Month: Januar 2010

Wie man Nachrichten macht

Gut, ist ein Beispiel der BBC. In Deutschland muss man sich noch eine Frau oder einen Mann vorstellen, der entweder einen Flur entlang, oder auf ein Gebäude zu geht, so als ob die Kamera ihn zufällig erwischen würde. Dann der Schnitt/Zoom/Schwenk auf ein Schild, auf dem steht, welche Firma in dem Gebäude sitzt, oder, wenn das klar ist, ein Schwenk zum Himmel, oder ein Zoom auf ein Fenster, dann das Interview. Der Rest ist ziemlich genau wie hier zu sehen:

Via Konstantin Kleins Google Empfehlungen.

zu Guttenberg

Ich war ja heute im Fernsehen. ZDF Morgenmagazin, man wollte meine Meinung zum iPad hören. Was ich nett fand, und da Fernsehen ja immer noch etwas leicht geheimnisvolles hat, habe ich auch gerne zugesagt. Mal abgesehen davon, dass ich erstaunt war (und bin) das ich morgens um halb sieben ganze Sätze sprechen konnte, die sogar einen gewissen Sinn ergaben, war nicht nur ich als Experte geladen, sondern auch unser aller Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg.

Ich hab eher ein gespanntes Verhältnis zu dem Mann. Zum einen: CSU. Zum anderen: Kai Diekmann Gedächtnisfrisur. Zum dritten: die Sache mit den Internetsperren aus dem letzten Jahr. Zum vierten: Politiker. Auf der anderen Seite: pauschale Vorurteile sind auch langweilig.

Ich bin gebürtig aus Bonn und so lange die Stadt noch Hauptstadt war, liefen einem da dauernd Politiker über die Füsse. Genscher sieht man zum Beispiel bis heute durch die tote Innenstadt von Bad Godesberg gehen. Und dann habe ich in der Studienzeit mal als Chauffeur gearbeitet und war oft im Kanzleramt, wo man naturgemäß sehr viele Politiker sehen konnte und mit dem ein (Kohl) oder anderen (Biedenkopf, Süssmuth, Vogel, Fuchs) habe ich habe ich mal ein paar Worte wechseln können.

Die meisten Politiker haben mich in ihrer Politikerhaftigkeit nie enttäuscht. Das Staatsmännisch-Gravitätische schieben, bzw. schoben die meisten wie eine riesige Bugwelle vor sich her und man wurde quasi zur Seite gespült. Es wird gemustert, eingeschätzt und man wird dann dementsprechend behandelt. Manche (Kohl) sprachen nur das nötigste, andere (Vogel) gaben sich dem freundlichen Smalltalk hin. Nun war das auch eine andere Generation von Politiker.

Minister zu Guttenberg ist ja eher die Jungs-Ausgabe eines Politikers. Er ist schlank, fixiert einen durch die erstaunlich dünne Brillengläser und grüßt freundlich mit einem festen, aber nicht zu festen Handschlag. Er besetzt den Raum, wobei er nicht so eine massige Ausstrahlung wie manche andere (Kohl) hat, dafür fehlt ihm vielleicht auch die physische Präsenz. Das Wort „Minister“ hängt sicher in der Luft, aber das ist es nicht allein. Er ist, so auf den ersten schnellen Eindruck, sympathisch. Er wirkt trotz seines Amtes unaufdringlich und auf Grund seines Alters auch wenig ministerlich. Ich kann verstehen, warum er gerade bei der Presse beliebt ist, warum sie ihn gerne „Popstar“ nennen. Er geht auf einen zu, er lässt zumindest in einer schnellen Begegnung keine Arroganz oder Standesdünkel erkennen. Es fällt schwer, ihn auf den ersten Blick nicht zu mögen, was ja nun nicht jedem Politiker gelingt (Kohl, Koch).

Kaffeetrinkend wendet er sich dem Fernseher zu, schaut sich die Zusammenfassung von Obamas „State of Union“ an und wendet sich danach blitzartig der Bild-Zeitung zu, die auf dem Tisch liegt. Mit seinem Mitarbeiter wechselt er ein paar schnelle Worte, ein ebenso schnelles Lächeln huscht über sein Gesicht, als er den Namen „Westerwelle“ ausspricht. Wir reden kurz über Davos und mir fällt leider zu spät die Frage ein, warum ein Verteidigungsminister zu einem Wirtschaftstreffen fährt. Dann hält er plötzlich inne, schaut mich an und fragt mich nach einer Journalistin der SZ. Ob ich sie kenne würde, wer das sei. Ich kannte den Namen nicht, er nickt, und sagt, die wolle wohl ein Interview mit ihm und seiner Frau machen.

Dann wechselt er in den Politiker-Modus und spricht mit seinem Mitarbeiter über irgendwelche Staatssekretäre. Ich höre nicht hin, ich finde es unhöflich, wenn ich lausche, aber mir fällt generell auf, dass er dann doch so ist, wie die Politiker, die ich vor Jahren mal kennen gelernt habe. Auch die haben in Gesprächen mit Kollegen und Assistenten immer wieder den üblichen Büroklatsch besprochen, aber bei Politikern, so mein Eindruck, hat dieser Klatsch auch immer etwas gehetztes. Man will wissen, wer wo was macht, wer welche Stelle und welchen Einfluss hat. Es wie eine Art Absicherung, Kontrolle, dass man auch nichts verpasst, dass man nicht plötzlich von irgendetwas oder irgendjemanden überrascht wird.

Alles scheint ziemlich flott beim ihm zu gehen. Zielgenau, ohne Zögern, bestimmt, selbstsicher. Er weiß was er will, er weiß was er sagt, er zögert nicht bei seinen Antworten. Ich vermute mal, dass sein Büro viel Spaß mit seinem Arbeitstempo hat. Mir ist so etwas immer ein wenig unheimlich. Was vielleicht daran liegt, dass ich in meinem Wesen bedächtiger bin, nicht so zielgerichtet, aber ich bin ja auch kein Politiker und werde wohl auch nie einer sein.

Er verabschiedet sich in aller Ruhe, und als er gegangen ist, höre ich die Make-Up Frauen ein wenig tuscheln, von wegen „smart“ und „nett“ und „Kanzler“. Ich hab dann lieber die SZ weiter gelesen.

Märchenonkel

Meine Kindheit bestand, wie bei vielen anderen auch, zum größten Teil daraus, Märchenplatten zu hören, auf denen Hans Paetsch mit brummiger Stimme aus dem Grimmschen Sammelsurium vortrug. Später kam dann Karl May dran und Märchen waren was für Babys. Dabei stimmt das so nicht, wie jeder, der noch mal ein Märchen der Gebrüder Grimm gelesen hat, wissen wird. Die Geschichten spiegeln in ihrer Grausamkeit den Alltag vieler Menschen wider, dazu haben viele einen starken politischen Charakter. Märchen haben mehr Interpretationsspielraum, als man so auf den ersten Blick meinen möchte.
Und so habe ich mich sehr gefreut, als Björn Grau und Max Winde mich neulich zu ihrer „Märchenstunde“ eingeladen haben. Dort werden Märchen noch einmal vorgelesen und dann mittels gemeinsamen Halbwissen analysiert. Jedem Literaturwissenschaftler sträuben sich die Haare, aber wir hatten ausnahmslos viel Spaß. Das Ergebnis der knapp 60 Minuten kann man sich jetzt bei Spreeblick hören und runterladen.

Klaus Löwitsch

Einen Teil sehr, sehr, großen Teil meiner Zeit im Netz verbrachte ich zwischen 2001 und 2004 im Internetforum der „Höflichen Paparazzi„. In dem Forum ging es (im Kern) mal um Begegnungen (oder auch „Nicht-Begegnungen) die man mit Prominenten hatte. Über das, was man sonst so im Forum erleben konnte, und wer sich so da alles so kennen gelernt hat, wird sicher irgendwann mal ein eigenes Buch erscheinen. Ich hatte damals jedenfalls viel Zeit und hatte damit begonnen, ein paar Geschichten aufzuschreiben. In einer Übergangszeit nach meiner Arbeit in der Musikbranche habe ich als „Entertainment“ Journalist gearbeitet. Also Interviewtermine mit Promis wahrnehmen, Text schreiben, verkaufen. Aber das, was ich damals an die Blätter verkaufen konnte, war halt nur die Oberfläche eines Interviews. Wenn man einen Menschen in einer dieser merkwürdigen Interviewsituationen begegnet, passiert ja noch mehr. Gerade bei Schauspielern schleppt man ein Bild mit sich herum, dass man irgendwie los werden muss, wenn man sich tatsächlich mit einem Menschen unterhalten will. Wenn man das macht, wenn man nicht an den eingebrannten Bildern der PR-Maschinerie festhalten will, dann wird man manchmal schon überrascht. Die Entdeckung der alten Geschichten aus dem Forum hat mich auf die Idee gebracht, die hier noch einmal zu sammeln und vielleicht auch mal in der Erinnerung zu kramen. Da waren doch etliche Begegnungen, die mehr als erzählenswert waren, die ich jetzt hier, leicht bearbeitet, noch mal nach und nach rein stelle.

Es war 1998, in einem tristen Vorführraum des NDR in Hamburg. Man hatte geladen, um den Film „Das Urteil“ zu sehen, ein Kammerspielartiges Stück, für das Löwitsch später den Grimme Preis erhalten sollte. Bevor er in diesem Film mitspielte, war Löwitsch den meisten aller höchstens als „Peter Strohm“ aufgefallen, jener bärbeißiger Privatdetektiv, der breitbeinig durch die Szene stolperte und seine Fälle in einer Mercedes S-Klasse löste. Ich mochte die Serie, ich mochte Löwitsch, dessen Image in der Serie nicht weit von seinem privaten Image entfernt zu sein schien. Jedenfalls denkt man das ja immer, wenn man die Menschen mit ihrem Schauspielerleben verknüpft. Und dabei hatte ein den 70er viel mit Fassbinder gearbeitet und in mehr oder weniger guten Hollywood-Produktionen wie „Steiner – Das eiserne Kreuz“ mitgespielt. Er hatte also einiges hinter gebracht.

Nach der Vorstellung saß er da, im perfekt sitzenden Anzug, mit leichtem Bauchansatz, zurück gelehnt, sich hier und da über die Glatze streichend. Das wirkte nicht wie eine nervöse Geste, obwohl die Situation für jeden Menschen, wenn er etwas geschaffen hat und sich vor einem Haufen mehr oder weniger interessierten Menschen steht, sicher nicht leicht ist. Irgendwie wirkte er in seiner Kompaktheit unnahbar, wie jemanden, dem man besser nicht zu nahe tritt. Leicht unheimlich. Einer, der besonders cholerisch wird, wenn Widerworte kommen. Wobei die passive Aggressivität , dieses Lauern, die innere Angespanntheit nicht gänzlich ablehnend wirkte. Manche Leute würden sagen: „Ein Arschloch“, ich dachte aber auch: “ Wow, ein Mann im klassischen Sinne.“ Das ist keine Wertung, ob er mir sein Charakter gefallen hat, oder nicht. Aber er hatte eben diese typische Testosteron-Ausstrahlung, der man auch als Mann schlecht widerstehen kann. Einer der intelligent ist, aber auch seine dunklen Seite volles Rohr auslebt. Er war damals 62 Jahre alt, hatte aber die Ausstrahlung eines Menschen, der irgendwo zwischen 40 und 50 pendelte. Sicher, in dem was er tut, unsicher, wohin ihn seine Dämonen als nächstes treiben werden.

Ich hatte ganz schön viel Respekt, als ich mich ihm für das Interview näherte. Das Gefühl war ungewöhnlich. Ich hatte Dennis Hopper interviewt, George Clooney, Patrick Stewart, ich hatte Erfahrung im Umgang mit als schwierig geltenden Interviewpartnern. Aber diese Ausstrahlung hatte ich bisher nur einmal erlebt. Das war, als ich Robert Mitchum begegnet war, und der spielte dann noch mal in einer anderen Liga.
Aber als ich die paar Schritte zu Klaus Löwitsch hin ging, da wurde mir anders. Ich hatte Respekt, wenn nicht sogar Ehrfurcht. Etwas, was einem Interviewer selten passiert. Allein seine kantige Figur verhieß, dass man sich ihm nur vorsichtig annähern sollte. Dazu diese knarzende Stimme, die mehr erzählte, als er selber mit Worten ausdrücken konnte.

So saß ich da, und rang nach Worten und Fragen. Alle möglichen Fragen nach dem Film, seiner Karriere, seiner Arbeit als Schauspieler schienen mir so leer und überflüssig. Und mir wurde klar, dass ich eigentlich gar nichts über den Mann weiß. Sicher, ich kannte ihn, zumindest seine Rollen. Aber er war eben anders als die anderen Schauspieler. Er spielte kein Image, er gab nichts vor. Was ich wusste, weil er selber offen darüber gesprochen hatte, war das er gerne mal einen trinkt. Also nicht im Sinne von mal drei Gläser Wein, sondern dieses richtige, aufrechte und sehr ernsthafte Trinken. Also frug ich ihn, was seine Sauferei machen würde.

Er blickte mich an, und für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass er mir gleich eins in die Fresse hauen würde. Zu Recht, wie ich cirka 1.3 Sekunden nach Abschuss meine Frage selber fand. Man nähert sich keinem Menschen, den man nicht kennt, mit der Frage, was seine Sauferei machen würde. Eine Frage, die immerhin impliziert, dass man meinen könnte, er habe einen schwachen Charakter.
Er setzte dieses Peter Strohm Gesicht auf, als ob er einen Verdächtigen nach seinem Alibi fragen würde und sagte. „Wenn ich nicht saufe, kann ich nicht arbeiten. Ich bin ein klassischer Quartalssäufer und ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie das mit mir aushält.“ Das war mehr Information als ich erwartet hatte, und ich hakte nach. Warum er saufen würde, wollte ich wissen. Sinngemäß sagte er, dass er die Sauferei brauchen würde, um zu vergessen. Er könne keine Rolle ablegen, wenn er sie nicht weg saufen würde. Erst nach einer ausgedehnten Sauftour über drei Tage, sei er wieder er selbst.

Ich schaute ihn lange an, ließ eine Pause entstehen, die in Interviews immer etwas unangenehm wird, weil der andere denkt, man würde noch auf einen weiteren Satz warten. Viele Interviewpartner werden dann nervös, fangen an zu erzählen und schwadronieren rum. Er sagte gar nichts, und starrte mich ebenso an. Warum er sich so in seinen Rollen verhake würde, fragte ich mit der Angst im Nacken, nun würde er endgültig das Interview abbrechen. Er schob die Ärmel seines Sakko nach oben und beugte sich ganz weit nach vorne, bis sein Gesicht ungefähr 15 Zentimeter von meinem entfernt war und sagte (ungefähr): „Ich will Rollen spielen. Ich bin ein Schauspieler mit Leib und Seele. Ich kann nichts anderes. Mein Leben lang habe ich mir die Seele aus dem Leib gespielt, weil ich wegen meinem Spiel anerkannt werden wollte. Eine Erwähnung in einer Scheiß Lokalzeitung, war ein Sieg. Und dann übernehme ich die diesen Peter Strohm und alle Welt findet das toll. Nur das, was ich vorher all die Jahre gemacht habe, da wo mein Blut drin steckt, davon redet keiner. Nur von dieser Comic-Figur, die ich abgrundtief hasse. Ist für Sie das Grund genug zu saufen?“ „Ja, „sagte ich, „aber dann müsste ich jetzt sagen, dass sie ein missverstandener Schauspieler sind, der gerne was anderes wäre. Das kann es doch auch nicht sein, oder?“

Er lachte. Er lachte sehr lange, lehnte sich zurück und in dem Moment wusste ich, dass das Interview beginnen konnte. Wir sprachen über eine halbe Stunde, und danach lud er mich zum Essen in sein Hotel ein, in dem ihn der NDR untergebracht hatte.

Abends trafen wir uns, und wir tranken ein paar Bier an der Bar des Hotels. Er erzählte viel über sich, seine Arbeit. Und je mehr er mir erzählte, desto mehr Fragen hatte ich. Er saß breitbeinig auf dem Barhocker, ließ die Umgebung selten aus den Augen und zwischen drin fixierte er mich mit seinen manchmal bösen, manchmal ungeduldigen Blick. Wir unterhielten uns über seine Arbeit, er lästerte ein wenig über Drehbuchautoren, über Redakteure beim Fernsehen, er sprach davon, dass er zufrieden sei, und immer, wenn es um ihn ging, dann senkte er die Stimme ein klein wenig, so als ob es ihm unangenehm sei, über sich reden zu müssen. Nicht einmal hat er mich gefragt oder aufgefordert, die Dinge, den ganzen Abend, den wir da an der Bar hatten, für mich zu behalten. Aber das war für mich völlig klar, da habe ich nicht mal drüber nachgedacht. Es war eine Begegnung mit einem Menschen, der man auch selber gut sein könnte, irgendwann mal. Oder wenn man seinem Leben einen anderen Schubs gibt. Löwitsch hatte aber mehr Energie und Kraft, als man sich selber für zehn Leben zu getraut hätte. Die Kompaktheit, die Klarheit mit der er seine Worte unterstrich, war faszinierend, die Stille, die zwischen seinen Worten zu hören war erweckte den Wunsch, ihn näher kennen zu lernen. Man bekam aber zumindest eine Ahnung davon, was ihn durch Leben getrieben hat.

Er starb leider deutlich zu früh Ende 2002 im Alter von 66 Jahren.

Google Schmoogle*

Ein bisschen gelacht habe ich schon, als im Fernsehen Sprüche hörte wie „Weltmacht Google legt sich mit Weltmacht China an“. Der (mögliche) Rückzug von Google aus dem chinesichen Markt dürfte die Regierung in Peking kaum interessieren. Im Gegenteil, es macht ihr das Leben einfacher.

Google hat die letzte Jahre klaglos mit den chinesichen Zensurbestimmungen gelebt. Sicher, man hat „nur“ 30% Marktanteil in China, aber 30% sind halt 30% und vor allem darf man nicht vergessen, dass sich der Markt gerade erst entwickelt. Die Zahl der Neukunden im Netz dürfte in China in den nächsten 10 Jahren noch massiv ansteigen, dazu kommt, dass 30% von aktuell ca. 300 Millionen Menschen die in China online sind immer noch mehr ist, als 90% von 80 Millionen in Deutschland. Das Argument, dass man eh nur „wenig“ Geld verdienen würde, ist also Quatsch.

Auch der Grund, warum Google nun den Zensurstecker gezogen hat, halte ich für fadenscheinig. Gezielte Angriffe auf die Serverstruktur von Google und anderen Unternehmen sind normal. Arabische Terroristen, Russische Mafia und was weiß ich wer noch, versuchen den ganzen Tag nichts anderes. Entweder um an die Daten zu kommen, oder um die Infrastruktur zu destabilisieren. Auch China wird da mitspielen, da gab es auch mal vor ein paar Monaten eine Dokumentation im Fernsehen zu (kann mich leider nicht mehr an den Sender erinnern). Auch dass es Länder gibt, die so was machen, die versuchen an die Daten von Oppositionellen heran zu kommen, ist nicht neu. Das es Firmen geben soll, die da auf Anfrage recht kooperativ sind, auch nicht. Warum also sollte Google sich in den Schmollwinkel zurück ziehen, nur weil (angeblich) zwei Mailbetreffs zu lesen waren?

Da liegt die Vermutung nahe, dass entweder der Angriff einen größeren Umfang hatte und erfolgreicher war, als Google uns sagt, oder das dahinter eine andere Verschwörungstheorie steckt. (Bilderberger! Illuminaten! Nazizombies!)

Mir macht weniger das Verhalten von Google gegenüber der chinesischen Regierung Sorgen, sondern mehr das gegenüber der US-Regierung. Da scheint man enger zusammenzuarbeiten, als man so sagt. Chinesische Dissidenten haben in den letzten Stunden angemerkt, dass ein Rückzug von Google die Probleme im Land eher erhöhren würde, weil es die Menge an internationalen und fremdsprachlichen Suchergebnissen verringern würde. Der Marktführer, Baidu, liefert nur inländische Ergebnisse. Ich erinnere mich auch daran, dass dieselbe US-Regierung im letzten Sommer Twitter gebeten hatte, ein wichtiges Serverupdate (und damit eine downtime des Dienstes) zu verschieben, weil gerade im Iran die Hölle los war und Twitter ein wichtiger Kommunikationskanal war. Und die gleiche Regierung unterstützt jetzt den möglichen Rückzug der einzigen, halbwegs unabhängigen und einflussreichen Suche in China?

Google bekommt für sein Aufbegehren jede Menge guter PR. Die man auch braucht, denn unumstritten ist die Datensammlung von Google ja nicht, wie man gerade in Deutschland sehen kann. Dazu kommen verschiedene Fragen, was Google mit den eigenen DNS-Servern macht, was mit ChromiumOS/Android, was mit Analytics, Adsense, was mit der Sache ist, dass man eigene Netze für WLAN und Strom aufbauen will und so weiter, und so fort. Da stört so ein „Aber wir sind immer noch nicht evil“ Beleg sicher nicht.

Was auch immer hinter den momentanen Äußerungen von Google in Richtung China steckt, mit einem Kampf gegen Zensur hat es vermutlich nur am Rande zu tun.

Disclaimer: Ich nutze Google für fast alles, was ich im Netz mache & und ich habe ein Android Handy. Ich halte Google für eine der innovativsten und spannendsten Firmen der Welt und ich glaube auch nicht, dass sie „böse“ sind. Aber deswegen muss man ja nicht alles glauben, was einem so erzählt wird.

*Ja, ich bin spät dran mit Google. Arbeitsdings, und so.

links for 2010-01-07

Best of Twitter

Jetzt, wo ich wieder ein Blog habe, dass man auch benutzen kann, mache ich auch mal so eine Liste mit meinen Lieblingsfavs des Jahres 2009. Einfach, weil es geht.

hoch21
„Von meinem iPhone gesendet“ vs. „Mit meinem riesigen Geschlechtsteil getippt.“

Pleitegeiger
Halt den Mund, wenn ich Dich unterbreche!

amarana
Kind hat versucht, mir zu erklären, dass die Summe der Winkel in einem Dreick pi ist … greife jetzt zu Alkohol

gebenedeite
Neun von zehn Stimmen in meinem Kopf sagen, ich bin nicht verrückt.

rudelbildung
vieles lässt sich dadurch verbessern, dass man es einfach mit käse überbackt. #reste

phogenkamp
Abstrus verzählt beim Versuch, 3.85 passend zu zahlen. Werde bald das Portemonnaie geben und sagen: Nehmen Sie selbst, Fräulein.

svensonsan
Das beste an berlin ist weiterhin der ’schlecht angezogen in den zug einsteigen, in berlin overdressed aussteigen‘ effekt.

Pleitegeiger
Kurz nach neun und ich bin schon rot vor Zorn (Farbnuance „Uli Hoeneß“)

kosmar
bipolar ist kein jazzstil.

apriori
Beschwerdebrief an Vodafone geschrieben. Quasi mit der Hand. Das wird ihnen Angst machen.

humpaaa
habe mühe in meinem eigenen Unterricht nicht einzuschlafen #müde

dogfood
Sehe Doku über heruntergekommene serbische Kaviar-Fischer an der Donau. Werde von Minute zu Minute depressiver.

dasPoell
fühl mich heute wie eine satellitenleitung in den jemen.

AF_Blog
Innerlich bin ich heute eine thailändische Blondine.

kcpr
Hoffentlich sind die Renten sicher bis Photoshop die Datei offen hat.


dasnuf

Tierquälerei. Warum setzen sich manche Frauen in der Sauna Katzen in den Schoß?

kosmar
leute, die im urlaub nicht twittern – da weiss man doch gleich, dass die das hier nicht ernst genug nehmen.

silenttiffy
Mit der Libidokraft von zehn morphiumgespritzten Pandas krieche ich freudig dem Ende des Tages entgegen.

chefetage
Jetzt beginnt wieder die Zeit der saisonalen Irritation; Man kommt im Dunklen nach Hause und ist trotzdem noch nüchtern.

gebenedeite
Einen lustigen Roman zu schreiben und dann mitanzusehen, wie sie eine Verfilmung mit Oliver Pocher draus machen, stelle ich mir hart vor.

rron
Ich weiß es nicht. Ich lerne Frauen immer ganz konservativ kennen: Tränenausbrüche auf offener Straße, Stalking, Rohypnol

Wondergirl
Unklar, wieviel Prozent der Twitternutzer Günter Wallraff sind.

Mlle_Amandier
„Ich werd dich durchfaven, bis du nicht mehr geradeaus laufen kannst.“

saripari
Ich kann mir zwar keinen Urlaub leisten, aber ich kann es mir leisten, mich so fett zu besaufen, dass ich nicht mehr weiß wo ich bin.

dogfood
Was immer da als „Tageslicht“ verkauft wird, es ist eine Fälschung. Es ist nicht hell. Ich geb das wieder zurück.

reuberlee
Seit dem Wurstgulasch für 2,30 in der Mittagspause ziehe ich mein linkes Bein nach.

bartmeise
War gestern besoffen – mal sehn, was nächste Woche von eBay ankommt.

poetin
ich meine tatsächlich genau das, was ich sage. aber ich sag nicht immer, wann.

bangpowwww
und du denkst so ‚yeah diskoaufriss‘ und dann rezitiert der nachts in deiner küche sartre!

Wondergirl
Erstmals Text über psychische Krankheit gelesen, ohne sie hinterher selbst zu haben. Für manische Phasen ist man dann doch zu faul.

ellapropella
Mit dieser Frau zu reden ist wie der Versuch, aus steinharter Knete ein winziges Taj Mahal zu formen.

rron
Was nun? Müsste eigentlich in die Schweiz, aber Riesenminarett in der Hose.

AF_Blog
Das wird doch auch wieder so ein wirres Ding, säuselte Mechthild & sperrte die Moral in die gute Kinderstube.

ichichich
Bin gepokt worden. Wollte zurückpoken. Person will aber nicht gepokt werden. Ich verstehe das alles nicht.

songe_creux
Irgendwie Langeweile, aber zu schlapp die Nachbarn rauszuklingeln um ihnen den Unterschied zwischen Marmelade und Konfitüre zu erklären.

litchi7
Schreibe über die „Vielstengelige Sumpfbinse“. Mein Leben – ein Sketch von Loriot.

martini_
und dann sah mich Rumpelstilzchen und wurde blass vor Neid.

Ronz_
Es ist wieder passiert. Nackt und von Kopf bis Fuß mit feinstem Dijon-Senf bestrichen durch die Fußgängerzone geirrt. #Oma’s_Pilz-Tee

reuberlee
Falls ihr jemals ein von mir selbst eingepacktes Geschenk bekommt: Es tut mir leid.

bangpowwww
‚das menschliche hat bei mir immer vorrang. nur diese woche eben nicht.‘


saschalobo

Der Parkplatz-Situation in Berlin Prenzlauer Berg nach zu urteilen ist in Stuttgart die Hölle los.

monikavincent
Du weisst ja gar nicht wo ich dir meine Botschaften verstecke

fatboyznodrog
Sorgende Mutter begründet, warum es über Weihnachten 18 Mahlzeiten pro Tag gibt: „Nützt ja nüscht.“

saumselig
die geräusche auf der polnischen seite lassen etwas anderes als silvestervorbereitungen vermuten. #grenztweet

Und der meist gefavte Tweet von mir, war wohl der hier:
Du weißt, dass 4.5 Stunden Schlaf zu wenig sind, wenn Du mit der Mülltüte in der Hand vorm Bäcker stehst.