Month: April 2009

Die FAZ weiß auch nicht was sie will

Das die FAZ jetzt nicht zu den bedingungslosen Unterstützern des Netz gehört, ist kein Geheimnis. Aber offenbar ist die Verwirrung im Hause doch größer, als man annimmt.

Als der Buchdruck erfunden wurde, gab es keine Honorare für Autoren und keinen Schutz für die Verleger. Die Ideen der Aufklärung setzten sich dank vieler Raubdrucke durch. […] Die Förderung und die Erhaltung der Kultur sind so wichtig wie der Natur- und Umweltschutz. Der skrupellose Raubbau durch die Internet-Piraterie verhindert langfristig, dass sie sich selbst ernähren und erneuern kann.

Der erste Satz bringt die Situation lustigerweise aber auf den Punkt. Die CC Open Source und Fair-Use Kultur ist neu und ein recht radikaler Wandel in einem, seit 200 Jahren, erstarrten Urheberrechtssystem, das seit den 50er Jahren einer Rechtsverwertung gewichen ist, in der der Künstler an sich nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Es ist eher wie mit jenen Firmen, die brachliegende Patente aufkaufen und dann aggressiv mittels Abmahnungen, einstweiligen Verfügungen und anderen Rechtsmitteln zu Geld machen.

Was mich auch nervt: die Verlage (wie das bei der FAZ ist, weiß ich nicht), die gerade wg. Copyright rumjammern, sollten dann vielleicht auch mal aufhören, ihren freien Autoren Verträge aufs Auge zu drücken, die eine Verwendung der Texte innerhalb des gesamten Verlages ermöglichen. Es ist irgendwie unschön, wenn man einerseits das Zitatrecht usw. überdenken möchte, andererseits für einen Text aber nur einmal zahlt und ihn dann jahrezehntelang durch sämtliche Verlagspublikationen schleifen kann.

Swell

cover bmw frontDavid Freel, Gründer meiner Lieblingsband „Swell“ hat gerade ein neues Album raus gebracht. Diesmal solo und unter dem Namen Be my weapon. Klingt eigentlich ein wenig wie das immer noch wunderschöne „41“ Album, bzw. das letzte Swell Album namens „South of the rain and snow“. Und weil Freel und seine Band zu jenen bedauernswerten Musikern gehört, die immer SO kurz davor waren, richtig berühmt zu werden, aber die Industrie, Ruhm und Reichtum sich für andere entscheiden haben, weise ich natürlich gerne darauf hin, dass man das neue Album für schlappe 10 Dollar auf der Webseite von Swell runterladen kann. (Runterscrollen). Kauft! Viel!

Warum es um Zensur geht

Sehr guter Artikel von Jens Scholz, der seinen Artikel zur Weiterverbreitung frei gegeben hat. Das kann jeder machen, so lange man Jens als Autor nennt.

Von Jens Scholz

Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz „erwischt“ wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder – wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist – ab.

Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.

Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie „versehentlich“ die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.

Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:

1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.

2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch „mittelbare“ Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie

Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.

Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).

Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest – sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel „Kampf der Kulturen“ drüben bei netzpolitik.org durchlesen.

Wirtschaft vs. Zensur

[Es folgt eine lose Gedankensammlung, ohne großartige Zahlen, der Eintrag ist also eher als offene Diskussion zu verstehen]

War ja klar, dass ausgerechnet Dieter Gorny in die Kerbe haut, wie man bei Nerdcore lesen kann:

Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: „Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums.“ Das ist die mühsam verklausulierte Forderung, unliebsame P2P-Linkseiten auf die Sperrliste zu hieven.

Logisch, dass die Urheberrechte-Industrie gerne eine Filterliste für ihre Zwecke haben möchte. Ist doch praktisch, wenn man plötzlich p2p-Netzwerke oder auch mal You Tube mittels einer Filterung unter Druck setzen kann. Aber kann sich so etwas die deutsche Wirtschaft auf Dauer erlauben?

Denn immerhin handelt es sich beim Internet auch noch um eine Investitionslandschaft. Da die Exportabhängige deutsche Wirtschaft gerade massiv schwächelt und das Modell einer reinen auf Außenhandel spezialisierten Wirtschaft nicht immer funktioniert, wird das Netz in den nächsten Jahren zu einem wirklich sehr großem Wirtschaftszweig. p2p, Open Source und Seiten wie You Tube (oder vergleichbare Seiten aus Deutschland wie sevenload) zu gängeln, könnte aber kontraproduktiv sein.

Nun hat China auch keine wirtschaftlichen Probleme, obwohl man massiv das Netz filtert. Aber China ist ein Markt, der mehr als 1.2 Milliarden potenieller Kunden umfasst. In Deutschland gibt es gerade mal 80 Millionen.

Im Moment ist der im Netz generierte Umsatz verglichen mit den Einnahmen aus den klassischen Wirtschaftsbereichen noch nicht so wichtig, aber das wird sich ändern und die Frage wird sein, wie weit man sich eine gesetzliche Filterung in Deutschland noch leisten kann und will.

zensurDie Pornobranche ist vielleicht ein merkwürdiges, aber in dem Zusammenhang kein schlechtes Beispiel. Während in Deutschland eines der strengsten Jugendschutzgesetze der Welt hat, das den Zugang zu deutschsprachigen Seiten massiv erschwert und vor allem verteuert, haben es andere Länder leichter. Die Umsätze werden in den USA gemacht, obwohl man sich ja zumindest durchaus vorstellen könnte, dass eine deutsche Sex-Industrie durchaus vergleichbare …ähmmm… Qualität abliefern könnte. Nicht zuletzt hat die Branche ja in den 80er und 90er Jahren in Deutschland floriert, als jeder einigermaßen erwachsen aussehende Mensch die jeweiligen Ecken der Videoverleiher besuchen konnte. Hätte man damals eine elektronische Zugangskontrolle an jeder Videothek angebracht, das Geld wäre vermutlich weniger üppig geflossen. Das hat nicht nur was damit zu tun, dass 16jährige Teenager nun mal Pornos konsumieren, sondern viel mehr damit, dass Erwachsene jetzt auch ungern ihren Porno-Konsum mittels PostIdent-Verfahren und ID-USB-Stick kontrolliert sehen wollen. Wie tief der Frust in der Branche gegenüber den laxen Jugendschutzgesetzen in den USA ist, hat man im letzten Jahr gesehen, als einige Hersteller Anbieter wie „You Porn“ aus dem deutschen Netz per Gerichtsbeschluss filtern wollten. Nicht wenige Anbieter aus diesem Segment haben ihre Inhalte mittlerweile ins Ausland verlegt. Arbeitsplätze, Steuern und sonstige Einnahmen fließen also woanders hin.

Nun kann man die Filterung, bzw. den erschwerten Zugang, zu diesen Angeboten ja noch nachvollziehen, es zeigt aber auch, was mit einem Industriezweig passieren kann, wenn man ihn zu sehr gängelt.

Der garantiert freie Zugang zu Webseiten ist also auch deswegen wichtig, weil das Netz eine gigantische Werbe- und PR-Maschine ist. Wenn zum Beispiel Google feststellt, dass der eigene Bewegungsspielraum in Deutschland zu eng wird, könnte die Firma theoretisch ihre Investitionen hier zurückschrauben und sich auf andere Märkte konzentrieren. Sicher, erneut das Beispiel China, wo Google sich sehr wohl den Zensurmaßnahmen anpasst, aber, wie gesagt, China ist zu groß, als dass man auf den Markt verzichten könnte. Deutschland ist das unter Umständen nicht, oder wäre es nur dann, wenn alle Filtermaßnahmen im europäischen Kernland identisch wären.

Die Theorie des Kapitalismus und der Gedanke des „Freien Markt“ umfasst auch die Idee, dass seine Ausbreitung für mehr Demokratie sorgt. Die Forderungen der Politik gegenüber Staaten, die andere Systeme pflegen, lautet ja immer: „Führt freie Wahlen ein, öffnet die Märkte, schützt den freien Handel“. Diese Forderungen gelten auch für neue Wirtschaftssysteme wie die Open Source Kultur. Zu dem sucht die Werbe- und PR-Wirtschaft immer die Lücken, die bisher frei von Werbung waren. Das p2p-Börsen der Musikindustrie schaden ist unbestritten (der Umfang des Schadens aber aber wohl), aber man sieht durch aus auch den Nutzen, die diese Börsen, You Tube, MySpace, Last.fm etc. mit sich bringen. Die Musikindustrie bekämpft mittlerweile ja nicht die p2p-Börsen wegen der illegalen Verbreitung, sondern weil sie mittlerweile die Wichtigkeit des Distributionsweges erkannt hat und diesen für sich monetarisieren will. Letztlich versucht man das alte Logistiksystem nur in einem neuen Kleid zu präsentieren. Das funktioniert aber nicht mehr, weil die Stars und Nachwuchsbands anfangen, sich selbst zu vermarkten, sich also eigene Wege suchen und dafür auch bewusst p2p Börsen nutzen. Wenn Gorny also fordert, dass solche Börsen gefiltert werden sollen, dann kastriert er sein eigenes Vertriebssystem und schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der Treppenwitz wäre, dass der Kapitalismus dafür sorgt, dass Filtersysteme nicht durchsetzbar sind.

Ein Herz für Blogs

ein-herz-fuer-blogs

Schöne Idee vom Stylespion, doch mal seine RSS-Feeds durchzuforsten und seine Lieblingsblogs vorzustellen. Und zwar nicht die üblichen Verdächtigen, sondern die neuen, anderen, schicken Dinger, die es so gibt. Also dann..

Nach acht Jahren Betrachung von (wahrscheinlich tatsächlich) tausenden von Blogs, habe ich festgestellt, dass sich mein Geschmack durchaus verändert hat, aber längst nicht so sehr, wie man das vielleicht vermuten könnte. Ich mag immer noch Blogs, die Geschichten erzählen. Zum Beispiel diese:

Liz Blog – Kleine Perlen zum Lesen an fast jedem Tag. [BTW, Liz: Wir müssen noch den Schnaps von der re:publica nachholen]

Blogroyal – Der sehr formidable Huck Haas. Und das, was sein Laden nebst der lustigen Mitarbeiter so fabriziert ist ebenfalls ganz, ganz hervorragend. Wäre Stilroyal eine Modeberatung, ich würde sie buchen.

Vague – Ich verrate nicht, wer dahinter steckt [Steht doch da, Mensch!]

Reptilienfonds – Auch wenn ich bei „Fonds“ immer an was essbares denke (Sorry, Heiko), ist dieses Blog einfach wundervoll, weil sich der Autor nicht entscheiden kann und man nie weiß, was einen als nächstes erwartet.

Glaserei -Je nun. Ich habe Peter Glaser gelesen, als für die „Tempo“ geschrieben hat, ich werde ihn vermutlich auch noch die nächsten Jahrzehnte lesen, es sei denn er schwenkt auf niederbayrische Heimatliteratur um.

Septemberrave – Wäre ich ein Literaturagent, ich würde sie schon mal prophylaktisch unter Vertrag nehmen.

Fifteen Minutes Later – Eigentlich ja schon ein Klassiker. [Sorry, Ally]

Nach Dienstschluss – Bestes Foodblog evvvvarrr. Ich sage euch, er wird in spätestens einem Jahr einen Vertrag mit einem mutigen Kochbuchverlag haben, dann 3 Fastrilliarden Bücher verkaufen, bei Kerner eingeladen werden, auf Vox eine eigene Kochshow haben. Dann werden seine Bücher ins Englische übersetzt, Jamie Oliver beschliesst nie mehr zu schreiben sondern in einer kleinen Missionsschule in Schwarzafrika zu kochen, die Amerikaner werden ihn uns wegnehmen, mit Geld, Geld, Geld, er kocht dann erst bei SNL, wird vielleicht kurz der neue Sidekick von Conan O‘ Brian, bis er seine eigene Sendung bekommt, die berühmter werden wird als die „Daily News“, und „Colbert Report“. Irgendwann überholt er Aston Kutcher bei Twitter kocht für Obama. Und ich habe es immer gewusst!

Postkarten von Franz – Ähhhmm. Ja. Ich finds manchmal sehr, sehr lustig.

Achtung, es folgt die WTF-Ecke mit nicht immer bürotauglichen Bildern.

If Charlie Parker Was a Gunslinger, There’d Be a Whole Lot of Dead Copycats – Ja, puuh.. was ist das. Irgenwie ein Retro-Promi-Foto-Blog. Oder so. Meist SFW.

La Ultima Inocencia – Eines dieser Tumblr wo man die halbe Zeit „WTF???!!einself!!“ denkt. Nicht immer so ganz jugendfrei und wegen des wirklich nervigen Layouts am besten per RSS zu betrachten.

Überhaupt Tumblr. Da gibt es derartig viel von dem Zeug, dass man kaum hinterher kommt. Hier noch ein paar Beispiele:

Iwantmybearsuit

(un)solved mysteries

Bee’s Galore

Und dann wäre da noch purple-diary.com, ein Blog von Olivier Zahm, das mit Sicherheit NSFW ist.

Systemkämpfe

 

„Information ist die Währung der Demokratie.“ Thomas Jefferson

 

Ich finde ja, das fefe ab und an etwas übertreibt. Manchmal ist er so eine Art „linke“ Bild-Zeitung. immer recht laut, sehr plakativ. Vermutlich ist das aber auch im positiven Sinne richtig, weil sonst keiner zuhört. Eben wirft mein RSS-Feed einen neuen Rant aus, der mich daran erinnert, dass ich seit einer Stunde den von ihm verlinkten Heise-Artikel lesen wollte. In dem wird klar gestellt, dass es mitnichten bei den anonymen Stoppseiten der Filterliste bleiben soll. Stattdessen, so Heise:

Einbezogen werden sollen zudem nicht nur kinderpornographische Darstellungen an sich, sondern auch Webseiten, „deren Zweck darin besteht, auf derartige Telemedienangebote zu verweisen“. […]

Hierzu sollen die Diensteanbieter eine [anonyme] Aufstellung anfertigen, in der die Anzahl der Zugriffsversuche jeweils bezogen auf einen einzelnen Eintrag der Sperrliste zusammengefasst über jede Stunde der zurückliegenden Woche angegeben wird. Die Aufstellung wird einmal pro Woche dem BKA zu übermitteln sein.

fefe dazu:

In der ersten Runde etablieren sie Zensur, die nicht funktioniert, aber gerade noch so von den üblichen Mitläufern als vertretbar angesehen wird, und in der zweiten Runde werden sie dann richtige Zensur etablieren, und dann ist es zu spät, grundsätzlich dagegen zu sein, weil wir ja schon Zensur haben.

Gut. Kann man so sehen. Es macht aber keinen Sinn diesen „Wir gegen die“ Nummer auf Ebene der Filterlisten durch zu ziehen. Aber vielleicht sollte man den Blick mal etwas über den Tellerrand heben.

Das Internet ist eine soziale Utopie. Ein Raum, in dem jeder für sich machen das kann, was er will, so lange er andere, auch über Umwege, damit nicht belangt. Mein Computer is my castle. Gleichzeitig stellt es ein Art neuronales und soziales Netz dar. Man denkt mit dem Internet, man lebt und liebt mit dem Netz. Soziale Bindungen, die durch das Netz entstehen, können ebenso intensiv sein, wie im „wahren Leben“ und allein die Trennung zwischen „wahrem Leben“ und „Internet“ findet bei den vielen Nutzern nicht mehr statt. Das Netz ist die Verlängerung meiner Gedanken, eine Art Sphäre in die ich mich projezieren kann und die so lange da ist, bis sie Google vergisst.

Das Problem ist nur, dass die Gesellschaft in mehrere Teile gespalten ist, wenn es um das Netz geht. Da sind diejenigen, die sich im Netz seit Jahren bewegen und jede neue Entwicklung verfolgen, da sind die, die nur StudiVZ und You Tube besuchen und da sind die, die bestenfalls zweimal die Woche ihre Mails abrufen. Zwischen diesen Gruppen besteht ein erheblicher Verständnisunterschied, wenn es um das Internet geht. Wie stark der zugespitzt ist, sieht man exemplarisch durchaus an der Diskussion Print vs. Online, die zum einen das Unverständnis der Early Adopter gegen über einem althergebrachten System zeigt, zum anderen aber auch die Angst zum Ausdruck bringt, mit die Vertreter des „alten“ System auf die neuen Ideen reagieren.

Die Sache ist, dass die Auseinandersetzung zwischen der Philosphie des Netz und der Welt außerhalb nicht nur an einer Front geführt. Die Liste der Schlachtfelder ist ellenlang. Nur mal ein paar Beispiele:

  • CC-Lizenz vs. klassischen Urheberrecht
  • Print vs. Online
  • Liberale Bürger-Demokratie vs. Rechtsstaatsglauben
  • Überzeugungspolitk vs. Fraktionszwang
  • Mehrheitswahl vs. Parteilistensystem
  • Mitspracherecht vs. Managementkultur
  • Freie Verbreitung von Information vs. kontrollierte Freigabe von Information und Gatekeeping

Natürlich ist die Vorstellung, dass eine Behörde eine Filterliste verwaltet, ohne dass es eine Vorabkontrolle durch eine unabhängige, nicht staatliche Stelle gibt, schon sehr alarmierend. Aber sie passt genauso in die Auseinandersetzung der Systeme, wie die Idee der Nachrichtenagentur AP, alle zu verklagen, die ihre Texte, auch in Zitatform, unautorisiert verbreiten.

Letzlich fussen alle Beschimpfungen, Versuche einer, meist hilflosen, gesetzlichen Regelung und anwaltliche Drohungen auf der Angst vor einem unkontrollierbaren Netz. Dabei sollte man aber nicht davon ausgehen, dass es sich hier um eine oberflächliche oder hilflose Angst vor veränderten Umständen handelt. Ich habe das Gefühl, dass die Angst vor dem Netz und dem was darin passiert, letztlich den gleichen Antrieb hat, wie meine Neugier – das Gefühl, dass mit dem Einzug einer neuen Technologie, eine grundsätzliche Veränderung nicht nur der oberflächlichen Lebensumstände einher geht, sondern auch die sozialen und politischen Systeme massiv verändert werden. Während die einen dies als willkommene Veränderung begrüßen, ist es für die anderen eine komplette Unterwanderung des eigenen Lebens- und Wertesystems. Und das stellt eine massive, zumindest gefühlte, Bedrohung dar.

Denn das Netz ist nicht nur ein Shopping-Paradies, ist eben auch die Quelle mehrerer unabhängig voneinander entwickelten, weitreichender Ideen (Open Source, CC-Lizenz, Wikileaks), die aber interessanterweise alle die gleiche Zielrichtung haben und eine Abkehr von verschiedenen, bisher gültigen, Systemen darstellt. Das betrifft die Vorstellung einer aktiv gestaltbaren Politik, aber auch die Art und Weise, wie Geld verdient und verteilt wird. Es ist eben auch noch die soziale Utopie, von der ich weiter oben geschrieben habe, die den bisherigen Gedankengut fundamental gegenüber steht.

Wenn man es sehr spitz formulieren möchte, dann sieht man gerade den Beginn einer neuen Auseinandersetzung zweier mächtigen Systeme, die gerade am Rand der reinen philosophischen Auseinandersetzung taumeln. [Die mich, aber dies nur am Rande, sehr an die Auseinandersetzung zwischen Monarchie und Republik erinnert] Der Streit um die Filterliste und die Zuständigkeiten in Sachen Verwaltung wäre eigentlich nur ein Randthema in der ganzen Auseinandersetzung, wenn sie nicht eine völlig neue Komponente bereit halten würde: denn zum ersten Mal werden Regelungen ohne Gesetz geschaffen und man entzieht sie jedweder Kontrolle durch den Bürger, stellt also eine Behörde, zumindest für einen Moment, außerhalb aller demokratischer Eingriffsmöglichkeiten. Nur die Jurisdiktion oder eine Anordnung des Innenministers kann die Filterung stoppen oder die Art der Kontrolle, bzw. ihre Überwachung, verändern. Folgt man dem Gedanken von fefe, schaut man auf die Argumente der anderen Gegner der Filterliste, die sagen, dass man Server mit kriminellen Inhalt relativ einfach stilllegen kann, dann handelt sich um den Versuch, einer prophylaktischen Sperreinrichtung, die deswegen besonders gut funktioniert, weil sich das „alte“ System unter Hinweis auf Kinderpornographie oder den windelweichen §129a jederzeit seiner Möglichkeiten bedienen kann. Das perfide ist zudem, dass ich, sollte ich von einer Sperre betroffen sein, erst einmal nachweisen muss, dass mir Unrecht angetan wurde.

Das Sprengpotential des Netzes bzgl. der Veränderung gesellschaftlicher, politischer und demokratischer Normen scheint mir allerdings bisher nur von der Seite begriffen worden zu sein, die sich im Moment bedroht fühlt. Sie versucht, aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbar, alles zu tun, damit die Erosion gestoppt wird. Dass dazu auch Begriffe genutzt werden, die per se mit Angst und Abscheu besetzt sind, ist da nur eine logische Konsequenz. Wenn sich Legislative und Exekutive zusammenschliessen, bzw. die Legislative einer weiteren Gewalt, alle Rechte in die Hand drückt, kann man vielleicht einen Eindruck erlangen, wie sehr man sich bedroht fühlt.

Die Frage wäre für die Anhänger des System „Netz“, wie man angemessen darauf reagiert. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass die programmatischen Unterschiede zwischen beiden System so groß sind, dass es ohne eine heftige, aber gewaltlose bitteschön, Auseinandersetzung nicht gehen wird. Ich denke, dass man früher oder später nicht darum herum kommt, sich eine politische Plattform zu schaffen. Die muss nicht unbedingt nach dem Vorbild der „Grünen“ in den 80er Jahren erfolgen, sondern kann genausogut über Facebook, WKW oder Twitter organisiert werden. Dazu würde sich auch das dezentrale System der Barcamps eignen, wenn es sich denn mal nicht nur mit seinem eigenen Nerdtum beschäftigen würde, sondern auch das Thema Aufklärung in den Vordergrund stellen könnte. Ich habe in meinen Beruf (Schulungen etc.) festgestellt, dass schon die simple Erläuterung einiger Begriffe und Funktionen des Netzes für einen erheblich erweiterten Horizont sorgen können. Denn nur mit Information wird Veränderung getragen.

Update aus meinem Leben

– Ich habe das Vergnügen, wieder in einer Anthologie erscheinen zu dürfen, wie man hier sehen kann.

ichwirdieanderen

Das hübsche Werk gibt es hier und ich habe das Kapitel „Produktionsmittel in den Händen der Leser“ geschrieben. Danke an das ZKM und Vanessa Diemand!

– Das Ohr, das leidige. Die Nebenhöhlen. Ich könnte stundenlang über mein linkes Ohr, alle verfügbaren und dummerweise verstopften Nebenhöhlen und nicht zu vergessen den leichten Tinnitus, links, berichten. Immerhin haben meine Arztbesuche schon mal ergeben, dass ich ansonsten gesund bin. Wie man die Nebenhöhlen wieder dauerhaft frei bekommt, daran arbeiten wir noch. Deswegen ist mein Leben gerade a) genervt und b) riecht nach Gelomytrol.

– Man könnte natürlich auch mal so eine Sache zum Anlass nehmen, und sagen: „Urlaub! Ich entspanne mich jetzt! Los, zack, zack.“ Dummerweise steht dem die Arbeit entgegen. Dieses Freiberufdings ist ja ganz lustig, aber das mit Urlaub und den freien Tagen ist schwerer, als in einem schlampigen WG-Haushalt sauberes Besteck zu finden. USA fällt dieses Jahr wohl auch flach, sollte ich nicht ins Geldtöpfchen fallen, denn statt USA stehen andere, geheimnisvolle, für mich gar sensationelle Dinge auf dem (geplanten) Programm.

– Allgemeine Entscheidungsunfreudigkeit im Moment. Brauche einen neuen Rechner, weiß aber nicht ob ich jetzt einen kaufen soll, oder lieber warte, bis Windows7 raus ist. Brauche ein neues Batterietelefon, kann mich aber nicht zu einem G1 durchringen und sage mir die ganze Zeit, dass demnächst bestimmt was besseres kommt. Brauche dringend neue Klamotten… nein falsch. Brauche dringend einen neuen Klamottenstil, weil mir Nietenhose und Hemd auf die Nerven gehen. Anzüge aber auch.

– Darf keine Kochbücher mehr kaufen, weil das Regal voll ist und in der Küche kein Platz mehr ist. Das letzte Kochbuch gerade erworben und es ist wundervoll. 299 Rezepte sollten auch erst einmal reichen.

– Überhaupt Essen: ich hab das Gefühl, dass die Preisspanne zwischen wirklich guten Zutaten und dem üblichen Supermarktkrempel immer größer wird. Das hat aber interessanterweise bei mir dazu geführt, dass ich deutlich bewusster einkaufe und esse. Mehr Gemüse (günstiger), weniger Fleisch (sehr, sehr teuer), mehr Fisch (da drücke ich beide Augen zu und greife oft zu Tiefkühlware). Vielleicht ist das ja Quatsch, aber seitdem ich weitestgehend auf frische Bioware umgestellt habe und versuche jedwede Chemikalien aus meinem Essen rauszuhalten, ist das Essen irgendwie… befriedigender geworden.