Month: Dezember 2009

09

Beste Entscheidung: Frühzeitig mit dem merkwürdigen Gesumme im Ohr zum Arzt zu gehen,
Schlechteste Entscheidung: Diesssse Flaaasssssche Wein mach isch noch auf

Beste Anschaffung: Das Motorola Milestone, der Vaio Laptop, der UMTS-Stick
Dämlichste Anschaffung: Der UMTS-Stick, weil ich jetzt überall an der schmutzigen Nadel hänge

Schönster Absturz: Russisch-Schwedisch-Deutscher Vodka Abend
Schlimmster Absturz: Keiner, dieses Jahr. Alle waren gut.

Bestes Getränk: Brandy & Vodka
Ekelerregendes Getränk: Club Mate. Ich habe es dreimal versucht, bin aber immer wieder an diesem Geschmack gescheitert, der schwer an Socken erinnert, mit denen man sechs Wochen lang durch die Anden spaziert ist und dann auswringt.

Bestes Essen:
Der erste selbst gemachte Linseneintopf
Schlimmstes Essen: Zu viel davon im Herbst, dank Pizzabringdienste

Beste Musik: Speck Mountain, Improvisto (Seltene Jazz LP aus Brasilien, 60er Jahre), Beirut, Mumford & Sons
Schlimmstes Gejaule: Lady Gaga

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung: Morphine, Ruby und der ganze frühe Manchester TripHop
Peinlichster musikalischer Faux-Pas: Für einen winzigen Moment Steven Segals Album „Songs from the crystal cave“ gar nicht mal so schlecht zu finden.

Beste Idee/Frage: Aus dem Heimbüro in ein anderes Büro zu wechseln.
Dämlichste Idee/Frage: Den Urlaub auf 2010 zu verschieben

Beste Lektüre:
Colin Crouch – Postdemokratie
Langweiligste Lektüre: Das waren zu viele Bücher, die ich alle halbgelesen weggelegt habe.

Bester, dreckigster, geilster Sex: Mit jemand anderem
Langweiligster Sex: Mit mir alleine

Teil 2

Zugenommen oder abgenommen?
Erst neun Kilo abgenommen, dann acht Kilo zugenommen

Haare länger oder kürzer?
Wie immer. Alle drei Monate eine Radikalkur

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Leicht weitsichtiger geworden. Neue Perspektiven gewonnen. Das Alter halt.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Gesamte Comupter-Technik komplett erneuert. Auf der anderen Seite nicht im Urlaub gewesen. Das meiste Geld für Essen und Alkohol ausgegeben. Insgesamt aber wohl auch nicht mehr als sonst.

Der hirnrissigste Plan?
Vor lauter Arbeit keine doofen Pläne gehabt.

Die gefährlichste Unternehmung?
Mir am Ohr rumfummeln lassen. Noch höre ich auf dem linken Ohr. Mal sehen wie lange.

Der beste Sex?
Hatte ich

Die teuerste Anschaffung?
Siehe oben. Technik.

Das leckerste Essen?
Mal abgesehen von meinen Eintöpfen habe ich in diesem Jahr auswärts wenig herausragende Sachen gegessen.

Das beeindruckenste Buch?
Colin Crouch – Postdemokratie

Der ergreifendste Film?
Zwar viel gesehen, aber wenig ergreifendes. Bin eh kein Freund des Drama.

Die beste CD?
Speck Mountain- Some sweet relief, Mumford & Sons

Das schönste Konzert?
Auf keinem gewesen, wenn ich mich recht erinnere. Wollte so oft, aber ach…

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Mit Karla.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Menschen auf Lesungen und sonstigen Treffen

Vorherrschendes Gefühl 2009?
Da ändert sich irgendwas

2009 zum ersten Mal getan?
Angst um mein Hörvermögen gehabt.

2009 nach langer Zeit wieder getan?
Etwas bei mir geändert.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Ohrenschmerzen, zu wenig Bewegung, kein Urlaub

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das alles gut wird.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Überraschenderweise da zu sein

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Überraschenderweise da zu sein

2009 war mit 1 Wort … ?
Ein Anfang

08, 07, 06, 05, 04, 03, 02

Die Angst vor der Moderne

Frank Schirrmacher hat einen erstaunlich weitsichtigen Text in der FAZ veröffentlicht, in dem er sich sehr differenziert über Google und die komplexen Algorithmen der Echtzeitwelt äußert. Der Text liest sich geschliffen und ist mit viel Weitsicht geschrieben. Zwischendurch hatte ich schon den Verdacht, dass er sich einen Ghostwriter zugelegt hat. Aber Schirrmacher ist selbstverständlich ein sehr kluger Mensch und sein Buch „Payback“, in dem er eine Art Brandrede gegen die Überfrachtung durch Information hält, ist (was ich bisher gelesen habe) auch besser, als der Ruf, den das Buch in der Netzszene hat. Denn, da muss man schon ehrlich sein, ein wenig wird jedem schon mal anders, wenn er an all die Informationen denkt, die gelesen und verarbeitet werden wollen.

Es braucht also, so Schirrmacher, Algorithmen, die Informationen sortieren und in einen Bezug setzen. Doch das führt dann seiner Meinung nach dazu:

Es geht hier im Kern um Systeme, die menschliche Kommunikation industrialisieren, extrahieren und ausbeuten. Es geht um das Geschenk der freien Meinungsäußerung für alle und jeden. Und es geht darum, wie die Inhalte dieser Meinungsäußerungen in Systemen perfektioniert werden, die menschliches Verhalten aufzeichnen, auswerten und für industrielle Zwecke verwerten. Niemand kennt Googles Algorithmus – und erst recht nicht diejenigen all der kleinen Googles, die in Unternehmen exakt auf die Bedürfnisse des Personalmanagements zugeschnitten werden –, aber es ist eindeutig, dass dieser „Verarbeitungsprozess“ in Wahrheit eine moderne Form der Bürokratie ist.

Das ist eine sehr düstere Einschätzung. Genauso düster wie der Gedanke, dass man von all den Informationen erschlagen wird. Ich halte das für falsch und zugleich für ein typisches deutsches Denken.

Natürlich versuchen Algorithmen manche Dinge zu vereinfachen. Sie simplifizieren, versuchen vorausschauend zu denken und dringen klammheimlich in unser Leben ein. Sie übernehmen hier und da auch die Kontrolle über das, was wir tun wollen. Der simple Mechanismus bei Amazon, der uns sagt, was uns interessieren könnte und gleichzeitig viele Dinge weg lässt, die einen vielleicht wirklich interessieren könnten, ist nur ein Beispiel. Und gleichzeitig ein Beispiel dafür, dass er versagt. Wenn ich nur einmal für etwas für einen Freund suche, der einen komplett anderen Geschmack hat, bekomme ich wochenlang nur Schrott geliefert.

Schirrmacher (und viele andere) formulieren die althergebrachte Angst, dass Maschinen unser selbst bestimmtes Denken übernehmen werden. Das ist so alt, wie es Sience Fiction gibt. Dass die Maschinen die Macht übernehmen, uns die Fantasie klauen und wir im Grunde irgendwann Sklave unserer eigenen Bequemlichkeit werden. Ich glaube nicht daran.

Der menschliche Geist ist eben keine mathematische Formel. Er wird von anderen Dingen gesteuert, zu denen auch die Entwicklung gehört. Wir verändern uns, die Systeme, die die Veränderungen auslösen, sind komplex und nicht verstanden. Es können genetische Faktoren sein (Dawkins) es können spirituelle Dinge sein (Religion) es können menschliche Faktoren wie Krankheit oder die Geburt eines Kindes sein. Es kann auch sein, dass wir uns einfach verändern, weil wir älter werden und die Begegnung mit einem einzelnen Menschen kann unser Leben auf den Kopf stellen. Kein System, nicht mal unserer Eigenes, kann das voraussehen. Die Variablen, die unsere Gehirne und unsere Seelen verbergen, sind so komplex, dass wir sie nicht mal selber verstehen, geschweige denn vorhersehen können. Aber das ist die Angst, die Schirrmacher in seinem Buch und in dem Text formuliert. Dass wir insgeheim gesteuert werden, ohne dass wir es merken.

Eigentlich ist das eine wichtige Einsicht, wenn Schirrmacher & Co sie nicht nur auf das Internet und Google beziehen würden. Eine Frage zu stellen, Dingen nicht mehr zu vertrauen, gehört zu den Grundvoraussetzungen einer philosophischen Ausbildung. Was ist das, was uns umgibt? Wie frei sind meine Entscheidungen wirklich? Rousseau hat geschrieben „Der Mensch wird nicht in Ketten geboren“. Er meinte das in einem verfassungsrechtlichen Sinne, aber im Grunde trifft das auch auf unser gesamtes Denken zu. Nietzsche war da anderer Meinung, ebenso Freud. Die Frage, wie frei der menschliche Geist wirklich ist, ist die Königsdisziplin der Philosophie.

Schirrrmacher erweckt in seinem Text den Eindruck, dass wir gerade Ketten angelegt bekommen. Die Maschinen, die auf Maximierung der Wirtschaftlichkeit angelegten Algorithmen schläfern das Hirn und den freien Willen ein und sorgen dafür, dass wir uns in Watte verpacken lassen. Systeme sagen uns, welche Nachrichten für uns wichtig sind, und nicht mehr ein fühlender Mensch, der jenseits dessen reagiert, was für den einzelnen Leser wichtig sein könnte.

Ich glaube, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Abschaffung eines Redakteurs, der unter einem wirtschaftlichen Zwang steht, der angewiesen wird von Chefredakteuren, Verlagsgeschäftsführern und wirtschaftlichen Erwägungen ist ein Einschnitt, gut ist, weil er uns darauf aufmerksam macht, dass wir auch bei den Nachrichten für uns selbst verantwortlich sind. Die Trennung des Vertrauensmechanismus hat schon längst statt gefunden. Das persönliche Empfehlungssystem ist an die Stelle des anonymen Redaktionssystems getreten. Das ist neu und bedarf einer neuen Medienkompentenz.

Wir betrachten Informationen persönlicher. Wer bringt sie uns? Welche Reputation hat der Übermittler in unserem inneren Wertesystem? Genauso, wie wir uns vom Empfehlungssystem der Eltern losgelöst haben, definieren wir auch die mehr oder weniger anonymen Quellen, die uns Nachrichten übermitteln. Robot-Systeme wie Google News machen keine Nachrichten, sie übermitteln sie nur. Dahinter stehen immer noch von Menschen gemachten Texte, die wir in unsere Systeme einnorden müssen. Ein System, das, wie oben beschrieben, komplex ist, weil es spontanen Mutationen unterworfen ist, die kein sich selbst reproduzierender Algorithmus vorhersehen kann. Der Ball liegt in unserem Spielfeld – und die Spielfelder sehen bei jedem Menschen anders aus.

Der Text von Schirrmacher strotzt nur so vor der Angst, eigene Entscheidungen treffen zu müssen. Er basiert auf der Annahme, dass es ein übergeordnetes System gibt, das jenseits der Vorschläge uns sagt, was für uns wichtig sein könnte. Er spricht von einem Informations-Overload, der nur noch durch Maschinen kontrolliert werden kann und uns komplett überfordern würde. Aber das haben wir schon seit mehr als 100 Jahren. Das Wissen der (westlichen) Welt passte Mitte des 19. Jahrhunderts noch zwischen zwei Buchdeckel. Seit vielen Generationen ist es nicht mehr möglich, dass ein Mensch alles weiß. Und genauso wenig, wie wir den Inhalt einer Bibliothek auswendig lernen und verstehen können, ist es möglich, das Wissen des Internets zu erfassen. Das ist aber auch gar nicht der Sinn.

Die Algorithmen, vor denen Schirrmacher so Angst hat, erleichtern uns nichts. Sie ändern auch nicht unsere Interessen, verborgenen Sehnsüchte oder Ängste. Am Ende sind sie nur Karteikarten, die Systeme ordnen. Wenn ich in einer Bibliothek nur die abgegriffenen Karten aus dem Interessengebiet wähle, welches mich interessiert, dann bekomme ich auch nur das, was die Masse für interessant hält.

Die Abneigung von Schirrmacher und anderern gegenüber fremdbestimmten Systemen ist ja nicht gänzlich falsch. Aber sie erscheint mir zu totalitär. Sie basiert auf der Idee, dass Technik wenig Gutes bringen kann, weil sie nicht in das bisher gelebte System passt. Und diese Ansicht an sich ist dann wieder totalitär, weil sie das Gute im Neuen komplett negiert. Eine Art Zukunftspanik, die davon getrieben ist, dass man die gewohnte Kontrolle über das eigene Wertesystem verliert. Statt sich das Neue anzusehen und zu prüfen, ob es einen Mehrwert bringt, ob es die Fehler im bisherigen System nicht offen legt, wird mit Angst behaftet und negiert. „Ausbeutung des menschlichen Systems“ heißt das in der Schirrmacher-Sprache.

Das ist nicht verachtenswert, weil es eine Warnung an jeden ist, dass man Systeme hinterfragen sollte. Sowohl die Technischen, als auch jene, die uns bisher mit Informationen versorgt haben. Dahinter steckt die Frage nach der Wahrheit, welche Form der Nachrichtenübermittlung uns wirklich „wahre“ Nachrichten übermittelt. Die Frage wird man nicht beantworten können, wenn man ausschließlich davon ausgeht, dass neue Ordnungs-Algorithmen schlechter sind, als die Alten. Man muss sich bewusst auf sie einlassen, sie ausprobieren und dabei immer wieder in Frage stellen. Sie zu verdammen, eine von Maschinen hervor gerufene Apokalypse zu beschwören, hilft da nicht weiter.

Kulinarische Peinlichkeiten & Dinge die ich hasse

Die Kaltmamsell hat mich auf die Idee gebracht und das Jahresende eignet sich ja sowieso für Listen. Beim Einkauf bin ich meist kritisch, lese Zutatenlisten und vermeide Dosen. Ich koche so frisch wie möglich. Aber selbstverständlich habe ich auch ein paar dunkle Ecken:

1. Tiefgekühlter Fisch
Ich lebe in einer Ecke, in der ich mit einem Fingerschnipp exotisches Zeugs, 30 Jahre alten Whiskey und so Sachen bekomme. Aber keinen frischen Fisch. Es gibt nur Samstags auf dem Markt frischen Fisch, wo ich dann meist auch zuschlage. Aber wenn es mich in der Woche nach Thunfisch dürstet, dann bleiben nur die toten Teile aus dem Tiefkühler.

2. Dosenthunfisch
Wo ich schon dabei bin. Eine meiner Standard-Pastasossen geht so: Dosenthunfisch kurz anbraten, klein gehackte Zwiebeln drauf, Kapern mit ein wenig Kapernwasser rein, kurz ziehen lassen, mit einem Schuss Rotwein ablöschen, einkochen lassen, klein geschnibbelte Tomaten druff, einkochen lassen bis es eindickt, Salz, Pfeffer, wer Lust hat Aceto Balsamico, Feierabend. Dauert ne halbe Stunde. Und so habe ich auch jetzt schön vom Dosenthunfisch abgelenkt.

3. Miraculi
Peinlich. Sehr peinlich. Aber manchmal überfällt mich es einfach. Kindheitserinnerungen. Ebenso wie…

4. Fischstäbchen.
Total toter Fisch aus Aquakulturen, wo der Fisch mit Fischabfällen gefüttert wird, in total toter Panade aus Sägespänen. Einmal im Jahr muss das sein.

5. Fertige Fonds/Brühen
Ich hasse, hasse, hasse diese gekörnte Trockenbrühe aus dem Glas. Allerdings – da braucht man halt mal 150ml Rinderfond? Soll ich deswegen in einem Ein-Personen-Haushalt ein halbes Tier kaufen und stundenlang einkochen um dann Literweise Fond haben? Nein. Also kaufe ich Bio-Fond/Brühe. Nur Gemüsebrühe mache ich selber.

6. Pizzadienst
Kommt selten vor, aber vor allem dann, wenn ich Stress hab und zu nix komme. Danach habe ich immer das Gefühl, dass 27 Kilo Analogkäse mit meiner Darmperistaltik kämpfen und letzteres verliert.

7. Burger King
Auch selten, weil ich um die Ecke gleich drei Läden habe, die selber Burger machen, die allesamt sehr gut sind. Aber machmal muss es sein.

8. Fertig Pizzateig
Reine Faulheit. Obwohl selber machen jetzt auch nicht das Drama ist.

9. Scheibenkäse/Aufschnitt
Beides gleichermaßen tot, aber praktisch. Wobei ich bei manchen Supermärkten eh das Gefühl habe, dass man bei der verpackten Ware sowieso besser dran ist. Das, was da in der Theke trübe die Ränder nach oben rollt, grenzt ja schon an Menschenverachtung. Lustig auch immer die Diskussionen dort. Ich mag zum Beispiel Serrano Schinken eher dicker geschnitten und diese papierdünnen Dinger, durch die man durchsehen kann. Diskussion geht dann immer so:

Ich: Ich hätte gerne 5 Scheiben Serrano, aber dicker geschnitten
Thekenfachkraft: Wir haben hier aufgeschnittenen…
Ich: Hab ich gesehen, aber ich möchte ihn gerne so 2 Millimeter dick
TF: Sie können doch auch zwei Scheiben….
Ich: Nein, ich möchte ihn halt so wie gesagt.
TF: Ach, da muss ich mal sehen, ob wir noch welchen zum Aufschneiden haben (genervtes Gesicht, ab in den Kühlraum)

Geht auch gerne mit Frischfleisch. Da liegt ja gerne in Supermärkten so leicht bräunliches ins blau gehende Fleisch. Das will ich nicht, schon gar nicht bei Rinderfilet.

Ich: Ich hätte gerne blabla Gramm Rinderfilet, aber frisches bitte
TF: (greift zum braunen Zeug)
Ich: Nein, nein. Nicht das, frisch. Geht auch am Stück, schneide ich eh selber zu.
TF: (verharrt) Sie wollen das nicht?
Ich: Nein, schneiden sie mit bitte ein frisches Stück ab
TF: Aber das ist doch in Ordnung.
Ich: Nein, das hat braune Stellen. Schneiden sie doch bitte einfach ein frisches Stück Filet ab.
TF: Aber das ist doch gut. Das ist nicht schlimm, dass es braun ist.
Ich: (leicht genervt) Ich möchte das nicht. Entweder frisch, oder gar nicht.
TF: Aber das muss doch auch verkauft werden…
Ich: Mag sein, aber nicht an mich
TF: (Genervt Gesicht, ab in den Kühlraum)

10. Kroketten aus der Tüte
Kiloweise. In alle erdenkbaren Sossen tunken. Essen. Nicht mehr bewegen können. Glücklich sein. Bei Depressionen.

Es gibt aber auch Sachen, die ich nie, nie, nie esse oder trinke.

1. Salatdressing aus der Flasche
Was ist so schwer daran, Olivenöl und Essig über den Salat zu schütten?

2. Fruchtjoghurt aus dem Regal
Was ist so schwer daran in normalen Joghurt einfach ein Obst reinzuwerfen?

3. Mikrowellenzeug
Ich hab eh keine Mikrowelle. Will auch keine. Hat der Teufel erfunden.

4. Dosenessen
Wobei ich einschränke, dass ich für Notfälle (Krankheit, eingeschneit, Revolution) immer zwei, drei Dosensuppen im Schrank lagere. Ansonsten mache ich einen sehr, sehr weiten Bogen um das Zeug.

5. Alles, wo E621 (Mononatriumglutamat, Hefeextrakt) drin ist
Das ist nicht immer ganz so einfach, vor allem bei Kleinkramzutaten, die man halt mal kauft. Ich studiere aber tatsächlich immer wieder die Zutatangaben um zu sehen, was mich da erwartet. Wer mit Geschmacksverstärkern arbeitet, kommt nicht in meine Küche.

6. Tote Säfte
Ich trinke morgens immer ein großes Glas frisch gepressten Saft. Eine Zeitlang habe ich das Obst und Gemüse selber entsaftet, aber die Reinigung des Geräts nervt dann doch. Also nehme ich den 100% Direktsaft aus der Kühltruhe. Ein Kompromiss, aber was solls. Alles andere kommt mir nicht ins Haus, ist eh nur Zuckerwasser

7. Energydrinks
Nie verstanden, nie gebraucht. Ich trinke keinen Kaffee, wenn ich mal müde bin, reicht mir eine Cola.

8. Fertigtütenmischungen
Siehe Dosen und Geschmacksverstärker. Ich schmecke das Zeug in jedem Essen raus und finde es widerlich.

9. Kaffee

Siehe Energydrinks. Ich mag keinen Kaffee, auch keinen entkoffeinierten. Ich hab auch nie welchen im Haus.

10. Mixgetränke
Egal ob Bier mit sonst was, oder klebrige Likörsachen. Ich trinke meine Sachen pur.

Ich kann es nicht mehr hören

Neulich nuschelte mir jemand, den ich nicht kannte, auf einer Veranstaltung, auf der ich nicht sein wollte, ins Ohr: „Dieses Blogger gegen Journalisten Ding, das macht ihr doch nur, weil euch sonst keiner liest.“ Mit „ihr“ waren wohl „die Blogger“ gemeint, nehme ich an. Ich habe nicht geantwortet, sondern, weil ich böswillig war, gesagt „Geh zum Buffet, solange noch was für dich da ist.“

Ich kann dieses Blogger vs. Journalisten Getue nicht mehr tragen. Die Diskussion war 2007 mal interessant, 2008 war sie schon etwas zäh, 2009 war schon so, als ob man ein totes Pferd schlägt und 2010 wird sie hoffentlich ebenso beendet sein, wie die Diskussion, dass eine zu schnelle Fahrt mit einem Zug das Hirn schädigt.

Und hier dann für alle noch mal ein paar Argumente zusammengefasst:

1. Blogger kämpfen gegen Journalisten

Es hat nie einen solchen Kampf gegeben. Weil es immer nur eine Auseinandersetzung zwischen Journalisten und Journalisten war. Ein Blick in die Top 20 der meist verlinkten und zitierten Blogs zeigt, dass sehr viele von Menschen geschrieben werden, die entweder selber schon immer Journalisten waren, oder die aus dem Umfeld des Mediums kommen. Es war (und ist es noch in dem Punkt) nur eine Auseinandersetzung der unterschiedlichen Vertriebskanäle. Also „Print“ vs. „Internet“.

2. Blogger wollen den Journalismus abfackeln und sterben sehen
Siehe oben. Eigentlich. Uneigentlich hat die Mumifizierung des Journalismus durch die Massenentlassungen der Verlage den Schaden erst hervor gehoben. Bloggende Journalisten haben nur die monströs große Lücke, die der monothematische Verlagsjournalismus hinterlassen hat, versucht aufzufüllen, versucht, die zuckenden Reste des sich selbst mal sehr wichtig nehmenden deutschen Journalismus neu zu beleben. Impulse zu setzen. Genau wie die vielen kleinen Magazine, die im Selbstverlag erscheinen und die von Menschen gemacht werden, die an Print glauben, und die es leid sind, den Alltagsfraß der Verlage kauen zu müssen.

3. Ohne die Arbeit der Verlage würdet ihr doch nur über euch selber schreiben.

Stimmt! Davon abgesehen machen das Blogger sowieso viel lieber. Es hat auch nie einer behauptet, dass Blogger die Agenturen, Verlage und großen Onlineportale ersetzen können. Oder gar das Geschäftsmodell zerstören wollen. Bisher wollte das auch keiner. Und musste es auch nicht, zumal die Verlage weiter fröhlich daran arbeiten, sich selbst zu zersetzen. Das ist im Übrigen nichts, was man gerne sieht, denn im Grunde ist es viel zu anstrengend, einen Ersatz aufzutreiben. Man twittert und trinkt ja lieber. Zudem: Die deutsche Blogsphäre ist viel zu dünn besetzt, als dass sie auch nur ansatzweise etwas ähnliches wie die „Huffington Post“ auf die Beine bekommt. Man bräuchte so zwei bis acht bloggende Prantls, dazu noch ca. vier Michael Sprengs als Whistle Blower und noch ein paar weitere gute Journalisten, die in ihren Redaktionen hocken und den Frust mit Rotwein runter spülen. Dann bräuchte man noch jemanden, der eine Millionen Euro in den Ring wirft und sagt: „Mich kotzt der deutsche Journalismus an, macht es mal besser.“
Aber warum sollen Blogger eine Arbeit machen, die Verlage dank ihrer finanziellen und juristischen Ausrüstung viel, viel besser können? Mittlerweile versuchen es ein paar mutige Blogger, aber ein Ersatz für einen unabhängigen, von einem starken und mutigen Verlag finanzierten Journalismus, dessen Chefredakteure nicht samt Verlagsgeschäftsführer mit Lobbys und/oder Politkern schmusen, ist das nicht. Aber, ich wiederhole mich da gerne – das sollte es eigentlich auch nicht sein.

4. Weil Ihr alles umsonst macht, geht der Qualitätsjournalismus vor die Hunde.
Man muss sich schon entscheiden. Entweder schreiben Blogger nur unidentifizierbaren Sondermüll, der den Nestor-gleichen deutschen Journalismus beschmutzt und im Leben nicht an dessen Qualität heran reicht. Dann müsste der „Qualitätsjournalismus“ ja nichts zu befürchten haben und könnte die Konkurrenz aus dem Netz so ernst nehmen wie eine Schülerzeitung. Oder die Sachen aus dem Netz sind nicht nur umsonst sondern auch qualitativ besser als das, was aus den Verlagsredaktionen quillt. Dann würde das aber mit dem Wort „Qualität“ irgendwie nicht so richtig hinhauen, oder? Ich warte da noch auf eine Antwort.

5. Ihr haltet euch nicht an die journalistischen Standards!
Welche sind da gemeint? Die von diversen Yellow Press Blättern? Jene, die vom Bildblog gerne mal beschrieben werden? Wir können uns gerne mal in einer Bahnhofsbuchhandlung treffen und die journalistischen Standards suchen. Aber hey – jeder hat seine schwarzen Schafe, auch die Blogszene, keine Frage. Das aber kein Grund, alles über einen Kamm zu scheren. Würde ich jemanden, der nur hochwertige Online-Magazine liest und noch nie eine Zeitung in der Hand hatte, das ein oder andere Print-Erzeugnis in die Hand drücken, wäre er vermutlich entsetzt. Will sagen: Alle Kreter lügen.

Den Kampf „der“ Blogger gegen „die“ Journalisten hat es nie gegeben. Es war und ist eine Auseinandersetzung über die Wahl des Publikations- und Distributionskanals („….aber die Haptik!“). Und ein Versuch der Verlage, von denen eigenen Schwierigkeiten beim Shift des Geschäftsmodelles abzulenken. Die Verlage haben sich schon von eBay das Kleinanzeigengeschäft klauen lassen und von immoscout24 den Wohnungsmarkt. Und zwar wehrlos, weil man nicht in der Lage war, ein eigenes System auf die Beine stellen. Weil man vermutlich dachte, dass sich das Internet eh nicht durchsetzen würde. Und jetzt hat man Probleme, die exorbitant überteuerten Werbepreise ins Netz rüber zu retten. Ich sehe das ehrlich mit Sorge, denn ich weiß, dass die zerfaserte deutsche Blogszene den deutschen Journalismus alleine auch nicht wird retten können. Aber, zum x-ten Mal: das wollte sie nie, das war nie ihre Aufgabe.

Und darum geht es ja am Ende. Um guten, packenden, spannenden, ehrlichen, unabhängigen Journalismus. Egal, auf welcher Seite man steht.