspeicher schiebt und von dort abrufen kann. Das geht bei beiden Anbietern nur mit Android Handys. Google verspricht aber, im Gegensatz zu Amazon, „große Freiheiten“ bei der Verwaltung der Musik. Also keine DRM-Beschränkung, wie bei iTunes teilweise mal vorhanden war/ist. Ob man innerhalb seines digitalen Umfeldes dann auch die Musik verteilen kann, ist dann eine andere Sache, die noch nicht klar ist.

Die Industrie hat zwei Gründe, warum man das Angebot nicht mag. Zum einen hat man Angst, dass der „wilden“ Weitergabe von Musik dann Tür und Tor geöffnet sind, da ein physischer Austausch der Dateien recht einfach ist. Auch wenn der von Google nicht vorgesehen ist, sollte es leicht sein, ein anonymes Konto aufzumachen, dessen Login man an Freunde verteilt, die sich dann bedienen können. Die andere Sache ist, dass die Industrie gerne Geld dafür hätte, dass Google und Amazon den Speicherplatz anbieten. Sie sehen die Dienste als „Verteilstationen“, ähnlicher einer Jukebox, für die man halt eine Lizenzgebühr zahlen muss. Soweit ich das verstanden habe, waren sowohl Amazon als auch Google durchaus bereit über Kompensationen zu reden, aber nicht über Lizenzgebühren. Die Gefahr wäre, dass die Industrie diese Gebühren kontrolliert und mehr oder weniger nach Belieben anheben kann, was das Geschäftsmodell gefährden würde. Das Geschäftsmodell mit den Radios läuft einer ähnlichen Basis, was schon mehrfach dazu geführt hat, dass einige Radiosender bei unglücklich verlaufenden Verhandlungen über die Lizenzzahlungen von Labels ausgesperrt wurden, bzw. bestimmte Label nicht mehr spielten. Daher stellen sich Amazon und Google auf den Standpunkt, bei dem Speicherplatz handele es sich nur um die Online-Version einer externen Festplatte.

Dass die Industrie mal wieder mit Schaum vor dem Mund unterwegs ist, wundert dann schon insofern, denn Google bietet diese „externe Festplatte“ schon länger in Form von Google Docs an. Dort kann man seit geraumer Zeit jede Datei hochladen, die man möchte und diese dann für andere freigeben. Und für 50 Dollar im Jahr bekommt man bei Google 200 GB Speicher. Natürlich fehlt ihr die Streaming-Funktion, aber was die Handhabung angeht, macht Google schon seit Jahren genau das, worüber sich die Industrie gerade aufregt. Auch für die „Dropbox“ gibt es mittlerweile Lösungen, die in die Richtung gehen.

Die Industrie stemmt sich im Prinzip weiter gegen jede Form der Digitalisierung und hätte gerne die 90er Jahre wieder. Minus Napster, versteht sich. Es ist erstaunlich, wie borniert man auf zum Teil völlig überholten Geschäftspraktiken besteht. Auf die Idee, dass man einen Streaming-Dienst auch selber anbieten könnte, ist nur Sony gekommen, deren Netzwerk „Qriocity“ aber gerade bekanntermaßen einen kleinen Einbruch zu verkraften hat. Und so mutig, dass man WLAN-fähige Walkman oder die Sony Ericsson Handys mit ins Netzwerk eingebunden hätte war Sony dann doch nicht. Immerhin geht es mit den Sony Laptops.

Alle anderen Labels haben nichts dergleichen. Sie sind nicht mal auf die Idee gekommen, so etwas anzubieten. Genauso, wie man sich jahrelang gegen einen Verkauf der Musik in digitaler Form im Netz gewehrt hat, genauso versagt man weiter auf ganzer Front, wenn es um Streamingdienste geht. Warum man nicht selber auf die Idee kommen ist, die eigenen Angebote auf einer eigenen, selbst kontrollierten Plattform über eine App den Kunden, die die Musik gekauft haben, zur Verfügung zu stellen? Keine Ahnung – eigentlich hätte man nach dem Desaster mit iTunes klüger sein müssen, aber die Hoffnung, dass in der Industrie so etwas wie „Vernunft“ oder „Zukunftsvision“ Einzug hält, kann man wohl komplett vergessen.

Bisher gab es keine richtigen Gegner der Musikindustrie, auch wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen der Konzerne untereinander. Vor ein paar Jahren musste Apple noch viel über sich ergehen lassen, damit man überhaupt einen Online-Store ins Netz bekam, auf dessen Erfolg dann wieder Apple aufbauen konnte. Mittlerweile ist Apple stark genug sich gegen die Labels durchzusetzen, aber Google bildet zusammen mit Amazon noch mal eine ganz andere Liga.

Zum einen hat Google, wie schon erwähnt, relativ wenig mit der Musikindustrie zu tun. Amazon schon deutlich mehr, aber da Amazon als Großhändler von CDs, DVDs und m3s weltweit vermutlich eine Spitzenposition einnimmt, wäre der Ausgang eines Konfliktes für die Labels mehr als Ungewiss. Dazu kommt, dass der Marktwert der Labels, verglichen mit Amazon, Google oder Apple, geradezu lächerlich ist. Skype ist gerade für rund 8,5 Milliarden Dollar über den Tisch gegangen, das renommierte Label „Warner“ war vor ein paar Tagen gerade mal 3.2 Milliarden wert und es handelt sich immerhin um das drittgrößte Label der Welt.

Und richtig lustig für die Musikindustrie wird es dann, wenn Facebook in den Markt einsteigt, was angesichts der Konkurrenz von Google vermutlich nur eine Frage der Zeit ist. Wenn Facebook seinen 600 Millionen Usern für 50 Dollar im Jahr Gigabyteweise Speicher zum Musikstreamen anbietet, die über die Facebook App abrufbar sind, ist der Zug komplett abgefahren.

Oder anders ausgedrückt: Die Zeiten, in denen die Musikindustrie per Marktabsprachen, DRM, Rootkit und anderen Spielereien den Markt beherrscht haben, sind vorbei. Endgültig.

Bookmarks vom 27.04.11 bis 09.05.11

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

Best of Twitter – April 2011

Ingeborch
Die Nachbarin arrangiert hingebungsvoll das letzte Plastikei am Haselnussstrauch. Werde heute Nacht alles umhängen und nach Farben ordnen.

Buchkolumne
Mann erkundigt sich bei mir nach neuer Bettlektüre, hätte gern was mit Horror, Irrsinn und psychisch Kranken. Gehe mein Tagebuch holen…

melunie
hab ich was falsch gemacht, wenn das backpapier im backofen feuer fängt?

marcelweiss
We built this city on bits and bytes.

supatyp
riot or wrong

Graupause
Ich so: „Ich will Videos von grünen Zwergen, die es betrunken mit brennenden Ziegen treiben!“ Das Internet so: „Welche Art Ziegen?“

RocketJane
Leggins sehen gleich viel besser aus, wenn man sie nicht anzieht und im Kleiderschrank lässt.

i_need_coffee
werde mir eine flagge drucken, auf der „LEGGINGS SIND KEINE VOLLWERTIGEN HOSEN!!!1“ steht. und die trag ich dann den ganzen tag mit mir rum.

arclight
When a man can’t get a Manhattan at the airport at 6am, there’s something wrong with America.

zynaesthesie
Hätte doch zur #rp11 fahren sollen. Jetzt muss ich für fünfhundert besoffene Frauen wieder auf den Kirchentag warten

katjaberlin
der schwanzvergleich unter den frauen: wer hat den richtigeren feminismus.

monkeypenny
Baden-Württemberg. Das Brandenburg Zürichs.

reuberlee
Warum heißen Personaler nie Müller? „Hallo, ich hab einen Termin bei Frau Chmieklrskrsry.“ „Ach, Sie meinen bei Frau Chriesklykswkoj!“

bartmeise
Mein Vater nutzt einen CPU-Lüfter zum Trocknen seiner Mettwürste.

booldog
Deine Mudder sieht bei Adorno die Reduktion des Seinsbegriffs auf den Funktionsbegriff sozialer Existenz.

Anousch
Beim Entrümpeln eines Kellers könnte man meinen, so ein Leben besteht aus nichts als defekter Weihnachtsbaumbeleuchtung.