Dieses Internet

Wie ein Trending Topic entsteht

Donnerstag, 02.14 Uhr, Berlin

Der bekannte 21jährige Blogger und YouTuber R.S sitzt mit der vierten Flasche Bier vor dem Rechner und scrollt durch seine Facebook Timeline. „Nichts los…“ murmelt er enttäuscht und dreht sich dabei eine Zigarette aus „Pueblo“ Tabak. Ein weiterer Schluck auf der Flasche, ein tiefer Zug, erneut F5 gedrückt. Nichts. „Früher war mehr los…“ denkt er und schreibt in seine Timeline „Früher war hier auf FB um die Uhrzeit auch mehr los, ihr Luschen“. Gelangweilt wechselt er zu YouTube.

Donnerstag, 06.34 Uhr, Hamburg

Social Media Managerin K.L. bereitet liest die Mails aus der Nacht und überprüft nebenbei, was sich in ihrer „Influencer“ Liste auf Facebook getan hat. Sie findet das Posting von R.S. und stutzt. Schnell kommentiert sie „Hast Recht, ich merke das auch in meiner Timeline. Aber wir werden ja auch alle nicht jünger und müssen früher ins Bett (Zwinkersmiley)“

Donnerstag, 06.59 Uhr, in der Nähe von Frankfurt

Social Media Berater D.F. sitzt nach seiner ersten Joggingrunde noch leicht außer Atmen in der Küche und checkt Facebook. Er sieht den Kommentar von K.L. mit der er vor Monaten auf einem Barcamp mal eine Affäre hatte und überlegt. Hatte er neulich, vor ein paar Monaten oder so, mal bei Pocket einen Artikel eines ehemaligen, offenbar frustrierten Facebook Mitarbeiters gespeichert, der meinte, dass Facebook vor einem Problem stehen würde, weil Jugendliche in Zukunft, wenn es andere Angebote gibt, lieber andere Dienste nutzen? Eine kurze Suche und schon ist der Artikel gefunden. Eine schnelle Google-Suche mit den Stichworten „Facebook Teenager Usage“ erbringt, dass verschiedene Aggregatoren den Blogartikel ebenfalls aufgegriffen hatten. Er packt den Link und den Link zum Status von R.S. in eine Mail an einen Kollegen.

„Guten Morgen, eben gefunden. Könnte Dich interessieren. D.“

Donnerstag, 07.23 Uhr, München

Das Handy von Agenturberater T.O. plingt. T. schaut und sieht eine Mail von D.F. Auf dem Weg zur Arbeit liest den Artikel und die Eintrag von R.S. „Könnte ein schönes Argument für einen Kunden sein mehr zu investieren, damit wir vielleicht ne Instagram Kampagne machen können“. Im Büro angekommen beauftragt er sofort seine Praktikantin S.P. per Mail mit der Ausarbeitung eines Artikels mit dem Titel „Jugendliche nicht mehr an Facebook interessiert – Zahlen und Fakten“.

Donnerstag, 08.55 Uhr, München

S.P. beginnt mit der Arbeit an dem gewünschten Artikel. 2 Stunden später hat sie ihn fertig, inkl. ausgedachter Infografik, die belegt, dass Jugendlich heute Multitasker sind, die sich nicht lange auf eine Marke festlegen lassen, es sei denn, die Marke erfindet sich ständig neu. Sie schickt ihn ihrem Chef T.O.

Donnerstag, 11.29 Uhr, München

T.O. ist zufrieden und schickt den Artikel an seinem Bekannten U.G., der bei einem reichweitenstarken Newsportal arbeitet „Hey U, ihr sucht doch immer neue Trends. Ich habe in den letzten Wochen eine Taskforce geleitet, die an Zukunftstrends arbeitet. Wir sind noch in der Analyse, aber das hier haben wir schon. Würde ich Dir gerne exklusiv geben für die ersten zwei Stunden, geht offiziell erst gegen 15.00 Uhr bei uns raus. Demnächst mal wieder Biergarten? T.O.“

Donnerstag, 11.34 Uhr, München

U.G öffnet die Mail und antwortet „Danke, geht gleich raus, ich mache nur ne andere Headline. Biergarten gerne! U.“ Er kürzt den Text um 90% und nimmt als Überschrift „Facebook auf der Verliererstrasse – Jugendliche laufen in Scharen zu anderen Diensten“. Danach veröffentlicht er den Artikel im Portal und teilt ihn bei Facebook, Twitter, Google+.

Donnerstag, 11.38 Uhr, Deutschland

In verschiedenen Newsredaktionen wird der Artikel gelesen. Ressortleiter weisen ihre Mitarbeiter an, der Sache nach zu gehen. Der sechs Monate alte Artikel des frustrierten, ehemaligen Facebook Mitarbeiters wird hundertfach angeklickt. Mehrere Seiten greifen das Thema auf und titeln „Facebook ohne Jugend“ oder „Die Krise des Giganten“. Dazu gibt es Klickstrecken mit dem Titel „Die 10 besten Alternativen für Facebook“.

Donnerstag, 12.14 Uhr, Berlin

Der freiberufliche Social Media Berater W.L. sieht bei Facebook den von U.G. geschriebenen Artikel und teilt ihn. Er kommentiert „Das sage ich meinen Kunden schon seit Monaten, Facebook ist eine Sackgasse. Ich habe im übrigen noch Kapazitäten frei, gerne RT.“ Mehrere Freunde teilen seinen geteilten Beitrag.

Donnerstag, 14.39 Uhr, München

M.L. liest mehrere Artikel zum Thema und verfasst einen länglichen Facebook Eintrag zum Thema „Warum Content Marketing wichtiger ist als Facebook“. Innerhalb von einer Stunde erhält der Eintrag 67 Kommentare, in denen diskutiert wird, ob Facebook nicht sowieso Content-Marketing ist und das Jugendliche sowieso eine volatile Zielgruppe seien, weil die Early Adopter unter ihnen nur wenig Einfluss auf die late majority haben. Jemand schreibt etwas über Chemtrials.

Donnerstag, 15.24 Uhr, Fürth

Der „Postillion“ veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel „Facebook vor dem Aus – Teenager wollen lieber Seilspringen“. Der Artikel wird binnen Sekunden 29652mal auf Facebook und Twitter geteilt.

Donnerstag, 15.45 Uhr, München

J.U, Inhaber einer Beratungsagentur veröffentlicht hektisch ein Facebook Posting. „Wie sie die Krise bei Facebook meistern – wir helfen ihnen gerne“.

Donnerstag, 15.47 Uhr, Deutschland

Unzählige andere Beratungsagenturen schreiben ebenfalls gleichlautende Einträge.

Donnerstag, 15.51 Uhr, Hamburg

Seit einer knappen Stunde kann sich die Pressestelle bei Facebook nicht vor Anfragen zum Thema „Facebook & Jugendliche“ retten. Man überlegt eine eigene Pressemeldung heraus zu geben. Zuvor schreibt Facebook Mitarbeiter H.H. auf Facebook „Och, Kinners…“

Donnerstag, 16.12 Uhr, Deutschland

In hunderten Mailaccounts findet sich das Schreiben einer PR-Agentur aus Köln. „Facebook mag tot sein, aber wir haben die Lösung“. In Text findet sich ein Hinweis auf das Produkt eines Hochdruckreinigers. „Vergessen sie Facebook, der Garten wartet auf sie.“

Donnerstag, 16.35 Uhr, Berlin

Buzzfeed Deutschland veröffentlicht ein Listical „15 Dinge die wir an Facebook vermissen werden. In Gifs.“

Donnerstag, 16.46 Uhr, Berlin

Der einzige Mitarbeiter einer völlig unbekannten Dating-App schreibt auf Twitter „Facebook ist tot? Klar, die Leute wollen eh nur ficken, das können sie besser bei uns [Link zur App]“. Der ehemalige Politiker C.L. retweetet es, die App wird innerhalb von Sekunden 28903mal runter geladen.

Donnerstag, 17.34 Uhr, Hamburg

Die Pressemitteilung von Facebook erscheint per Mail. Man habe keine signifikanten Rückgänge bei den Nutzerzahlen von Jugendlichen. Im Gegenteil, in Schwellenländern sei man da ganz weit vorne. Die Klickrate der Mail liegt bei 0.03%.

Donnerstag, 18.12 Uhr, Hamburg

Berater N.L. kündigt per Twitter an „Morgen in meiner Bild-Kolumne: Warum Facebook nicht tot ist und Deutschland mehr Facebook braucht.“

Donnerstag 18.13 Uhr, München

FAZ Autor D.A. veröffentlicht eine Kolumne, in der er beschreibt, dass die Anwohner des Tegernsees wegen der schönen Landschaft und zeitaufwändigen Vermögensverwaltung eh keine Zeit für Facebook haben.

Donnerstag, 18.15 Uhr, Düsseldorf

T.K. veröffentlich einen Artikel, in dem er darüber schreibt, dass ihm Verlagsmitarbeiter schon vor Jahren gesagt hätten, dass Facebook untergehen wird. Das wird aber nicht der Fall sein weil…. tl;dr

Donnerstag, 23.43 Uhr, München

Der Journalist R.G. veröffentlicht einen Google Hangout in dem er mit dem US-Medienexperten J.J. über die Zukunft von Facebook spricht und die Frage stellt, ob Apple da nicht wieder richtigen Riecher hatte Social Media zu ignorieren.

Die nächsten sechs Wochen, Deutschland

Social Media Mitarbeiter erhalten eine Mail: „Hier, dachte der Link könnte Dich interessieren. Hab ja immer gesagt, mach was vernünftiges! Mami“

Bookmarks vom 23.03.15 bis 31.03.15

Gesammelte Links:

Bookmarks vom 26.02.15 bis 22.03.15

Ups, das Postalicious Plugin weigert sich seit einiger Zeit die Updates mit den Bookmarks automatisch zu machen, daher die Lücke.

Gesammelte Links:

  • How Connected Cars Will Transform Industries – Let’s assume that 5 to 10 years from now a majority of vehicles on the road will be connected to the Internet. Information such as location, speed, fuel consumption, carbon output, mechanical wear and tear, music selection, distance from home, and various other data points are being captured. Let’s also assume that any mobile devices in use within the car is tied to the car’s unique identifier allowing us to predict the profile of people within the vehicle. Add to this data, location based information about everything that the cars pass including businesses, street signs, road conditions, weather, etc. and you have a gold mine of data just waiting to be utilized in ways never seen before.
  • The Ethics of Autonomous Cars — Atlantic Mobile – But there are important differences between humans and machines that could warrant a stricter test. For one thing, we’re reasonably confident that human drivers can exercise judgment in a wide range of dynamic situations that don’t appear in a standard 40-minute driving test; we presume they can act ethically and wisely. Autonomous cars are new technologies and won’t have that track record for quite some time.
  • How to Really Drive Across the U.S. Hitting Major Landmarks : Discovery News – Wenn ich groß bin und sehr viel Zeit und Geld habe!
  • ? Drunk Squirrel had too many crabapples – YouTube – Das ist sehr, sehr lustig. Prost.
  • Praxistipp: Größere SSD im MacBook Air 2011 | Mac & i – Sieht einfach aus. Angeblich. Am Ende hat man 35 Schrauben übrig, kennt man doch.
  • My Year Ripping Off the Web with the Daily Mail Online – Wie man Nachrichten erfindet, kopiert, umschreibt und seine Leser belügt. Am Beispiel der US-Ausgabe des "Daily Mail".
  • jungle-world.com – Archiv – 02/2015 – Thema – Rohstoff Sand. Über die Ökonomie des knapper werdenden Baumaterials – "Der Bauboom, den die Vereinigten Arabischen Emirate dem Öl verdanken, hat jedoch zur Folge, dass ein anderer Rohstoff importiert werden muss: Sand. Das klingt zuerst surreal. Ist Dubai nicht komplett auf Sand gebaut? Besteht die Arabische Halbinsel nicht ohnehin hauptsächlich aus Wüste? Sicher, Sand gibt es dort ohne Ende."

    Auch so eine Nebenökonomie von der man noch die gehört hat: Sand. Und ebenfalls ein Hort der gemeinen Kriminalität, denn Sand ist nicht gleich Sand und wird gerne geklaut. Weltweit existiert offenbar so etwas wie ein geheimer Sandhandel.

  • A different cluetrain – Charlie’s Diary – "Since the collapse of the USSR and the rise of post-Tiananmen China it has become glaringly obvious that capitalism does not require democracy. Or even benefit from it. Capitalism as a system may well work best in the absence of democracy."

    Charles Stross hat ein paar Axiome aufgestellt, die zusammenfassen, wie der Zustand der westlichen Welt gerade ist. Er leitet daraus ab, dass wir uns auf dem Weg eines bürokratischen Kapitalismus befinden, der sozial geprägte Demokratien zur Seite fegt und zu seiner Absicherung einen massiven Polizei- und Sicherheitsapparat aufbaut. Das interessante an seinen Thesen ist, dass er lose Enden zusammenknüpft.

Bookmarks vom 09.02.15 bis 25.02.15

Gesammelte Links:

  • Google bans ‚explicit‘ adult content from Blogger blogs | ZDNet – When Google forces its "unacceptable" Blogger blogs to go dark, it will break more of the Internet than you think. Countless links that have been accessible on Blogger since its inception in 1999 will be broken across the Internet.
  • +300 Awesome Free Things for Entrepreneurs and Startups — Startups, Wanderlust & Life Hacking — Medium – Ich lege das mal hier ab. Mit der Linksammlung kann man sich eine gesamte Arbeitswoche versauen.
  • Dümmer als die Polizei erlaubt | Gründerszene – "Die These seines neuen Buches ist, dass in einer modernen Organisation niemand mehr das Ganze im Blick hat. Jeder versteht nur noch einen winzigen Ausschnitt, ist Bestandteil eines zu schnell beschleunigten Schwarms und dadurch „teilblind“ geworden. Und diese „Teilblinden“ können das Gute oder Exzellente, das eine Firma zu Erfolgen führt, nicht mehr verstehen. Und deshalb scheitern viele Unternehmen oder sie können sich den Veränderungen nicht schnell genug anpassen. Aus intelligenten Individuen entsteht Schwarmdummheit"

    Ich mag das Wort "Schwarmdummheit" nicht, auch wenn ich weiß, was Dueck meint. Aber es signalisiert, dass ein Schwarm nicht klug denken kann, was so ja nun auch nicht stimmt. Er hat natürlich mit der Aussage Recht, dass in Unternehmen zu viel "cover your ass" Mentalität herrscht.

  • German model is ruinous for Germany, and deadly for Europe – Telegraph – Real pay has fallen back to the levels of the late 1990s. The legacy of Hartz IV is a lumpen-proletariat of 7.4m people on “mini-jobs”, part-time work that is tax-free up to €450. This flatters the jobless rate, but Germany has become a split society, more unequal than at any time in its modern history. A fifth of German children are raised in poverty.
  • 47 Photos That Prove People Had More Class In The Past – Ich bin ja kein Freund der Retrofizierung, aber gut. es sind ein paar schöne Fotos dabei. Wann wohl Aufnahmen aus den 00er und 10er Jahren im Internet unter "Awwww, schau mal. Wie cool die damals waren." auftauchen?
  • Ukraine ? Obama bestätigt US-geführten Putsch in Kiew — der Freitag – "Der russische Präsident Wladimir Putin sei von den Ereignissen in der Ukraine Ende 2013 und Anfang 2014 überrascht worden, „nachdem wir einen Deal zur Machtübergabe ausgehandelt hatten.“ Das sagte US-Präsident Barack Obama am 1.2.15. im Gespräch mit Fareed Zakaria von CNN."

    Ach ja. Wem kann man noch glauben in der Ukraine. Es tut mir leid um für Bevölkerung, auf deren Rücken offenbar der Konflikt zwei Mächte ausgetragen wird, die um eine wie auch immer geartete Vorherrschaft ringen.

  • Ukraine in München: Es gilt die gefühlte Temperatur – "Meine sehr subjektive Wahrnehmung (mit der ich offensichtlich bei Weitem nicht alleine stehe) nach drei Tagen Sicherheitskonferenz: Die Konfrontation West gegen Ost (oder umgekehrt) ist nicht nur wieder da, sie wird so bald nicht verschwinden."

    Ich war nicht vor Ort, hab aber einen Teil der Konferenz per Stream und im TV gesehen. Und ich habe seit den 80er Jahren nicht mehr so viel "Betondenken" auf beiden Seiten gehört, wie an diesem Wochenende. Es war schon erschreckend, wie hart man verbal miteinander umging. Gut, offenbar hatte sowohl die USA also auch die Sowjet… moment… Russland ihre Hardliner nach München geschickt. Und offenbar hat man den Hardlinern auch ein kurzes Briefing gegeben, in dem dann "Sag immer, die anderen sind Schuld". Das ging so weit, dass der russische Außenminister sich über die Wiedervereinigung aufregte. Das ist natürlich lächerlich, spiegelt aber wieder, wie hart die Fronten sind. Mit Diplomatie hatte das alles nichts zu tun und das war auch gar nicht beabsichtigt. Legt man aber die klassischen Regeln der Diplomatie an, stellt man fest, dass die Wut zumindest auf russischer Seite sehr, sehr groß ist. Ob das gerechtfertigt ist kann ich nicht sagen, aber sagen wir mal so. Die Ausweitung der NATO gen Osten ist sicher nicht im Sinne Russlands. Und was die NATO in der Ukraine macht, muss mir auch noch mal einer erklären. Auf der anderen Seite ist die Taktik Russlands in der Ost-Ukranie auch nicht gerade sonderlich hilfreich.

Warum Verlage ihre Webseiten behalten sollten

Johnny schrieb gestern bei der wired:

„Für die Anbieter von Inhalten ist der virtuelle Ort, an dem sich Menschen treffen, um sich miteinander auszutauschen, der einzige noch relevante Ort. Und wenn Facebook, Snapchat und Co. die neuen großen Nachrichtenkanäle sind, könnte es sogar passieren, dass sie genauso wie die alten agieren und in naher Zukunft professionelle Content-Lieferanten bezahlen werden, um die eigene Attraktivität zu steigern und hohe Werbeumsätze zu generieren.“

Daraus schließt er, dass Verlage ihre Webseiten dicht machen sollten um mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. Davon abgesehen, dass es keiner machen wird, denke ich, dass es andere und vor allem bessere Lösungen gibt, wie man Leser gewinnen kann.

Mag sein, dass Buzzfeed 75% seiner Leser auf Facebook und Twitter einsammelt. Mag auch sein, dass Snapchat und WhatApp neue Kuratier- und Aggregatoren sind. Aber am Ende landen die Leser halt doch wieder auf der Webseite. Zum einen, weil dort die News/Artikel gebündelt sind, zum anderen weil Webseiten eine bessere Darstellung zulassen.

Eine Webseite, ein Blog oder was auch immer, ist für mich sowohl End- als auch Ausgangspunkt einer Reise. Hier habe ich die Möglichkeit Leser zu binden, zum Beispiel auch damit, dass ich sie wieder zu interessanten Links weiterschicke. Wenn ich als Hub agiere, kommen die Leser auch ohne den Umweg eines sozialen Netzwerkes. Gleichzeitig stellt sich ja auch die Frage: Wer sagt, dass Facebook in drei Jahren noch „das“ Aggregations Netzwerk sein wird? Vielleicht wird es Sapchat. Vielleicht aber Kollaborationsplattformen wie tumblr oder Storify? Vielleicht auch ganz was anderes, wie „Medium“.

Was sich Verlage durchaus überlegen müssen, ist die Darreichungsform der Nachrichten und Informationen. Alle, aber wirkliche alle deutschen News-Webseiten funktionieren im Grunde noch wie 1995. Es geht um den Abdruck überarbeiteter Meldungen. Statt auf Papier halt im Web. Zwar hat sich der Schreibstil (Danke, SEO) massiv verändert, aber grundsätzlich ist da nicht viel passiert. Der Aufbau „Bild, Einleitung, Text“ wurde nur um den Bereich „Kommentar“ erweitert.

Es fehlt eine ganze Menge an Elementen, die das Lesen erweitern würden. Bei Meinungsstücken eine Gegenüberstellung anderslautender Meinungen. Der im letzten Jahr mit dem Grimme Online Award ausgestattete „Pressekompass“ macht das ganz wunderbar und er kommt ja hier und da bei Spiegel Online zum Einsatz. Aber im Grunde noch viel zu selten. Genau dieses Fehlen einer Gegenüberstellung anderer Meinungen führt ja unter anderem auch zu Ausrufen wie „Lügenpresse“.

Ebenso fehlen Videos. Ich meine nicht die teuren Reuters-Schnipsel. Man muss nur sehen, welche Formate im deutschsprachigen YouTube funktionieren oder warum LeFloid so erfolgreich ist. Klar, man kann sagen „Je nun, das sind ja keine Nachrichten“. Oder: „Die Aufarbeitung passt nicht. Ist zu flach.“ Habe ich letztes Jahr genauso gesagt. Und ich habe falsch gelegen. Wenn sich Jugendliche zu Hunderttausenden täglich ihre News lieber bei LeFloid abholen, dann sollte man seinen Dünkel schnell ablegen. Nicht die Jugendlichen begehen einen Fehler, wenn sie sich ihr Format der Nachrichten aussuchen, sondern die Verlage und Redaktionen, wenn sie diese Zielgruppe ignorieren oder sagen, dass man diese Generation eh nicht für Nachrichten interessieren kann. Das Interesse ist da, die Aufarbeitung passt nicht.

Und genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass Verlage ihre Webseite behalten und auch noch weiter ausbauen. Sie bieten die Möglichkeit einerseits die Kontrolle über das zu behalten was man veröffentlichen will (und darf) und sie bieten die Chance neue Formate auszuprobieren und neue Vermittlungsstrukturen zu etablieren.

Bookmarks vom 27.01.15 bis 04.02.15

Gesammelte Links:

  • Yanis Varoufakis: „Ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates“ | ZEIT ONLINE – "Diese Leute haben nicht etwa hochbezahlte Berater entlassen, sondern Putzfrauen, die nachts die Räume und Toiletten gesäubert haben. Frauen über 50, die mit 500 Euro im Monat nach Hause gegangen sind. Diese Entscheidung ist moralisch verwerflich. Und bevor Sie nachfragen: Das Geld werden wir an anderer Stelle einsparen – indem wir die Verträge der Berater nicht verlängern."

    Sympahtisch. Aber auch ein wenig symbolisch. Das alleine wird ja nicht helfen. Interessant wird es, wenn Varoufakis diese Umverteilungspolitk auch im großen Stil umsetzen kann.

  • the o? DSL show – wirres.net – Felix möchte gerne Kunde bei O2 werden. Das scheint aber gar nicht so einfach zu sein.
  • Vaccine Critics Turn Defensive Over Measles – NYTimes.com – Die Dummheit der Menschen ist doch immer wieder erstaunlich. Das ausgerechnet in den USA, die bis in die 50er an schweren Polio Ausbrücken geitten haben, eine Anti-Impf Stimmung entsteht, ist schon bemerkenswert. Auch das Argument "Man wolle keine Gifte im Körper der Kinder". Alle bescheuert.
  • Karriere und Konflikte: Psychospielchen im Management – SPIEGEL ONLINE – "Meine Erfahrung ist, dass sich in der Regel die Fiesen, Machthungrigen durchsetzen und die Anständigen, Motivierten gehen müssen. Ein ungleicher Kampf, den vor allem Frauen fast immer verlieren."

    Wenn das so liest wird deutlich, dass Konzerne Arschlöcher sind, weil dort Arschlöcher arbeiten. Rücksichtslose, gierige Arschlöcher, ohne jegliche Moral oder Verantwortungsbewusstsein.

  • So viel Geld kann man mit Youtube verdienen – "Pro 1.000 Klicks verdient man rund 1 Euro. Das bedeutet, dass beispielsweise einer der erfolgreicheren Youtube­-Kanäle mit über 30 Millionen Views alleine durch die Werbeanzeigen bereits rund 30.000 Euro einnimmt."

    Was man so auf YT verdient, wenn es einigermaßen läuft. 30 Mio Views sind allerdings mit rein deutschsprachigen Content eher selten zu erreichen, in Englisch sollte das anders aussehen. Also zumindest ist die Chance größer. Den Hauptteil verdient man durch Product Placement, was wieder interessant ist, weil das meist eben nur auf dem regionalen Markt funktioniert.

    Jedenfalls ist YT jetzt auch keine Lizenz zum Gelddrucken. Unter 1 Mio Views pro Monat tut sich da offenbar herzlich wenig.

  • Does Sponsoring Daring Fireball Actually Work? | Desk – Native Advertisment oder TKP Banner? In den USA setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass NA deutlich mehr bringt, als Bannerwerbung. Vor allem bei Nischenblogs mit einer loyalen und festen Leserzahl. Keine Streueffekte, weniger Verluste, direkte Ansprache und vor allem bietet sich Unternehmen gleichzeitig die Möglichkeit, das eigene Branding zu verbessern. Im Grunde zahlt man statt zweier Werbeformen nur noch eine.

Bookmarks vom 20.01.15 bis 24.01.15

Gesammelte Links:

  • Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung | TAB – Was passiert wenn mal drei Tage der Strom ausfällt? Nach 24 Stunden bricht das komplette Chaos aus.
  • Datenerfassung im Auto: Spione an Bord – Auto | STERN.DE – Füchterlicher "Daten sind böse" Artikel, den ich hier nur zur eigenen Recherchezwecken ablege. Zum Thema kommt die Tage was von mir auf Mobilegeeks.
  • What do journalists think about the current and future state of PR? – Prezly – Interessante Fragestellung. Ich bin der Meinung, dass klassische PR, also der Aussand von PR-Meldungen, immer weniger wichtig wird. Zum einen, weil die Firmen einen großen Teil der Aufmerksamkeitskampagnen selber steuern, in dem sie schlagkräftige Social Media Teams im eigenen Haus aufbauen. Zum anderen: wo sollen die PR-Artikel erscheinen? Die Redaktionen werden immer kleiner, die Hefte immer dünner. Es gibt ein paar Kollegen, die meinen, dass gerade die ausgedünnten Redaktionen dankbarer für gute Pressetexte sind, die sie dann unterbringen, Ist halt günstiger, als einen Freien zu bezahlen.
    Sehe ich nicht so, native Advertisment ist auch in den Redaktionen angekommen. Man verkauft halt den redaktionellen Platz lieber.
    Klassische PR Firmen müssen umdenken in Richtung langfristiges Content Marketing, was nicht leicht ist. PR wird deutlich komplizierter und bedarf einer viel feineren Steuerung durch die Unternehmen. Da liegt auch ne Chance für PR Firmen
  • Daily Blogs – "Statt auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, verstecken sich die Excel-Führungskräfte hinter Berichtsorgien und Kennzahlen-Management."

    Entspricht auch meiner Wahrnehmung der meisten Konzerne. Das Vorgabenprinzip mit Kennzahlen usw. führt am Ende nur dazu, dass Mitarbeiter "Zahlen bolzen" ohne Rücksicht darauf, ob die Zahlen Sinn machen oder dem Unternehmen langfristig überhaupt etwas bringen. OKRs, so wie sie im Sillicon Valley oft eingesetzt werden, sind da schon besser, weil sie eh nicht zu schaffen sind, aber ob das dann wieder motivierend sein kann, ist eine andere Frage.

    Vor ein paar Wochen sprach ich mit ein paar Deloitte Beratern, die unbedingt wissen wollten, wie denn so die Strukturen in einem deutschen Startup seien. Und warum strategische Veränderungen in einem Startup so schnell gehen würde. Kurzgefasst liegt es einfach daran, dass Startups permanent um das Überleben kämpfen müssen auf der anderen Seite haben sie ein größeres Gespür für die Veränderungen auf dem Markt. Was heute noch ok sein kann, hat sich in einem halben Jahr komplett verändert

    Ich pädiere seit einigen Jahren schon dafür, dass sich große Unternehmen Abteilungen zulegen, die wie Startups geführt werden. Das gilt vor allem für Produktentwicklung und Kommunikation. Auch der Stab rund um die Vorstände sollte sich teilweise wie ein Startup aufstellen. Spart am Ende auch hohe Beratungskosten.

  • SearchReSearch: Answer: Where’s the lake… (Part 3 of 3) – Faszinierend was man mittels Suchmaschinen und offen Daten mittlerweile alles so recherchieren kann. In diesem Fall ging es um das Bild eines Sees und die Frage, wo der ist.
  • PR-Blogger – Warum Kundenkommunikation bei der DB Bahn etwas mit Content-Strategie zu tun hat – Sehr schönes Interview mit Svea Rassmus von der DB Bahn über Content Marketing. Man erkennt sehr gut, welchen Weg die Bahn hinter sich gebracht hat und wie klug die Strategie im Konzern gefahren wird. Können sich etliche eine Scheibe abschneiden. Ja, ich meine euch alle, Airlines.
  • 44 Amazing NYC Places That Actually Still Exist – Ich war noch niemals in New York! Keine Ahnung, wie das passieren konnte, an der Westküste war ich ja schon mehrfach und eigentlich sind zumindest die Flüge nach NY dann doch günstiger. Wenn ich mir diese Liste von alten Shops anschaue, muss ich das wirklich mal planen.