Allgemein

Peugeot, Opel und die Auflösung einer Industrie

Wer kauft wen? Nachdem Renault in den letzten Jahren mehr oder weniger Nissan und Mitsubishi gekauft hat, will sich nun der PSA-Konzern durch den Kauf von Opel vergrößern. Macht das Sinn?

Peugeot, bzw. der PSA-Konzern, (55 Milliarden Euro Umsatz) verhandelt also mit General Motors und möchte gerne Opel (12 Milliarden Euro Umsatz) übernehmen. Der Preis dürfte angesichts der Verluste, die Opel so vor sich herschiebt (257 Millionen US-Dollar 2ß16), moderat ausfallen. Allerdings ist GM auch nicht bekannt dafür, defizitäre Töchter zum Ramschpreis rauszuhauen, das Beispiel Saab fällt einem da spontan ein. Eine Übernahme durch Peugeot klingt aber gleichzeitig für GM äußerst gewagt.

Zum einen hat sich Opel die Krise aus den letzten fünfzehn Jahren einigermaßen abgeschüttelt. Neue Modelle wie der „Karl“ sind gut angekommen, der neue Astra wird hoch gelobt, weitere neue Modelle sollen folgen. Gleichzeitig hat Opel massiv in die digitale Infrastruktur investiert. Angebote wie CarUnity, auch wenn sie bisher nur wenig bekannt sind, zeigen, dass der Vorstand in die richtige Richtung denkt.

Für GM ist Opel einerseits eine finanzielle Belastung, zumindest, wenn man auf die Bilanz des deutschen Herstellers schaut. Andererseits profitiert GM von Opel durchaus mehr, als man denkt. So sind die „Buick“ Modelle in den USA nichts anderes, als leicht veränderte Opel Fahrzeuge.  Die gehen unter dem Namen auch nach China. Auch der Austausch der Modelle zwischen hier und den USA klappt mittlerweile besser. Der neue Ampera-E ist nichts anders, als der Chevy Bolt in den USA. Verliert GM Opel, verliert man auch einen Marktanteil von knapp 6% in Europa und müsste man sich auf dem EU-Markt komplett neu etablieren oder den Markt aufgeben.

Peugeot will wachsen

Für Peugeot macht die Übernahme dagegen durchaus Sinn. Zum einen erweitert man das eigene Portfolio auf dem EU-Markt und kann vor allem im Bereich der Kleinwagen VW angreifen. Schon jetzt ist der der PSA-Konzern, zu dem Peugeot, Citroën und DS gehören, nach VW zweitgrößter Hersteller in Europa. Die Marktanteile von Opel würden Peugeot näher an VW ran bringen. VW erlebt wiederum eine Schwächeperiode. Nicht mal bei den Absatzzahlen, aber die Umstrukturierung des Konzerns wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen und viel kosten.

Eine Übernahme von Opel würde Peugeot ebenfalls in die Lage versetzen, Fiat-Chrysler anzugreifen, die vor allem in Südeuropa weiter stärkster Konkurrent von PSA sind. FCA kämpft gerade mit eigenen Problemen, vor allem innerhalb der Kernmarke Fiat und ob der forcierte Wachstumskurs von CEO Sergio Marchionne am Ende aufgehen wird, weiß keiner.

Die Gespräche zeigen aber, dass die Automobilindustrie vor einer Phase der Übernahmen steht. Fiat-Chrysler war da nur der Anfang. Übernimmt der PSA-Konzern Opel, bleiben nur noch die europäischen Hersteller PSA, Renault, FCA, VW, Mercedes und BMW. Bei den beiden letzteren Marken gibt es auch schon lange Gerüchte, dass man die Zusammenarbeit verbreitern will. Zuletzt hieß es, man wolle die beiden eigenen Carsharing-Angebote zusammenlegen.

In den USA wurde die Konzentration auf dem Markt schon in den 70er Jahren durch die Öl-Krise erledigt. Neben GM und Ford gibt es keinen großen US-Hersteller mehr. Gerüchte besagen, dass der Verkauf von Opel an GM nur die Vorstufe zu einer kompletten Zusammenlegung des PSA-Konzerns mit GM ist. Man würde sich quasi gegenseitig kaufen. GM überlässt Peugeot das EU-Geschäft, die Franzosen stecken dafür über die Marke Buick mehr Investitionen in den chinesischen Markt. Und damit würde man auch dem ungeliebten Fiat-Boss eins auswischen, der selber vor ein paar Monaten laut darüber nachgedacht hat, den FCA-Konzern mit GM zu verkuppeln. Nebenbei würde Peugeot damit auch Zugang zu den neuen Technologien und der Digitalisierung der Fahrzeuge bekommen. Ein Feld, dass die Franzosen komplett vernachlässigt haben.

Die Geschichte zeigt aber, das Zusammenlegungen von verschiedenen Markten meist nicht gerade glücklich endet. Unvergessen ist den Zwangszusammenlegung der britischen Automarken unter der Marke „British Leyland“, die der britischen Autoindustrie den Todesstoss versetzt hat.

Aber was würde bei einer Übernahme mit Opel passieren? Vergleicht man die Modellpaletten beider Marken, muss man skeptisch sein, denn da überschneidet sich fast alles. Astra gegen 308, Mokka gegen 3008, Karl oder Adam gegen den 108 oder 208. Selbst wenn man, nach Jahren, es irgendwann mal schafft, die Modelle auf einer gemeinsamen Plattform herzustellen, wie soll dann Opel noch Geld verdienen? Eine Übernahme durch Peugeot weckt dann eher den Verdacht, dass der Käufer die Marke Opel früher oder später ausschlachtet und zusammenschrumpfen lässt.

Bild: Opel

Apple muss sich zum Content Provider entwickeln

Apple hat ein Problem und das ist ausgerechnet die Hardware. Nicht dass diese schlecht wäre. Aber der Konzern macht knapp 80% seines Umsatzes damit. Das ist für die Zukunft schlecht wenn man nicht wieder zum Nischenhersteller werden wird.
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Ok, die neuen MacBooks sind jetzt nicht so der Bringer. Kleinerer Akku, keine Anschlüsse, kein MagSafe usw. Touchbar: Nice to have, aber wer nutzt die zu Hause, wenn der Rechner auf einem Laptopständer steht? Eben. Und weil Microsoft ein paar Stunden vor das, zugegeben sehr eindrucksvolle, Surface Studio vorgestellt hat, das halt ein besserer iMac ist, sagen jetzt viele, dass Microsoft Apple in Sachen Innovation überholt hat.
 
Ich kann den Reflex verstehen, er stimmt nur so nicht. Zum einen erwartet man von Apple halt immer die nächste Revolution und ist enttäuscht, wenn Apple nur einen winzigen, allerdings sehr revolutionären Touchscreen, entwickelt hat. Auf der anderen Seite: Bei Microsoft, von denen man einfach nichts revolutionäres erwartet ist man dann halt umso überraschter ist, wenn sie doch mal was haben. Auch wenn das 3.000 Euro kostet. Mindestens.
 
Apple ist deutlich besser aufgestellt, im gesamten Hardwarebereich. Allerdings gibt es die Gefahr, dass die fetten Jahre für Apple vorbei sind. Das letzte Quartal brachte zum ersten Mal seit 2001 (!) einen Rückgang bei den Einnahmen, die (immer noch unfassbar hohen) Gewinnen gingen etwas zurück. Die Stärke von Apple der letzten Jahre war die Hardware, das ist aber auch gleichzeitig die Achillesferse.
 
Der finanzielle Erfolg von Apple basiert auf dem iPhone (60% des Gesamtumsatz), dem iPad (11%) und dem MacBook (ca. 6 %). Der Rest kommt durch Zubehör, den iTunes Store, iCloud usw. Man ist also stark abhängig von der Hardware. Was passiert, wenn eine Sparte mal nicht mehr so gut läuft, kann man an den Tablets erkennen. Die machten 2012 noch 25% des Umsatzes aus. Man verlor also bis 2016 rund 14% des Umsatzes, was man vor allem mit höheren Preisen beim iPhone, der Apple Watch usw. kompensierte.
 
Was Apple aber, im Gegensatz zu Microsoft, fehlt, sind weitere Standbeine. Die X-Box sorgt bei MS für gute Gewinne und natürlich der Verkauf von Software. Nun braucht vermutlich niemand eine Apple-Spielkonsole, aber welchen Weg sollte Apple einschlagen, um die Abhängigkeit von der Hardware etwas zu dämpfen?
 
Werbung und Content wäre eine Möglichkeit. Im Moment gibt es auf dem US-Markt eine Konzentration im Mediensektor. Das AT&T Time Warner kauft hat vor allem was damit zu tun, dass sich AT&T fragt, wo eigentlich das eigene Geschäftsmodell der Zukunft liegt. Man hat Angst davor nur noch die billige „Röhre“ zu sein, durch die der Verkehr fliesst, während andere das Geld mit dem Inhalten verdienen, die AT&T und andere transportieren. Zudem weitet Google sein Geschäft mit Google Fiber aus, ist also plötzlich Netzwerk-Lieferant, Werbepartner und Contentprovider in einem.
 
Apple droht etwas ähnliches. Während es bei AT&T die Leitungen sind, durch die Werbe- und Contenteinnahmen rutschen, ist es bei Apple die Hardware. Man stellt die Hardware für alles her, verdient aber nur wenig daran, was auf der Hardware läuft. Doch was kann Apple dagegen tun?
 
Eigentlich hat man ja ein ganz gutes Asset im Haus: iTunes. Man müsste halt auf die „walled garden“ Philosophie verzichten, und iTunes, iCloud usw. für alle Systeme, vor allem für Android öffnen. (Ja, ich weiß, dass es einen Work-Around für die Synchronisation von iCloud auf Android gibt, aber das ist ein pain in the ass. Ich rede hier von einmal klicken, fertig). Gleichzeitig müsste man sich unabhängiger von den Content Provider machen.
 
Der Kauf von Netflix würde Sinn machen. Das Unternehmen ist im Moment rund 50 Milliarden Dollar wert, eine Übernahme würde Apple vermutlich +10% pro Aktie kosten, also rund 60 Milliarden. Das Geld hätte Apple und man wäre sofort in der Oberliga der Content Provider. Das Problem ist, dass Apple sich nicht als Content-Provider, sondern als Hardwarebude versteht. Sonst hätte man Mitte/Ende der 2000er die halbe Musikindustrie für wenig Geld kaufen können. Wollte man aber nicht, was ich bis heute nicht verstehe, wenn man sich die Gewinnanteile der Labels beim Streaming so anschaut.
 
Den gleichen Fehler macht man meiner Meinung nach auch jetzt wieder, weil man die Gewinnströme aus Content und Werbung ignoriert. Nebenbei bemerkt wäre Apple vermutlich auch gut beraten, dass gerade recht günstig zu bekommende Twitter zu kaufen. Zum einen hat den Social Media Trend verpennt, zum anderen ist es aber noch nicht zu spät, neue Revenue Streams aus dem Kombination Big Data, Werbung und Content zu ziehen. Twitter selber macht gerade positive Erfahrungen durch die Übertragung der Donnerstagsspiele der NFL auf Twitter.
 
Der Gedanke von AT&T, dass man Lieferant und Hersteller sein will, ist völlig richtig, Apple müsste in eine ähnliche Richtung denken. Sie werden nicht untergehen, wenn sie es nicht machen, aber auf lange Sicht müssen die Abhängigkeit von der Hardware etwas reduzieren. Denn zum einen schläft die Konkurrenz nicht (man kann nicht immer damit Glück haben, dass Samsung die Smartphones abfackeln) zum anderen sind chinesische Hersteller wie Xiaomi und Huawei nicht mehr weit Apple entfernt, nur dass sie halt deutlich günstiger sind.
 
Da Apple aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht in den Preiskampf mit den Asiaten einsteigen will, wird man sich überlegen müssen, wo man sonst Geld verdienen kann. Und schon ist man wieder beim Content. Aber Apple dazu bereit ist, den Schritt vom Hardwarehersteller zum Content Provider zu machen ist dann wieder eine andere Frage.
Bild: Apple PR

Die fünf Level des Autonomen Fahrens

Jeder redet über das autonome Fahren, aber was bedeutet das eigentlich? Wie weit sind wir noch vom selbstfahrenden Auto entfernt und welche Hürden warten noch?

Einsteigen, Adresse sagen, los fahren. Das Auto parkt automatisch aus, fährt durch die Stadt, danach auf die Autobahn oder über Landstrasse. In der Zwischenzeit kann man arbeiten, einen Film schauen oder einfach schlafen. Die Idee des autonomes Fahrens geistert seit den 50er Jahren herum, aber jetzt scheint es wirklich so langsam los zu gehen. Aber definiert man eigentlich „autonomes Fahren“?

Die Industrie hat sich auf ein fünftstufiges System geeinigt, mit dem die verschiedenen Arten des autonomen Fahrern klassifiziert werden.

Level 1 – Assistiertes Fahren
Da sind die meisten Autos heute schon. Der Tempomat, der die Geschwindigkeit und mittlerweile auch oft den Abstand zum Vordermann regelt, gehört zum ersten Level des autonomen Fahrens. Der Fahrer muss dabei immer das Lenkrad in der Hand halten und auf den Verkehr achten. Es ist weder teilautonom, noch vollautonomes fahren. Die Systemen sind aber in ihrer Funktionalität eingeschränkt. So funktionieren zum Beispiel bei schlechten Witterungsbedingungen nicht richtig und man kann sie erst ab und bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit einsetzen.

Level 2 – Teilautomatisiertes Fahren
An diesem Punkt sind bisher nur wenige Fahrzeuge angekommen. Die E-Klasse von Mercedes, der Q7 von Audi, der 7ner von BMW oder der Autopilot von Tesla. Das Auto kann in bestimmten Situationen wie auf der Autobahn autonom geradeaus fahren, den Spur folgen, den Abstand zum Vordermann regeln usw. In Staus übernimmt das Fahrzeug komplett. Auch hier gibt es Einschränkungen durch schlechtes Wetter, denn verschmutzte Sensoren behindern die Elektronik.

Level 3 – Hochautomatisiertes Fahren
Hier übernehmen die Systeme die Fahrt schon fast komplett. Vor allem auf Autobahnen kann das Fahrzeug die komplette Steuerung übernehmen, inkl. Überholmanöver, Ausweichen usw. Der Fahrer wird erst nach einer Vorwarnzeit von mehreren Sekunden dazu aufgefordert, das Lenkrad zu übernehmen. Trotz des hochautomatisierten Fahrens, muss der Fahrer aber während der gesamten Zeit das Geschehen auf der Straße im Blick haben, um notfalls eingreifen zu können. Ab diesem Level beginnt das Auto auch mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Es kann sich mit anderen Fahrzeugen austauschen.

Technisch ist die Industrie an diesem Punkt angekommen, Testfahrzeuge sind schon weltweit unterwegs. Man rechnet damit, dass bis 2018 die ersten hochautomatisierten Autos für die Autobahn auf dem Markt sein werden. Für die Landstrasse und die Stadt gilt diese Hochautomatisierung aber nicht.

Level 4 – Vollautomatisiertes Fahren
Das ist der große Sprung, den man bis 2020 oder 2022 erwartet. Das Auto bewegt sich schon die meiste Zeit alleine. Es parkt selbständig. es bewegt sich alleine auch auf der Landstrasse oder in der Stadt. Der Fahrer kann sich anderen Dingen widmen und muss nicht die gesamte Zeit das Verkehrsgeschehen im Auge haben. Hier ist das Auto dann auch mit seiner Umwelt verbunden. Ampeln melden Rot- oder Grünphasen, anderer Fahrzeuge melden einen Spurwechsel an.

Level 5 – Fahrerlose Autos
Ab diesen Punkt sind die Autos komplett alleine unterwegs und sind auch nicht mehr mit einem Lenkrad ausgestattet. Google experimentiert mit diesen Fahrzeugen, aber es gibt noch etliche Probleme. Bis derartige Autos auf der Strasse auftauchen (und zugelassen sind), wird es noch dauern. Realistisch ist vermutlich ein Zeitraum um 2025.

Grafik: VDA
Grafik: VDA

Die großen Hürden liegen im Moment in Sprung zu Level 4. Denn dafür müssen u.a. drei wichtige Dinge erfüllt werden:

– Car2Car Communication
Die Autos müssen sich untereinander verständigen und warnen können. Doch bisher gibt es dafür keinen einheitlichen Standard.

– Car2X Communication
Fahrzeuge müssen mit ihrer Umwelt kommunizieren. Ampel müssen ihre Phasen melden, Bahnübergänge, dass sie schliessen, Busse und Strassenbahnen müssen ebenfalls eingebunden werden. Ebenso müssen Polizei- und Rettungsfahrzeuge Vorrang erhalten. Die Umgebung muss also digitalisiert werden. Hier steht man noch ganz am Anfang.

– Hochauflösende Karten 
Das Auto muss wissen, wo es gerade ist. GPS reicht nicht, weil es mit einer Auflösung von zwei bis zehn Metern zu ungenau ist. Kartenhersteller wie Here, TomTom oder Google sind gerade dabei Karten herzustellen, die auf den Zentimeter genau sind. Dafür muss jede (!) öffentliche Strasse vermessen werden. Weltweit.

Wir sind also bei Level 2 angekommen und es warten noch sehr, sehr viele Herausforderungen für das autonome Fahren. Die Technik ist tatsächlich schon da, allerdings nicht in der Form, in der man sie sicher einsetzen kann. Die Software muss noch weiter entwickelt werden, damit sie sich besser unbekannten Situationen anpassen kann. Auch bei den Sensoren gibt es noch eine Menge Luft nach oben in Sachen Verbesserung. Dazu kommt, dass die Systeme zu fast 100% ausfallsicher sein müssen. Niemand will einen „Blue Screen“ auf der Autobahn.

Weitere Hürden gibt es seitens der rechtlichen Bewertung (Wer trägt die Kosten bei Unfall wenn das Fahrzeug autonom unterwegs ist) und vor allem beim Ausbau der digitalen Infrastruktur in der Stadt.

Das von der Industrie anvisierte Ziel, dass man 2025 Level 5 Fahrzeuge auf dem Markt haben will, ist ambitioniert, aber machbar. Bis allerdings die Fahrzeugflotte eines Landes zu mehr als 50% aus selbstfahrenden Fahrzeugen besteht, wird es noch dauern. Realistisch sind hier Zahlen wie 2035.

Beitragsbild: Audi AG

2015

Beste Entscheidung: Auf der CES in Las Vegas eine Idee zu haben. Vier Monate pitchen. Das Angebot der Gründerszene anzunehmen.
Schlechteste Entscheidung: Dehydriert In einen Bus zu steigen in dem ca. 50 Grad herrschten (Umgefallen, Krankenhaus)

Beste Anschaffung: Das Huwei Ascend G7. Bis auf eine schwache Kamera bei schlechtem Licht eins der besten Smartphones, das ich je hatte.
Dämlichste Anschaffung: Wieder mal keine gemacht. Das wird langsam zur Routine hier.

Schönster Absturz: Am Küchentisch zu Hause.
Schlimmster Absturz: Keinen gehabt.

Bestes Getränk: Good old Gin Tonic ohne Firlefanz.
Ekelerregendes Getränk: Jägermeister auf dem Sommerausflug der Firma.

Bestes Essen: Meine Bolognese. Mein Bœuf Stroganoff.
Schlimmstes Essen: Diverse Mahlzeiten in Flugzeugen. Ich entsinne mich an ein widerliches Stück Fleisch in der Business von Lufthansa, deren Essen sowieso teilweise so schlimm geworden ist, dass ich schon über Proviantpakete nachgedacht habe.

Beste Musik: Huuuh. Schwierig. „La Femme – Psycho Tropical Berlin“ lief oft. Ebenso „Jamie xx – In Colour“. Aber auch einige einzelne Titel von „Aphrodite’s Child“ immer wieder gehört. Ach, die Playlist von Spotify erinnert mich noch an das 20 Minuten Stück „Again“ von Archive.
Schlimmstes Gejaule: Ich habe die Fähigkeit entwickelt, mir fast alles vom Hals zu halten. Was super geht, weil ich kein Radio mehr höre, sondern ausschließlich Streams oder Deutschlandfunk.

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung: Aphrodite’s Child. Diverse Krautrock Sachen.
Peinlichster musikalischer Faux-Pas: Diverse 80er Sachen ;)

Beste Idee/Frage: „Deal?“
Dämlichste Idee/Frage: Dieeeessse Flascheee Weein drinke ich noch

Beste Lektüre: „Straight White Male“ von John Niven. Sehr gelacht. Sehr erschrocken festgstellt, dass es diverse Charakterzüge des Protagonisten gibt, die mir durchaus ähnlich sind. Inklusive der Konsequenzen.
Langweiligste Lektüre: Meistens der „Stern“ im Flugzeug.

Bester, dreckigster, geilster Sex: Mit anderen.
Langweiligster Sex: Mit mir alleine

Schönster Moment: : Am See.
Schlimmster Moment: : Der Moment, in dem ich realisierte, dass Karla weg ist. Und für Wochen jede Nacht der Moment, an dem ich nach stundenlanger Suche nach Hause gehen musste, ohne sie gefunden zu haben.

Zugenommen oder abgenommen?
7 kg abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Wie immer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Kurzsichtiger, laut Augenarzt. Hat mich auch überrascht.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Teile der Technik, die man so braucht, musste ausgetauscht werden.

Der hirnrissigste Plan?
Den 50 Grad heißen Bus statt das klimatisierte Taxi zu nehmen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Einmal mit dem Flugzeug durch gestartet, nachdem wir schon aufgesetzt hatten. Da denkt man dann schon einen Moment „Hoppla“.

Der beste Sex?
Durchaus gehabt.

Die teuerste Anschaffung?
Nichts weltbewegendes. Ich habe mir Herbst eine Nikon P610 (Bridgekamera) gekauft. Ich war es leid 3 Kilo Kamera mit mir rum zu schleppen, wenn man eh zu 90% Bilder im Hellen macht und fürs Netz. Da reicht die Nikon, wie ich entzückt festgestellt habe.

Das leckerste selbst gemachte Essen?
Kalbsleber mit Äpfeln, Zwiebeln und Kartoffelstampf. Der Trick dabei: den Bratenansatz der Leber mit Calvados ablöschen, kurz einkochen lassen, etwas Sahne dazu, weiter einkochen lassen, dann die vorher fertig gebratenen Zwiebel/Äpfel in der Soße noch mal erhitzen.

Das beeindruckenste Buch?
Siehe oben.

Der ergreifendste Film/Serie?
Sense8 hat mir sehr gut gefallen. Dazu endlich mal geschafft „Cloud Atlas“ gesehen und mich verblüfft gefragt, warum der Film derartig abgestraft wurde.

Die beste CD?
Ich weiß gar nicht, wann ich die letzte CD gekauft habe. Kann man die noch kaufen? Beim Nachdenken gerade erstaunt festgestellt, dass ich dieses Jahr glaube ich nicht mal digital etwas gekauft habe. Musste zuviel alte Sachen auf Spotify hören.

Das schönste Konzert?
Auf keinem gewesen. Allerdings ein sehr schönes Set auf der Fusion so gegen Mitternacht auf dem Goa-Floor gehört.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Karla und Momo. Und seit Mitte November: Jenna, die als Ersatz für Karla ihren Weg aus dem Tierheim zu mir gefunden hat.

Die schönste Zeit verbracht wo…?
Kein Urlaub in diesem Jahr, nicht mal eine Städtereise. Was sich am Ende des Jahrs auch bemerkbar gemacht hat. Aber natürlich viel unterwegs gewesen. Am meisten Eindruck hat mal wieder Shanghai hinterlassen, auch wenn ich nur knapp 30 Stunden vor Ort war. Dazu ein paar Ausflüge ans Meer nach Malaga.

Vorherrschendes Gefühl 2015?
Jetzt geht es los.

2015 zum ersten Mal getan?
Nachts in Hinterhöfen rumgehangen um eine Katze zu finden.

2014 nach langer Zeit wieder getan?
Das Gefühl gehabt, dass die Dinge an ihren Platz fallen und alles richtig ist.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Der Verlust von Karla.
Im Krankenhaus zu landen.
Der versuchte Einbruch in meiner Wohnung.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das man den Dingen manchmal auch Zeit geben muss.

2015 war mit 1 Wort … ?
Erfolgreich.

Vorsatz für 2016
Mal wieder mehr bloggen hier.

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Meine zehn Alben der 80er

Ah – Listen. Torsten Dewi hat angefangen und so ein verregneter Sonntag eignet sich ja super um mal darüber nachzudenken, welche Alben mich in den 80er Jahren geprägt haben. Das war im übrigen gar nicht so leicht, denn ich habe in den 80er wirklich sehr, sehr viel Musik gehört. Aus allen Richtungen. Die Liste hatte in der ersten Version mehr als 25 Alben und es war schwer mich auf zehn Stück zu beschränken.

10. Tom Waits – Raindogs
tom-waits-rain-dogsIch hatte neben „Raindogs“ noch „Swordfishtrombone“ und „Franks Wild Years“ auf der Liste, aber „Raindogs“ fasst die Arbeit von Waits in den 80er vermutlich am Besten zusammen. Beim ersten Anhören wirkt das Album, vor allem im Vergleich zu den Alben aus den 70er Jahren, ziemlich sperrig. Ich erinnere mich, dass ich damals ziemlich irritiert war und das Album erst einmal wieder weg gelegt habe. Auf der anderen Seite war da etwas in dem Album, das mich nicht los ließ. Und nach und nach wurde es zu einem Dauerbrenner. Das Tape mit dem Album war in jedem meiner Autos im Handschuhfach. Tom Waits ist ja so einer, den man eher Nachts hört, also begleitete „Raindogs“ meine sehr häufigen Nachtfahrten über deutschen Autobahnen. Heute ist es bei mir Klassiker, wenn ich Abends/Nachts am Schreibtisch sitze.

9. Kate Bush – Hounds of Love
Im Gegensatz zu Tom Waits höre ich Kate Bush heute nur noch vereinzelt. Vermutlich, weil ich mich an „Running Up That Hill“ und „Hounds of Love“ ein wenig überhört habe. „Cloudbusting“ ist aber immer noch auf meiner „All-Time“ Liste relativ weit oben. Das Album löste in meinem Freundeskreis damals eine Art Kate-Bush-Hysterie aus. Über Monate verging kaum ein Abend, an dem man es nicht hörte (und irgendwann hören musste). Ich verbinde mit dem Album eine Menge schöner Erlebnisse, was auch damit zu tun hatte, dass wie die zweite Seite des Album immer beim Kiffen gehört haben. Tolles Video von Terry Gilliam.

8. Talk Talk – Color of Spring
talkIch war ja ein sehr großer Talk Talk Fan und auch enttäuscht, dass die Band sich Ende der 80er wieder auflöste. Selten konnte man einer Band so kondensiert dabei zu schauen, wie sie sich über ein paar wenige Alben weiter entwickelten. Im Grunde könnte man alle Alben von Talk Talk nennen, aber „Color of Spring“ liegt genau zwischen der klassischen 80er „British New Wave“ und der späteren Post-Rock Phase der Band. Wäre sicher spannend gewesen, wenn Mark Hollis und Tim Freese-Green weiter gemacht hätten, aber Hollis hat sich 1998 komplett aus der Musikbranche zurück gezogen und lebt von seinen Tantiemen irgendwo in London.

7. Police – Ghost in the machine
Ghost_In_The_Machine_coverMit Police hatte ich immer so meine Schwierigkeiten, und das „Ghost in the machine“ Album hat es erst sehr, sehr spät in meine Top Ten geschafft. Wenn ich ehrlich bin, erst 2008. Da habe ich die Band zufällig auf ihrer „Reunion/Abschieds“ Tour in Los Angeles im Hollywood Bowl gesehen und habe danach noch mal die fünf Alben, mehr waren es ja nicht, allesamt durch gehört. Das hat meine Sichtweise auf die Band am Ende sehr verändert und „Ghost in the machine“ ist ein auch so ein Album, dass zwischen den späten 70er Jahre Rock und den ersten erfolgreichen New Wave Sachen lag. Manche Alben findet man halt erst 30 Jahre später.

6. Grauzone ?– Grauzone
Keine 80er Liste ohne deutschsprachige Alben. In diesem Fall die Schweizer Formation Grauzone, die vermutlich jeder wegen ihres Songs „Eisbär“ kennt. Dabei hat Stephan Eichner zusammen mit seinem Bruder 1981 mit dem Debütalbum einen echten Meilenstein in Sachen Synth-Pop/Minimal/NDW geschaffen. Dummerweise hat es damals kaum einer mitbekommen. Ich bin auf das Album erst in den 90ern auf Grund eines Tipps aufmerksam geworden und seitdem krame ich es regelmäßig raus. Großartige Texte, richtungsweisender Minimal-Pop. Kann ich jedem nur ans Herz legen. Wenn man das aufmerksam hört, stellt man auch fest, dass so einige andere deutsche Bands in den 80ern von Grauzone geklaut haben.

5. The The – Soul Mining
soul_mining_1382395148_crop_560x550.0Matt Johnson, Gründer von „The The“, ist ein ziemlicher Kontrollfreak und Pedant. Ich habe ihn Anfang Mitte der 90er Jahre mal interviewt. Er saß vor einem (damals) irrsinnig teuren und riesigen Laptop und tippte während des Interviews immer irgendwas. Am Ende des Gesprächs eröffnete er mir, dass er jeden Journalisten einem komplexen, von ihm entwickelten Bewertungssystem unterzieht. Ich hätte den Test bestanden und dürfe ihn wieder interviewen. Ich erzähle das, weil es irgendwie auch typisch für die Musik von „The The“ ist. Die Alben, damals eine kleine Sensation, wirken manchmal etwas überladen, aber im Grunde ist alles an seinem Platz, egal wie wild die Arrangements auch scheinen. Johnson ging es (wie Paddy McAloon von Prefab Sprout oder Ian Broudie von den Lightning Seeds) immer darum, den perfekten Pop-Song zu schreiben. Das Problem von Johnson war dabei allerdings, dass er sich sehr vom Zeitgeist hat leiten lassen, weswegen fast alle „The The“ Alben heute etwas zu typisch nach den 80ern klingen. Aber das Album gehört definitiv in meine Liste.

4. Rheingold – R.
Auch so eine unterschätzte NDW-Band, die so viel mehr konnte, als „Dreiklangsdimensionen“ vermuten lassen. Aus der frühen „Düsseldorfer Schule“ stammend waren sie mit ihrer New Wave/NDW Interpretation teilweise auch etwas früh dran (siehe oben „Grauzone“). Das Album „R.“ stammt aus dem Jahr 1982 und enthält teilweise den Soundtrack zu dem wirklich schrecklichen und zu Recht in völlige Vergessenheit geratenen Film „Der Fan“ mit Desiree Nosbusch und Rheingold-Sänger Bodo Staiger himself. Dafür ist die Musik des Albums wirklich sensationell schön, vor allem das Stück F.A.N. Wegen meinem Hang zu elektronischer Musik mein NDW-Album der 80er. Und ja, in dem Film ist Desiree Nosbusch nackt. Das war auch der einzige Grund warum alle damals da rein gelaufen sind.

3. The Smiths – Meat is murder / The Queen Is Dead
the-smiths-queenKann mich nicht entscheiden, welches der beiden Alben denn jetzt das „wichtigere“ für mich war. Über die Jahre hat sich „The Queen is dead“ durch gesetzt, aber „Meat is murder“ hat mich durch die gesamten 80er begleitet.Jedenfalls so lange, bis ich den leiernden Morrissey Gesang nicht mehr hören konnte. Aber „The Smiths“ waren dann schon sehr, sehr prägend für die 80er. Einerseits, weil diese depressive britische Stimmung der 80er Jahre (Thatcher, Zerschlagung der Gewerkschaften, Massenarbeitslosigkeit) destillierten, andererseits, weil wirklich jeder „The Smiths“ hörte. Es gab kein Entrinnen, wenn man so will. Insbesondere bei Frauen war die Musik (oder Morrissey, je nach dem) extrem beliebt. Übte man Kritik an der Band, konnte man auch gleich wieder nach Hause gehen. Ich persönlich finde ja mittlerweile, dass „The Fall“ und „Bauhaus“ auch nicht schlechter waren, aber die Songs von „The Smiths“ haben am Ende einfach die längere Lebenszeit und klingen nach 30 Jahren auch noch einigermaßen frisch.

2. Kraftwerk – Computerwelt
Das ich Kraftwerk so früh entdeckt hatte, verdanke ich meinem Vater. Der hatte die Alben „Autobahn“ und „Radioaktivität“ in seinem Plattenschrank (ja, ein Schrank voller Schallplatten), so dass ich schon früh ziemlich fasziniert von der Band war. „Computerwelt“ ist in meinem Musik Universum das beste Album von Kraftwerk. Musikalisch, aber auch von Texten. 34 Jahre nach der Veröffentlichung könnten die Textzeilen genauso gut von heute sein. Es besteht ja kaum ein Zweifel daran, dass Kraftwerk zu den wichtigsten Wegbereiter der modernen elektronischen Musik, vom frühen Techno bis zum Minimal usw. Eines der wenigen Alben, die ich auch physisch (als mp3, nicht als Schallplatte) auf jedem transportablen Endgerät hatte, dass ich bis heute besessen habe.

1. FGTH – Welcome to the pleasure dome
Ich hatte hier schon mal den folgenden Text veröffentlicht und kopiere ihn der Einfachheithalber hier rein.

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich „Relax“ hörte. Ich war ein wenig verwundert, aber jetzt nicht überaus angetan. Netter Song, ein wenig „over the top“ für meinen damaligen Geschmack. Die 12″ Version gefiel mir schon besser, weil sie insgesamt ein wenig komplexer und komponierter erschien, als die 3.30min Radio Version. Sie sprach mich an und berührte mich dann nicht genug, um mich weiter für FGTH zu interessieren. Ja, die „skandalösen“Anspielungen in Sachen Sex, waren natürlich ein Thema, aber musikalisch war dann doch zu wenig Substanz für mich vorhanden. Eine Single macht dann eben noch keinen Sommer.

„Two Tribes“, die zweite Single, die ich dann von FGTH wahrgenommen habe, weckte mein Interesse dann schon mehr. Vor allem mal wieder die 12″, die deutlich besser war, als die Single Auskopplung. Ab dem Moment war FGTH dann in meinem Bewusstsein verankert und ich wartete auf die nächste Single.

Meine Musik besorgte ich mich mir damals entweder bei einem winzigen Laden in Bad Godesberg oder bei einem Plattenladen in Linz, was auf der anderen Rheinseite von Remagen liegt, wo meine Eltern damals wohnten. Der Besitzer des Ladens hatte einen ziemlich guten Geschmack und brachte mich auf einige Musiker, darunter Johnny Guitar Watson, Alan Parson und andere. Als das „Welcome to the Pleasure Dome“ Album erschien, zog er mich bei einem Besuch direkt zur Seite und meinte „Das wird dir gefallen“. Er stülpte mir einen angeranzten, aber immer noch gut klingenden Kopfhörer von „Pioneer“ über die Ohren und legte die erste Seite mit dem Titelstück „Welcome to the Pleasure Dome“ auf. Ich hörte die ganze erste Seite durch und war verwirrt. Das Album, und es war ja nur die erste Seite, überforderte mich. Das hatte ich von FGTH nicht erwartet. Es war komplex, quasi ein Konzeptalbum. Was damals nicht ungewöhnlich war. Jede Band, die nicht ganz blöd war, hatte in den 70er Konzeptalben gemacht, Deep Purple, Led Zeppelin, Roxy Music, Kraftwerk, Can, Alan Parson, ELO und sonstige. Selbst frühe Punk-Sachen von den Bollock Brothers gingen in die Richtung, Mike Oldfield hatte mit dem „QE2“ Album 1980 durchaus eine Messlatte für die Konzeptalben der 80er Jahre gelegt (Natürlich unübertroffen in Sachen Komplexität war „The Wall“ von Pink Floyd).

Aber „Welcome to the Pleasure Dome“ war etwas besonderes. Es war eine Hymne an den Hedonismus der 80er Jahre. Und es war, vor allem durch das kurze, vorgelagerte, völlig überdrehte „The world is my oyster“ ein Schlag ins Gesicht der damaligen Popmusik, die sich völlig darauf konzentrierte knackige Popsongs abzuliefern. Die Alben bestanden aus einem meist langweiligen Mix von ein paar Hits und Füllmaterial. Egal, ob man Depeche Mode, Duran Duran oder sonst was hörte. Das erste Album von FGTH, bzw. von Trevor Horn, schmiss einem einfach ein großes „Fuck You“ ins Gesicht, was die Erwartungshaltung anging. Dabei war Horn klug genug eine Doppel-LP zu produzieren, die einerseits die Hits beinhaltete, die man erwarten durfte, andererseits eben auch „Welcome to the Pleasure Dome“ oder das völlig bescheuerte „Power of Love“, das auf Seite 4 auftauchte. Nachdem Horn auf Seite 3 zwei Stücke von Bruce Springsteen (Born to love) und vom „King of Easy Listenting“ Burt Bacharach (San Jose) verballhornt hatte, konnte „Power of Love“ nicht anderes sein, als eine großes „WTF“. Aber ein Schönes, immerhin.

Das Album alleine war es aber nicht, was FGTH und Trevor Horn für mich zu „der“ Band, bzw. dem Produzenten der 80er Jahre gemacht haben. Da waren zum einen die 12″, also die „Maxi“ Singles, die an Bescheuertheit und Genialität nicht zu übertreffen waren. Horn dekonstruierte, überraschte, verarschte, und verzauberte dabei gleichzeitig den Hörer. Es waren kleine Symphonien der elektronischen Popmusik, an denen sich alle, aber auch wirklich alle, bis heute die Zähne ausbeissen. Wenn man dachte, dass es nicht weiter „over the top“ gehen konnte, setzte Horn noch einen oben drauf und man blieb sprachlos zurück.

Aber Trevor Horn hat mit FGTH und „Relax“ die Messlatte für perfekten Pop und der klug gemachten und inszenierten Dekonstruktion derartig hoch gelegt, dass sie vermutlich nie wieder erreicht wurde. Derartige Alben, sowohl in ihrer Hörbarkeit, als auch in ihrer Komplexität, hat es dann leider nicht mehr gegeben. Auch weil es sie nicht mehr geben konnte. Es hat Hymnen gegeben, großartige Alben, aber keiner ist mehr soweit gekommen wie damals Trevor Horn, der einfach Pop Musik nahm, sie zerstückelte, etwas komplett Neues daraus machte und gleichzeitig am Ende alles wieder auseinander nahm und was epochales daraus konstruierte.

Notable Mentions:

Michael Jackson – Thriller
Keine 80er Liste ohne das Album. Man mag von Michael Jackson halten, was man will, aber „Thriller“ gehört zu den besten Alben der 80er Jahre, Das Titelstück ist bis heute eines der besten „Disco“ Stücke, die es jemals gegeben hat.

Midnight Oil – Diesel & Dust
Zwar hatte ich Midnight Oil über das bekannte „Bed are burning“ Stück kennen gelernt, aber die besseren Alben sind eigentlich „Place without a postcard“ und das schon 1979 erschiene „Head Injuries“. Aber „Diesel & Dust“ hat mich dann mindestens ein Jahr begleitet, daher hier unter den Erwähnungen.

Prefab Sprout – From Langley Park to Memphis
Paddy McAloon hat in den 80ern und frühen 90ern die wohl zärtlichsten Popsongs geschrieben. Auch das Album „Steve McQueen“ muss eigentlich in die Liste.

De La Soul 3 – Feet High And Rising
So gerade noch (1989) in den 80er erschienen, aber es ist eine schöne Brücke zu den 90ern, vor allem was Hip Hop angeht.

2014

Beste Entscheidung: Anzuerkennen, dass Änderungen im Leben helfen, einen weiter bringen und man die eigenen Routinen viel öfter durchbrechen muss. Damit es weiter geht.
Schlechteste Entscheidung: Diese Erkältung zu verschleppen.

Beste Anschaffung: Ich hatte dieses Jahr beschlossen, dass ich einfach versuche, so wenig wie möglich zu kaufen. Hat geklappt. Deswegen…
Dämlichste Anschaffung: Wieder mal keine gemacht. Das wird langsam zur Routine hier.

Schönster Absturz: Zwei. Im Januar in Las Vegas am Pokertisch (Hallo Tobi ;) ). Dann Ende August der BlognBurger auf der Dachterrasse der morgens um 5 oder so endete. (6 Uhr? Hm.)
Schlimmster Absturz: Keinen gehabt.

Bestes Getränk: Horses Neck, Again.
Ekelerregendes Getränk: Dieses warme Erdbeer-Kiwi-Zeugs am Flughafen in Los Angeles.

Bestes Essen: Mehrfach im „Transit“ in Mitte. Der Oktopus-Salat hat es mir angetan. Dazu der „Vorspeisenteller“ in Las Vegas.
Schlimmstes Essen: Aus Faulheit neulich krank indisches Esses bestellt. Danach noch kranker gewesen.

Beste Musik: Leider wenig Zeit gehabt auf Entdeckungsreise zu gehen. Viel 80er Kram gehört, vor allem „Rheingold“ und „La Düsseldorf“.
Schlimmstes Gejaule: Ich habe die Fähigkeit entwickelt, mir fast alles vom Hals zu halten. Aber diesem deutschen WM-Song konnte man ja leider nicht entgehen.

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung: Swell. Wie beschrieben habe.
Peinlichster musikalischer Faux-Pas: BAP. Aus Nostalgie „Affjetaut“ gehört. Teilweise amüsiert. :)

Beste Idee/Frage: „Wodka?“
Dämlichste Idee/Frage: Dieeeessse Flascheee Weein drinke ich noch

Beste Lektüre: „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig. Er beschreibt, wie sich die Welt zwischen 1900 und 1935 veränderte. In nur 35 Jahren vom Kaisertum und den Lebensmodell des 19. Jahrhunderts zum Deutschland der 30er Jahre und dem Nationalsozialismus.
Langweiligste Lektüre: Meistens der „Spiegel“ im Flugzeug.

Bester, dreckigster, geilster Sex: Mit anderen.
Langweiligster Sex: Mit mir alleine

Zugenommen oder abgenommen?
Erst etwas abgenommen, dann deutlich zugenommen, dann wieder deutlich abgenommen. Also alles wie immer.

Haare länger oder kürzer?
Etwas kürzer. Meistens.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weitsichtiger. Ich weigere mich Gleitsichtgläser zu tragen.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

Der hirnrissigste Plan?
Keine Zeit für dumme Pläne.

Die gefährlichste Unternehmung?
Immer schön vorsichtig geblieben. Das spannendste war eine Landung in Tegel, wo das Flugzeug kurz vor dem Aufsetzen noch mal deutlich nach links kippte und ich für meinen winzigen Moment dachte „Ups“.

Der beste Sex?
Durchaus gehabt.

Die teuerste Anschaffung?
Keine. Na ja, mal abgesehen von einem Klamotteneinkauf, aber der war auch fällig. Wie so viele Männer kaufe ich halt immer nur dann ein, wenn die alten Sachen gar nicht mehr gehen.

Das leckerste selbst gemachte Essen?
Neulich spontane Idee für ein Huhn. Mit Äpfeln. Also Huhn mit Äpfeln stopfen, anbraten mit Brandy (oder Calvados) ablöschen. Huhn in einen Bräter, zusammen mit Karotten, Zwiebeln, Cidre, Hühnerbrühe und mehr Äpfeln bei 200 Grad in Ofen. Rund eine Stunde drin lassen, immer wieder übergiessen. Wenn das Huhn knusprig ist, Flüssigkeit durch ein Sieb passieren, Sauce einkochen, evtl. andicken. Dazu passt Brot oder Reis.

Das beeindruckenste Buch?
Siehe oben, aber zusätzlich muss ich noch „Heimliches Berlin“ von Franz Hessel erwähnen.

Der ergreifendste Film?
Puuuuuh. Meine mir innewohnende Melancholie reicht mir eigentlich, ich brauche keine traurigen Filme.

Die beste CD?
Kauft man noch CDs? Ich jedenfalls nicht. Aber mp3s. Die „41 is 20“ gekauft, obwohl ich sie schon habe. Muss ja nicht immer alles Sinn machen ;)

Das schönste Konzert?
Auf keinem gewesen.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Karla und Momo.

Die schönste Zeit verbracht…?
Ein Highlight war sicher die Reise nach Daytona, Florida im Januar. Ein kleiner Roadtrip mit Freunden von Nord-Florida über Georgia nach South und North Carolina. Sehr schön war auch der Trip nach Nord-Schweden im April und natürlich der Ausflug nach Le Mans in diesem Jahr.

Vorherrschendes Gefühl 2014?
Ich muss was ändern. Tiefgreifend. Und ich fange gerade erst an.

2014 zum ersten Mal getan?
Ganz bewusst sehr viel Zeit alleine verbracht. Abgeschaltet. Mich selbst auf „Null“ gesetzt. Luft geholt.

2014 nach langer Zeit wieder getan?
Festangestellt sein. Das war auch so ein Schritt, den ich mit etwas Bauchgrimmen gemacht habe. Und nicht eine Sekunde bereut habe. Leider war die Angelegenheit dann schneller beendet, als mir lieb war, weil das Startup, wie das eben so ist, die Geschäftsstrategie verändert hat. Ich suche im übrigen weiter nach einer neuen Aufgabe.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Eine sehr kranke Momo.
Das überraschende Ende bei allryder.
Langweilige Dates.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das es weitergeht und nicht alle Menschen schlecht sind.

2014 war mit 1 Wort … ?
Sehr abwechslungsreich.

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Update aus meinem Leben – Dezember Edition

# Nach meiner ja dann für alle etwas überraschend plötzlich auftretenden Menge an Freizeit hat sich das ein oder andere getan. Jobangebote gab es (Danke!), die ich noch sortiere, bzw. wo es weitere Gespräche geben wird. Noch ist nichts fix oder unterschrieben, kann aber gut sein, dass sich das vor Weihnachten noch ändert. In den letzten Wochen auch darüber nachgedacht, ob ich wieder freiberuflich arbeite, aber tatsächlich habe ich dazu eher weniger Lust. Also jedenfalls nicht auf die „Ich sitze zu Hause“ Nummer. Das hätte ich vor zwei, drei Jahren so auch nicht gedacht. Ich hatte aber schon im letzten Jahr bemerkt, dass mir das klassische Freelancertum etwas auf die Nerven geht und deswegen im vergangenen Frühjahr auch beschlossen, das zu ändern. Die Arbeit bei allryder hat mir dann gezeigt, dass mir die Arbeit mit einem Team deutlich mehr Spaß macht. Man kann einfach mehr bewegen und hat dadurch auch mehr Erfolgserlebnisse.

# Auf der anderen Seite… mir ist auch aufgefallen, dass mir das Reisen dann doch deutlich abging. Ich bin ja immer mal wieder gerne unterwegs und hatte das Glück, dass in den letzten Wochen dann gleich mehrere Einladungen rein kamen, die ich wahrnehmen konnte, weil ich halt Zeit hatte. Ich war zum Beispiel kurz in der Nähe von Malaga wo mich ein Auto über die Rennstrecke gefahren hat (Mehr dazu bald drüben im Racingblog).

Hello Bobby #Audi #rs7 #piloteddriving

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Donnerstag bin ich noch mal zwei Tage unterwegs, in der ersten Januarwoche geht es zur CES nach Las Vegas. Danach schauen wir dann mal, was 2015 so bringt. Im Grunde genommen würde ich ja gerne beides (Arbeit & Reisen) miteinander verbinden, aber das ist wohl eher utopisch und man kann halt nicht immer alles haben.

# Davon abgesehen war ich ganz froh darüber hier zu sein und frei zu haben, weil ich innerhalb von drei Wochen gleich zwei kranke Katzen hatte. Erst war Karla etwas Katzengras im Hals stecken geblieben, dann hatte Momo derartige Magenprobleme, dass ich sie über Nacht bei meinem Tierarzt zur Beobachtung lassen musste, weil sie komplett dehydriert war. Da war ich dann doch froh, dass ich zu Hause war. Sie bleiben ja schon mal (in Ausnahmefällen) zwei Nächte alleine, das wäre in dem Fall nicht so gut gewesen. Konsequenz der Magenprobleme ist eine Futterumstellung auf hochwertigere Nahrung. Die ist zwar teurer, aber weil die Nahrung besser ist, essen sie auch weniger, was am Ende dann in Sachen Kosten aufs Gleiche raus kommt. Dafür habe ich gesunde Katzen und muss nicht jeden Tag die Ecken meiner Wohnung durchforsten, ob Momo nicht doch irgendwo… usw.

# Aber zurück zum Fliegen, was ich ja a) öfter und b) meist sehr gerne mache. Finde das weiterhin sehr bemerkenswert, so in einer Millionen teuren Aluröhre zu sitzen, die mich auf knapp 900 km/h beschleunigt und auf 11.000 Meter Höhe bugsiert. Das ist insgesamt sehr schön, ein Wunderwerk der Technik quasi, dass man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Für das man ja eigentlich auch gerne viel Geld bezahlt, zumal ja doch grundsätzlich mit dem Gefühl fliegen mag, dass die Airline ihre Ersatzteile nicht im dritten Hinterhof links gekauft hat. Nun ist das Fliegen ja eher ein Massentransport, was ja auch seine Vorteile hat. Weil so viele Passagiere in einem Flugzeug sind, ist der Flug auch erschwinglich. Das ist dann ein wenig unbequem, aber auf der Kurzstrecke aushaltbar. Lufthansa, British Airways usw. bieten selbst da noch einen minimalen Service, auf der Langstrecke sogar einen recht guten. Wenn man mit Ryanair, EasyJet oder Air Berlin fliegt ist es eher ein Viehtransport. Ich hatte neulich wieder das Vergnügen knapp 3.5 Stunden mit Air Berlin zu fliegen. Beinfreiheit gibt es nicht, ich war zudem zwischen Bordwand und Passagier neben mir eingeklemmt. Nach dem Start bin ich kurz eingenickt, die Wasserausgabe habe ich verpasst, ich bekam dann auch nichts mehr, weil niemand mehr zu sehen war. Das ist dann unangenehm macht das eigentlich schöne Fliegen zu einer Tortur.
Mir ist es völlig klar, dass manche Airlines nicht anders rechnen können, weil der Preiskampf einfach brutal ist. Und Air Berlin macht ja, obwohl sie gefühlt mehr Passagiere reinquetschen, immer noch mehrstellige Millionenverluste. Und es ist auch gut, dass es günstige Flüge gibt, denn sonst kämen viele Menschen gar nicht mehr nach Hause, weil sie irgendwo im EU-Ausland arbeiten und nicht viel Geld zur Verfügung haben. Ich fände es aber auch nett, wenn es gerade auf der Mittel- und Langstrecke Airlines geben würde, die ein wenig mehr Geld für den Flug nehmen, dafür aber auch 5cm mehr Sitzabstand anbieten. Vielleicht liege ich ja falsch mit meiner Einschätzung, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man solche Angebote nicht auch erfolgreich vermarkten und verkaufen kann. Jedenfalls würde es das Fliegen wieder zu etwas besonderem machen. Was es ja auch ist.

Irgendwo zwischen Irland und Großbritannien. #latergram

Ein von Don Dahlmann (@dondahlmann) gepostetes Foto am

# Noch mal zu meiner momentanen Freizeit. Ich dachte ja, diese Freizeit würde ich ungefähr so nutzen: ausschlafen, gemütlich frühstücken, den Bücherstapel abbauen, Nachmittagslektüre in einem Café, ab und an ein paar kleine Reiseaktivitäten. So wie früher® halt, als man mit Notizblog und Buch stundenlang in Cafés abhängen konnte. Tatsächlich ist es aber so: nur minimal später aufstehen, Arbeiten (vor allem fürs Racingblog), Bewerbungsgespräche führen, Aufträge für das kommende Jahr reinholen, Vorträge vorbereiten, Kleinkram erledigen. „Entweder hast du das Kaffeehausleben verlernt, oder du hast tatsächlich so viel zu tun“, dachte ich die Tage. Vermutlich ist es aber wieder ganz anders und es liegt daran, dass ich einfach nicht Nichts tun kann. Wobei lesen und rumphilosphieren ja nicht als Nichtstun gilt. Aber ich scheine das Gefühl zu benötigen irgendwas sinnvolles, gerne auch mehr davon, am Tag hinbekommen zu müssen. Andernfalls war der Tag nicht sehr effizient, glaube ich dann.
Ich finde das einerseits ganz beruhigend, andererseits mittelmäßig erschreckend, dass ich scheinbar nicht mehr in den Tag reinleben kann. Sicherlich hat das auch etwas mit der noch ungeklärten Zukunft für 2015 zu tun. Sollte es dieses Jahr noch zu einem Vertragsabschluss kommen, bin ich mal gespannt, wie sich das auf meine Freizeitgestaltung auswirkt.

© 2015 Don Dahlmann