Month: Februar 2011

Sarrazin, der Sohn, Hartz IV und viele tote Links.

Nachtrag: Offenbar hatte Meedia die Geschichte schon am Freitag, was ich nicht gesehen habe. Danke an die „Lichtmalerin“ für den Hinweis in den Kommentaren. Offenbar ist der Sohn nicht gesund und das Interview war nicht autorisiert.

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Das Internet, es vergisst halt doch nichts, sogar tote Links bleiben erhalten. Offenbar hatte die „Bunte“ einen Sohn von Thilo Sarrazin ausgegraben, der angeblich von Hartz IV leben soll. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, ich kenne weder die Familie Sarrazin, noch habe ich die „Bunte“ vorliegen. Ob es der Sache dienlich ist, wenn man die Thesen von Herrn Sarrazin mittels seiner Familie besprechen möchte, halte ich auch mal für geschmacklich grenzwertig. Wie die ganze Geschichte überhaupt. Interessant ist aber, dass der dazu gehörige Online-Artikel in der Bunten verschwunden ist. Aber nicht nur da. Auch der Focus hatte in partnerschaftlicher Zusammenarbeit einen Text, aber der ist aber auch weg. Verschwunden sind ebenfalls die Berichte im „Berliner Kurier„, im „Der Westen„, der „Frankfurter Rundschau“ und weiteren Seiten.

Zu lesen ist eine Zusammenfassung der Artikel noch bei der „taz„, dem „Tagesspiegel“ (Schweiz) und die fast gleichlautenden Agentur-Artikeln in der „RP„, bei“GMX„, bei „web.de“ und der „FNP„.

Wie gesagt, ich kann nicht einschätzen, ob der Original-Artikel in der „Bunten“ überhaupt richtig war. Vielleicht ist die Zeitung ja einem Hochstapler aufgesessen, das soll dieser Tage ja häufiger vorkommen. Von daher wäre die Entfernung eines grundsätzlich falschen Artikels natürlich angebracht. Allerdings zeigte sich die „Bunte“ letzte Woche in einer PR-Interview doch reichlich sicher, dass man da wirklich den echten Sohn von Thilo Sarrazin gefunden habe. Vielleicht ist die Familie Sarrazin aber auch empfindlich, wenn es um das Privatleben geht. Zumindest, wenn es außerhalb der freigewählten Einblicke ins Privat- und Erziehungsleben geschieht.

Thomas Freitag – Wehner Rede

Hat mir heute bei der aktuellen Fragestunde beim Herrn zu Guttenberg irgendwie gefehlt, so ein Mann.

Bookmarks vom 13.02.11 bis 18.02.11

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • Sendungen bei N24 – Alle Berichte des Nachrichtensenders in einer handlichen Grafik.
  • Frodo the Koala Joey's Recovery – When Frodo the baby Koala arrived at the Australia Zoo Wildlife Hospital three months ago, she had 15 shotgun pellets in her tiny body and no mother
  • Verlinkt nicht! Zitiert nicht! – Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich jeder zitieren und verlinken könnte, worauf er lustig ist. Man könnte ja auf dumme Gedanken kommen und keine Zeitungen mehr kaufen. Und keine Paid-Content-Angebote mehr wahrnehmen. Und überhaupt, man könnte ja vielleicht sogar selbst etwas veröffentlichen und dann andere darauf verlinken lassen. Und das geht nun wirklich nicht.
  • Tschüss FAZ und SZ – Tschüss FAZ und SZ, ich werde euch wahrscheinlich nicht vermissen. Wahrscheinlich werde ich von eurer Geschäftsaufgabe allenfalls wieder in anderen Nachrichtenmedien lesen.
  • CDU ermahnt ZDF, doch endlich Journalismus zu unterlassen – Grundsätzlich ist es ja okay, wenn man von einem öffentlich-rechtlichen Sender Ausgewogenheit und Verzicht auf manipulative Elemente und suggestive Stilmittel fordert. Aber wenn der Atomlobby etwas nicht passt, dann soll sie das bitte selber äußern, und nicht das politische Hintertürchen bemühen

Bookmarks vom 08.02.11 bis 13.02.11

Gesammelte Links aus dem Google Reader:

  • How NBC Wanted Conan O'Brien Dump His Twitter Account – You may recall that as part of his separation package from NBC, Conan had to sign a deal that kept him off network TV for a while and forbade him from disparaging the network. But it said nothing about the internet — in part because the folks at NBC still live in a TV centric world where they didn't even think about the internet as an issue. So the whole Twitter thing took them by surprise:
  • Disco (TV series) – Wikipedia, the free encyclopedia – Liste aller jemals in der Sendung "Disco" aufgetretenen Künstler.
  • Man wird doch wohl noch sagen dürfen, was nicht sein darf – Die Verlage fordern nämlich jetzt nichts weniger als den “freien Zugang” zum iPad, was man aus ihrer Sicht zwar irgendwie verstehen kann, dennoch aber ein putziger Gedanke ist. Umgekehrt gäbe es wahrscheinlich einen Aufschrei der Entrüstung, wenn irgendwelche Unternehmen freien Zugang zu den Zeitungen verlangen würden, mit dem durchaus treffenden Hinweis, dass speziell die Tageszeitungen in Deutschland eine regulierende und meinungsbildende Funktion haben und zudem vielerorts in Quasi-Monpolstellungen existieren.
  • LG-Urteil zum Warchalking: Huckepack-Wellenreiten erlaubt – ….dass nach einem Urteil des Landgerichts Wuppertal das «Schwarzsurfen» in fremden WLAN-Netzwerken, sofern sie unverschlüsselt betrieben werden, auch weiterhin nicht strafbar ist.
  • Unsere Verschwörung – Und der Nachbar hat recht. Es ist eine Verschwörung, die gegen ihn geht. Die Welt wird global und lässt ihn, in dieser verfallenden Struktur namens “Nation” zurück. Da oben, wo er mangels Bildung oder geistiger Mobilität keinen Zutritt hat, werden die wichtigen Beziehungen geknüpft. Dort werden die kulturellen Meme getauscht, die in Zukunft Relevanz haben. Dort werden die Diskurse geführt, die ihm fremd bleiben werden, die aber die Zukunft bestimmen. Dort akkumuliert sich die neue Macht, die sich nicht mehr um sein Wohlergehen schert.

Eine Diktatur ist eine Diktatur

Ich will den Spaß ja nicht verderben, aber die Euphorie in Sachen Ägypten halte ich für etwas übertrieben. Und das aus mehreren Gründen.

1. Mit Mubarak ist nicht das System zurück getreten. Ägypten hat nach seinem Abschied aus dem britischen Empire, nie eine Demokratie gehabt. Bis 1952 war es ein Königreich, dass dann vom Militär gestürzt wurde. Seit dem hat man ausschließlich Präsidenten erlebt, die aus dem Militär kamen. Eine Ausnahme war Anwar al Sadat, der weit nach seiner Zeit als aktiver Soldat Präsident wurde. Er wurde 1981 während einer Militärparade von islamistischen Attentäter erschossen. Mubarak, der neben ihm saß, kam unverletzt davon und wurde sein Nachfolger.

2. Das politische System, das fast ausschließlich auf dem Militär aufbaut, ist also in 60 Jahren gewachsen, und man kann sich vorstellen, dass in einer Präsidialrepublik die Seilschaften und Abhängigkeiten etc. dementsprechend ausgebildet sind. In der Regierung befindet sich kein Mitglied mit Einfluss, das nicht dem Militär oder dem Geheimdienst angehört. Jetzt wird Ägypten vom Militär und dem Chef des Geheimdienstes geführt.

3. Die Geschichte hat gezeigt, dass Revolutionen meist nur dann erfolgreich sind, wenn man auf dem Weg auch das bisher herrschende System abschaffen kann. Bisher hat sich das System nur von Hosni Mubarak entledigt. Systeme neigen in Zeiten von Krisen dazu, kurzfristige Opfer zu begehen, um sich selbst zu schützen. Es wäre eine Überraschung, wenn das System nun sich selbst deinstallieren würde, zu mal es sich dann auch den rechtlichen Verantwortung für begangene Taten stellen müsste.

4. Demzufolge wird es allein aus diesen Gründen schwer eine Demokratie nach westlichen Vorbild zu installieren. Es handelt sich bisher um einen symbolischen Einschnitt. Man wird abwarten müssen wann, ob und in welcher Form das Militär Gespräche mit der weitestgehend unorganisierten Opposition aufnehmen wird und welche Bereiche überhaupt besprochen werden können. Ob es zu einer grundsätzlich neu gestalteten Verfassung kommt, oder ob man die Gespräche hinzieht, vielleicht das Parlament stärkt, die Strukturen des Systems aber im großen und ganzen unangetastet lässt.

Dass, was das ägyptische Volk in den letzten 18 Tagen geleistet hat, ist bemerkenswert, weil man gerade in Ländern dieser Region nicht mit einer friedlichen Revolution rechnen würde. Es hat sich emanzipiert und stellt zu Recht Forderungen, die Verfassung und das Regierungssystem zu verändern. Dennoch steht man erst am Anfang einer langen Übergangszeit, die das Land noch sehr lange beschäftigen wird.

Glückskatze

Irgendjemand sagte mir mal, dass es doch nie bei einer Katze bleiben würde. Das lag dieser jemand wohl richtig. An und für sich kamen Karla und ich alleine relativ gut klar, doch je älter Karla wurde, desto mehr vermisste sie eine weitere Katze zur Ablenkung. Und so stand ich dann Ende November 2010 im Katzenhaus des Tierheims Berlin.

Warum man sich für genau für das Tier entscheidet? Keine Ahnung, aber bei Momo gefiel mir ihre Musterung und außerdem wollte ich schon immer eine sogenannte „Glückskatze“ habe. Sie hat eine interessante Musterung im Fell und vier Tatzen, die alle jeweils komplett andere Farben und Muster haben. Außerdem ist sie jung (ca. 2.5 Jahre) und gesund. Angebiedert hat sie sich aber nicht, sie war eher ängstlich, was vor allem dann zu Hause für Probleme sorgte.

Momo war die ersten vier Wochen nicht zu sehen. Sie lebte unter Decken, Jacken, Hemden, hinter dem Fernseher, unter dem Bett und in jeder dunklen Ecke, die sie fand. Erst nachdem ich alle Versteckmöglichkeiten außer der hinter dem Fernseher verschlossen hatte, und die Katzen der Frau hier waren, ging es besser. Insgesamt hat sie knapp 5 Wochen gebraucht, um „anzukommen“. Geholfen hat dabei im übrigen auch ein Laserpointer.

Was Momo in ihrem früheren Leben erlebt hat, weiß ich nicht. Sie kommt aus einer Wohnung, in der angeblich 70 Katzen gehaust haben und die vom Tierheim geräumt wurde. Man hat sie wohl geschlagen und getreten, jedenfalls durfte man sie am Anfang nicht von oben herab streicheln, dann zuckte sie zusammen und rannte weg. Auch hielt sie Sicherheitsabstand, wenn man an ihr vorbei ging. Zu dem war sie ziemlich dünn.

Mittlerweile ist sie aber hier „angekommen“. Sie sucht die Nähe zu Menschen, spielt gerne, lässt sich gerne streicheln und auf den Arm nehmen. Sie hat ihre festen Schlafplätze und ist sehr frech. Und doof ist sie auch nicht. Dosen mit Belohnungsessen muss man gut verstecken, sie findet sie und bekommt auch den Deckel auf.

Schön, dass sie da ist. (Und endlich mal wieder echter Premium Content im Blog!)

Mehr Fotos auf meiner Facebookseite.

Streams und das Copyright

Wer Webseiten oder gar das Internet blockiert, der handelt nicht im Sinne der Freiheit. So die allgemeine Meinung, die dieser Tage in Richtung Ägypten gerne auch von Regierungsstellen erwähnt wird. Nun wird man das bei Wikileaks sicher gerne hören, nachdem deren DNS-Hoster plötzlich und natürlich ohne jede Beeinflussung durch eine Regierung festgestellt hatte, dass man die Seite doch nicht so gerne mag, aber es gibt nicht nur Wikileaks, die abgeschaltet werden.

Diese Woche erwischte es etliche Webseiten, die Links zu Sportveranstaltungen ins Netz stellen, bzw. diese mittels iframe auf der Webseite selber anbieten. Derartige Streaming Angebote haben in den letzten Jahren dramatisch an Beliebtheit zugenommen. Allein die Zahl derjenigen, die sich Samstags vor den Rechner setzen und sich die Bundesliga live im Netz anschauen, ohne etwas dafür zu bezahlen, dürfte um sechsstelligen Bereich liegen. Einen Stream aufzusetzen ist auch nicht sonderlich schwer. Man braucht eine TV-Karte, ein kleines Programm und einen Hoster. Letztere sind schon etwas schwerer zu finden, aber es geht schon mit etwas Geduld. Manche Programme wie Sopcast die auf die p2p Technologie setzen, machen den Hoster überflüssig.

Natürlich ist das Streaming, also das Bereitstellen eines TV-Signals im Netz, illegal. Besonders dann, wenn es sich um Sportveranstaltungen handelt. Deren Ausstrahlungsrechte werden meist teuer erkauft, wenn die Kunden wegbleiben, weil die im Netz die Sachen auch umsonst bekommen, entsteht ein wirtschaftlicher Schaden. Ansehen kann man sich die Streams im Übrigen völlig gefahrlos, hier gibt es keinerlei rechtliche Einschränkungen.

Die meisten Streams im Netz drehen sich um Sportveranstaltungen. Fußball aus England, Deutschland, Frankreich, Italien usw. stehen weit oben auf der Liste, danach folgen die US-Sportarten wie Football, Baseball oder die NBA. Doch die Streams werden nicht allein von Menschen betrachtet, die „schwarz sehen“ wollen. Deutlich größer dürfte die Zahl derjenigen sein, in deren Heimatländern eine Fußballliga aus dem Ausland nicht zu sehen ist. Deutsche sehen von der spanischen Liga so gut wie nichts, die NBA vermisst man hier komplett. Wenn die jeweiligen Ligen kein Livestreamangebot für Ausländer haben, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als eben zu den Angeboten der Streamer zu greifen.

Das zeigt zum einen, dass das auf lokale Märkte beschränkte Lizensierungsmodell kurz davor ist, auseinander zu fallen, zum anderen dass die Verbände völlig überrollt werden und in einer Zwickmühle stecken. Einerseits ist der Zustrom neuer internationaler Fans begrüßenswert (Merchandising), andererseits steht man gegenüber den Rechteinhabern in der Pflicht, die viel Geld für das Wort „exklusiv“ bei den TV-Übertragungen gezahlt haben.

Die Streamer haben in den letzten vier Jahren diese Lücke entdeckt und sind, ähnlich wie Napster Ende der 90er, auf einen Markt gestoßen, der nur auf sie gewartet hat. Aus kleinen, minimalistisch zusammen gebastelten Webseiten, ist ein richtiges Geschäft geworden. Es gibt Streaming Webseiten, die nur die Links zu Inhalten weitergeben, es gibt aber richtige Hoster, auf denen man die Streams direkt sehen kann. Letztere kosten dann auch Abogebühren, aber halt deutlich weniger, als man für den TV-Anbieter zahlen würde. Legal sind solche Angebote natürlich erst recht nicht, aber die meisten sind vorsichtig genug sich nur für eine kleine Zuschauermenge zu öffnen und gleichzeitig setzt man auf dezentrales Netz von Streamern, dass jederzeit zu einer anderen Webadresse umziehen kann.

Natürlich sind diese Streams den Rechteinhabern ein Dorn im Auge. Wobei man sagen muss, dass es oft unterschiedliche Interessen gibt. Während einige Sportarten die illegale, wenn auch wachsende internationale Begeisterung ihr sie begrüßen, sehen die TV-Anstalten ihre Rechte gefährdet. Bekannt ist, dass einige Verbände bei Streams ein Auge zudrücken. Die NASCAR, die MLB, die NHL und die NBA sollen, so heißt es, zwar offiziell die Streams verdammen, inoffiziell beschränkt sich die Mühe in der Verfolgung der kostenfreien Streams aber auf ein paar Briefe.

Umso überraschender war die Woche die Meldung, dass etliche Webseiten, die Links zu Streams anbieten, nicht mehr erreichbar waren. Die USA hatten über die Homeland Security Behörde, einfach deren Domains beschlagnahmt. Dass die USA so etwas machen, ist kennt man aus der Torrent-Szene, wo ebenfalls gerne mal Domains beschlagnahmt werden. Warum ausgerechnet Homeland Security die Beschlagnahme angewiesen hat, ist allerdings eine andere Frage. Der Arm der Rechteindustrie reicht offenbar sehr weit.

Problematisch wird es allerdings bei der Seite Rojadirecta aus Spanien. Die hatte, in einem drei Jahre währenden Rechtsstreit im eigenen Land, mehrfach Gerichtsprozesse gewonnen, betreibt also ein in Spanien völlig legales Angebot. Dennoch wurde die Seite abgeschaltet, weil die verwendete .org Domain von den USA verwaltet wird. Ob und wie weit die Rojadirecta überhaupt US-Interessen, sagen wir mal, beschädigt hat, ist nicht klar, Tatsache ist, dass die USA über die spanische Rechtsprechung hinweg der Seite ihre Legalität abgesprochen hat.

Mal abgesehen von der rechtlichen Bewertung, muss man sich die Frage stellen, was solche plötzlichen Beschlagnahmungen bedeuten. Wenn also auch nur ansatzweise eine Webseite einen Copyrightverstoss aus der Sicht der USA begeht, kann dann einfach die Domain, sofern sie eine .com oder .org Adresse hat, beschlagnahmt werden? Ich stelle mir die Frage, in wie weit der Ruf nach Einhaltung des Copyrights zu einem vorgeschobenen Argument werden kann, wenn es darum geht Webseiten ohne weitere rechtliche Prüfung abzuschalten. Und wann man in Deutschland auf ähnliche Ideen kommt.