Month: April 2010

Best of Twitter – April

eine_wie_keine
Lege mir Wattepads mit Pfefferminztee auf die Augen, obwohl ich keine Augenringe habe. Ich ficke ja auch ohne Beziehung.

siepert77
suchanfrage im blog: „cordon bleu ohne schinken mit hühnerfleisch“. die komplizierteste umschreibung für chicken mc nuggets, die ich kenne.

wikipeter
Im Frühling denken die Männer das, was die Frauen denken, dass die Männer es denken. Oder so.

luzilla
billigfriseur, du großstadtnervenkitzel für mein ausgebeutetes freelancersklavendasein.

bangpowwww
Wenn es eine Metapher für alles Lieblose, Wehmütige und Gebrochene der Welt geben würde, wäre es die Obst- und Gemüsefrischetheke im PENNY.

zebramaedchen
Knabbere angestrengt-verzweifelt schokoladenummantelte Kaffeebohnen. Wenn es mir gelingt die unverdaut wiederauszuscheiden, bin ich reich!

ChiefJudy
Endlich Wurst nach all dem Kuchen!

freelancepolice
„We all have Sex“ ruft die Vortragende ins Publikum. Auf einer Nerd-Konferenz. Na sicher. #rp10

kosmar
Akku gleich leer. Beginne mit Menschen zu reden. #rp10

peterschink
Schon merkwürdig. Erst geht Island pleite, dann zünden sie die Insel an. Riecht nach Versicherungsbetrug #ash

bluelectric
Griechenland und ich: wir können beide eine Milliardenhilfe gebrauchen.

ChiefJudy
Ich hätte weiter das blutrünstige Killergame zocken sollen. Das verblödet nicht so wie das TV-Programm.

BertaHelm
Was ist eigentlich der Vorteil dieses Internets, wenn es mich noch nicht mal dran erinnert, dass Montag um 8 der Installateur kommt?

BitBoutique
@BertaHelm Der Vorteil des Internets liegt darin, Dir zu helfen, zu vergessen, daß Montag um 8 der Installateur kommt.

mlle_amandier
Der frühe Vogel ist im Kampf an der Weckerfront gefallen.

luzilla
kollegin starrt russland auf weltkarte an. „kuckma, wie grooß das ist! was hat hitler sich da nur gedacht? hätten wir eh nie gewonnen!“ äh..

nulleffekt
Nach jedem Orgasmus bekomme ich einen Heulkrampf und die ganze Hilfe meiner Psychiaterin besteht darin, mir die Tränen wegzuwischen.

kathrinpassig
Altersbestimmungsmethoden: Radiokarbon, Zahnschmelz-Isotope, Wahl des Liedguts am Lagerfeuer. –

Weltenkampf

Seit geraumer Zeit schlummern in mir mehrere unausgegorene Gedanken, die ich versuche miteinander zu verbinden. Man kennt das ja, irgendwas zwickt einen gedanklich an verschiedenen Stellen, man hat eine Ahnung, dass man die Punkte irgendwie miteinander verbinden kann, aber man weiß nicht so recht wie und auf welcher Ebene. Das Denken hat ja die unangenehme Eigenschaft an Emotionen gebunden zu sein, die nun wirklich nicht linear sind, was allen praktischen analogen Schlüssen einen Riegel vorschiebt.

Ein paar dieser Gedankenfetzen sehen so aus:

– Wir leben in Zeiten, in denen wir den Beginn eines langen Kulturkampf vor uns sehen, bzw. mittendrin stecken.
– Schirrmacher hat nicht mit allem Unrecht.
– Verlage haben den Journalismus zerstört, weil sie keine Verlage, sondern Wirtschaftsunternehmen wie eine Bank oder eine Mineralölgesellschaft sind. Der Journalismus ist nur das Feigenblatt für ungenierten Kapitalismus.
– Das Netz wird nicht freier, es findet gerade dank Apple und Facebook genau das Gegenteil statt.
– Das Netz der letzten 20 Jahre wird in der Form vermutlich nicht überleben. Wir sind alle Dinosaurier.
– Informationstechnologien, die einmal in die Welt gesetzt wurden, kann man nicht aufhalten.

Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur besteht innerhalb meinungsbildender Prozesse (unter Ausklammerung des Despotismus) vor allem darin, dass in einer Diktatur einer sagt, was gemacht wird und keine Alternativen zulässt, während in einer Demokratie alle Alternativen abgewogen werden, damit man sich am Ende auf einen Kompromiss einigt. Innerhalb der fragilen Entität seines eigenen Bewusstseins gibt es etwas wie eine „gute Diktatur“, weil wir selten wählen, sondern eher entscheiden. Müssten wir jedes Mal demokratisch abwägen, ob wir rechts oder links gehen sollen, ob wir Erdbeereis oder doch lieber Schokolade nehmen sollen, kämen wir vermutlich nicht wirklich weiter und würden immer noch auf Bäumen hocken (was nicht wenige im Nachhinein als durchaus bessere Alternative sehen). Jedenfalls glaubt man gerne, dass die eigenen Entscheidungen sich auf die anderer Menschen übertragen lassen, weil wir ja nur das „beste“ wollen. Das kann, solange es unpolitisch bleibt oder gesellschaftlich ohne Belang ist, einigermaßen klappen, das kann aber auch (siehe diverse Beispiele der Weltgeschichte) dramatisch in die Hose gehen.

Das Netz funktioniert ja mittlerweile ähnlich. War es bis vor wenigen Jahren ein loser Verbund von Webseiten, bündeln sich die Stränge der Kommunikation und des Handelns immer weiter, versuchen also eine Entität zu schaffen, die aus der Sicht des jeweiligen Programmierers oder Ideen-, bzw. Geldgebers stammt. So sehr man glaubt, das Netz ließe unbeschränkte Handlungs- und Informationsfreiheit zu, so sehr täuscht man sich schnell. Die Engpässe im Netz, die Stellen, wo man sich auf monopolistische (diktatorische) Strukturen verlässt, sind häufiger, als man denkt. Das fängt beim Handy/DSL-Provider an, die im Grunde alle im selben Boot sitzen, das geht weiter bei Amazon, iTunes, Paypal, Google, WordPress, Flickr, Twitter oder Facebook. Hat man bei der Buchbestellung oder der (legalen) Musikbeschaffung ja noch eine gewisse Auswahl im nationalen Bereich, sieht es bei den sozialen Medien komplett anders aus. Es gibt keine Alternative zu Twitter, es gibt keine Alternative zu Facebook (so man denn diese Form der Kommunikation wählen mag). Gerade Facebook schwingt sich zu einer Art „Telefonanschluss“ auf. Genauso, wie man in den 60er oder 70er Jahre Menschen erstaunt schaute, wenn sie kein Telefon hatten, wundert man sich heute, wenn man jemanden nicht bei Facebook findet. Nun kann man sagen „Pffff, Facebook, Twitter. Brauch ich nicht.“ Aber die Zahl derer, die aus beruflichen oder privaten Gründen auf soziale Netzwerke verzichten können oder wollen, wird auch immer kleiner und damit verschrobener.

Interessanterweise findet gleichzeitig eine Simplifizierung der Bedienelemente des Netzes statt. Eine meiner Kernthesen seit Ende der 90er Jahre lautet: „Das Netz wird sich erst dann wirklich durchsetzen, wenn es so leicht wie ein Fernseher zu bedienen ist.“ Anschalten, auswählen, konsumieren oder, in seltenen, Fällen produzieren.“ Da muss man ehrlich sein – bisher ist das Netz eigentlich nur was für Nerds, die die Zeit und Muse haben, sich mit Technik, abstürzenden Browsern, störrigen APIs, Programmiersprachen und Ähnlichem zu beschäftigen. Anders gesagt: Die meisten Nutzer scheitern nicht an der Frage, wie man zum Beispiel einen Counter auf eine Webseite einbaut, sondern an der Frage, was ein Counter überhaupt ist. 50 Jahre TV haben die meisten Menschen etwas träge gemacht, was den Umgang mit Technik angeht. Das mag aus Sicht derjenigen lächerlich klingen, die das Netz seit Jahren kennen und mit aufgebaut haben. Auf der anderen Seite: Wenn ich ein Flugzeug steige, will ich nur, dass es fliegt. Wie es das genau schafft mich ohne Absturz und Kollision an mein Ziel zu bringen interessiert mich herzlich wenig. Ich muss kein Flugzeugingenieur sein um eine simple Urlaubsreise in Angriff zu nehmen. Anderes Beispiel: Müsste man, jedes Mal, wenn man im TV das Programm wechseln will, eine Adress- oder Kommandozeile eingeben, würde das Fernsehen im Medienkonsum wohl eine kleinere Rolle spielen. Und so geht es den meisten Menschen mit dem Netz und dem, was sie darin suchen.

Das Netz richtet sich schon lange nicht mehr nur an die versierten User. Die sind langweilig, eine schlechte Zielgruppe und geben zu dem zu wenig Geld aus. Will man Geld, also richtig viel Geld verdienen, muss man die „Masse“ ran. Und denen darf man nicht zumuten, dass sie erst mal eine Sprache lernen müssen, um an die Dinge zu kommen, die sie interessieren. Denen darf man auch nicht mit langen URLs, 345 Passwörtern und komplizierten Dingen wie VPNs oder Proxys kommen. Die Lösung ist also eine Simplifizierung, die, aus Sicht mancher Netzaktivisten, einer Bevormundung gleichkommt.

Diese Simplifizierung ist schon seit Langem im vollen Gange. Twitter und Facebook bieten mit OAuth ein Protokoll an, dass es jedem, der bei diesen Diensten angemeldet ist, erlaubt sich auf beliebigen anderen Seiten anmelden zu können. Google hat das integrierte System der Nutzerbindung schon lange verinnerlicht und verzichtet seit Neustem bei Chrome auf das „http://“ weil man wohl glaubt, dass sich die Masse nicht die komplizierte Zeichenabfolge merken kann. Und statt Webseitenaufrufe bietet Apple eine vorsortierte, gefilterte Welt von Applikationen an, die meist nichts anderes darstellen, als Webseiten. Nur sind sie leichter aufzurufen und zu bedienen.

[Einschub: Ein schönes Beispiel für das Verschwinden des http sind T-Shirts und Visitenkarten. Machte man sich früher die Mühe die ganze Adresse auf zudrucken, folgte später nur das www. das man mittlerweile zu einem url.de/url.com abgekürzt hat]

Das ist dann auch die Welt, in der viele Politiker und andere, wenig Netz-affine Menschen sich wohler fühlen. Nicht weil es mehr oder weniger gefiltert ist, sondern weil es leicht zu bedienen ist. Das man damit auch die Auswahlmöglichkeiten einschränkt, dass man das Netz, so wie wir es kennen, auf diese Weise zerstört, interessiert nicht, weil die Menschen das Netz in der Form weder kennen, noch bedienen können. Es entsteht, aus dieser Sicht, also kein Verlust, sondern ein Gewinn. Die AOLisierung führt nämlich erst dazu, dass das Netz für eine große Schicht an Usern (Kunden) interessant wird, bzw. überhaupt eine Rolle im täglichen Medienkonsum spielt. Man sollte sich weniger die Frage stellen „Was würde Google tun?“ sondern mehr „Was versteht meine Mutter davon?“

Es gibt also eine Kluft zwischen den Menschen, die das Netz seit 20 Jahren nutzen (und geprägt haben) und jenen, die erst jetzt so langsam dank Smartphones und anderen Dingen ins Netz gezogen werden. Genau diese unterschiedliche Medienkompetenz sorgt aber für eine Art innig verzahnten Kulturkampf. Die aus der alten Ordnung (Verlage, Musikkonzerne) vermissen ihre alten Geschäftsmodelle und versuchen sie mittels juristischer Winkelzüge und Lobbyismus aufrecht zu erhalten. Die andere Seite kämpft bekanntlich mit den Mitteln der neuen Aufklärung (Twitter, Blogs, Links im Allgemeinen) dagegen. Das Schlachtfeld wird keine Seite als Sieger verlassen. Und vermutlich ist das auch beiden Seiten klar. Die Konzerne, weil sie gegen die Intelligenz des sich permanent bewegenden Netzes und der vernetzten Intelligenz, nicht wehren können, die andere Seite, weil sie zu wenig Einfluss auf die Politik hat, da ihr ausgerechnet dort die Vernetzung fehlt. Es dauert noch mindestens 15 Jahre, bis die digital natives da sind, wo sie Einfluss ausüben können. Und bis dahin wird das Netz (2025!) technisch und inhaltlich völlig anders aussehen.

Ein Paradebeispiel für die Zerrissenheit mancher kluger Menschen, was die Bedienung und Interpretation des Netzes angeht, ist Frank Schirrmacher. Ix hat es gerade in einem Artikel perfekt zusammengefasst:

das überzeugendste bild das er zeichnet, ist dass ingenieure nicht erzählen, obwohl sie (derzeit) „den roman des lebens schreiben“. er fordert, dass wir die werke der ingenieure und programmierer, die algorithmen die die zunehmend digital geprägte welt steuern, in narration übersetzen oder in bilder fassen müssen.

Wir sind es, wie oben erwähnt, gewohnt in Entitäten zu denken. Oder uns zumindest selbst glauben zu machen, dass eine Entität existiert. Die early adopter/digital natives haben sich daran gewöhnt, dass es unfassbar viele Entitäten gibt, die erstaunlicherweise irgendwie dann doch zueinander finden (Foren, Blogs, wikipedia, soziale Gruppen). Das ist Menschen wie Schirrmacher suspekt. Teilweise zurecht, denn wer kann entscheiden, hinter welcher Entität ein durch und durch guter Gedanke steckt? Gleichzeitig versteht er nicht, warum ein sich selbstorganisierendes System nicht im totalen Chaos endet, weil er einem fürsorglichem Obrigkeitssystem verhaftet ist. Er hat ein durchaus sympathisches Misstrauen, weil er einerseits bisher bekannte Kontrollmechanismen vermisst, und ihm andererseits eine Visualisierung fehlt, mit dem er das System einordnen könnte. Im Zweifel ist ihm da ein simplifiziertes Netz lieber, nicht weil es weniger Wahlmöglichkeiten lässt, sondern im Gegenteil mehr Möglichkeiten eröffnet, weil sie den Zugang zu Informationen erleichtern. Statt sich mit Algorithmen wie „http://“ auseinandersetzen zu müssen, ist eine vorsortierte Welt besser, auch wenn er gleichzeitig weiß, dass die Algorithmen wichtig sind. Er will sie nur in einen anderen, leichter zu verstehenden Zustand bringen.

Die Simplifizierung, so wie sie Schirrmacher gerne hätte, und so wie sie Apple und Facebook voran treiben hat nur das Problem, dass der Produzent in ihren Gedanken keine Rolle mehr spielt. Es gibt nur noch Konsumenten, die mittels Apps, „Like“ Button und OAuth wenigen Quellen mitteilen, was sie so im Netz treiben, was sie gerne lesen, damit sie eingeordnet, gezählt und mit personalisierter Werbung bestückt werden können. Gleichzeitig muss man sich aber auch fragen, ob die Idee, das alle Produzenten sind, nicht so genauso abwegig ist, wie jene der 68er, dass wir alle in Kommunen wohnen und quer durch selbige vögeln, weil es keine Besitzansprüche mehr gibt. Im Endeffekt würde das halt den durchaus logischen Schluss beinhalten, dass die Menge der Produzenten zwar dank des Netzes insgesamt zugenommen haben mag, diese aber gegenüber der Masse der User weiterhin deutlich in der Unterzahl sind. Vielleicht ist die Idee des produzierenden und anarchischen Netzes eine Utopie, weil sie gesellschaftlich nicht bestehen kann, da auch zum einen die Finanzierungsmodelle fehlen, zum anderen die der Produktion vermutlich innewohnende Aufklärung auch nicht in allen Kastensystem auf ungeteilte Gegenliebe stoßen.

Auf der anderen Seite wollte man (die Kirchen, die Obrigkeit) den Buchdruck nach seinen ersten Erfolgen auch eindämmen. Damals fand ein ähnlicher Kulturkampf statt, der vor allem, wen wunderts, von den Kirchen angeschoben wurde. Die Kirche sah sich schnell mit jeder Menge „Eigeninterpretationen“ der Bibel konfrontiert, was ihr Machtgefüge arg ins Schwanken brachte. Man war, aus deren Sicht sehr schnell und sehr klug genug, die vergleichsweise mikroskopischen seimischen Erschütterungen auf regionaler Ebene zu verstehen. Folgerichtig band man den Buchdruck an Lizenzen, die, Überraschung, von den Städten, Fürstentümern etc. ausgegeben wurden. So versuchte man zum einen die Menge an illegalen Raubdrucken und „falschen“ Interpretationen einzudämmen, zum anderen das Geschäfts- und Informationshoheitsmodell zu wahren. Genutzt hat es im Endeffekt wenig, denn die durch die Technologie des Buchdrucks überhaupt erst erfolgreiche gewordene Luther-Bibel stand Mitte des 16. Jhd. in schätzungsweise 40% aller Haushalte. Das könnte aussagen, dass die Eindämmung von neuen Technologien mittels Filtersystemen und Gesetzen am Ende immer wieder scheitern muss, weil neue Informationstechnologien gleichzeitig auch das Bedürfnis nach der Erlernung der Bedienung einfordern. Danals war es die Alphabetisierung und das Bedürfnis, selber lesen zu können, heute ist es die Erlernung des Wissens, wie man Filtertechniken umgeht. Die Frage ist halt nur, wann die Masse sich soweit fortgebildet hat, und welche Kämpfe man vorher austragen muss.

Das ist jetzt erst einmal das Ende meiner losen Gedankenkette. Der Gedanken mit den Verlagen und des Journalismus bastel ich dann demnächst mal mit rein.


Entdeckungen

Mein Vater hatte in den 70er eine richtig gute Stereoanlage. Marantz Verstärker, Thorens Plattenspieler, Sonab Boxen. Dazu eine erkleckliche Plattensammlung. Da er seine Musik Ende der 50er und in den 60er und Anfang der 70er Jahre entdeckt hatte, war die Auswahl klar. Viel Elvis, viel Beatles. Aber auch das erste Led Zeppelin Album, erstaunlicherweise Black Sabbath und Nazareth. Letztere waren schon damals nicht so meine Baustelle, ich hielt es in meinen frühen Jahren eher mit den Beatles, wenn ich zu den Platten meines Vater gegriffen habe. Was im übrigen kein Problem war. Er machte sich weniger um Kratzer Sorgen, denn mehr um die sündhaft teure Nadel des Plattenspielers, die meiner ungelenken Behandlung eventuell nicht standhalten könnte. Deswegen brachte er mir bei, wie man die Nadel millimetergenau über dem Anfang einer Platte positionierte um sie dann mittels eines kleinen Hebels sanft abzusenken. Hat auch meist geklappt.

Irgendwann kannte ich die paar Beatles Platten (Rubber Soul, Revolver, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band) in- und auswendig, Elvis war nicht so meine Hausnummer, also wendete ich mich den Platten zu, die ich normalerweise immer durchflippte. Dabei stieß ich unter anderem auf eine etwas verkratzte, angeeckte Platte eines Mannes namens Joe Cocker. Den meisten eher aus den 80er Jahren bekannt, als er schlimme, schlimme Cover fabrizierte, mit denen er seinen Alkoholkonsum finanzierte. Aber anderer Leuts Sachen zu covern war zwar eher seine Sache, aber das hatte nichts mit dem zu tun, was er in den paar Jahren seiner eher kreativen Phase zwischen 67 und 72 raus gebracht hatte.

Am bekanntesten aus der Zeit ist seine Beatles-Coverversion „With a little help from my friends“. Und logischerweise war es auch der Song, bei dem ich auf der LP (ich glaub es war der vorletzte Song der zweiten Seite) hängen blieb. Das erstaunlicher war ja schon, dass er so weit hinten auf der LP versteckt war. LPs hörte man im Grunde auch nicht anders, als heute CDs. Wenn die starken Songs nicht irgendwo bei den ersten Stücken war, hörte man kaum noch rein. Die zweite Seite war meistens schwächer, auch wenn es da natürlich Ausnahmen gab (Pink Floyd etc.).

Die Version von Cocker, ich muss dann das blöde Wort mal einsetzen, elektrisierte mich damals sofort. Nein, nicht sofort. Bei den ersten Takten war ich mehr oder weniger empört, dass man einen Beatles Song einfach so kopieren konnte. Nach dem ersten Hören musste ich allerdings feststellen, das Cocker gute Arbeit geleistet hatte. Das hatte doch, obwohl deutlich langsamer, mehr Drive, als die Beatles Version. Und dann dieser Einstieg mit der Orgel. Und diese Stimme, die irgendwo von ganz unten kommen konnte und dann doch wo ganz anders hinwanderte, so als ob sich ein Alien durch seinen Bierbauch schieben würde. Nach dem dritten Mal war ich dann hin und weg und habe heimlich, wenn ich alleine war, laut mitgesungen, was mangels Stimmbruch eher mau ausfiel.

Aber die gesamte Darbietung hatte was archaische, fast animalisches, das konnte ich selbst damals in meinem Alter spüren. Der Song brannte sich regelrecht in meine Musikerinnerung ein und die vielen Kratzer auf der Platte waren dann mein Werk. Alles was Cocker sonst so machte, interessierte mich nicht, zu mal er in den 70ern ja mehr oder weniger von der Bildfläche verschwand. Als er dann in den 80ern wieder auftauchte, war ich kurz interessiert, aber wie schon erwähnt waren seine Erfolge nicht so meine Sache.

Ende der 80er oder Anfang der 90er Jahre kaufte ich mir eine mal eine Karte für eins seiner Konzerte. Zwischen all den Puffärmeln, bestickten Jeansjacken und weißen Blusen, die alle auf „Up were we belong“ warteten, stand ich etwas verloren, und wartete auf „With a little help“ während ich mich aus Verzweiflung langsam betrank. Es kam dann, hätte ich mir eigentlich denken können, als erste Zugabe. Und es blies mich weg. Cocker hatte eine gute Band auf der Bühne, die die ganze Zeit den seichten Krempel spielten und offenbar was nachzuholen hatte. Und es folgten sechs oder sieben Minuten, die die ganzen 50 DM (Deutsche Mark, für alle die DM nur noch in einem anderem Zusammenhang kennen) komplett wert waren. Weil da alles wieder da war. Das Animalische. Das Archaische. Und alles klang so, als würde er es gerade zum ersten Mal aufnehmen.

Die folgende Version stammt aus dem Jahr 1997 und klingt er klingt immer noch so, wie 1967, dem Datum der ersten Aufnahme (hier ne Version von 69 zum Vergleich). Ende Juni spielt er in Bonn, allerdings stimmt mich das Konzertposter in den USA etwas nachdenklich, was den Ticketkauf angeht.

Bewegtbild I

Wunderschönes Video von Sean Stiegemeier. Da lohnt sich das Vollbild. Song: Stomacher – Untitled/Dark Divider

Stomacher – Untitled/Dark Divider from Sean Stiegemeier on Vimeo.

Best of Twitter – März

kaltmamsell
Diesen Punkt habe ich so oft von einer To-do-Liste zur nächsten übertragen, dass ich ihn gleich auf den Block hätte drucken lassen können.

monkeypenny
Zu realisieren, dass in Deutschland Internet und Kühe im gleichen Haus reguliert werden sollen: Bitter. #aigner

udovetter
Die Geschichte des Seelachsschnitzels aus Lachsersatz scheint mir auch noch nicht geschrieben.

diktator
Türken in Thor Steinar-Pulli gesehen. Kurz gedacht, ihn aufzuklären, dann vorgestellt, wie ein Nazi 30 Minuten vor ihm steht und überlegt

emiliablue
Was soll ich mit Liebe ? Ich hab doch Twitter !

orbisclaudiae
geben meinen falten nun namen. schantalle. dschakkeline. schakira. kevin-marlon. bin optimistisch, dass die nun freiwillig wieder gehen.

paarka
In meiner Küche sieht’s aus wie Dresden ’45.

mlle_amandier
„Hildesheim“ ist übrigens die Abkürzung für „scheiße“.

bebal
Jetzt wo ich Zeit hätte für die Sonne scheint sie nicht mehr. Wünsche mir mehr Serviceorientierung.

Pleitegeiger
„Hund oder Mann? Die Frage sollte lauten: Versau ich mir nur meinen Teppich oder gleich das ganze Leben?“

moeffju
Nein, ich will nicht telefonieren. Synchrone Kommunikation ist strukturelle Gewalt!

muserine
Das Licht an meinem Fahrrad geht immer noch nicht. Aber für den Notfall habe ich Kekse dabei. Und Brüste.

weltkompakt
wird hart für den kollegen schirrmacher. das neue #iphone soll multitasking können…

Berufliche Fragen

1. Was machst du beruflich?
Ich bin Journalist, Dozent und Berater.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?
Da kann man heute eine lange Litanei beginnen. Das fängt schon damit an, dass die wenigsten Printerzeugnisse einen noch schreiben lassen, wie man das möchte. Heute muss ja alles in eine Form passen und die Leser sollen beim Betrachten der Anzeigen nicht gestört werden. Überhaupt nicht gut ist die Bezahlung. Wenn ich nicht noch meine anderen Betätigungsfelder hätte, wäre es schwer vom Journalismus zu leben. Mit Texten verdient man so gut wie kein Geld mehr, schon gar nicht mehr im Print. Weswegen ich auch auf dem klassischen Weg kaum noch etwas veröffentliche. Es fehlt mir auch nicht, ich sehe meine Texte lieber online. Die Spreizung der Betätigungsfelder bedeutet auch, dass man sich dauernd umstellen muss. Lange Konzentrationsphasen kann man sich nicht erlauben, man muss relativ schnell switchen können.
Auf der anderen Seite ist es genau auch wieder das, was mich an all dem reizt. Man muss sich dauernd neuen Herausforderungen stellen, man bleibt geistig sehr beweglich, man lernt sehr viel neue Dinge und trifft sehe viele, spannende Menschen. In den letzten Jahren sind bei mir die Schulungen und Lehrgänge hinzu gekommen, die eine weitere, völlig neue Berufsebene in mein Leben gebracht haben. Ich habe mich nie für einen Lehrer gehalten, schon gar nicht für einen guten. Ob ich das heute bin, weiß ich auch nicht, aber es macht mir sehr viel Spaß in Team mit Menschen etwas zu erarbeiten, etwas zu erklären und ihnen Wissen zu vermitteln. Tatsächlich hat es eine ganz andere Qualität der Zufriedenheit, wenn man merkt, dass man dem ein oder anderem Menschen einen Schubs gegeben hat, der etwas verändert hat. Das ist ein Feedback, das einem beim Schreiben manchmal fehlt.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Ehrlich gesagt – ich habe meinen Traumberuf gefunden. Ich habe lange gebraucht, mich vom „traditionellen“ Beruf zu verabschieden und ich habe das nur unter der Prämisse getan, dass ich, wenn ich schon als freier Journalist arbeite, absolut nur noch das mache und arbeite, was mir Spaß macht. Das geht mal mehr, mal weniger, aber im Grunde habe ich das unverschämte Glück einen Beruf zu haben, den ich seit meiner Jugend haben wollte und ich verdiene auch noch ganz ok Geld.
Aber wenn ich nicht als Journalist arbeiten dürfte, ich würde dann wohl im Bereich Motorsportmanagement sein.

4. Warum gerade dieser?
Motorsport ist ebenfalls seit der Kindheit ein Steckenpferd und eine große Leidenschaft. Es wäre quasi natürlich, in dem Bereich zu arbeiten. Mich reizt das Umfeld, die Spannung und die Zusammenarbeit als Team.

Via Isabo