Month: Juli 2009

Die Sache mit der Aufmerksamkeit

Vor drei Stunden einen Text angefangen. Überschrift geschrieben. Dann poppte was bei Twitter auf, was genau habe ich vergessen. Was ich dann gemacht und mir angesehen habe, auch.

Eine halbe Stunde später wieder bei dem Text gelandet. Gedacht, ich habe einen Teil der Überschrift noch in der Zwischenablage. Als ich „Einfügen“ aufrief kam ein völlig anderer Begriff, den ich vergessen hatte, aber zehn Minuten zu vor unbedingt googlen wollte. Also ins Suchfeld. Vier Seiten mit dem Begriff gefunden, aufgemacht.

Eine Stunde später und ca. 15 Tabs später vergessen, dass ich einen Text schreiben wollte. Erst mal geschaut, was es neues in den Feeds und bei Sponline gibt. Nachricht per Twitter fürs Racingblog bzgl. einer neuen Stream-Seite bekommen. Angeschaut. Angemeldet. Auf Bestätigungsmail gewartet. Dabei zwei andere Mail gesehen und beantwortet. Bestätigungsmail bekommen. Account aktiviert. Gesurft.

Eine halbe Stunde später auf Links zu Streams gestoßen. Aufgerufen. Geht nicht. Mich gewundert. Quelltext ausgelesen, um zu sehen, ob es einen Verweis zu Quelle gibt. vettle.com gefunden. Seite aufgerufen. Erst mal Software runtergeladen. Katze stellt sich vor den Monitor und will irgendwas. Was genau hat sie offenbar vergessen, denn sie will nicht gestreichelt werden. Schiebe Katze auf ihren Schlafplatz.

Fertigen Download gesucht. Festgestellt, dass mein Downloadordner voll gestopft ist. Erst einmal geschaut, was da alles rum fliegt. Drei Programme installiert, zwei weitere gelöscht. Dabei fiel mir ein, dass ich aus dem Autostarteinträgen seit Wochen was löschen wollte. Autostartordner gesucht, gefunden, Einträge gelöscht. Katze legt sich so hin, dass ich die Maus nicht mehr nutzen kann. Katze weg geschoben. Katze beleidigt. Mail bekommen. Spam. Getwittert, dass ich heute keine Arbeitsmoral habe.

Veetle installiert. Webseite wieder mit Chrome aufgerufen, aber die Meldung bekommen, dass Veetle nicht mit Chrome geht. Mit spitzen Fingern IE8 aufgemacht. Veetle aufgerufen und mich gefreut, dass es einen CNN USA Stream gibt. Angemacht. Fünf Minuten geschaut. Gefreut. Was zu trinken geholt.

Dann fiel mir ein, dass ich vor drei Stunden einen Text angefangen hatte und das man so ja auch nicht arbeiten kann. Überlegt, was ich in der Zwischenzeit gemacht habe. Beschlossen es aufzuschreiben, woraus dann dieser Text geworden ist.

Der andere Text ist immer noch nicht fertig. Aber die Headline steht ja schon mal. Was macht eigentlich die Katze?

links for 2009-07-28

Huch, der sollte gar nicht erscheinen. Na, wenn er schon mal da ist: Geht nicht nur um ein Update auf 2.6, sondern generell darum, dass man sich die Umlaute gerne bei einem WP-Update zerschiesst. So ging es mir gestern drüben beim Racingblog, als ich von 2.7.irgendwas auf 2.8.2 upgedatet habe. Die Umlaute hat es dann mal wieder beim Datenbankupdate zerrissen. Toll, dachte ich und hatte im Kopf, dass es eine simple Lösung gibt. Die liegt in der wp-config.php verborgen.

Denn dort findet sich eine Abschnitt, der so aussieht:

define('DB_CHARSET', 'utf8');
define('DB_COLLATE', '');

oder auch

define('DB_CHARSET', 'utf8');
define('DB_COLLATE', 'utf8');

Wenn man den einfach rauswirft oder so sperrt…

/*define('DB_CHARSET', 'utf8');
define('DB_COLLATE', '');*/

…tauchen die Umlaute wieder auf. Ohne dass man in der Datenbank rumfummeln muss, was ich gestern um ein Haar getan habe und nur deswegen gelassen habe, weil ich zu müde war.

Verlink mich nicht

Ich habe nach diesem Satz schon aufgehört zu lesen:

Google hat sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf der systematischen Auflistung und Verlinkung zu Beiträgen Dritter aufgebaut, für die das Unternehmen keinen Cent bezahlt.

Ich verstehe die Jammerei der Verlage und deren unsäglichen Lobbyverein, dem DJV, nicht mal im Ansatz. Ich weigere mich auch, auf die Logik einzulassen. Wenn Verlage ihre Inhalte vermarkten wollen – bitte. Sollen sie doch zum Beispiel Google aussperren und bei Microsoft/Bing anfragen, was die zahlen würden, wenn man denen die Auszüge der Inhalte exklusiv zur Verfügung stellen würde. Ist ganz einfach. Noch toller wäre es, wenn die Urheber, also die Journalisten, dann auch davon durch höhere Löhne und Pauschalen profitieren würden. Aber davon sollte man natürlich nicht ausgehen. Das wäre ja mal was Neues, und neue Dinge, das haben wir ja gelernt, sind nicht überall gerne gesehen. Schon gar nicht in der Verlagsbranche.

Schlechte Erziehung

Man kann schimpfen, Sachen intelligent aufs Korn nehmen, sich echauffieren, den Kopf schütteln. Man kann nicht einverstanden sein und man kann dies deutlich sagen. Man kann nachhaken, recherchieren, sich wundern und sich sogar richtig aufregen. Zum Beispiel über Vodafone.

Aber ich bin ehrlich gesagt erschüttert, auf welche teilweise minderwertige und niveaulose Art und Weise in Blogs und vor allem auf Twitter über Schnutinger hergezogen wird. Wenn man mit der Aktion, bzw. dem Text (über den man nicht reden muss) nicht einverstanden ist, kann man das sagen. Oder man kann es einfach ignorieren. So wie man täglich ca. 250 Werbebotschaften auf RTL und sonst wo ignoriert, die einen ähnlichen Charakter haben. (Sich „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germanys next topmodel“ anzuschauen, darüber auf Twitter fröhlich parlieren, aber über Schnutinger herzufallen, verstehe ich auch nicht so ganz, aber das nur nebenbei)

Das Ausmass an schlechten Stil und noch schlechterer Erziehung, welcher mir die letzten 2 Tage auf Twitter begegnet ist, hat mich den Kanal erst einmal als Lesender abschalten lassen. Ich habe nicht eine lustige oder intelligent geschriebene Replik gelesen, und schon gar nichts, was sich rein inhaltlich mit der Sache auseinandersetzt. Was ich gesehen und gelesen habe sind Beschimpfungen, Häme, Verletzungen und schlicht und ergreifend einen ganzen Haufen sehr schlecht erzogener Menschen, die das Netz für die Weiterentwicklung ihrer Schulhofmanieren missbrauchen.

Es geht hier immerhin nur um einen Text. Einen am Ende vielleicht missratenen Text, aber mehr nicht. Vielleicht meint Schnutinger das auch genau so, wie sie es schreibt, ich weiß es nicht. Ich kenne sie nicht, wie vermutlich 99% aller Menschen, die gerade über sie schreiben, Es ist mir auch egal. Ich kann diesen Text ganz hervorragend schnell vergessen, denn er interessiert mich nicht. Es gibt gerade ein paar tausend andere Dinge in der Welt und in Deutschland, als dass ich mich darüber aufregen könnte, ob eine freiberufliche Mutter eines kleinen Kindes für einen Text Geld bekommen hat, oder nicht. Wenn sie das so möchte, dann soll sie das so tun. Ich hoffe sogar, dass sie viel Geld dafür bekommt. Jeder der das nicht so machen würde, kann ja zum Beispiel sagen „Also, ich würde das nicht so machen“ und dann Schnutinger aus dem RSS-Feed werfen und entfollowen wo man nur kann. Das sollte reichen. Und nein, nur weil man sein Gesicht in die Öffentlichkeit hält, bedeutet das nicht, dass man dafür beschimpft und durch den Dreck gezogen werden kann.

Es ist der Stil, der eine Kritik auszeichnet. Und im Moment zeigt die Blog- und Twitterszene sehr wenig davon.

Freiheit statt Angst

Freiheit statt Angst – der Trailer from Alexander Svensson on Vimeo.

Neulich drüber nachgedacht, wem ich eigentlich mehr misstraue, wenn es um meine Daten geht: dem Staat oder Google. Keine Antwort gefunden. Schlimm genug.

links for 2009-07-09

  • Vor allem an den Stellen, wo die verantwortungsvollen Banker das drohende Ende des deutschen Bankwesens verkünden, falls der Staat der HRE nicht zur Seite stünde, wo markige Sätze wie “Tod der deutschen Banken” oder “am Montagmorgen steht keine Bank mehr” fallen, da stellt – zumindest laut Protokoll – keiner der Herren die naheliegende Frage: “Warum?”
  • Ohne jetzt allzu philosophisch zu werden, muss man meines Erachtens heute konstatieren, dass es zur Zeit erneut zu einem Strukturwandel der Öffentlichkeit kommt. Die Vernetzung der Menschen untereinander durch das Social Web löst die Einflusssphäre der Massenmedien zusehends auf und öffentliches Vertrauen entsteht nicht mehr nur durch die Komplexität reduzierende konstruierte Wirklichkeit der Medien, sondern immer mehr im direkten Zusammenspiel der Menschen untereinander – vermittelt nur durch technische Plattformen
  • Eine Liste von, nunja, Suchmaschinen. Deutschsprachige, allerdings.
  • Menschen, die damit protzen, George Orwells „1984“ gelesen zu haben, Menschen, die nicht müde werden, ihre Skepsis gegenüber den Medien zur Schau zu tragen und die Ursula von der Leyen als oberflächliche, als naive Ignorantin bemaulen – genau diese Menschen glauben angesichts des Todes von Michael Jackson, was die Medien ihnen vorsetzen, die Medien, die sich zumindest und zuerst der Quote verpflichtet sehen. Und die gedeiht immer gut angesichts von Bigotterie.
  • Ein legitimer Nachfolger von Bob Ross

Schinken-Imitat & Holocaust

– Diese Piratenpartei/Holocaust-Diskussion am Rande mitverfolgt. Die ja eigentlich auch die Diskussion ist, was man alles sagen darf, und was nicht. Also hier, in Deutschland. In den USA darf man ja fast alles sagen, auch völlig abwegige und irrsinnige Dinge. Ob das schön ist? Sicher nicht immer, aber erstaunlicherweise ist der Umgang der Amis mit Irren, die irgendwie rumspinnen, erstaunlich lässig. Man ignoriert sie halt, sieht zu, dass man sie nicht aus Versehen in ein politisches Amt wählt oder schickt sie zu Fox News.

Ich ecke ja mit meiner Theorie, dass man auch hier in Deutschland die Freiheiten etwas erweitern sollte, ebenso gerne mal an wie plomlompom, der sich auch mit der Frage beschäftigt, was man sagen, reden und meinen darf und was nicht. Haben Nazis und andere Irre die gleichen Freiheiten wie Greenpeace oder attac! Aktivisten? Oder ist es mit der Rede- und Meinungsfreiheit so, wie mit einer Schwangerschaft, die man auch nicht nur teilweise haben kann?

Meine Meinung zu dem Themenkomplex ist eher schwammig, den ich sehe wohl die Probleme mit einer, von fast allen Regeln befreiten, Rede/Meinungsfreiheit, wie auch das Argument, dass man, sollte man in einem Bereich damit beginnen, die Freiheiten einzuschränken, es genauso ein Dammbruch darstellt, wie die Einführung der Netzsperren.

Erste Erkenntnis aus den letzten Tagen: Hitler-Vergleiche sind ein „No“, Goebbels-Vergleiche kann man hingegen machen.

– Worüber man sich ja auch mal Gedanken machen sollte: Die Entwicklung der Lüge in unserer Gesellschaft. Politker, Sportler, Zeitungen, Lebensmittelhersteller, Gastronomen, AKW-Betreiber. Alle scheinen in einem gewissen Umfang zu lügen. Zwar nicht in einem direktem Sinne, aber doch so durch die Blume, wie Michael Spreng die Tage hübsch festgestellt hat. In dem man nicht die Wahrheit sagt, sondern blumige Umschreibungen findet, sorgt man aber dafür, dass die Menschen (Wähler, Konsumenten) langsam das Vertrauen verlieren. Früher waren es ja nur die Politiker, die einen angelogen haben, heute macht es selbst der Bäcker um die Ecke, der von „ofenfrischen Brot“ spricht, am Ende aber nur Backtreiblinge für drei Minuten in ein Umluftdings gesteckt hat. Brot ist das nicht.

Ich finde ja, dass Analogkäse und Schinken-Imitat die beiden besten Beispiele für diese neue Form der Lüge sind. Gleich gefolgt von „Deutschland sucht den Superstar“. Gespannt bin ich, wann diese Form der Lüge explodiert, das Misstrauen also so groß geworden ist, dass etwas passiert. Wer dauernd belogen wird, zieht irgendwann die Konsequenzen.

– Die Sache mit dem Geld ist ja so ein zwiespältiges Ding, aber seit dem der Kapitalismus sich mangels Konkurrenz nicht mehr hübsch machen muss, ist die Sache noch unschöner geworden. Vor allem, seit dem der Privatisierungs-Wahn um sich gegriffen hat. Ein wunderschönes Beispiel liefert gerade die Berliner S-Bahn ab, wie man im Tagesspiegel lesen kann. Da wurde also jahrelang so lange gespart, bis man zu dem Schluss gekommen ist: „Die S-Bahn war nicht mehr sicher und hat ihre Fahrgäste wissentlich in Gefahr gebracht“. Da fragt man sich schon: muss das sein? Und welche Rolle spielt der Staat eigentlich noch? Einerseits entzieht er sich der wirtschaftlichen Regulierung, stellt das Wohlergehen einer Firma über die der Bürger und gleichzeitig gängelt die Politik die Bürger auf anderen Ebenen durch eine nicht nachvollziehbare Sicherheits-, Steuer- und Rechtspolitik.

Ich bin ja eigentlich auch eher so ein bürgerlicher Sozial-Liberaler. Ich denke, der Staat soll sich aus meinem Leben weitesgehend raushalten. Ich zahle meine Steuern, halte mich an die Gesetze und ansonsten hätte ich gerne, dass der Staat sich um seine staatliche Dinge kümmert und schaut, das da alles vernünftig läuft. Ich habe aber seit einigen Jahren das Gefühl, dass es genau andersrum läuft. Der Staat interessiert sich zunehmen für das, was ich so mache, während er in anderen Bereichen überhaupt nicht mehr präsent ist.

– Wo ich gerade dabei bin: Hallo Unterhaltungsindustrie! Es heißt „Unterhaltungsindustrie“, nicht „Wir verklagen unsere Kunden, gängeln sie, bis sie bluten und wenn das nicht reicht, schaffen wir unsinnige Gesetze, mit denen man das halbe Netz lahm legen kann“- Industrie. Merk Dir das. Denn lustigerweise brauche ich Dich gar nicht, Du mich aber schon.