Wirschafts Terrorismus

Bloggen & Geld

Im Moment tobt mal wieder eine Diskussion zum Thema „Blogs“ durchs Internet. Mit ausgelöst hat sie die Auflistung einer Bloggerin, was sie denn der Betrieb ihres Blogs kostet. Die Auflistung ist teilweise hanebüchen. Man kann schlecht den eigenen Internetanschluss als „Blog Kosten“ angeben. Es sei denn, man würde ohne Blog erst gar nicht im Internet sein wollen, was ja nun auch Quatsch ist. Auf der anderen Seite stimmen gewisse Dinge wie Serverkosten usw. natürlich schon. Aber auch hier muss man sich die Frage stellen, ob die Auflistung Sinn macht. Hobbys kosten nun mal Geld und weil es Spaß macht, rechnet man nicht weiter herum.

Etwas anderes ist es, wenn ich meine Webseite dazu nutzen möchte um meinen Lebensunterhalt ganz oder teilweise zu verdienen. Natürlich steigen dann die Kosten etwas. Eine Kamera, ein Stativ, ein Bildbearbeitungsprogramm usw. Aber welcher Unternehmer kommt schon ohne Investitionen aus? Und ja, wenn ich vor habe von meinem Blog zu leben, starte ich eine unternehmerische Tätigkeit. Das ist mit Risiken und mit Investitionen verbunden. Es ist keine Festanstellung, wo man mir alles kostenlos in die Hand drückt, damit ich meinen Job machen kann. Wenn ich mein eigenes Geschäft starte, muss ich halt auch selber für die Ausstattung sorgen.

Zu diesen Investitionen zählt natürlich auch der Faktor Zeit. Wenn ich nicht jeden Tag ein Advertorial schreibe, erbringe ich immer eine unbezahlte Vorleistung. Jeder Text, den ich schreibe, kostet Zeit, erbringt aber im ersten Schritt erst einmal kein Geld. Ich muss mir überlegen, ob und wie viel Zeit ich investieren möchte, und wie viel Stundenlohn am Ende dabei rauskommt. Dazu gehört auch (erneut) dass ich erst in eine zeitliche Vorleistung treten muss, damit am Ende (sehr vielleicht) eine Summe X auf meinem Konto landet.

Wie hier an anderer Stelle schon mal erwähnt, sind die Verdienstmöglichkeiten für Nischenblogs beschränkt. Mode, Lifestyle und, mittlerweile mit Abstrichen, Tech sind die Sektoren, in dem sich mit ein wenig Glück und Fleiß ein brauchbares Ergebnis (+ 3.000 brutto/Monat) einfahren lässt. Diese Summen sind auch nicht sicher, nicht mal für sehr erfolgreiche Blogger, denn wie alle Dinge, unterliegen auch Blogs einer gewissen Aufmerksamkeitsökonomie. Agenturen und Industrie beobachten sehr genau, welches finanzielle Engagement sich wo lohnt. Vor ein paar Jahren waren das allein Blogs, mittlerweile verlagert sich viel Geld in Bereiche wie YouTube oder Instagram. Nur weil meine Seite ein Jahr prächtig läuft, heißt das noch lange nicht, dass das im Folgejahr genauso ist.

Im Moment gibt es nur zwei Wege, wie man mit seinem Blog zumindest längerfristig erfolgreich sein kann.

1. Ich nutze das Blog als mein persönliches Vermarktungsinstrument in bestimmten Nischen. Ich besetze mit guten Texten Themenfelder, sorge für eine gute Verbreitung in den sozialen Netzwerken und bekomme so nach einer Zeit und aktiven Anbieten externe Aufträge. Zum Beispiel als Consultant, als Leiter von Schulungen, Autor usw. Ich investiere also mein Kapital (mich, meine Zeit plus ein paar weitere Investitionen wie Kamera, Software etc.) um mehr Kapital daraus zu machen. Es gibt ein paar Beispiele von Autoren, bei denen das so recht erfolgreich läuft, darunter zum Beispiel Robert Basic.

2. Ich baue ein redaktionelles Angebot auf. Mit anderen Worten, ich sorge für Wachstum (Reichweite in spezifischen Zielgruppen) und erhöhe mein unternehmerisches Risiko in dem ich eine Redaktion aufbaue. Irgendwann reicht die eigene Zeit nicht mehr aus, um das nötige Wachstum in Form von Artikeln, Bildstrecken usw. zu leisten. Entweder sage ich an dem Punkt: Ok, reicht mir. Oder ich gehe halt ins Risiko und suche mir Autoren, die entweder das Risiko mittragen oder die bezahlt werden. Alternativ kann ich auch versuchen mein Blog in ein Verlagsnetzwerk zu integrieren oder ich suche mir eine Vermarktungsagentur. Beides ist nicht leicht und hat wieder eigene Risiken, wie man gerade beim Streit zwischen Mediakraft und deren YouTube-Stars sehen konnte.

Dazwischen gibt es im deutschsprachigen Raum kaum Möglichkeiten. Wenn ich drei Ratschläge für Blogger geben soll die unbedingt und sofort vom Bloggen leben wollen, wären das diese:

1. Schreib zweisprachig oder direkt in Englisch. Der deutsche Markt ist meist zu klein. Ich bereue es zum Beispiel, dass ich das Racingblog nicht von Anfang an in Englisch geschrieben habe. Es gibt knapp 100 Millionen Menschen, die Deutsch verstehen, aber knapp 3 Milliarden, die mehr oder weniger Englisch können.
2. Verlass Dich nicht auf eine Einnahmequelle wie Advertorials, Werbung etc. Und binde Dich nicht exklusiv an einen Sponsor. Wenn der den Stecker zieht, ist es meist vorbei. Einen „Sicherheitsjob“ und sei es für einen Tag die Woche, ist immer besser.
3. Überlege, wie Du Dein Thema für YouTube umsetzen kannst und probiere es aus. Wenn Du das nicht kannst, magst oder willst, baue Dir starke Auftritte in anderen Medienbereichen auf. (Fotos, Podcast etc.)

Ach ja: Und hör auf zu jammern und zu rechnen. Wenn Du das machst, nimm lieber eine Festanstellung.

Enzensberger und die Weltrevolution

(Note: Ich hatte den Text als Kritik unter eine Kritik von Jürgen Kuri auf G+ gesetzt. Für diesen Artikel aber erweitert und bearbeitet. Während Jürgen die Sache differenziert angeht, greift mit der Tenor, vor allem auf Facebook mit diesen, „Haha, Enzensberger will das Handy verbieten, wie doof ist der denn“ Einwürfen einfach viel zu kurz. Es ist die typische Reaktion aus dem Netz, wenn einer mal was gegen das Netz und andere Technologien sagt.)

Jetzt fallen also alle über Enzensberger her, der sich die Freiheit genommen hat zu sagen, man sollte sein Smartphone wegwerfen. Rückwärtsgewand sei das, war noch die freundlichste Beschreibung für den Text. Das „Wehrt Euch“ in der Überschrift wird als Technologiekritik verstanden, Enzensberger fordert eine Rückkehr zur Schreibmaschine und zur guten alten Briefpost.

Ja, das Ding von Enzensberger liest sich im ersten Moment, als sei Karl Kraus kurz mal durchs 21. Jahrhundert gehüpft. Ja, da steht auch provokativer Quatsch drin, der knapp am Trollen vorbeischrammt, aber es ist ja auch nicht das erste Mal, dass er zu diesem Stilmittel greift. Und so ganz unrecht hat er auch nicht. Dafür muss man seinen empörten „Der will mir mein Handy wegnehmen“ Blick vielleicht für einen Moment mal erheben und selbigen über den Tellerrand schweben lassen. Dazu gehört auch die Frage, aus welchem gedanklichen Umfeld so Überlegungen kommen könnten, immerhin ist Enzensberger ja kein weltfremder Vollidiot.

Enzensberger sieht in der Technologie (Smartphone) eine Kontroll- und Repressionsapparatur, die den klassischen Freiheitsbegriff des liberalen Bürgertums untergräbt. Dass nämlich weder ein Unternehmen noch der Staat im Leben der Menschen etwas zu suchen hat, bzw. seine Freiheitsrechte gefährden darf.

Beide Seiten haben sich rauszuhalten, der Staat ist dafür da, Übergriffe auf die Freiheit seiner Bürger abzuwehren, in dem er sich auf die Seite der Bürger stellt. Stattdessen, und das beklagt er ja nicht zu Unrecht, geschieht das Gegenteil, der Bürger wird alleine gelassen, soll zustimmen, aushalten und der Erosion der Bürgerrechte still zu sehen. Enzensberger vertritt die Sichtweise aus den 50er und 60er Jahren (Habermas u.a.) gemischt mit ein wenig 68er-Folklore, und alles ist auch aus dem Idealbild des Liberalismus des frühen 20. Jahrhunderts abgeleitet. (Es ist eine Form des egalitären Liberalismus, die er vertritt.) Der Mensch ist grundsätzlich frei und vor allem kann er über seine Wahlstimme kontrollieren, welchen Weg der Staat einschlagen soll.

Enzensberger scheint davon auszugehen, dass die Postdemokratie schon längst gesiegt hat. Dass also wirtschaftliche Interessen und Unternehmen den politischen Entscheidungsprozess dominieren. Die individuelle Freiheit ganzer Teile der Gesellschaft muss hinter diesen Interessen nachstehen. Er geht so weit, dass auch die Kontrolle über die wirtschaftliche Freiheit nicht mehr gewährt ist. Zum einen, weil Unternehmen mittlerweile mehr wollen, als nur unser Geld (Daten) zum anderen, weil sich Unternehmen mehr und mehr einer nationalen Kontrolle entziehen (Google, Apple usw.). Durch das Netz, so seine Kritik, schaufelt sich der Liberalismus sein eigenes Grab, weil er den Unternehmen und der Totalüberwachung (kritisiert er ja auch) quasi kampflos den Weg freiräumt.

Er verteufelt gar nicht die Technologie an sich, nur das, was andere damit anstellen, bzw. wie diese Technologie dazu genutzt wird, dass er seine Bürgerrechte nach und nach verliert. Er formuliert die Angst vor einer postdemokratischen Technokratie, in denen „seine“ Freiheitsrechte nichts mehr gelten, weil sie sich der Überwachung und dem wirtschaftlichen Fortschritt unterordnen müssen. Er wehrt sich gegen die Banken, die ihr Überleben und die Geldvermehrung über das Wohl ganzer Gesellschaften stellen und die mehr Kontrolle und Macht haben, als es ihm in seinem Verständnis von Bürgerrechten lieb ist. Er beklagt den Verlust von Kontrolle über sein Leben, seine Freiheit und sein Geld. (Parallel beklagt er auch die Doofheit der Menschen, die für „Umsonst“ Angebote sämtliche Freiheiten aufgeben.)

Er weiß wohl, dass derartige Rechte, sind sie einmal verschwunden, sich nicht so leicht wiederherstellen lassen. Der Artikel ist nicht zwingend der eines misanthropischen Technologie Verächters. Auch wenn er es sich ein wenig einfach macht, wenn er die Schuld nur bei Technik sieht und nicht bei den Menschen, die sie nutzen.

Und da setzt dann auch Kritik an dem Text an. Er macht es sich ein wenig einfach, wenn er die Schuld bei der Technologie sucht und nicht etwa im Versagen der Politik bzw. des Liberalismus, der Sozialdemokratie (damit meine ich nicht die Partei) und der ethischen Verantwortung der Wirtschaft. Er könnte auf Parteien, Wahlsysteme usw. einprügeln, aber er hat sich die Technologie ausgesucht.

Der Verzicht auf Technologie ändert aber nichts am Status quo, auch wenn er das gerne hätte. Er glaubt, dass man durch den Verzicht die Angriffe auf Bürgerrechte und die Postdemokratie trocken legen kann („Pleite gehen lassen“), versäumt aber den Blick etwas weiter zurückzuwerfen. Denn die Geburt der Probleme liegt nicht in den 2000er, sondern im Zusammenbruch des Kommunismus zu Beginn der 90er. Seit dem hat der Kapitalismus kein Gegengewicht in Form eines anderen Systems hat, hat er sich gewandelt und der Postdemokratie Tür und Tor geöffnet. Deswegen greifen die „Regeln“ von Enzensberger auch zu kurz, Sie sind ein trauriger Versuch, die Notbremse zu ziehen, um bestimmte Symptome zu bekämpfen, verbunden mit der Hoffnung, dass das „System“ dann schon wieder zur Vernunft kommen würde.

Das Bedauerliche an dem Text ist eigentlich, dass er so hilflos wirkt. Wenn selbst jemand wie Enzensberger nur noch zu symbolischen Mitteln auffordert, wenn ihm nicht mal mehr ein Angriff auf die Staatsphilosophie gelingt, wenn ihm keine andere Lösung einfällt, als die Technologie zu verbannen, dann ist das schon eine kleine Bankrotterklärung.

LSR: Ein unkontrollierbares Monster

Da ist es also, das Leistungsschutzrecht. Und es hat Auswirkungen auf alle, die sich im Netz bewegen. Drüben im Racingblog musste ich, bis auf ein paar Ausnahmen, alle Links zu deutschen Verlagsseiten verbieten. Nun ist der Motorsport eh meist eine internationale Sache, ich habe genügend gute Quellen außerhalb der „Sportbild“. Immerhin habe ich mit dem größten deutschen Motorsportportal, Motorsport-Total.com, eine Regelung finden können. Was daran lag, dass ich den Chefredakteur kenne und alles „auf dem kleinen Dienstweg“ erledigen konnte. Mit dieser Abdeckung kommen wir drüben gut klar, die Leser werden sich dran gewöhnen. Ich kann das auch alles machen und in die Wege leiten, weil ich mich im Medien-Bereich etwas auskenne.

Aber es gibt so viel ungelöste Fragen zum LSR. Was ist mit SEO gepimpten Links, in Blogs oder auf Twitter? Was ist, wenn man die Links in eine Short-URL packt? Was geschieht mit Zitaten, die Rahmen einer Berichterstattung anfallen? Wie ist es, wenn ich den Link eines Verlages retweete? Die Liste der Fragen, die vor Gericht geklärt werden müssen, ist sehr lang.

Die Dummheit und Absurdität des Gesetzes haben schon viele versucht in Worte zu fassen. Noch absurder wird es durch die Tatsache, dass viele Verlage sich nun wieder bei Google ankuscheln. Jahrelang argumentierte man, dass man unbedingt gegen diesen Raubbau am deutschen Verlagswesen namens Google News vorgehen müsse. Jetzt ist es soweit und mit den Erklärungen der Verlage, sich doch weiter bei Google listen zu lassen, bricht das gesamte Argumentationsgebäude zusammen.

Was die Verlage offenbar haben wollten, ist ein möglichst schwammiges Gesetz, mir dem man Rechtsabteilungen und Abmahnanwälte füttern kann. Wie die Musikindustrie vor etlichen Jahren hat man sich einen eigenen Rechtsraum erschaffen, in dem man nun erst einmal schalten und walten kann, wie man das will. Die Massenabmahnungen der Musikindustrie, mit denen diese lange sehr viel Geld verdient hat, scheinen Begehrlichkeiten geweckt zu haben, das LSR dient dabei als Übergangslösung, bis man vernünftige Bezahlmodelle im Netz hat, oder der Mediashift komplett ist.

Wenn man das LSR als reines Abmahninstrument sieht, macht es tatsächlich auch Sinn. Es gibt jetzt schon Verlage, die absurd hohe Summen fordern. Würde ich gerne verlinken, geht aber nicht. Im Artikel der Berliner Zeitung geht es um denn Fall einer Musikerin, die nach Absprache mit einem Autor dessen positive Konzertkritik auf ihre Webseite genommen hatte. Nun soll sie 7600 Euro bezahlen.

Man sieht, da wartet ein Eldorado auf Abmahnanwälte. In Facebook, Foren, auf kleinen Webseiten, in Blogs usw. dürfte sich das LSR kaum rumgesprochen haben, also wird man weiter zu den üblichen Zeitungen und Magazinen verlinken, was das Zeug hält. Da wartet eine Menge Geld auf die Verlage.

Ich glaube den Verlagen nichts mehr. Weder, dass sie auf Abmahnungen verzichten, noch, dass die Autoren, von deren Texten die Verlage ja leben, am Ende beteiligt werden. Die Konsequenz ist, dass ich weder hier, noch in meinen anderen Blogs und Magazinen Links zu deutschen Verlagsseiten setzen werde. Um rechtssicher verlinken zu können, müsste ich von jedem Verlag eine Freigabe erbeten, das mache ich sicher nicht. Absichtserklärungen, dass man keinen Gebrauch vom LSR machen will, zählen dabei nicht. Wer weiß was passiert, wenn der Geschäftsführer in einem Verlag mal wechselt?

Die Verlage haben sich mit dem LSR ein Monster erschaffen, das nicht zu kontrollieren ist. Dagegen hilft nur eine Abschaffung des Gesetzes, aber das wird nicht passieren. Weder die CDU noch die SPD, mit deren Stimmen im Bundesrat das Gesetz schließlich in Kraft treten konnte, werden an diesem Gesetz etwas ändern.

Bleibt zu hoffen, dass die Verlage mit ihrer Abschottungsstrategie komplett scheitern werden.

Netzneutralitäten

Die Telekom hat also den ersten Schritt gewagt und klemmt bei Neuverträgen und ab 2016 (wenn es nötig sein sollte) andere Anbieter von ihrem Netz ab. 75 oder auch 100 GB sind in einem Monat schnell verbraucht, vor allem wenn man an Angeboten der diversen Mediatheken folgt. Ein wenig Fernsehen, ein wenig Musikstreaming, und schon steht man da, mit seinen 0,3 Mbit/s für den Rest des Monats. Das trifft im übrigen vor allem auch Freiberufler, wie Fotografen, Grafiker usw. die komplett andere Datenmengen zu verschicken und empfangen haben. Netterweise rechnet die Telekom ja auch Up- und Download zusammen, sonst würde es ihnen vermutlich keinen Spaß machen.

Nun kann die Telekom ja mit ihren Preisen machen, was sie will. Sie sagen, dass nur ein Bruchteil der User überhaupt mehr als 30 GB im Monat verblasen. Was sie nicht sagen ist, wie alt diese Zahlen sind und wie sich der Verbrauch in den nächsten drei Jahren weiterentwicklen wird, wenn noch mehr Streamingangebote (Netflix usw.) und Cloud Dienste den Weg in die Netze gefunden haben. Vermutlich dürfte selbst jemand, der seinen Rechner wenig nutzt, in der Zwischenzeit seinen Datendurchsatz verdoppelt haben. Unverständlich ist auch, warum die Telekom keine gestaffelten Preise anbietet, (zum Beispiel: 75 GB für 20 Euro, 150 GB für 35 usw.) statt direkt mit der Drosselung um die Ecke zu kommen.

Die große Frage ist ja, wie die anderen ISPs reagieren werden. Noch behaupten alle, dass man keine Drosslungen vornehmen werde. Mag sein, dass man dies zunächst nicht plant, man wird aber drüber nachdenken, denn der Schritt der Telekom kommt ja nicht unangekündigt, sondern hatte sich in den letzten zwei Jahren schon angedeutet. Natürlich ist es im Moment ein Vorteil für Neukundenverträge keine Beschneidung der Bandbreite im Programm zu haben. Aber selbst wenn ISPs wie „1und1“ keine Drosslung anbieten wollen, ist die Frage, wann sie es vor allem bei VDSL-Angeboten müssen. Die Telekom hat hier nämlich den Finger drauf und darf Konkurrenzanbieter schlichtweg aussperren. (Die Konkurrenz darf das auch, wenn ihnen die letzte Meile gehört).

Im Grunde bedeutet das, dass die Telekom nicht mehr die letzte Meile vermietet, sondern Pakete anbieten kann, die eben zum Beispiel auch nach Datendurchsatz gestaffelt sind. So kann die Telekom (theoretisch) die Konkurrenz zur Drosslung zwingen, da die Kosten für einen Fremdanbieter sonst entgleisen könnten. Eine Alternative bieten nur jene ISPs, die mittlerweile die letzte Meile mit eigenen Kabeln überbrückt haben oder die auf eine andere Technologie setzen (Kabelnetz).

Interessant dürfte die Frage sein, wie die Netzdienste reagieren werden, hier vor allem Google, Amazon und Apple, deren Angebote alle komplett von einem offenen Netz abhängig sind. Eine logische Schlussfolgerung wäre, dass zum Beispiel Amazon damit beginnt, sich Bandbreite bei der Telekom zu kaufen, um diese an ihre Kunden weiterzugeben. Entweder über das Angebot des „Managed Service“ (Dämliche Wortidee der Telekom) oder in dem sie eventuell selber als ISP auftreten, in dem sie Services von „1und1“ oder „O2“ aufkaufen. Quasi also als Reseller unter eigenen Namen agieren. Man hat also ein „Telekom Netz“ ohne Amazon (Lovefilm, AWS usw.) und ein „Amazon Netz“ ohne Telekom, Mediatheken, Google oder sonstigen Inhalten. Darunter leiden werden Dienste wie „Soundcloud“ usw. deren finanzielle Decke kaum ausreichen wird, um sich den Service von allen ISPs zu leisten. Wie zersplittert die Medienlandschaft aussehen kann, sieht man im TV-Bereich in den USA. Verschiedene Kabel- und Satellitenanbieter bieten unterschiedliche Programme an, nicht alle Zuschauer können alle Programme sehen. Scheinbar möchte die Telekom einen ähnlichen Weg einschlagen. Die Hoffnung, dass zum Beispiel Google mit einem eigenen Glasfasernetz in Deutschland aufschlägt, kann man wohl direkt vergessen, da die Kosten dafür viel zu hoch sind.

Was mich allerdings bei der Sache noch interessiert, ist die rechtliche Frage, also, ob die Telekom eine Bandbreitenbeschränkung überhaupt durchsetzen kann. Es geht hier immerhin auch um die freie Verbreitung von Informationen. Wie werde zum Beispiel die umfangreichen Medienangebote der Ministerien und Ämter behandelt? Bisher sind diese ja nicht im Transfervolumen der Telekom mit einbezogen. Steht man nach drei Tagen „BundestagsTV“ also dann schon ohne Netz da? Eine andere Frage ist auch, wie sehr die neuen Verträge der wirtschaftlichen Entwicklung im Bereich Start-ups entgegen stehen. Dienste wie Soundcloud oder TapeTV wären nie in der Lage, sich innerhalb von Deutschland zu etablieren. Statt die Gründung also in Deutschland vorzunehmen, wäre man gezwungen ins Ausland abzuwandern. Dem Staat entgehen so Steuereinnahmen und er schafft ein investitionsfeindliches Klima. Deutschland hat in den letzten Jahren, dank schlechter Verfügbarkeit von Breitbanddiensten, international hier sowieso an Boden verloren. (http://cloudscorecard.bsa.org/2013/)

Der Schritt der Telekom ist also nicht nur eine Ohrfeige für die Netzneutralität, sondern gefährdet auch den Internetstandort in Deutschland.

Google vs. Apple vs. Microsoft vs. User

Die Zickigkeiten der großen Webunternehmen haben im letzten Jahr massiv zugenommen. Apple wirft Google Maps raus, ersetzt diese dann durch ein eigenes, minderwertiges Angebot, nur damit eben keiner mehr Google Maps nutzt. Google beendet den Support für den Microsoft Exchange Server, was faktisch darauf hinausläuft, dass User, die gerne Windows Phones nutzen möchten (und dafür gibt es durchaus viele Argumente) faktisch Googlemail nicht mehr nutzen können. Microsoft rät zum Wechsel zu der tatsächlich nicht ganz so schlechten Webversion von Outlook. Gleichzeitig bauen die Anbieter ihre „all inklusive“ Ökosysteme weiter aus, damit man auch nicht auf die Idee kommt zu wechseln. Und zwischen Twitter und Facebook herrscht ebenfalls kalter Krieg, was man spätestens im Herbst gemerkt haben sollte, als Twitter die Card-Unterstützung für Instagram einstellte.

Userströme wandern immer dahin, wo es das interessanteste Angebot gibt. Man nutzt Dienste eine Zeit lang, dann macht jemand was Besseres (Schöneres, Interessanteres) auf und schon ist man wieder weg. Den Massenexodus haben Friendster, MySpace, Digg und andere Seiten in den letzten Jahren erleben dürfen, die Einrichtung eines walled garden aus Angst, die User laufen wieder weg, kann man also gut nachvollziehen. Auch wenn das Ganze ein wenig an jemanden erinnert, der seinen Freund/Freundin zu Hause einsperrt, weil man Angst, er/sie könne jemanden anderen kennenlernen und durchbrennen. Die Erfahrung zeigt, dass das wirtschaftliche Einkasernieren der Kunden aber durchaus funktioniert, wenn man ihnen keine andere Wahl lässt. Oder sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen lässt, dass es eine andere Wahl geben könnte. Im Grunde, so als Randbemerkung, eine kommunistische Einstellung.

Unter den Streitigkeiten der großen Anbieter leidet erst einmal der User, der es gewohnt ist, sich die Programme und Plattformen, mit denen er gerne arbeitet, selber zusammenzustellen. Ich mag vielleicht Googlemail, will aber lieber ein Nokia Lumia nutzen, weil die Hardware besser ist, als alles was es mit Android gibt. Warum sollte ich mir auch vorschreiben lassen, welches System, welchen Mailanbieter ich wählen darf? Natürlich – die Cloudanbieter haben hohe Infrastrukturkosten, auf der anderen Seite bekommen sie meine Daten mit denen sie (angeblich, wäre ja mal schön, wenn das klappen würde) Target-Werbung schalten. Sie verdienen also, auch wenn ich nicht bezahle, allein deswegen, weil ich ihren Dienst nutze.

Mir persönlich ist es in weiten Teilen wurscht, wer hinter welchen Dienst steckt, so lange ich das Gefühl habe, dass der Dienst all das macht, was ich erwarte und die Firma nicht komplett bescheuert ist. Ich erwarte auch, dass die Anbieter eine der Grundregeln des Netzes beachten, und so zusammenarbeiten, dass man seine gewählten Dienste auch quer durchs Netz und über alle Plattformen anwenden kann. Das ist, nur so zur Erinnerung, eines der Geheimnisse des Netzes.

Es fehlt eine Demokratisierung der Angebote. Was WordPress für die Contentherstellung geleistet hat, muss es auch für andere relevante Dienste geben. Es fehlt zum Beispiel ein Anbieter, der einen Mailserver mit einer Oberfläche versehen kann, die Ähnliches wie Google oder Outlook anbietet und für man eine eigene App erstellen kann. Gleiches gilt für Cloudspeicher, Online-Dokumente usw. Theoretisch könnte man so seine eigene Infrastruktur aufbauen, die unabhängig von den großen Anbietern macht. Vielleicht ist das auch die Zukunft, dass das Netz in die Hände der User zurück überführt wird. Johnny hatte dazu die Tage ja auch einen weit beachteten Artikel geschrieben. Zumindest ließe sich so die drohende faktisch schon laufende Aufhebung der Netzneutralität ausbremsen.

Das Problem mit dem „Like“ Button

Die „Deutsche Bahn“ ist jetzt auch auf Facebook. Das wäre an sich eine schöne Sache, wenn es denn wirklich die „Deutsche Bahn“ wäre. Also wenn die Bahn einen Kommunikationskanal geöffnet hätte, in dem sie mit Facebook-Usern und Kunden auf Augenhöhe kommunizieren würde. Aber das tut sie nicht. Sie, bzw. die Agentur, die dahinter steckt, hat einen „special marketing“ Kanal aufgemacht, der, soweit man das sehen kann, sich nur auf eine bestimmte Aktion begrenzt. Wer Facebook-User ist, kann an der Aktion „chefticket“ teilnehmen, die Fahrkarte beinhaltet, mit der man bis zum 15.12. für 25 Euro durch Deutschland reisen kann. Jedenfalls heißt der Kanal bei Facebook „chefticket“ und nicht „Deutsche Bahn“. Das ist nichts anderes, als eine Rabattmarke für ein absichtlich außerhalb der Weihnachtstage geltendes Angebot. Im Grunde hat es nichts mit der neuen Form der Kommunikation auf Augenhöhe zu tun, es ist nur ein Vertriebskanal für ein Angebot, dass in dieser und anderen Formen schon seit Ewigkeiten in verschiedenen Medien angeboten wird. Warum das zweitklassige Angebot „chefticket“ heißt, ist dann noch eine völlig andere Frage.

Über das Angebot mag man streiten, vor allem über seine offensichtliche Platzierung, vor Weihnachten bzw. den expliziten Ausschluss der Feiertage. Um mehr über das Angebot zu erfahren, bzw. um „Buchungserinnerungen“ zu bekommen, müsste ich dieses Angebot per „Gefällt mir“ Button zu meinen Empfehlungen für meinen Freundeskreis hinzufügen. Aber warum sollte ich das tun?

Ein Klick auf einen „Like Button“ ist eine spezielle Angelegenheit. Bei Musik oder einem Text mag es leicht fallen. Ich mag den Song, ich mag diesen speziellen Text eines Autors – das ist einfach. Aber wie sieht es bei einem generellen „Like“ Button aus, der eine Firma betrifft, noch dazu einer Firma, die insgesamt und im speziellen wegen der undurchsichtigen Planfeststellungsverfahren in Stuttgart in der Kritik steht? Sicher, ich mag die Bahn. Im Grunde funktioniert sie, man transportiert mich mehr oder weniger schnell und zuverlässig an meinen Zielort. Aber die Nuancen der Kritik transportiert ein genereller „Like“ Button eben nicht.

Das wäre nicht so schlimm, wenn die Bahn grundsätzlich einen Kommunikationskanal auf Facebook öffnen würde, auf dem ich meine Kritik los werden könnte. Stattdessen bekomme ich aber nur einen temporären Account geliefert, ich darf das befristete Angebot „liken“, mehr nicht. Ob die Seite gelöscht wird, wenn das Angebot in sechs Wochen ausgelaufen ist, wird nicht kommuniziert, aber die sehr spezielle Benennung des Accounts deutet daraufhin.

Wenn ich Firmen in Sachen Social Media berate, warne ich sie immer davor, dass Fass „Social Media“ ohne einen langfristigen Plan auf zu machen. Und ich warne sie auch vor überzogenen Erwartungen. Manche, wirklich große Kunden, die Millionen Kunden haben, wundern sich, dass diese nicht einfach den „Like“ Button klicken. „Wir haben doch XY Millionen Kunden, Facebook hat 12 Millionen User in Deutschland, also müsste ich doch mindestens 10% erreichen.“ Mal abgesehen davon, dass man mit klassischer Werbung so viele User auch nur auf dem geduldigen Papier von den beratenden Agenturen erreicht, zeigen die meist geringen Klickraten der „Like“ Button noch etwas anderes an: Das es den Kunden extrem schwer fällt, sich mit einer Marke auf Dauer zu identifizieren. „Like“ zu klicken bedeutet umgangssprachlich, dass man sich ohne jegliche Hinterfragung mit einer Marke identifiziert, egal was sie macht. Das mag bei Mode, Musik oder Texten klappen, aber nicht bei richtig großen Firmen, die einen wiederkehrenden Einfluss auf den Alltag haben.

Beim Beispiel der Bahn bedeutet das ganz einfach, dass ich die xte Verspätung im ICE/Regional/S-Verkehr, die Kaputt-Sanierung der Berliner S-Bahn oder eben Stuttgart 21 auch gut heiße. Aber wer kann so etwas, mal abgesehen vom Vorstand der Bahn, schon tun?

Die Bahn hat sich in den letzten Jahren ein extrem negatives Image aufgebaut, dass allerhöchstens noch von den monopolistischen Stromkonzernen übertroffen wird. Bei einem offensichtlich kurzfristigen Angebot per Facebook an all meine Freunde zu signalisieren, dass ich die Bahn mag fällt zumindest mir so leicht, wie mich in Brennesseln zu wälzen. Ein „Like“ geht mir in diesem Fall genauso schwer von der Hand, wie ein Kreuz bei der nächsten Bundestagswahl.

Es würde mir leichter fallen, wenn man von offensichtlichen Versuch einer temporär eingeschränkten, und durch eine Agentur orchestrierten, Aktion Abstand nehmen könnte, und einen Facebook Account „Deutsche Bahn“ eröffnen würde, über den man wirklich kommuniziert. Ginge das einher mit einem Twitter Account, auf dem auf Anfrage aktuelle Verspätungen, Umsteig-Probleme usw. von einem Team beantwortet werden würden, wäre das ein Signal, dass mich den „Like“ Button vielleicht klicken ließe.

Fazit: Facebook als eine erweiterte POS-Aktion zu missbrauchen ist eine schlechte Idee. Es zeigt, dass man in Sachen Kommunikation nichts gelernt hat. Man hält den Kunden weiterhin für zahlende Idioten, denen man mit Lockangeboten suggeriert, dass man doch eigentlich ganz nett ist. Mit echter, mit der neuen Form der offenen, transparenten Kommunikation, hat das nichts zu tun. Das Problem für die Bahn, wie für andere Firmen, die sich auf diesen Blödsinn einlassen, ist nur, dass die Kunden sich merken, wenn Firma eine Plattform der offenen Kommunikation für reine Werbezwecke verwendet. Dem Image hilft das nicht.

It’s the end of the world as we know it

Google hat ein merkwürdiges Abkommen mit dem US-Provider Verizon getroffen. Zwar will man für das bestehende, kabelgebundene Internet weiter die Netzneutralität beibehalten, aber das gilt a) nicht für neue Dienste, in diesem Netz auftauchen und b) nicht für das mobile Internet, also alle Daten, die nicht kabelgebunden durch den Raum schwirren (UMTS/HSDPA/LTE/WIMAX). Darüber kann man sich zu Recht aufregen, denn es teilt das Internet in zwei Klassen. Zum einen das freie Internet, so wie man es kennt, zum anderen das mobile Internet, das bisher zumindest teilweise frei war.

Dabei muss man allerdings sehen, dass das sogenannte „Peering“ im Mobilnetz schon lange existiert. Fremde Daten, vor allem von Providern, die keine Abkommen miteinander haben, werden langsamer übertragen, als die eigenen. Dazu kommt, dass die Provider das mobile Netz sowieso kastrieren. Dienste wie Skype oder Torrents, werden gesperrt, und sind wenn überhaupt und durch eine Zuzahlung zu bekommen. Man kann für die Provider ein gewisses Verständnis im mobilen Netz aufbringen. Die UMTS-Lizenzen waren teuer, die Netze sind schnell ausgelastet, also muss man schauen, dass alle einen Teil abgekommen und nicht Gigabyte große Downloads das Netz für jene verlangsamen, die nur ihre Mails abrufen wollen. Auch steigen die Innovationskosten. LTE (auch G4 genannt) wird der neue Standard, allerdings muss man dafür auch wieder die Infrastruktur teilweise komplett Neuaufbauen.

Der Sündenfall besteht also nicht in der Regulierung der Datenpakete, sondern darin, dass ein Content-Anbieter wie Google sich erstmals auf die Seite eines Providers stellt, und den Abbau der Netzneutraliät unterstützt. Die Priorisierung der Dienste kann dann zu merkwürdigen Dingen führen. So mag man last.fm auf seinem Rechner zu Hause ohne Einschränkungen hören können, auf dem Handy geht es aber nicht, bzw. nur in schlechter Qualität, weil last.fm die Mittel und die Lust fehlen für die Bevorzugung im Netz zu zahlen. Es geht aber noch weiter, denn es könnte ja sein, das last.fm einen Deal mit Vodafone schließt, mit O2 aber nicht handelseinig wird. Während Vodafone Kunden last.fm in HQ hören können, bekommen O2 Kunden dann nur eine Version, die nicht so gut funktioniert.

Der Deal zwischen Google und Verizon ist auf den ersten Blick nicht schädlich für den Konsumenten, weil die gar nicht finanziell belastet werden. Stattdessen werden die Content-Anbieter und vor allem Startups belastet, die ihre Dienste an den Mann bringen wollen. Wenn last.fm bei meinem Provider nicht verfügbar ist, muss ich entweder den Provider wechseln (was schwierig ist) oder den Dienst. Würde Spotify also einen Deal mit O2 haben, wäre mein Entschluss klar.

Warum Google diesen Schritt gewagt hat? Einerseits haben sie eine Menge Dienste, die das mobile Netz stark belasten. Android mit seinen Hintergrunddatenabgleich, Google Maps & Navigation und natürlich You Tube. Die in den Startlöchern stehenden Plattformen Google TV und Google Games sind zwei weitere wichtige Wachstumsfelder. Gleichzeitig sichert sich Google eine Monopolstellung auf dem Markt. Denn wenn, wie in der Presserklärung nebulös angedeutet, auch im Breitbandnetz neue Dienste oder Webseiten ab einem gewissen Traffic auch unter die Lupe genommen werden können, dann hätte ein YouTube Konkurrent keine Chance mehr. Es sein denn, Endverbraucher zahlt für dieses „Internet Plus“. Faktisch würde mir dem Deal das freie Internet eingefroren, um ein neues, in dem nicht die User, sondern die Content-Anbieter und ISPs das Sagen haben, einzuführen.

Zu dem setzt der Schritt eine weitere nationaliserung der Angebote in Kraft. Wegen der bekannten Probleme beim Urheberrecht ist es zum Beispiel nicht möglich (zumindest nicht ohne Tricks) Dienste wie hulu.com oder den BBC iPlayer aus Deutschland abzurufen. Geo-IP-Blocking lässt sich aber einigermaßen schnell umgehen und die Content-Anbieter kommen mit dem Blocken von VPNs und Proxys nicht hinterher. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Werden die Datenpakete, bzw. deren Abruf, vom Provider kontrolliert, sieht das wieder anders aus. Kann ich mich zum Beispiel nicht mit einer Verizon IP ausweisen, könnte mir der komplette Zugang zu Diensten verwehrt bleiben. Noch schlimmer wird es mit dem obengenannten Peering. Theoretisch könnte Verizon einen YouTube Konkurrenten aus Russland oder China blocken, bzw. verlangsamen, weil die keinen Deal mit dem Provider haben. Peering wäre also nicht nur ein Kontrollelement für Inhalte, es wäre auch ein Hebel, um den nationalen Markt zu „schützen“. Quasi moderne Zollabgaben.

Das einzige Zugeständnis, das Google und Verizon machen wollen, ist eine gewisse Transparenz, welche Dienste gedrosselt werden, und welche nicht. Das müssen sie allerdings auch machen, sonst hätte die FCC (US Aufsichtsbehörde) den ganzen Deal vermutlich einkassiert (was sie allerdings immer noch machen können).

Ein weiterer interessanter Punkt, ist die damit möglicherweise verbundene „AOLisierung“ des Internets. Das findet man schon innerhalb der Mobile Apps bei Apple, wo der Hardwarelieferant bestimmt, was für Programme auf meinem Handy laufen dürfen. Apple entscheidet, ob eine Applikation in der App-Store kommt, oder ob man sie zurückweist. Das ist gleichzeitig ein schönes Geschäftsmodell, denn Content-Anbieter (zum Beispiel Verlage) könnte man dafür zur Kasse bitten, wenn sie ihre Applikation online stellen wollen. Bei Android sieht das (noch) anders aus, aber auch hier gibt es erste Bestrebungen aus Qualitätsgründen (Malware, Trojaner etc.) den Markt stärker zu regulieren. Das bestehende Internet, in dem alle Daten gleichbehandelt wurden, ist also gleich von drei Seiten bedroht: den Providern, den Hardwarelieferanten und seit Neuestem auch durch monopolistische Content-Anbieter, die nationale wie internationale Konkurrenz aus dem Feld räumen wollen. Am Ende bleibt das uns bekannte Internet in seinen Grundzügen zwar bestehen, das „neue“ Internet Plus sieht allerdings komplett anders aus.

Allerdings hat das Netz eine solche Transformation schon einmal mitgemacht. Das Usenet der 80er Jahre unabhängig, unkontrolliert und frei. Als das „neue“ http-Netz aufkam, übernahmen kurzzeitig Firmen wie AOL und Compuserve das Ruder, die einem nicht das Netz anboten, sondern kasernierte Contentangebote auf den eigene Plattformen. Das hat sich allerdings auf Dauer nicht halten können, wie die Geschichte gezeigt hat. Es waren ausgerechnet Dienste wie die von Google, die dem AOL-Netz den Todesstoß versetzt haben. Der Unterschied zu heute ist allerdings, dass die Provider damals in der ganzen Sache keine Rolle gespielt haben. Ob das Netz, sollte es zu weiteren Übereinkommen wie zwischen Google und Verizon kommen, stark genug ist, um sich gegen die Provider durchsetzen zu können, ist dann wieder eine andere Frage. Die ISP sind, dank ihrer Infrastruktur, das Nadelöhr des Netz. Es gibt da nur einen Weg, wie man das offene Netz retten kann. Die Politik setzt die Netzneutralität unter allen Umständen und für alle Netze (Kabel und Mobil) per Gesetz fest. Doch selbst das reicht nicht, wenn dieser Entschluss auf einer nationalen Ebene fällt, da andere Länder es anders sehen können.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Ende des Netz, so wie ich es kenne, nur eine Frage der Zeit ist. Zu viele wirtschaftliche und politische Interessen hängen mittlerweile am Netz, als dass man es seiner Unabhängigkeit überlassen würde. Die Liste derjenigen, die am Netz rumregulieren, ist lang und sie wird mit jedem Tag länger. Ob das die GEMA ist, die Landesmedienanstalten, die Politiker mit dem neuen Jugendschutzgesetz, die ISPs mit dem Verlangen mehr Geld zu verdienen oder Content-Anbieter, die der Konkurrenz einen Schritt voraus sein wollen. Ich sehe im Moment nicht, wie die User sich gegen auf Dauer gegen diesen Beschuss wehren können.