Month: Januar 2009

Neues aus diesem Internet von dem man so viel hört I

Es gibt im Internet ja deutlich mehr Dinge, als man sich so vorstellen kann. Das gilt nicht nur für Fetische im Porneaux Bereich, sondern auch für Applikationen, die einem das Leben mehr oder weniger einfacher machen können. Das wirklich tolle ist ja folgender Gang der Dinge: Man sucht etwas, weil man sich auf eine bestimmte Art die Arbeit im Netz erleichtern möchte. Wenn es das nicht gibt, hat man einfach nicht richtig gesucht, oder man muss noch einen Moment warten, bis jemand kommt, der einen ähnlichen Gedanken hatte, aber dafür programmieren kann und die Idee umsetzt. Über drei Angebote bin ich allein in den letzten zwei Tagen gestoplert:

Snackr:
Als ich noch deutlich weniger als die 800+ RSS Feeds im Angebot hatte, habe ich mir mal gewünscht, dass es eine Sidebar für den Desktop gibt, die aus meinen abonnierten RSS-Feeds eine Art Newsticker macht. Also einen beständigen Fluss neuer RSS-Feeds darstellt, den ich mit einem Auge verfolgen kann. Kaum sind drei Jahre vergangen, gibt es jetzt dieses Angebot. Snackr ist eine Adobe AIR App, die man statt irgendeiner vollgestopften Sidebar anlegen kann. Die RSS-Feeds laufen automatisch ein, sobald sie erscheinen. Abzüge gibt es allerdings so einige in der B-Note. Zum einen erscheinen die Feeds „random“, also zufällig und nicht der Reihenfolge nach. Zum anderen ist meine Erfahrung, dass man entweder ein Display braucht, das 22″ oder größer ist, damit man Browser und andere Programme daneben klemmen kann, ohne dass das Sichtfeld zu klein wird. Besser ist noch, man hat einen zweiten Bildschirm. Zusammen mit einem Twitter-Client, Chatprogrammen und Skype wird es allerdings ganz schön eng auf dem Bildschirm.

mail2feed
Zugegeben, dieser Dienst wird vermutlich die wenigsten interessieren, aber doof ist er trotzdem nicht. Mit ihm kann man eingehende Mails in einen RSS-Feed schieben. Spielt keine Rolle, ob man IMAP oder Pop3 nutzt. Warum sollte man den Dienst nutzen? Zum einen lassen sich so eingehende private Mails auch in einem Büro scannen, wo die private Nutzung von Mails eher ungern gesehen wird. Zum anderen verfügen etliche Handys immer noch über einen miserablen Mailclient, haben aber einen RSS-Push-Dienst. Auch für den Urlaub ist das nicht unpraktisch. Statt sich über unsichere Leitungen auf dem eigenen Webclient einzuloggen, kann man sich hier einfach über den Online-RSS-Reader einen Überblick verschaffen. Dann sollte man allerdings für den ein eigenes Passwort haben, das man sonst nirgendwo verwendet, sonst macht es keinen Sinn. Nachteil: man kann auf die Mails natürlich nicht per RSS antworten.

whspr.me
Das Problem: Ich möchte Mails auf meinem Mailaccount empfangen, und nicht für jeden Mist eine eigene Mailadresse anlegen. Sicher, es gibt anonyme Mailer wie Mailinator, aber dort verfallen die Mailadressen ja und zu dem ist es unbequem diese zu bedienen. Bei whspr kann man seine Mailadresse hinter einer whspr URL verstecken. Beispiel: Ich will in meinem Blog eine Umfrage starten, aber nicht jedem Spammer meine Mailadresse in die Hand geben. Ich kann bei whspr meine Mailadresse eingeben und diese wird dann in einen URL umgewandelt, die zu whspr leitet. Dort landet man dann auf einem Formular, wo man seine Nachricht eingeben kann und die Nachricht leitet der Service dann an die Mailadresse weiter. Sehr praktisch, kann man unter dieser URL ausprobieren wenn man eine Mail an mich senden will. http://whspr.me/kd (ULR verfällt am 05.02.09).

Noovo Spam

Update 01.02.09: Noovo hat in den Kommentaren auf die Vorwürfe reagiert und wohl die Empfehlungsseite umgestellt.

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Zuerst mal: Sorry! Ich habe heute eine Einladung zu einem neuen social network namens noovo bekommen. Da ich mir aus beruflichen Gründen all diese Dinger anschaue, habe ich mich dort auch angemeldet. Während des Anmeldeprozesses wurde ich standardmäßig gefragt, ob ich meine Google Mail Kontakte auf etwaige Adressen überprüfen lassen möchte, die schon bei noovo angemeldet sind. Das ist ein Service, den die meisten Networks anbieten und den ich auch hier genutzt habe. Vier Adressen wurden angezeigt, darunter ein „Next“ Button. Darunter wurden, auch standardmäßig, alle Adressen angezeigt, die nicht bei noovo sind und die ich ja netterweise auch einladen könnte. Auch hier drunter erneut ein „Next“ Button. Ich habe mich, wie üblich, nur für diejenigen entschieden, die sich schon angemeldet hatten. Also habe ich den oberen „Next“ Button gedrückt. So weit, so normal, das entspricht dem Anmeldeprozess auf fast allen Seiten.

Was ich und viele andere (wie ich per Twitter und Mail mitbekommen habe) nicht bemerkt haben: noovo hat die Auswahl entweder ignoriert, oder die Seite ist so schlecht programmiert, dass der auch ein Bestätigung des oberen Buttons, der unter den schon angemeldeten Personen klebte, dazu geführt hat, dass auch alle anderen angeschrieben wurden, obwohl ich dies ausdrücklich nicht bestätigt habe. In meinem Fall waren das dann knapp 700 Mailadressen.

Das ist, gelinde gesagt, eine Sauerei, die ich so bei keinem anderen Netzwerk erlebt habe. Dabei ist noovo laut eigener Aussagen, ein relativ ernsthaftes Unternehmen (noovo.com/about/company/) das keine schlechten Reviews bekommen hat. Den Service, den die Plattform bietet, habe ich zwar auch noch nicht so richtig verstanden, aber das ist ja nun was anderes. Ich weiß nicht, ob es sich um einen Bug oder eine bewusste Fehlleitung handelt, habe aber mal bei noovo unfreundlich nachgefragt, ob die noch alle Tassen im Schrank haben ob es man es nicht ein wenig transparenter halten könnte. Der Verdacht liegt zumindest nahe, dass ein Netzwerk zwecks weitergehender Finanzierung mit VC versucht, die Userzahlen schleunigst nach oben zu drücken.

Ich halte mich eigentlich für einen Profi in Sachen social networks und „Anmelden im Internet“, und habe mich schon bei ein paar Dutzend Dienste angemeldet und auch oft den Dienst genutzt, gemeinsame Adressen zu checken. Aber offenbar bin ich hier auf etwas reingefallen.

Ich bitte also darum, die Einladung/Freundschaftsanzeige von mir über noovo freundlichst zu ignorieren. Es ist weder absichtlich noch mit meiner Zustimmung geschehen. Und wie schon erwähnt – es hat wohl auch diverse andere erwischt. Also die Finger davon lassen. Mein Profil bei noovo werde ich wieder löschen, sobald ich mit denen fertig bin eine Reaktion von noovo habe.

Update: 23:43 Uhr
noovo hat sich mittlerweile per Twitter bei mir und anderen Usern recht flott entschuldigt, was die Sache aber nicht besser macht. Der „Fehler“ ist mir immer noch suspekt.

It’s the application, stupid

Facebook hat seine Userzahlen innerhalb eines Jahres vervierfacht, StudiVZ dümpelt auf hohem Niveau weiter so dahin. Kaum einer hat auch nur irgendeinen Zweifel daran, dass Facebook StudiVZ in nicht ferner Zukunft eingeholt haben wird. Und warum?

Es gibt die hässliche Bezeichnung „Unique User Experience“. Damit ist unter anderem gemeint, dass der Nutzer einer Seite während der Nutzung ein besonders Gefühl bekommt, oder mit nimmt. Dazu gehört auch, dass ein User seine Seite so gestalten kann, wie er das möchte. Beispiel: Auf Facebook kann ich meine Twitter Nachrichten einlaufen lassen, ich kann verschiedene Dienste über Facebook Connect mit einander verknüpfen, ich habe einen Livefeed, der mit einer Art SUP läuft und so weiter, und so fort.

StudiVZ findet hinter einer sehr hohen Mauer statt, die den Dienst vom Rest des Internets abschottet. Gut – ich kann „gruscheln“, (allein für das Wort gehört der Laden in die Insolvenz) aber mehr auch nicht. StudiVZ ist genau das, was der Name schon vermuten lässt. Eine schrecklich deutsche Anstalt, ein Karton voller unsortierter Profile, eine Art Behörde, die Online-Kontakte verwaltet. Es hat keine Verbindung nach aussen, es hat keinerlei Innovationen hervor gebracht, es bietet keinerlei Möglichkeiten individuelle Informationen weiter zu geben und schon gar nicht solche, die von anderen Seiten oder Diensten stammen. Doch das Internet besteht eben nicht mehr nur aus einer Seite und die meisten Leute verteilen ihre Aktivitäten quer durchs Netz.

Nicht das Facebook in allem besser wäre. Die Amerikaner sind, was das Weitergeben der generierten Feeds auf ihrer Seite angeht, keinen Deut besser. Da muss man schon eine relativ umfangreiche Pipe basteln um etwas sehen zu können. Aber immerhin haben sie einen Feed und was das Material angeht, dass man über die API zu Facebook anliefern kann, so gibt es dort eine relativ große Offenheit, wie mir Evan Prodromou, Gründer von identi.ca, am letzten Wochenende berichtete. „Rein soll alles, raus nicht so“.

Aber dann gibt es die Applikationen, die man innerhalb von Facebook nuzen kann. Es schwirren mehrere tausend Apps rum, vom Film-Quiz bis zum „Ich schenk dir ein Eis“ Dings. Die nerven mich persönlich zwar kolossal, scheinen aber beliebt zu sein. Kleine Applikationen sorgen auf Facebook nicht nur dafür, dass die User in Scharen den Dienst nutzen, sondern auch dass er nicht langweilig wird.

Das haben nicht nur Entwickler von social networks entdeckt, sondern auch Hersteller von Mobiltelefonen. Apple könnte noch so wunderschöne iPhones herstellen, wenn sie keinen App-Store hätten, würden die Leute nach einem Jahr zu einem anderen Handy wechseln. Aber mit dem Apps verändert und erweitert man sein Telefon mit jedem Download. Heute kann es Musik erkennen, morgen ist eine mobile Spielekonsole. Und genauso kann ich auch mit Facebook umgehen. An einem Tag lade ich meine Freunde zu einem Quiz ein, an einem anderen lasse ich meine Twittermeldungen in den täglichen Status einlaufen, füge Bilder hinzu usw.

Holtzbrinck ist auf einem fantastisch gutem Weg mit den ganzen VZs zu scheitern. Aber nicht, weil man nicht erfolgreich gewesen wäre (die Nutzerzahlen sprechen für sich), sondern weil man grandios sämtliche Trends der letzten 18 Monate verschlafen hat. Weil man die User als „Cash-Cow“ betrachtet hat, die einfach nur Klicks generieren sollen und weil man selber technisch und in der Kundenbindung extrem phantasielos war. Was ich nicht verstehe: gerade weil man so klickgeil wie kaum ein anderes Portal ist, hätte man schon längst auf technische Innovationen setzen müssen. Aber es gibt nicht mal ein eigenes App für das iPhone, was schon so ziemlich alles über StudiVZ sagt. Studi VZ ist das Internet wie zu Usenet-Zeiten, Facebook ist zumindest schon mal 2005 angekommen.

Was machst Du da eigentlich?

Eine der schwierigen Fragen im Leben, die es zu beantworten gilt wenn man sein Geld im Netz verdient, ist „Was machst Du da eigentlich?“ Meine Eltern stellen sie schon nicht mehr, Freunde, die nicht so sehr im Netz aktiv sind, schauen mich schon mal komisch an. So wie man einen Menschen anschaut, der ein „Import-Export“ Geschäft hat. Aber die Frage ist zum einen schwer zu beantworten, weil ich es oft selber nicht so richtig weiß, zum anderen scheint für sehr viele Menschen die Heisenbergsche Unschärferelation leichter vorstellbar zu sein, als der Umstand, dass man mit Sachen im Netz Geld verdienen kann, die man offensichtlich umsonst weg gibt.

Tatsächlich ist das eine der Haupthürden, die mir bei meinen Schulungen immer wieder begegnet. „Warum,“ so die Frage in fast allen Berufsgruppen,“ warum soll ich etwas umsonst ins Netz stellen, wenn ich es verkaufen könnte?“ Gerade bei Journalisten taucht die Frage als erstes auf, gerne mit der Abwandlung: „Aber wenn ich es ins Netz stelle, kann ich es doch nicht mehr verkaufen.“ Der Gedanke ist natürlich nicht grundsätzlich falsch, zeugt aber auch [oft] von einer immer noch erstaunlich tief verankerten etwas angestaubten Arbeitsmentalität, die im Netz nicht mehr völlig aufrecht haltbar ist.

So wie ich das sehe, besteht diese Mentalität aus zwei Seiten. Zum einen ist da der Gedanke, dass Arbeit ein „Muss“ ist, in dessen Umfeld dass Wort „Spaß“ nur in homöopathischen Dosen vorkommt. Man kann über den Gedanken der „digitalen Bohème“ den Kopf schütteln, aber zumindest implementiert sie in den Arbeitsbegriff auch die Überlegung, dass man besser arbeitet, wenn man etwas macht, was man sich a) selber ausgesucht hat und dass einem b) Spaß macht. Dass das innerhalb der meisten Angestelltenverhältnisse nicht immer so aussieht, ist auch kein Geheimnis. Aber das ist nur die eine Seite.

Die andere, wichtigere, Seite ist der Grundgedanke, dass man eine Arbeit abliefert und dafür auch bezahlt wird. Ich schreibe dir einen Text, du gibst mir dafür Geld. Ich bekomme kein Geld, also schreibe ich keinen Text.

Im Netz ist es halt etwas anders, und das gerade für Onlinejournalisten und ganz besonders dann, wenn man frei arbeitet. Denn wichtig ist nicht mehr nur die Qualität der gelieferten Texte, sondern auch die Vernetzung der eigenen Person. Oder anders ausgedrückt: wie bekannt man ist. Wenn man mich keiner kennt, wenn keiner mein Blog kennt, dann ist es auch für mich schwerer, meine Texte zu verkaufen. Davon ausgehend, dass der zentralistische Verlags-Journalismus teilweise einem dezentralen Netz-Journalismus weicht, wird der freie Journalist, bzw. der Autor, der in einem losen, dezentralen Redaktionsverbund arbeitet, immer wichtiger. Funktioniert für den einzelnen Journalisten aber nur, wenn er im Netz (bzw. seines Arbeitsfeldes im Netz) bekannt ist. Also muss ich mich vernetzen und dabei hilft mir, wenn ich als Journalist arbeite, mein Blog.

Denn mein Blog ist das Rückgrat meiner virtuellen Existenz. Es ist persönliches Logbuch, Werbeplattform für meine Texte und Gedanken und Anlaufstelle für Freunde und mögliche Auftraggeber. Es ist, zumindest im Moment, der Platz, an dem die verstreuten Fäden meiner Online-Existenz zusammenlaufen können. Wenn ich also hier etwas schreibe, kommuniziere ich es einmal quer durchs Netz. Anders herum gilt das natürlich auch, wenn ich über Twitter, Facebook oder andere Netzwerke kommuniziere, und die Meldungen, dann wie hier in der rechten Spalte, wieder ins Blog einlaufen lasse.

Ähnlich wie das teilweise ja schon jetzt existierende Cloud-Computing, betreibe ich im Netz eine Art von „Cloud-Kommunikation“. Ich hauche meinem virtuellen Ego Leben ein, in dem ich es über die diversen Kanäle befülle. Das macht mir persönlich eine Menge Spaß, sorgt aber eben auch für eine bestimmte Präsenz im Netz. Die dann, je nach Qualität meiner Arbeit, auch dafür sorgt, dass andere auf meine Arbeit aufmerksam werden. Ich habe zum Beispiel in den letzten drei oder Jahren mein Geld mehr und mehr damit verdient, weil a) entweder andere auf mich zu gekommen sind und auf Grund meines Blogs oder anderer Netzaktivitäten die Idee hatten, mich in ein Projekt einzubinden, oder weil sich b) auf Grund der vielfältigen und teilweise lange anhaltenden Vernetzungen eben hier und da Gespräche und Projekte ergeben, die dann in 90% 0.04% aller Fällen dann auch mal zu was werden.

Die Frage: „Was machst Du da eigentlich?“ lässt sich also leichter damit beantworten, wenn man sagt: „Ich mache das, was mir Spaß macht und nutze ziemlich viele Kommunikationskanäle um das allen zu sagen“. Damit kann man auch die noch viel gemeinere Frage beantworten, warum man eigentlich twittert.

Doofe Frage I

Vielleicht sollte ich das ja wissen, wo ich ja auch was mit Medien mache, aber ich weiß es nun mal nicht.

Es geht um einen Satz, den ich gestern bei Turi gelesen habe:

Die Gesamtreichweite der erfassten Titel steigt sogar minimal an – von 60,7 auf 60,8 Mio Leser. Der simple Grund: Die Leser kaufen in finanzschwachen Zeiten zwar weniger Magazine, tauschen diese aber vermehrt untereinander aus, so Michael Walter, Vorstand Zeitschriften der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA).

Anders ausgedrückt: Obwohl die Auflagen aller Zeitungen laut IVW um 0,65 Millionen in einem Jahr gefallen ist, es also 650.000 Leser weniger gibt, steigt die Reichweite um 100.000 Leser.

Meine doofen Fragen hierzu:

1. Wer misst denn die angebliche Tauscherei? Ist das so ne Umfrage, wie die, die man auf Shampooflaschen sieht?
2. Ist das jetzt in der Verlagsbranche so wie in der Musikindustrie, wo man seit 10 Jahren behauptet, dass man ja eigentlich nicht weniger verkauft, die Leute nur illegalerweise mehr tauschen?
3. Wird das Weitergeben von Zeitungen illegal?

Ramsch Dich glücklich

Also früher, ja viel früher, als Blogs noch Blogs waren und Banken noch Banken und keine Staatsunternehmen und Schröder uns das Leben das Gas was auch immer gerettet hat, da bekam man teilweise verlockende Angebote von PR-Firmen. Die wollten – natürlich – dass man ein Produkt im Blog über eine längere Zeit freundlich erwähnt. Dafür gab es entweder das Produkt oder Geld. Oder beides. Bekanntermaßen hatten ein paar Leute, darunter ich, mal für acht Wochen einen Opel Astra, nebst 1200 Euro „Aufwandsentschädigung“, bekommen. Im Nachhinein muss ich sagen: das war zu billig, vor allem wenn ich bedenke, wie viel Nächte ich deswegen seitenlangen Kommentare auf irgendwelchen Blogs schreiben musste. Aber immerhin gab es noch Geld. Das scheint heute nicht mehr so zu sein.

Während trigami weiterhin daran arbeitet, die Werbepreise im Netz möglichst weit unten zu halten, bin ich dann heute über dieses Angebot der Firma Sixt (sixt.de/aktionen/reise-gewinnspiel/) gestolpert. Die haben ein Gewinnspiel für Blogs, dass offenbar eine hübsche SEO-Veranstaltung ist:

Beim Sixt Reise Gewinnspiel kann jeder teilnehmen, der eine eigene Webseite oder ein Blog besitzt und einen eigenständigen Artikel über Sixt schreibt. Der Artikel muss mindestens einen Link auf die Sixt.de Webseite enthalten.

Ok – kann man machen, finde ich jetzt nicht weiter schlimm. Zum Beispiel in der Variante: „Gib mir einen Backlink, ich gebe Dir dafür Meilen.“ Mag unschön sein, aber so was finde ich immer noch besser, als heimlich Linkfarmen zu bastlen. Aber es geht um ein Gewinnspiel. Ich muss also Werbung machen und weiß nicht mal, ob ich was dafür bekomme. Als ersten Preis gibt es: „1x Fluggutschein für 2 Personen in der Business Class von Cirrus Airlines“.

Nie gehört, Cirrus Airline. Klingt nach Zypern, Mittelmeer oder so was. Also schnell mal nach geschaut, wohin man denn so fliegen könnte. Auf der Webseite von Cirrus gibt es einen Streckenplan, der dann auf den ersten Blick dann doch etwas enttäuschend ist. Ein paar Städte in Deutschland und – aha – Chisinau. Ach so, Moldavien. Und nur von Frankfurt aus. Würde ich den ersten Preis gewinnen, so könnte ich immerhin Business von Berlin nach Mannheim fliegen. Hurra. Der Rest sind Preise aus dem Werbemittelschrank.

Ich verstehe das nicht. Es ist so sinnlos, auch wenn vermutlich viele an dem Ding teilnehmen, aber warum immer so halbherzig? Man kann von der Opel-Aktion halten, was man will, und GM hat es auch nicht gerettet, aber immerhin hatte Opel für etliche Wochen einen ganz schönen Buzz im Netz ausgelöst. Das war einer Dame der PR-Firma Edelman, mit der ich mich über die Aktion damals unterhalten habe, auch noch zu wenig. Die meinte, Opel hätte mindestens 10 Wagen verschenken sollen. Das hätte einen Knall gegeben.

Dem kann ich mir nur anschließen. Sixt hätte deutlich mehr davon, wenn sie 5 einigermaßen bekannte Blogger in ein Flugzeug stecken, diese auf 5 Kontinente verteilt fliegen lassen würden um sie dort mit einem Sixt-Mietwagen irgendwas erleben/machen/tun lassen. Irgendwas spannendes halt. Irgendwas, was Sinn macht und eine gewisse Nachhaltigkeit bringt. Kostet deutlich weniger, als die Ausstrahlung eines einzigen TV-Spots bei Pro7 wenn Stefan Raab läuft. Gut – das da oben kostet gar nichts, bringt aber auch nichts.

Solche Aktionen wie die oben beschriebene bringen nur langweilige Schulaufsätze mit dem Thema „Wie ich mich mal mit meinem Sixt Mietwagen im Urlaub verfahren habe.“ Wenn Firmen das so wollen – ok. Aber ich finde es immer wie erstaunlich bis erschreckend, wie gelangweilt viele Firmen mit ihrem eigenen Produkt umgehen.

Liebling, wir müssen uns trennen – Reloaded

Ich überlege ja nun schon seit einiger Zeit öffentlich rum, was ich mit meinem alten Blog machen soll. Nicht, dass ich keine Freunde mehr am bloggen haben würde. Dafür blogge ich ja nun überall zu viel (neuerdings/racingblog). Mir ist aber auch das aufgefallen, was die Schwadroneuse neulich schrieb:

aus dem netten nebensächlichen zeitvertreib entwickelte sich also mit der zeit ein ganz beachtlicher klops, der sich leider auch vor dem alten sozialen umfeld nicht mehr überzeugend verbergen liess.
was wiederum zur folge hatte, dass ich das meiste erst garnicht mehr aufschrieb. schliesslich ist nicht jeder so tolerant und sieht den mehrwert darin, dass all seine beziehungsprobleme, die er mir gerade noch erzählt, schon wenige minuten später im internet zu lesen sind.

Dazu kommt, dass sich mein Leben im Netz verändert hat. Das Antville-Blog war nie als persönliches „Aushängeschild“ gedacht, sondern ist eine Zeit lang einfach dazu gemacht worden. Was vorher sehr privat war, lasen plötzlich ein Tausend Leute am Tag, was dann schon irgendwann den inneren Zensor aufgerufen hat, was ich wiederum auch bedauert habe.

Eine gute Zeit hat die Mischung funktioniert, aber ich würde doch gerne die Dinge etwas mehr von einander trennen. Zum einen möchte ich mehr berufliches in mein Blog bringen, was ich hier komplett raus gelassen habe.

Wie ich im anderen Blog schon geschrieben habe:

Denn ein Blog ist nicht eben nicht nur eine Seite, auf die man ab und an etwas schreibt, sondern etwas, was auch mit dem Netz verwachsen ist und wachsen sollte. So ist das jedenfalls für mich, denn ich lebe ja zu einem großen Teil im Netz und das Blog sollte eine Art Mittelpunkt des eigenen Lebens im Netz sein. Also Spiegel dessen, was man so denkt und schriebt, aber auch Spielwiese für neue Entwicklungen im Netz.

Also mache ich es wie mein Namensvetter Don Alphonso. Ich lege mir ein Blog rum schimpfen zu und eins für die privaten Dinge. Und deswegen fange ich in meinem neuen Blog auch mit einer leeren Seite an, werde also nichts von drüben mitnehmen.

Hier wird es ein wenig bunter und anders zu gehen, als auf dem anderen Blog. Aber einfach überraschen lassen. Was es erst mal nicht gibt, sind SEO Sachen. WordPress an sich ist schon ziemlich Suchmaschinenfreundlich, das sollte reichen. Deswegen habe ich auch nicht auf die ellelangen URLs umgestellt, sondern lasse WordPress einfach hochzählen (Na ja, und weil es hier gerade noch ein Problem mit dem Mod rewrite gibt). Counter gibt es nur einen, der in WordPress integriert ist. Statpress. Als Spamfilter arbeitet noch Askimet, bis ich was besseres gefunden habe. Im Moment werden alle Kommentare mit mehr als zwei Links gefiltert und landen in einer Moderationsschleife. Das gesamte Blog steht zu dem unter einer CC-Lizenz. Bei Technorati ist es verzeichnet, auf andere Blogverzeichnisse verzichte ich.

Also ein wenig „back to the roots“ mit neuer Technik. Bin selber gespannt, was daraus wird.