Month: Mai 2010

Facebook Bug?

Update: Bisher hat sich Facebook nicht gerührt.
Update II: Mittlerweile habe ich jemamden (Danke an Netzpolitk) ausfindig machen können. Man kümmert sich drum.
Update III (14.05.10, 17:47h): Ich zieh den Kommentar von „bergziege“ mal hoch:
einer meiner freunde schrieb gestern auf fb: „Fb virus going on right now……if you get a friend suggestion from someone, don’t click accept or ignore….just leave it be until FB fixes it. If you do happen to click on either of those, it’ll send out 85 friend suggestions from your computer. If you get one from me, I did NOT send out any sug…“

Bisher nichts konkretes von FB gehört. Allerdings kam eine Mail vom Support, in dem man mir sagte, dass man ein Passwort zurückgesetzt hat.

—–schnipp—–

Meine Freundin bekam heute auf Facebook zwei Freundschaftsvorschläge. Das sah dann so aus.

Mal davon abgesehen, dass sowohl Heiko als auch Ibrahim ganz reizende und nette Menschen sind, die ich jeder Zeit als Follower bei Facebook oder Twitter empfehlen kann, hat die Sache einen kleinen Haken.

Ich habe niemanden empfohlen mit wem auch immer befreundet zu sein. Die Anfrage erfolgte wohl zwischen 3 Uhr und 9 Uhr morgens. Ich war nicht mal online, da ich gestern Abend den Rechner um ca. 22.00 Uhr ausgemacht habe und heute den ganzen Tag auf der Autobahn war.

Ich habe mal eine Mail an Facebook geschickt mit der Bitte, den Sachverhalt zu erklären. Das jemand mein PW geknackt hat (obwohl ich es regelmäßig ändere) ist nicht ausgeschlossen, aber wer würde sich die Mühe machen meinen Account zu knacken um dann Heiko und Ibrahim zu empfehlen?

Wenn Facebook anfängt hinten herum Empfehlungen unter meinem Namen zu versenden, dann ist das ein klarer Grund meine Mitgliedschaft dort zu beenden.

NRW, Haare und Privatsphäre

# Nach reiflichen Nachdenken, abwägen vieler Argumente und dem Konsum etlicher Weinflaschen Kommentare jetzt mein Kommentar zum Hessen NRW Wahlergebnis: „War ja klar.“

Was mich gestern deutlich mehr genervt hat, waren auf Twitter kursierende Aussagen wie: „Weil ihr alle kleine puschelige Katzenbabys ersoffen habt, hat die SPD die Wahl verloren“. Halt, stopp. Ich meinte eigentlich: „Weil ihr die Piraten und die Linke gewählt habt, hat die SPD nicht die erforderliche Mehrheit bekommen und jetzt haben wir den Salat.“ Beide Aussagen sind vermutlich an Falschheit kaum zu übertreffen und sie sind in ihrer Verkürzung ebenso putzig, wie jene der konservativen „Tea Party“ Bewegung in den USA, wo Dinge gesagt werden wie: „Weil Obama schwarz ist, haben wir eine Ölpest.“ [stark vereinfachte Darstellung]
Die SPD hat ihr schlechtestes Wahlergebnis seit Anbeginn der Zeit eingefahren, weil sie keine Alternative zur CDU darstellt und offenbar manche nur noch bei beiden Parteien quasi aus Verzweiflung ein Kreuz machen, weil „….wen soll man denn sonst wählen.“ Hätten SPD oder CDU Programme die nicht aus abgenutzten Schlagwörtern bestehen und hätten sich beide nicht in den letzten 10 Jahren auf der bundespolitischen Ebene wie windige Gebrauchtwagenverkäufer verhalten, vielleicht wäre es dann a) nicht zur Gründung der WSAG (heute „Linke“) oder b) den Piraten gekommen. Sich nach der Wahl hinzustellen und zu sagen „Ihr seid alle doof, wenn ihr die Dings wählt!“ mag ja dem normalen Beissreflex entspringen, geht aber an der Realität und an den 5.398.071 Nichtwählern knapp vorbei.

Dazu haben die Piraten in NRW absolut bescheiden abschnitten. 119.581 Wählerstimmen klingen nicht schlecht, aber damit lag man nur knapp 13.000 Stimmen vor der rechtspopulistischen „Pro.NRW“ Partei. [insert hier: launiger Vergleich]

Und wenn ihr nicht aufpasst, da in NRW, dann gibt es in einem halben Jahr Neuwahlen und ihr habt Roland Koch wieder den Rüttgers.

# Großes Gelächer über den letzten Artikel von Paul Carr bei Techcrunch

From this point forward, then, I’m banning you from reposting, quoting or even discussing my columns outside of TechCrunch. It’s to protect my privacy more than anything else: I mean, sure, I’ve chosen to share those views online – in an inherently unsecure environment – but still I reserve the right to be shocked and outraged should they find their way from one semi-controllable online environment to another slightly less controllable one.

[Ich sehe gerade: wenn man bei TC ein Zitat rauskopiert, bekommt man ungefragt auch den Link zum Artikel dazu. Zauberei!]

# Ich gedenke nächste Woche in den Urlaub zu fliegen und wäre den Isländern dankbar, wenn sie bis dahin einen Korken in ihren blöden Vulkan stopfen könnten.

# Vielleicht sollte man die grandiose Idee mit dem Korken auch mal BP mitteilen, denn die versuchen jetzt ihr Ölleck mit Golfbällen und alten Autoreifen zu verschliessen. Andere Organisationen haben die Idee, einfach Haare rein zu stopfen, denn was zu Hause funktioniert, kann ja in der Tiefsee nicht schlecht sein. (Kann man sich gar nicht ausdenken, so was).

Die Kirche

Das, was sich da die katholische Kirche, bzw. die Diözese Regensburg gerade leistet, ist eine Mischung aus Verachtung gegenüber der Meinungs- und Pressefreiheit und gegenüber dem Journalismus. Das wirklich widerliche ist nicht nur gewählte Art und Weise der „Auseinandersetzung“ sondern die dahinter stehende, an Arroganz, Selbstgefälligkeit und Standesdünkel kaum zu übertreffende Haltung, mit der man andere Meinungen und den Rest der Welt betrachtet. Aber weil man das seit rund 2000 Jahren schon so macht, hat man sich offensichtlich daran gewöhnt.

Ich bin noch Mitglied der katholischen Kirche. Warum, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, denn eigentlich habe ich mit Religion nicht viel am Hut. Religionen gehen mir, da sie vor allem als Mittel der gegenseitigen Unterdrückung bzw. Bekämpfung genutzt werden, ziemlich auf die Nerven. Ich zahle meine Kirchensteuer nur deswegen, weil ich denke, dass ich damit meinen Teil an Solidarbeitrag an die Gesellschaft abtrage. Ohne die Kindergarten, Schulen und Seniorenheime, die von der Kirche getragen werden, wäre der deutsche Sozialstaat vermutlich schon völlig auseinander gebrochen. Ich kauf mir also ein reines Gewissen, auch wenn mir das, was die Kirche sonst so mit meinem Geld macht, eher auf die Nerven geht. Aber im Gegensatz zu anderen Institutionen führen sie keine Kriege und bringen (seit neustem, historisch gesehen) auch niemanden mehr um.

Das Verständnis von Kirche und Pressefreiheit war schon immer ein etwas schwieriger. Oder anders gesagt: im Grunde stehen sich die Meinungsfreiheit und Kirche diametral gegenüber und starren sich unversöhnlich an. Daran hat sich in 2000 Jahren wenig geändert, wie man jetzt an der Reaktion aus Regensburg sieht.

Mein eh schwieriges Verhältnis zur Kirche hat durch eine solche Aktion einen weiteren Knacks bekommen. Die Austrittsformulare habe ich mir schon besorgt.

Verlage vs. Journalismus

In der westlichen Welt setzt man „Qualitätsjournalismus“ (was auch immer das ist) gerne mit „Verlagen“ gleich. Ohne Verlage, kein Journalismus, ohne Journalismus, keine Pressefreiheit und ohne Pressefreiheit ist sowieso alles vorbei. Ich stelle mir aber seit einiger Zeit die Frage, ob das so überhaupt noch stimmt.

Man könnte den Eindruck bekommen, dass Verlage die leere Hülle des Journalismus und der Pressefreiheit zunehmend instrumentalisieren, um die eigenen wirtschaftlichen Ziele durchsetzen zu können (Leistungsschutzrechte, Adresshandel usw.). Das es Zeitungen gibt, die ganz unverhohlen im Sinne der Konzernpolitik verfahren, hat die ARD ja gerade wieder mal erfahren dürfen. Die „Bild“ hatte in einer mehrteiligen, sehr kritischen Reportage über „Missstände“ und ähnliche Dinge in der ARD berichtet. Kann man machen, klar, und vermutlich gibt es auch nicht wenig zu berichten, aber die Geschichte bekommt dann einen schalen Beigeschmack, wenn man weiß, dass ARD und der Springer Verlag gerade in einem eng verzahnten Zweikampf liegen, in dem es um die Freiheit der Öffentlich-Rechtlichen Sender geht, sich im Netz ausbreiten zu dürfen. (Tagesschau App)

Das sehen die Verlage nicht gerne, die „staatlich finanzierte Konkurrenz“ rufen, welche den freien Markt zerstört und (natürlich, darf nie fehlen) die Pressefreiheit gefährdet. Gerne würde man ihnen entgegen rufen: „Dann seid halt besser als die ARD, kann ja so schwer nicht sein.“ Aber das ist ja nicht der Kern des Problems aus Sicht der Verlage. Die hätten gerne, ob als Leistungsschutzrecht oder Eindämmung der Geschäfte von ARD/ZDF, dass der Staat ihr Geschäftsmodell stützt. Das ist modern, das machen gerade viele Branchen. Und Länder.

Auf kress.de erschien heute ein Artikel von Mattias Spielkamp, in dem er selbst den letzten Zweiflern klar macht, dass die Verlage ihre Angestellte, besonders die vielen freien Journalisten, die einspringen, weil die Redaktionen zu ausgedünnt sind, miserabel bezahlen. Ausbeuten, wäre das bessere Wort. Denn man bekommt nicht keine Geld mehr für seine Texte, dank „total buyout“ werden einem auch noch alle Rechte für Zukunft und die Vergangenheit entzogen.

Das klingt immer so übertrieben, von mir aus überspitzt. Aber dem ist nicht so, wie ich an meiner eigenen Erfahrung im Umgang mit vielen Verlagen feststellen kann. Oder anders ausgedrückt: ich schreibe kaum noch für sie. Zum einen, weil es sich nicht lohnt. Würde ich nur Zeitungen nach Zeilenhonorar arbeiten, ich hätte Probleme meine Miete zu zahlen. Zum anderen sehe ich nicht ein, dass die Rechte an meinen Texten bis zum St. Nimmerleinstag bei irgendeinem Verlag liegen. Das sind meine Sachen, meine Ideen, meine Gedanken und nicht die eines Verlages, der mich dafür auch noch schlecht bezahlt. Wenn sie den Krempel unter eine CC-Lizenz stellen, können wir gerne noch mal reden.

Die Menge derjenigen, die ihre Arbeit und ihre Ideen den Verlagen nicht mehr zur Verfügung stellen, wird immer größer. „Brain drain“ nennt Spielkamp das, ich nenne es Selbstschutz. Ich organisiere mich lieber mit guten Leuten in einer kleinen Agentur oder in einem Netzwerk, in dem man vielleicht auch nicht wahnsinnig viel verdient, aber hier wenigstens die Chance hat, vernünftig zu gestalten, anstatt nur noch den Weißraum neben den Anzeigen möglichst unauffällig zu füllen.

Verlage verhalten sich, das ist nicht neu, wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch. Die Zeiten, in denen echte Verleger, Zeitungsmacher usw. die Politik, auch die wirtschaftliche, eines Verlages bestimmt haben, sind vorbei, wenn man mal von Hubert Burda absieht. Mittlerweile bestimmen nur noch Zahlen den Journalismus und zwischen all den Zahlen wird der Journalismus langsam aber sicher zermahlen. Zwischen dem Punkt, dass die Verlage nicht mehr ordentlich entlohnen und dem, dass man Kampgnenjournalismus betreiben muss, geht es vielen Kollegen mehr als schlecht. Ein ehemaliger Kollege meinte neulich: „Vor 20 Jahren haben wir all jene ausgelacht, die zu einem ÖR Sender gegangen sind. Beamte, Schlaftablettenjournalismus, Parteisoldaten usw. haben wir denen hinter her gerufen. Heute haben die trotz all dieser Dinge, trotz der massiven Einmischung der Politik in die Sender, mehr Freiheiten, als irgendein Print-Kollege, wenn man nicht gerade bei der SZ oder beim Spiegel, bzw. Stern arbeitet.“

Haben Verlage den Journalismus ausgehöhlt? Sie haben ihn schwer beschädigt, in dem sie ihm erst die Krallen ge- und dann die guten Köpfe entzogen haben. Wird das so bleiben? Vermutlich, denn man ist auch weiterhin dabei, verschiedene Redaktionen in „Zentralredaktionen“ zusammen zu legen. Allein das Wort schon. Wenn man sich vorstellt, wie Erich Honecker „Zentralredaktionen“ ausgesprochen hätte, kommt man der Sache vermutlich schon näher. Auch an den Punkt, wie die Haltung einzelner führender Köpfe in vielen Verlagen gegenüber Journalisten ist.