Month: August 2010

It’s the end of the world as we know it

Google hat ein merkwürdiges Abkommen mit dem US-Provider Verizon getroffen. Zwar will man für das bestehende, kabelgebundene Internet weiter die Netzneutralität beibehalten, aber das gilt a) nicht für neue Dienste, in diesem Netz auftauchen und b) nicht für das mobile Internet, also alle Daten, die nicht kabelgebunden durch den Raum schwirren (UMTS/HSDPA/LTE/WIMAX). Darüber kann man sich zu Recht aufregen, denn es teilt das Internet in zwei Klassen. Zum einen das freie Internet, so wie man es kennt, zum anderen das mobile Internet, das bisher zumindest teilweise frei war.

Dabei muss man allerdings sehen, dass das sogenannte „Peering“ im Mobilnetz schon lange existiert. Fremde Daten, vor allem von Providern, die keine Abkommen miteinander haben, werden langsamer übertragen, als die eigenen. Dazu kommt, dass die Provider das mobile Netz sowieso kastrieren. Dienste wie Skype oder Torrents, werden gesperrt, und sind wenn überhaupt und durch eine Zuzahlung zu bekommen. Man kann für die Provider ein gewisses Verständnis im mobilen Netz aufbringen. Die UMTS-Lizenzen waren teuer, die Netze sind schnell ausgelastet, also muss man schauen, dass alle einen Teil abgekommen und nicht Gigabyte große Downloads das Netz für jene verlangsamen, die nur ihre Mails abrufen wollen. Auch steigen die Innovationskosten. LTE (auch G4 genannt) wird der neue Standard, allerdings muss man dafür auch wieder die Infrastruktur teilweise komplett Neuaufbauen.

Der Sündenfall besteht also nicht in der Regulierung der Datenpakete, sondern darin, dass ein Content-Anbieter wie Google sich erstmals auf die Seite eines Providers stellt, und den Abbau der Netzneutraliät unterstützt. Die Priorisierung der Dienste kann dann zu merkwürdigen Dingen führen. So mag man last.fm auf seinem Rechner zu Hause ohne Einschränkungen hören können, auf dem Handy geht es aber nicht, bzw. nur in schlechter Qualität, weil last.fm die Mittel und die Lust fehlen für die Bevorzugung im Netz zu zahlen. Es geht aber noch weiter, denn es könnte ja sein, das last.fm einen Deal mit Vodafone schließt, mit O2 aber nicht handelseinig wird. Während Vodafone Kunden last.fm in HQ hören können, bekommen O2 Kunden dann nur eine Version, die nicht so gut funktioniert.

Der Deal zwischen Google und Verizon ist auf den ersten Blick nicht schädlich für den Konsumenten, weil die gar nicht finanziell belastet werden. Stattdessen werden die Content-Anbieter und vor allem Startups belastet, die ihre Dienste an den Mann bringen wollen. Wenn last.fm bei meinem Provider nicht verfügbar ist, muss ich entweder den Provider wechseln (was schwierig ist) oder den Dienst. Würde Spotify also einen Deal mit O2 haben, wäre mein Entschluss klar.

Warum Google diesen Schritt gewagt hat? Einerseits haben sie eine Menge Dienste, die das mobile Netz stark belasten. Android mit seinen Hintergrunddatenabgleich, Google Maps & Navigation und natürlich You Tube. Die in den Startlöchern stehenden Plattformen Google TV und Google Games sind zwei weitere wichtige Wachstumsfelder. Gleichzeitig sichert sich Google eine Monopolstellung auf dem Markt. Denn wenn, wie in der Presserklärung nebulös angedeutet, auch im Breitbandnetz neue Dienste oder Webseiten ab einem gewissen Traffic auch unter die Lupe genommen werden können, dann hätte ein YouTube Konkurrent keine Chance mehr. Es sein denn, Endverbraucher zahlt für dieses „Internet Plus“. Faktisch würde mir dem Deal das freie Internet eingefroren, um ein neues, in dem nicht die User, sondern die Content-Anbieter und ISPs das Sagen haben, einzuführen.

Zu dem setzt der Schritt eine weitere nationaliserung der Angebote in Kraft. Wegen der bekannten Probleme beim Urheberrecht ist es zum Beispiel nicht möglich (zumindest nicht ohne Tricks) Dienste wie hulu.com oder den BBC iPlayer aus Deutschland abzurufen. Geo-IP-Blocking lässt sich aber einigermaßen schnell umgehen und die Content-Anbieter kommen mit dem Blocken von VPNs und Proxys nicht hinterher. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Werden die Datenpakete, bzw. deren Abruf, vom Provider kontrolliert, sieht das wieder anders aus. Kann ich mich zum Beispiel nicht mit einer Verizon IP ausweisen, könnte mir der komplette Zugang zu Diensten verwehrt bleiben. Noch schlimmer wird es mit dem obengenannten Peering. Theoretisch könnte Verizon einen YouTube Konkurrenten aus Russland oder China blocken, bzw. verlangsamen, weil die keinen Deal mit dem Provider haben. Peering wäre also nicht nur ein Kontrollelement für Inhalte, es wäre auch ein Hebel, um den nationalen Markt zu „schützen“. Quasi moderne Zollabgaben.

Das einzige Zugeständnis, das Google und Verizon machen wollen, ist eine gewisse Transparenz, welche Dienste gedrosselt werden, und welche nicht. Das müssen sie allerdings auch machen, sonst hätte die FCC (US Aufsichtsbehörde) den ganzen Deal vermutlich einkassiert (was sie allerdings immer noch machen können).

Ein weiterer interessanter Punkt, ist die damit möglicherweise verbundene „AOLisierung“ des Internets. Das findet man schon innerhalb der Mobile Apps bei Apple, wo der Hardwarelieferant bestimmt, was für Programme auf meinem Handy laufen dürfen. Apple entscheidet, ob eine Applikation in der App-Store kommt, oder ob man sie zurückweist. Das ist gleichzeitig ein schönes Geschäftsmodell, denn Content-Anbieter (zum Beispiel Verlage) könnte man dafür zur Kasse bitten, wenn sie ihre Applikation online stellen wollen. Bei Android sieht das (noch) anders aus, aber auch hier gibt es erste Bestrebungen aus Qualitätsgründen (Malware, Trojaner etc.) den Markt stärker zu regulieren. Das bestehende Internet, in dem alle Daten gleichbehandelt wurden, ist also gleich von drei Seiten bedroht: den Providern, den Hardwarelieferanten und seit Neuestem auch durch monopolistische Content-Anbieter, die nationale wie internationale Konkurrenz aus dem Feld räumen wollen. Am Ende bleibt das uns bekannte Internet in seinen Grundzügen zwar bestehen, das „neue“ Internet Plus sieht allerdings komplett anders aus.

Allerdings hat das Netz eine solche Transformation schon einmal mitgemacht. Das Usenet der 80er Jahre unabhängig, unkontrolliert und frei. Als das „neue“ http-Netz aufkam, übernahmen kurzzeitig Firmen wie AOL und Compuserve das Ruder, die einem nicht das Netz anboten, sondern kasernierte Contentangebote auf den eigene Plattformen. Das hat sich allerdings auf Dauer nicht halten können, wie die Geschichte gezeigt hat. Es waren ausgerechnet Dienste wie die von Google, die dem AOL-Netz den Todesstoß versetzt haben. Der Unterschied zu heute ist allerdings, dass die Provider damals in der ganzen Sache keine Rolle gespielt haben. Ob das Netz, sollte es zu weiteren Übereinkommen wie zwischen Google und Verizon kommen, stark genug ist, um sich gegen die Provider durchsetzen zu können, ist dann wieder eine andere Frage. Die ISP sind, dank ihrer Infrastruktur, das Nadelöhr des Netz. Es gibt da nur einen Weg, wie man das offene Netz retten kann. Die Politik setzt die Netzneutralität unter allen Umständen und für alle Netze (Kabel und Mobil) per Gesetz fest. Doch selbst das reicht nicht, wenn dieser Entschluss auf einer nationalen Ebene fällt, da andere Länder es anders sehen können.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Ende des Netz, so wie ich es kenne, nur eine Frage der Zeit ist. Zu viele wirtschaftliche und politische Interessen hängen mittlerweile am Netz, als dass man es seiner Unabhängigkeit überlassen würde. Die Liste derjenigen, die am Netz rumregulieren, ist lang und sie wird mit jedem Tag länger. Ob das die GEMA ist, die Landesmedienanstalten, die Politiker mit dem neuen Jugendschutzgesetz, die ISPs mit dem Verlangen mehr Geld zu verdienen oder Content-Anbieter, die der Konkurrenz einen Schritt voraus sein wollen. Ich sehe im Moment nicht, wie die User sich gegen auf Dauer gegen diesen Beschuss wehren können.

Mehr Jazz I

Als ich 26 war saß ich mit einem der großem A&R der damaligen Zeit zusammen. Einer der Angestellten der Musikindustrie, die alles, wirklich alles mit gemacht hatten. Ein Mensch, der in den 60ern mit den Beatles, den Rolling Stones und den Doors groß geworden war war, einer der wenigen, die den Aufstieg von Led Zepplin und Roxy Music hautnah, weil im Business beschäftigt, erlebt hatten. Er war damals bei einem leider schon lange untergegangenen Label angestellt und seine Vinyl-Sammlung war legendär. Es hieß, dass er alle B-Seiten, alle Sonderdrucke und alle, der damals sehr seltenen Radio-Edits seiner Zeit gesammelt hatte. Seine LP-Sammlung war angeblich so groß, dass das Haus, in dem er damals lebte, dem Einsturz nahe war, weil er die schweren Vinyls alle im ersten Stock sammelte. Nach dem das Haus Risse zeigte, empfahl ihm ein Statiker seine Sammlung teilweise auszulagern, was er dann schweren Herzens in einer angemieteten Garage tat.

Ich hatte das Vergnügen einmal bei ihn zu Besuch zu sein, das war nachdem er die Garage schon gemietet hatte, und nur noch seine größten Schätze im Haus waren. Wir sprachen viel über die Doors, Richie Blackmoore und andere Größen, aber irgendwann meinte er, völlig unvermittelt, dass man nichts, aber auch gar nichts, von Musik verstehen würde, wenn man nicht Miles Davis, John Coltrane oder Art Blackey gehört habe.

Für mich war damals Jazz, egal welcher Epoche, ein unhörbares, langweiliges, teilweise schreckliche atonales Gespiele. Unhörbar, unempfindbar und völlig unpassend in mein damaliges Musikgefühl. Es stand überhaupt nicht zur Debatte, dass ich mich jemals, auch nur annähernd mit dem Thema Jazz auseinandersetzen würde. Deutscher Schlager, Easy Listening, Jazz. Das war für mich damals ein und dasselbe.

Aber wenn man wirklich ein Ohr für die Musik hat, wenn man immer wieder neue Künstler sucht, die genau das ausdrücken, was man empfindet, und die das viel besser ausdrücken als all die Popstars, die die Industrie so hervor bringt – wenn man vermeintlich alles gehört hat, wenn man durch die Epochen gesprungen ist, wenn man Pink Floyd, Beirut, Kaiser Chiefs, Blumfeld, Genesis, Kings of Leon, Led Zeppelin, Calexico, Jimi Hendrix, die Doors, die Pixies, Beatles, Guru, Tom Waits, Air, Bauhaus und durchaus auch Coldplay gehört hat, dann stellt man fest, dass dahinter eine Leere bleibt, Es wiederholt sich, in modernisierten Zyklen alles, was man so kennt. Und wenn auf den Grund gehen möchte, wenn man verstehen möchte, was all die großen Menschen, die die Popkultur geprägt haben, einmal angetrieben hat, wenn man die Wurzeln entdecken möchte, dann landet man bei Jazz der 50er und frühen 60er Jahre. Bebop ist so ein Schlagwort, im wahrsten Sinne des Beats, das viele angetrieben hat. Und schon ist man bei Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk, Dave Brubeck oder Sonny Rollins. Es gibt viele Namen aus der Zeit, viele davon sind in Vergessenheit geraten, aber sie alle waren und sind dafür verantwortlich, dass wir heute R&B, Blues, Rock und Pop hören.

Der A&R hat am Ende Recht behalten. Ich bin irgendwann beim Jazz gelandet. Nicht weil er mich interessiert hat, sondern weil ich wissen wollte, wo die Musik her kommt, die ich heute höre. Man findet Jazz Anleihen im Pop, im Country, im Techno und in vielen anderen Bereichen der Musik. Man muss den „puren“ Jazz nicht mögen, aber er ist da, man hört ihn überall, gerne und viel auch im Rap. Aber einer der Punkte, die mich zum Jazz gebracht haben war, dass die Musiker wirklich Musiker waren. Sie beherrschten damals ihre Instrumente perfekt. Egal ob man Davis, Monk, Brubeck, Coltrane, Hancock, Tjader oder anderen zuschaut, es ist ein unfassbar großer Schritt, den man beobachtet. Sie alle haben ein Instrument klassisch gelernt, das heißt auf Grund der Vorlagen der klassischen Musik – aber was haben sie selber, aus eigenem Antrieb daraus abstrahiert, wie schwer muss gewesen sein, die Improvisation zur Kunst zu erheben.

Ich will niemanden bekehren. Jazz ist am Ende wie eine Religion, von der man weiß, dass man sie nicht erklären kann, sondern dass man sie für sich selbst entdecken muss. In der Überschrift steht eine Zahl, vielleicht wird aus dem Artikel eine Reihe, mal sehen. Erst einmal zwei Stücke, die einen guten Einstieg bieten.

Miles Davis – All Blues – 1964

September 1964 in Los Angeles

Miles Davis – trumpet
Wayne Shorter – tenor sax
Herbie Hancock – piano
Ron Carter – bass
Tony Williams – drums

Thelonious Monk: Blue Monk

Oslo, April 1966

Thelonious Monk – Piano
Charlie Rouse – Tenor Sax
Larry Gales – Bass
Ben Riley – Drums.

Best of Twitter – Juli 2010

fraeulein_tessa
der mann schwafelt etwas von torschützen und potenziellen kindernamen. was bin ich froh, dass kevin zuhause ist. #ger

Puppenhaft
„Sterb!“ „Imperativ, mit ‚i‘!“ „Achja. Sterbi!“

furukama
.@foebud Brechts Radiotheorie würde ganz anders aussehen, wenn er sich nur ein bisschen mit iTunes und dem Appstore befasst hätte

gebenedeite
Nicht das Verrücktsein ist das Problem, sondern das Verrücktwerden.

giardino
Weißt du, Excel, ich hab auch einen „Kompilierungsfehler im verborgenen Modul“. Beschwer ich mich deswegen ständig?

Madame_Chapeau
wenn man sich orangen auf die oberschenkel tätowieren lässt, sieht man auch die cellulits gar nicht mehr so.

kathrinpassig
Nicht so kompatibel: Vegetarier und vergesslich sein. Schon wieder versehentlich Huhn statt Tofu bestellt, bevor es mir wieder einfiel

kass_andra
frage mich, was noch so kommt. und, ob ich unbedingt dabei sein muss. #lebensogenerell

meterhochzwei
Guten Tag, ich würde mich gerne für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle „entfesselter Axtmörder“ bewerben.

Anousch
Ich flirte nicht. Ich manipuliere.

Janine1974
Ich brauch so ein #iPhone für meine Eltern. #empfangsprobleme #Apple

luzilla
das wach hat berührungsängste und kauert verstört in der ecke.

_jrg
scheiss postmoderne, scheisss ironie.

gebenedeite
Je länger ich mir diese Beziehungsgeschichte anhöre, desto reizvoller erscheint mir Objektsexualität.