Month: Juli 2010

Update aus meinem Leben – Limited Juli Edition

# Mal wieder für zwei Wochen im Rheinland, diesmal mit vollem Programm. Die Frau besuchen, Eltern besuchen, Formel Eins Rennen in Hockenheim besuchen, Wiesbaden besuchen.

# Kaum war ich letzte Woche angekommen, ging ein Drama los. Der gerade mal sieben Monate alte Kater der Frau lag/war im Krankenhaus. Seit drei Tagen fummelten die Ärzte dort an dem Kater rum, ohne das was passierte. Verdacht darauf, dass er was verschluckt hatte, aber Röntgen und Ultraschall zeigten nichts. Letzte Möglichkeit: Bauch öffnen, abtasten. Nach der OP verstarb der Kater. Es gibt einige Beweise, die darauf hindeuten, dass die Klinik – muss man so sagen – amateurhafte Scheiße gebaut hat. Dazu folgt vielleicht noch mal ein eigener Eintrag.

# Trotzdem zum Formel Eins Rennen gefahren, ich war eingeladen und konnte schlecht absagen. Mich ablenken lassen und dann doch amüsiert. In der Zwischenzeit Ersatz-Katzenbaby gesucht und fündig geworden.

# Fassunglos die Sache mit der Loveparade wahr genommen. Mal davon abgesehen, dass es meine Abneigung für Massenveranstaltungen weiter verstärkt hat, fiel meine Kinnlade in Folge der Ereignisse im Sekundentakt nach unten. Nur ein Zugang, ein Tunnel als Eingang, kaum Schleusen davor. Man muss kein Ingenieur sein um schon vorher zu sehen dass das problematisch werden kann. Ich war in den 90ern auf einigen großen Raves, Konzerten etc., aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Dazu hat niemand das Rückgrat die Verantwortung zu übernehmen, was mehr als einen bitteren Beigeschmack hat. Wenn die Leute, die zumindest alleine durch ihren Job eine Mitverantwortlichkeit für solche Dinge haben, als Kapitän auf einem Schiff arbeiten würden, wären sie vermutlich die ersten, die in den Rettungsbooten säßen. Der Mangel an eigenem Ehrgefühl ist bei manchen fast noch abstoßender, als das Unglück selber.

# Noch fassungsloser war ich allerdings über die Berichterstattung in den Boulevardmedien. Unter dem Deckmantel ekelhafter und falscher Betroffenheit wurden Fotos der Opfer hervor gekramt und an die Öffentlichkeit gezerrt. Hätten die dafür Verantwortlichen tatsächlich eine Nuance Betroffenheit verspürt, dann wäre es vielleicht nicht zu so einer Zurschaustellung gekommen, weil das Gefühl, etwas zu tun, was nicht richtig ist, zumindest eine Hürde dargestellt hätte. Die Medien, die das verbrochen haben, hatten danach auch noch die Dreistigkeit, sich den Mantel der Pressefreiheit umzuhängen. In dem Zusammenhang schämt man sich immer öfter, dass man Journalist ist. Das Wort „Journalist“ ist ein Schimpfwort geworden, ein Beruf, der manchmal schon unterhalb von „Banker“ und „Gebrauchtwagenhändler“ rangiert. Aber dann lese ich dann auch mal wieder so was und ich frage mich, in welchem Zustand Staat und Kommunen wären, wenn es solche Journalisten nicht geben würde.

# Überhaupt kreisen gerade ein paar unausgegorene Gedanken zum Thema Netz, Medien und Journalismus im Kopf rum. Die konzertierten Angriffe der Verleger und der privaten Fernsehsender auf ARD und ZDF, die undurchsichtige Rolle von Wikileaks. Vor allem Wikileaks beschäftigt mich. Es reicht mittlerweile nicht mehr, Wikileaks als Helden der Presse- und Informationsfreiheit zu feiern. Was sie machen ist gut, aber, das weiß jeder, der sich mit brisanten Informationen beschäftigt, sie stellen nicht die Fragen, die man angesichts des Materials stellen müsste. Im Falle der Afghanistan-Dossiers wäre das: „Cui bono“ und wer ist der Informant, bzw. aus welcher Ecke kommt er? Als der Journalismus die Aufgaben von Wikileaks noch selber stemmen konnte, wussten die Reporter zumindest ungefähr, woher die Sachen kamen. Der Informant „Deep Throat“ aus dem Watergate-Skandal hat sich zumindest (der Sage nach) gegenüber den beiden Reportern der „Washington Post“ so weit zu erkennen zu geben, dass man die Dokumente einschätzen konnte. Es reicht nicht, ein paar brisante Texte in einem toten Briefkasten oder bei wikileaks zu finden, man muss auch wissen, aus welchem Umfeld sie stammen. Das gehört eigentlich zu den Aufgaben eines Journalisten, der mit verdeckten Quellen arbeitet. Deswegen gab es mal einen umfassenden Informantenschutz und auch Journalisten waren vor staatlicher Überwachung geschützt. Das gibt es nicht mehr, wie diverse Beispiele aus Europa und den USA belegen. Wenn aber Informanten keine andere Möglichkeit mehr als Wikileaks bleibt, sind die Journalisten von einem direkten Zugang zum Informant abgeschnitten. Was bleibt, sind die „Brotkrumen“, also die Dokumente. Allerdings kann man nicht mehr prüfen, aus welcher Quelle sie stammen und damit kann man auch nicht mehr überprüfen, zu welchem Zweck sie veröffentlicht werden. Handelt es sich, wie bei „Deep Throat“ um einen frustrierten, aufrechten Angestellten einer Behörde? Oder wird einem das Material von jemanden in die Hände gespielt, der für einen anderen Staat arbeitet und völlig andere Ziele hat? Warum gerade dieses Material? Alles offene Fragen, die mir so durch meinen Hinterkopf schwirren.

# Wie andere auch mal BlackVPN ausprobiert. Ich spiele seit einem Jahr mit dem Gedanken, mir einen VPN-Provider zuzulegen. Verlangsamt zwar ein wenig das Netz, kostet auch noch Geld, aber dann wäre da der Vorteil der Sicherheit. Zum einen, was die eigene Verfolgbarkeit angeht, zum anderen traue ich dem Braten in Sachen Datenvorratsspeicherung nicht.
Fazit nach ein paar Stunden. Geht erstaunlich flott, ein schneller Speedtest zeigte, dass die Performance Einbußen zwar da sind, aber die HD-Streams, die ich damit geschaut habe, gingen problem los. Mit der UK-VPN geht auch Spotify, für Hulu und andere US-Sender nimmt man den US-VPN.
Wer es ausprobieren will: 3 Monate kosten mit dem folgenden Ref-Code 10 Euro (statt 27 Euro) für den „global service“. Mein Benefit dabei: wenn sich zwei User mit dem Code anmelden, bekomme ich 1 Gratismonat. Ref-Code: PEUNTZN

# Auf der anderen Seite gedacht: Ist es also so weit. Man überlegt, seine Festplatten zu verschlüsseln, man nutzt einen VPN. Irgendwie ist es schizophren. Man entblättert sich bei Facebook und Twitter, aber gleichzeitig verbirgt man seine digitalen Spuren hinter VPNs und anderen Dingen. Man trennt freiwillige Datenfreigaben von jenen, die man nicht kontrollieren kann. Oder anders gesagt – man vertraut Google, Twitter und Facebook mehr, als dem Staat.

Die Zukunft des Abos

In meiner Heimatstadt Bad Godesberg hat auch das gar nicht mal so schlechte Regionalblatt „General Anzeiger“ ein Außenbüro. Das gibt es schon, seit dem ich denken kann und es ist schon immer ein irgendwie gutes Gefühl gewesen, dass in dem kleinen Stadtteil der Ableger einer Zeitung sitzt und für die Bürger ansprechbar ist. Natürlich sitzen da keine Journalisten mehr, eher Mitarbeiter, die sich um die Abos und die Annahme von Kleinanzeigen kümmern. Aber die Präsenz einer Zeitung in einem Ort hatte doch immer etwas Beruhigendes. Früher machte man in diesem Büro etwas, was heute fast undenkbar ist. Statt großer Schaufenster, durch die man die Mitarbeiter beobachten kann, hingen draußen Schaukästen, in denen wiederum die gesamte, aktuelle Zeitung seitenweise aufgehangen war. Irgendein Mitarbeiter machte sich jeden Tag die Mühe, mehrere Exemplare des „General Anzeiger“ auseinander zu rupfen, um die Seiten faltenlos und bügelglatt mittels ein paar Stecknadeln in die Schaukästen zu pinnen. Die aktuelle Ausgabe hing da also, komplett umsonst und für jedermann lesbar. Und erstaunliche viele Menschen standen vor diesen Kästen, warfen mal einen langen, mal nur einen kurzen Blick auf die Artikel.

Die Zeitung hing dort umsonst, weil man einerseits auch jenen den Zugang zu einer Tageszeitung geben wollte, die vielleicht kein Geld für ein Abo hatten, und natürlich auch aus einem anderen, viel wichtigeren Grund: Man wollte Werbung machen. „Schau, Du kannst hier stehen und die Zeitung lesen, aber ist es nicht viel besser, du abonnierst das Ding und kannst es jeden Morgen zu Hause in Ruhe lesen? Und du hast noch was, worin du die Kartoffelschalen einpacken kannst.“

Für Rupert Murdoch scheint es undenkbar zu sein, dass man so etwas überhaupt macht. Er hat die altehrwürdige „Times“, nebst des wundervollen Archivs, hinter einer Pay-Schranke versteckt, und wenn man sich die Zahlen bei Alexa so anschaut, oder diesen Artikel liest, dann kann man den Eindruck bekommen, dass die Online-Redakteure nur noch für sich selbst schreiben. In einem Monat 50% seines Traffics zu verlieren, ist schon heftig. Nun kann man mit dem Argument kommen, dass 50% weniger nicht zahlende Kunden ok sind, wenn der Rest halt ein Online-Abo hat. Lieber weniger Zugriffe, aber dafür zahlende User. Aber so funktioniert das nicht, denn ein Großteil der Leser der Times zahlt gar nicht extra für die Onlineausgabe, sondern bekommt den Zugriff auf die Seite „geschenkt“ weil man ein Print-Abo hat. Anders ausgedrückt – diejenigen, die ein Print-Abo der Zeitung haben, interessieren sich nicht für die Onlineausgabe, diejenigen, die gerne die „Times“ online lesen würden, schauen halt woanders rein. Wie es aussieht, wenn man schon etwas länger eine Online Pay-Wall aufzieht, kann man hier am Beispiel einiger lokaler US-Zeitungen nachlesen. Die Zahlen sind nicht schön.

Interessanterweise haben Verlage den Erfolg ihrer Publikationen schon lange nicht mehr nur in den reinen Verkaufszahlen (heute Onlineabos) gemessen, sondern auch mittels „Leserzahlen“. Man ist irgendwann mal auf den Trichter gekommen, dass ja in einem Haushalt gleich mehrere Menschen die Zeitung lesen. Man hat ein Abo, aber morgens wird die Zeitung je nach Interesse dann in unterschiedlichen Ressorts zerrupft und am Frühstückstisch an die Familie verteilt. Oder auf der Arbeitsstelle, wo die ausgelesene Zeitung im Kollegenkreis rum gereicht wird. Listigerweise habe die Verlage die Zahl der zusätzlichen Leser, die nicht dafür zahlen, auf ihre Verkaufszahlen addiert. Mal um den Faktor 2.5, mal 3.5, sodass sich (nur über den Daumen gepeilte) enorme Reichweiten errechnen lassen, die man dann in bare Münze (Anzeigenpreise) umrechnen kann. Dass man Content umsonst weggab, war also lange eine Strategie, die man bewusst gewählt hat. Sie brauchte (kaum nachvollziehbare oder messbare) Reichweite, die brachte aber auch Werbung. Niemand wäre auf die Idee gekommen, mein Abo zu sperren, nur weil ich einen Freund mitlesen lasse.

Bei einer Pay Wall geschieht aber genau das. Ich bekomme als Gegenleistung für meine gezahlten Abo-Gebühren einen Zugang, den ich, so sagen es die meisten AGBs, mit keiner anderen Person teilen darf. Theoretisch nicht mal mit meiner Frau oder meinen Kindern. Natürlich kann ich meiner Familie mein Passwort weitergeben, aber rechtlich gesehen darf ich es nicht, weil ich für die Weitergabe meiner Login-Daten verantwortlich bin. Stellt der Verlag mehrere, gleichzeitige Zugriffe unter meinem Login fest, kann er den Zugang sperren lassen. Bei Applikationen fürs iPhone/iPad wird es noch komplizierter. Hier kann ich zwar mein Tablet an meine Familie weiterreichen, aber ich kann keine „Kopie“ meines Abos auf das Tablet oder den E-Reader meines Sohnes erstellen.

Schafft man sich eine Pay-Wall, jedenfalls nach den bisherigen Modellen, dann schottet man sich ab. Man kann den Content nicht mehr umsonst weggeben, man verschreckt Familien, die vielleicht gerne auf Papier verzichten wollen, nicht aber auf die gemeinsame Lektüre einer Zeitung und man bewirbt online das eigene Blatt nicht mehr. Woher soll ich wissen, ob was Brauchbares in der „Times“ zu lesen ist, wenn ich erst zahlen muss? Der Verkauf eines „Times“ Abo an einen Gutverdienden Single mit iPad mag ja funktionieren, aber wie viele gibt es davon? Vermutlich nicht genug, um wirklich Geld zu verdienen.

Was einige ausländische Verlage mit der momentanen Politik in Sachen Paid-Wall aber machen, ist purer Selbstmord. Sie verschließen sich der Masse zugunsten eines einzelnen Lesers und ignorieren dabei Familien, Kollegen, zufällige Mitleser oder größeren Wohngemeinschaften. In Deutschland wollen die Verlage auch mittels des Leistungsschutzrechtes so weit gehen, dass man nicht mal mehr winzige Textfragmente oder Überschriften zitieren darf, ohne das man dafür zahlen muss. Und Firmen sollen gefälligst ein Abo abschließen, damit die Angestellten nicht mehr „umsonst“ die Online-Ausgaben lesen können. Das kann nicht funktionieren, schon gar nicht mit einem breit aufgestellten System der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, die sich als Anlaufstation eignen, weswegen die Verleger es gerne sehen würden, wenn ARD und ZDF gar nichts Netz machen dürften. Siehe den sinnlosen Streit um die Tagesschau App.

Die Verlage müssen sich Gedanken machen, wie sie in Zukunft ihre Abo-Modelle im Netz gestalten wollen. Sie haben schon den Fehler gemacht zu glauben, sie könnten ihr bisheriges Printmodell ins Netz übertragen, jetzt versuchen einige ansatzweise Selbiges mit den Abo-Modellen zu machen. Das kann aber angesichts der neuen Strukturen, in denen der Zugang zu Informationen einen hohen Freiheitswert besitzt, nicht funktionieren. Das Einzelabo in Form einer Applikation oder eines nur für einen User gedachten Zugang, kann im Netz nicht funktionieren. Nicht nur, weil es Seiten wie bugmenot gibt, und es vermutlich sehr schnell, sehr viele mehr davon auftauchen werden, auch weil die Außenwirkung dieser restriktiven Einzelabos nicht gut ist. Es ist also nicht einfach damit getan, eine Bezahlschranke einzurichten und das altbekannte Abo-System zu übertragen. Man muss flexible Abo-Strukturen schaffen, darüber nachdenken, wie man Familien und Wohngemeinschaften einbindet usw. So lange davon nichts zu sehen ist, werden die Pay-Walls nur Schaden anrichten. Bei den Verlagen, weil sie zu wenig Geld einnehmen und bei den Verbrauchern, die sich über den Tisch gezogen fühlen.

Die Sache mit der Homöopathie

Ich bin auch kein großer Anhänger der Homöopathie. Naturheilkunde – ja, aber diese bis zur Unkenntlichkeit verdünnten Dingse – nein. Zumindest für mich nicht. Soll die Solidargesellschaft so Sachen also tragen? Die Skeptiker sagen, dass sollte man nicht. Es sei Quatsch, wissenschaftlich erwiesen, dass die Wirkung nicht vorhanden sei und eine Schande für die Krankenkassen, dass sie so einen Blödsinn überhaupt bezahlen. Bei der angespannten Lage der Kassen, sollte das Geld lieber sinnvoller investieren.

Mag sein, dass die Homöopathie nichts bringt. Meine Erfahrungen mit ihr sind mehr als gering. Aber so einfach ist das mit der Heilung nicht. Wenn in der Schulmedizin alles immer nur nach dem Ursache/Wirkungs Prinzip funktionieren würde, dann wären vieles einfacher. Tut es aber nicht. Manche Medikamente helfen dem einen, dem anderen helfen sie überhaupt nicht, obwohl es sich um ein und diesselbe Krankheit handelt. Manche verursachen bei einem Patienten schlimme Nebenwirkungen, beim anderen passiert nichts. Vorhersehbar ist das nicht, der Unterschied zu nicht nachweisbaren homöopathischen Mitteln liegt nur darin, dass es immerhin nachweisbar ist, dass sie unter bestimmten Rahmenbedingungen, bestimmte Wirkungen erzielen, wenn auch nicht immer.

Heilung ist auch etwas, das im Kopf stattfindet. Doppelblindstudien mit Plazebos haben das nachgewiesen. Es kann schon helfen, wenn ich nur daran glaube, das mit etwas hilft. Das macht die Homöopathie auch nicht besser, aber auch nicht schlechter als Pillen aus Zucker. Rationalität ist es etwas, das einem in vielen Lebenslagen weiterhilft, was einen die Dinge oft klarer und unemotionaler sehen lässt. So kann man am Ende oft zu einem besseren Schluss kommen, als wenn man die Dinge nur durch die emotionale Brille betrachtet. Aber gilt das auch für lange und schwere Krankheiten? Gilt das für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht mehr weiter wissen? Die verzweifelt sind und eben allem eine Chance geben wollen? So sehr ich mit der Homöopathie nichts anfangen kann, so wenig will ich anderen Menschen vorschreiben, was ihnen hilft, und was nicht.

Die Gesundheit ist ein hohes Gut, dass man erst schätzt, wenn man krank ist. Und wenn man schon alles durch hat, und nicht mehr weiß, was man sonst noch so nehmen kann, damit es einem hilft, dann schaut man eben auch mal bei der Homöopathie vorbei. Warum nicht? Meine Mutter hat seit Jahren Probleme mit dem Knie. Sie hat, als gelernte Krankenschwester, die Schulmedizin von vorne bis hinten durch, sie weiß, dass letztendlich wohl nur eine OP helfen kann, aber die birgt auch so ihre Risiken. Sie nimmt seit Jahren irgendwelche Globuli. Und ihrer Ansicht nach, helfen die Dinger. Sie verbessern nicht viel, aber sie lindern die Symptome. Ihr ist das Nachweis und Hilfe genug.

Ob die Homöopathie nun was bringt, oder nicht, ich finde die gesamte Diskussion überflüssig. Man redet über eine Belastung der Krankenkassen von 9 Millionen Euro pro Jahr, was angesichts der Defizite ein Witz ist. Im Zusammenhang mit den Perversitäten rund um den Finanzsektor ist es zu dem lächerlich. Mag sein, dass die Homöopathie eine Luftnummer ist, mag sein, dass die verdünnten Wirkstoffe nichts bringen. Die psychologische Hilfe, die manches Mittelchen für einen Patienten hat, ist aber ein höheres Gut, als die 9 Millionen Euro im Jahr.

DJV definiert Mehrheiten ganz neu

Nein, ich habe nicht mal den Hauch von Lust auf das offenbar seit Jahren laufende Gemetzel zwischen dem DJV Berlin, dem JVBB und die Grabenkämpfe im Verdun’schen Ausmaße im DJV Berlin einzugehen. Das ist langweilige Vereinmeierei aus West-Berlin. Mir ist das praktisch auch egal, wer da mit wem, aus welchem Grund fusionieren möchte. Ich hätte nur gerne wenigstens EINEN vernünftigen Verein, der sich für die Belange der Autoren in Berlin einsetzt, der sich deutlich gegen das Leistungsschutzrecht wendet usw.

Aber jetzt musste ich doch gerade sehr lachen. Der DJV hat per Mail einen offenen Brief an seine Mitglieder gesendet, in dem es (Überraschung!) um die am Wochenende gescheiterte Fusion geht. Und im ersten Satz steht dann allen Ernstes:

Die seit zwei Jahren zur Vereinigung bereite große Mehrheit der Mitglieder ist in der entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern auf der Versammlung unterlegen.

Hervorhebungen sind natürlich von mir. Wenn man es nicht traurig wäre, müsste man lachen. Eine Mehrheit ist also in einer Abstimmung unterlegen. Soso. Überlege dem DJV ein Lexikon zu schicken. Wikipedia lohnt ja nicht, die haben es ja nicht so mit dem Internet.

Der Rest der Mail enthält dann Worte wie „Beschämt“, “ Verweigerer“, „hintertrieben“, „Mißgunst“ und „heuchlerisch“, liest sich also in etwa so, wie die Aufkündigung der Familienfreundschaft nach einer entgangenen Erbschaft.

Best of Twitter – Juli 2010

signifikanten
Frauen können zwar einen Orgasmus vortäuschen – Männer hingegen ganze Beziehungen

Anousch
Da ich nicht von Ehrgeiz gepeinigt werde, genügt mir so ein Leben im Hedonismus vollkommen.

Thomas_J
Im #zdf-Fernsehgarten hat irgend ein Idiot 50 Klodeckel mit dem Kopf zertrümmert. Und das ZDF ist auch noch in einer PR-Meldung stolz drauf.

udovetter
Hartz IV – Empfänger kriegen künftig keine Rentenbeiträge mehr gezahlt. Das ist also eine Art Kundenbindungsprogramm.

hubertsrevier
Meine Leber sieht bestimmt von innen so aus, wie Uschi Glas von außen.

Lotta_K
Eigentlich bin ich ganz woanders. Ich komme nur viel zu selten dorthin.

n303n
Ich bin nicht faul. Ich will bloß nicht, dass sich mein junger Körper so schnell abnutzt.

hormonlotto
aufgestanden als ruine.

Kopfkino
Abendessen um 23 Uhr (Rumpsteak mit Buttergemüse). Ich unkonventionelles, rebellisches, gefährlich lebendes Ding.

i_need_coffee
jetzt hätte ich mal zeit für romantik, und was ist? batterien leer.

rron
Salata & Skrtel: Tagsüber unbarmherzige slovakische Innenverteidiger, nachts ein poetisches Clownsduo (Seifenblasen).

randzonen
„lebenswichtig“ röchelt der zimmernachbar als ich seine nervig piepsende maschine ausstecke. recht hat er mein laptopakku ist fast leer!

i_need_coffee
eigentlich egal, ob ich den döner esse oder ihn mir nur ins gesicht drücke – sieht am ende genauso aus.

peterglaser
Schirrmacher is over capacity

spox
Uruguayos, Uruguayaner, Uruguaynesen, Uruguayrer, Uruguaymenschen, Urugosen – wo ist Rolf Töpperwien wenn man ihn mal braucht?

orbisclaudiae
ein weiteres mal dieses nietzsche-seminar überstanden. ohne mich umzubringen. nächstes mal dann auch wieder ohne andere umzubringen.

Frau_Feli
Überlege morgen mit der Hausarbeit eine Flasche Tequila einzureichen.Nur so, damit der Dozent meinen Gedankengang besser nachempfinden kann.